Weltraum (Neue Republik)

[Weltraum (Neue Republik) | Im Hyperraum | An Bord der C70 „Spirit of Dac“/geschwärzt | Arkadi Duval, Leela Kaveri

Andere Lebewesen zu verstehen, ihre Beweggründe und Absichten zu erkennen, zu begreifen, wie die emotionale Situation eines anderen war, das waren unerlässliche Fähigkeiten für einen Geheimdienstoffizier im Außeneinsatz. Arkadi erinnerte sich an die Lektionen in Psychologie während seiner NRGD-Ausbildung und wie die Bedeutung dieser „funktionalen Empathie“ hervorgehoben worden war. Es war eine Frage der Beobachtungskunst, des Einfühlungsvermögens, und angesichts der Vielzahl an intelligenten Geschöpfen in der Galaxis musste man bereit sein, außerhalb gewöhnlicher Bahnen zu denken. Ein mimischer Gesichtsausdruck, der bei einer Spezies Freude signalisierte, konnte bei einer anderen das komplette Gegenteil bedeuten, und manche Lebewesen kommunizierten auf eine Art und Weise, die für viele Humanoide kaum oder gar nicht zu verstehen war. Selbst bei jenen, die Menschen zumindest grob ähnelten, gab es Besonderheiten, die Lekku-Sprache der Twi´leks beispielsweise war für Außenstehende nicht selten ein Buch mit sieben Siegeln. Als Agent musste man bereit sein, sich manchmal so gut es ging auf sein Bauchgefühl zu verlassen – und man durfte nicht den Fehler machen, die Objektivität zu verlieren. Zwischen Empathie und Sympathie lagen Grenzen, und so sehr diese auch verschwimmen konnten, es war gefährlich, sie zu ignorieren. Also versuchte der blonde Mann, sich auch im Bezug auf Leela an diesen Grundsatz zu halten und ihr Verhalten so nüchtern und sachlich im Blick zu haben, wie es ihm möglich war. Die kleinen Signale waren da, das Zucken ihrer Mundwinkel, die nachdenklich gewölbten Augenbrauen, das Zögern beim Trinken des Cafs – all das verriet ihm, dass sich die Wissenschaftlerin mit der ambivalenten Terminologie, die er gezwungenermaßen verwendete, etwas schwer tat. Erschwerend kam hinzu, dass ihr die politischen Implikationen der Ereignisse auf Ilum Unbehagen zu bereiten schienen, die dunkelhaarige Menschenfrau erkundigte sich, ob Seitenwechsel ein seltenes Phänomen waren, und kam schließlich zu dem Schluss, dass der IGD-Agent und die ehemalige Sith schwer zu deuten und noch schwerer zu kalkulieren waren.

Arkadi nahm sich einen Moment Zeit, um über dieses Problem nachzudenken, trank einen Schluck Caf und zeigte dann mit einem Nicken, dass er seine Gegenüber wie gewünscht über das Schicksal der beiden informieren würde. Was ihre Frage und ihre Einschätzung einging, sah sich der ehemalige Soldat mit Überlegungen konfrontiert, die er lange Zeit beiseite geschoben hatte. Gab es so etwas wie einen absoluten, ewigen Feind? Grenzen, die niemals überwunden werden konnten? Der Agent ertappte sich dabei, wie er darüber grübelte, was die beiden Überläufer auf Ilum wohl zu ihrer Entscheidung bewegt hatte und ob es richtig war, ihnen eine Chance zu gewähren, neu anzufangen, und als er sich schließlich zu einer Antwort durchrang, ließ er zu, dass Leela ein wenig davon hören konnte, dass er keine absolute Sicherheit besaß, dennoch versuchte er, Worte und Referenzen zu verwenden, mit denen die Padawan vielleicht mehr anfangen konnte.


„In Relation zur Größe seiner Bevölkerung kann man nicht davon sprechen, dass Systemwechsel aus dem Imperium ein häufiges Ereignis sind. Jedenfalls nicht in den letzten Jahren und nicht in meinem Zuständigkeitsbereich. Soweit ich weiß, ist es bei den Jedi anders, aber...nun, das ist ein sehr spezielles Feld. In den Anfangsjahren der Rebellion ist statistisch eine starke Fluktuation nachgewiesen – viele konnten oder wollten sich mit der Neuen Ordnung nicht arrangieren und liefen über. Aber mittlerweile ist das Imperium ideologisch gefestigt und die Indoktrination der Bevölkerung auf einem ganz anderen Niveau. Einer der Gründe, warum wir Überläufer in der Tat eher als Gefahr denn als Chance sehen.“


Der blauäugige Geheimdienstoffizier nahm einen Schluck Caf und machte eine Pause, ließ seine Worte erst einmal verhallen und gab seiner Gesprächspartnerin Zeit, ihre Schlüsse daraus zu ziehen. Arkadis Blick wurde abwesend, als er über dieses Thema nachdachte und schließlich fortfuhr, basierend auf den Dingen, die ihm bekannt waren und mit denen er arbeitete.


„Ich habe einmal gelesen, dass die Geschichte der Galaxis ein Dreischritt sein soll. Alles beginnt mit einer Situation, die nicht mehr tragbar ist. In diesem Fall die stagnierende, zerfallende Alte Republik. Als Reaktion auf diese Situation entwickeln Lebewesen eine These, ein Modell, wie es anders funktionieren könnte. Das ist das Imperium. Aber jede These ruft auch eine Antithese auf den Plan, ein Gegenmodell – die Rebellion und die Neue Republik. Aus dem Konflikt von These und Antithese geht ein Modell siegreich hervor, hat sich durch den Konflikt aber auch verändert: Die Synthese. Eine Neue Republik, die diesen Wettstreit der Systeme gewinnt, wird eine andere sein als die, die wir kennen. Im Idealfall eine bessere. Eine besseres System, eine bessere Galaxis...“


Arkadi starrte auf auf die Oberfläche seines Cafs und verharrte eine Weile schweigend, bis ihm gewahr wurde, dass er nicht wirklich zu Ende gesprochen hatte, und er richtete sich mit einem entschuldigenden Lächeln auf. Offenbar war es Leela nicht so viel anders gegangen, etwas verlegen räusperte sich die Wissenschaftlerin und lenkte das Gespräch wieder in Richtung Arbeit, wofür Arkadi tatsächlich dankbar war. Die Sanftheit in ihrem Blick ließ ihn zögern, doch nur einen Augenblick, dann nickte er, und als Leela darum bat, gleich anzufangen und Anstalten machte, ihren Caf auszutrinken und aufzustehen, tat Arkadi es ihr gleich. Seine Miene war dabei so ruhig und professionell wie der Klang seiner Stimme, der Geheimdienstoffizier war wieder voll und ganz dienstlich.


„Einigen wir uns darauf, dass ich in der Tat von einem Berg Arbeit gesprochen habe, Dr. Kaveri. Selbst das vorläufige Datenmaterial ist sehr umfangreich. Es wäre daher wohl wirklich am Besten, wenn wir keine Zeit verlieren.“


Gesagt, getan. Die beiden Menschen standen auf und machten sich durch die kühlen, metallisch sauberen Gänge auf den Weg zum Quartier der Wissenschaftlerin. Im Gehen erledigte Arkadi bereits Vorarbeit an seinem Datapad, um den reibungslosen Ablauf der Forschungsarbeit zu ermöglichen. Als Leela schließlich ihr Quartier betrat, wirkte sie einige Augenblicke verwirrt, bevor sie schließlich ebenso bündig wie nüchtern den Ablauf für den nächsten Morgen vorschlug. In Ermangelung großer Worte nickte Arkadi lediglich, lächelte kurz und machte dann ohne Umschweife kehrt, um sich zu seinem Quartier zu begeben. Es war wichtig, professionell zu bleiben. Essentiell. Um auf andere Gedanken zu kommen, sprang der ehemalige Soldat unter die Dusche, machte sich frisch und widmete sich dann – sekundiert von einer Tasse Caf – einer Reihe von Berichten. Er hatte Arbeit zu erledigen, genau wie sie. Genau wie sie.


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[Weltraum (Neue Republik) | Im Hyperraum | An Bord der C70 „Spirit of Dac“/geschwärzt ] Arkadi Duval, Leela Kaveri

Dr. Kaveri hatte ihre Umgebung vergessen, kaum dass die Tür sich hinter ihr geschlossen hatte. Vermutlich hätte sie nicht einmal bemerkt, wenn sie ein anderes Quartier betreten hätte als ihr eigenes. Ihre Schuhe blieben achtlos irgendwo in der Mitte des Zimmers stehen, die Robe folgte zwei Schritte weiter, bevor sie sich in ihrer Tunika auf's Bett setzte und zu lesen begann. Ein grober Überblick über die Fülle des Materials offenbarte ihr, dass jemand dankenswerter Weise schon die lästige Vorarbeit übernommen hatte, die Publikationen thematisch zu ordnen. Einige Veröffentlichungen bekannterer Kollegen, wie die von Dr. Kaltenbach, einem führenden Virologen auf Coruscant, hatte sie schon gelesen, diese konnte sie vorerst beiseite legen. Was blieb, würde sie wohl immer noch für Tage, wenn nicht Wochen beschäftigen. Für den Einstieg pickte sie sich willkürlich Beiträge zu verschiedenen Teilgebieten heraus, die sie ansprachen - Morphologie, Reproduktionszyklus, verschiedene epidemiologische Beobachtungen - und notierte sich nebenher ungeordnet die Gedanken, die ihr beim Lesen kamen, auf einem Flimsiblock.

Zum größten Teil waren es Fragen, die die Texte aufwarfen und nicht beantworteten. Um eine davon kreisten gleich mehrere Publikationen: Den Ort des ersten Ausbruchs und die Suche nach dem Indexpatienten. Dass die Seuche ihren Ausgang wohl in den Unteren Ebenen genommen hatte, erschwerte dieses Vorhaben beträchtlich. Dennoch ging ein Forscherteam inzwischen von mehreren Ausbrüchen aus, die sich offenbar nahezu zeitgleich ereignet hatten. Die Forensikerin konnte das skeptische Stirnrunzeln der Autorinnen beinahe zwischen den Zeilen lesen, aber sie stimmte deren bemerkenswerter Interpretation der Zahlen durchaus zu. Allerdings enthielt der Text keinerlei Hypothese, wie es zu diesem unwahrscheinlichen Szenario hätte kommen können. Vielleicht fanden sich in einer nachfolgenden Arbeit weitergehende Überlegungen, aber Leela suchte vergeblich nach weiteren Veröffentlichungen unter dem Namen der Forscherinnen.

Natürlich waren dafür eine ganze Reihe von Gründen vorstellbar, aber am naheliegendsten erschien es Leela, dass sie von ihrem zukünftigen Arbeitgeber unter Verschluß gehalten wurden. Ein wenig frustriert räumte die dunkelhaarige Frau ihren Cafbecher beiseite, streckte sich und sah auf ihr Chrono: Das Datum hatte gerade gewechselt. Schlafen? Oder Weiterlesen? Für nichts davon brachte Leela gerade die nötige Ruhe auf. Aber sie konnte Commander Prothera derweil ihre Entscheidung wissen lassen, immerhin hatte der neue Tag ja schon begonnen. Die Nachricht an Arkadis Vorgesetzte war schnell geschrieben und die dunkelhaarige Liannerin griff wieder nach ihrer Lektüre, warf einen Blick hinein, legte sie wieder weg, stand auf. Dann sah sie sich unruhig in ihrem kleinen Quartier um, ging zwei Schritte zur Türe und wieder zurück, schlug mit ihren Fäusten eine schnelle Kombination in die Luft, aber die Anspannung wollte nicht nachlassen. Der Mangel an Bewegung machte ihr inzwischen wirklich zu schaffen. Zuhause wäre die drahtige junge Ärztin einer Panikattacke einfach davongelaufen. Ein paar Runden durch den weitläufigen Park um Kaveri Manor, den Hügel hinauf, durch das kleine Wäldchen und dann nochmal, solange bis sie keine Luft mehr hatte und ihre Muskeln schmerzten. Aber hier? Sie mußte aus diesem dunklen, engen Raum raus. Jetzt gleich. Mit zitternden Händen schaffte sie es noch, ihre Schuhe anzuziehen und nach der leeren Thermokanne zu greifen, bevor ihr Verstand sich komplett in den Panikmodus verabschiedete - auf diese Weise konnte sie wenigstens vorgeben, mit einem Ziel unterwegs zu sein. Der neugierige Verein auf diesem Schiff musste ja nicht unmittelbar mitbekommen, wie es ihr gerade ging.

Draussen im Gang gelang es Leela besser, mit ihrer irrationalen Angst umzugehen und sie legte den Weg zur Cantina einfach im Laufschritt zurück, füllte die Kanne nach und joggte wieder zu ihrem Quartier. Kurz davor hielt sie inne und sah hinüber zu der Tür, hinter der sich Arkadis Domizil befand. War es zu spät, nochmal Hallo zu sagen? Oder zu früh? Einem plötzlichen Impuls folgend, tat die junge Padawan diese Fragen mit einem inneren Schulterzucken ab und klopfte leise an. Wenn er schlief, würde sie ihn nicht wecken und wenn er nicht gestört werden wollte, konnte er vorgeben, das leise Geräusch überhört zu haben. Es wäre ein Leichtes gewesen, sich mithilfe der Macht zu vergewissern, ob er noch wach war, aber das fühlte sich falsch an. Indiskret. Eine geschlossene Tür war eine geschlossene Tür - auch wenn sie für die Macht nur ein symbolisches Hindernis war. Ihre Gedanken wurden unterbrochen als Arkadi zu ihrer Überraschung tatsächlich öffnete und für einen Augenblick wußte Leela nicht, was sie sagen sollte. Dann hielt sie ihm kurz entschlossen die Cafkanne unter die Nase:

"Guten Morgen, lieber Kollege. Wollen wir den Tag ein wenig früher beginnen?"

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Schlaf. Ein Wort, das Verheißung und Drohung zugleich war. Er lockte Ruhe und Frieden und lauerte mit Schrecken, die aus dem Unterbewusstsein und tief vergrabenen Erinnerungen empor krochen und sich wie erstickende Fesseln um den Geist legten. Arkadi war sich nicht sicher, ob er den Ruhezustand als Freund oder als Feind betrachten sollte. Wahrscheinlich war er weder das eine noch das andere. Er existierte einfach, entzog sich der bequemen Einteilung in klare Kategorien. Ein leichtes Pochen seiner Schläfen ließ den blonden sportlichen Geheimdienstoffizier an seine Stirn greifen und er trank einen weiteren Schluck Caf. Vielleicht wäre es doch besser, einige der Tabletten, die eine Nacht ohne Träume versprachen, darin schwimmen zu lassen, aber etwas ließ ihn zögern und nach einigen stillen Minuten des Abwägens kam Arkadi zu dem Schluss, dass er heute ohne die bittere Medizin auskommen würde. Auskommen musste. Sich darauf zu verlassen, dass solche Hilfsmittel verfügbar waren, konnte ihm als Zeichen von Schwäche ausgelegt werden, und schlimmer noch: War in der Tat ein wunder Punkt, den man gegen ihn verwenden konnte. Also suchte der Agent Ablenkung in den ihm vorliegenden Dokumenten, kühle blauen Augen huschten über Namen und Zahlen, die versuchten, die Situation in der Galaxis zu beschreiben, einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die Lage war. Aus eigener Erfahrung wusste Arkadi, dass solche Berichte und die Analysen, die aus ihnen entstanden, unvollständig und fehleranfällig waren. Es war selbst mit den modernsten Mitteln der Geheimdienstarbeit nicht möglich, ein wirklich absolut genaues Bild von dem zu zeichnen, was war. Zu viele Störfaktoren, zu viele Unklarheiten, zu viel von dem, was man sardonisch als „organisches Element“ bezeichnete. Denn schlussendlich waren es Lebewesen, die Dinge taten und Entscheidungen trafen, und wenn der ehemalige Soldat eines gelernt hatte, dann die Tatsache, dass alle Lebewesen sich beharrlich dem Versuch entzogen, sie zu durchleuchten – und er machte dabei keine Ausnahme, was ihn selbst anging. Selbst jemand, dessen Beruf es war, Geheimnisse zu ermitteln, wünschte sich so etwas wie Privatsphäre. Unwillkürlich überlegte Arkadi, wie viele Überwachungsgeräte wohl gerade in seinem Quartier aktiv war – eine oberflächliche, beinah unbewusste Untersuchung hatte ihm bereits den Standort von dreien verraten. Der erfahrene Geheimdienstoffizier störte sich nicht daran. So war der Lauf der Dinge, und Vertrauen mochte schön und gut sein, Kontrolle aber war besser. Ohne Ausnahme. Kein Grund, sich von der Arbeit ablenken zu lassen.

