Truuine

[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Eisige Weiten ] Qowrow

Qowrow spürte das Lichtschwert in seinem Schoß und den blauen Lichtschwertkristall in dessen Inneren. Er spürte das schwarze Eis unter ihm, das von den ewig schwarzen Wolken am Himmel so lange mit Ruß gefüttert worden war, bis es alles von seiner einstigen Reinheit eingebüßt hatte. Unter seiner Rüstung und seinem dichten Fell spürte er die Kälte kaum.

Das bisschen, was durchkam, wurde von seinem inneren Feuer versengt.

Quiver hatte sie Qowrow verraten. All die kleinen und großen Lügen, mit denen Aster ihn unter Kontrolle gehalten hatte. Eine davon, dass Emotionen gefährlich waren.

Oh, ja. Sein Sith-Meiste hatte es verstanden seine Akolythen davon zu überzeugen sich selbst eine Lobotomie zu verpassen. Kampf im emotionalen Gleichgewicht. Eine Hand hinter den Rücken gebunden und sich der Welt um sie herum unbewusst. Es war beinahe genial in seiner Simplizität. Und das machte Qowrow nur noch wütender!

Aster der H*rensohn. Dieser machtverdammte W**er.

Alle Beleidigungen, die er sich überlegen konnte, erschienen ihm nicht stark genug. Kratzten nicht einmal an der Oberfläche des abgrundtiefen Hasses, den er für Darth Aster empfand. Quiver hatte gesagt es sei gut so. Aster habe ihm damit das größte Geschenk gemacht, das ihm ein Meister hatte machen können.

Hass.

Eine glühende Waffe, die er nun der Galaxis zwischen die Rippen rammen konnte.

Doch zunächst… Qowrow konzentrierte sich. Spürte den Lichtschwertkristall unter der dünnen Metallverkleidung seines Schwertes. Das kleine blaue Ding, das Aster ihm gegeben hatte und das ihn bis zu diesem Moment treu begleitet hatte. Das würde es auch weiter tun, doch galt es die Verhältnisse neu zu klären. Begleiter? Nicht länger.

Diener? Schon eher.

Einen Moment lang gab der Wookiee sich seinem glühenden Inneren hin. Dann kanalisierte er es. Leitete die Tiefe seiner Gefühle in den Kristall.

Der Kyber schrie. Oder was man so nennen wollte. Er spürte den Widerstand, wie der Kristall sich gegen seinen Verstand stellte und ihn wortlos anflehte es nicht zu tun, ihn nicht zu zwingen. Doch hatte Qowrow eine Wahl gehabt?

Er war dazu gezwungen worden Akolyth zu werden, unter Androhung des Todes. Dann unter Vorspielen falscher Tatsachen. Einen Parasiten hatte Aster ihn genannt! Jemanden ohne inhärentes Potential, das auf die Anwesenheit des Meisters angewiesen war. Und dann war ihm die Macht gestohlen worden, um die Lüge scheinbar zu beweisen!

Nie mehr! Nie mehr würde Qowrow irgendwem dienen! Und die Versklavung des Kristalls war der erste Schritt dafür.

Der Wookiee brüllte. Die Hände in seinem Schoß zitterten. Wäre er ein Mensch gewesen, wäre ihm Schweiß auf die Stirn getreten. Sie rangen. Der Kristall war stark… doch er war stärker!

Plötzlich war alles vorbei. Schwer atmend hielt er inne und sah auf das Schwert hinab. Es schien sich nichts verändert zu haben, doch Qowrow wusste es besser. Mit spitzen Zähnen grinste er. Und richtete dann seinen Blick auf den Horizont.

Eine neue Wahrnehmung hatte sich in seinen Geist geschlichen.

Quiver hatte ihn gewarnt, dass es dazu kommen konnte. Dass der rote Idiot geschickt werden würde, bevor sie ihn erreichte. Dann würde eben Vorn Qowrows erste echte werden. Sollte er nur kommen.

Langsam erhob er Wookiee sich und sah dem roten Menschen entgegen, der auf seinem Speederbike angerauscht kam.


„[Er verarscht dich nur!]“, brüllte er seinem ehemaligen Kollegen entgegen. „[Aber du bist ja mal wieder zu blöd das zu verstehen!]“

Mit einem Zischen schälte sich seine nun rote Lichtschwertklinge aus dem Griff.

„[Dann komm! Lass dich f*cken, Vorn!]“


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Eisige Weiten ] Qowrow und Vorn
 
[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - Irgendwo im Nirgendwo auf einem Speederbike - Akolyth Vorn alleine]

Die Südpolarregion besaß nur wenige erinnerungswürdige Formationen und jene die es gab, ob nun natürlich oder künstlich, neigten dazu recht abrupt zu enden. In einem Augenblick war man noch in einem imperialen Lager und fünf Sekunden später befand man sich im Nirgendwo. Das Speederbike wirkte winzig, aber es trug den Akolythen rasend schnell davon. So schnell, dass der Machtnutzer etwa fünf Minuten später überrascht auf die Karte sah und feststellen musste, wie rasch er dem anderen Akolythen nahe kam.

„Scheiße.“ fluchte Vorn in seinen Helm hinein und wurde langsamer. Selbst wenn diese Region tatsächlich leer gewesen wäre und er hätte blind fahren können, dabei in die Tiefschlaftrance zu verfallen wäre dann ein bisschen zu viel gewesen. Und der Landstrich war ja eben nicht leer. Aus scheinbar völlig willkürlichen Gründen erschienen hier und da Schneehügel, Eisspalten im Boden oder Felsformationen. Gerade weil er so gut voran kam, nutzte er letztere Landmarke, um eine Pause einzulegen. Selbst an seinem besten Tag war der Kampf gegen den Wookiee kein Kinderspiel. Er brauchte ein paar Stunden, um sich in der Tiefschlaftrance zu verlieren.

Von einer Seite von dem Felsen und noch einmal auf der anderen vom Speeder vor Wind geschützt, setzte sich der Hüne mit dem Rücken nach Außen auf dem Boden, wobei er eine am Speederbike befestigte Rationskiste als Hocker verwendete. Zuerst nahm er den Helm ab und schlang fast alles an Essen herunter, das da war. Nach seinem – mit Sicherheit teuer erkauften - Sieg würde er wieder etwas brauchen, weshalb er eine Ration übrig ließ. Danach setzte er den Helm wieder auf und es folgte Schritt Zwei. Während des Kampfes hatte er nur selten darauf geachtet, doch ihm war durchaus nicht die sinkenden Energiereserven entgangen. Das Auswechseln der Energiezellen hatte er sich noch gut eingeprägt und es sogar schon ein paar mal geübt. Gedacht, getan. Abschließend wollte er noch mit dem im Gürtel befindlichen Werkzeug die Rüstung oberflächlich reinigen oder sogar reparieren, doch ihm fiel ziemlich schnell auf, das er weder die Geduld dafür besaß noch daran glaubte, dass das jetzt noch etwas brachte. Sie schien zumindest im frontalen Bereich fern jeder Möglichkeit, sie noch zu reparieren. Die konnte man nur noch einschmelzen. Da sie aber ohnehin kaum bis gar nicht gegen Laserschwerter half, war das sowieso egal.

Immerhin hatte er üben können. Dank dieser ganzen Grabensache hatte er sich gut einleben können und kam nun besser mit dem Kampfanzug klar. Das viele Feuer und die Sprengfallen hatte ihm sogar den Umhang gekostet, der ihm sowieso nie gefallen hatte. Er fühlte sich also, alles in allem, relativ selbstbewusst, wenn es um das Duell ging. Falls es überhaupt zu einem kommen würde. Das Ziel war der Tod des anderen Akolythen. Ein fairer Zweikampf war optional. Denn zu beweisen gab es nichts mehr. Vorn war besser. Nicht in jedweder Beziehung, aber im Allgemeinen schon und deshalb reichte dem Rothäutigen IRGENDEIN befriedigender Abschluss.

Doch dafür musste er sich erst einmal wieder regenerieren. Also aktivierte er die im Anzug verbauten Nahbereichssensoren, die näher kommende Lebensformen melden sollten und schaltete sie auf „akustische Warnung“ ein. Dann, mit einem letzten Blick auf den Chronometer, schloss er die Augen und begann die Tiefschlaftrance.

