[Mittlerer Rand | Hyperraum | irgendwo auf dem südlichen Corellian Run | Hospitalfregatte 'Mild Hope' | Unteroffiziersmesse] Sergeant Owain Bleddyn & Anwesende in der Messe
“Ach, komm schon, Owain,” sagte
die Deckoffizierin ihm Gegenüber, halb wehleidig, halb amüsiert.
„Kaum fünf Minuten nach deinem letzten Besuch in meinem Quartier hat mich mein Chief Petty Officer zur Inspektion heimgesucht und auch wenn das sicherlich ein amüsanter Abend war, riskiere ich trotzdem nicht Strafschichten, weil ich ein zweites Mal unerlaubten Besuch habe.“ Die Zabrak schmunzelte süffisant und fuhr sich unbewusst, durch das streng geordnete, aber wunderschön glänzende, silbrige Haar.
„Ganz abgesehen davon, dass meine Zimmergenossinnen es mir übelnehmen, wenn ich sie schon wieder vertreibe.“ Owain Bleddyn lächelte verschwörerisch und legte den Kopf schief.
Die Mannschafterin hinter der Bar der Unteroffiziersmesse musterte ihn immer noch freundlich, aber wirkte unentschlossen. Mit schnellen Blicken inspizierte er ihre Mimik, um abschätzen zu können, ob er das Vorrücken wagen konnte, oder ob es galt, vornehm den Rückzug anzutreten – schließlich hatte er kein Interesse daran, aufdringlich zu wirken. Durchdachte Risikoeinschätzung war nicht nur im Gefecht von höchster Wichtigkeit. Tatsächlich verabscheute er Männer, die sich Frauen aufdrängten, ohne auf die – auch für in
kinetischer Kommunikation Ungeübte – offensichtlichen Zeichen wortloser Kommunikation zu achten. Am Ende sollten schließlich beide Seiten an einem solchen Geplänkel Spaß haben, egal ob es erotischer oder platonischer Natur war, und er mochte vielleicht ein stumpfer Banthanacken, ein raubeiniger Schlammfresser und eine bewaffnete Vakuumbirne sein, aber er dachte doch von sich als Gentleman.
Bleddyns Augen blieben an ihren hängen. Ihre hellbraunen Augen hatten dieses gewisse Funkeln, das ihn bereits bei seinem ersten Besuch der Unteroffiziersmesse angesprochen hatte. Natürlich hatte er immer noch den Großteil seines Tages auf der Krankenstation zu verbringen, aber die Ärzte hatten ihn vor 48 Stunden, als sie das imperiale Gebiet offiziell verlassen hatten, gestattet jeden Tag für einige Stunden die Freizeitbereiche des Schiffs zu nutzen – und bei den vier Monden Onderons, er plante diese neue Freiheit so rücksichtslos wie möglich auszunutzen! Die Langeweile im Lazarett war fast ebenso unangenehm gewesen, wie die immer noch häufig wiederkehrenden Schmerzen in seinem Bein. Einer ihrer Finger fuhr langsame Kreise auf dem Wasserglas vor ihr auf der Theke, wobei ein sanftes, fast subtiles Summen zu hören war.
Owain hielt den Augenkontakt und zwinkerte ihr diskret zu, während er den letzten Schluck aus dem für ihn eigentlichen verbotenen Ale-Glas nahm. Einer ihrer Mundwinkel zuckte amüsiert nach oben – es war das Signal, auf das er gehofft hatte. Ein vorsichtiger, wenn auch erfolgversprechender Vorstoß war das Gebot der Stunde.
„Ich habe gehört auf Deck 3 in Sektion C gibt es einige unbenutzte Quartiere …,“ schnurrte
Owain halblaut, die Andeutung ebenso süß wie verführerisch auf seinen Lippen. Sein Grinsen wurde breiter, einladend. Genau genommen, wusste er das sogar sicher, weil dort die Überreste seiner Kompanie einquartiert waren und zahlreiche Kojen schlicht noch nicht belegt waren, weil zahlreiche seiner Kameraden immer noch, wie auch er, im Lazarett weilten.
Just in dem Moment, als er nach ihrer Hand greifen wollte, öffnete sich mit einem unterdrückten Zischen die halbgläserne Schiebetür zur Unteroffiziersmesse und
ein gehetzt wirkender Pfleger im Range eines
Crewman stürmte hinein.
Der Twi’lek schaute sich hektisch um, bevor sein Blick auf
Owain hängen blieb. Mit einem geradezu theatralischen Seufzen eilte er heran.
‚Feindkontakt!‘ schoss es ihm durch den Kopf.
„Werden wir dieses Spiel jetzt jeden Tag spielen müssen, Sir?“ fragte
der Pfleger in respektvollen, aber deutlich genervten Ton.