Seine Lektüre eines Berichts über Anzahl, Beweggründe und Nutzen imperiale Überläufer im Zeitraum der letzten zwei Jahre – Leelas Frage hatte ihn neugierig gemacht – wurde unterbrochen, als sein Komlink aufleuchtete und die Eingabe eines Sicherheitscodes verlangt wurde. Arkadi, der solche Botschaft gewöhnt war, reagierte umgehend, aber ohne Hast, und nachdem er die Kombination in das Gerät eingespeist hatte, gab es eine kurze Pause, als Daten freigegeben und verarbeitet wurden. Es war eine Nachricht von Commander Prothera, kurz, bündig und nüchtern teilte die Nautolanerin mit, dass sie gerade eine Mitteilung von Leela...von Dr. Kaveri erhalten hatte und die Padawan in den Vorschlag des Geheimdienst eingewilligt hatte. Arkadi ertappte sich bei einem Lächeln, als er diese Zeilen las, die knappe, verräterische Bewegung seiner Mundwinkel ohne Zweifel nun Teil der Aufzeichnungen und Auswertungen. Aber das störte ihn nicht. Selbst seine Kopfschmerzen schienen nachgelassen zu haben, der Geheimdienstoffizier fühlte sich seltsam frei und gelöst, als er eine knappe Bestätigung verfasste. Kaum hatte die Antwort abgeschickt, da hörte er ein leises Klopfen aus Richtung der Tür. Arkadi zuckte beinah etwas zusammen – war das seine Vorgesetzte, die diese Entwicklung nun von Angesicht zu Angesicht besprechen wollte? Hatte er sich emotional zu sehr verraten? Einen Augenblick hielt der schlanke, sonst so beherrschte Mensch inne, dann stand er von seinem Arbeitstisch auf und zwang sich, eine glatte, ruhige Miene aufzusetzen und seine Atmung zu kontrollieren. Einatmen. Auf vier zählen. Ausatmen. Arkadi öffnete die Tür...und blickte in Leelas Gesicht, die dunkelhaarige Ärztin wirkte überrascht und ein wenig sprachlos und streckte ihm dann eine Kanne Caf mit der Frage entgegen, ob sie den Tag vielleicht etwas früher beginnen wollten.

Für ein, zwei Herzschläge stand Arkadi einfach nur da, einen schwer zu deutenden Ausdruck auf dem Gesicht, und einen Reflex folgend hätte er beinah auf sein Chrono geblickt, um zu prüfen, wie früh es tatsächlich war. Aber was spielte das für eine Rolle? Leela war da. Sie wollte Zeit mit ihm verbringen. Und...sie hatte Caf dabei! Die Verwirrung machte einem schmalen Lächeln platz und Arkadi nahm die Kanne entgegen, nickte und trat beiseite, damit die Ärztin herein kommen konnte.


„Guten Morgen, Dr. Kaveri. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, können wir gerne etwas früher anfangen. Ich brauche nicht viel Schlaf und würde gerne so viel möglich von der Reisezeit produktiv nutzen.“


So förmlich. So professionell. Arkadi kam der Klang seiner eigenen Stimme merkwürdig vor, aber er schob den Gedanken rasch beiseite und machte sich daran, sein Quartier für seine Besucherin zugänglicher zu machen – was primär darin bestand, dass er einen weiteren Stuhl an seinen Arbeitstisch zog und, nachdem die Ärztin sich gesetzt hatte, ihnen beide Caf einschenkte. Sonst gab es in dem penibel aufgeräumten Raum nichts zu verändern. Alles war ordentlich, hatte seinen Platz, war sauber und gepflegt. Keine persönlichen Gegenstände wie Holos von Angehörigen oder etwas ähnliches, das dem Raum Wärme und Charakter verliehen hätte. Solche Dinge brauchte Arkadi nicht. So etwas passte nicht zu ihm. Es war für ihn selbstverständlich, binnen Stunden die Unterbringung zu wechseln, sich an einem völlig anderen Ort wiederzufinden und dort genau so wie zuvor zu funktionieren. Arkadi entspannte sich – wenn auch nur ein wenig – und fuhr in einem etwas wärmeren, aber immer noch arbeitsorientierten Tonfall fort.


„Danke für den Caf. Ich vermute, dass Du Dich bereits oberflächlich mit dem Material vertraut gemacht hast, das wir Dir zur Verfügung gestellt haben. Manches davon wird nicht neu gewesen sein – die Arbeiten von Dr. Kaltenbach sind mittlerweile einem recht breiten Publikum zugänglich. Interessanter sind da schon die Studien zum ersten Ausbruch auf Coruscant – Du hast sie gelesen? Mehrere, nahezu simultane Ausbrüche, und das bei Personengruppen, die räumlich von einander getrennt waren und auch sonst keinen Bezug zu einander hatten. Keine gemeinsamen Kontakte, zum Beispiel über die Arbeit oder Freizeit. Es sind die Unteren Ebenen, die Datenlage ist dünn...aber trotzdem auffällig, nicht wahr?“


Der Geheimdienstoffizier nahm einen Schluck von seinem Heißgetränk und machte eine Pause, bevor er auf seinem Datapad tippte und es zu Leela schob. Er ließ ihr Zeit, um die Informationen zu erfassen, bevor er ruhig, aber durchaus mit Nachdruck fortfuhr und erläuterte, was die Daten, die er ihr zeigte, aus seiner Sicht zu bedeuten hatten. Arkadi war kein Experte für medizinische Angelegenheiten, verfügte aber über ein solides Grundwissen und interpretierte die Dinge daher eher aus der Sicht eines Geheimdienstoffiziers.


„Die Eierköpfe von 03 – Verzeihung, interner Jargon – unsere Fachleute wurden stutzig. Also nahmen die Sache genauer unter die Lupe. Führten eigene Untersuchungen durch. Auch mit spezielle Teams auf imperialen Gebiet. Wir zapften alle Quellen an, auf die wir im Gesundheitssystem zugreifen konnten, unserem wie ihrem. Hier, das Muster der Ausbrüche auf Mon Calamari. Die selbe Situation wie auf Coruscant, aber dank der besseren Datenlage genauer nachzuvollziehen. Kelada. Imperiale Welt – es war nicht leicht, an diese Informationen zu kommen. Soweit wir beurteilen konnten, waren die Imperialen so überrascht wie wir von der Seuche, aber auch ihnen fiel auf, dass die Ausbrüche ungewöhnlich waren. Zu gleichmäßig. Zu simultan. Kein natürliches Verbreitungsmuster.“


Eine weitere Pause, als Arkadi den Holoprojektor an seinem Gerät aktivierte, eine lange Abfolge von Zahlen und Buchstaben eingab und seine Iris und seine Fingerabdrücke gescannt sowie eine Stimmprobe durchgeführt wurden. Gesichter und biographische Daten wurden eingeblendet, Zusammenfassungen von Observationen, Verhören, Tatortuntersuchungen, Berichte von verdeckten Ermittlern und Informanten. Arkadi starrte nachdenklich auf die Aufnahmen, die in dem imperialen Laborkomplex auf Coruscant entstanden waren, den er damals – es kam ihm wie eine Ewigkeit vor – zusammen mit einer Gruppe Jedi gestürmt hatte.


„Eine imperiale Operationszentrale auf Coruscant. Die Existenz einer solchen Einrichtung ist nicht ungewöhnlich, wir rechneten damit, dass die Gegenseite auf dieser Welt aktiv bleiben würde, Friedensvertrag hin oder her. Ungewöhnlich aber waren die Sicherheitsmaßnahmen. Der heftige Widerstand. Die Tatsache, dass alle involvierten Kräfte des Feindes Suizid begingen, um der Gefangennahme zu entgegen. Und am ungewöhnlichsten: Die Tatsache, dass diese Imperialen genetisches Material des C-Virus besaßen, das exakt mit jenem übereinstimmte, das bei den ersten Ausbrüchen in den Unteren Ebenen erfasst wurde. Einen ursprünglichen, unverfälschten Strang. Wir drehten daraufhin natürlich jeden Stein um. Klopften alles ab, was wir in diesen Zonen finden konnten. Und jetzt wird es richtig interessant: Personen, von denen wir entweder wissen oder vermuten, dass sie Mitglieder imperiale Geheimdienste sind, waren in den betroffenen Gebieten der Unteren Ebenen aktiv. Tage vor der ersten bestätigten Infektion. Wochen vor der ersten bestätigten Infektion. Vielleicht Monate – wir wissen es nicht.“


Ein weiterer Schluck Caf, und das Leuchten der Holos spiegelte sich in den kühlen blauen Augen des Geheimdienstoffiziers, als sich Arkadi etwas nach vorne lehnte und nachdenklich vor sich hin starrte.


„Die Muster sind da, verborgen in den Daten...Erklärung Eins: Es kann Zufall sein. Eine Überlappung von verstärkten imperialen Aufklärungs- und Sabotageaktivitäten im Kontext der Übergabe von Coruscant mit dem natürlichen Auftauchen des C-Virus. Die Imperialen bekamen frühzeitig Wind davon, dass eine neue Krankheit ausbrach, sammelten Daten und Proben und kamen so an das Material. Aber dafür müsste man von einer außergewöhnlichen Kompetenz der Imperialen ausgehen. Sie sind gut, keine Frage. Sogar sehr gut. Und auf Coruscant waren sie hervorragend etabliert. Aber nicht so gut. Nein. Nicht so gut. Erklärung Zwei: Das C-Virus ist nicht natürlichen Ursprungs. Es ist eine biologische Waffe, entwickelt, um eine größtmögliche Anzahl von Lebewesen auf republikanischen Welten zu infizieren, das Gesundheitssystem zu überlasten und massive Ressourcen der Neuen Republik zu binden. Die Erkrankten und Toten sind nützlich, aber nicht der primäre Zweck – wollte man möglichst viele Lebewesen töten, hätte man die Waffe entsprechend anders präpariert. Es geht darum, das Vertrauen in die Neue Republik zu untergraben und sie in den Ruin zu treiben. Es gibt verschiedene Kräfte in der Galaxis, die das Know-how für eine solche Operation besitzen, aber nur eine steht nachweislich in Verbindung zu den Ausbrüchen: Das Imperium. Ein Staat, der auch ideologisch bereit ist, Milliarden zu töten – selbst die eigenen Bürger – um den verhassten Feind, den man mit konventionellen militärischen Mitteln nicht schlagen konnte, zu bezwingen. Es erklärt auch, warum der Imperator bereit war, auf so wichtige Welten wie Coruscant zu verzichten – er rechnet damit, sie schon bald wieder in Besitz nehmen zu können.“


Arkadi sprach so ruhig, nüchtern und leidenschaftslos, als würde er über das Mittagessen sprechen, das er morgen mit Leela einnehmen wollte. Die Fähigkeit zur emotionalen Distanzierung war für seinen Beruf essentiell. Die Fakten zählten, die Art und Weise, wie es war, nicht, wie es sein sollte. Ein Teil von ihm bewunderte auf rein professioneller Ebene die Effizienz und Skrupellosigkeit des Plans, den er gerade skizziert hatte. Mit geringeren eigenen Verlusten als bei der Wiederaufnahme des Krieges, im Vergleich kleinen Mitteln und mit einem scharfen Blick für die Schwachstellen eines demokratischen Systems, das von der Zustimmung seiner Bevölkerung abhängig war und zu so drakonischen Maßnahmen wie denen seines Feindes weder willens noch fähig war, würde das Imperium den Wettstreit der Systeme für sich entscheiden. Der Plan war monströs. Er war auch elegant, effektiv und hatte gute Chancen, zu funktionieren. Arkadi stellte seine Tasse Caf ab, als er feststellte, dass seine Hände zitterten, und er beugte sich nach vorn und suchte Augenkontakt zu Leela.


„Wenn Du weitermachen möchtest, wirst Du in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten Zugriff auf Material bekommen, dass über das, was Dir bis jetzt zur Verfügung steht, weit hinaus geht. Auf der fachlich-medizinischen Ebene haben wahrscheinlich weniger als Hundert Lebewesen überhaupt Kenntnis von der Existenz der, geschweige denn Zugang zu den Proben, die ich erwähnt habe – und sie arbeiten alle für uns. Diese Informationen haben das Potential, die Galaxis in einen Krieg zu stürzen, wie man ihn zuvor noch nie gesehen hat. Wenn die Leute erfahren, dass das Imperium für das Leiden und den Tod so vieler verantwortlich ist, werden sie nach Vergeltung schreien – und keine republikanische Regierung, die länger als eine Woche im Amt bleiben will, wird sich diesem Wunsch verweigern. Wenn Du diese Sache also angehst, dann will ich, dass Du sie so nüchtern und unvoreingenommen betrachtest, wie ich es von Dir kennen. Ich will, dass Du mir ohne Scheu zeigst, dass ich falsch liege. Dass ich Muster sehe, wo es keine gibt. Dass die Daten, die Du hast, ein anderes Bild zeichnen – wenn das denn der Fall ist. Versprichst Du mir das, Leela? Und wenn nicht...wenn Deine Arbeit und die all der anderen brillanten Köpfe zeigt, dass die schlimmsten Befürchtungen wahr sind...dass wir vor der größten Bedrohung durch das Imperium stehen, die wir uns vorstellen können...dann möchte ich, dass Du weißt, dass ich Dich liebe. Egal, was passiert. Egal, was passiert ist.“


Vorsichtig, beinah zögerlich, legte Arkadi seine zitternden Hände in die der Padawan und lehnte seine Stirn gegen die ihre, er schloss die Augen und versuchte, alles auszublenden, was sonst noch war. Für ein paar kostbare Momente sollte alles andere nicht da sein. Nicht relevant. Nichts...nur das hier. Nur das.


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[Weltraum (Neue Republik) | Im Hyperraum | An Bord der C70 „Spirit of Dac“/geschwärzt] Arkadi Duval, Leela Kaveri

Es war ein spontaner Entschluss gewesen, zu dieser nächtlichen Stunde an der Tür zu Arkadis Quartier zu klopfen, und Leela hatte fast damit gerechnet, dass die Tür geschlossen blieb. Aber als der schlanke Mann ihr öffnete, wirkte er nicht so, als hätte sie ihn gerade geweckt. Da war nur ein Hauch Überraschung in den blauen Augen. Nicht anders als bei ihr selbst, so dass die beiderseitige sekundenlange Sprachlosigkeit fast etwas komisches hatte. Genauso wie die förmlichen Worte, die sie füreinander hatten und die Kanne mit dem Caf, die die Padawan beinahe schützend zwischen Arkadi und sich selbst hielt. Alles, um Distanz zu schaffen. Der Gedanke war so plötzlich da, als hätte ihn ihr jemand zugerufen. Nur wofür? Um ihr Geheimnis vor der Welt zu schützen. Oder am Ende doch für sich selbst? Weil es so einfacher war, als sich ihren Emotionen zu stellen? Leela war geübt darin, sie zur Seite zu schieben, wenn sie störten. Wenn du nicht weiter weißt, konzentriere dich auf das vor dir liegende Problem. Ein Satz, den sie irgendwann mal von Dolph gehört hatte. Ihr ehemaliger Chef beim LCPD war ein Quell praktischer Weisheiten, und unwillkürlich fragte sich die Padawan, was er wohl zu ihrer jetzigen Situation zu sagen hätte. Vermutlich sowas wie: "Du hättest nicht zu denen gehen müssen. Schlechten Caf kannst du auch bei uns trinken..."

