Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Disclosure Day
Wenn Steven Spielberg einen neuen Science-Fiction-Film ins Kino bringt, sind meine Erwartungen automatisch hoch, auch wenn es schon eine Weile her ist (A.I. - Künstliche Intelligenz, Minority Report), dass mich ein Spielberg echt begeistert hat. Das liegt nicht nur an seinem Namen, sondern auch daran, dass einige seiner besten Filme genau aus diesem Genre stammen. E.T., Unheimliche Begegnung der dritten Art oder auch Krieg der Welten haben gezeigt, wie gut Spielberg darin ist, das Fantastische mit dem Menschlichen zu verbinden.

Mit Disclosure Day kehrt er nun zu einem ähnlichen Themenfeld zurück. Es geht um einen Whistleblower, der Informationen veröffentlichen will, die jahrzehntelang geheim gehalten wurden. Gleichzeitig erlebt eine Meteorologin ein Ereignis, das ihr Leben komplett aus der Bahn wirft.

Schon nach wenigen Minuten dachte ich, dass Spielberg als Regisseur nichts von seinem Können verloren hat. Der Film ist hervorragend inszeniert. Die Kameraarbeit wirkt oft mühelos, obwohl hinter vielen Einstellungen ein enormer Aufwand stecken muss. Selbst einfache Gespräche bekommen durch die Bildgestaltung eine Dynamik, die man in den meisten aktuellen Blockbustern vergeblich sucht. Der Auftakt des Filmes war für mich sehr verheißungsvoll.

Handwerklich gibt es an Disclosure Day für mich kaum etwas auszusetzen.

Leider kann man das über das Drehbuch aber nicht sagen.

Der Film hat mehrere interessante Figuren, macht aber erstaunlich wenig aus ihnen. Joshua O'Connor und Emily Blunt spielen ihre Rollen überzeugend, bekommen aber nicht genug Material, um wirklich zu glänzen. Man verbringt viel Zeit mit diesen Menschen, erfährt aber vergleichsweise wenig über sie. Am Ende bleiben sie seltsam blass.

Noch deutlicher fällt das bei den Gegenspielern auf. Die Geheimorganisation, die im Hintergrund die Fäden ziehen soll, wirkt nie wirklich bedrohlich. Immer wieder behauptet der Film, wie mächtig und gefährlich diese Leute seien. Spüren kann man das allerdings kaum. Dadurch fehlt vielen Szenen die Spannung.

Überhaupt hat mich überrascht, wie wenig Thriller in diesem vermeintlichen Science-Fiction-Thriller steckt. Die Trailer lassen einen deutlich actionreicheren Film erwarten. Tatsächlich gibt es nur wenige größere Spannungsmomente. Die sind ordentlich gemacht, aber sie bleiben die Ausnahme.

Das eigentliche Problem liegt woanders.

Disclosure Day möchte ein großes Mysterium erzählen. Dafür hält der Film Informationen lange zurück. Normalerweise kann so etwas Neugier erzeugen. Hier führt es eher dazu, dass die Geschichte über weite Strecken auf der Stelle tritt. Immer wieder hat man das Gefühl, dass gleich etwas Entscheidendes passieren müsste. Oft passiert dann aber erstaunlich wenig.

Dabei geht es gar nicht darum, dass der Film langsam erzählt ist. Hier fehlt eher das Gefühl, dass die Geschichte wirklich vorankommt.

Besonders im letzten Drittel macht sich das bemerkbar. Der Film arbeitet auf eine große Enthüllung hin, die letztlich weniger überraschend ausfällt, als Spielberg offenbar selbst glaubt. Vieles lässt sich schon früh erahnen. Und gerade dann, wenn die wirklich interessanten Fragen beginnen würden, endet der Film.

Was mich dabei am meisten beschäftigt hat, ist sein Grundton. Spielberg glaubt sichtbar an das Gute im Menschen. Das ist sympathisch und ehrlich. Gleichzeitig wirkt diese Haltung in Disclosure Day manchmal erstaunlich naiv. Der Film setzt voraus, dass eine große Wahrheit die Menschheit zusammenbringen würde. Dass Menschen ihre Unterschiede überwinden und gemeinsam reagieren würden.

Vielleicht hätte man das vor fünfzig Jahren leichter geglaubt.

Heute im Jahre 2026 wirkt diese Vorstellung deutlich schwieriger nachzuvollziehen.

Trotzdem i.st es kein schlechter Film. Es gibt viele Momente, die funktionieren. Einzelne Bilder bleiben im Kopf. Die Inszenierung ist stark, die Schauspieler sind gut.

Gerade deshalb ist die Enttäuschung am Ende etwas größer. Denn das Material hätte das Potenzial für einen wirklich großen Spielberg-Film gehabt.

So bleibt ein Film, den ich respektiere, aber nicht wirklich liebe. Einer, der gut aussieht, interessante Ideen anreißt und trotzdem nie die emotionale oder erzählerische Wucht entwickelt, die man sich von einem Regisseur wie Steven Spielberg erhofft.
 
Ich fand „Discosure Day“ ziemlich lahm. Es kommt nie wirklich Spannung auf. Und was mir den Film irgendwie sehr ruiniert hat war wie unglaublich dämlich sich die „Bösen“ den ganzen Film über verhalten haben. Wie man mit so viel Inkompetenz das größte Geheimnis der Menschheit Jahrzehntelang geheim halten konnte erschließt sich mir nicht.
 
