Agriworld-2079

Mittlerer Rand - M'Shinni Sektor - Orbit über Agriwold-2079 - 1. und 2. Trupp (NPCs) - Tris Trupp (NPCs), Gwenn, Tri



Tri setzte sich und lehnte sich erschöpft an die schwarze Wand. Er konnte deutlich die Vibration des Schiffes spüren. Fast wäre er während dieser beruhigenden Massage eingeschlafen, jedoch riss ihn ein ruckeln wieder in die Wirklichkeit. Er stand auf und nahm seinen Helm ab. Er sah Leutanent Gwenn, wie sie in den Raum kam und sich umblickte. Schließlich erhob sie ihre Stimme und der Raum verstummte. Sie sagte, jeder würde die gleich Summe bekommen, damit es gerecht wäre. Erst mal würden alle 5000 bekommen und den Rest dann später. Logisch, wenn plötzlich ein Soldat so viel Geld hat würde das ziemliches Aufsehen eregen.
Nach dieser Ansage fragte sie, ob es alle Verstanden hätten. Die Antworten klangen eher wie Shyriiwook, die Sprache der Wookies als wie Basic. Also fragte sie noch mal. Dieses mal klang es schon deutlich euphorischer. Eines musste Tri ihr lassen. Sie wusste wie man Leute Motiviert.
Sie flogen in den Hanger des Schiffes namens STR Conqueror auf und Gwenn nahm Tri kurz beiseite. Sie erklärte ihm, dass sie erst die Wartungscrew auf ihrer Seite brauchten und dann hätten sie ohne Ende Zeit. Das Geld könnten sie dann nach und nach aus dem Schiff holen und unter sich aufteilen, nur müssten sie gucken, wie sie das Geld ausgeben. Jedoch hatte Tri auch schon ein paar Ideen. Er antwortete: ,,Gut, dann sehen wir mal wie wir die Wartungscrew auf unsere Seite bekommen." Tri ging aus dem Schiff und sah überlegte sich, was er jetzt machen würde. Er beschloss sich in der Cafeteria etwas zu Essen zu holen.
Auf dem Weg zur Cafeteria verirrte er sich drei mal, bis er sie endlich fand. Es bildete sich schon eine lange Schlange vor der Essensausgabe. Ein bisschen Geduld musste er wohl oder Übel noch haben. Er stellte sich an und sah sich im Raum um. An den Tischen sitzten alle Möglichen Leute. Soldaten, Wartungspersonal sowie Offiziere. Als er an der Reihe war klatschte der Ausgabedroide ihm ein Stück Fleisch mit einer stark reichenden Soße und Salat auf den Teller. Er nahm sich noch ein Becher Wasser und schaute sich nach einem Platz um. Neben einem Hoch gewachsenem Mann mit Stoppelbart und kurz geschorenen Haaren war noch ein Platz frei. Tri ging zu ihm hin und setzte sich neben ihn. Er grüßte den Mann neben sich und stellte sich vor. Als Antwort bekam er nur ein Grunzen, was sich entfernt anhörte wie ein Hallo.
Das Essen schmeckte durchschnittlich, aber bei dem Hunger hätte Tri alles gegessen. Sein Trinken trank er mit einem Schluck aus umd er merkte erst, wie viel Durst er gehabt hatte. Er stand auf um sich noch mehr zu holen, als ihm von hinten jemand auf die Schulter klopfte. Tri drehte sich schnell um, entspannte sich jedoch, als er erkannte wer hinter ihm stand. Er hieß Farrilon und war einer seiner engsten Freunde seiner Kindheit gewesen.
Da er 2 Jahre älter war konnte er bereits früher zum Millitär gehen. Sie verloren sich aus den Augen und bis jetzt hatten sie nichts mehr voneinander gehört. Was für ein Zufall, sich an einem Ort wie diesem Wiederzutteffen. Er lachte und sagte zu ihm: ,,Na wie geht's, hasst du mich so vermisst, dass du extra zu die diesem Einsatz gekommen bist Farrie? Wir haben uns ja ewig nicht gesehen!" ,,Klar, bin nur wegen dir hier alter Freund. Nur heiß ich nicht mehr wie früher. Hat irgendwie nicht hierher gepasst. Man nennt mich jetzt Arro." Antwortete Tris ehemaliger Kumpel. ,,Ich hol mir kurz noch etwas Wasser, dann Reden wir weiter klar?" Sagte Tri.
Sie hatten viel zu bereden und als Tri auf einen Chronometer blickte stellte er fest, dass er mal wieder zu viel Zeit verloren hatte. Sie tauschten noch die Komfrequenz aus und dann verabschiedete sich Tri und ging Richtung Hanger. Er wollte sich auf die Suche nach seinen Leuten machen, da er noch etwas mit ihnen besprechen musste.



Mittlerer Rand - M'Shinni Sektor - Orbit über Agriwold-2079 - STR Conqueror - Tri, einige Soldaten (NPCs)
 
[Mittler Rand – M'shinni-Sektor - Agriworld-2079 - ISD-II "Authority" - Besh-Brücke] Commodore Scytale Mentel, Darth Naver, Darth Angelus, Kommandostab (NPCs), Sturmtruppen (NPCs)

Darth Angelus machte einen fast schon diplomatischen Vorschlag. Der Schönling schien zu verstehen, in welche Position der reinblütige Sith sowohl ihn als auch Scytale manövrierte. Das schmallippige Lächeln täuschte nicht darüber hinweg, dass Angelus mit der ganzen Situation unzufrieden war. Sichtlich versuchte der Sith die Situation zu entschärfen.

Darth Naver indes musterte die auf ihn gerichteten Waffen mit offenkundigem Desinteresse. Der behelmte Humanoide fixierte Scytale mit seinem Blick, woraufhin diesem ein kalter Schauer den Rücken hinab lief. Die zur Schau gestellte Arroganz näherte sich dem Niveau an, das der Commodore bisher von Darth Angelus gewohnt war. Darth Naver sprach von der Möglichkeit den Offizier zu retten, bot in gönnerhafter Manier an, die Betreuung des Verwundeten zu übernehmen, sollte die Behandlung nicht fruchten. Sicher doch - die bekannte Gnade der Sith. Ein Angebot, das Scytale ihm nicht abkaufte.

Der Reinblüter schien Mentels Skepsis zu spüren und versuchte es ähnlich diplomatisch wie sein Ordensbruder kurz vorher. Euphemisch bezeichnete er seinen Ausbruch als Enthusiasmus.


"Darth Naver", Scytale reagierte endlich und nickte in Richtung der Sturmtruppler, die daraufhin ihre Läufe senkten. "Das Oberkommando wird über Ihre beeindruckende Präsentation mangelnder Selbstdisziplin einen ausführlichen Bericht erhalten."

Naver trat vorwärts und erst jetzt wurde der Größenunterschied zwischen Scytale und dem Sith offensichtlich. Mit etwa 1,78 m war der Reinblüter einen halben Kopf kleiner als der Commodore. Dieser kam nicht umhin, auf den Sith herabzublicken. Für einen Augenblick musterte Scytale den Mann vor ihm - wenn es denn ein Mann war. Die getragene Rüstung verdeckte vieles und ließ nur über die Augenschlitze erahnen, das etwas Lebendiges darin steckte. Auf den Befehl hin, den der Sith als unverbindlichen Vorschlag präsentierte, setzte Scytale ein knappes Lächeln auf. Gute Miene zum bösen Spiel. Seine grauen Augen funkelten.

"Ein kluger Vorschlag, Naver. Ich denke es ist für alle besser, wenn Sie sich wieder Ihren Projekten widmen. Fernab der Authority."

Der Blick des Bastioners glitt zu Darth Angelus. "Mitgefühl ist nicht immer eine Schwäche, Lord Angelus. Kontrollverlust hingegen ... ." Er trat erst an Naver und schließlich an Angelus vorbei, wobei er nahe bei diesem innehielt und die Stimme senkte. "...Kontrollverlust ist eine Schwäche, die ich Euch bisher nicht zugeschrieben habe."

Schließlich trat er an das Fenster und betrachtete die Aschewolken und die Feuer, die die Flotte auf den Feind regnen ließ. Kurz warf er den Blick nach hinten zu den beiden Sith.

"Meine Herren, Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass Sie sich bis auf Weiteres nur in Begleitung meiner Soldaten an Bord bewegen werden. Wir wollen schließlich vermeiden, dass sich derartige … enthusiastische Ausbrüche wiederholen."

[Mittler Rand – M'shinni-Sektor - Agriworld-2079 - ISD-II "Authority" - Besh-Brücke] Commodore Scytale Mentel, Darth Naver, Darth Angelus, Kommandostab (NPCs), Sturmtruppen (NPCs)
 
[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Brücke ]
Darth Angelus, Darth Naver, Commodore Scytale Mentel, Kommandostab und Sturmtruppen (NPCs)


Darth Naver schien sich immerhin wieder einigermaßen unter Kontrolle zu haben. Angelus verfolgte die Ausführungen seines Ordensbruders mit einem kühlen Lächeln, das allerdings zunehmend an Aufrichtigkeit verlor. Der Alchemist bemühte sich offenbar darum, die Situation zu entschärfen, und bediente sich dabei sogar einer ganz ähnlichen Wortwahl wie er selbst. Das war erfreulich. Weniger erfreulich war die Tatsache, dass sie sich überhaupt in dieser Lage befanden. Noch vor wenigen Augenblicken hatte Angelus den Untergang einer ganzen Welt genossen, den er selbst inszeniert hatte und nun musste er sich auf der Brücke eines imperialen Sternenzerstörers mit einem aufgebrachten Commodore, bewaffneten Soldaten und den Folgen eines vollkommen unnötigen Zwischenfalls herumschlagen. Eine ausgesprochen ärgerliche Entwicklung, die er in erster Linie seinem geschätzten Ordensbruder zu verdanken hatte. Er hatte auf Agriworld einen Jedi erschlagen - den ersten des Krieges, Und worum drehte sich das Geschehen auf der Brücke nun? Um diesen verdammten Schwachsinn.

Dabei war
Navers Macht durchaus beeindruckend, daran bestand kein Zweifel. Die ungeheure Intensität seiner Präsenz hatte Angelus selbst überrascht und ein Mann mit derartigen Fähigkeiten konnte sich bei den richtigen Unternehmungen als außerordentlich wertvoll erweisen. Allerdings schien Naver gewisse Eigenheiten zu besitzen, die man besser nicht unterschätzte. Erst hatte er sich derart hemmungslos an den Qualen einer sterbenden Welt berauscht, dass er beinahe die Besatzung eines imperialen Kriegsschiffes außer Gefecht gesetzt hatte und nun sprach er mit bemerkenswerter Sachlichkeit über die medizinische Versorgung eines einzelnen Offiziers. Angelus hob bei diesem Angebot kaum merklich eine Augenbraue. Weshalb sich ein Sith-Alchemist persönlich um einen derart unbedeutenden Mann kümmern wollte, erschloss sich ihm nicht. Andererseits war es vermutlich müßig, jede Marotte seines Ordensbruders verstehen zu wollen. Er würde sich diese Beobachtungen jedenfalls merken müssen. Wenn es ihm gelingen sollte, aus Naver einen brauchbaren Verbündeten für seine zukünftigen Vorhaben zu formen, musste er schließlich wissen, mit wem er es zu tun hatte. Mächtige Männer waren nützlich. Mächtige Männer, die einem im unpassendsten Augenblick die eigenen Pläne ruinierten, hingegen ausgesprochen lästig.