Nur am Rande registrierte die Medizinerin, dass Arkadi nach der ersten förmlichen Begrüßung wieder zum gewohnten Du wechselte, viel wichtiger war, dass er mit seinen Ausführungen direkt an die Gedanken anschloss, die sie vor einer halben Stunde in Unruhe versetzt hatten. Ohne Umstände nahm sie neben ihrem neuen Kollegen an dessen Arbeitstisch platz und schenkte sich ebenfalls eine Tasse Caf ein, während sie seinen Erläuterungen folgte.


"Ja, die Datenlage ist dünn. Aber nach meinem Dafürhalten durchaus aussagekräftig. Ihr habt Daten von anderen Ausbrüchen hier? Die sehen vermutlich ähnlich aus, oder?"

Der Ausdruck in Dr. Kaveris Augen war beinahe beunruhigend... hungrig, als sie die Zahlen zu Mon Calamari und Kelada studierte. Die Forensikerin ließ sich Zeit, glich die Zahlen mit den Coruscant-Daten ab, führte eigene Berechnungen durch, und nach einigen Minuten wich die aufgeregte Begeisterung aus ihrem Blick und machte etwas anderem platz. Etwas, das kälter war und von gläserner Härte. Sie war zu einem Schluß gekommen, den der blonde Agent mit seinen nächsten Worten bestätigte: Das war kein natürliches Verbreitungsmuster. Diese Erkenntnis hatte schon bei ihrer ersten Sichtung der Berichte von Coruscant eine dunkle Ecke ihres Bewußtseins beschäftigt. Ein Teil von ihr hatte die erschreckenden Implikationen schon angedacht und jene tiefe Beunruhigung ausgelöst, die sie schließlich dazu gebracht hatte, aus ihrem Quartier zu fliehen und durch die nächtlichen Gänge der "Spirit of Dac" zu laufen. Es waren nur Zahlen, aber in ihrem Kopf wuchs ein apokalytisches Bild daraus. Das Wissen, was passieren würde, wenn sich dieses Bild bestätigte, gefror in ihr zu einem soliden, eisigen Block.

Vor diesem Hintergrund fügten sich die Aufnahmen aus dem imperialen Labor auf Coruscant, die Arkadi ihr zeigte, nun als weitere Puzzlestücke ein und ließen das Muster deutlicher werden. Weitgehend umkommentiert hatte sie die Ausführungen des Agenten darüber aufgenommen und war noch stiller geworden. Jetzt legte die drahtige, junge Frau ihre kalten Hände um die Caftasse und lehnte sich auf dem Stuhl zurück, um die Reflexionen des Holos zu betrachten, die die Linien von Arkadis Gesicht in bläuliches Licht tauchte. Seine Professionalität war ein Anker, die ruhige Stimme verhieß Stabilität im Angesicht einer Realität, die sich gerade in etwas albtraumhaft Dunkles verwandelte. Konzentration. Konzentration auf die Fakten, ermahnte sich Leela, verscheuchte die ungebetene Vision der Zukunft und hob eine schmale Hand, um den Agenten zu unterbrechen.


"Warte. Ihr haltet es immer noch für möglich, dass es einen natürlichen Ausbruch gegeben hat? An drei unterschiedlichen Lokationen in der Galaxis? Mit dem selben Virusstamm? Selbst wenn man eine Übertragung durch Reisende in Betracht zieht, hätte der Gründereffekt in der neuen Population zu einer deutlichen Gendrift führen müssen. Auf allen drei Planeten zeigte sich das Virus bisher als sehr mutationsfreudig, aber auf Kelada, auf Mon Calamari und auf Coruscant..."

Dr. Kaveri unterbrach sich, um in ihren Unterlagen nach den dazugehörigen Berichten zu suchen. Als sie fündig wurde, schob sie Arkadi das Pad über den Tisch und markierte die Stammbäume der Mutationen.


"Sie sind selbstverständlich nicht identisch, haben aber den exakt gleichen Ursprung. Wenn man eine Übertragung durch Reisende in Betracht zieht, hätte man nur einen Bruchteil des Genpools der ursprünglichen Viruspopulation auf der neuen Welt. Also eine drastisch reduzierte genetische Vielfalt. Der Stammbaum würde in seinem neuen Lebensraum mit einer Variante beginnen."

Sie deutete auf einen der Seitenäste des Kelada-Stammbaums. "Mit dieser zum Beispiel. Das wäre dann die Gründer-Mutante am neuen Standort - vielleicht auf Coruscant. Andere Reisende würden mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Teile des Genpools nach Mon Calamari bringen und damit einen anderen Zweig des Stammbaums. Bei einer natürlichen Verbreitung würde sich also nur auf einer einzigen Welt das vollständige Genom des Ursprungsvirus finden lassen. Aber das ist nicht der Fall. Die vorliegenden Daten anders als im Sinne einer künstlichen Verbreitung zu interpretieren, erscheint mir schon aus diesem Grund fast wie Wunschdenken."

Leela hatte noch mehr sagen wollen, hielt aber inne, als Arkadi mit zitternden Händen seine Tasse abstellte und sich zu ihr beugte. Erst als sie seinem Blick begegnete, wurde der jungen Frau bewusst, mit welcher Intensität sie gesprochen hatte, wie aufgewühlt sie immer noch war und dass ein Teil ihrer Angst sich gerade auf diesem Wege ein Ventil suchte. Ihr hätte klar sein müssen, dass es ihr nicht alleine so ging, dass das düstere Szenario auch Arkadi erschütterte, selbst wenn er dieses grauenhafte Panorama bewundernswert sachlich vor ihr ausgebreitet und die Fakten für sie in einen größeren Zusammenhang eingeordnet hatte. Betroffen senkte die dunkelhaarige Padawan den Kopf und hörte ihr Gegenüber weiter an. Sie fühlte sich ertappt, dass jemand sie daran erinnern mußte, nüchtern und unvoreingenommen bei ihren Forschungen zu bleiben. Aber nicht irgend jemand, verbesserte sich Leela gedanklich: Arkadi. Er war wohl der der Einzige, der sie gut genug kannte, um zu wissen, dass sie sich gerade von ihren Emotionen hatte mitreißen lassen. Und der Einzige, in dessen Gegenwart sie sich das erlaubte. In seinem eindringlichen Appell an sie schwang etwas mit, dass sie nicht einordnen konnte, bis er es aussprach, während seine Hände in ihren lagen und seine Stirn gegen ihre gelehnt war. In der Intimität des Augenblicks, Arkadis Atem auf ihrer Haut, hingen die Worte einen Herzschlag lang zwischen ihnen, bevor sie in Leelas Bewußtsein sanken und sie gaben ihr den Mut, selbst auszusprechen, was so schwer zu begreifen war. So unglaublich und einschüchternd groß.


"Ich weiß. Ich liebe dich auch."

Achtsam streckte die Padawan ihre Machtsinne nach Arkadi aus, berührte seine Aura, wie sie es schon einmal getan hatte, um ihn jenseits ihrer Worte wissen zu lassen, wie sie fühlte. Dass sie ihn liebte - ihn, wie er war. Das Helle und auch die Dunkelheit in ihm. Seine Wärme und Zärtlichkeit, genauso wie die tödliche Kälte, zu der er fähig war.

"Egal was passiert."
, wiederholte Leela leise sein Versprechen. "Und egal, was passiert ist."

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Weiter auf Coruscant
 
Lianna, Gartenanlage am Jeditempel, auf Picknickdecke: Liebespaar Sane und Zoey


Nachdem auch Sane etwas von sich erzählt hatte, sah Zoey ihn liebevoll, aber ernst an, nahm all` ihren Mut zusammen und sagte:

“Sane, ich glaube, ich habe das noch zu niemandem vorher gesagt: Ich liebe dich!”

Und, da war es raus. Die magischen Worte, die so verdammt wichtig waren, das man sie aussprach. Die einem auch nicht leichtfertig über die Lippen kamen. Diese Worte waren zu bedeutsam. Sie beugte sich zu ihm und gab ihm noch einen lieblichen Kuss. Dann stand sie auf und sagte:

“Komm, lass uns noch ein wenig die Beine vertreten. Es ist so ein schöner Tag und wann hatten wir bisher die Gelegenheit dazu und der große Garten oder Park ist wirklich schön.”

Sie ließen die Decke und den Korb einfach stehen. Sie würden alles nachher wegräumen. Schließlich stahl niemand im Jeditempel. Zoey ergriff seine Hand und so schlenderten sie Händchen haltend die sonnigen Wege entlang und sahen sich den Garten an.

Irgendwann sagte Zoey:


Liebster, bis heute Abend, 23 Uhr Standartzeit vor meinem Schiff! Bis dahin muss ich noch Kestrel helfen. Aber, ich werde niemandem etwas von unserem Vorhaben verraten, bitte tue das auch nicht. Es gibt sonst sicher irgendwen, die oder der uns abhalten möchte, das zu tun, was wir möchten. Es gibt immer Gründe, von zu gefährlich bis wir brauchen dich und so weiter. Das Leben ist dafür zu kurz! Es fühlt sich richtig an, mit dir fortzugehen. “

Nochmals drückte sie ihm einen zärtlichen Kuss auf seine weichen Lippen. Dann ging sie in ihr Zimmer, um den Schein zu wahren. Auch gegenüber ihm. Dazu gehörte, dass sie für Kestrel das tat, worum sie sie gebeten hatte. Das tat Zoey, im Zimmer angekommen dann auch, allerdings für sich selbst. Sie verglich ihre Aufzeichnungen in ihrem Notizbüchlein mit dem Artefakt vor sich. Schnell stellte sich heraus, dass es nicht das Holocron von Thearterra war und somit nicht das Holocron mit den mutmasslichen Fakten zum Anti-Macht-Virus. Obwohl das Holocron ziemliche Ähnlichkeiten aufwies. Wahrscheinlich lagerte das besagte Holocron in einem Hochsicherheitstrakt. Sie hatte es damals ja auch in einem Hochsicherheitslabor abgegeben gehabt. Hätte sie nur annähernd geahnt, wie ihr Leben weiter verlaufen würde, hätte sie es niemals dort hingebracht.

Sie begutachtete das vor sich stehende Holocron. Es wies viele Symbole auf. Und eine Inschrift. Sie brauchte etwa eine Stunde. Es war eine Art Geheimschrift. Dann wusste sie, was dort stand:
“Der Weg zur Macht”.
Wahrscheinlich war hier Wissen der dunklen Seite drauf oder eine Wegbeschreibung irgendwohin, wo mehr Wissen gelagert bzw. versteckt war. Womöglich ein untergegangener vergessener Tempel der dunklen Seite? Zoey konnte natürlich nicht im Jeditempel anfangen und versuchen, das Holocron zu öffnen. Der Gedanke belustigte sie dennoch ein wenig. Auch würde ihre Macht dazu womöglich noch nicht reichen? Aber, das konnte man nicht wissen. Sie hatte das Gefühl, das Holocron würde sie rufen. Es war schon sehr verlockend etwas Dummes zu tun, was sie später bereuen würde. Aber, Zoey blieb diszipliniert! Zoeys Arbeit war nach ein paar Eintragungen und Skizzen in ihr Notizbuch erledigt.


Zoey ging in die Kantine. Mittlerweile war es früher Abend. 18 Uhr. Sie machte nun doch einen Abstecher zu Ari`as Unterkunft. Man konnte ja mal nach dem Mädchen schauen. Das dürfte nicht verdächtig sein!? Aber, sie war nicht da. Auch in der Kantine nicht. Zoey aß recht schnell, es gab Gemüselasagne, und ging in ihr Zimmer zurück. Das letzte Mal hatte sie hier mit Yui gemeinsam gewohnt. Schade, dass das mit Ari`a nicht auch so gelaufen war. Zoey legte sich aufs Bett und hoffte, dass sie abends da sein würde.

Sie dachte und träumte von Sane. Er würde doch wohl keinen Rückzieher machen? Hoffentlich verriet er Sarah nichts davon. Sie war gegen ihre Verbindung. Das konnte sie spüren. Eifersucht? Nicht, dass Sarah ihm das ausreden würde!? Aber, sie hatte seine Liebe spüren können und die war stark. Die Sith musste das Holocron nach Korriban bringen! Wie sollte sie das nur Sane beibringen? Sie schlug im Planetenatlas auf ihrem Handy nach. Hmm, Florrum klang nach Blumen. Sie könnte ihm einreden, dass das eine Urlaubswelt wäre. Das war Richtung Korriban. Er würde das doch nicht überprüfen, oder? Warum sollte er? Florrum war nämlich alles Andere als das! Und die Welt war ziemlich unbekannt!

Sie war eingeschlafen. Der Wecker ihres Handys weckte sie eine Stunde vor 23 Uhr. Sie ging nochmal in die Nasszelle. Im Spiegel sah sie ein von der Sonne geküsstes Gesicht. Sie sah munter und ausgeruht aus. So fühlte sie sich auch. Rasch war alles zusammengepackt. Sie hatte nicht viel mitgenommen gehabt. Hierher würde sie wohl nie wieder kommen. Der letzte Griff ging zum Holocron. Ihre Hände zitterten jetzt leicht. Sie wusste, sie tat jetzt etwas, was vorher noch nie in dieser Form vorgekommen war. Bisher hatte das keiner gewagt. Sie stahl ein Holocron aus den Händen der Jedi. Eins, was aber rechtmäßig den Sith gehörte. Im Grunde nahm sie es Dieben wieder ab. Doch, es geschah mitten unter ihnen. Darüber durfte man nicht zu lange nachdenken. Das könnte einen nur verunsichern. War das mutig oder total verrückt? Sie rechneten nicht damit, sprach sie sich Mut zu. Ehe sie es merken würden, war sie längst auf Korriban zu Hause in ihrer neuen Wohnung, die hoffentlich fertig sein würde. Sie steckte das Holocron in ihre Tasche. Sie atmete nochmal tief durch und verschleierte mit der Macht auch ihre Tasche und das Holocron. Dann ging sie hinaus.

Es war, wie gedacht. Die Flure waren leer. Die meisten Jedi schliefen oder waren schwer beschäftigt. Wenn man sie anhalten würde, wäre sie auf dem Weg in die Bibliothek bzw. Archiv. Kestrel hatte es ihr befohlen. War sie in der falschen Richtung unterwegs, hätte sie sich einfach verlaufen! Zoey hatte ein Pokerface aufgesetzt, seriös, freundlich. Sie ging zielstrebig und flott. Wie immer. Sie sah sich nicht um, bekam keinen Verfolgungswahn, sondern blieb selbstbewusst. Zoey versuchte ruhig zu atmen. Ein Reinigungsdroide saugte den Flur. Sie schenkte ihm keinen Blick, sondern ging schnurstracks an ihm vorbei.

Als sie auf der Landeplattform ankam, war sie die Erste. Sie war etwas zu früh. Doch, da hörte sie vertraute Schritte. Dieser Gang, das konnte nur Sane sein! Auch er war etwas eher hier. Zoey war erleichtert, ihn zu sehen. Er hielt sein Wort! Zoey war glücklich. Sie ging erfreut zu ihm und küsste ihn innig. Sie bestiegen das Raumschiff. Zoey ließ die Tasche wegen des Holocrons noch um. Es war ihre abgewetzte hellbraune Archäologentasche, die, die fast die Größe eines Shoppers hatte, die, die sie immer trug. Zoey programmierte den Bordcomputer nach Florrum, wegen Sane zur Täuschung, im Falle er drauf schaute, und sagte zu ihm:


“Schau dich hier um, Liebster. Es ist klein, aber es genügt. Hauptsache, es fliegt!”

Zoeys Herzfrequenz stieg an, als die Uhr 23 Uhr zeigte. Von ihrer Schülerin keine Spur! Verdammt! Sie hatte zwar nicht wirklich gewusst, wie sie das Sane erklären sollte. Na, vielleicht so, dass Ari`a hier weg wollte, eine Mitfluggelegenheit suchte, da die Jediausbildung doch nichts für sie wäre. Momentmal, sie war doch wohl nicht übergelaufen? Wut keimte in ihr. Doch, sie beruhigte sich genauso schnell wieder. Sie hatte das Holocron und Sane, was wollte sie mehr!? Zoey konnte auch nicht länger warten und riskieren, dass sie aufflogen.