„Sie haben gestern bereits ihren Freigang um eine Stunde überzogen.“ Stirnrunzelnd hob
Owain den Arm und schaute auf sein Armband-Chrono, bevor er mit unschuldiger Miene zu
seinem ungeliebten Verfolger hinüberschaute.
„Oh, Verzeihung, Crewman, da habe ich wohl gar nicht auf die Zeit geachtet. Wie konnte mir das bloß passieren?“ säuselte er luftig und schlug sich überschwänglich die Hand vor den Mund.
Die Zabrak hinter der Bar kicherte leise und räumte auffällig unauffällig sein Ale-Glas ab.
„Sergeant, bitte sagen Sie mir, dass das kein Alkohol war, Sir,“ murrte
der Twi’lek gereizt.
„Sie wissen, dass Sie derzeit noch keinen Alkohol zu sich nehmen dürfen, Sir. Ich werde wohl an den Oberarzt Meldung ma …“ Ein rüder Zwischenruf unterbrach die Nervensäge, woraufhin sowohl
Owain,
der Pfleger als auch
die Mannschafterin hinter der Bar sich abrupt umdrehten.
„Hey, Schnauze halten! Ich will das hören,“ herrschte ein blasser, ihm unbekannter
Staff Sergeant der schiffseigenen Marines, der gute zwei Meter entfernt mit einem halbleeren Bierglas an einem Tisch saß.
Owain hatte den Kerl vorher nicht einmal bemerkt, aber etwas an seinem blutleeren Gesicht, seinen verbissenen, leicht zuckenden Mundwinkeln ließ ihn aufhorchen.
Der Unteroffizier starrte auf eine Holo-Übertragung, die vor der Rückwand der Messe halblaut und wenig beachtet dahingerieselt war. Seine Neugier wurde erst recht geweckt, als er realisierte, dass alle anderen Anwesenden gebannt auf die Sendung starrten. Irritiert richtete auch Owain nun die Aufmerksamkeit auf
Kanzler Quún, der aus dem Senat zu sprechen schien, während
die Bardame die Lautstärke erhöhte. Ein rotes Band huschte über den unteren Rand der Übertragung:
‚EILMELDUNG: 2. & 9. Gefechtsflotte im Gefecht über Kashyyyk; Jedi-Mordanschlag am Imperator als Reaktion auf C-Virus; Verteidigungsminister befiehlt Alarmzustand Dorn; Generalmobilmachung auf dem Weg‘. Das verspielte Amüsement von vor ein paar Minuten war wie weggeblasen und stattdessen fühlte er, wie sich seine Nackenhaare aufstellten. Was zur Hölle war hier los?
„…
neue Imperatorin fordert nun, dass wir die Jedi ausliefern, die an dieser unautorisierten Mission beteiligt waren. Sie spricht nicht von Verhandlungen, sie spricht von Repressalien. Von Rache. Sie spricht wie eine Tyrannin, nicht wie eine Partnerin.” Der Kanzler legte eine kurze Kunstpause ein, in der seine großen Augen mit strengen Blick in der Senatskuppel umherwanderten, als galt es einige rüpelhafte Schüler zur Raison zu rufen.
Owain runzelte die Stirn. Neue Imperatorin? Was für verdammte Jedi? Was für eine unautorisierte Mission? Die Fragen türmten sich in seinem Kopf zu wahren Bergen auf. „
Doch unsere Antwort wird nicht Schwäche sein. Nicht Schweigen. Nicht Unterwerfung. Unsere Antwort wird ein Akt der Gerechtigkeit sein.“ Quùn legte eine erneute, etwas kürzere Pause ein, in der er sich entschlossen nach vorne lehnte, wie um den Zuhörern näher zu sein. „
Seit Jahren leidet Kashyyyk unter imperialer Besatzung. Die Wookiees werden unterdrückt. Ihre Wälder brennen. Ihre Stimmen wurden zum Schweigen gebracht.” In einer versöhnlichen, einladenden Geste öffnete
Quùn die Arme, bevor er fortfuhr. „
Ich rufe diesen Senat dazu auf, dem Imperium zu zeigen, dass die Neue Republik ihre Ideale nicht aufgibt. Dass wir bereit sind, für Freiheit einzustehen – nicht mit Hass, sondern mit Entschlossenheit. Aus diesem Grund habe ich mit der Zustimmung des Sicherheitsrates bereits vor wenigen Tagen die 2. Gefechtsflotte von Bothawui und die 9. Gefechtsflotte von Bimmisaari damit beauftragt, Truppen in den Mytaranor-Sektor zu entsenden, um dort die Unterdrückung durch das Imperiums zu beenden. Während ich hier vor Ihnen stehe, landen unsere Soldaten bereits an den Stränden und in den Wäldern von Kashyyyk, um der Tyrannei Einhalt zu gebieten. Mein Dank gilt den mutigen Soldatinnen und Soldaten, die mit ihrem Leben für die Freiheit der Wookiees einstehen.“
Einige der Anwesenden stampften zustimmend mit dem Stiefel auf und leises Gemurmel brandete auf, irgendwo zwischen Aufregung und Angst.
