kommend von Prefsblet IV
[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Orbit rund um Truuine | Mesh'lane ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Dr. T'rsop, Kal Andrim
Als die Mesh'lane aus dem Hyperraumtrat, stand Theranos gerade vor dem großen Spiegel seines Gästequartiers und strich mit beiden Händen noch einmal langsam über den Stoff seiner Uniform, während sein Blick aufmerksam über die neuen Rangabzeichens wanderte.
Seit beinahe einer Stunde bereitete er sich auf ihre bevorstehende Ankunft vor, wobei ein beträchtlicher Teil dieser Zeit weniger seiner Kleidung als den zahlreichen Unterlagen gegolten hatte, die gemeinsam mit den Notizen auf seinem Datapad ein erstaunlich geordnetes Bild jener Welt zeichneten, der sie sich unaufhaltsam näherten.
Obwohl Theranos mit Truuine, oder vielmehr mit dessen Gouverneur Ridley Solaris, bereits seit längerer Zeit wirtschaftlich und politisch verbunden war , hatte er die vergangenen Stunden genutzt, um sämtliche Berichte noch einmal durchzugehen, auf die er mit seinen bisherigen Zugriffsrechten hatte zugreifen können. Er hatte aktuelle wirtschaftliche Kennzahlen geprüft, sich über bedeutende Industrie- und Infrastrukturprojekte informiert, öffentlich zugängliche Berichte über die Entwicklung der Städte gelesen und ebenso die jüngsten politischen Veränderungen sowie die langfristigen Vorhaben der planetaren Regierung betrachtet.
Ein erheblicher Teil dieser Informationen war ihm bereits bekannt gewesen, immerhin hatte Prefsbelt IV nicht nur wirtschaftliche Beziehungen zu Truuine aufgebaut, sondern während der jüngsten Vorkommnisse, wenn auch nur in begrenztem Umfang, militärische Unterstützung entsandt. Auch mit dem Erwerb der ehemaligen Alani-Inc.-Schiffswerft hatte Theranos bzw. Prefsbelt IV eine langfristige Investition auf dem Wasserplaneten getätigt. Dennoch wollte Theranos vermeiden, als frisch ernannter Sector Adjutant auf einer Welt einzutreffen und sich ausschließlich auf jenes Wissen zu verlassen, das er während seiner Zeit als Gouverneur gesammelt hatte.
Gerade jetzt, da sein Aufgabenbereich nicht länger an den Grenzen Prefsbelt IVs endete, erschien es ihm wichtiger denn je, jede Welt zunächst aus ihrer eigenen Perspektive zu betrachten. Wirtschaft bestand für ihn nicht allein aus Produktionszahlen, Handelsvolumen oder Investitionen. Hinter jeder Industrie standen Individuen, regionale Besonderheiten, politische Interessen und jahrzehntelang gewachsene Strukturen, deren Bedeutung man verstehen musste. Truuine mochte für viele Außenstehende vor allem eine karge Welt, eine Welt des Eises, der Kälte und des Wassers, doch Theranos wusste längst, dass sich hinter diesem ersten Eindruck eine komplexe Gesellschaft verbarg, deren Zukunft durch die vergangenen Ereignisse ebenso geprägt worden war wie durch die ehrgeizigen Pläne ihres amtierenden Gouverneurs Solaris.
Nachdem er den letzten Bericht geschlossen hatte, griff Theranos nach einer weiteren Datei, die auf seinem Datapad bereits seit dem frühen Morgen geöffnet gewesen war. Der offizielle Veranstaltungsprospekt der Gala der kristallenen Klänge wirkte beinahe wie ein kleines Kunstwerk. Zwischen eleganten Darstellungen Truuines, kunstvoll gestalteten Ornamenten und kurzen Erläuterungen zum Zweck der Veranstaltung erstreckte sich ein Programm, dessen Umfang selbst Theranos überrascht hatte.
Die Entscheidung der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialen Kultur, die Gala gemeinsam mit Gouverneur Ridley Solaris auf Truuine auszurichten, schien sich bereits jetzt als außerordentlich erfolgreich erwiesen zu haben. Was ursprünglich als festliche Zusammenkunft zur Förderung imperialer Kunst, Kultur und gesellschaftlicher Zusammenarbeit begonnen hatte, war inzwischen zu einer der bedeutendsten wirtschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen des Sektors herangewachsen.