Zoey rief ihren Geliebten:


“Komm Schatz, setz dich zu mir ins Cockpit! Es geht los. Ich habe uns eine Urlaubswelt gebucht. Lass dich überraschen! Es wird dir gefallen! Da können wir relaxen und wandern! Dort gibt es wahrhaftige Blumenmeere. ”

Zoey startete. Ihr Herz raste. Sie hoben ab. Rasch waren sie im Orbit. Niemand folgte ihnen. Puh! Rasch sprang sie in den Hyperraum. Geschafft!


Weltraum Neue Republik, kurz nach Sprung aus dem Orbit von Lianna in den Hyperraum, an Bord der Lynx getarnt als Twin Star im Cockpit: Liebespaar Sane und Zoey auf der Flucht
 
Lianna / Jedi-Tempel / Garten/ Sane, Zoey

Sane hörte seiner Freundin zu, wie sie von ihren Eltern und Naboo erzählte.

"Vielleicht sollten wir da irgendwann einen Zwischenstopp einlegen und sie besuchen."

Er lächelte Zoey an. Ob sie die Augen ihrer Mutter hatte? Oder doch die des Vaters? Er fand es schwierig, sich die Eltern der Archäologin vorzustellen. Er wusste selbst nicht mal wirklich, ob er seinem Vater ähnlich sah. Sie hatten sich schon zu lange nicht mehr gesehen. Zoey erzählte noch von ihren Geschwistern, von denen er bisher auch nichts gewusst hatte. Dann wollte sie natürlich wissen, wie es bei ihm war. Sane hatte fast damit gerechnet, dass ihn diese Frage verletzen würde. Er hatte nie gerne über seine Vergangenheit gesprochen oder darüber nachgedacht. Aber jetzt, wo Zoey diese Frage gestellt hatte, drängte etwas in ihm darauf, ihr alles zu erzählen.

"Ich war ein Einzelkind. Damals nannte man mich noch Sane von Kath, meine Eltern gehören zu dem imperialen Adel von Bastion. Aber ich hatte die Galaxie schon immer anders gesehen als sie. Ich interessierte mich für Kunst und Kultur, für fremde Sprachen und Welten. Meine Eltern hatten dafür nur Verachtung übrig. Für sie war die Galaxie in zwei Klassen aufgeteilt: Herrscher, und die, die ihnen dienen mussten. Wer sich dem nicht fügte, wurde mit Gewalt dazu gezwungen. Meine Eltern haben wirklich grausame Dinge getan, weswegen ich eines Tages abgehauen bin. Ich wollte damit nichts mehr zu tun haben. Wie durch ein Wunder, fand ich meinen Weg zu den Streitkräften der Neuen Republik."

Sane war froh, dass Zoey ihn schließlich zu einem Spaziergang aufforderte.

"Ich liebe dich auch."

Sie flanierten noch etwas durch den Garten, dann verabschiedeten sie sich. Sane sollte um 23 Uhr an ihrem Schiff sein und niemandem von ihrem Vorhaben erzählen. Er freute sich darauf. Es fühlte sich richtig an. In seinem Leben war alles immer strengen Regeln unterworfen. Erst die der Eltern, dann die der Armee. Daraus auszubrechen und etwas verrücktes zu machen fühlte sich gut an. Da war wieder das Kribbeln, das er kurz spürte und dafür sorgte, dass sich die Härchen in seinem Nacken aufstellten.

Nachdem sie sich im Garten verabschiedet hatten, schlenderte Sane durch den Tempel zurück zu seinem Zimmer. Er hatte nach der Mission auf Lothal nicht mehr viele Sachen und musste deshalb kaum etwas packen. Die Vorfreude war allerdings so groß, dass er sich dennoch gleich eine Tasche schnappte und damit anfing, darin Klamotten zu verstauen.

"Du packst?"

Die Stimme von Sarah ertönte plötzlich hinter ihm. Sane warf ihr einen kurzen Blick zu.

"Ja. Für mich gibt es hier im Tempel nichts mehr zu tun."

Seine ehemalige Kameradin verschränkte die Arme und lehnte sich gegen die Wand des kleinen Zimmers. Sie musterte ihn kurz und Sane ahnte, was als nächstes kam. Sarah war eine Agentin und wenn es nach ihm ging, war sie hervorragend in ihrem Job.

"Kommt Zoey mit?"

Sane hielt kurz inne, dann legte er das Shirt beiseite, das er gerade in die Tasche packen wollte. Er konnte ihr nichts vormachen, so viel war klar.

"Versprich mir, den anderen nichts zu sagen. Wir wollen heute Nacht die Basis verlassen und dabei nicht so viel Aufsehen erregen. Zoey und ich denken, dass man nur versuchen wird, uns zum Bleiben zu überreden."

Die Agentin schaute ihn eindringlich an, als würde sie direkt in seine Gedanken hineinsehen können. Dann durchquerte sie mit zwei großen Schritten den Raum und umarmte ihn so fest, dass ihm kurz die Luft wegblieb.

"Pass auf dich auf, alter Freund."

Sane erwiderte die Umarmung und bekam plötzlich Tränen in die Augen.

"Das werde ich."

Dann machte Sarah auf der Stelle kehrt und verließ das Zimmer. Der ehemalige Soldat blieb noch einen Moment regungslos stehen, dann wischte er sich die Tränen aus den Augen.

Sarah war nicht nochmal aufgetaucht und auch der Rest der Gruppe hatte nicht bei ihm vorbeigeschaut. Sane hatte versucht, etwas zu lesen, konnte sich allerdings nicht wirklich darauf konzentrieren. Auch schlafen wollte nicht so richtig klappen, weswegen es gefühlt unglaublich lange dauerte, bis er endlich seine Tasche schnappen und zu den Landeplattformen laufen konnte. Zoey war schon da und er begrüßte sie mit einem Kuss.

"Dann kann es endlich losgehen. Hast du für Meisterin Skyfly alles erledigen können?"

Er stieg zu ihr ins Cockpit, während die Archäologin das Schiff startete. Wenige Minuten später sprangen sie in den Hyperraum.

Hyperraum von Lianna nach Florrum / Lynx (getarnt als Twin Star) / Cockpit / Sane, Zoey
 
Weltraum Neue Republik, kurz nach Sprung aus dem Orbit von Lianna in den Hyperraum, an Bord der Lynx getarnt als Twin Star im Cockpit: Liebespaar Sane und Zoey auf der Flucht


Zoey sah die Streifen, die immer waren, wenn man auf der Hyperraumroute flog. Es hatte etwas beruhigendes. Alles war gut! Sie hatte es geschafft! Ihr Auftrag war wahrlich nicht leicht und mit hohem Risiko gewesen. Und an ihrer Seite der Mann, der ihr gestanden hatte, dass er sie liebt. Ihr Blick glitt zur Seite.

“Unser neues Leben fängt gerade an, Schatz!”

Sie sah wieder nach vorn. Die Streifen hatten etwas wie Meditation. Es wirkte alles so ruhig und zeitlos. Sie hing ihren Gedanken nach. Sane hatte sie gefragt, ob sie irgendwann mal einen Abstecher nach Hause machen wollte. Natürlich hatte sie es bejaht, aber nach der Nummer, die sie gerade abgezogen hatte, sollte sie die Republik erstmal meiden. Gut, es ahnte niemand, wer oder was sie war. Man nahm an, eine Archäologin hatte etwas für ihre Flachstrecke mitgehen lassen. Und, sie würden sie auf Naboo vermuten! Ihre Eltern hingegen würden ihre dunkle Seite ja schließlich nicht riechen können, die konnte sie belügen, so wie sie es mit Sane tat. Sie mochte ihre Eltern sehr, zumindest glaubte sie das, und doch war ihre Bindung nicht sehr ausgeprägt, da sie nur bis zum 6. Lebensjahr zu Hause gewohnt hatte. So richtig Sehnsucht hatte sie nicht, um deshalb ein riesiges Risiko eingehen zu wollen. Doch, das alles konnte sie nicht Sane sagen. Ob er auch seine Geheimnisse vor ihr hatte? Bestimmt! Dennoch hatte er ihr viel Neues von sich erzählt. Er war genauso adlig wie Janus Sturn. Das hätte sie nie im Leben angenommen! Sie hatte ihn völlig verblüfft angestarrt gehabt. Ob seine Eltern reich waren? Er würde mal erben! Sane war ein Einzelkind, wie praktisch! Sie war zwar selbst vermögend genug, hatte Kohle ohne Ende, aber man konnte nie genug davon haben! Sie würde ihn zumindest irgendwann überreden wollen, wieder den Namen mit dem Wörtchen ”von” zu tragen, spätestens vor ihrer großen Hochzeit. Der Punkt war Zoey eigentlich bei der ganzen Sache am wichtigsten. Natürlich hatte sie jetzt noch nichts davon erwähnt, sie wollte ja nicht mit der Tür ins Haus fallen. Er schien genauso wenig an ihnen zu hängen, wie sie an ihren Eltern. Nachdem er das mit dem Elternbesuch gesagt hatte, hatte sie nach seinen Erzählungen ebenso gesagt:

“Wir müssen deine Eltern auch mal besuchen fahren. Ich muss sie unbedingt mal kennenlernen! Sie sind jetzt alt und allein. So furchtbar werden sie schon nicht sein! Immerhin bist du ihr Sohn! Sie haben dich erzogen!”

Natürlich legte sie keinen Wert darauf, sie kennenzulernen! Sie würde das immer sagen, wenn er mit einem Besuch bei ihren Eltern nerven sollte. Dann würde er das bald einstellen. Er schien seine Eltern zu hassen. Man könnte meinen, er käme aus einer Sithfamilie, wenn man ihm so zuhörte. Liebevoll sah sie zu ihm und ergriff seine Hand und streichelte sie. Schwiegereltern brauchte sie nicht! Sie brauchte nur ihren Sane.


Weltraum Neue Republik, kurz nach Sprung aus dem Orbit von Lianna in den Hyperraum, an Bord der Lynx getarnt als Twin Star im Cockpit: Liebespaar Sane und Zoey auf der Flucht
 
Eilnachricht an Q’Tahem, Sane, Sarah, Ribanna

Es tut mir leid für die späte Störung, doch ich brauche dringend eure Hilfe. Wir treffen uns sofort an meiner Expedition im Hangar H2. Alles weitere erkläre ich euch dort! Es ist dringend! Beeilt euch! Es ist etwas entsetzliches passiert!”

Ende der Nachricht von Kestrel Skyfly



OP: Kestrel weiß noch nicht, dass Sane auch nicht mehr im Tempel ist. Daher landet die eine Nachricht hier.​
 
Weltraum der neuen Republik-Orbit von Lianna- An Board der Expedition- Sarah (NPC), Kestrel, Ribanna, Q’Tahem (bereits versteckt Ari’a)

Kestrel sprintete die Luke hinauf und startete ihr Schiff. Sarah nahm neben ihr Platz und überprüfte währenddessen den Peilsender. Er war noch aktiv! Wunderbar! Sofort übermittelte die Frau ihr die Koordinaten auf den Boardcomputer des Schiffes und Kestrel ließ die Route berechnen.


Q’Tahem? Was sagt dein Gefühl zu der ganzen Sache? Ich spüre eine Gefahr, doch ich kann sie nicht direkt lokalisieren. Es hat auf jeden Fall etwas mit dem Holocron zu tun.”

Sprach sie den Nautolaner während des Starts an, der mit Ribanna hinter ihr Platz genommen hatte.

"Kannst du auch etwas spüren, Ribanna?"

Kurz überlegte sie, ob sie Ari’a mitnehmen sollten, da sie sonst alleine unter den fremden Jedi im Tempel blieb, doch sie verwarf den Gedanken schnell. Es wäre zu gefährlich und sie wäre noch nicht bereit dazu. Im Tempel war es sicher und vermutlich wären sie eh nicht lange fort. Kestrel hob nach ihrem kurzen zögern ab und verließ schließlich den Orbit von Lianna und schaltete schließlich auf Autopilot und sie sprangen in den Hyperraum.

Nun waren nur noch die Schlieren der hellen Sterne zu sehen und das Brummen der Lebenserhaltungssysteme zu hören.


“Irgendetwas muss ich übersehen haben…nur was?”

Fragte Kestrel mehr sich selbst, als die anderen Drei.

Schließlich waren sie in Reichweite des Schiffes von Zoey. Sie hatten relativ viel Zeit einholen können durch ihren Sprung. Ihr Schiff besaß durch die letzte Reparatur nach Lothal einen der neueren Hyperantriebe.

“Sie sind nun in Reichweite für das Kommunikationsgerät. Wir konnten sie einholen! Sie sind gerade in der Nähe von….Florrum. Ich werde Kontakt zu ihnen aufnehmen. Vielleicht klärt sich ja in einigen Minuten schon einiges…, hoffe ich.”

Erklärte Kestrel, während sie den Boardcomputer checkte und betätigte einen Schalter an der Konsole und stellte eine Nachricht an das Schiff von Zoey durch.

“Hier spricht Kestrel Skyfly, Jedi-Meisterin der Republik und vom Schiff der Expedition! Erbitte sofortige Meldung der Personen und Fracht der Twin Star. Ihr besitzt etwas, was dem Orden der Jedi gehört!”

Sprach sie in das Headset und lehnte sich zurück. Waren tatsächlich Zoey und Sane in diesem Schiff? Sie konnte es nicht fühlen. Sie waren noch zu weit entfernt.

Weltraum der neuen Republik-Orbit von Florrum- An Board der Expedition- Sarah (NPC), Kestrel, Ribanna, Q’Tahem (bereits versteckt Ari’a)- vor ihnen das Schiff Twin Star mit Sane und Zoey
 
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Lianna, Hangar H2, vor der Expedition: Kestrel, Ribanna, Q`Tahem, Sarah


Man hatte Kestrel von weitem auf und ab gehen sehen. Nun blieb sie stehen, als Q`Tahem bei ihr eintraf. Nur noch wenige Schritte und Ribanna war auch da, Sarah hing ihr förmlich, seit der einen Kreuzung, an ihren Fersen und trudelte fast zeitgleich mit ihr ein. Ribanna platzte gleich mit der Frage aller Fragen heraus. Offenbar hatte auch Q`Tahem schon gefragt. Alle schienen wie Ribanna gespannt auf ihre Antwort zu warten. Alle hingen an ihren Lippen. Sie begann von ihrer Vision zu erzählen. Sie sprach vom Holocron, von Leid, von Zoey, die verschwunden samt dem Holocron war. Und, das das nicht zu ihr passte. Natürlich nicht, dachte sich Ribanna. Es ging um Zoey, ihre Zoey, ihre Archäologin!

“Was?! Echt? Wirklich?”,

sagte Ribanna erstmal fassungslos und erschüttert . Natürlich hatte sie alles verstanden, was Kestrel gesagt hatte. Ihr Ausruf war nur Ausdruck des Fragezeichens, welches im “Raum” stand. Was war passiert? Das konnte doch nicht wahr sein!?

“Ist sie vielleicht samt Holocron entführt worden? Das wäre ja nicht das erste Mal, dass man sie entführt!...Aber, aus dem Jeditempel? Gibt es einen abtrünnigen Jedi? Es scheinen ja gerade öfters welche überzulaufen. “

Das erschien Ribanna die einzige logische Erklärung zu sein. Ribanna wurde rot. Sie hatte Kestrel sicher wieder dadurch an Brianna erinnert. Das wollte sie nicht. Kestrel sollte sich nicht aufregen, aber durch diese Angelegenheit war das unumgänglich gewesen und sie regte sich eh innerlich auf. Auch Ribanna fühlte sich total aufgewühlt, sie fühlte sich total aus dem Häuschen. Ihre Müdigkeit war wie weggepustet. Kestrel sagte, sie mussten Zoey finden. Ribanna bejahte das:

“Ja, unbedingt! Ich befürchte, sie ist in Gefahr!”