Als Commodore Mentel schließlich das Wort ergriff, schwand auch der letzte Rest seiner guten Laune. Ein Bericht an das Oberkommando? Angelus verzog kaum merklich den Mund. Selbstverständlich...weshalb sollte man eine unangenehme Angelegenheit auch einfach unter Männern beilegen, wenn sich daraus noch ein umfangreicher bürokratischer Vorgang machen ließ? Er selbst hatte mit dem Ausbruch seines Ordensbruders schließlich nichts zu tun gehabt - im Gegenteil. Ohne sein rechtzeitiges Eingreifen wäre die Lage womöglich noch wesentlich unerfreulicher geworden. Dass sein Name nun möglicherweise ebenfalls in irgendeinem Bericht auftauchen würde, empfand er als eine weitere Zumutung. Dennoch schwieg er. Mentel konnte seine Berichte verfassen, wenn ihm danach war. Angelus hatte nicht die Absicht, sich vor der versammelten Brückenbesatzung auf eine Diskussion mit diesem kleinkarierten Flottenaffen einzulassen.

Dann allerdings wandte sich der Commodore ihm persönlich zu. Angelus erwiderte dessen Blick mit jener hochmütigen Selbstverständlichkeit, die ihm längst zur zweiten Natur geworden war. Die Bemerkung über das Mitgefühl quittierte er lediglich mit einem dünnen Lächeln. Er hatte nicht behauptet, dass Mitgefühl grundsätzlich eine Schwäche sei. Er hatte lediglich festgestellt, dass er keines empfand. Ein Unterschied, der dem Commodore offenbar entgangen war. Als Mentel schließlich näher trat und seine Stimme senkte, wurde Angelus' Miene jedoch merklich kühler. Kontrollverlust? Was für eine bemerkenswerte Unterstellung. Er hatte die Kontrolle zu keinem Zeitpunkt verloren. Er war lediglich ungehalten gewesen und hatte dieser Verärgerung Ausdruck verliehen. Sollte ein Sith sich neuerdings dafür rechtfertigen müssen, dass er seine Meinung mit der gebotenen Deutlichkeit vortrug?


Für einen kurzen Augenblick verspürte Angelus das beinahe unwiderstehliche Bedürfnis, dem Commodore eine Antwort zu geben, die keinerlei Raum für Missverständnisse ließ. Seine grünen Augen verengten sich, während sich unter der schweren schwarzen Rüstung die Muskeln seiner Schultern anspannten. Die Dunkle Seite reagierte bereitwillig auf seinen aufkeimenden Zorn. Er spürte, wie sich die vertraute Hitze in seinem Inneren regte, wie die zuvor so behagliche Finsternis abermals eine schärfere, aggressivere Beschaffenheit anzunehmen drohte. Doch Angelus hielt sie zurück. Nicht, weil er die Worte des Commodore für berechtigt hielt, sondern weil er keinerlei Interesse daran hatte, diesem Mann auch noch einen tatsächlichen Anlass für seine Vorwürfe zu liefern. Naver hatte bereits genügend Unannehmlichkeiten verursacht. Er selbst würde gewiss nicht dafür sorgen, dass aus dieser lästigen Angelegenheit noch eine größere wurde.

So beließ er es bei einem schmalen Lächeln, das seine Augen allerdings nicht erreichte. Doch Mentel schien entschlossen, seine Geduld noch ein wenig weiter auf die Probe zu stellen. Als der Commodore verkündete, dass die beiden Sith sich bis auf Weiteres ausschließlich in Begleitung seiner Soldaten an Bord bewegen durften, verschwand das Lächeln für einen flüchtigen Augenblick vollständig aus Angelus' Gesicht.

Eine Eskorte... Als wäre die Anwesenheit dieser Männer nicht bereits demütigend genug gewesen. Nun sollte er sich offenbar auch noch wie ein Gefangener durch das Schiff führen lassen. Erneut drängte sich ihm die Erinnerung an Kelada auf. An die bewaffneten Männer, die damalige Festsetzung und das unerträgliche Gefühl, von irgendwelchen unbedeutenden Funktionsträgern behandelt zu werden, als könnten sie nach Belieben über ihn verfügen. Angelus presste die Kiefer aufeinander. Seine behandschuhte Rechte schloss sich langsam zur Faust, ehe er die Finger bewusst wieder entspannte.. Der Commodore mochte sich an seiner kleinen Machtdemonstration erfreuen. Angelus hingegen hatte Wichtigeres zu tun.

Als er schließlich antwortete, lag wieder ein beinahe vollendetes Lächeln auf seinen Lippen.


"Eine persönliche Eskorte, Commodore? Wie aufmerksam. Ich werde Eure Fürsorge zu schätzen wissen."

Die Worte waren von ausgesuchter Höflichkeit, doch der Spott ließ sich kaum überhören. Angelus neigte den Kopf gerade so weit, dass man die Bewegung mit etwas gutem Willen als respektvolle Geste hätte auslegen können. Er selbst betrachtete die Angelegenheit damit als erledigt. Sollte Mentel ihm einige Soldaten hinterherschicken, die ihm wie Hunde hinterherliefen. Solange sie ihm nicht im Weg standen, konnten sie meinetwegen Wurzeln schlagen. Dass er ihre Anwesenheit vorläufig duldete, bedeutete schließlich noch lange nicht, dass er die Anmaßung dahinter vergessen würde.

Anschließend wandte er sich seinem Ordensbruder zu. Die Verärgerung über dessen Verhalten war keineswegs verflogen, doch Angelus hatte nicht die Absicht, sie vor dem Commodore und dessen Untergebenen auszubreiten. Was zwischen Sith zu besprechen war, ging gewöhnliche Offiziere nichts an. Außerdem wäre es ausgesprochen töricht gewesen, einen potenziell wertvollen Verbündeten wegen eines derart belanglosen Zwischenfalls vor den Kopf zu stoßen. Naver hatte seine Macken- das war mittlerweile offensichtlich. Aber Angelus war zuversichtlich, dass sich mit diesen Eigenheiten umgehen ließ, sofern man sie bei der Planung zukünftiger Unternehmungen angemessen berücksichtigte.


"Nun denn, mein geschätzter Ordensbruder. Ich denke, wir sind hier durch. Wir werden unser Gespräch bei anderer Gelegenheit fortsetzen."

Er schenkte Naver ein letztes kühles Lächeln und wandte sich anschließend zum Ausgang der Brücke. Ein abschließender Blick auf die gewaltigen Sichtfenster zeigte ihm noch einmal die brennende Oberfläche von Agriworld-2079. Eigentlich hätte es ein wundervoller Tag sein können. Hunderttausende oder gar Millionen von Feinden des Imperiums starben, die republikanischen Verteidiger wurden vernichtet und die Dunkle Seite hatte ihm ein Hochgefühl beschert, das er so schnell nicht vergessen würde. Stattdessen musste er sich nun mit der verletzten Eitelkeit eines Flottenoffiziers und den unberechenbaren Launen eines Sith-Alchemisten herumschlagen. Angelus schnaubte leise. Was für ein ausgesprochen unerfreulicher Abschluss eines ansonsten so erhebenden Schauspiels.

Immerhin warteten noch andere Angelegenheiten auf ihn. Craton Minara war inzwischen an Bord der Authority eingetroffen, und Angelus hatte durchaus Interesse daran, seinen ehemaligen Schüler wiederzusehen. Die Aussicht auf dieses Treffen war wesentlich verlockender, als noch länger auf der Brücke zu verweilen. Ohne sich ein weiteres Mal umzudrehen, setzte er sich in Bewegung. Sollten die ihm zugedachten Soldaten ihn begleiten.

Der Weg zum Hangar gab Angelus Gelegenheit, seine Gedanken wieder auf angenehmere Dinge zu richten. Mit jedem zurückgelegten Korridor verlor die Begegnung auf der Brücke ein wenig von ihrer unmittelbaren Bedeutung, wenngleich der Ärger darüber keineswegs verschwunden war. Er hatte sich lediglich entschieden, ihn vorerst nicht weiter zu beachten. Die Angelegenheit mit Mentel würde sich zu gegebener Zeit gewiss noch einmal aufgreifen lassen, sofern sich daraus irgendein Nutzen ziehen ließ. Und was Naver betraf, so hatte der Zwischenfall immerhin einige aufschlussreiche Erkenntnisse über dessen Persönlichkeit geliefert. Mehr musste er sich damit für den Augenblick nicht beschäftigen.

Als sich schließlich die schweren Türen des Hangars vor ihm öffneten, empfingen ihn das geschäftige Treiben des imperialen Hangarpersonals. Angelus ließ den Blick über die abgestellten Maschinen und die zahlreichen Uniformierten schweifen. Der schwarze Pelzumhang lag schwer über seinen Schultern, während er mit gewohnt aufrechter Haltung den Hangar betrat. Seine Miene hatte inzwischen wieder jene selbstgefällige Gelassenheit angenommen, die er gewöhnlich zur Schau trug. Von der Wut, die noch wenige Minuten zuvor in ihm gebrodelt hatte, war äußerlich kaum noch etwas zu erkennen.

Dann entdeckte er Craton Minara. Ein Anblick, der seine Stimmung tatsächlich ein wenig aufhellte. Angelus richtete seine Schritte auf den ehemaligen Schüler und einstigen Weggefährten, während ein wölfisches, diesmal durchaus aufrichtiges Lächeln seine Lippen umspielte. Nach den unerfreulichen Ereignissen auf der Brücke war es eine willkommene Abwechslung, endlich wieder einem Mann gegenüberzutreten, dessen Fähigkeiten er aus eigener Erfahrung kannte.


"Craton"

Angelus breitete die Arme ein wenig aus und schenkte seinem ehemaligen Schüler ein ausgesprochen einnehmendes Lächeln. Dennoch musterte ihn im nächsten Schritt gleich prüfend. Die dunkle Rüstung, der asymmetrische Mantel und der vollständig geschlossene Helm verliehen ihm eine durchaus imposante Erscheinung. Ja, zumindest seiner Aufmachung nach sah Craton mittlerweile aus wie ein richtiger Sith. Über die Bewaffnung ließ sich freilich streiten. Blasterpistolen und Messer mochten für einen gewöhnlichen Söldner oder Kopfgeldjäger angemessen sein, doch Angelus bevorzugte bekanntlich elegantere und traditionellere Methoden, seine Feinde aus dem Weg zu räumen. Andererseits war Craton schon immer ein ausgesprochen eigenwilliger Bursche gewesen. Vermutlich hätte es ihn eher überrascht, seinen ehemaligen Schüler plötzlich bloß mit einem Lichtschwert bewaffnet anzutreffen.

