Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Habe Nürnberg gestern auch in einem überraschend vollen Saal gesehen (war am Abend sogar eine Schulklasse drinnen):

Ein sehr eindringlicher Film. Wer glaubt, dass es sich um ein Remake des Films "Das Urteil von Nürnberg" handelt ist weit gefehlt. Das Original gilt zu Recht als absoluter Filmklassiker ist jedoch mehr Justizdrama, während es hier vielmehr um die Psychologie der Täter und die politischen Hintergründe der Prozesse geht.

Der Film ist sicherlich einer der ehrlicheren Filme, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzen. Oft werden die Nazis einfach als Monster dargestellt. So leicht macht man es sich hier nicht und hat man den Mut diese durchaus als normale Menschen darzustellen und Hermann Göring zuweilen nicht nur charismatisch, sondern auch sympathisch wirken zu lassen. Dies macht die Warnung vor dem Nationalsozialismus nur noch eindringlicher, zeigt es, dass es jederzeit wieder passieren kann und keine Nation davon gefeit ist.

Schauspielerisch ist der Film 1A. Russel Crowe liefert seine wohl bisher beste Performance seit Gladiator und A Beautiful Mind ab. Auch Ramie Melik spielt als sein Konterpart sehr gut und ist der Jedermann durch dessen Augen der Zuseher den Prozess und Görings Psyche sieht. Gerade die Entwicklung des Psychiaters, der in seinem Buch erst schreiben möchte, dass Nazis einfach ein anderes Volk als die Amerikaner sind und später sie als erschreckend normale Menschen wahrnimmt, ist sehr gut.

Die KZ Bilder sind eindringlich aber nicht zu reisserisch. Politisch wird auch genug Bezug darauf genommen, dass die Amerikaner auch keine weisse Weste haben.

Sprich ein wichtiger Film, der aufklärend, aber nicht belehrtend wirkt und trotz des unangenehmen Themas 2,5 Stunden sehr gut unterhält. Für mich der beste Film 2025 (erschien in den USA noch im alten Jahr), der im Kino leider zu Unrecht etwas untergegangen ist:

9 von 10 Punkten!
 
„Nürnberg“

Kurzum:

Der Film hat mir gut gefallen. Er ist spannend, gut inszeniert und funktioniert auch – und wird auch vielen Zuschauern sicherlich zusagen. Da bin ich mir absolut sicher.

Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass dem Film ein wenig das nötige Fingerspitzengefühl, die gewissen Feinheiten, die besonders ein Gerichtsdrama mit einem sehr ernsten Thema haben sollte, fehlen. @Sam Rockwell hat zuvor die einzelnen Punkte angesprochen und hervorgehoben.

Komisches am Rande: Kurz bevor der Film anfing, kamen zwei junge Damen (12, 13 Jahre alt) voll beladen mit Getränken und Snacks in den Saal und suchten ihre Sitzplätze. Jonglierend mit ihren Smartphones als Taschenlampe und Kinotickets. Ich fragte: Seid ihr beide wohl richtig hier? „Michael (Jackson)“ läuft in Saal 5 nebenan! Oh, wir sind hier falsch. Daraufhin bahnten sie sich wieder einen Weg hinaus.

Gegen Ende des Films ging immer mal wieder die Tür auf und Besucher steckten kurz ihre Köpfe hinein. Als gerade Julius Streicher gehängt wurde, kamen zwei Jungs (6, 7, 8 Jahre alt) herein und starrten erstaunt auf die Leinwand. Kurze Zeit später erschien der Vater und führte sie hinaus.
 
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