Zoey schien in Gefahr zu sein. Sie mussten ihr zu Hilfe eilen. Ribanna überlegte intensiv weiter. Ihr fiel eine weitere Möglichkeit ein:

“Vielleicht ist sie auch genötigt und bedroht worden und sie hatte sich zum Diebstahl gezwungen gefühlt.”

Kestrel nahm nun an, dass die Macht, die sie gewarnt hatte, mit Zoey zu tun hatte. Sie fragte, ob Zoey irgendwas zu ihnen gesagt hätte.

“Nööö!”

Ribanna sah in die Runde. Wo war eigentlich Sane? Hatte Kestrel ihn nicht auch zu sich gerufen? Wenn ja, brauchte er aber lange und das als Soldat? Aber, vielleicht hatte sie ihn auch nicht gerufen.

Kestrels Blick blieb an Sarah hängen. Ribanna drehte sich zu ihr hin. Warum sah Kestrel sie an? Wusste Sarah etwas? Doch Kestrel fragte sie nach Brianna und der Jedirätin. Ribanna hatte plötzlich ein Gesicht vor Augen. Verdammt, sie kannte auch die Rätin! Sie war bei der Heilung ihres Patienten dabei gewesen. Das wurde ihr jetzt erst bewusst. Wieso machte Kestrel aber solche Gedankensprünge? Gab es da einen Zusammenhang? Das überraschte die Padawan etwas. Doch, Sarah konnte nichts Neues von Belang zusteuern. Sie hatte wohl auch keine offenen Türen gefunden. Der Fall war sehr streng vertraulich, selbst für Geheimdienstler. Wer hätte das gedacht!

Endlich bemerkte Kestrel, wer hier in der Runde fehlte und fragte Sarah, wo Sane steckte. Ribanna hatte ja mit allem Möglichen gerechnet. Das er verschlafen hätte und das Sarah ihn schnell wecken möchte oder das er nicht mitkommt, weil er krank ist und sowas ähnliches. Aber, was dann kam, war der absolute Hammer! Ribanna wäre am liebsten aus den Latschen gekippt. Sane und Zoey waren zusammen weg. Gemeinsam, als Liebespaar. Das haute sie voll um. Ob es den Anderen auch so ging? Erneut stieß sie ein fassungsloses:


“Was!? Wie bitte?!”,

aus. Sie konnte es kaum glauben. Kaum fassen. Hatte sie richtig gehört? Sie zweifelte sogar an ihrem Hörsinn. Das konnte doch nicht wahr sein! Sie hatten nicht mal “Tschüss” gesagt. Sie waren einfach sang-und klanglos fortgegangen? Für immer! Irgendwie war Ribanna für einen Moment zum Heulen zu mute. Die ganze Sache wurde immer schlimmer. Es wurde alles immer konfuser! Immer verrückter! Jetzt fragte Sarah nach, ob Kestrel wirklich sicher wäre, dass Zoey das Holocron hätte. Selbst die konnte es nicht ganz glauben, obwohl sie Zoey lange verhört und verdächtigt hatte. Zoey eine Diebin? Das war auch wirklich absurd! Was hielt Q`Tahem davon? Zoey und er waren laut den Erzählungen auf Theaterra wie Bruder und Schwester geworden. Konnte er sich vorstellen, dass sie eine Diebin wäre? Das interessierte Ribanna brennend. Diese Frage beschäftigte sie. Sie wollte ihn aber nicht so direkt danach fragen. Sie glaubte, das wirkte komisch, wenn sie das fragen würde.

Kestrel begann nachdenklich vor ihnen auf und ab zu tigern. Es schien Ribanna, als hätte sich auf ihrer Stirn eine Sorgenfalte gebildet. Der ganze Fall schien verworren. Dann fragte sie gezielt Ribanna, ob ihr etwas aufgefallen wäre. Sie schüttelte daraufhin den Kopf, teilte der Meisterin aber ihre neuesten Gedanken dazu mit und fühlte sich wichtig, denn die Meisterin hatte sie gefragt, nicht Q`Tahem:


“Nein! Ich habe mir aber Gedanken weiter dazu gemacht. Ich kann das Zoey einfach nicht zutrauen. Wir kennen sie alle! Sie bringt den Jedi eher ein Holocron, aber nimmt ihnen keins!”,


verteidigte sie Zoey, wie eine gute Freundin das tun sollte, auch wenn sie etwas enttäuscht von ihr war, dass sie sich nicht von ihr verabschiedet hatte. Sie konnte einfach nicht fassen, dass sie weg war. Ihre Zoey! Ohne sie wäre es viel blöder hier! Sie fehlte ihr jetzt schon!

“Wer sagt eigentlich, dass Zoey das Holocron mitgehen ließ? Vielleicht war es Sane?!.. Ich traue es aber Beiden nicht zu, ehrlich gesagt. Sie sind doch alle Beide ehrliche aufrichtige liebevolle Menschen. Vielleicht ist mit dem Holocron etwas passiert? Kann man es kaputt machen? Ich habe keine Ahnung. Oder, womöglich ist es ihnen abhanden gekommen, es wurde ihnen entwendet, und vor lauter Angst und Panik sind sie abgehauen. Okay, ich weiß, Letzteres hinkt gewaltig, denn wer sollte hier im Jeditempel stehlen, es sei denn, es handelt sich um einen Überläufer. …Oder, das Holocron fiel zufällig in ihre offene Tasche. Sowas Blödes kann durchaus passieren! Manchmal passieren die merkwürdigsten Dinge.”

Ob sie damit helfen konnte, würde sich zeigen. Sie sollten aber unbedingt alles in Betracht ziehen, fand Ribanna.

Wo könnten sie hingeflogen sein? Dazu fiel Ribanna nichts ein. Dabei hätte sie gerne weiter geholfen. Ein Peilsender!? Sarah war wirklich argwöhnisch! Irgendwie war sie eine miese Ratte! Waren alle Geheimdienstmitarbeiter so? Gut, allerdings war das jetzt sehr hilfreich. Allerdings erwähnte Sarah auch den Grund dafür und das missfiel Ribanna gründlich. Man sollte niemanden vorverurteilen, fand sie. Sarah konnte nur Zoey nicht leiden, weil sie eifersüchtig auf sie war. Jeder hatte bemerkt, dass sie auch etwas für Sane übrig hatte.

Die Padawan rannte ihrer Meisterin die Rampe rauf ins Schiff hinterher. Sie wollten schleunigst hinterher und dann würde sich sicher alles aufklären.

Ribanna nahm hinter der Meisterin und Sarah neben Q´Tahem in der zweiten Reihe im Cockpit Platz. Erst jetzt fragte Kestrel Q`Tahem nach seiner Meinung. Ribanna feierte innerlich ab. Allerdings war sie auf seine Meinung unglaublich gespannt. Die Meisterin sprach ihr komisches Gefühl dazu an. Die Jedimeisterin fragte auch sie nach Q`Tahem dazu. Doch, Ribanna hatte kein negatives Gefühl, nichts Warnendes, Unheimliches, Unheilvolles, weder Angst, noch Gefahr, kein Bauchgrummeln und schüttelte daher mit dem Kopf. Da Kestrel zum Start aber nach vorne schauen musste, fügte sie rasch hinzu:


“Nö! Ich meine Nein!”,

verbesserte sie sich. War das jetzt gut oder schlecht, fragte sie sich besorgt. Sollte sie irgendein komisches unheilvolles Gefühl haben? Sie hatte eher das Gefühl, als wären sie nicht allein. Sowas Blödes! Als wenn hier ein Geist mit an Bord wäre?! Das sagte Ribanna lieber nicht und behielt es besser für sich. Bestimmt die Katze?! Hatte Kestrel sie mitgenommen und hatte sie schon an Bord gebracht gehabt, ehe sie gekommen waren?

Sie sprangen in den Hyperraum. Das bedeutete, sie hatten den Orbit von Lianna verlassen. Schade, dachte Ribanna, dass sie nur so kurz hier gewesen waren. Irgendwas war immer! Obwohl vom Hyperraum etwas Langweiliges, Eintöniges, Einschläferndes, Friedliches ausging, kam Ribanna nicht runter. Ihre Gedanken kreisten weiter. Offenbar ging es nicht nur ihr so. Kestrel fragte sich gerade laut, was sie übersehen hatte. Das konnte Ribanna ihr nicht beantworten. Beim besten Willen nicht!

Doch schon kurz darauf, waren sie in Funkspruchweite. Kestrel hoffte, dass sich vielleicht gleich alles aufklären könnte. Ribanna hoffte das auch. Sie lauschte intensiv den Worten der Meisterin. Voller Spannung erwartete sie, wie alle Anderen hier an Bord, die Antwort. Es war kaum zum Aushalten.



Weltraum Neue Republik, kurz vor Grenze zum Weltraum neutral, Hyperraum in Richtung Florrum, in Funkspruchweite zu Zoeys Schiff, selbst an Bord der Expedition im Cockpit: Kestrel, Sarah, Q`Tahem und Ribanna, blinder Passagier: Ari`a
 
kommt von da: Tirahnn

[MC90 „Prometheus“ - Krankenstation] Simone


Nach einer Zeit, die ihr wie die Ewigkeit vorkam, zeichnete sich das Ende ab. Zuerst waren es nur kurze Phasen, in denen sie verzerrte Bilder durch das bläulich-trübe Bakta sah. Schemen, die vorbei huschten. Dazu das Rauschen und Blubbern, der heilenden Substanz, in der sie schwamm. Schwerelos, schmerzlos... ihr Bewusstsein gefangen in einem traumartigen, von beruhigenden Medikamenten gedämpften Zustand - ohne Zeit, kaum noch ihren Namen erinnernd und abgeschnitten von jedem Gefühl.


Dann kam die Erinnerung zurück und mit ihr Schmerz und Zorn. Auf ihren Befehl hin hatten sich die Tirahnner gegen ihre Besatzer erhoben, um ihr die Flucht zu ermöglichen. Unzählige ihrer Landsleute hatten dabei ihr Leben gegeben. Bohrende Schuld, die sie fast erdrückte - und dennoch: es war notwendig, es war richtig gewesen, wenn es je eine Chance auf Freiheit geben sollte. Eine Chance, das Joch des Imperiums abzuschütteln. Jeder einzelne dieser Toten ging auf das Konto dieses verdammten Imperators, aber jedes einzelne Leben, jeder vergossene Tropfen Blut wäre es wert, wenn Tirahnn endlich frei von Unterdrückung wäre. Wenn sie endlich die Feinde endlich aus ihrer Heimat vertrieben hätten.


Das Alter hatte Simone weder müde noch milde werden lassen. Ganz im Gegenteil: Seit der Invasion hatte sich die ehemalige Politikerin jeden einzelnen Tag den Besatzern widersetzt. Im Widerstand waren ihre Tochter und deren Familie getötet worden. Ihre jüngste Enkelin Nienna völlig sinnlos ermordet. Nur Aram war noch am Leben und führte den Kampf fort. Vielleicht würde er irgendwann ein freies Tirahnn erleben. Bis zu ihrem letzten Atemzug wollte Simone dafür weiterkämpfen - und wenn nötig die Imperialen sogar aus dem Grab heraus noch heimsuchen!
Am äußersten Rand ihres Bewußtseins lauerte die Erkenntnis, dass es nur diese Sturheit und das entschlossenene Festhalten an ihrem Ziel war, dass sie trotz ihrer schweren Verletzungen noch am Leben hielt. Obzwar Bakta und Schmerzmittel ihre Sinne dämpfte, spürte die alte Frau die Veränderung - das Fehlen ihrer Zunge, ihres Unterkiefers - sah die Schläuche, die in ihren Hals führten, die für sie atmeten und sie ernährten. Vielleicht war ihr Kampf hier zuende, denn selbst wenn sie überlebte und hier herauskam, wäre sie entstellt und ohne Stimme.

[MC90 „Prometheus“ - Krankenstation] Simone
 
[Lianna / Lola Curich / Basis der Jedi / Trainingsraum] Q'Tahem mit Ari'a

Erschrocken blickte das Mädchen auf den Nautolaner, als sie ihn mit der Macht nicht zu fassen bekam, doch noch mehr zuckte sie zusammen, als er plötzlich verschwand! Hatte sie ihn etwa getötet?! Erschrocken fuhr Ari’a herum, als Q’Tahem sie plötzlich von hinten ansprach und zog dabei scharf die Luft ein vor Schreck. Wie war das möglich?! Er hatte doch gerade eben noch hier gelegen? Was ging hier vor sich? Der Nautolaner belehrte sie und klärte sie auf. Eine Illusion? So etwas war möglich mit der Macht? Erstaunt und gleichzeitig voller Ehrfurcht sah sie den Jedi an. Er war in ihren Augen mächtig, wenn er so etwas vollbringen konnte! Sie hatte es wirklich nicht bemerkt! Der Jedi schien mit ihr nicht zufrieden zu sein, denn sein Blick und seine Kopfschwänze sprachen eine deutliche Körpersprache, die die Twi’lek durch ihre eigenen Lekku nur zu gut verstehen konnte. Beschämt blickte die Twi’lek zu Boden. Erst jetzt bemerkte sie die Blicke der anderen Jedi-Schüler, welche sie förmlich durchbohrten. Tränen bildeten sich in den Augen des Mädchens, doch sie bemühte sich, diese nicht fortlaufen zu lassen. Alles machte sie falsch. Egal ob bei den Sith oder Jedi. Immer hatte man nur etwas an ihr auszusetzen! Wie oft hatte Shim’rar sie für Versagen bestraft! Auch Zoey hatte ihr schon gedroht und nun waren es die Jedi, welche sie ansahen, als wäre sie verrückt. Jeder hatte nur etwas an ihr auszusetzen! Sie hatte gekämpft, wie man es ihr beigebracht hatte!

“Tut mir leid, Meister Jedi.”

Sagte das Mädchen kleinlaut und übergab ihm beschämt und nach unten sehend das Trainingslichtschwert. Sie traute sich nicht ihn anzusehen.

“Ich habe so gekämpft, wie ich es gelernt habe. Ich wollte euch nicht verletzen. Die Wut macht mich stärker, die Macht ist so leichter greifbar für mich. Meine Gefühle haben mir oft weitergeholfen…sonst hätte ich all die letzten Jahre nicht überlebt. Es wäre dumm, es nicht zu nutzen.”

Meinte das Mädchen ernst und war froh, dass sie den Trainingsraum endlich verließen und sie den Blicken der Anderen nicht mehr ausgesetzt war.

“Nein, danke. Ich gehe jetzt lieber auf mein Zimmer. Ich brauche meine Ruhe. Danke trotzdem für deine Mühe, Q’Tahem.”

Lehnte sie den Besuch in den Garten ab und ging mit schnellen Schritten davon und weg von dieser unangenehmen Situation. In ihrem Quartier warf sie sich auf ihr Bett und weinte in das Kissen. Warum war alles nur so kompliziert?! Niemand verstand sie wirklich! Niemand nahm sich wirklich Zeit sie zu verstehen! Immer war alles falsch! Es war schwer sich nach all den Jahren auf der Straße wieder an Regeln zu halten und schon gar nicht konnte sie ihre Gefühle kontrollieren! Warum auch?! Sie gehörten doch zu ihr! Nur so hatte sie wirklich Zugang zur Macht erlernt. Sie konnte gar nicht verstehen, wie die Jedi es ohne schafften. Es war doch so viel leichter.