Etwa vier Stunden später öffnete er sie wieder. Nichts hatte sich ihm genähert und auch
Big Q hatte sich, zumindest laut HUD, nicht merklich bewegt. Er schien abzuwarten. Vorn packte wieder alles zusammen, setzte sich auf den Speeder, fuhr einen Halbkreis mit diesem und raste dann mit maximaler Geschwindigkeit wieder auf den anderen Akolythen zu. Als er die Höchstgeschwindigkeit erreicht hatte, ließ er den Helm die Reisezeit berechnen. Dafür brauchte er ein paar Anläufe, denn das hatte er zuvor nicht geübt, doch die Steuerung des HUDs über die Augen war intuitiv, sprich: jeder Idiot würde damit irgendwann klar kommen. Die vermutete Ankunftszeit war nicht weit entfernt, was gut war, da Vorn sowieso nicht wusste, was er denken sollte.

Irgendwann sah er ihn dann. Der gewählte Ort, an dem er auf ihn wartete, erschien dem Menschen willkürlich. Keine Felsen, keine Hügel aus Eis oder Schnee, nur hier und da kleinste Verwehungen, als sträube sich der Südpol gegen eine komplett plane Oberfläche. Big Q selber stand schon da, brüllte irgendetwas in seiner stinkenden Affensprache, das Vorn jedoch nur hören konnte, weil ihm sein Helm dabei half, der die Fahrgeräusche des Speeders irgendwie unterdrücken konnte. Imperiale Technik eben. Ebenfalls interessant war das Laserschwert, welches der Wookiee aktivierte. Eine rote Klinge. Natürlich. Fot*e!

Etwa zehn Meter vom anderen Akolythen entfernt stieg Vorn ab, ging ein paar Schritte und blieb dann stehen, das Laserschwert deaktiviert schon in der Rechten. Er betrachtete seinen Gegenüber, analysierte die Lage. Die Rüstung des Wookiees hatte auch ein bisschen was abbekommen, also war er nicht komplett feige gewesen, doch mit seiner eigenen verglichen, war das gar nichts. Hätte es einen weit entfernt stehenden Beobachter des nun folgendes Kampfes gegeben, man hätte die beiden Kontrahenten alleine an der Farbe ihrer Kampfanzüge unterscheiden können. Der eine war der weiße, typisch imperiale Strahlemann, aber immerhin mit einem coolen roten Laserschwert. Der andere war Vorn, eine beinahe komplett schwarze, zusammengeschossene Gestalt, leider nur mit einer blauen Laserschwertklinge. Hätten sie jetzt noch die Waffen getauscht, es wäre perfekt gewesen. Zumindest für einen Betrachter, den es interessierte. Vorn war es egal. Ihm sagte die aktuelle Situation nur, dass der Wookiee einen Gönner hatte. Noch beim Betreten des Südpols hatte er ein blaues Laserschwert gehabt.
Aster … hinterfot*ig … arschfi**end … war das sein Lohn? Hatte der Meister gar geahnt, dass Vorn abhauen wollt? Sollte er hier und jetzt sterben? Was hatte er dem Wookiee noch gegeben?

„Dann bist du also WIRKLICH sein Liebling.“ antwortete Vorn auf das Gebrüll des Tieres da vor ihm, aktivierte seine Waffe und fuhr dann mit der Klinge durch die Luft, sodass es aus seiner Perspektive so aussah, als würde er den Kampfanzug des Wookiees einmal abgehen. Schon ab dem Punkt, da Aster die Affensprache verstehen konnte, hatte der Mensch geahnt, wohin diese Reise gehen könnte. Er hätte sich dennoch gerne geirrt.

„Hat dich von den echten Kämpfen fern gehalten, hat dir eine neue Farbe gegeben. Wie die von seinem Kumpel, diesem Doppelklingentypen. Du bist dann wohl sein offizieller Schüler geworden.“


Und ihn selbst hatte
Aster in eine Schlacht geschickt, die ihn mehrfach beinahe das Leben gekostet hätte. Wären die Jungs vom Skybridge Bataillon nicht so exzellente Schützen gewesen, es hätte hier und da echt schief gehen können. Sein verräterischer Meister hatte ihn aber unterschätzt und tat es auch jetzt.

„Genug geredet!“

Die beiden Akolythen hatten viel Zeit zusammen verbracht und auch genug davon beim Umgang mit der Macht. Aber eben nicht nur. So wirklich kannte sie den Stand der Fähigkeiten des jeweils anderen nicht. Big Q war zuvor eleganter gewesen und hatte sich breit aufgestellt, während Vorn sich auf den Kampf konzentriert hatte. Simple, aber brachiale Gewalt, das war seine Stärke... er würde sie zum Einsatz bringen...

[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - Irgendwo im Nirgendwo - Akolyth Vorn und Schüler Qowrow]
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / eine Bar unweit des Praxeums] - mit Gouverneur Dr. T'rsop, Moff Aren Vayliuar, Sektor-Adjutant Theranos Zesh, Gouverneurin Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Moff Agustin Prada, Cpt. Kal Andrim und andere

T'rsop stellte erfreut fest, dass sowohl Lili als auch Kael seinen Ausführungen über das unterschiedliche Hören folgen konnten. Und der Chiss teilte sogar seine Faszination dieser Gedankengänge - und war umso dankbarer für sein ernstgemeintes Lob. Dann lenkte sein Gegenüber das Gespräch auf die musikalische Aufführung Zhirios in den Gletscherhöhlen. Ja, da freute sich der Gelehrte besonders drauf - unter anderem.
"Oh ja. Da stehen die Musiker aber auch vor einer ganz besonderen Herausforderung. Der Schall und das Echo in den Höhlen macht das normale Spielen schon anspruchsvoll genug - aber falls sie es nicht perfekt spielen, werde ich viele der Fehler in einer deutlichen Klarheit hören. Aber wenn sie perfekt musizieren - könnte das eine transzendierende Erfahrung werden..."

Nun meldete sich auch die Gouverneurin von Bastion zu Wort. Aber sie fokussierte sich nicht auf seine Verbildlichung, sondern auf seine perfekte Nutzung von Basic. T'rsop war froh über seine geschulte Selbstbeherrschung, denn ansonsten hätte er despektierlich sein Gesicht verzogen. Natürlich konnte er Basic. Er sprach diese Sprache schon wesentlich länger als diese Lili lebte. Doch bevor er sich zu einer feinfühligen Zurechtweisung hinreißen ließ, war diese Frau schon weiter und lobte ihn für seinen Imperialen Umgang. Er neigte wohlwollend sein Haupt.
Der Pau'aner war kein Freund davon, den Gesprächsfluss gekränkter Eitelkeiten wegen brachial umzuleiten - seine Chance auf eine schlagfertige Antwort war vergangen. Für dieses Mal.
Aber sie meinte es, wenn er sie richtig deutete - wobei er sich sehr sicher war - wirklich nicht böse. Sie hatte wohl nur einiges über die Galaxis zu lernen.

Dann fuhr
Lili fort, ihn auf sein empfindliches Gehör in einer großen Geräuschkulisse wie dieser Bar anzusprechen. Der Gouverneur von Prefsbelt IV war kurz davor, zu seufzen. Sie hatten sich eben doch schon vom Smalltalk entfernt. Warum musste sie jetzt wieder dahin zurück? Aber zumindest war das - vermutlich künstlich heraufbeschworenes - Interesse von der Gouverneurin.
Also würde er auch antworten:

"Ja, das haben Sie ganz recht erkannt. Ohne meine Ohrenschützer sind Räume mit vielen Hintergrundgeräuschen sehr unangenehm für mich. Ich könnte mich kaum auf unser Gespräch konzentrieren, da ich ja von sämtlichen Nebengesprächen Details und nicht nur das Hintergrundrauschen mitbekommen würde. Aber ich habe sie ja zum Glück und kann so auch ganz entspannt hier in der Bar sein. Und wie gesagt: Es lohnte sich des Musikstückes schon, hier zu sein. Und Kontakte zu knüpfen, schadet auch nicht - es ist mir eine Freude, bei euch - und Ihnen - zu sein."
Den anderen Teil der Wahrheit behielt T'rsop für sich: Hätte er vorher gewusst, was für ein Rudel an Politikern und Einflussreichen Theranos angelockt hatte, wäre er ganz sicher in seinem Zimmer geblieben und hätte sich Zeit für seine Aufgaben oder für sich selbst gegönnt. Aber als er dann schon in der Bar war, wollte er seine Zeit hier auch gut nutzen.