Obsession – Du sollst mich lieben
Es kommt nicht oft vor, dass ein Horrorfilm über Wochen hinweg vor allem durch begeisterte Zuschauerempfehlungen wächst. Genau das ist bei Obsession – Du sollst mich lieben passiert. Die Mundpropaganda war so stark, dass der Film sein Einspielergebnis in Nordamerika drei Wochen hintereinander steigern konnte. Ein Kunststück, das seit E.T. nicht mehr vorgekommen ist. Wenn ein Film eine solche Begeisterung auslöst, geht man fast automatisch mit erhöhten Erwartungen ins Kino.

Und zunächst scheint der Film diese Erwartungen durchaus erfüllen zu wollen.

Visuell besitzt Obsession eine klare Handschrift. Die Bilder sind oft unangenehm, manchmal regelrecht verstörend. Die Atmosphäre ist von Anfang an von einer unterschwelligen Beklemmung geprägt. Besonders gelungen fand ich die Art, wie der Film eine romantische Sehnsucht Stück für Stück in etwas Bedrohliches verwandelt. Aus einem Wunsch wird eine Belastung, aus Nähe entsteht Angst.

Dazu kommt eine Besetzung, die den Stoff ernst nimmt. Die Schauspieler spielen überzeugend und geben ihren Figuren mehr Gewicht, als das Genre häufig verlangt. Gerade die Hauptdarsteller schaffen es, die Einsamkeit, die Unsicherheit und die emotionale Bedürftigkeit ihrer Figuren glaubhaft zu vermitteln. Dadurch funktioniert der Film in seinen besten Momenten nicht nur als Horrorfilm, sondern auch als Beziehungsdrama.

Dabei verfolgt Obsession durchaus interessante Absichten. Der Film beschäftigt sich mit Einsamkeit, mit emotionaler Abhängigkeit, mit obsessiver Liebe und mit dem Wunsch, Zuneigung kontrollieren zu können. Dahinter steckt die Frage, ob Liebe überhaupt noch Liebe sein kann, wenn sie nicht freiwillig entsteht. Es geht um persönliche Freiheit, um Grenzen und letztlich auch um Besitzdenken in Beziehungen. Dass ein Horrorfilm solche Themen überhaupt aufgreift, rechne ich ihm hoch an.

Allerdings liegt für mich genau hier auch sein größtes Problem.

Ich hatte während des gesamten Films das Gefühl, dass die Themen nicht entwickelt, sondern vorgeführt werden. Die Botschaften sind klar erkennbar. Der Film vertraut seinem Publikum nur selten genug, um Bedeutungen zwischen den Zeilen entstehen zu lassen. Stattdessen werden die Aussagen immer wieder unterstrichen. Ich hätte mir deutlich mehr Zurückhaltung gewünscht.

Gerade die Figur des Bear ist dafür ein gutes Beispiel.

Der Film zeigt mehrfach, dass Bear selbst bemerkt, wie verstörend sich Nikki verhält. Die Warnsignale sind offensichtlich. Er nimmt sie wahr. Er wirkt beunruhigt. Er wirkt verunsichert. Und trotzdem bleibt er.

Natürlich kann man das als bewusst überzeichnete Metapher verstehen. Viele Menschen verharren schließlich in Beziehungen, die ihnen nicht guttun. Sie ignorieren Warnzeichen, reden sich Situationen schön und halten an Hoffnungen fest, obwohl längst erkennbar ist, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Als Symbol funktioniert Bears Verhalten also durchaus.

Für mich war diese Symbolik jedoch zu grob gezeichnet.

Immer wieder wurde ich aus dem Film herausgerissen, weil ich mich fragte, warum Bear nicht längst Konsequenzen zieht. Statt mit ihm mitzufühlen, begann ich über die Konstruktion der Handlung nachzudenken. Und genau das sollte eigentlich nicht passieren. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto häufiger entstand bei mir der Eindruck, dass die Figuren Entscheidungen treffen, weil die Geschichte sie braucht, nicht weil sie sich logisch aus ihrem Charakter ergeben.

Hinzu kommt, dass die Handlung selbst trotz ihrer interessanten Ausgangslage überraschend vertraut bleibt. Die Geschichte setzt sich aus vielen Versatzstücken zusammen, die man aus anderen Filmen über Besessenheit, Wünsche und Stalking bereits kennt. Das ist nicht grundsätzlich problematisch, aber es nimmt dem Film einen Teil seiner Eigenständigkeit. Wirklich überrascht hat mich Obsession nur selten.

Auch die psychologische Tiefe blieb für mein Empfinden hinter den Möglichkeiten zurück. Der Film streift viele spannende Fragen, vertieft sie aber kaum. Was zunächst wie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Einsamkeit und obsessiver Liebe wirkt, entwickelt sich nach und nach stärker in Richtung einer Folge von Schockmomenten und verstörenden Situationen.

Dazu kommt ein Erzählrhythmus, der nicht immer trägt. Nach einem starken Auftakt verliert die Geschichte zwischendurch spürbar an Schwung. Einige Szenen variieren immer wieder dieselben emotionalen Zustände, ohne neue Facetten hinzuzufügen.

Vielleicht liegt meine Enttäuschung sogar darin begründet, dass ich ständig das Gefühl hatte, hier wäre noch mehr möglich gewesen. Ich habe einen Film gesehen, der viele kluge Fragen stellt, den Antworten darauf aber oft zu wenig vertraut. Einen Film, der über Liebe, Kontrolle und emotionale Abhängigkeit sprechen möchte, diese Themen jedoch häufig mit dem Holzhammer präsentiert, wo ein leiserer Ton die größere Wirkung entfaltet hätte.

Deshalb blieb bei mir am Ende weniger Bewunderung als Respekt zurück. Ich erkenne die Ambitionen des Films an. Ich sehe seine Qualitäten. Aber der große Film, als den ihn viele Zuschauer derzeit feiern, ist Obsession – Du sollst mich lieben für mich leider nicht geworden.
 
Zurück
Oben