Nach einigen Stunden wachte das Mädchen durch Getrappel vor ihrem Quartier auf. Als sie auf das Chrono sah, war es schon ziemlich spät. Irgendetwas war passiert! Sie spürte die Hektik, das Rennen von mehreren Personen. Das Mädchen setzte sich auf. Sie war nun hellwach und ihr Herz pochte. Zoey! Es war soweit! Doch was sollte sie tun?! Da das Mädchen mit ihrer Kleidung einfach eingeschlafen war, indem sie sich in den Schlaf geweint hatte, dauerte es nicht lange bis sie den Anderen folgte. Vor sich sah sie Ribanna und Sarah. Mit Abstand verfolgte das Mädchen die Beiden und sie erreichte schließlich den Hangar. Die blaue Twi’lek versteckte sich hinter einer der großen Versorgungskisten und lauschte Meisterin Skyfly und den anderen Anwesenden. Zoey war also ohne sie los?! Hatte sie etwas verpasst?! Sie hatte sich schlecht mit ihr abgesprochen! Sie wollten ihr also hinterher?! Gut, denn sie wollte keinesfalls alleine hier bei den engstirnigen und strengen Jedi bleiben. Der Plan von Skyfly würde sie wieder zu ihrer Meisterin führen. Ihrer wahren Meisterin, die sie wohl noch am besten von allen verstand. Kaum waren alle an Board der “Expedition” gegangen, folgte das Mädchen ihnen leise und versteckte sich in einem Wartungsschrank und schloss die Tür leise mit der Macht und kauerte sich in die Ecke. Das Mädchen war sich sicher, dass man sie sonst niemals mitnehmen würde. Besonders nicht nach dem Training mit Q’Tahem. Wahrscheinlich würden sie sie als zu schwach oder als zu gefährlich einstufen. Auf solch eine Diskussion hatte sie keinerlei Lust! Zum Glück entdeckte sie niemand beim Start und schließlich waren sie in den Hyperraum gesprungen. Wenn man sie jetzt entdeckte, war es unwahrscheinlich, dass man wegen ihr wieder umkehren würde. Sie hatte es geschafft, auch wenn sie keinen Plan hatte, wie es nun für sie weitergehen würde.

Weltraum Neue Republik, kurz vor Grenze zum Weltraum neutral, Hyperraum in Richtung Florrum, in Funkspruchweite zu Zoeys Schiff mit Sane, selbst an Bord der Expedition im Cockpit: Kestrel, Sarah, Q`Tahem und Ribanna, blinder Passagier: Ari`a
 
Weltraum Neue Republik - Einige Klicks entfernt von Lianna - Ziel: Centares - MC40 Cobalt

Es gab keine Fanfaren, keine reißende Motivationsrede, keine feierliche Übergabe. Nur die aller notwendigsten Formalien wurden heruntergerattert, als der frisch gebackene Captain die größte Herausforderung seines Lebens antrat.

Ness war als Sprössling religiöser Eltern geboren worden und dementsprechend aufgewachsen. Man lehrte ihn Disziplin, Ordnung und Kampfgeist. Mit seiner vorbestimmten Aufgabe und damit einer lange währenden Tradition, hatte er gebrochen als er in den Zeiten schlimmster Not den Rebellen anschloss und einige Schlachten und Scharmützel miterlebte. Seine Lebenslauf war denkbar kurz und unspektakulär. Keine besonderen Auszeichnungen, keine Fehltritte. Eine geradlinige, durchschnittliche Offiziers Karriere in der Flotte. Die vergangenen Einsätze sprachen für sich und die Liste an verfügbaren Führungsoffizieren die man mal eben so einsetzen konnte war dramatisch kurz. Kurz um, der Mon Calamari hatte Glück.

Wenn man von Glück sprechen konnte. Die Cobalt, auf dessen Brücke er so eben vereidigt wurde, hatte ihren Captain an einen tragischen Unfall bei einem Transfer nach Coruscant verloren. Captain Polymax ein hoch dekorierter, uralter Sullustaner der sich Zeit seiner Karriere als Captain mehr treiben ließ, als das er sein Schiff führte, wurde bei dem Zwischenfall samt seines Stabs ins All geschleudert. Im offiziellen Bericht der Untersuchungen stand etwas von defekte Luftschleuse. Ness dachte sich seinen Teil.

Da war er nun. Kommentarlos starrte er aus dem Fenster, als er dem Raumgleiter hinterherschaute, der die offiziellen des Kommandos der Flotte der Neuen Republik zurück zum Hauptquartier begleitete. Die Funktionärin machte sich nicht mal die Mühe ihm viel Glück zu wünschen. Ein vielsagendes und doppelt unterstrichenes WIR ZÄHLEN AUF SIE, war das einzige, dass sie im Eifer der Hektik im Stande zu wünschen bereit war.

Es kam noch besser, der Führungsstab der Cobalt war voll mit Ensigns und Kadetten. Nur sein XO, eine frisch gebackene togorianische Lt. Commander, war von einem etwas erfahreneren Kaliber.

"Haben Sie den Bericht?" Ness hatte fordernd seine Hand ausgestreckt und die aufgeschreckte Runde lud hektisch ein paar Daten auf ein Pad, das nach einem Umweg über die XO dann in seine Hände fand. Er schaute die Runde fragend an, ohne jeden weiteren Kommentar.

Status der Kernsysteme
Antrieb: 50% Maximal Leistung (Reparaturbedürftig)
Hülle: 90% (Wiederkehrende Reparatur Arbeiten - Generalüberholung notwendig)
Waffen: 75% Bereitschaft (Torpedowerfer außer Funktion)
Schilde: 0% (Emitter ausgefallen, Austausch angefragt, Warten auf Rückmeldung)
Jägerstaffel: Einsatzbereit
...

Er las nicht weiter. "Okay, Ladies und Gentleman, treten Sie näher, ich bin nicht zum Brüllen aufgelegt." Ness schaute in teils gelangweilte, teils verzweifelte und teils völlig übermüdete Gesichter. Als die XO eine gut einstudierte Geschichte zu dem aktuellen Zustand des Schiffes zum Besten geben wollte unterbrach der Mon Calamari die Togorianerin, die darauf einen leisen Zischlaut von sich gab und erhob selbst das Wort.

"Wie dieses Schiff noch zusammenhält ist wohl das größte Rätsel, dem ich mich je stellen durfte. Ich habe die Dossiers gelesen. Von allen. 80 Prozent, achtzig" betonte Ness dramatisch erneut "von uns sind entweder gerade mit mir auf diesem Schiff angekommen oder haben seit weniger als sechs Monaten Zeit auf diesem Kreuzer verbracht. Es kommt noch besser, aus Mangel an Offizieren sind einige unserer wichtigsten Positionen mit Kadetten besetzt, die ihre Berichte zum Prüfen an ein Postfach der Akademie senden." Nicht sehr hoffnungsvolle Worte zum Start. Der Cap lehnte sich an seinen Sessel. "Dieses Schiff ist wie jeder andere MC 40 ein 100%iges Unikat. Die Reparaturen werden ewig dauern. Ewig. Das ist Zeit die wir aufgrund der mir übertragenen Aufgabe nicht im Ansatz haben." Nun verschränkte er seine Arme.

"Das ist auch mein erstes Schiff." In einige Gesichter mischte sich entsetzen. "Das heißt folgendes wird passieren. Wir werden in Windeseile an dieser ehrwürdigen Rostlaube wachsen. Wir alle. Ich vertraue Ihnen, obwohl ich Sie nicht kenne. Erledigen Sie ihre Arbeit so gut wie sie können und führen Sie die Ihnen unterstellen Crews. Das sind keine Vorschusslorbeeren. Die Flotte zählt auf Sie meine Damen und Herren." Jetzt kam er sich fast schon vor wie die Funktionärin, die ihm das Schiff vor Kurzem überlassen hatte. "Und das ist keine hohle Phrase. Wir werden uns in Kürze an die Grenzsysteme für einen längeren Patrouillenflug begeben. Mir wurde von hoher Piratenaktivität berichtet. Keine Überfälle, zumindest bisher. Aber sie formieren sich, scheinen irgendeine Art Szenario zu üben." So die Info vom HQ.

"Briefen sie also ihre Teams. Ich will eine Steigerung der Einsatzbereitschaft der Kernsysteme auf Minimum 95% bis morgen früh." dann klatschte er in die Hände "Los, die Nachtschicht ruft."

Weltraum Neue Republik - Einige Klicks entfernt von Lianna - Ziel: Centares - MC40 Cobalt
 
[Republikanischer Raum | COR "Viator" Alarmstatus: Keiner | Commander im privaten Quartier]

Akkari verließ gerade nach einer ausgiebigen Dampfdusche seinen privaten Erfrischer. Die hatte er auch defintiv nötig, die letzten Wochen hatte die Viator auf Piratenjagt verbracht und wichtige Hyperraumknoten gegen diese Opportunisten geschützt. Der junge Commander hatte das Gefühl dass die Zugriffe zugenommen hatten. Immer mehr häuften sich die Meldungen über Übergriffe auf kleinere Händler, selbst schwach geschützte Konvois wurden Ziel scheinbar wahlloser Angriffe.
Dabei handelte es sich nie um einen Piratenclan sondern grundsätzlich um lose zusammengewürfeltes Pack, anders vermochte er sie nicht zu bezeichnen. Irgendwie beschlich ihn das Gefühl die Galaxis schien wieder ein wenig mehr aus den Fugen zu geraten, mehr Chaos, mehr Willkür. Dinge die er nicht schätzte. Dinge die er wahrlich nicht schätzte...
Das Interkom piepte und die Stimme seines Kommunikationsoffiziers drang durch die Lautsprecher.
'Commander' meldete sich die blecherne Stimme des Kel'Dor auf der der anderen Seite. 'Sie haben eine Prioritätsübertragung vom Flottenoberkommando.'

"Geben Sie mir 10 Minuten ich bin sofort auf der Brücke!"

befahl er. Das Oberkommando? Das Schiff war seit über einem Monat nur auf Kurzsprüngen zwischen den Sektoren, sie konnten wirklich nicht einen neuen Auftrag haben ohne vorher Landgang oder zumindest einen Zwischenstopp zum wiederbeladen von Gütern und Treibstoff in Erwägung zu ziehen. Er zog seine frische Uniform an und blickte in den Spiegel um sein Äußeres zu begutachten.

"Für das Oberkommando wird es reichen..."

Die Tür zischte und er schritt durch den Eingang zur Brücke. Die Crew ging ins Achtung und der erste Offizier meldete ihm gemäß Protokoll.

"Rühren, weitermachen! Mal hören von welchem guten Nachrichten uns das Flottenoberkommando heute berichtet. Komm-Offz, Übertragung auf den Schirm!"

Der Kel'Dor tat wie geheißen und das Holodeck flackerte kurz bevor die Übertragung stabil wurde.....

[Republikanischer Raum | COR "Viator" Alarmstatus: Keiner | Commander auf Brücke]
 
Von: Borgo Prime, Hangar , Darth Makhairas Raumschiff

Als sie aufwachte, war sie allein. Allein an einem Ort, den sie nicht kannte. Verwirrt sah sie sich um, noch nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Dann setzte ihr Erinnerungsvermögen wieder ein. 4 Monate! Sie war 4 Monate in den Zellen und Folterkammern der Sith gewesen. Ihr Magen krampfte sich zusammen und sie stürzte in das kleine Badezimmer, das zu dem Raum gehörte, in den sie sich befand. 4 Monate. Hatte man sie überhaupt irgendwo vermisst? 4 Monate! Tränen stiegen ihr in die Augen und weil sie eh grad allein war und es ihr nicht gut ging, liess sie sie raus. Danach fühlte sie sich erschöpft und wie betrunken. Aber besser. Sie betrat wieder das Zimmer, in dem sie aufgewacht war. Der Grundriss war schön und der Boden verriet ihr, dass sie sich auf einem Schiff befand. Aber sie hörte nichts, also flogen sie wohl noch nicht. Die Haupttür war verschlossen, was ihr Herz schlagen liess. Langsam ging sie darauf zu und versuchte die Befüchtungen zu unterdrücken, die in ihr flüsterten. War sie verriegelt? Ihre Hand zitterte, als sie sie in Richtung des Öffners ausstreckte. Sie hatte seit Bastion nur einmal allein in einem Raum geschlafen. Und das war bei ihrer Abreise, als sie so kaputt gewesen war, dass ihr alles egal war. Sich jetzt in einem unbekannten Raum wiederzufinden, machte ihr irgendwie zu schaffen. Sie tippte auf den Schalter und die Tür glitt auf. Sofort fiel alle Anspannung von ihr ab. Sie war nicht eingesperrt gewesen. Vor ihr war ein Gang und es war absolut still. Entweder die Sith schlief oder war noch einmal weg gegangen. Egal wie, Marlis hatte etwas Zeit. Zeit, die ihr Körper für sich haben wollte, weswegen sie sich das Gesicht wusch und sich wieder in die Koje legte, in der sie aufgewacht war. Ihr war noch etwas schwindelig und zeitgleich schien das Bett eine eigene Gravitation zu haben. Sie fühlte sich unglaublich schwer weshalb es nicht lange dauerte, bis sie einschlief.

Sie musste wirklich fest eingeschlafen sein, denn als sie sich wieder regte, hörte sie zunächst das Brummen der Antriebe. Jetzt flogen sie. Wohin? Die Stimme der Sith klang irgendwo neben ihr und sie erklärte, dass sie die Shopping-Tour verschieben mussten. Jetzt riss Marlis die Augen auf und sah die Frau an. Sie grinste. Sie war entspannt und scheinbar gut drauf, was Marlis beruhigte. Die frischgebackene Sith-Schülerin schob eine Hand unter ihr Kissen und drehte sich auf die Seite, damit sie die Sith ansehen konnte.

"Wenn wir die Shopping-Tour verschieben müssen.... habt ihr noch was angestellt auf Borgo Prime, dass ihr schnell los musstet?"

fragte sie und schmunzelte ebenfalls, ehe ihr Blick wieder ernst wurde und sie die Frau ein paar Sekunden lang einfach nur abschätzend ansah.

"4 Monate.... "

sagte sie leise und musterte das Gesicht der Frau.

"Wusstet ihr es?"

Marlis wär davon ausgegangen, dass die Sith wegen einer wertlosen Padawan nicht so ein Drama machen würden, alles genau zu dokumentieren. Auf der anderen Seite war der Blechkasten vielleicht krank genug gewesen, um jeden Atemzug seiner Geiseln akriebisch aufzuschreiben. Psychopath. Ihre Frage an die Sith vor ihr war nicht als Vorwurf gedacht, Marlis wollte es einfach nur wissen. Sie hatten ja nun nicht wirklich Zeit gehabt, sich um sowas zu kümmern und zuletzt auf Borgo hatten sie auch anderes im Kopf gehabt als Vergangenheitsbewältigung.

Hyperraum Neue Republik- Richtung Denon- Darth Makhairas Raumschiff- mit Darth Makhaira
 
Zuletzt bearbeitet:
Hyperraum nahe Borgo Prime - Niphiras Paladin-Klasse Korvette - Marlis Zimmer - Niphira, Marlis


Marlis wirkte ausgeruht und als wäre sie gefestigter als noch auf dem Planeten. Die Sith lächelte sie an und zog ihren Stuhl näher an das Bett. Bei der Frage, ob Niphira noch angestellt hätte, schüttelte diese leicht mit dem Kopf, ehe sie inne hielt und doch ein wenig grinste.

“Scheinbar wurde ich doch noch erkannt. Immerhin konnte ich noch ein paar Sachen einkaufen, bevor wir fliehen mussten. Zum Glück war die Zoohandlung schnell genug, damit es nicht hässlich wurde. Ich weiß aber nicht, ob irgendwelche Jedi da waren, oder die Sicherheitsbehörden einfach nur übermütig geworden sind.”


In der Tat wäre es nicht angenehm gewesen, wenn die Sith irgendwelche Mitarbeiter von Behörden oder allgemein der Executive auch nur verletzt hätte. Am Ende hätte sie es auch auf eine Festnahme ankommen lassen können, doch was dann? Sie hätten Zeit verloren. Wahrscheinlich wäre irgendwann ein Jedi aufgetaucht und dann? Nein. Das war kein Kampf, den man an sich haben wollte, auch wenn der Sith klar war, dass eines Tages auch sie eine Jedi töten müssen. Bisher hatte sie aber noch diese Grenze nicht wieder übertreten, nicht seit ihrer Mutter. Doch der ernste Blick von Marlis holte Niphira in die Realität zurück. Sie nannte die Zeit, doch bei der Frage… Die Sith senkte den Blick und nickte betroffen.

“Vier Monate, eine Woche, drei Tage zu dem Zeitpunkt, wo ich dich hinrichten sollte. Ich habe eigentlich jede Information über dich bekommen, die man über dich herausfinden konnte. Selbst deine Kleidergröße… Der Spinner muss echt krank gewesen sein.”