Als
Alizee nach seiner Antwort auf ihre Frage dann noch einen draufsetzte und ihn wegen seiner akustischen Expertise als Teil der Gesellschaft der schönen Künste haben wollte, unterdrückte der Gelehrte seine Lachen nicht. Und war sich kurz darauf sicher, dass er damit mindestens mal Alizee und vielleicht auch ihre Gouverneurin damit etwas verunsicherte. Dann wurde er ernst und erklärte seine Ansicht zu diesem Thema:
"Meine Dame, das ehrt mich. Mich aber nur aufgrund biologisch-physischer Begabungen teil der Gesellschaft werden zu lassen, wäre für den Ansatz und den Pathos dieser unerhört. Wie gesagt: Ich bin auf dem Gebiet der Musik wenig mehr als ein Liebhaber. Kein Könner. Und schon gar kein Virtuose.
Und die schönen Künste und die Kultur sollten von denen geprägt werden, die die Begabung haben und - ich betone noch einmal: und - ihr Talent durch Übung und Reflexion zum Virtuosentum und zur Meisterschaft gebracht haben. Alles andere wäre der Kunst und der Imperialen Kultur unwürdig. Nur das Bedeutsame des Besonderen sollte sich Kunst und Kultur nennen dürfen. "


"Ich bin jedenfalls froh, dass Sie diese Runde mit etwas Exotik ergänzen", griff Lili den Faden nach einer kurzen Stille auf seine Antwort wieder auf und spielte damit auf seine Gedankengänge zum Mitgliedsein in der hiesigen Abendgesellschaft an. Jetzt zeigte T'rsop kurz einen Teil seiner Zähne, da er eine körperliche Reaktion auf diese Formulierung nicht ganz unterdrücken konnte. Ja, er war Exot und er wollte auch gerne als Exzentriker wahrgenommen werden - auch sein Leben war zu kurz, um angepasst und grau zu sein. Aber er wollte und war es seines Charakters wegen. Doch bei Lili war er sich nicht sicher, ob sie es nicht seiner Spezies wegen sagte. Und genau das wollte er nicht. Das hatte er doch schon bei den Thema der Künste und Kultur klargemacht: Nicht durch Spezies, sondern durch Charakter und Meistertum.
Er hatte schon eine spitze Beleidigung auf der Zunge, als die Gouverneurin ihn anlächelte und einen Knicks vollführte. Entweder war sie in dem Spiel, durch vollendete Körpersprache und Nuancenspiel Ehrlichkeit vorzuspielen, noch besser als er - was zwar vielleicht möglich, aber doch sehr unwahrscheinlich war - oder sie meinte es tatsächlich als Lob.
Und der Gelehrte entschied sich für letztere Interpretation. Aber ganz unbescholten wollte er sie diesmal nicht davonkommen lassen. Ein Paar Grenzen mussten dieser Dame einmal aufgezeigt werden.


"Gouverneurin d'Oridin. Ein wenig Exotik schadet niemandem - sie sollten sie hier und dort auch ein wenig einweben und würden dann sehen, was für eine schöne Blüte daraus entsteht." Und dann gewann ein Gedanke der Politik in ihm Überhand. Die Pause war gerade lang genug, dass die höflich verpackte Kritik wohl bei der Gouverneurin angekommen sein musste - wenn sie nicht schwer von Begriff war. Und die Pause war gerade kurz genug, dass kein Platz war, etwaiger Wut und Verletzung Ausdruck zu verleihen. Denn schon fuhr T'rsop fort:
"Und wenn Bastion einmal pau'anisch-prefsbelt'sche Exotik braucht, melden Sie sich."
Der Gouverneur von Prefsbelt IV hielt noch einen Moment lang ernsten Augenkontakt mit der Gouverneurin von Bastion, bis er sicher war, dass sie sein Angebot einer erstmal undefinierten Zusammenarbeit beider Planeten verstanden hatte. Dann lächelte er ohne seine Zähne zu zeigen und neigte respektvoll sein Haupt.

Das Gespräch ging schnell weiter in Richtung Gala. Und der Gelehrte konnte das nachvollziehen - konkrete Politik wurde nicht in einer Bar gemacht. Er hörte sich die sehr pressereife und damit nichtssagende und langweilige Antwort von
Lili an, was sie sich von der Gala erhoffte. Erst bei ihrer übertrieben verschwörerischen Werbung für ihren geheimen Kunstbeitrag stieg er wieder richtig ein. Keine Frage: Diese Gouverneurin war verdammt charismatisch - und er würde sich bei nächster Gelegenheit hinsetzen müssen, um zu analysieren, ob er sie tatsächlich als Person sympathisch fand, oder ob das nur die Wirkung ihrer Präsentation war.
"Bei diesem Cliffhanger werde ich bestimmt nicht schlafen können, bis ich den bastioner Beitrag gesehen habe", reagierte er auf ihre Ankündigung, wobei er sich theatralisch einen Handrücken vor die Stirn legte und ihr dann kurz zuzwinkerte.
Auch ihre Majordomus erzählte, was ihr besonders wichtig war: Die neue Mode. Das war nun wirklich kein Thema, bei dem
T'rsop mitreden konnte oder auch nur wollte.

Da hörte er schon viel lieber
Kael zu, der aus Idealismus hier war. Er wollte den Stand der Soldaten auch bei zivilen Ereignissen vertreten.
Für einen Militärstaat war dies unerlässlich. Die Soldaten durften nicht wie hirnlose Brutalos wirken - auch wenn sie oft so arbeiten mussten. Wenn ein solches System stabil bleiben will, muss auch die militärische Schicht - und zwar alle ihre Teile, nicht bloß die Offiziere - als gebildet, zivil und kulturtauglich erlebt werden.
Dies tat er daher auch zunächst dem Soldaten kund, bevor er offenbaren würde, weswegen er hier war.


"Kael, das Imperium braucht Soldaten wie dich. Tödlich und effizient an der Front - aber auch ein Gewinn für das zivile Miteinander. Militär und Zivilgesellschaft dürfen keine bloßen Gegenüber bleiben - beide sind Lebensadern des Imperiums. Und es ist mir eine Freude, dass du das weißt und lebst. "
Er blickte kurz seine drei Gesprächspartner an, bevor er fortfuhr:
"Ich selbst wäre - wie du, lieber Kael - wenn es frei nach mir ginge, auch woanders. Nicht an irgendwelchen Schlachtlinien, sondern am Schreibtisch oder in Konferenzräumen, bei den Feldern und Wurzeln der Gesellschaft, um das Erblühen von Prefsbelt IV voranzutreiben. Zumal ich mich auch einmal in Ruhe einarbeiten würde.
Aber diese Gala ist zu prominent und wichtig, als dass ich sie links liegen lassen könnte.
Als Gouverneur bin ich hier, um Kontakte zu knüpfen und meine Kollegen kennenzulernen. Als Privatperson T'rsop strebe ich aber zwei Highlights an: Natürlich das große Konzert in den Gletscherhöhlen - ich hatte es eben ja schon einmal gesagt.
Aber dann hoffe ich auch, etwas mehr über ein Kunstwerk und seine Gattung zu erfahren, das ich auf dem Weg zu meinem Zimmer im Praxeum zu erfahren und darin versinken zu können.
Vielleicht habt ihr - und Sie - es ja auch gesehen? Es war lichtbrechend und mysteriös, hatte Zacken und könnte aus Glas oder Eis sein. Seine bunten Schatten und Linien fielen scheinbar wahllos um es herum. Ein herrlicher Anblick, der uns aufzeigt, wie klein und bedeutungsarm wir doch sind. Und wie faszinierend unser Sein ist.
Aber wie auch immer: Ich bin gespannt, was ich die nächsten Tage erleben darf und wen ich dabei kennenlerne. Also seht meinen kleinen rhetorischen Kniff, dass heute schon alle meine Erwartungen übertroffen wurden, bitte nicht als absolut an.
Allerdings möchte ich noch einmal betonen, dass ich stark bezweifle, dass offizielle und öffentliche Anlässe etwas so Schönes entstehen lassen können wie dieser Abend der Zufälle und des Machtstrudels."


T'rsop lächelte den anderen nochmal zu und warf dann einen Blick auf seinen leeren Teller. Dann wieder zu den anderen.
"Wie sieht es aus? Ich würde mir nochmal ein Getränk holen. Bleibt ihr noch etwas hier, oder zieht es euch weiter? Damit ich weiß, ob das jetzt ein Abschied wird, oder nur eine Pause."