"Wie schön, dass Du meinem Ruf gefolgt bist. Wir haben so einiges zu besprechen."

[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Hangar ]
Darth Angelus, Dopa Maskey/Craton Minara, imperiale Soldaten und Hangarpersonal (NPCs)
 
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[Mittler Rand – M'shinni-Sektor – STR Conqueror - Agriworld-2079 – Hangar] Staff Sergeant John Bullard, Gwenn

Selbst ein Kreuzer der Strike-Klasse verfügte über mehrere Waffenkammern, damit die Besatzung im Falle einer Enterung an verschiedenen Stellen des Schiffes bewaffnet werden konnte. Das primäre Arsenal lag jedoch in relativer Nähe zum Hangar. Da die Conqueror als Truppentransporter konfiguriert war, ergab es Sinn, die Hauptwaffenausgabe dort anzuordnen, wo sich die Truppen für ihre Einsätze bereitmachten. Gleichzeitig befand sie sich tief genug im Inneren des Schiffes, um durch mehrere Decks und Schotten vor unmittelbarem Feindbeschuss geschützt zu sein.

Gwenn rückte das DLT-20a noch einmal zurecht, damit der Trageriemen auf dem kurzen Weg nicht unangenehm drückte, nach dem Einsatz taten sie das irgendwie immer. Die Waffenrückgabe begann allerdings nicht erst an der Waffenkammer. Bereits beim Verlassen des Hangars wurden die zurückkehrenden Soldaten zu einem gekennzeichneten Kontrollbereich geleitet. Niemand sollte mit einem unkontrollierten, womöglich noch schussbereiten Blastergewehr durch die belebten Korridore des Kreuzers laufen. Außer natürlich die Flottensoldaten und Sturmtruppen die gerade Dienst taten.

Unter den aufmerksamen Blicken des zuständigen Personals sicherten die Soldaten ihre Waffen und ließen deren Zustand überprüfen. Auch verbliebene Munition und mitgeführte Sprengmittel wurden erfasst; für Letztere standen gesonderte Behälter bereit. Dahinter ein Unteroffizier mit einem Datenblock, alles wurde protokolliert. Beschädigungen oder Störungen waren bereits hier zu melden, damit auffällige Ausrüstungsstücke bei der anschließenden Rückgabe unmittelbar ausgesondert werden konnten. Gwenn wartete, bis sie an der Reihe war, und folgte den knappen Anweisungen. Ringsum vermischten sich müde Stimmen mit dem Klacken von Ausrüstung, dem gleichmäßigen Brummen der Hangarlüftung, sprich das Hintergrundgemurmel eines geschäftigen Haupthangars.

Erst nach der Freigabe ging es weiter zur eigentlichen Waffenkammer. Vor deren Ausgabeschalter hatte sich eine kurze Schlange gebildet. Ein Waffenwart nahm die zurückgebrachten Blaster entgegen, während ein zweiter die Kennungen mit den Ausgabelisten auf seinem Terminal abglich. Jede Waffe war einem Namen zugeordnet, jedes fehlende Ausrüstungsstück musste vermerkt werden. Was im Gefecht verloren gegangen oder zurückgelassen worden war, verschwand nicht einfach mit einem Schulterzucken aus dem Bestand. Immerhin war man Soldat des galaktischen Imperiums, nicht irgendein Rebellenhaufen auf einem rückständigen Randplanet.
Als Gwenn vortrat, ließ sie das DLT-20a vorsichtig vom Riemen gleiten und legte es auf die dafür vorgesehene Ablage. Der Waffenwart prüfte die Kennung, warf einen geübten Blick auf das Gehäuse und fragte:

„Irgendwelche Auffälligkeiten während des Einsatzes?“ Hinter ihm standen Waffen in offenen Halterungen; andere lagen bereits auf den Werkbänken zur Durchsicht. Es roch nach Reinigungsmitteln, Schmierstoffen und der trockenen Wärme beanspruchter Elektronik.
„Keine. Hat einwandfrei funktioniert.“ In ihrer Stimme fand sich die Langeweile der Weißhaarigen wieder. Sie hatte noch was zu tun und das hier war nun wirklich nicht der Höhepunkt ihres Tages.

Gwenns Aussage wurde mit einem Eintrag auf seinem Datenblock quittiert, doch mit der bloßen Übergabe war es noch nicht getan. Zubehör wurde abgeglichen, der Zustand der Waffe vermerkt und die Rücknahme schließlich im System bestätigt. Die gründliche Reinigung und technische Überprüfung würden folgen, bevor das DLT-20a wieder für den nächsten Einsatz ausgegeben werden konnte. Gwenn wäre es deutlich lieber wie im andauernden Feldeinsatz für ihre Waffe selbst verantwortlich zu sein, denn bei ihrer eigenen Waffe würde es keinen Dienst nach Vorschrift geben, wie es vielleicht in der Waffenkammer geschehen würde.
Erst als der Waffenwart mit der Mark I Eyeball Prüfung zufrieden war und ihr knapp zunickte, trat Gwenn von der Ablage zurück. Ihre Schulter fühlte sich ohne das vertraute Gewicht beinahe ungewohnt leicht an. Sie strich über die Stelle, an der der Riemen gedrückt hatte, und machte dem nächsten Soldaten Platz.

Ihren treuen Dienstblaster und ihre Vibromesser gab sie nicht zurück, zwar auch Teil ihrer persönlichen Ausrüstung, diese durften jedoch als Teil der normalen Dienstausrüstung getragen werden. Verstand einer die Dienstrichtlinien. Im Falle einer Enterung durch den Feind, wäre es jedoch zumindest praktisch nicht quasi nackt da zu stehen.

Nachdem Gwenn ihre Waffe abgegeben hatte, führte ihr Weg weiter zur Ausrüstungsrücknahme. Dort wurden die zurückkehrenden Soldaten bereits von den zuständigen Knechten des Quartiermeisters erwartet. Entlang der Wand standen Bänke, davor markierte Ablageflächen und mehrere Transportschwebewagen. Über einem der Schalter zeigte eine Leuchtanzeige die Dienstnummern der Soldaten an, deren Ausrüstung gerade angenommen wurde.
Gwenn wusste schon was kommen würde. ‚Wo ist ihr Helm, Lieutenant?‘ Sehr wahrscheinlich durch das Bombardement zu Schlacke geschmolzen, nicht dass sie das so antworten würde. Die Weißhaarige begann die Verschlüsse ihrer Schutzrüstung zu lösen. Erst jetzt, da die Anspannung des Einsatzes allmählich nachließ, bemerkte sie, dass die einzelnen Teile schwerer wirkten als vor dem Einsatz. Das lag am abflauenden Adrenalin. Unter den Platten hatte sich Wärme gestaut; der Stoff darunter klebte unangenehm an ihrer Haut. Sie nahm die Komponenten nacheinander ab und legte sie so zurecht, dass der Erbsenzähler ihren Zustand prüfen konnte.

Die Rücknahme erfolgte nicht unterschiedslos. Persönlich zugeteilte Ausrüstung, die bei den Soldaten verblieb, musste nach der Reinigung wieder in den vorgesehenen Spinden verstaut werden. Beschädigte oder möglicherweise verunreinigte Stücke kamen gesondert zur Überprüfung und durften nicht einfach zwischen die übrige Ausrüstung gelegt werden. Und wenn die Aufpasser des Rüstmeisters nicht genau aufpassten, versuchten es ihre Leute doch.
Der Versorgungsoffizier kontrollierte die Kennungen und ließ sich erkennbare Schäden zeigen. Risse, gelockerte Befestigungen, alles wurde im Datenblock vermerkt. Auch Treffer, nach denen eine Schutzplatte äußerlich noch intakt wirkte, sollten gemeldet werden. Ob sie erneut ausgegeben werden konnte, entschied die technische Prüfung.

„Lieutenant, wo ist ihr Helm?“ Um sich herum hörte sie die unterdrückten Belustigungen ihrer Leute, der ein oder andere Creditchit wechselte den Besitzer.

„Auf Agriworld 2079. Totalverlust.“, antwortete die Offizierin ihm knapp und in strengen Tonfall. Dabei bedachte sie ihn dabei mit festen Blickkontakt und hielt diesen unangenehm lange aufrecht, bis er wegsah und sich und ihr einen weiteren Kommentar ersparte. Anschließend prüfte er die restlichen, abgelegten Rüstungsteile. Seine Handgriffe waren routiniert, doch er nahm sich für jedes Stück einen Moment Zeit. Was nur verschmutzt war, ging zur Reinigung; was Zweifel an seiner Schutzwirkung aufwarf, erhielt eine Kennzeichnung und wanderte auf einen separaten Wagen.
Zum Schluss glich er die zurückgegebenen Teile mit Gwenns Ausgabeprotokoll ab und bestätigte den Empfang. Den Verlust des Helmes musste sie jedoch quittieren. Sie sammelte die Ausrüstung ein, für deren Pflege und Aufbewahrung sie selbst verantwortlich blieb, und trat von der Ablage zurück. Ohne die Panzerung, nur in der eingeschwitzen Uniform aus Stoff, fühlte sie die kühle Luft des Korridors ungewohnt deutlich. Gwenn rollte erneut vorsichtig die Schultern. Erst jetzt spürte sie die Druckstellen, die der Einsatz hinterlassen hatte — und wie sehr sie sich auf eine Dusche und frische Kleidung freute. Caf wäre auch nicht schlecht. Aber erst die persönliche Ausrüstung verstauen, dann Captain Galvan, und zu guter letzt die Dusche.