Neben Konzerten, Aufführungen, Ausstellungen, Lesungen und Präsentationen zahlreicher angesehener Schriftsteller und Künstler sollte ein weitläufiger Teil des Veranstaltungsareals Vertretern bedeutender Unternehmen, wissenschaftlicher Einrichtungen und wirtschaftlicher Interessengruppen zur Verfügung stehen.
Während Theranos langsam durch das Verzeichnis blätterte, entdeckte er Delegationen großer Schiffbauunternehmen, Vertreter renommierter Architektur- und Baugesellschaften, Hersteller luxuriöser Raumyachten, auch bekannte Vertreter verschiedener Universitäten und Akademie würden anwesend sein und vieles mehr.
Auch zahlreiche kleinere Unternehmen, aufstrebende Forschungsbetriebe und spezialisierte Manufakturen würden die Gelegenheit nutzen wollen, neue Kontakte zu knüpfen, Investoren zu gewinnen oder ihre jüngsten Entwicklungen einem ausgewählten Publikum vorzustellen.
Zwischen den Präsentationen fanden sich die Namen bekannter Philosophen, Komponisten, Bildhauer, Architekten, Schriftsteller und Künstler aus zahlreichen Teilen des Imperiums. Mehrere Orchester sollten auftreten, neue Werke erstmals öffentlich präsentiert und unterschiedliche Kunstströmungen miteinander verbunden werden. Was auf den ersten Blick wie ein gesellschaftlicher Höhepunkt wirkte, war bei genauerer Betrachtung zugleich ein gewaltiges Netzwerk aus Kultur, Politik und etwas Wirtschaft, dessen Möglichkeiten weit über die wenigen Tage der eigentlichen Veranstaltung hinausreichen konnten.
Bei einem der letzten Einträge musste Theranos schließlich unwillkürlich schmunzeln.
Zwischen all den traditionsreichen Unternehmen, großen Konzernen und bekannten Namen befand sich auch Imperialis Sensus.
Die zwar überschaubare, jedoch repräsentative Präsentation seiner eigenen Weinmarke, bestehend aus einem Verkaufs- und Beratungsstand sowie der Möglichkeit, die Erzeugnisse von Imperialis Sensus an den mehreren Bars der Gala auszuschenken, hatte eine keineswegs unbedeutende Summe gekostet. Doch Theranos war überzeugt gewesen, dass es kaum einen geeigneteren Rahmen geben konnte, um seine ersten Erzeugnisse einem größeren und zugleich anspruchsvollen Publikum vorzustellen. Glücklicherweise hatte Theranos während seiner Amtszeit kaum nennenswerte private Ausgaben tragen müssen, da ein erheblicher Teil seiner Lebenshaltung durch seine Stellung gedeckt worden war.
Gemeinsam mit seinem früheren Gouverneursgehalt und den ersten Einnahmen aus dem Verkauf der jungen Marke hatte ihm dies genügend finanziellen Spielraum verschafft, um die Teilnahme vollständig aus eigenen Mitteln zu tragen. was zusätzlich zu seinem ehemaligen Gouverneurs-Gehalt seine Finanzen gut erweitert hatte.
Für einen kurzen Augenblick betrachtete er das kleine Emblem seiner Marke zwischen den Namen all jener traditionsreichen Unternehmen und musste erneut lächeln. Imperialis Sensus war bislang kaum mehr als ein persönliches Projekt gewesen, entstanden aus seiner Begeisterung für Kultur, Ästhetik und die Überzeugung, dass selbst ein Getränk Ausdruck einer Welt, einer Region und einer bestimmten Lebenshaltung sein konnte.
Nachdem Theranos auch den Veranstaltungsprospekt geschlossen hatte, erhob er sich und trat erneut vor den Spiegel. Seine gewöhnliche Uniform saß makellos, dennoch überprüfte er noch einmal den Sitz des Kragens und richtete eines der Rangabzeichen um kaum mehr als wenige Millimeter aus. Anschließend öffnete er den großen Reisekoffer, in dem seine Galauniform sorgfältig verstaut lag. Der dunkle Stoff, die feinen Verzierungen und die zeremoniellen Elemente waren unbeschädigt geblieben, sodass er den Koffer nach einer letzten Kontrolle zufrieden wieder schloss.