[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / eine Bar unweit des Praxeums] - mit Gouverneur Dr. T'rsop, Moff Aren Vayliuar, Sektor-Adjutant Theranos Zesh, Gouverneurin Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Moff Agustin Prada, Cpt. Kal Andrim und andere
 
| Innerer Rand | Truuine | Moraband | Unweit des Praxeum | Bar |
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Agustin Prada, Kal Andrim, T´rsop und Theranos Zesh, (NPC´s Majordomus Alizée, Lady Adriana Figg, Abella Sorovkin sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil


Theranos ließ Kal ausreden, ohne ihn zu unterbrechen, auch wenn sich spätestens bei dessen Beschreibung eines Ausbildungspostens seine Augenbrauen langsam nach oben bewegten.

Altgediente Offiziere, persönliche Freunde auf dem Weg in die Pension und Querulanten.
Nun.
Ganz so hatte Theranos sich die Position eigentlich nicht vorgestellt.

Als Kal schließlich unmissverständlich erklärte, seine besten Jahre keinesfalls auf einem Lehrstuhl verbringen zu wollen, ließ Theranos für einen Moment den Blick in sein Whiskeyglas sinken. Ein wenig ärgerte ihn die Absage durchaus. Nicht über Kal persönlich, denn der Captain hatte von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, wohin er wollte. Theranos hatte lediglich gehofft, dessen Ehrgeiz zumindest für einige Zeit in eine Richtung lenken zu können, die seinem neuen Vorhaben zugutekam.

Offenbar hatte er die Anziehungskraft eines bevorstehenden Frontkommandos unterschätzt.
Oder seine eigene Überzeugungskraft überschätzt.
Beides war ärgerlich.

Als Kal dann auch noch vorschlug, ihn mit dreißig oder fünfunddreißig Jahren erneut zu fragen, verzog Theranos leicht den Mund und nahm einen Schluck.
„Nun, Captain, ich hatte eigentlich nicht vor, Sie mit dreißig Jahren in einen Ledersessel zu setzen und Kadetten Prüfungsbögen korrigieren zu lassen, ich wette da stecken Sie immer noch die meisten anderen Piloten weg.“

Die Antwort klang trocken, aber keineswegs gekränkt.
„Und meine Vorstellung eines Ausbilders bestand auch nicht unbedingt aus einem altgedienten Offizier, dem man einige bequeme Jahre bis zur Pension verschafft sondern der seinen Biss an die neun überträgt. Aber ich denke, Ihre Antwort auf meine ursprüngliche Frage ist dennoch hinreichend eindeutig.“

Theranos betrachtete Kal einen Augenblick und hob schließlich ergeben sein Glas.
„Also gut. Ich werde nicht versuchen, einen Piloten, der unbedingt wieder ins Cockpit will, an einen Lehrstuhl zu ketten.“

Ein kleines Schmunzeln kehrte auf sein Gesicht zurück.
„Auch wenn ich mir ausdrücklich vorbehalte, mich darüber ein wenig zu ärgern.“

Damit war die Sache für Theranos allerdings tatsächlich erledigt. Kal hatte seine Entscheidung getroffen und Theranos hatte keinerlei Interesse daran, einen Mann für eine Aufgabe zu gewinnen, die dieser überhaupt nicht übernehmen wollte. Gerade bei einem Vorhaben, das noch vollständig aufgebaut werden musste, konnte mangelnde Begeisterung kaum eine geeignete Grundlage sein.

Umso interessanter war deshalb, was anschließend folgte.
Bei Kals Angebot, zumindest einige Zeit bei der Planung zu helfen, verschwand der letzte Rest seiner Enttäuschung beinahe augenblicklich aus Theranos' Gesicht.
Das war etwas anderes.
„Damit hingegen kann ich ausgesprochen gut leben.“

Theranos stellte sein Glas auf dem Tresen ab und wandte sich dem Captain wieder etwas deutlicher zu.
„Wenn Sie mir bei der grundlegenden Konzeption, den Ausbildungsstandards und der Frage helfen, welches Personal wir dafür überhaupt benötigen, bekomme ich zumindest einen beträchtlichen Teil dessen, was ich mir von Ihrer Beteiligung erhofft hatte.“

Vielleicht sogar den wichtigeren Teil. Einen einzelnen Verband selbst auszubilden war eine Sache. Von Anfang an Strukturen zu schaffen, mit denen später geeignete Ausbilder wiederum weitere Piloten auf einen einheitlichen Standard bringen konnten, war eine andere.

Und Kal kannte beide Seiten.

Er kannte die Ausbildung einer imperialen Eliteakademie ebenso wie den tatsächlichen Kampfeinsatz. Vor allem hatte er mit eigenen Augen gesehen, wie weit Anspruch und Wirklichkeit bei jungen Verbänden auseinanderliegen konnten.
Theranos hob sein Glas erneut leicht in Richtung des Kuati.
„Dann freue ich mich auf unsere Zusammenarbeit, Captain.“

Das meinte er durchaus ernst.
Sein Lächeln veränderte sich jedoch, als Kal erklärte, Theranos denke bei seinem bisherigen Vorhaben offenbar bei weitem nicht weit genug.
Nun hatte der Captain endgültig seine Aufmerksamkeit.
Theranos' Augen verengten sich leicht, während er Kal einige Sekunden neugierig musterte.

„Das ist eine ausgesprochen…interessante Bemerkung.“
Ein deutlich interessierter Ausdruck trat auf sein Gesicht.

„Wenn Sie einem Verwalter sagen, sein Projekt sei noch nicht ambitioniert genug, dürfen Sie sich anschließend nicht darüber beschweren, wenn er Sie beim Wort nimmt und in die Planung mehr einbindet als Ihnen liebt ist.“
Theranos hätte nur zu gerne unmittelbar erfahren, worauf Kal hinauswollte. Gerade die Tatsache, dass dieser nach wenigen Minuten bereits glaubte, grundlegendes Erweiterungspotenzial erkannt zu haben, machte ihn neugierig.

Doch als Kal demonstrativ den Blick durch die Bar schweifen ließ, folgte Theranos diesem.
Aren und Agustin standen nur wenige Meter entfernt. Bei den Musikern unterhielten sich T’rsop, Lilivienne, Alizée und Kael. Dazu kamen Bedienstete, Sicherheitskräfte, Musiker und zahlreiche weitere Gäste.

Der Captain hatte recht. Theranos hob sein Whiskeyglas und prostete ihm mit einem wissenden Lächeln zu.
„Aber in einem anderen Punkt stimme ich Ihnen vollkommen zu. Das hier ist weder der richtige Ort noch befinden sich ausreichend wenige Ohren in unserer Umgebung.“

Er nahm einen Schluck.
„Wir finden während der Gala einen ruhigeren Augenblick. Und sollte uns dieser tatsächlich nicht vergönnt sein, haben wir spätestens auf dem Rückflug mehr als genügend Zeit.“

Theranos schwenkt sein Glas ein wenig hin und her.
„Bis dahin können Sie Ihre Gedanken gerne noch etwas weiterentwickeln. Wenn Sie schon behaupten, ich würde bei meinem eigenen Projekt nicht weit genug denken, bin ich inzwischen ausgesprochen gespannt darauf, wie groß Sie es machen wollen.“

Ein amüsiertes Funkeln lag in seinem Blick.
„Ich fürchte nur, Captain, mit Ihrem Angebot, mir einige Wochen bei der Planung zu helfen, sind Sie mich jetzt nicht mehr ganz so schnell los.“

Theranos nahm erneut einen Schluck des Whiskeys, es war wahrlich ein guter Tropfen.
“Ach ja bevor ich's vergesse, sobald wir in Prefsbelt IV ankommen, werden wir noch eine kleine Tour durch die Werft machen, da ich ja für alle großen Wirtschaftlichen Projekte zuständig bin und auch dem guten Gouverneur unterstützen soll, bin auch sicher unsere alte Abmachung bzgl. der Werft-Kooperation aufrechterhalten zu können.”

Theranos stellte sein Glas wieder ab.
“Aber genug vom Geschäft Captain. Ich weiß zwar vieles von Ihnen, zumindest das, was in Ihrer Akte steht, obwohl ich mir sowas lieber persönlich erzählen lasse und was ich selbst erleben durfte. Aber sonst weiß ich nicht viel über Sie, zum Beispiel, was ist Ihr Ziel im Imperium? Und Sagen Sie mir nicht einfach Sie wollen einfach irgendwann Chief Marshal werden und dem Imperium dienen, das wäre zu Einfach.”