[Mittler Rand – M'shinni-Sektor – STR Conqueror - Agriworld-2079 – Ausrüstungsrückgabe] Soldaten, Knechte des Rüstmeisters, Gwenn
 
[M'shinni-Sektor :: Agriworld-2079 :: zentrale Agrarregion :: niedriger Luftraum über den südlichen Speichern] Ylaine Vao und V7 im XJ3, aufsteigende Flüchtlingstransporter und imperiale Jäger

Ylaine nahm den Bug herunter und rollte vom Frachter fort. Der TIE vor ihr verschwand über dem Kanzelrand, während die Lagerdächer seitlich hochkamen. Sie zog den Knüppel an und spürte den Gurt über ihrer Brust straff werden. Die ersten grünen Bolzen ihres Verfolgers gingen über der Kanzel hinweg, einer traf den Heckdeflektor. Als der XJ3 wieder waagerecht über den Feldern lag, stand der Transporter rechts hinter ihr und der Gegner folgte ihrer neuen Bahn nach Westen. Sie gab Schub. V7 hielt den Verfolger auf der Übersicht, während sie den zweiten TIE suchte. Er war ein Stück hinter dem Frachter zurückgeblieben und senkte jetzt den Bug. Zwischen den Rauchschwaden wurden seine Paneele schmaler, bis er mit der Nase auf das langsam steigende Schiff zeigte. Ylaine ließ den XJ3 zunächst weiter nach Westen laufen. Ihr Verfolger blieb an ihr. Erst als sie die eigene Maschine nach rechts herumnahm, kam der andere TIE hinter ihm wieder zum Vorschein. Grüne Bolzen gingen hinter ihrem Heck durch. Sie hielt die Wende flach und ließ den Gegner seitlich vor ihre Kanzel kommen. Er musste noch ein Stück weiter nach links, um hinter den Frachter zu kommen. V7 setzte die Zielmarkierung vor seinen Bug. Ylaine folgte ihm mit kleinen Bewegungen am Knüppel, bis er näher an die Markierung rückte. Unter ihr liefen die Hallendächer schräg vorbei, zwischen den Paneelen wurde die Kanzel des TIEs größer. Sie feuerte, bevor er seinen Angriff ausrichten konnte.

Die erste Salve traf am inneren Rand eines Paneels. Der Flügel knickte gegen den Rumpf, dann gingen die nächsten Bolzen durch die Triebwerkssektion und rissen den Jäger auseinander. Ylaine zog über die aufglühenden Trümmer hinweg, spürte einen Schlag gegen den Schild und trat ins Ruder, als ein großes dunkles Stück dicht unter ihrem linken Flügel vorbeitaumelte. V7 warnte vor dem Verfolger. Ylaine schwenkte wieder auf den Fluchtkurs ein und beschleunigte, bis der Frachter vor ihr stand. Der andere TIE kam seitlich aus seiner Wende, hielt diesmal jedoch Abstand. Sie wechselte unter dem Heck des Transporters hindurch auf dessen rechte Seite und meldete dem Kapitän, dass er nach Westen drehen könne. Weiter vorn lagen die vier anderen zivilen Kennungen über der auslaufenden Speicherzone. Zwei der Schiffe konnte sie durch den Rauch sehen, die übrigen fand sie erst, als V7 ihre Markierungen darüberlegte. Der südliche Frachter schwenkte langsam auf sie ein. Sie passte ihre Geschwindigkeit an und blieb auf jener Seite, von der sich der TIE erneut nähern musste. Vom Boden erreichte sie noch einmal die Stimme des Technikers. Er hatte einen der Angreifer über den Feldern verschwinden sehen und wollte wissen, ob sie durch seien. Ylaine gab ihm die Richtung der Transporter durch. Seine Antwort ging unter einem Krachen verloren, dann hörte sie ihn nach jemandem rufen, bevor die Verbindung abbrach. V7 versuchte ihn erneut zu erreichen. Die Rangerin wartete auf das Ende der Anwahl, während der Frachter an ihrer Seite höher stieg und die brennenden Felder verdeckte. Schließlich stellte der Droide wieder den gemeinsamen Kanal der fünf Schiffe durch.

Die Wolken nahmen zuerst die Speicher, dann auch den Transporter aus ihrem Blick. Feuchte Schlieren liefen über die Kanzel und rissen unter dem Fahrtwind ab. Ylaine hielt sich an seiner Kennung. Der TIE folgte weiter hinter ihnen, nah genug, dass sie den Heckdeflektor verstärkt ließ, während V7 die übrige Schildenergie ausglich. Über Funk meldeten die vorderen Piloten ihren weiteren Aufstieg. Der erste Frachter konnte seine Geschwindigkeit halten, die beiden von den Außendocks schlossen auf. Als der Kapitän mit der vermissten Tochter um mehr Abstand zum Vorausfliegenden bat, hörte Ylaine ihn einer zweiten Stimme im Cockpit die neue Richtung wiederholen. Danach blieb nur das gleichmäßige Rauschen der offenen Verbindung. Die Wolkendecke endete unter ihrem Bug. Ein vom Feuer gefärbtes Feld reichte bis zum Horizont, durchbrochen von dunklen Rauchwolken, die noch höher hinaufstiegen. Vor ihr lagen die Triebwerke der Transporter. Sie wurden deutlicher, je mehr das Blau über der Kanzel in ein tiefes Schwarz überging und unter ihnen die Krümmung des Planeten sichtbar wurde. Am Rand der Übersicht erschienen imperiale Kennungen. Ylaine vergrößerte den Bereich. Rechts von ihrem Aufstieg lag ein Sternenzerstörer über dem hellen Saum des Planeten, von dessen Unterseite Salven niedergingen. Die einzelnen Lichtbahnen verloren sich in der Wolkendecke. Weiter dahinter standen andere Schiffe, schmaler und zum Teil nur an ihren Markierungen zu erkennen. Neben dem großen Keil erschien die Kennung Authority. V7 legte die Fluchtrichtung über die Übersicht. Sie führte links von dem Sternenzerstörer weiter vom Planeten fort, durch einen Bereich, in dem die nächsten Jägerkontakte weit auseinanderstanden. Die Kapitäne hatten ihre Berechnungen übernommen und meldeten nacheinander die verbleibende Strecke bis zu ihren Sprungpositionen. Ylaine ließ V7 auch für den XJ3 rechnen und hielt sich hinter dem südlichen Schiff, das den anderen nur langsam folgte.

Die Markierung des verbliebenen TIEs wanderte auf die Seite der Authority. Von dort kamen vier neue Kontakte heran, zunächst so dicht beieinander, dass V7 sie in einem gemeinsamen Rahmen führte. Dann teilte sich der Rahmen in zwei Paare. Ylaine gab die Annäherung weiter und ließ die Transporter vorausziehen. Von ihrer Position aus lagen alle fünf vor ihr, der südliche etwas unterhalb der anderen. Sein Kapitän meldete, dass er dem Antrieb vorerst nicht mehr abverlangen könne. Sie bestätigte und ging den anfliegenden Maschinen entgegen.

Das vordere Paar hielt direkt auf sie zu, während die beiden dahinter seitlich auf die Frachter ausschwenkten. Ylaine richtete den Bug auf die seitlich ausbrechenden Maschinen und sah die vorderen Jäger sofort mitgehen. Als sie den Bug wieder zurücknahm, schob sich einer von ihnen vor ihre Bahn, der andere blieb weiter außen. Sie wollten sie hier halten. Ylaine gab mehr Schub und flog auf den inneren Jäger zu. V7 warnte, dass der Gegner sie erfasst hatte, dann stand grünes Feuer vor der Kanzel. Sie hielt noch einen Augenblick auf die Maschine zu, bis deren Paneele weit genug auseinanderlagen, um die Kanzel dazwischen zu erkennen. Erst dann rollte sie unter seiner Schussbahn durch und zog zwischen ihm und seinem Flügelmann hindurch. Der Frontdeflektor flimmerte grell auf. Ein Paneel strich dicht an ihrer Flügelspitze vorbei, dann drehte Ylaine auf die Frachter ein. Die beiden Jäger mussten ihre Wende erst beenden. Hinter ihnen schloss der TIE aus der Atmosphäre auf, doch vor ihr lag für einige Sekunden der freie Weg zu den beiden Angreifern. Sie schaltete auf die Torpedosteuerung. Der führende Gegner stieg seitlich über den letzten Frachter, um auf dessen Heck einzudrehen. Ylaine setzte ihm den Zielrahmen auf den Rumpf und hielt den XJ3 in einer flachen Kurve hinter ihm. Von rechts hinten kam die erste Schusswarnung. Sie wich nach unten aus und fing den TIE wieder im Zielrahmen ein. Der Erfassungston hielt an, dann löste sich der Torpedo unter ihrem Bug. Der Flügelmann brach nach außen. Sein Anführer rollte vom Frachter weg und zog den Torpedo in Richtung des imperialen Verbands hinter sich her. Ylaine folgte seiner bisherigen Bahn noch einen Augenblick weiter. Dann nahm sie den Bug nach rechts und schnitt quer durch den Raum, in den seine Ausweichkurve führte. V7 setzte ihr die Zielhilfe vor die Kanzel. Der TIE kam ihr schräg von vorn zwischen die Flügelspitzen. Ylaine feuerte, als er weiter zur Seite drehte. Die erste Salve traf den Rand des Rumpfs, die zweite ging durch seine Mitte. Trümmer warfen Licht auf ihre Kanzel, bevor der Torpedo in der sich ausbreitenden Wolke verging.

Ylaine zog darunter hindurch. Ein harter Stoß ging durch den Sitz und warf ihren Kopf gegen das Seitenpolster. Unter ihrem rechten Fuß vibrierte der Boden, der XJ3 zog aus der Kurve und rollte weiter, obwohl sie den Knüppel bereits zurücknahm. Ylaine trat das linke Pedal durch. Sie richtete den Bug wieder auf die Frachter, musste das Pedal jedoch gedrückt halten, während V7 die Schäden aufrief. Der obere Steuerbordlaser war ausgefallen. Beim Antrieb dahinter schwankte die Leistung. V7 nahm die beschädigte Einheit zurück und glich die anderen Triebwerke an. Das Ziehen ließ nach, doch die Entfernungen zu ihren Verfolgern wurden kleiner. Ylaine erhöhte die Leistung der unbeschädigten Antriebe. Der XJ3 zog wieder nach rechts und sie musste stärker gegentreten, um mit schief stehenden Flügeln weiter auf die Frachter zuzuhalten.

Die Frachter hatten inzwischen Abstand gewonnen. Der übrig gebliebene TIE vor ihnen war weit nach außen ausgewichen und musste sich erst wieder annähern. Ylaine schob den eigenen Jäger auf die Linie hinter den beiden Nachzüglern. Der erste Kapitän meldete, dass er seine Sprungposition beinahe erreicht habe. Sie ließ allen Besatzungen übermitteln, dass sie springen sollten, sobald ihre Systeme es zuließen. Auf ihrer Anzeige lag auch V7s vorbereiteter Kurs, dicht neben dem der vorderen Schiffe. Wenn sie jetzt weiter beschleunigte, konnte sie sich hinter ihnen halten. Ihr Blick blieb an der Markierung des südlichen Frachters hängen.

Der TIE außerhalb der Gruppe hatte seine Wende beendet und flog schräg auf das Heck des südlichen Frachters zu. Die drei anderen lagen hinter Ylaine. Der einzelne Angreifer war dem Transporter bereits näher als sie. Ylaine nahm den Schub zurück und zog den XJ3 herum. Der beschädigte Jäger sträubte sich gegen die Wende. Ylaine drückte das Pedal weiter durch und zog den Knüppel an, bis der Gegner endlich vor ihr stand. Hinter ihm lag die Authority. Für einen Augenblick konnte sie die gestaffelten Aufbauten auf dem Rücken des Sternenzerstörers erkennen. Sie gab wieder Schub und ließ V7 Energie aus den Laserbatterien zum Frontdeflektor ziehen.