Es war einfach nicht richtig gewesen. In dem Tod von Marlis lag keine Ehre, kein Nutzen, nichts. Doch es war wohl so weit. Der Grund für die Hinrichtung war absurd.

“Der Sith, der dich gefoltert hatte, ging davon aus, dass du zu befleckt mit Jedi-Lehren wärst und kein brauchbarer Schüler werden könntest. Er glaubte, du würdest dich bei der erstbesten Gelegenheit wieder den Jedi anschließen und durch deine Erfahrungen eine Gefahr für ihn werden.”

Langsam war Niphira aufgestanden. Es fiel ihr schwer, darüber zu sprechen.

“Es ist wirklich sehr wahrscheinlich, dass man deinen Eltern gesagt hat, dass du verloren und inzwischen tot bist. Wie ich die Jedi kenne, werden sie denken, die Sith hätten dich getötet oder dein Hirn gewaschen. Wenn wir sie treffen… sollten sie nicht wissen, was ich bin.”

In der Tat könnten Marlis Eltern glauben, dass Marlis nur traumatisiert war. Dass sie in Wirklichkeit eine Geisel der Sith war und kein freies Wesen. Wer wusste schon, ob sie nicht doch die Jedi informierten. Es wurde wirklich immer enger. Dazu lag ein Krieg in der Luft. Laut der Nachrichten, welche Niphira aus dem Tempel erreichten, sollte sie ihre Mission beenden und zeitnah den Tempel aufsuchen. Scheinbar wurde man nervös. Oder etwas anderes lag vor. Es ging nicht um ihre Waffen, man sagte, es wäre dringend. Doch ein paar Tage sollten drin sein. Zumindest der Umweg zu Marlis Eltern. Es war das mindeste, was Niphira ihrer Schülerin geben konnte.



Hyperraum nahe Borgo Prime - Niphiras Paladin-Klasse Korvette - Marlis Zimmer - Niphira, Marlis
 
Hyperraum-auf dem Weg nach Denon-Darth Makhairas Schiff- Marlis'Quartier-mit Darth Makhaira

Sie waren also aufgeflogen. Ziemlich schnell, wenn man so drüber nachdachte. Gut zu wissen, dass die Sicherheit der neuen Republik so auf Draht war. Auch wenn sie jetzt quasi auf der gegnerischen Seite stand.

"Vielleicht war ihnen langweilig und sie haben sich gefreut,dass es endlich mal was zu tun gab. Stellt euch mal vor,ihr habt ihnen die Story des Jahres verpasst."


Sie lächelte, ehe die Sith ihr verriet, was er Blechkasten alles über sie festgehalten hatte. Sie nickte, als die Sith ihn als kranken Spinner betitelte

"Allerdings. Ich bin so froh, das der weg ist."


Sie schwieg einen Moment, ehe sie schnaubte und den Kopf schüttelte.

" "Befleckt mit Jedi-Lehren"...allein der Ausdruck. Als wären die soooo schlimm. Da muss man sich eher fragen, ob die Sith-Lehren so schwach sind, dass sie gegen die Jedi-Lehren nicht überzeugen können."


Sie blickte die Sith an.

"Nicht persönlich nehmen. Ich meine nur. Es geht doch darum, jemanden für die Ideologien und Konzepte seiner Sache zu gewinnen. Und ich hab mich ja schon bereit erklärt, mir eure Seite zumindest anzuhören. Hoffnung macht mir da, dass ihr den Blecheimer auch als Spinner bezeichnet. Es gäb sicher noch mehr, was mir sauer aufstossen wird. Aber ich erwarte mit euch da eher angeregte Diskussionen als Kopf-Ab."

Marlis lächelte der Sith zu. In der Tat hatte Darth Makhaira ihr eher zu denken gegeben als ihr gedroht und Marlis freute sich auf so manchen Abend mit ihr. Vielleicht kamen sie ja auf ganz neue Ideen und Erkenntnisse.

"Und aktuell würd ich eher beiden Orden den Rücken kehren. Aber das Thema hatten wir ja schon. Und seine Befürchtung, ich könnte eine Gefahr für ihn werden..."

Jetzt musste Marlis wirklich lachen.

"Der Typ hat 4 Monate mit mir Scheisshaushoch gespielt. DAS war das Problem, nicht die Lehren, die ich vielleicht schon gehört hab. Es hätte garkeine Rolle gespielt, in welchem Orden ich wäre. In dem Moment, in dem ich dazu in der Lage gewesen wär, wär der Typ dran gewesen. Fertig. Der kann doch nicht erwarten, dass er Leute foltern kann, ohne dass es ein Echo gibt. "


Es sei den, er brachte wirklich alle um, die da dran hingen, womit sie wieder bei ihrem Todesurteil waren. Sie verstand, warum man ihren Tod gewollt hatte. Und erneut spürte sie den Stein auf ihrem Herzen bei dem Gedanken, dass man ihr vielleicht dauerhaftes Verschwinden einfach so hingenommen hatte.
Die Sith vermutete auch, dass man sie wahrscheinlich inzwischen als verloren ansah. Entweder tot oder genau da, wo sie jetzt war: an der Seite eines Sith. Und sie musste sagen: wenn sie sich für ihr Verschwinden so wenig interessiert hatten, hatten sie es auch nicht besser verdient. Allerdings sprach Darth Makhaira auch an, das ihre Eltern besser nicht wussten, was ihre neue Freundin war. Marlis nickte.

"Und als was verkaufen wir euch an meine Eltern? Bodyguard? Kopfgeldjäger? "


Marlis musterte die Sith noch einmal und grinste.

"Oder was ganz Hartes:"Kleinkindbetreuerin"."

Wenn sie jedoch ernsthaft darüber nachdachte, blieb da nur eine sinnige Lösung. Marlis setzte sich auf und schlug die Beine untereinander, während sie Darth Makhaira anblickte, die im Raum umher lief.

"Ihr müsstet euch als Jedi ausgeben. Das war ja der Grund, warum ich von zu Hause weg bin. Den Rest könnten wir bei der Wahrheit belassen: Ihr habt mich aus der Gefangenschaft der Sith geretten und vor dem sicheren Tod bewahrt und bildet mich jetzt aus. Dann hätten meine Eltern keinen Grund, den Orden zu alarmieren, weil ja einer von dort zu Besuch war und wir können nen angenehmen Aufenthalt geniessen. "


Sie blickte die Sith ernst an und beobachtete ihre Reaktion auf ihre Idee.

"Solang ihr da niemanden würgt oder sonst was Sith-mässiges zum Besten gebt, gäbs ja niemanden da, der diese Behauptung als Lüge entlarven würde. Und ich könnte meine Eltern dennoch bitten, bei Gelegenheit umzuziehen und mir aus Sicherheitsgründen die Anschrift nicht mitzuteilen. Statt dessen könnten wir ein neues Com kaufen, dann gibts ne Special-Com-ID über die man dann mal Kontakt aufnehmen und nen Treffpunkt abmachen könnte. Belegt mit der Regel, dass sie mich nur kontaktieren, wenn sie wirklich in Gefahr sind und ansonsten mir das mit der Kontaktaufnahme überlassen. Man weiss ja nicht, auf was für Missionen man so geschickt wird und einmal war ich ja schon bei den Sith im Kerker."

Sie runzelte die Stirn und zuckte mit den Schultern. Für sie klang das nach dem besten Weg, ihre Eltern zu schützen und den Weg trotzdem weiter zu gehen. Vielleicht übersah sie aber auch ein Detail, das der Sith aber auffiel. Dem entsprechend interessiert blickte sie Darth Makhaira an und wartete auf ihre Meinung.


Hyperraum-auf dem Weg nach Denon-Darth Makhairas Schiff- Marlis'Quartier-mit Darth Makhaira
 
Hyperraum nahe Borgo Prime - Niphiras Paladin-Klasse Korvette - Marlis Zimmer - Niphira, Marlis


Bei der Bemerkung bezüglich ihrer Flucht lachte Niphira laut auf. Sie wirkte nun, wo sie unter sich waren, viel entspannter und nicht mehr so angespannt. Fast, als hätte sich etwas verändert. Gut. Das Schiff war der Anfang von einem langfristigen Plan Niphiras. Auf Bastion würde das Schiff aufgerüstet werden und dann als ihr persönliches Flaggschiff aber auch Zuhause dienen. Es wäre so besser, als die Gefahr zu laufen, von unerwünschten Wesen abgehört zu werden. Auch bei der Aussage, dass Marlis froh war, dass der Spinner, also ihr Foltermeister weg war, nickte die Sith zustimmend. Doch bei dem Thema Jedi Lehren seufzte Niphira und hob verteidigend ihre Hände.

“Der Kerngedanke ist, dass es zu viel Arbeit gewesen wäre, die umzuerziehen und das potenziell erfolglos. Das ist halt dumm wenn du mich fragst. Man kann im Erfolgsfall aber ja Gefahr laufen, noch etwas voneinander zu lernen. Ich sag ja auch selbst, dass der Sith-Orden nicht perfekt ist. Aber für mich die bessere wahl um ehrlich zu sein. Naja… und wenn ich jedem mit unpassender Meinung den Kopf abschlagen würde, dann wäre bald niemand mehr in der Galaxie am leben. Apropos leben… Laut den Daten des Typen lebt wohl eine Untergebene von ihm noch. Scheinbar ist sie aber entgegen seiner Aufforderung nicht nach Bastion zurückgekehrt.”


Ein warmes Lächeln legte sich auf die Lippen Niphiras. In der Tat mochte sie Diskussionen lieber als bloßen Krieg. Kämpfen war ihre Leidenschaft, doch nur Blind jedes Mal ihre Klinge ziehen würde die Sith nur irgendwann einen schnellen Tod einbringen. Auch das Thema Folter stand im Raum.

“Es gibt da einen Spruch: Folter dient nur dem Folterer. Es soll so viel bedeuten, dass eine Aussage, welche unter Folter getätigt wurde eigentlich wertlos ist. Zumindest ein Geständnis wäre nicht ernst zu nehmen, da das Opfer der Folter am Ende dem Folterer alles erzählt irgendwann, damit die Qualen aufhören. Dazu kommt die Gefahr im Falle des Überleben des Opfers, dass dieses irgendwann Rache nimmt… Streng genommen… haben wir genau das getan damals.”

Es war wirklich so. Rache. Rache war eine gefährliche Frucht, von der zu kosten manchmal einfach nur zu mehr Problemen führte, als sie löste. Jeder hatte Angehörige. Jeder hatte Freunde. Rache konnte genau diese Wesen aufschrecken. Marlis Tod war gewollt, jedoch war auch Niphiras Tod eines Tages gewiss. Doch diese Gedanken endeten, als Niphira gefragt wurde, als was man sie den Eltern vorstellte. Doch die frischgebackene Schülerin hatte den richtigen Ansatz. Man sollte Niphira am besten als Jedi ausgeben. Zum Glück würde sie ihr Lichtschwert nicht nutzen müssen. Es war ein kluger Gedanke, welcher mit einem anerkennenden Nicken beantwortet wurde. Bei den Ängsten nickte Niphira kurz und legte Marlis beruhigend eine Hand auf die Schultern.

“Ich habe nicht vor irgendetwas zu tun, was mich als irgendetwas entlarven könnte. Ich denke, die Idee, mich als Jedi auszugeben, kann funktionieren. Für deine Eltern sollte es ausreichen. Wenn wir aber auffliegen, warum auch immer, werde ich versuchen, das alles deinen Eltern ruhig zu erklären. Ich glaube auch bisher nicht, dass es nötig ist, die Anschrift zu wechseln oder irgendwelche Vorkehrungen zu treffen. Wir leben noch in Frieden. Sollte ich mitbekommen, dass ihr Planet als Ziel einer Invasion gewählt würde, werde ich versuchen, dass man mir den zuspricht. Auch wenn ich dann auf Cathar verzichten müsste, mit hoher Wahrscheinlichkeit. Wir bleiben bei der Version, dass ich eine Jedi bin, die dich befreit hat. Zu wenig, was wir dabei vergessen könnten, doch müssen wir zu tiefe Detailfragen bezüglich der Jedi umgehen. Da könnte ich dann auffliegen.”

In der Tat wusste Niphira nicht genug über die Jedi, um auf Detailfragen zu antworten. Wenn man so wollte, wären Marlis Eltern nur in Gefahr, wenn nicht Niphira, sondern ein Sith wie Darth Draconis ihr Meister wäre. Doch der hätte wohl die Frau einfach gerichtet.

“Wir schaffen das schon. Ach ja… und ich habe noch eine kleine Überraschung für dich…”

Grinsend biss Niphira von einer ihrer Jogan-Beeren ab und bedeutete, Marlis ihr zu folgen.

“Ich habe ein extra Zimmer in deiner Nähe für sie gewählt. Einfach damit unsere Katze nicht einfach da rein kommt…”

Damit ging Niphira zu dem Zimmer direkt gegenüber von jenem, in dem Marlis geschlafen hatte und bedeutete ihr, die Tür zu öffnen. Dahinter war eine kleine Käfiganlage, mit ein paar der Nagern, die Marlis so gemocht hatte.

“Ich hoffe du magst es.”

Niphira lächelte und lehnte sich an die Wand neben der Tür, während sie den Rest der Jogan-Beere in ihren Mund schob. Hoffentlich glückte die Überraschung. Ein guter Krieger brauchte einen ausgeglichenen Geist und wenn ein Geist einen Ruhepol brauchte zur Zeit, dann die Schülerin. Ja, die Sith war anders als ihre Kollegen. Doch hatte das eher weniger mit purer Großzügigkeit zu tun, sondern viel mehr damit, dass sie einen eher spirituellen Ansatz wählte als die Haudrauf-Sith wie der Blechkasten. Man musste mental eine gewisse Stabilität erlangen, damit man sein volles Potenzial abrufen konnte. Daher konnte man die Nager auch als ein Teil von Marlis Ausbildung betrachten.



Hyperraum nahe Borgo Prime - Niphiras Paladin-Klasse Korvette - Nager-Zimmer - Niphira, Marlis
 
Hyperraum Richtung Denon- Darth Makhairas Schiff- Marlis' Zimmer- mit Darth Makhaira

Erneut war eine spannende Diskussion entstanden über den Sinn oder Unsinn, Gefangene zu töten. Und wieder fand Marlis sich auf einer Wellenlänge mit der Sith. Als die Sith dann meinte, dass irgendwo noch eine Untergebene von dem Blecheimer lebte, runzelte Marlis die Stirn.

"Er hat tatsächlich jemanden leben lassen?"

fragte sie, aber der Sarkasmus in ihrer Stimme war deutlich zu hören. Seine Monströsitäten in seinem Labor da hatten ja auch noch gelebt...mehr oder weniger.

"Meint ihr, die könnte uns zum Problem werden? Ich hoffe, die ist nicht so durch im Kopf, dass sie die Taten ihres Meisters gutheisst und traurig ist, das ihr den recycled habt. "


Sie versuchte sich in die junge Frau reinzufühlen, die zu ihm gehört hatte.

"Vielleicht hat sie auch die Chance genutzt und hat die Flucht ergriffen.Dann müsste man ihr glatt gratulieren zu diesem Schritt."

Wer sich so einem kranken Geist anschloss, musste selbst nicht ganz richtig ticken. Aber vielleicht erkannte man sowas erst spät. Die Sith rezitierte dann einen Spruch zum Thema Folter und Marlis nickte.

"Als ich grad zur Schule gekommen bin hat sich ein kleiner Vogel in unserer Schule verflogen und ist dann wohl gegen ne Scheibe geflogen. Auf jeden Fall gab es dann ein paar Jungs, die in der Pause mit dem toten Vogel Fussball gespielt haben. Vielleicht war der Vogel vorher garnicht tot, danach aber auf jeden Fall. Ich denke, SOLCHE Wesen haben dann nachher auch kein Problem damit, andere zu foltern oder sogar noch Spass dran. Cerebralaplasie sag ich da nur."

