Für mich liegt eines der grundsätzlichen Probleme von The Mandalorian darin, dass die Serie nach der zweiten Staffel eigentlich bereits zu Ende erzählt war. Soweit ich weiß, war die Geschichte ursprünglich auch im Wesentlichen bis zu diesem Punkt geplant. Und genau diesen Eindruck vermitteln die ersten beiden Staffeln. Din Djarin findet Grogu, übernimmt widerwillig Verantwortung für ihn und entwickelt schließlich eine so enge Bindung zu dem Kind, dass er bereit ist, dafür mit seinen eigenen Regeln und Überzeugungen zu brechen. Gleichzeitig verfolgt die Handlung von Anfang an ein klares Ziel: Grogu soll zu den Jedi gebracht werden.
Im Finale der zweiten Staffel wird dieses Ziel erreicht. Luke Skywalker erscheint, Grogu bekommt die Möglichkeit, seinen eigenen Weg zu gehen, und Din muss ihn loslassen. Gerade der Abschied funktioniert für mich deshalb so hervorragend, weil hier nicht nur Grogus Geschichte zu einem vorläufigen Ende kommt. Auch Dins Entwicklung findet ihren Abschluss. Dass er ausgerechnet in diesem Moment seinen Helm abnimmt, obwohl das für ihn lange undenkbar gewesen wäre, zeigt, wie sehr ihn die Beziehung zu Grogu verändert hat. Viel mehr braucht ein gutes Serienfinale eigentlich nicht.
Dann wurde The Mandalorian allerdings zu einem Erfolg, mit dessen Ausmaß vermutlich niemand gerechnet hatte. Grogu entwickelte sich praktisch über Nacht zu einer der populärsten Figuren des gesamten Franchise und auch Din Djarin war längst mehr als nur der Protagonist irgendeiner weiteren Star-Wars-Serie. Damit entstand ein Problem, das erfolgreiche Serien immer wieder haben: Eine Geschichte ist eigentlich erzählt, aber niemand möchte die Figuren aufgeben.
Besonders deutlich sieht man das für mich an der geradezu überstürzten Wiedervereinigung von Din und Grogu. Nicht einmal innerhalb der eigenen Serie durften die beiden längere Zeit getrennt bleiben. Wer The Book of Boba Fett nicht gesehen hatte, musste sich zu Beginn der dritten Staffel sogar fragen, warum Grogu plötzlich wieder da ist. Damit wurde ausgerechnet eine der stärksten Entscheidungen des Staffel-2-Finales nachträglich wieder relativiert. Ein Abschied verliert nun einmal an Bedeutung, wenn man schon kurz darauf sagt: War doch nicht so endgültig.
Und genau hier beginnt für mich der qualitative Unterschied. Die ersten beiden Staffeln wissen ziemlich genau, wohin sie wollen. Die dritte Staffel muss dagegen erst eine Antwort darauf finden, warum diese Serie überhaupt noch weitergeht. Also rücken Mandalore, Bo-Katan, die verschiedenen mandalorianischen Gruppierungen und die Zukunft ihres Volkes stärker in den Mittelpunkt. Das kann man durchaus interessant finden, aber es fühlt sich für mich nicht mehr wie die organische Fortsetzung der ursprünglichen Geschichte an. Teilweise wirkt es eher so, als habe man nach dem Ende der eigentlichen Handlung ein neues Fundament unter eine Serie bauen müssen, die längst zum großen Erfolg geworden war.
Deshalb hätte ich rückblickend überhaupt kein Problem damit gehabt, wenn The Mandalorian mit Staffel 2 tatsächlich beendet worden wäre. Im Gegenteil. Din nimmt seinen Helm ab, Grogu berührt zum Abschied sein Gesicht und geht schließlich mit Luke davon. Die Türen des Aufzugs schließen sich. Das wäre ein wunderbar bittersüßes Ende gewesen und vermutlich eines der stärksten Serienfinals, die Star Wars bislang hervorgebracht hat.