Der TIE hielt weiter auf den südlichen Frachter zu, bis Ylaine quer vor ihm in die Bahn kam. Seine Kanzel schwenkte auf sie und die erste Salve lief direkt auf ihre Maschine zu. Sie ließ den Knüppel stehen. Der Frontdeflektor flammte auf, nahm ihr für einen Augenblick die Sicht und gab den Gegner wieder frei, jetzt so nah, dass seine Markierung den ganzen Rumpf umschloss. V7 warnte vor dem Zusammenstoß. Ylaine feuerte die verbliebene Ladung der Laser in seine Bahn. Er rollte zur Seite, ihr eigener Jäger schoss unter einem Paneel hindurch und geriet in das Feuer eines der anderen TIEs. Der Gegner tauchte noch einmal rechts neben ihr auf, ehe er hinter der Kanzelstrebe verschwand.

Der Frachter lag jetzt links vor ihr. Ylaine schwenkte auf seinen Kurs ein, während V7 die vier Feindkontakte nachführte. Der einzelne Angreifer musste nach seinem Ausweichen eine weite Kurve fliegen, die anderen drei kamen noch von der Seite ihrer letzten Wende. Vom ersten Frachter mit Nessa, Vika und den anderen aus dem Kühlhaus kam die Sprungmeldung. Über der linken Kanzelstrebe streckte sich sein Rumpf zu einer hellen Spur und verschwand.

Ylaine sah auf die verbleibenden Kennungen. Zwei lagen dicht beieinander, der dritte und der südliche Transporter folgten mit größerem Abstand. Sie ging rechts neben den Nachzügler. Zwischen ihr und der Authority fanden sich die vier TIEs wieder zusammen. Die Transporter entfernten sich schräg vom imperialen Verband. Um die TIEs vor ihnen abzufangen, musste Ylaine mit jedem neuen Anflug zurück auf den Sternenzerstörer zufliegen. Sie behielt die Kennung des südlichen Frachters im Blick, während die Gegner auseinanderzogen. Zwei kamen direkt auf sie zu, einer hielt sich darüber und der letzte schwenkte unter ihrer bisherigen Bahn hindurch. Er würde unter dem Frachter entlangfliegen können, wenn sie sich von den beiden vorderen wieder in einen Zweikampf ziehen ließ. Ylaine gab V7 die untere Maschine als Ziel und zog den XJ3 nach unten aus der gemeinsamen Flughöhe. Die beiden vorderen TIEs gingen mit. Sie beschleunigte weiter, bis der Gegner unterhalb der Gruppe größer wurde und die Erfassungswarnung in ihrem Helm schrillte. Der obere Verfolger kam zuerst zum Schuss. Ylaine hielt den Bug auf den tieferen TIE gerichtet. Seine Bahn führte auf den Nachzügler zu, die ihre schnitt ihm den Weg ab. Wenn sie jetzt auswich, musste sie wieder hinter ihm her. Sie legte den linken Unterarm fester auf die Ablage und hielt gegen das langsame Ziehen des beschädigten Antriebs. Der erste Treffer ließ den Jäger vibrieren. Beim zweiten ging ein hartes Schlagen durch den Rumpf. Die Schildladung sank, während die Kanzel des Gegners zwischen seinen Paneelen wanderte. Ylaine wartete, bis er den Bug zum Frachter hochnehmen musste. Dann feuerte sie.

Die Salve traf ein Paneel und riss eine helle Spur durch dessen dunkle Fläche. Der TIE kippte aus dem Anflug, rollte vom Frachter weg und zwang seinen herankommenden Kameraden, die eigene Bahn zu öffnen. Ylaine nutzte die Lücke zwischen ihnen und folgte dem beschädigten Gegner, bis er weiter auf die Seite des Sternenzerstörers ausbrach. Ylaine ließ den Gegner aus der Zielhilfe laufen und richtete den XJ3 wieder auf den Frachter. V7 meldete zwei weitere Sprünge. Über Funk kam noch eine Abschiedsmeldung, die beim Sprung abbrach. Von den beiden verbliebenen Frachtern flog der des Kapitäns mit der vermissten Tochter vorn. Er begann sich vom südlichen Schiff zu lösen. Ylaine ließ ihn weiterfliegen und fragte beim Nachzügler nach, als dessen Abstand erneut zunahm. Sein Kapitän meldete, dass der Antrieb unter der Last zurückgeregelt habe. Der Techniker sei dabei, die beschädigte Versorgung abzutrennen. Ylaine hörte jemanden im Hintergrund die Triebwerksanzeigen aufzählen, bevor der Mann am Funk erklärte, dass sie noch einen Augenblick brauchten. V7 zeigte ihr die vier TIEs. Die Jäger hatten nach ihrem letzten Durchbruch weiter in Richtung der Authority wenden müssen. Der Abstand zum südlichen Transporter veränderte sich unterdessen kaum. Ylaine drehte wieder auf den Sternenzerstörer zu. Beim Eindrehen verlor der beschädigte Antrieb weiter an Leistung. Der XJ3 kippte nach rechts und Ylaine musste den Knüppel mit beiden Händen fassen, bis die Nase endlich herumkam. Beim Loslassen fuhr der Schmerz durch ihren linken Arm und sie bekam ihn nur mit Mühe wieder auf die Ablage. Drei Gegner lagen dicht vor ihr, der vierte weiter darunter. Sie führte den Bug in die Lücke zwischen den beiden nächstgelegenen Maschinen und gab den Laserbatterien wieder Energie. Hinter ihrer rechten Flügelspitze stand die breite, dunkle Silhouette des südlichen Frachters. Der Kapitän rief ihren Namen, als das erste Feuer auf sie zukam. Ylaine zog über die Schussbahn des näheren TIEs hinweg und nahm den anderen unter sich in die Zielhilfe. Der Gegner drehte zum Frachter, stellte sich dabei aber quer vor seinen herankommenden Flügelmann. Dessen nächste Salve ging vor der Kanzel des drehenden TIEs durch. Sie feuerte auf die ihr zugewandte Flanke. Ein Bolzen traf den äußeren Rand seines Paneels und ließ ihn die Kurve enger ziehen. Ylaine folgte ihm, bis seine Nase wieder auf die Seite des imperialen Verbands zeigte. Der Knüppel schlug ihr in der Hand zurück. Sie nahm den Druck zurück, bevor der beschädigte Antrieb sie weiter in die Wende zog.

Auf der Übersicht erlosch die vierte zivile Kennung. V7 bestätigte den Sprung. Ylaine schwenkte wieder auf den Kurs des letzten Frachters ein. Die Authority lag inzwischen hinter den Verfolgern so groß im Sichtfeld, dass sie die beleuchteten Linien ihrer Aufbauten erkennen konnte. Der Transporter entfernte sich vom Sternenzerstörer, während ihr Jäger mit jedem Abfangen zurückblieb. Sein Kapitän meldete, dass die Leistung wieder steige. Der Techniker hatte die Versorgung getrennt. Er könne die Sprungposition jetzt erreichen. Ylaine bestätigte. Unter ihrer rechten Flügelspitze stieg ein TIE auf. Sie nahm den Bug herunter, legte die Zielhilfe auf seine Bahn und drückte den Feuerknopf. Zwei Bolzen lösten sich, dann blieb die rechte Seite dunkel. V7 meldete den Ausfall einer weiteren Laserkanone. Der TIE brach trotzdem aus. Ylaine hielt den XJ3 zwischen ihm und dem Frachter und nahm einen Treffer auf den fast leeren Frontdeflektor. Neben ihrem Sitz knackte es hell und der Geruch heißer Isolierung kam durch die Belüftung. Erst als V7 die beschädigte Leitung vom Netz nahm, hörte das Knacken auf. Der Kapitän meldete Sprungbereitschaft. Er wollte wissen, ob sie noch aufschließen könne.


„Springen Sie. Ich komme hier noch weg.“

Ylaine gab den verbliebenen Antrieben mehr Leistung. Der XJ3 zog zur Seite und sie fing ihn mit dem Pedal auf, während die TIEs vor ihr wieder auseinanderliefen. Hinter dem linken Gegner flammten die Triebwerke des Frachters auf, sein Rumpf streckte sich zu einer hellen Spur und war fort. V7 bestätigte den fünften Sprung. Ylaine rief ihren eigenen Kurs auf. Er führte schräg nach links weiter von der Authority fort. Bis zu ihrer Sprungposition war es noch ein Stück. Sie setzte die rechte Hand tiefer an den Knüppel und zog den Bug herum, während V7 die verbliebene Energie auf den Heckdeflektor gab. Die Warnung kam als abgerissener Ton. Dann schlug etwas gegen das Heck, so heftig, dass ihr die Luft aus der Brust fuhr und der Jäger nach rechts riss. Einer der eigenen Flügel stieg vor dem Seitenfenster auf. Ylaine wollte gegensteuern, als ein zweiter Schlag den ganzen Sitz unter ihr versetzte. Ihr Kopf prallte gegen das Polster. Licht zuckte durch die Kanzel, der vordere Bildschirm wurde weiß und erlosch. Sie hielt den Knüppel noch immer nach links gedrückt, während die Planetenkante von oben nach unten durch die Scheibe wanderte und ein loses Kabel gegen ihre Hand schlug. Zwei TIEs zogen dicht an ihr vorbei. Ihre hellen Triebwerksöffnungen verschwanden am Kanzelrand, bevor die eigene Drehung Ylaines Blick wieder zum Planeten führte. Sie wartete auf den nächsten Treffer. Die Planetenkante kam zurück, dahinter die Sterne, dann noch einmal der graue Rumpf des Sternenzerstörers. Das Feuer hatte aufgehört. Ylaine fasste den Knüppel neu und zog den Schubhebel zurück. Das Dröhnen aus dem Heck setzte aus, doch die Planetenkante wanderte weiter durch die Kanzel. Sie führte den Hebel vor und zurück, wartete auf das Anlaufen der Triebwerke und hörte nur ein loses Teil gegen die Verkleidung hinter ihrem Sitz schlagen.