Theranos blickte Kal Andrim gespannt an und sprach dann noch einmal kurz, bevor dieser begann.
“Gerne beantworte ich auch jede Frage, die Ihnen vielleicht auf der Zunge brennt, es soll ja dennoch kein einseitiges Gespräch werden.”


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[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Bar in der Nähe des Praxeums] - Kal Andrim, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kael Reed, Lilivienne Évarielle d’Oridin, Agustin Prada, T'rsop und (NSC´s - Majordomus Alizée, Abella Sorovkin, sowie weitere Gäste und diverse Leibwächter in Zivil )

Erwartungsgemäß war Theranos Zesh nicht allzu begeistert von Kals Ablehnung seines Vorschlags, den Kuati als Ausbilder für diese außerhalb der militärischen Strukturen angelegten Einheit für den Prefsbelt Sektor einzusetzen. Nun, das Missfallen des Sektor Adjutanten war ein Opfer, das Kal bereit war zu bringen. Er würde darüber keinen Schlaf verlieren. Genauso wenig war der Kuati aber gewillt, über diese Kleinigkeit hinweg alle Brücken abzureißen. “Ich verstehe, was Sie mit diesem Projekt bezwecken wollen und es hat tatsächlich viel Potential, wenn es nur gut genug im Sektor verankert wird.” Mit einem weiteren Schluck Whiskey war das Thema dann aber für heute Abend beendet.

Theranos wollte das Gespräch vorerst auf eine persönliche Ebene heben. Dabei war die Information, dass er Kals Dienstakte gelesen hatte, ein interessant gewählter Einstieg, der den Kuati eine Braue heben ließ. Damit hielt sich der Kuati aber nicht lange auf, sondern antwortete wie er es immer tat. “Das Imperium verbessert jedes System, mit dem es in Berührung kommt. Beurteilen Sie es nach jedem beliebigen Maßstab: Sicherheit, Wohlstand, Handel, Chancen, Frieden. Und ich werde Zeit meines Lebens meinen Teil dazu beitragen, dieses System aufrechtzuerhalten, wie es Haus Andrim schon seit Ausrufung des Imperiums getan hat.” Für den Kuati war das nicht nur so daher gesagt. Die Zehn, zu denen Haus Andrim gehörte, waren schon vor der Gründung der alten Republik ein Garant für Wohlstand und Stabilität in der Galaxis gewesen und Kal sah dieses alt ehrwürdige Erbe nicht als Druck und Verpflichtung, sondern als Verantwortung der er gerecht werden wollte. Unzählige Arbeitsplätze hingen von der glücklichen Hand der Andrims ab. Das war eine Macht, die ihren Reiz hatte und mit nichts anderem aufzuwiegen war.

“Aktuell trage ich meinen Teil als Offizier ihrer Majestät bei. Nach meiner Zeit als Militärangehöriger werde ich mich ins Firmengeschäft einbringen und in späteren Jahren gehe ich vielleicht in die öffentliche Verwaltung, nicht unähnlich, wie Sie es getan haben.” Es gab unzählige Wege, den Interessen Haus Andrims und damit auch der neuen Ordnung und natürlich ihrer Majestät zu dienen und Kal würde seinen Beitrag zum Erfolg aller beitragen. Nicht weil er es musste, sondern weil er es aus innerer Überzeugung heraus wollte. Diese Gewissheit gab ihm eine Ruhe, wie sie nur wenige in seinem Alter verspürten und ausstrahlten. Nicht einmal seine kleine Rebellion gegen den Willen seiner Mutter tat dieser unumstößlichen Wahrheit auch nur den geringsten Abbruch. Sein Vermächtnis war ihm ein unerschöpflicher Antrieb, entschlossen voranzuschreiten.

Das war aber erst einmal genug von ihm selbst und so drehte
Kal die Richtung des Gesprächs auf Theranos selbst um. “Ich muss gestehen, ich habe mir Ihre Dienstakte nicht kommen lassen. Wo haben Sie gedient? Bei der Infanterie? Nein, ich sehe Sie mehr bei der Flotte. Sie haben sicher in einem Stab gearbeitet. Vielleicht unter Admiral Nerethin? Nein, der Dienst bei den Gefechtsflotten passt nicht so recht zu Ihnen…” Überlegend tippte sich Kal mehrmals ans Kinn. “Es wird Fleet Admiral Nort gewesen sein. Bei der Logistik waren Sie mit Ihrem Organisationstalent gut aufgehoben.” Ja, das passte in den Augen des Kuati wahrlich am besten ins Bild. Mit gehobenen Brauen wartete er erwartungsvoll auf Theranos' Antwort.

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Theranos hörte Kal aufmerksam zu und musste zugeben, dass dessen Antwort wesentlich interessanter ausfiel als irgendeine allgemeine Floskel über Pflichtbewusstsein und militärischen Aufstieg.

Vor allem deshalb, weil Kal offensichtlich bereits weit über seine gegenwärtige Laufbahn hinausdachte.

Militärdienst, anschließend das Familienunternehmen und möglicherweise irgendwann der Wechsel in die öffentliche Verwaltung. Für einen Mann seines Alters war das ein bemerkenswert klar umrissener Lebensweg. Theranos kannte genügend Menschen, die selbst mit doppelt so vielen Lebensjahren kaum wussten, was sie mit der Position anfangen wollten, die sie bereits innehatten.

„Das klingt tatsächlich wesentlich interessanter als Chief Marshal.“
Ein leichtes Schmunzeln begleitete die Worte.

„Und vor allem nach einem Plan, der weit über die nächsten fünf Jahre hinausgeht. Das gefällt mir.“

Theranos nahm einen kleinen Schluck seines bald leeren Whiskeys.

„Militär, Wirtschaft und anschließend womöglich Verwaltung. Wenn Sie das tatsächlich so verfolgen, werden Sie später zumindest einen Vorteil gegenüber vielen Verwaltern besitzen: Sie kennen dann nicht nur die Aktenlage jener Bereiche, über die Sie entscheiden, sondern haben mehrere davon selbst erlebt.“

Gerade bei wirtschaftlichen Fragen hielt Theranos praktische Erfahrung für kaum ersetzbar. Zu viele Verwaltungsbeamte betrachteten Unternehmen lediglich als Zahlenkolonnen, Steueraufkommen und Produktionskapazitäten, ohne jemals verstanden zu haben, welche Entscheidungen hinter diesen Zahlen standen.

Bei einem Mitglied des Hauses Andrim dürfte dieses Problem kaum auftreten.
„Und dass Sie dabei das Vermächtnis Ihres Hauses nicht lediglich als Privileg, sondern als Verantwortung betrachten, spricht ebenfalls für Sie.“

Theranos hob sein Glas leicht.
„Sollten Sie irgendwann tatsächlich in die Verwaltung wechseln, bin ich gespannt, welchen Teil der Galaxis man Ihnen anvertraut.“



Dann kam Kal auf ihn zu sprechen und begann über Theranos Vergangenheit zu philosophieren.

Als der Captain mit der Infanterie begann, hob er lediglich leicht eine Augenbraue. Bei der Flotte erschien ein erstes amüsiertes Zucken an seinem Mundwinkel. Als Kal schließlich verschiedene Admiräle durchging und Theranos gedanklich immer weiter von den Gefechtsflotten entfernte, nahm dieser demonstrativ einen Schluck seines Whiskeys und ließ ihn gewähren.

Zuerst war er im Stab dann plötzlich irgendwann in der Logistik

Jetzt musste Theranos tatsächlich aufpassen, nicht zu lachen.

Er stellte sein nun leeres Glas langsam auf dem Tresen ab und betrachtete Kal einige Augenblicke mit einer Mischung aus Belustigung und beinahe wissenschaftlicher Neugier.