Erst danach trat Theranos an das Fenster seines Quartiers.
Die Sterne wirkten beinahe unbeweglich, während sich in der Ferne bereits die ersten Konturen Truuines aus der Dunkelheit lösten. Noch war der Planet lediglich eine leuchtende Kugel zwischen den Weiten des Alls, doch mit jeder Minute wurden seine Farben deutlicher. Das tiefe Blau seiner gewaltigen Ozeane begann sich von den helleren Wolkenformationen abzuheben, während das Licht des Systems einen feinen Schimmer über die Atmosphäre legte.
Eine ganze Weile blieb Theranos schweigend am Fenster stehen.
Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie ungewöhnlich ruhig die vergangenen Tage gewesen waren.
Die Reise auf der Mesh'lane hatte sich rückblickend beinahe wie eine Unterbrechung des gewöhnlichen Lebens angefühlt. Zum ersten Mal seit Monaten hatte es keine dringenden Sitzungen gegeben, keine Krisenmeldungen, keine politischen Auseinandersetzungen und keine Entscheidungen, deren Folgen unmittelbar das Leben Tausender Menschen beeinflussen konnten. Selbst die Arbeit, die er während der Reise erledigt hatte, war ihm leichter gefallen, weil sie nicht von ständigem Zeitdruck begleitet worden war.
Bereits während der ersten beiden Tage hatte Theranos bemerkt, wie tief die vergangenen Monate ihre Spuren hinterlassen hatten. Die Auseinandersetzung mit Robert Kern, die Unruhen, die zahlreichen Reformen, der Wiederaufbau, die Vorbereitung des Balles und schließlich seine unerwartete Ernennung hatten ihn stärker beansprucht, als er sich selbst eingestanden hatte. Kaum hatte die Mesh'lane Prefsbelt IV verlassen und die Verantwortung des täglichen Regierungsgeschäftes für einige Zeit nicht mehr unmittelbar auf seinen Schultern gelegen, hatte sein Körper begonnen, all jene Ruhe einzufordern, die er ihm zuvor verweigert hatte.
Er hatte länger geschlafen als gewöhnlich, an manchen Tagen sogar bis weit in den Vormittag hinein, und sich mehr als einmal dabei ertappt, nach einer Mahlzeit noch für einige Stunden in sein Quartier zurückzukehren. Anfangs hatte ihn dies beinahe irritiert. Erst nach und nach hatte er verstanden, dass es keine Trägheit gewesen war, sondern die verspätete Reaktion auf Monate beinahe ununterbrochener Anspannung. Die Erschöpfung war nicht plötzlich entstanden. Sie war lediglich zum ersten Mal nicht mehr von Verantwortung, Terminen und neuen Problemen überdeckt worden.
Mit jedem Tag hatte sich diese Müdigkeit jedoch langsam gelöst.
Theranos hatte begonnen, wieder regelmäßig zu trainieren, hatte die vorhandenen Möglichkeiten der Yacht für körperliche Übungen genutzt und dabei festgestellt, wie sehr ihm die vertraute Bewegung gefehlt hatte. Neben Ausdauer- und Krafttraining hatte er sich erneut einigen architektonischen Entwürfen gewidmet, Skizzen überarbeitet und Ideen festgehalten, die keinen unmittelbaren politischen Zweck erfüllten. Auch Imperialis Sensus hatte wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten. Er hatte Verkaufsberichte geprüft, erste Rückmeldungen ausgewertet und mehrere Gedanken zur langfristigen Entwicklung der Marke notiert, ohne sich dabei selbst unter Druck zu setzen.
Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte er wieder Dinge getan, weil sie ihm Freude bereiteten und nicht, weil eine Regierung, ein Projekt oder ein ganzer Planet auf ihre Fertigstellung wartete.
Gleichzeitig waren die Tage keineswegs ereignislos geblieben.
Mit Gouverneur T'rsop hatte Theranos zahlreiche Stunden in der Panoramalounge, im Speisesaal oder bei gelegentlichen Spaziergängen durch die ruhigen Gänge der Yacht verbracht. Ihre Gespräche hatten selten bei jenem Thema geendet, mit dem sie begonnen hatten. Aus einer kurzen Unterhaltung über das geplante Tunnelnetz Prefsbelt IVs waren Überlegungen über die langfristige Entwicklung planetarer Infrastruktur entstanden, aus Fragen zur Architektur Blue Ones Diskussionen darüber, wie die traditionelle prefanische Klassik stärker bewahrt und zugleich mit moderner Stadtplanung verbunden werden konnte. Gemeinsam hatten sie über neue Bildungsprogramme, wissenschaftliche Einrichtungen, kulturelle Förderungen und Möglichkeiten gesprochen, die unterschiedlichen Regionen des Planeten wirtschaftlich enger miteinander zu verbinden.