V7 antwortete auf ihren Ruf. Unter dem erloschenen Hauptbildschirm brachte er die Schäden auf eine kleine Anzeige. Die Energieversorgung war unterbrochen, der Hyperantrieb ausgefallen und von den Steuerdüsen antwortete keine mehr. Hinter der Kanzel zog ein Stück ihres Flügels vorbei. Die ausgefranste Kante glühte noch an zwei Stellen, während es sich langsam vom Schiff entfernte. Ylaine griff zwischen den Sitz und ihren Oberschenkel nach dem Auslösegriff der Rettungseinrichtung. Er ging bis an den Anschlag. Über ihr knackte es im Kanzelrahmen, dann flammte neben ihrem Knie eine Störungsanzeige auf. V7 meldete, dass die Haube im verzogenen Rahmen festsaß. Sie hielt den Griff noch einen Augenblick gezogen, bis der Schmerz ihr in den Nacken fuhr. Dann ließ sie los. Im Helm rauschte der gemeinsame Kanal der Frachter. V7 hatte die fünf bestätigten Sprünge auf der letzten Anzeige stehen lassen. Darunter sank die Reserve der Notversorgung weiter. Der Droide sendete einen Hilferuf, bekam jedoch keine Antwort. Beim Schlucken klebte ihre Zunge am Gaumen. Sie merkte, wie schnell sie atmete, wie jeder Atemzug oben in der Brust hängen blieb. Unter dem linken Gurt zog eine warme Nässe am Overall entlang und ihr Arm zitterte, obwohl sie ihn auf der Ablage liegen ließ. Ylaine löste die schmerzenden Finger der rechten Hand einzeln vom Knüppel. Sie legte sie auf ihren Oberschenkel und betrachtete die helle Seite des Planeten, die sich wieder vor die Kanzel schob. Zwischen den Wolken lagen breite Feuerflächen, deren Licht die Rauchschichten von unten färbte. Darüber standen die Schiffe, von denen sie hergekommen war. Die nächste Drehung führte sie wieder auf die Sterne.

Sie wollte noch nicht sterben. Ihre Hand schloss sich wieder um den Knüppel. Sie drückte ihn nach vorn und wartete auf die kleine Gegenbewegung des Bugs, bis ihr Handgelenk wehtat und sie ihn zurückkommen lassen musste. V7 gab einen leisen Ton von sich. Ylaine stellte den Lautsprecher höher, um ihn unter dem Rauschen besser hören zu können. Nessa würde dort, wo der Frachter landete, einen Arzt finden müssen. Die Rangerin sah sie noch auf den Knien neben ihrer Kollegin, mit den Händen auf der Decke. Sie hoffte, dass es an ihrem Ziel ein Krankenhaus gab und jemand an der Rampe auf die Verletzten warten würde. Sie sah Nima am Tisch der Wohnung auf Dac vor sich, den Becher zwischen beiden Händen. Wenn Ylaine beim Erzählen zu schnell geworden war, hatte ihre Tante den Kopf ein wenig zur Seite geneigt und gewartet, bis ihre Nichte selbst merkte, dass sie kaum noch Luft holte. Die Rangerin atmete unter Schmerzen aus und wartete einen Moment, bevor sie wieder Luft nahm. Auf Dac musste es jetzt irgendwo regnen, musste Wasser an den Fenstern hinablaufen, während in den Gängen Schritte zu hören waren und jemand eine Tür öffnete, hinter der es nach warmem Essen roch. Sie wollte noch einmal dort sitzen und etwas Warmes trinken. Ihr Blick verschwamm. Sie blinzelte die Nässe fort, doch sie blieb am unteren Lid stehen und machte die Sterne unscharf. Was aus ihren Eltern geworden war, würde sie nun vielleicht nie erfahren. Ob ihre Mutter irgendwo alt geworden war und ob ihr Vater sie erkannt hätte, wenn sie eines Tages vor ihm gestanden hätte. Ylaine schloss die Augen und versuchte, die beiden Gesichter festzuhalten. Aus dem Lautsprecher kam ein schwaches Zwitschern.


„Bleib bei mir.“

Die ersten Töne seiner Antwort waren noch klar zu hören, dann wurde die Tonfolge im Rauschen undeutlich. Ylaine ließ die Augen noch einen Moment geschlossen und hörte V7 zu. Wenn sie jetzt zur Macht zurückkehren musste, hoffte sie, dass Nima dort wäre. Sie begann ihre Atemzüge zu zählen, wie sie es bei den Meditationen auf Ossus gelernt hatte. Beim dritten verlor sie den Rhythmus und fing noch einmal an. Ihre rechte Hand lag wieder auf dem Oberschenkel. Ylaine öffnete die Augen und wartete, bis die Sterne wieder schärfer wurden. Für einige Atemzüge betrachtete sie nur ihre Bewegung. Sie hatte Angst vor dem letzten Augenblick und hoffte, dass es schnell gehen würde. Die Planetenkante erschien wieder über dem Kanzelrand. Diesmal wanderte sie langsamer, blieb beinahe stehen und verschob sich dann seitlich aus ihrem Blick. Ein Ruck ging durch den Sitz, sanfter als die Treffer zuvor, aber fest genug, um ihren Kopf gegen das Polster zu legen. Vor der Kanzel schob sich eine graue Fläche in den Blick, zunächst schräg und von Lichtpunkten übersät, dann breiter, bis sie die gestaffelten Aufbauten dahinter erkannte. Unter dem Rumpf löste sich eine grüne Salve und ging an ihr vorbei zum Planeten. V7 meldete die Erfassung durch einen Traktorstrahl. Ein grauer Sternzerstörer wuchs vor ihr. Ylaines Finger schlossen sich wieder um den Knüppel. Unter der Hülle wurden beleuchtete Öffnungen sichtbar und ihr Atem ging schneller. Sie rechnete damit, dass man sie verhören und danach töten würde. Bei der Vorstellung, welche Schmerzen ihr bis dahin bevorstanden, zog sie den verletzten Arm enger an den Körper und hielt die Luft an. Für einige Augenblicke konnte sie nur auf den näherkommenden Rumpf sehen. Aus dem Lautsprecher kam noch einmal V7s leise Tonfolge. Ylaine atmete aus und lockerte die Finger am Griff. Sie legte die Rechte über den zitternden linken Unterarm und begann ihre Atemzüge wieder zu zählen. Nach und nach löste sich die Anspannung in ihren Schultern.

[M'shinni-Sektor :: Agriworld-2079 :: Raum über dem Planeten :: im Traktorstrahl der ISD-II Authority] Ylaine Vao und V7 im schwer beschädigten XJ3
 
Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Brücke des ISD-II „Authority“ | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Sabar Muraenus (inkognito als Darth Angelus), Commodore Scytale Mentel, Brückenbesatzung (NSCs)

Commodore Scytale Mentel schien bedacht darauf, die Sache eskalieren zu lassen. Ein Bericht an das Oberkommando also wegen dieser…Lappalie? Das konnte überaus lästig werden und das aus Sicht des reinblütigen Sith aus völlig belanglosen Gründen wie dem verletzten Ego eines Offiziers. Ein Detail, das Sedros ganz sicher nicht so schnell vergessen würde. Mentel hatte seine Entscheidung getroffen und jetzt weiter darüber zu diskutieren, erschien ihm nicht allzu sinnvoll. Er würde sich der Sache noch einmal annehmen, falls der Orden die Sache überhaupt zur Sprache bringen würde. Das war ein Problem für später, wenn es denn überhaupt dazu kam. Jetzt einmal beobachtete der reinblütige Sith still das Gebaren des Offiziers, der scheinbar mit aller Macht den Eindruck erzeugen wollte, dass er die absolute Kontrolle über die Situation hatte.

Naturgemäß war der erste Impuls, dem Mann aufzuzeigen, wie sehr er sich irrte und wie wenig Kontrolle er tatsächlich hatte. Genauso selbstverständlich aber unterdrückte
Sedros diesen Gedanken sofort. Er zählte sich nicht zu den unzähligen Sith, die sich von ihren Gefühlen beherrschen ließen und entgegen ihren tatsächlichen Interessen sich bei jeder Gelegenheit Gewaltexzessen hingaben. Nach Mentels verabschiedenden Worten neigte der reinblütige Sith also zum Abschiedsgruß knapp das Haupt. Auch wenn der Mann Sedros aktuell keines Blicks würdigte, so gab es doch unzählige andere Augenpaare auf der Kommandobrücke, die später bezeugen können sollten, dass der reinblütige Sith höflich geblieben war. “Ich danke für die Unterstützung bei dieser Unternehmung. Der Beitrag der Authority zum heutigen Tag war überaus…hilfreich. Lang lebe das Imperium!” Die Worte waren so bewusst gewählt. Der Sternenzerstörer war tatsächlich überaus nützlich dabei, Agriworld-2079 in Schutt und Asche zu legen. Aber das galt nicht im gleichen Maße für Commodore Mentel selbst.

Mentels Kommentar zu der…Begleitung würdigte Sedros dann weder eines Kommentars noch eines Blickes. Die paar Sturmtruppler würden den reinblütigen Sith nicht davon abhalten können, überall dahin zu gehen, wo er hingehen wollte, wenn er es wollte. Darth Angelus’ Verabschiedung nickte Sedros dann nüchtern ab. “Zu gegebener Zeit an einem geeigneten Ort, Darth Angelus.” Die Fahrt im Turbolift entbehrte dann nicht einer gewissen Komik. Die Sturmtruppler in ihren für einen engen Raum doch recht sperrigen Rüstungen hatten so ihre Mühe, zusammen mit dem reinblütigen Sith in der engen Turboliftkabine so zu stehen, dass ihre Autorität nicht vollends verschwand. Der reinblütige Sith schenkte den Männern aber keine Beachtung und wartete stoisch, bis sich die Turbolifttüren wieder im Hangar der Authority öffneten.

Hier ging
Sedros zunächst auf die Schiffe der Death Trooper zu, um sie für ihre gute Arbeit zu loben und sich von ihnen zu verabschieden. Wirklich herzlich war der Abschied nicht, immerhin kannten sich Sedros, Captain Vondar und Lieutenant Arcoum praktisch nicht und berufsbedingt gab es auch einen nicht gerade kleinen Graben zwischen den dreien. Gerade deswegen aber war es dem reinblütigen Sith so wichtig, die Form zu wahren. Die Elitesoldaten arbeiteten nicht zum ersten Mal mit den Sith zusammen und Sedros wollte nicht dazu beitragen, zukünftige Kooperationen zu erschweren. Als der reinblütige Sith sich anschließend umwandte, nahm er nicht ohne eine gehörige Portion Genugtuung zur Kenntnis, wie seine…Begleitung sich angesichts von zwei Zügen von Death Troopern nicht allzu wohl zu fühlen schien.

Ohne weitere Worte ging
Sedros auf den VT-49 Decimator zu, den der Sith-Orden ihm für diese Mission zur Verfügung gestellt hatte. Am Fuß der Einstiegsrampe blieb er kurz stehen und adressierte die Sturmtruppler hinter sich, ohne sich einzuwenden. Für einen Sekundenbruchteil streckte der reinblütige Sith seine Machtfühler aus und bombardierte den Verstand seiner…Begleitung telepathisch mit einer ganzen Reihe an überaus detaillierten Gewaltphantasien, wie sie ums Leben kommen konnten. Der Tod durch Sith war im Zweifel wahrlich eine alles andere als schmerzfreie Erfahrung. “Jeder, der ohne mein Einverständnis das Schiff betritt, wird ein ähnliches Schicksal erfahren. Also seid besser nicht nachlässig in eurer Wache.” Ohne darauf zu warten, dass die Sturmtruppler sich fangen und eine Antwort formulieren konnten, stieg Sedros dann die Rampe hoch und versiegelte hinter sich die Luftschleuse.