Er wartete noch einen kurzen Moment.
„Faszinierend.“

Theranos lehnte sich etwas zurück.
„Sie haben mich innerhalb von kaum dreißig Sekunden von der Infanterie zur Flotte versetzt, durch mehrere Stäbe gereicht und schließlich bei Fleet Admiral Nort in der Logistik untergebracht.“

Ein leises Lachen entwich ihm.
„Und das alles nur aufgrund meines Organisationstalents. Ich weiß noch nicht genau, ob ich mich geschmeichelt oder beleidigt fühlen sollte.“

Natürlich war Letzteres nicht ernst gemeint, was er mit einem Grinsen zeigte.
„Aber nein, Captain. Sie liegen leider etwas falsch.“


Theranos nahm sein Glas wieder auf und deutete dem Barkeeper, damit dieser ihm erneut einschenkte. Auch wenn er wusste, dass dies sehr wahrscheinlich sein letztes Glas werden würde, da er langsam aber sicher einen leichten Anflug des Alkohols spürte.
„Meine Ausbildung begann wenn Sie so wollen, auf Naboo auf meinem ehemaligen Heimatplaneten. Zuerst an einer Privatschule und an der Theed-Akademie. Aufgrund bestimmter Umstände sowie den Ansichten und Prinzipien meiner Familie bekam ich später über Kontakte die Möglichkeit, die Imperiale Offiziersakademie auf Corulag zu besuchen. Die ich stolz mit Bravour abschließen durfte. Vor allem hatte ich einige Sonderkurse, die mich später dann auch in mein letztes Amt gebracht haben. Das waren vor allem Verwaltungsrecht, Makrostrategie, planetare Verwaltung, Krisenkommunikation, Informationssicherheit, politische Theorie und vor allem zivil-militärische Koordination und noch einiges mehr in diese Richtung.“

Er ließ Kal einen Moment Zeit, diese Information mit dem Bild abzugleichen, das dieser sich offenbar von ihm gemacht hatte.
„Sie sehen also, ganz so einfach können Sie mich nicht in irgendein Logistikbüro abschieben.“

Ein schmales Grinsen erschien auf seinem Gesicht.
Dann wurde sein Ausdruck etwas nachdenklicher.
„Wobei ich Ihnen zugestehen muss, dass Ihre Vermutung nicht vollkommen aus der Luft gegriffen ist. Organisation, Planung und Logistik liegen mir durchaus.“

Theranos hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, wo seine eigentlichen Interessen lagen. Verwaltung, Wirtschaft, Infrastruktur und die langfristige Entwicklung ganzer Regionen faszinierten ihn weit mehr als die Aussicht, lediglich militärischen Ruhm anzuhäufen.

Er betrachtete Kal einen Moment.
„Vielleicht liegt genau darin einer der größeren Unterschiede zwischen uns.“


Ein leichtes Lächeln kehrte zurück.
„Sie betrachten Ihr gegenwärtiges Leben als Offizier offenbar als den Ort, an dem Sie im Augenblick sein wollen, bevor Sie irgendwann Wirtschaft und Verwaltung kennenlernen.“

Theranos deutete leicht auf sich selbst.
„Bei mir war die Militäruniform eher ein kurzer Teil des Weges zu etwas anderem.“

Dann hob er das Whiskeyglas, das nun wieder gefüllt war, etwas in Kals Richtung.
„Aber ganz unrecht haben Sie ohnehin nicht. Neben den zahllosen Übungen und Simulationen habe ich während meiner Zeit durchaus den einen oder anderen kleineren tatsächlichen Einsatz erlebt. Nur eben nichts, womit ich mich heute neben ein Fliegerass wie Sie stellen würde Captain und einen ernsthaften Vergleich unserer militärischen Laufbahnen beginnen würde.“
Theranos nahm einen Schluck und blickte zu Kal, denn seine vorherige Worte über das Vermächtnis seines Hauses hatten Theranos’ Interesse geweckt.
„Wenn ich eine etwas persönlichere Frage erlauben darf, wie ist es eigentlich, einem solchen Haus zu entstammen?“

Er wandte sich etwas deutlicher zu Kal.
„Ich meine weniger Vermögen, Beziehungen oder gesellschaftliches Ansehen. Mich interessiert das Vermächtnis dahinter. Generationen vor Ihnen haben diesen Namen getragen und eines Tages werden Ihre eigenen Entscheidungen ein Teil dessen sein, was die nächste Generation übernimmt.“

Theranos hob leicht die Brauen.
„Empfindet man das als Verantwortung? Als Antrieb? Manchmal vielleicht sogar als Last? Oder wird es irgendwann schlicht ein selbstverständlicher Teil der eigenen Identität?“

Er stellte sein Glas wieder auf den Tresen.
„Meine eigene Familie war auf Naboo gut situiert, politisch vernetzt, viele Generationen schon dort und durchaus traditionsbewusst. Aber wir waren niemals ein Adelshaus, schon garkeines mit einem Vermächtniss wie ihres .“

Ein nachdenkliches Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Die Ausstrahlung des Adels hat mich trotzdem immer fasziniert. Zumindest in seiner idealen Form. Nicht der Titel oder irgendwelche Privilegien, sondern der Gedanke dahinter: Bildung, Haltung, Etikette, Standfestigkeit, Verantwortung, Dienst an der Gesellschaft und die Förderung von Kultur. Adel verpflichtet, wenn Sie so wollen.“

Gerade dieser Gedanke hatte auch seine Politik auf Prefsbelt IV beeinflusst.
„Vielleicht wissen Sie, dass ich während meiner Zeit als Gouverneur mit dem Edikt der Lex Prefania einen Teil der alten planetaren Adelstraditionen Prefsbelt IVs wiederhergestellt habe. Keine Rückkehr alter gesetzlicher Privilegien, aber Titel, historische Wappen und teilweise wieder repräsentative oder lokale Aufgaben. Natürlich innerhalb der imperialen Verwaltungsstruktur und des Gestzes versteht sich .“


Theranos zuckte leicht mit den Schultern.
„Im Grunde mein Versuch, das Wertvolle einer alten Institution wiederzubeleben, ohne ihr einfach ihre frühere Macht zurückzugeben.“

Dann sah er Kal wieder unmittelbar an.
„Aber das ist die Perspektive eines Mannes, der Adel immer nur von außen betrachtet hat.“

Ein ehrliches, neugieriges Lächeln folgte.
„Deshalb interessiert mich Ihre wesentlich mehr. Wie sieht das jemand, der nicht irgendwann beschlossen hat, dieses Ideal faszinierend zu finden, sondern hineingeboren wurde und eines Tages selbst mitverantwortlich dafür sein wird, was aus dem Namen Andrim wird?“

Kurz kehrte die Belustigung in seine Augen zurück.
„Und Sie dürfen mir ruhig sagen, wenn meine Vorstellung davon hoffnungslos romantisiert ist.“


| Innerer Rand | Truuine | Moraband | Unweit des Praxeum | Bar |
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Agustin Prada, Kal Andrim, T´rsop und Theranos Zesh, (NPC´s Majordomus Alizée, Lady Adriana Figg, Abella Sorovkin sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil
 
Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Äquatoriale Inselkette / Osicia / Restaurant 'Truuines Fruchtkorb' ] Ridley und Cestus, sowie (NPCs) Personal

Ridley schmunzelte als Major Varro hens Dankfloskel mit der Feststellung ablehnte, dass gute Soldaten ja Befehlen folgten und er genau dafür hergeschickt worden war.

„Ich nehme mir das Recht heraus Ihr Erscheinen zu Wertschätzen. Auch wenn Sie das vielleicht als Selbstverständlichkeit erachten, Major“, gab hen mit einem warmen Lächeln zurück. Gemeinsam setzten sie sich. Ridley bat ihn Bericht zu erstatten und während Varro seine Gedanken ordnete, trat ein Kellner an den Tisch, um ihre Getränkebestellungen entgegenzunehmen. Was sie essen würden, stand schon fest – oder besser gesagt die Auswahl, die für den Frühstücksbrunch angerichtet werden würde.

„Kaffee, bitte. Schwarz“, bestellte hen und wand sich wieder dem Major zu, damit dieser mit seinem Bericht beginnen konnte.

In knappen Worten umriss Varro, was größtenteils was Ridley schon wusste. Der Bunkerhügel war bis zu seinem inneren Ring eingenommen, auch wenn der Feind gut vorbereitet gewesen war.

Ein interessantes Detail ließ Ridley aufhorchen. Nachdem die Rebellen begriffen hatten, worum es sich bei Vorn handelte, hatte man dort die Strategie gewechselt. Statt ihm offen entgegenzutreten, waren allerlei unpersönliche Mittel wie Sprengfallen, oder Droiden zum Einsatz gekommen.

Die Gouverneursperson machte sich eine mentale Notiz. Wenn es nach hem ging, sollte die Eiswand nicht das letzte Mal geblieben sein, dass hen selbst in den Kampf eingegriffen hatte. Wie man den Akolythen bekämpft hatte, waren dementsprechend Daten, was hen selbst in der Zukunft erwarten mochte.