Ja, man musste wohl Spass daran haben, andere Leiden zu sehen. Waren solche Wesen nicht machtsensitiv , landeten sie meist irgendwann entweder in Nervenheilanstalten oder im Gefängnis. Zumindest wenn diese Ader genug ausgeprägt war. Wenn sie machtsensitiv waren, wurden sie Sith. Darth Makhaira war irgendwie ein Zwischending zwischen Jedi und Sith. Vielleicht war es das, was Marlis so faszinierte an ihr. Sie machte einfach ihr Ding und nutzte dazu alle Möglichkeiten, die sie hatte. Als sie meinte, dass sie damals Rache an ihrem Folterer geübt hatten, nickte Marlis.

"Aber ihr habt gesagt, dass ihr da eh noch rein wolltet. Also haben wir ja mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Man könnte das jetzt noch weiter auslegen: Mit seinen Tätigkeiten auch an Lebewesen, die sich nicht freiwillig dafür gemeldet haben, ging er sowieso immer das Risiko ein, dass eines dieser Wesen vielleicht doch mal abhaut und mit Gefolgschaft zurück kommt. Und dann wär das nicht nur ein Problem für den Blecheimer geworden, sondern vielleicht für die anderen Sith auch. Ihr habt dem Sith-Orden nen Gefallen getan. "

Man musst da nur an die Überlebende denken. Jetzt hatte sie vielleicht noch Angst vor ihm. Aber vielleicht würde sie mit der Zeit stärker werden und sich selbst Anhänger suchen. Und dann?

"Vielleicht sollten wir der Überlebenden irgendwie mitteilen, dass ihr Herr tot ist."


murmelte Marlis mehr für sich als für die Sith. Sie mussten ja nicht dazu sagen, dass er wegen ihnen tot war. Unfälle passierten nun mal.
Dann kam die Planung für den Besuch ihrer Eltern und die Sith schien ihre Überlegungen gut zu finden. Und sie versicherte ihr mit einer Hand auf ihrer Schulter, sich auf keinen Fall als Sith zu erkennen zu geben. Marlis lächelte Darth Makhaira schief an und nickte.

"Ich könnte euch ja das Lichtschwert meines alten Meisters geben. Das ist grün. Passt besser zu ner "Jedi".Nur für den Fall der Fälle. Aber wehe ihr macht es kaputt!!!"


mahnte sie die Sith, welche grad grossherzig Anbot, Denon im Falle einer Invasion für sich zu beanspruchen, um ihre Eltern zu schützen. Dafür würde sie dann auf ihre eigene Heimatwelt verzichten. Marlis sah sie verdattert an.

"Das würdet ihr tun? "

fragte sie leise und überlegte dann Alternativen.

"Oder mal Norag fragen, ob er Denon haben will. Er ist doch jetzt auch ein Sith-Krieger. Wenn Norag Denon besetzen würde, würd ich auch auch keine Angst um meine Eltern haben und ihr könntet Cathar behalten."

Sie hatten Norag als Freund und Verbündeten und er war so jung, vielleicht hatte er noch keinen Planeten, mit dem er liebäugelte. Und sie wollte ihm ja eh ihre Adresse auf Denon mitteilen. Im Fall der Fälle würde sie Norag dann einfach die Adresse ihrer Eltern mitteilen, damit er sich gut um sie kümmern konnte. Das würde er sicher tun.

"Auf der anderen Seite liegt Denon strategisch mega günstig. Ich glaub nicht, das die NR den hergeben würde. Denon in Händen des Imperiums würde die Republik mega angreifbar machen."

überlegte sie laut und runzelte dann die Stirn.

"Vielleicht könnte ich meinen Eltern in ein paar Jahren, wenn sie in den Ruhestand gehen, einen Umzug nach Cathar schmackhaft machen? Von den Kiltiks mal abgesehen ist die Welt doch echt schön. Mit Wald und so. Denon ist ja mehr Grossstadt. Doch ein Haus auf meine Lichtung drauf bauen. Ruhe,bessere Luft. Das tut alten Leuten doch gut. "

Sie grinste die Sith an, welche noch die Befürchtung aussprach, ihre Eltern könnten zu viele Details vom Jedi-Orden wissen wollen. Marlis runzelte die Stirn.

"Dann überlasst mir den begeisterten Padawan-Teil, der über die wunderschöne aber verwirrende Architektur spricht und nickt einfach hin und wieder. Und wenn sie nach Details fragen, sagt ihr einfach,dass ihr nicht darüber sprechen dürft. Punkt. Ich meine: Was öffentlich ist, wissen meine Eltern wahrscheinlich sowieso. Ich kann mir gut vorstellen, das meine Mutter die letzten 4 Monate im Holonet alle Infos über den Jedi-Orden rausgesucht hat, die sie finden konnte. Und alles andere ist wahrscheinlich aus gutem Grund nicht öffentlich."

Marlis hatte zwar nicht alles vom Jedi-Tempel gesehen , aber mit ein paar Details wie dem Nuna-Brater konnte sie schon aufwarten. Als die Sith dann ein zuversichtliches "Wir schaffen das" von sich gab, nickte Marlis fröhlich. Klar würden sie das schaffen. Marlis witterte da jetzt wenig Schwierigkeiten.
Als sie wieder zu der Sith blickte, grinste diese und sie meinte, dass sie eine Überraschung für sie hätte. Das Leuchten in ihren Augen verriet, dass sie sich wohl schon eine Weile auf diesen Moment gefreut hatte. Sie biss in eine Frucht und forderte sie mit einer Kopfbewegung auf, ihr zu folgen. Marlis rutschte von ihrem Bett runter und lief neugierig hinter ihrer neuen Meisterin her. Diese Erzählte, dass sie ein extra Zimmer für "sie" gewählt hatte. Marlis dachte da zuerst an die Katze. Doch im nächsten Satz wurde schon klar, dass das Zimmer eine Sicherheitsvorkehrung vor der Katze war. Ein aufgeregtes Kribbeln machte sich in ihrem Bauch breit, als Darth Makhaira zur Seite ging und ihr den Weg zur Tür frei machte. Marlis sah sie kurz an und betätigte dann den Öffner. Hinter der Tür war eine Paradies-Welt für Lebewesen unter 50g . Marlis Augen begannen zu glänzen, als sie eine Hand voll Tiere buddeln und rennen sah. Sie holte tief Luft.

"Ooooch. Seid ihr auch mitgekommen? "


sagte sie leise und hatte ihre Meisterin für den Augenblick total vergessen. Vorsichtig ging sie an den Käfig ran und hockte sich davor hin.

"Hallo ihr Süssen."

meinte sie leise und hielt eine Hand zu einem der Tiere hin. Dieses ergriff die Flucht. Natürlich. Sie mussten sich erst an sie und die neue Umgebung gewöhnen.Marlis ging das Herz auf .

"Danke! Vielen Dank!"

meinte sie dann an Darth Makhaira gerichtet, konnte aber den Blick kaum von den Tierchen lösen.

"Also wenn ihr mich mal suchen solltet, ich bin mit 99%iger Wahrscheinlichkeit hier."

erklärte sie und versuchte ein weiteres Flauschbällchen zu berühren, das aber ebenso reagierte wie sein Kollege und unter einem Stück Baumrinde verschwand, das als Versteck diente. Sie lächelte glücklich.

"Und wo ist eure Katze?"


fragte sie dann und beschloss, den Tierchen ihre Zeit zu geben, sich einzuleben. Aber sie musste sich auch regelmässig hier blicken lassen. Nicht nur zum säubern und füttern, sondern auch, damit die Tiere Vertrauen fassen konnten. Und dann war noch eine Frage.

"Sind die Tiere gleichgeschlechtlich oder muss ich Vorkehrungen treffen,dass wir hier keine Invasion bekommen?"

Die Anlage wäre ja gross genug, um Männchen von Weibchen zu trennen und die Vermehrung wenn dann unter kontrollierten Umständen geschehen zu lassen.


Hyperraum Richtung Denon- Darth Makhairas Schiff- Nager-Zimmer- mit Darth Makhaira
 
Hyperraum nahe Borgo Prime - Niphiras Paladin-Klasse Korvette - Marlis Zimmer - Niphira, Marlis


Die Sache mit der Überlebenden schien Marlis zu irritieren. In der Tat könnte das Ganze wirklich zu einem Problem werden. Aber auf der anderen Seite war es eher unwahrscheinlich.

“Ich bin ehrlich. Sie war gerade einmal eine Jüngerin. Ist irgendwo hin geflohen. Ich weiß dass sie einen Jäger der Ginivex-Klasse, was bedeutet, dass sie ungesehen an uns herum kommen würde. Dieses Schiff ist halt noch komplett unbewaffnet. Dazu ist sie spezialisiert auf Attentate… Aber mehr weiß ich nicht. Nur, dass das was sie erlebt hat, entweder zu einer fanatischen Liebe oder zu einer traumatischen Abneigung geführt hat. Ich weiß nur, dass der Jäger wohl fehlt und man ihre Spuren in Richtung der unbekannten Regionen verloren hat. Ich hoffe, ihr geht es gut. Am Ende… war es nicht ihre Entscheidung. Anders als die Wesen im Labor, die sich bewusst dafür entschieden hatten.”


Auch wenn die geflohene Jüngerin nicht freiwillig ein Teil des Kuriositäten-Kabinetts geworden ist, so konnte sie immer noch komplett indoktriniert worden sein. Hoffentlich aber würde diese Frau kein Problem mehr werden. Im Ernstfall würde Niphira diese Person komplett zerlegen. Bei der Geschichte von Marlis nickte die Sith ruhig, seufzte dann aber.

“In meinen Augen sind solche Wesen auf dem besten Weg, ehrlose Idioten zu werden.”

Es hatte nichts mit der dunklen Seite zu tun, wenn man ein Lebewesen so behandelte. Es war einfach nur widerlich. Vermutlich glaubten solche Wesen, dass sie dadurch ihre eigene Dominanz festigen könnten. Doch am Ende erreichten sie das Gegenteil. Man sah auf sie herab. Sie zeigten ihren schwachen Charakter. Ihre inkompetenz andere Wesen zu respektieren ging oftmals mit dem Mangel einher, sich in andere hinein zu fühlen.

“Ein Jedi würde dir wahrscheinlich irgendeinen Mist raten. Irgendwas mit Wille der Macht. Ich bin ehrlich… Ich kann das nicht. Ich würde solche Mistkerle am liebsten filetieren… Und als Sith habe ich die Freiheit, es zu tun.”


Bei Marlis Reaktion schaute Niphira ihre Schülerin an. Der Cyborg und seine entflohene Jüngerin? Niphira dachte nach.

“Er hatte mich vorher zusammengeschlagen. Er wollte, dass ich dich ausliefere. Wärst du mir egal gewesen, dann hätte ich mir eigentlich den ganzen Stress gespart. Doch wir hätten potenziell ein Wesen mit Talent verloren. Wir können nicht einfach Machtanwender durch einen Fleischwolf drehen und dann glauben, dass es keine Rache gibt. Was diese Cyborg angeht… Die Frage ist, ob ihr Com noch geht. Es gibt einen Weg, sie zu kontaktieren, allerdings könnte das ein wenig… traumatisierend sein. Vielleicht sende ich besser eine Holonachricht?”

Sie würde wohl wirklich besser ein Holo aufnehmen und es der Dame zukommen lassen. Es wäre weniger schlimm. Hoffentlich. Doch das Gespräch ging schließlich in eine angenehmere Richtung. Der Besuch bei den Eltern. Niphira lachte bei dem Vorschlag mit dem Lichtschwert und schüttelte dann nur ruhig mit dem Kopf.

“Und du hast kein Lichtschwert mehr? Wir wollen ohnehin nicht kämpfen. Sind wir mal ehrlich. Die Gründe, durch die wir einen Kampf bestreiten könnten? Ich sehe keine Option, wo dann noch die Farbe meines Lichtschwertes eine Rolle spielt. Ich bin gegen Wesen, welche keine Jedi oder Sith sind bis zu einem gewissen Punkt nicht einmal auf ein Schwert angewiesen. Ich kann es dir auch noch beibringen…”

Bei der Frage, ob Niphira wirklich im Ernstfall Cathar für Denon liegen lassen würde nickte die Sith ruhig.

“Ja. Cathar… hat zu viele Schmerzen in mir erzeugt. Warum nicht etwas schützen, wo ich das Gefühl habe, dass es das wert sein könnte? Aber spätestens dann werden deine Eltern erfahren, was wir sind. Dazu soll Norag seinen Weg frei wählen.”

Doch Marlis hatte andere Pläne wie es schien. Ihre Eltern, wenn diese älter wären, nach Cathar bringen? Das war doch verrückt!

“Und du glaubst die würden die Angriffe durch Kiltiks dauerhaft überstehen? Ich glaube es macht mehr Sinn, wenn sie in einem vertrauten Umfeld bleiben.”

Auf Niphiras Befürchtungen hin bezüglich des mangelhaften Wissens über die Jedi hatte Marlis jedoch schon einen guten Plan. Sie würde die begeisterte Padawan spielen, doch eine Sache fehlte in ihrer Idee.

“Bedenke, dass du laut den Infos deiner Eltern sehr lange bei den Sith in Gefangenschaft warst. Sei also nicht zu euphorisch. Ich glaube aber du schaffst das.”

In der Tat glaubte die Sith wirklich an ihre Schülerin. Daher war das Ganze sicherlich nicht so schlimm. Jedoch, wenn die Eltern die Wahrheit wussten, oder man nach der Geschichte auf Borgo Prime ihre Anwesenheit öffentlich machte, würden Marlis und Niphira improvisieren müssen. Doch darum musste man sich kümmern, wenn es so weit war.

Schließlich öffnete Marlis die Tür zum Nagergehege und war hin und weg. Die Überraschung war also geglückt. Darth Makhaira lächelte ein wenig verlegen und schaute zur Seite.

“Ich dachte, du könntest dich so ein wenig erholen, wenn das Training anspruchsvoll wird oder du Zeit für dich brauchst.”

Bei der Frage, wo die Katze war, grinste die Sith.

“Bei mir im Zimmer. Die meinten, man solle diesen Tieren erst nach und nach die Türen öffnen. Dazu schlief sie vorhin ohnehin noch.”

Bei der Frage nach den Geschlechtern runzelte Niphira die Stirn und holte einen Zettel hervor, den sie Marlis gab.

“Die haben es mir aufgeschrieben. Alter und Geschlecht. Nimm es als erste Aufgabe. Nicht dass wir eine Nagerplage auf dem Schiff bekommen. Auf der anderen Seite hab ich da noch eine Katze…”


Die Sith lachte und ging auf den Gang raus. Sie überlegte dann, wie sie die Jüngerin am Besten kontaktierte. Vor allem musste sich die Sith dann auch noch umziehen. So konnte Niphira wohl kaum behaupten, sie wäre Teil des Ordens und wüsste etwas über den Herren. Was das aber anging… Sie schaute zu Marlis…

“Du solltest langsam deinen Eltern Bescheid geben. Wenn du was anderes anziehen willst, schau in den Kleiderschrank. Ich habe auf die Schnelle ein paar Dinge besorgt. Ich hoffe sie passen.”

Damit ging die Sith zu ihrem Zimmer und achtete auch darauf, dass ihre Katze nicht raus rannte. Doch der Faulpelz lag immer noch auf ihrem Bett. Als Niphira den Raum betrat, schaute die Katze müde auf und drehte sich auf die andere Seite. Großartig. Ein faules Raubtier. Eher müde warf sich Niphira ihre Roben über und schaute sich im vorderen Laderaum nach einem Ort um, wo sie die Holo Nachricht an die Jüngerin aufnehmen konnte. In einer Ecke schien der Platz passend. So nahm Niphira ihre Nachricht auf. Möglichst Zeitnah würde sich die Sith dann aber auch wieder umziehen. Das war einfach nur schlimm. Immer dieses seriös sein. Bei dem Gedanken grinste Niphira in sich rein, ehe sie mit ernstem Blick dann weiter versuchte, eine Nachricht aufzunehmen.



Hyperraum nahe Borgo Prime - Niphiras Paladin-Klasse Korvette - vorderer Lagerraum - Niphira, Marlis im Nagerzimmer?
 
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