An Bord überprüfte Sedros zunächst die im Schiff angebrachten Überwachungskameras. Die Gefangenen schienen weiter gut verstaut zu sein und die KX-Serie Droiden sorgten weiter dafür, dass die Wissenschaftlicher nicht unbeobachtet waren. Der reinblütigte Sith erwartete zwar keine Probleme, aber er wollte diese Leute auch nicht in falsche Sicherheit wiegen. In Kürze würde er sich zu ihnen gesellen, um ihr Gespräch fortzuführen. Zunächst aber wollte
Sedros nach seinem Schüler sehen. Und tatsächlich fand er Darel in zwar erregten, aber durch und durch ansprechbaren Zustand vor. “Sehr gut, mein Schüler.” Der reinblütige Sith trat in die Kapitänskabine. “Sammele dich und dann sag mir, was du hier erlebt hast. Was hast du heute gelernt?” Das kommende Gespräch versprach, weitaus sinnvoller zu werden als das letzte.

Agriworld-2079 | Neue Republik| Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Hangar des ISD-II „Authority“ | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Darel Cor (inkognito als Sith-Schüler Rel), beide an Bord ihre VT-49 Decimator
 
| Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Haupthangar | Dopa Maskey, drei Navy-Trooper, Hangarbesatzung|​


Drei Männer. Das war das Erste, was Craton auffiel, als er die nähere Umgebung seiner Quiet Wager genauer betrachtete. Drei imperiale Navy-Trooper in ihren schwarzen Uniformen, mit den charakteristischen Helmen und Schutzwesten, die sich wenige Schritte von seiner Landefläche entfernt aufgestellt hatten. Ihre Blaster hielten sie in einer Position, die weder unmittelbar bedrohlich noch sonderlich einladend wirkte. Hinter dem rötlich getönten Visier wanderte sein Blick von einem zum anderen. Das HUD reagierte mit dezenten Markierungen. Entfernungen, Ausrüstung, imperiale Kennungen, soweit sie sich aus den empfangenen Signalen zuordnen ließen. Eine knappe optische Identifizierung der Bewaffnung erschien, ehe die entsprechenden Informationen wieder an den Rand seines Sichtfeldes rückten. Interessant. Die drei Soldaten waren nicht zufällig hier. Dafür standen sie zu ordentlich, hielten zu wenig Abstand voneinander und interessierten sich entschieden zu sehr für ihn. Außerdem schien keiner von ihnen die geringste Absicht zu haben, sich wieder seiner eigentlichen Arbeit zuzuwenden. Craton betrachtete sie einen Augenblick, ehe er gemütlich auf sie zuging. Einer der Männer trat einen Schritt vor.
„Sith-Krieger Minara?“
Der Mirialaner neigte den behelmten Kopf ein wenig.
„Kommt darauf an, wer fragt.“
Der Soldat ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen.
„Navy-Sicherheit, Sir. Wir wurden angewiesen, Euch bei Eurer Ankunft in Empfang zu nehmen.“
Craton ließ den Blick demonstrativ über die drei Bewaffneten wandern.
„Dobra. Drei Mann für einen einzelnen Besucher. Ich wusste gar nicht, dass die imperiale Flotte inzwischen so viel Wert auf Gastfreundschaft legt.“
Keine erkennbare Reaktion. Der Wortführer blieb vollkommen sachlich.
„Auf Anordnung des Commodore dürfen sich Angehörige des Sith-Ordens bis auf Weiteres nur in Begleitung von Sicherheitspersonal durch das Schiff bewegen, Sir.“

Hinter dem Visier hob sich eine Augenbraue. Ach? Das war neu. Craton hatte in seiner bisherigen Laufbahn durchaus Bekanntschaft mit imperialen Sicherheitsvorschriften gemacht. Gewöhnlich allerdings von der anderen Seite eines Kontrollpunktes, bevorzugt unter Verwendung eines falschen Namens und mit mehreren Gegenständen im Frachtraum, die eine genauere Untersuchung nicht besonders gut vertragen hätten. Dass man einen Sith-Krieger mit bewaffnetem Personal durch einen Sternenzerstörer begleiten wollte, war dagegen eine interessante Entwicklung. Besonders, wenn ein solcher Sternenzerstörer voller eigener Soldaten steckte. Er betrachtete den Navy-Trooper vor sich.
„Eine Eskorte also.“
Er legte den Kopf geringfügig schief.
„Damit ich mich nicht verlaufe? Oder damit Ihr jederzeit wisst, wo Ihr mich wiederfinden könnt?“
„Sicherheitsanordnung des Commodore, Sir.“

Der Mirialaner musste grinsen. Das erklärte natürlich alles. Und überhaupt nichts. Er verschränkte langsam die Arme vor der Brust, wobei der leichte Mantel ein Stück über die segmentierte Rüstung glitt.
„Verstehe. Und diese ausgesprochen großzügige Regelung gilt schon länger?“
„Sie wurde erst vor Kurzem erlassen, Sir.“

Das Grinsen wurde breiter. Vor Kurzem, eine neue Sicherheitsanordnung. Bewaffnete Begleitung für Sith, auf einem imperialen Kriegsschiff. Craton musste nicht besonders viel Fantasie besitzen, um zu vermuten, dass sich dahinter eine Geschichte verbarg. Allerdings hatte er im Verlauf seiner bisherigen Bekanntschaft mit dem Orden gelernt, dass diese Geschichten gewöhnlich nicht damit begannen, dass sich jemand vorbildlich benommen hatte. Er öffnete die Hände in einer beinahe versöhnlichen Geste.
„Na schön, pateesa. Dann wollen wir dem guten Commodore doch keinen Grund geben, noch mehr Papierkram zu produzieren.“

Er ließ die Arme wieder sinken und wandte sich ein wenig zur Seite. Das HUD zeichnete weitere schematische Markierungen über das Geschehen im Hangar. Ein vorbeifahrender Lastendroide wurde kurz klassifiziert, die Kennung eines abgestellten Transporters erschien und verschwand wieder. Die zahlreichen technischen Signale und imperialen Standardprotokolle boten dem System reichlich Informationen. Es war fast schon unterhaltsam, die Umgebung durch das Visier zu betrachten, fast. Der Helm war noch immer etwas gewöhnungsbedürftig. Besonders das leise Atemgeräusch und die veränderte Wahrnehmung der eigenen Stimme hatten etwas Befremdliches. Andererseits war es durchaus angenehm, den Blick ungestört über die Soldaten wandern lassen zu können, ohne dass diese jede seiner Regungen verfolgen konnten. Und die versiegelte Schutztechnik würde sich möglicherweise noch als ausgesprochen nützlich erweisen. Zumindest, wenn hier noch jemand auf die Idee kam, die nächstbeste Umgebung in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Der Gedanke führte ihn unweigerlich zurück zu Agriworld. Zu den gewaltigen, verwüsteten Flächen, die er beim Anflug gesehen hatte. Und zu jenem Augenblick im Hyperraum, als er etwas gespürt hatte, das sich nicht so einfach in Worte fassen ließ. Der Mirialaner schob den Gedanken vorerst beiseite. Er hatte noch Gelegenheit, sich damit zu beschäftigen. Dann veränderte sich etwas, nicht auf seinem HUD, nicht in den Sensoranzeigen. In der Macht. Craton musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer sich dem Hangar näherte. Diese Präsenz kannte er. Zu gut, um sie mit der eines anderen Sith zu verwechseln. Selbst inmitten der zahllosen Lebewesen auf diesem gewaltigen Kriegsschiff war sie unverkennbar. Stolz, dunkel, von jener eigentümlichen Schärfe, die er schon während seiner Ausbildung nur allzu häufig zu spüren bekommen hatte.

Darth Angelus.

Und wenn er sich nicht vollkommen täuschte, war die Stimmung seines ehemaligen Meisters nicht ganz so ausgezeichnet, wie sie angesichts einer brennenden republikanischen Welt eigentlich hätte sein müssen. Craton warf einen kurzen Blick auf seine drei Begleiter. Eine neue Sicherheitsanordnung, ein schlecht gelaunter Sith-Lord. Die Aussicht auf eine interessante Geschichte wurde von Sekunde zu Sekunde besser. Als sich die schweren Türen zum Hangar öffneten, wandte der Mirialaner den Kopf. Zwischen den zahlreichen Uniformierten erschien eine Gestalt, die er selbst ohne die Macht sofort erkannt hätte. Schwarze Rüstung, schwerer Pelzumhang und jene unverwechselbar selbstbewusste Haltung, als gehöre der gesamte Sternenzerstörer eigentlich ihm. Der Mirialaner beobachtete, wie sein ehemaliger Meister auf ihn zukam. Hinter dem versiegelten Visier erschien ein breites Grinsen. Darth Angelus begrüßte ihn mit einer Offenheit, die Craton beinahe an die gemeinsamen Tage vor seiner Erhebung zum Sith-Krieger erinnerte. Das Lächeln des Adeligen wirkte sogar aufrichtig, wenngleich der prüfende Blick, der anschließend über Rüstung, Helm und Bewaffnung wanderte, natürlich nicht ausblieb. Typisch. Wahrscheinlich hatte er bereits etwas an den Messern auszusetzen. Als sein ehemaliger Meister schließlich erklärte, wie erfreut er über sein Erscheinen sei und dass sie einiges zu besprechen hätten, ließ der Mirialaner einen Augenblick verstreichen.
Dann zog er einen Fuß ein kleines Stück zurück, legte eine Hand vor den Bauch und deutete eine formvollendete höfische Verbeugung an. Zumindest wäre sie formvollendet gewesen, wenn er sich nicht gerade noch rechtzeitig daran erinnert hätte, dass sein Blasterholster eine gewisse Bewegungsfreiheit verlangte.

„MaLorda. Welch außerordentliche Freude, Euch wiederzusehen.“
Er richtete sich wieder auf und breitete die Arme ein wenig aus.
„Selbstverständlich bin ich Eurem Ruf gefolgt. Eine persönliche Einladung auf einen Sternenzerstörer bekommt man schließlich nicht alle Tage.“
Sein behelmter Kopf wandte sich kurz zu den Navy-Troopern, die noch immer in seiner Nähe standen.
„Und sogar mit bewaffnetem Empfangskomitee. Ihr habt wirklich an alles gedacht.“
Ein leises, amüsiertes Schnauben wurde vom Vokabulator des Helms wiedergegeben. Dann trat Craton einen Schritt näher an seinen ehemaligen Meister heran. Die ungewohnte Gestalt hinter der rötlich getönten Sichtscheibe mochte zunächst etwas unnahbarer wirken als der ehemalige Schmuggler, den Darth Angelus kannte. An seiner Art hatte sich allerdings herzlich wenig geändert. Der Mirialaner senkte seine Stimme ein wenig, ohne daraus ein großes Geheimnis zu machen.