Der Twi’lek neben ihm stierte mit geschocktem Blick und halboffenem Mund auf die Übertragung, während
die Deckoffizierin an der Bar mit weit geöffneten Augen über ihr Kinn strich, jeder Gedanke an das geplante Tête-à-Tête gänzlich vergessen.
Owain selbst verspürte eine eigenartige Mischung aus Angst, patriotischem Feuer und entschlossenem Selbstbewusstsein. Er verstand noch nicht im Ansatz, was genau zu dieser Situation geführt hatte, aber verstand, was es bedeutete. Ein schmerzhaftes, fast elektrisch wirkendes Ziehen schoss sein verletztes Bein entlang, wie um seine Gedanken zu untermalen. Ein neuer, großer Krieg mit dem Imperium. Die Nachwirkungen des Schmerzes ließen seine Oberschenkelmuskulatur für einige Atemzüge unangenehm krampfen, während
der Kanzler begann Fragen aus dem Plenum zu beantworten
. „Eine Katastrophe …,“ hauchte
der Krankenpfleger neben ihm, der sicherlich an die unzähligen Opfer und den gewaltigen Blutzoll dieser kommenden Auseinandersetzung dachte.
Owain konnte es ihm nicht verübeln. Die Bilder und Erlebnisse vom Einsatz auf der imperialen Zollstation hatten sein Unterbewusstsein noch nicht verlassen, auch wenn der direkte Stress nachließ und seine Verwundung verheilte. Gleichwohl war es ihre Aufgabe, die Republik und die Freiheit zu verteidigen und
Owain fühlte einen nicht unbeträchtlichen Stolz
.
„Ich vertraue auf die Entscheidung des Kanzlers und auf die Republik,“ sagte er gleichmütig, was
der Staff Sergeant unweit von ihnen mit einem abfälligen, ungläubigen Grunzen kommentierte. Er hätte schwören können, etwas von
‚naivem Jungspund‘ hören zu können, aber
Bleddyn stand dazu, was er gesagt hatte. Trotzdem würde er, dessen war er sich sicher, wohl nicht allzu schnell schlafen können, wenn er sich in sein Krankenbett zurücklegte und plante sich, entgegen seinen normalen Gewohnheiten, im Holonet einen genaueren Überblick über die politische Lage und die Hintergründe des neuen Krieges zu verschaffen. Auch wenn er dort vermutlich wieder sehr viel heiße Luft und arrogantes Gerede von Snobs vorfinden würde, wollte er nachvollziehen können, wie es zu einem neuen Krieg hatte kommen konnte. Die Zeit im Koornacht-Cluster bei den republikanischen Expeditionsstreitkräften hatte nicht dazu beigetragen, dass er über das aktuelle Geschehen informiert war. Ein verstohlener Blick zum
Krankenpfleger offenbarte ihm, dass er wohl noch einen kurzen Moment hatte, bevor
der übereifrige Twi’lek sich an seine eigentliche Aufgabe erinnern würde. Unauffällig zog er einen dünnen Kugelschreiber aus seinem graublauen Hemd und griff nach der stellenweisen feuchten Serviette, auf der sein Glas gestanden hatte. Hektisch schrieb er eine knappe Botschaft auf das Papiertuch,
‚11 00, D. 3, Sek C.?‘, bevor er es in einer schnellen Bewegung zur
Barkeeperin der Messe hinüberschob.
Die Zabrak warf ihm einen ebenso schelmischen, wie überraschten Blick zu. Ihre Augenbrauen hoben sich zum Nasenrücken hin leicht an und sie wendete kurz ihren Blick ab, bevor sie unmerklich nickte.
Owain lächelte ihr aufmunternd zu, bevor er für einen kurzen Augenblick seine Hand auf ihre legte und sanft drückte. Ein letztes schurkenhaftes Zwinkern seinerseits zauberte ihr ein kurzes, aber bezauberndes Lächeln ins Gesicht. Vielleicht waren sie jetzt im Krieg, aber sie waren am Leben, mutig und bereit sich den Härten des Konflikts in den Weg zu stellen – und wieso nicht versuchen die Zeit, bis diese unausweichlich kommen würde, angenehm zu gestalten?
Bleddyn erhob sich langsam vom Hocker an der Theke der Unteroffiziersmesse und streckte sich mit einem herzhaften Gähnen.
„Crewman, ich glaube, es ist Zeit dem Oberarzt von meinem glänzend verlaufenden Heilungsprozess zu berichten!“ Der Twi’lek zuckte kurz zusammen, als hätte ihm jemand unerwartet auf die Finger geklopft.
„Ja, natürlich, Sir. Kommen Sie mit mir zurück zur vorderen Krankenstation, Sir.“