Manche ihrer Ideen waren konkret gewesen, andere kaum mehr als Gedankenspiele, deren Umsetzung vielleicht Jahrzehnte benötigen würde. Doch gerade diese Offenheit hatte Theranos genossen. T'rsop betrachtete viele Fragen aus einer Perspektive, die sich grundlegend von seiner eigenen unterschied, und zwang ihn dadurch immer wieder, vermeintlich selbstverständliche Überzeugungen neu zu prüfen. Gleichzeitig wusste Theranos, dass der neue Gouverneur längst begonnen hatte, Prefsbelt IV seine eigene Handschrift zu verleihen. Die ersten Berichte über geplante Ausschüsse, wirtschaftliche Gespräche und gesellschaftliche Reformen hatten ihn während der Reise erreicht und seine Überzeugung gestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Auch mit Captain Kal Andrim hatte Theranos mehrfach längere Gespräche geführt. Ursprünglich hatte er den Piloten stärker in den Ausbau der fliegerischen Komponenten der Blauen Legion einbinden wollen. Die unerwartete Beförderung Kals und Theranos' eigener Wechsel in die Sektorverwaltung hatten diese Überlegungen jedoch grundlegend verändert. Aus einer planetaren Idee begann langsam ein wesentlich größeres Konzept zu entstehen.
Theranos hatte dem Captain erste Gedanken zu einem sektorweiten Wirtschaftsschutzverband erläutert, der bedeutende Industrieanlagen, Handelsrouten, Kolonisationsprojekte und wirtschaftlich relevante Infrastruktur absichern sollte, ohne dabei zu einer Konkurrenz der regulären imperialen Streitkräfte zu werden. Ein fester Berufskader sollte Führungskräfte, Ausbilder, Spezialisten, Ermittler, Piloten, Ingenieure, Logistiker und Verwaltungspersonal stellen, während zusätzliche Kräfte projektbezogen für begrenzte Zeiträume verpflichtet werden konnten. Auf diese Weise ließe sich eine flexible Organisation schaffen, die schnell auf neue wirtschaftliche Entwicklungen reagieren konnte, ohne dauerhaft die personellen Ressourcen des Militärs zu belasten.
Noch existierte kaum mehr als eine grobe Idee. Viele rechtliche, organisatorische und politische Fragen mussten geklärt werden, und Theranos wusste, dass ein solches Vorhaben nur in enger Abstimmung mit Moff, Admiralität und den zuständigen imperialen Stellen entstehen durfte. Dennoch hatte er die Gespräche mit Kal genutzt, um erste Gedanken zur Ausbildung möglicher Piloten, zur Struktur einer sektoralen Raumkomponente und zu den Anforderungen an jene Offiziere zu sammeln, die eines Tages Verantwortung innerhalb des Verbandes übernehmen könnten.
Dabei war sein Blick gelegentlich auch nach Truuine gewandert. Major Cestus Varro hatte während der dortigen Kämpfe bewiesen, dass er nicht nur militärische Aufgaben erfüllen, sondern komplexe Sicherungsoperationen unter schwierigen Bedingungen koordinieren konnte. Sollte sich das Konzept tatsächlich weiterentwickeln und sollten die zuständigen Stellen einer solchen Verwendung zustimmen, konnte Theranos sich durchaus vorstellen, den erfahrenen Offizier zumindest in die ersten Planungen einzubeziehen.
Darüber hinaus hatten er und Kal über wirtschaftliche Entwicklungen innerhalb des Sektors gesprochen, über neue Produktionsstandorte, mögliche Kooperationen mit Unternehmen wie Kuat Drive Yards und die Frage, welche infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden mussten, damit wirtschaftliches Wachstum nicht ausschließlich in wenigen bereits entwickelten Systemen stattfand. Viele dieser Gespräche waren bewusst offen geblieben. Theranos wollte weder über die Zukunft des Captains entscheiden noch Pläne formulieren, bevor dessen weitere Verwendung überhaupt feststand. Dennoch hatte er den Eindruck gewonnen, dass Kal über Fähigkeiten verfügte, die weit über das Cockpit eines Sternjägers hinausreichten.