Major Varro schloss mit der Feststellung, dass die Verluste insgesamt vertretbar geblieben waren und dass das Skybridge Bataillon noch einsatzfähig war.

Ridley nickte.
„Ich danke Ihnen für die ausführliche Erläuterung!“, entgegnete hen und wandte hens Aufmerksamkeit für einen Moment dem Kellner zu, der grade das Frühstück an den Tisch brachte. Das Buffet bestand aus einer Vielzahl kleinerer Schüsseln mit allerlei Truuiner Spezialitäten. Ridley lebte natürlich schon lange genug auf dem Planeten, um jedes Gericht identifizieren zu können; für den Major hatte man kleine Schilder in die Speisen gesteckt. Die Gouverneursperson wählte zum Beginn ein Stück Seetangfladenbrot, das hen großzügig mit einem süßen Frischrogen bestrich. Unterdessen erkundigte hen sich nach der Moral der Truppe.

Auch hier gab es an sich nicht viel zu sagen. Nach dem gestrigen Kampf war man müde, aber entschlossen. Bei ihrer Unterbringung war nichts zu beanstanden. Lächelnd nickte Ridley. Schade. Gerne hätte hen dem Major in Vorbereitung auf seine Rekrutierung den ein oder anderen kleinen Gefallen gewährt.


„Das freut mich zu hören. Bitte zögern Sie nicht sich an das Gouverneursbüro zu wenden, sollte es Ihnen etwas fehlen.“

Ridleys letzte Frage beantwortete Varro dann aber doch mit einer Überraschung. Statt einer verständlichen Beschwerde, verlor er nichts als lobende Worte über Vorn. Zu Beginn hatte er noch Zweifel gehabt, wollte ihn jedoch für den kommenden Angriff gar nicht mehr missen. Verständnisvoll nickte Ridley.

„Private Meris Mission wird, wenn alles nach Plan verläuft, zeitlich äußerst begrenzt erfolgen. Ich kann nicht garantieren, dass er für den Bunkerhügel wieder zur Verfügung steht, aber sicherlich, wenn es gen Port Ryloth geht“, erklärte hen.

Nun war es jedoch an dem Major, um eine Frage zu stellen. Mit einer Direktheit, die Ridley schmunzeln ließ, erkundigte er sich, warum er hier war. Frontberichte konnte hen sich ja auch auf andere Weise besorgen.


„Nun, da liegen Sie nicht ganz daneben“, sagte hen mit einem hellen Lachen. „Erlauben Sie mir jedoch Sie noch ein kleines bisschen auf die Folter zu spannen.“

Seelenruhig griff hen nach hens Kaffeetasse und nahm einen großzügigen Schluck.

„Ich habe mir im Vorfeld an unser Meeting einen Blick in Ihre Akte geworfen, Major. Sie haben einen wirklich interessanten Lebenslauf, wenn ich das so sagen darf.“ Hen nickte ihm anerkennend zu. „Darf ich fragen, warum ein Mann mit Ihren Fähigkeiten die Imperiale Armee damals verlassen hat? Und – vielleicht noch interessanter – warum Sie in der Reihen Planetarer Sicherheitskräfte zurückgekommen sind?“


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Äquatoriale Inselkette / Osicia / Restaurant 'Truuines Fruchtkorb' ] Ridley und Cestus, sowie (NPCs) Personal
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Äquatoriale Inselkette / Osicia / Restaurant 'Truuines Fruchtkorb'] Ridley und Cestus, sowie (NPCs) Personal


Cestus hatte gerade nach seiner Tasse gegriffen, als Solaris erklärte, ihn noch ein wenig auf die Folter spannen zu wollen. Der Major quittierte das zunächst lediglich mit einem leicht amüsierten Schnauben und nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Offenbar würde der Gouverneur schon noch zu seinem eigentlichen Anliegen kommen, wenn er es für richtig hielt.

Bis dahin konnte Cestus wenigstens frühstücken.

Sein Blick wanderte über die zahlreichen kleinen Schüsseln, die inzwischen zwischen ihnen auf dem Tisch verteilt worden waren. Bei einigen der darin angerichteten Speisen war er für die kleinen Beschriftungen tatsächlich dankbar. Nach den vergangenen Tagen mit Feldrationen und allem, was die Versorgung der Blauen Legion sonst noch hergegeben hatte, wirkte die Auswahl beinahe verschwenderisch.

Cestus nahm sich zunächst von einer der Speisen, deren Beschreibung ihm zumindest einigermaßen vertraut erschien. Gerade als er das Besteck wieder ablegte und begann ein paar Bissen zu essen, erklärte Solaris, sich im Vorfeld ihres Treffens ausführlicher mit seiner Akte beschäftigt zu haben.
Für einen kurzen Moment hielt Cestus inne und hob nun doch den Blick.
Dass der Gouverneur über seine derzeitige Verwendung, seinen Dienstgrad und die wesentlichen Stationen seiner Laufbahn informiert war, überraschte ihn nicht. Cestus führte eines jener Bataillone, die momentan auf Solaris' Planeten kämpften.

Dass Solaris sich allerdings bis zu seinem Ausscheiden aus der Imperialen Armee und seinem späteren Wiedereintritt in den Dienst zurückgearbeitet hatte, war bemerkenswert.
Die anschließende Frage warum der damals die Armee verlassen hatte, war dann noch bemerkenswerter.
Cestus lehnte sich etwas zurück, aß den Bissen in seinem Mund herunter und betrachtete Solaris einen Moment lang.

„Das ist tatsächlich keine Frage, mit der ich gerechnet habe“, sagte er schließlich, während ein leichtes Schmunzeln auf seinem Gesicht erschien.

Er schwieg kurz und überlegte, wie ausführlich er antworten sollte. Es gab keinen Grund, Solaris etwas vorzuenthalten. Ein beträchtlicher Teil davon stand ohnehin in seiner Personalakte. Die Gründe hinter manchen nüchternen Einträgen waren dort allerdings vermutlich weniger ausführlich vermerkt.
„Ich bin damals nicht gegangen, weil ich grundsätzlich genug von der Armee hatte“, begann Cestus schließlich. „Und auch nicht, weil ich plötzlich der Meinung gewesen wäre, den falschen Beruf gewählt zu haben.“

Sein Blick senkte sich für einen Augenblick auf die Tasse vor ihm.
„Mein Bruder ist während des Bruderkrieges in einer Schlacht an der ich beteiligt war gefallen, sein Tie/ln stürzte bei einer Mission in meiner nähe ab und ich konnte nichts tun außer das zu bergen was von Ihm noch übrig war.
Er war allerdings nicht einfach nur mein Bruder. Wir waren unser ganzes Leben lang praktisch unzertrennlich. Er war auch mein bester Freund.“


Cestus sprach ruhig darüber. Die Jahre hatten dem Verlust nichts von seiner Bedeutung genommen, wohl aber jene unmittelbare Schärfe, die lange Zeit damit verbunden gewesen war.
„Nicht lange danach verlor ich einen weiteren engen Kameraden und auch Freund Kamerad aus unserer Einheit wurde schwer verwundet. Er stammte aus Prefsbelt IV und seine Verletzungen waren schwer genug, dass für ihn an eine Rückkehr in den Dienst zunächst nicht zu denken war.“

Cestus schwieg einen Moment, bevor er leicht mit den Schultern zuckte.
„Nicht das Imperium. Nicht die Armee. Nicht einmal der Krieg an sich. Ich hatte nur innerhalb relativ kurzer Zeit meinen Bruder und mehrere Menschen verloren, mit denen ich jahrelang gedient hatte. Gleichzeitig saß einer meiner engsten Kameraden schwer verwundet da und brauchte jemanden, der ihm half.“

Cestus nahm einen Schluck Kaffee.
Der Bruderkrieg war damals sowieso vorbei, also bin ich mit ihm nach Prefsbelt IV gegangen und habe meinen Abschied genommen leider ist mein Kamerad nach nicht langer Zeit verstorben was meinem damaligen gemütszustand nicht unbedingt zuträglich war.“

Heute konnte er diese Entscheidung aus einer Distanz betrachten, die ihm damals vollkommen gefehlt hatte. Zu jener Zeit war sie ihm nicht einmal besonders außergewöhnlich erschienen. Er hatte schlicht gewusst, dass er vorerst nicht wieder in einer Kaserne aufwachen, eine neue Einheit übernehmen und so tun konnte, als wäre nichts geschehen.
„Als es mir irgendwann wieder besser ging, sah ich zunächst keinen besonderen Grund, in die reguläre Armee zurückzukehren. Das Imperium hatte gerade einen Krieg gegen sich selbst hinter sich. Ich hatte meinen Teil geleistet und war der Meinung, dass es das zumindest fürs Erste gewesen sein sollte.“

Ein leichtes Schmunzeln kehrte auf sein Gesicht zurück.
„Das hat erstaunlich schlecht funktioniert.“

Cestus stellte seine Tasse wieder ab.
„Einige ehemalige Kameraden haben irgendwann angefangen, mir ziemlich hartnäckig einzureden, dass auf Prefsbelt IV durchaus Verwendung für jemanden mit meiner Ausbildung bestünde. Nicht wieder in der Armee, das hätte ich damals vermutlich abgelehnt. Aber bei den planetaren Sicherheits- und Verteidigungskräften, gerade als die Regierungsperiode von Robert Kern geendet hatte und noch kein neuer Gouverneur den Platz übernommen hatte, dachte ich das eine Unterstützung der Planetaren Sicherheit kein Fehler wäre.“

Was zunächst wie ein Kompromiss ausgesehen hatte, war im Rückblick wohl der Anfang seiner eigentlichen Rückkehr gewesen.
„Also habe ich wieder eine Uniform angezogen. Erst mit dem Gedanken, meine Erfahrung dort einzubringen und ansonsten ein etwas ruhigeres Leben zu führen.“

Cestus musste bei dieser Erinnerung selbst ein wenig grinsen.
„Auch das hat nicht besonders lange funktioniert.“



Je länger er wieder gedient hatte, desto schneller waren die alten Gewohnheiten zurückgekehrt. Ausbildung, Verantwortung und die Führung anderer Soldaten hatten sich nicht fremd angefühlt. Im Gegenteil. Irgendwann war aus dem Mann, der eigentlich nur seine Erfahrung bei den planetaren Kräften hatte einbringen wollen, wieder ein Offizier geworden, der zunehmend Verantwortung übernahm.
„Irgendwann führte mich das schließlich zur Blauen Legion. Was ursprünglich einmal als vergleichsweise ruhige Rückkehr in den Dienst gedacht gewesen war, hatte sich damit endgültig erledigt.“

Cestus nahm sich während des Sprechens wieder etwas von seinem Frühstück.
„Später kam der Kampf um Blue One nach dem Anschlag von Rober Kern. Ich hatte dort offenbar genug richtig gemacht, dass man anschließend der Meinung war, mich für den unmittelbaren Schutz des Gouverneurs gebrauchen zu können.“

Ein leichtes Schmunzeln erschien auf seinem Gesicht.
„Also kam ich zur Blauen Garde. Zu jener Einheit innerhalb der Legion, die mit dem Schutz des Gouverneurs und des Palastes betraut war.“

Cestus schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich wohl endgültig aufgehört, mir einzureden, dass ich auf Prefsbelt IV nur ein wenig Sicherheitsdienst leisten wollte.“

Sein Ton blieb gelassen, doch ein gewisser Humor über seine eigene damalige Selbsttäuschung war kaum zu überhören.
Als die Auseinandersetzungen mit den Rebellen zunahmen und zunehmend kampferfahrene Kräfte benötigt wurden, hatte sich auch Cestus' Verwendung wieder verändert. Aus gelegentlichen Einsätzen wurden regelmäßige Operationen, aus der Verantwortung für einzelne Soldaten schließlich die Führung größerer Verbände.

„Irgendwann wurde ich dann immer wieder von Veran Koss eingeteilt als einer der wenigen Offiziere mit Fronterfahrung die Einheiten an der Front zu unterstützen. Ja....und plötzlich war ich wieder draußen mit einem Blaster in der Hand und führte Männer in tatsächliche Gefechte und tatsächliche Scharmützel gegen die Rebellion von Kern.“
Cestus hob leicht die Schultern.

„Und ich musste feststellen, dass ich es noch konnte.“
Er ließ diese Feststellung einen Augenblick stehen.
„Vielleicht sogar besser als früher.“

Die Jahre außerhalb der regulären Armee hatten ihn nicht plötzlich zu einem anderen Menschen gemacht. Die Erfahrung war geblieben, ebenso die Ausbildung. Was sich verändert hatte, war seine Fähigkeit, mit den Dingen umzugehen, die zwangsläufig zu diesem Beruf gehörten.
„Ich habe dort auch wieder Männer verloren“, sagte Cestus ruhiger. „Das gehört leider dazu. Der Unterschied war, dass ich inzwischen gelernt hatte, damit umzugehen. Es trifft mich noch immer, wenn ich einen meiner Leute verliere. Aber es wirft mich nicht mehr aus der Bahn wie damals.“

Er sprach die Worte ohne besondere Dramatik aus. Es war keine Gleichgültigkeit und würde vermutlich niemals eine werden. Cestus hatte lediglich gelernt, dass Trauer und Verantwortung zwar nebeneinander existieren konnten und dass ein Kommandeur am nächsten Morgen trotzdem wieder vor seinen Leuten stehen musste.
„Aus den Einsätzen wurde schließlich wieder mehr Verantwortung und irgendwann wurde ich hier hergeschickt und unterm Flug zum Major befördert mit einem Bataillon unter meinem Kommando und den Rest kenn Sie ja.“

Cestus breitete leicht eine Hand aus.
„Und damit wären wir ungefähr bei gestern. Ein paar tausend Kilometer von diesem Tisch, in einem Grabensystem vor einem Bunkerberg.“

Ein kleines Schmunzeln erschien wieder auf seinem Gesicht.
„Die Kurzfassung lautet also vermutlich: Ich habe die Armee verlassen, weil ich damals eine Pause brauchte und jemanden, der mir wichtig war, nicht alleinlassen wollte. Danach habe ich etwas Zeit gebraucht, um festzustellen, dass ich zwar die Imperiale Armee verlassen hatte aber nur Körperlich und offenbar nie besonders gut darin geworden bin, kein Soldat zu sein.“

Cestus griff wieder nach seiner Tasse und trank einen Schluck, bevor er Solaris über deren Rand hinweg betrachtete.
„Nun kennen Sie zusätzlich die persönlichen Gründe hinter einigen der Einträge.“

Er stellte die Tasse wieder auf den Tisch und lehnte sich etwas zurück. Einige Sekunden betrachtete Cestus sein Gegenüber, ehe sich seine Augenbrauen leicht zusammenzogen.
Je länger dieses Gespräch dauerte, desto weniger verstand er, weshalb es überhaupt stattfand.

Solaris hätte sich einen Frontbericht zusenden lassen können. Seine Dienstakte hatte hen offensichtlich bereits gelesen. Und für eine Unterhaltung über Cestus' persönliche Vergangenheit hätte man einen Bataillonskommandeur vermutlich nicht unbedingt von einer laufenden Operation quer über den Planeten fliegen müssen.

Währenddessen standen seine Männer noch immer am Bunkerhügel und er sollte bei Ihnen sein.

Cestus war nicht ungehalten. Korff hatte die Lage unter Kontrolle und niemand hatte ihn gegen seinen Willen hierher gezerrt. Trotzdem begann ihn inzwischen ernsthaft zu interessieren, worauf Solaris hinauswollte.

„Nun bin ich allerdings wirklich gespannt“, sagte Cestus und legte den Kopf leicht zur Seite.
Ein fragender Ausdruck trat auf sein Gesicht.

„Ich hoffe Sie verstehen mein Unverständnis. Sie haben mich von einer wichtigen laufenden Operation nach Osicia eingeladen, sich zuvor meine Akte angesehen und mich nun nach den Gründen für Entscheidungen gefragt, die teilweise Jahre zurückliegen und die jetzt gerade für die Zerschlagung des Feines irrelevenat sind.“
Für einen kurzen Moment erschien wieder dieses trockene, beinahe amüsierte Schmunzeln, gefolgt von einer kleinen abwehrenden Gäste.
„Verstehen Sie mich nicht falsch, Gouverneur. Das Frühstück ist erheblich besser als meine Feldrationen, auch ich bin geehrt mit Ihnen Speisen zu dürfen und ich bin natürlich auch froh über eine kleine Pause.“

Cestus deutete mit einer kleinen Bewegung auf den gedeckten Tisch.
„Aber langsam habe ich den Eindruck, dass Sie auf etwas Bestimmtes hinauswollen was sich mir bis jetzt noch nicht erschlossen hat.“


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