Auch Moff Aren Vayliuar hatte trotz seiner zahlreichen Verpflichtungen immer wieder Zeit für Gespräche gefunden. Manche waren geschäftlicher Natur gewesen, andere hatten sich beinahe beiläufig beim gemeinsamen Essen oder bei einem Getränk in der Panoramalounge entwickelt. Theranos hatte diese Gelegenheiten genutzt, um mehr über die Erwartungen an sein neues Ressort zu erfahren, während Aren ihm erste Einblicke in laufende Projekte und zukünftige Vorhaben gegeben hatte.
Besonders ein mögliches Entwicklungsprojekt auf dem Kolonieplaneten KP-1 hatte Theranos' Aufmerksamkeit geweckt. Nach der Gala sollte er sich intensiver mit dem wirtschaftlichen Aufbau der jungen Kolonie beschäftigen, bestehende Strukturen prüfen und erste Konzepte für eine langfristige industrielle und infrastrukturelle Entwicklung ausarbeiten. Noch waren viele Einzelheiten offen, und Aren hatte deutlich gemacht, dass sie sich nach ihrer Rückkehr ausführlicher darüber unterhalten würden. Dennoch hatte Theranos bereits begonnen, erste Fragen zu sammeln. Welche Ressourcen standen zur Verfügung? Welche Infrastruktur musste zuerst geschaffen werden? Welche wirtschaftlichen Zweige konnten langfristig wachsen, ohne die junge Kolonie zu überfordern?
Je länger die Reise gedauert hatte, desto deutlicher war ihm geworden, wie sehr sich sein Blick bereits verändert hatte. Noch vor wenigen Tagen hatte er jede Entscheidung aus der Perspektive Prefsbelt IVs betrachtet. Nun begann er, Verbindungen zwischen ganzen Welten zu erkennen. Industrie auf einem Planeten konnte Arbeitsplätze und Wohlstand auf einem anderen schaffen. Neue Handelswege konnten abgelegene Systeme miteinander verbinden, während Investitionen in Infrastruktur langfristig die Stabilität eines gesamten Sektors stärkten.
Theranos wusste, dass er noch viel lernen musste.
Doch gerade dieser Gedanke erfüllte ihn nicht mit Unsicherheit, sondern mit Vorfreude.
Ein leises Signal erklang in seinem Quartier und kündigte an, dass die Mesh'lane bald auf Truuine landen würde.
Langsam richtete Theranos den Blick wieder auf den Planeten, der inzwischen einen beträchtlichen Teil des Fensters ausfüllte. Die Reise war vielleicht die ruhigste Zeit gewesen, die er seit vielen Monaten erlebt hatte. Sie hatte ihm Gelegenheit gegeben, zu schlafen, nachzudenken, zu trainieren, mit Freunden zu sprechen und sich erstmals bewusst mit der Zukunft seines neuen Amtes auseinanderzusetzen.
Nun begann der nächste Abschnitt.
Theranos strich noch einmal über den Kragen seiner Uniform, nahm sein Datapad vom Schreibtisch und warf einen letzten Blick auf die neue sorgfältig verstaute Galauniform.
Er hatte zwar auch seine eigenstangefertige Galauniform in den Farben von Prefsbelt IV mit, doch würde er für diesen Anlass die Offizielle Galauniform des Imperiums mit seinem neun Dienstgrad verwenden.
Dann blieb er noch einen Augenblick vor dem Fenster stehen. Vor ihm lag Truuine.
Eine Welt, mit der Prefsbelt IV bereits durch Freundschaft, Investitionen und gemeinsam überwundene Krisen verbunden war. Eine Welt, auf der sich in den kommenden Tagen Künstler, Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler und Visionäre aus zahlreichen Teilen des Imperiums begegnen würden.
Und irgendwo zwischen Opern, Ausstellungen, Empfängen und wirtschaftlichen Gesprächen warteten vermutlich bereits die ersten Aufgaben seines neuen Lebens.
Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf Theranos' Gesicht. Nun war er bereit, für das nächste Kapitel.
"Nadann mal los"
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