„Eine Frage hätte ich allerdings noch, bevor wir uns den wichtigen Dingen widmen.“
Er deutete mit einer kaum merklichen Kopfbewegung in Richtung der Soldaten.
„Was zum Fierfek habt Ihr angestellt, dass uns der Commodore jetzt nur noch mit Aufpassern durch sein Schiff lässt?“

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[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Haupthangar ]
Darth Angelus, Craton Minara, imperiale Soldaten und Hangarpersonal (NPCs)


Die beinahe höfische Verbeugung seines ehemaligen Schülers entlockte Angelus ein amüsiertes Schmunzeln. Offenbar hatte Craton während ihrer Trennung nicht sämtliche Umgangsformen vergessen, wenngleich seine Darbietung einen unverkennbar spöttischen Unterton besaß. Angelus erwiderte die Geste mit einer angedeuteten Verbeugung, die wesentlich zurückhaltender ausfiel. Er neigte lediglich den Oberkörper ein wenig und breitete dabei eine Hand aus, als empfinge er einen geschätzten Gast auf seinem eigenen Anwesen. Eine gewisse Förmlichkeit konnte schließlich auch unter alten Bekannten nicht schaden. Zumal es ihm durchaus gefiel, mit welcher Selbstverständlichkeit sein ehemaliger Schüler ihn noch immer als seinen Meister ansprach.

Die Bemerkung über das bewaffnete Empfangskomitee ließ sein Lächeln allerdings für einen kurzen Augenblick entgleiten. Kaum hatte er die unangenehmen Ereignisse auf der Brücke einigermaßen aus seinen Gedanken verdrängt, musste Craton ihn auch schon wieder daran erinnern. Und dann noch diese Frage, was er denn angestellt habe... Als wäre ausgerechnet er für diesen lächerlichen Zustand verantwortlich. Angelus warf einen kurzen, ausgesprochen missbilligenden Blick auf die imperialen Soldaten. Dass der Commodore mit seiner Anordnung nicht nur ihn, sondern offenbar jeden Angehörigen des Sith-Ordens an Bord unter Generalverdacht stellte, machte die Angelegenheit keineswegs erträglicher. Er hatte sich während des gesamten Zwischenfalls ausgesprochen vernünftig verhalten. Mehr noch, ohne sein Eingreifen hätte die Situation womöglich eine wesentlich unerfreulichere Wendung genommen. Dass er sich nun dennoch mit bewaffneten Aufpassern herumschlagen musste, war eine Zumutung, die er diesem Flottenoffizier so schnell nicht vergessen würde.


"Ich versichere Dir, meine Geduld wurde heute bereits auf eine ausgesprochen harte Probe gestellt."

Mit diesen Worten bedeutete Sabar seinem ehemaligen Schüler durch eine beiläufige Handbewegung, ihm zu folgen und setzte sich in Bewegung. Der schwere Pelzumhang schwang hinter ihm her, während er den Hangar durchquerte. Dass die Soldaten ihnen weiterhin folgten, quittierte er mit demonstrativer Nichtbeachtung. Er würde sich gewiss nicht die Genugtuung nehmen lassen, die Gesellschaft eines alten Komplizen zu genießen, nur weil irgendein Commodore beschlossen hatte, seine Gäste wie Gefangene behandeln zu lassen.

"Wenn ich Dich mit Darth Naver vertraut mache, kann er Dir die ganze Geschichte erzählen."

Angelus verzog bei der Erwähnung seines Ordensbruders kaum merklich den Mund. Weshalb hatte dieser Sith ihnen auch unbedingt den Tag verderben müssen? Es hätte ein geradezu vollkommener Triumph werden können. Die republikanischen Verteidiger waren geschlagen, die Welt unter ihnen brannte und die imperiale Flotte hatte ihre Überlegenheit auf eindrucksvolle Weise demonstriert. Stattdessen war es einem einzelnen Sith-Alchemisten gelungen, das gesamte Geschehen auf der Brücke in eine groteske Auseinandersetzung zu verwandeln. Angelus empfand das noch immer als beinahe persönliche Beleidigung. Immerhin hatte er selbst die Voraussetzungen für diesen Erfolg geschaffen. Es war seine Unternehmung gewesen, seine Initiative, sein Beitrag zum bevorstehenden Sieg des Imperiums. Dass sich nun ausgerechnet andere mit ihren Eskapaden in den Vordergrund drängten, war schlicht unerträglich.

"Der Angriff auf diese Welt war meine Idee. Es ist meine Operation."

Er sprach die Worte mit einer Selbstverständlichkeit aus, als bedürfe diese Feststellung keiner weiteren Erläuterung. Tatsächlich genügte ihm der Gedanke an seine eigene Rolle bei der Vernichtung Agriworlds, um den faden Beigeschmack der vergangenen Minuten allmählich zu verdrängen. Die Ereignisse auf der Brücke waren ärgerlich gewesen, zweifellos. Aber was bedeutete das alles schon angesichts dessen, was er heute erreicht hatte? Der Krieg hatte kaum begonnen, und bereits jetzt konnte er auf Erfolge verweisen, von denen andere Sith nur träumen mochten. Sein Blick glitt für einen Augenblick in die Ferne, während sich seine Mundwinkel erneut zu einem selbstzufriedenen Lächeln hoben.

"Und jetzt, da ich das erste Jediblut des Krieges vergossen habe, wird es nicht mehr lange dauern, bis ich im Orden aufsteige."

Seine Gesichtszüge nahmen bei dieser Aussicht unverkennbar selbstgefällige Züge an. Angelus hatte keinen Zweifel daran, dass seine Leistungen früher oder später die gebührende Anerkennung finden würden. Der Krieg eröffnete Männern seines Schlages Möglichkeiten, wie sie sich in den Jahren des Waffenstillstands kaum geboten hatten. Und er gedachte, jede einzelne davon zu nutzen. Ein Sith, der als Erster einen Jedi erschlug und maßgeblich an der Vernichtung einer republikanischen Welt beteiligt war, würde schließlich kaum auf Dauer in den unteren Rängen des Ordens verweilen. Nicht, wenn er es zu verhindern wusste. Für einen Moment schien die unerfreuliche Begegnung mit dem Commodore tatsächlich vollkommen vergessen.

Schließlich wandte Angelus den Kopf wieder seinem ehemaligen Schüler zu. Die beiden hatten den Hangar inzwischen hinter sich gelassen und bewegten sich durch die breiten Korridore des Sternenzerstörers. Angelus führte Craton zu einem der kleineren Besprechungsräume, die den Offizieren der Authority zur Verfügung standen. Hier würden sie sich wenigstens für eine Weile ungestört unterhalten können. Er betätigte die Türsteuerung und trat ein, ehe er sich noch einmal zu den Soldaten umwandte. Ein kurzer, hochmütiger Blick sollte genügen, um deutlich zu machen, dass ihre Anwesenheit im Inneren des Raumes nicht erwünscht war. Als sich die Tür hinter ihnen schloss, empfand Angelus die wiedergewonnene Privatsphäre als ausgesprochen wohltuend. Endlich konnte man sich unterhalten, ohne dass einem ständig irgendwelche Uniformierten im Nacken saßen.


Der Raum selbst war zweckmäßig eingerichtet. Ein länglicher Konferenztisch, mehrere Stühle und ein eingelassenes Holoterminal bildeten die gesamte Ausstattung. Angelus ließ seinen Blick nur flüchtig darüber schweifen, ehe er sich wieder Craton zuwandte. Nun, da sie endlich unter sich waren, konnten sie sich den Angelegenheiten widmen, derentwegen er seinen früheren Schützling überhaupt erst herbestellt hatte. Die selbstgefällige Heiterkeit wich einer aufmerksameren, geschäftsmäßigeren Miene. Er hatte durchaus Interesse daran, zu erfahren, welche Entwicklungen sich seit ihrem letzten Zusammentreffen ergeben hatten.


"Der Assassinenzirkel hat bereits Fühlung mit Dir aufgenommen, nehme ich an?"

[ Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Orbit – ISD-II Authority – Besprechungsraum ]
Darth Angelus, Craton Minara
 
Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Orbit – ISD-II „Authority“ | Hangar, an Bord des VT-49 Decimators | Darel Cor (inkognito als Sith-Schüler Rel), KX-Droiden und gefangenes Forschungspersonal (NSCs)


Darel wusste nicht, wie lange er schließlich an der Wand der Kapitänskabine sitzen geblieben war. Das Bombardement von Agriworld-2079 dauerte noch immer an, und mit ihm rissen auch jene gewaltigen Wellen aus Angst, Schmerz und Verzweiflung nicht ab, die seit der ersten Salve durch seine Wahrnehmung schlugen. Sie hatten nichts von ihrer eigentlichen Wucht verloren. Verändert hatte sich lediglich Darels Umgang damit.
Was ihn zu Beginn beinahe hilflos überrollt und innerhalb weniger Augenblicke an die Grenzen seines Körpers gebracht hatte, traf ihn weiterhin mit jeder neuen Welle, doch inzwischen besaß er zumindest etwas, woran er sich festhalten konnte. Seine Wut hielt die fremden Empfindungen auf Abstand, ohne sie wirklich fernzuhalten, und erlaubte ihm gerade genug Kontrolle, um in diesem Sturm nicht erneut vollständig unterzugehen.

Gut ging es ihm deshalb noch lange nicht. Sein Untergewand klebte schweißnass am Körper, feuchte Haarsträhnen lagen an seiner Stirn und in seinem Mund hing weiterhin der unangenehme, säuerliche Geschmack vom Würgen und Spucken. Sein Schädel fühlte sich heiß und gleichzeitig schwer an, während ein dumpfer Druck hinter den Augen saß und jede Bewegung eine leichte Benommenheit nach sich zog. Die Muskeln schmerzten, als hätte er stundenlang trainiert, und gelegentlich zog sich sein Magen noch immer so unangenehm zusammen, dass Darel für einige Sekunden einfach sitzen blieb und darauf wartete, bis die Übelkeit wieder auf ein erträgliches Maß zurückging.
Trotzdem hatte sich etwas Entscheidendes verändert. Darel musste nicht mehr bei jeder neuen Welle darum kämpfen, überhaupt zu begreifen, was mit ihm geschah. Er erkannte inzwischen das Muster darin und wusste, wie er reagieren musste, sobald die fremden Emotionen wieder zu stark wurden. Dann konzentrierte er sich auf die Wut, ließ sie bewusst in sich aufsteigen und gab ihr gerade so viel Raum, dass sie ihm Halt verschaffte. Die Angst der Sterbenden blieb spürbar, ebenso deren Schmerz und Verzweiflung, doch sie vermischten sich nicht mehr vollkommen mit seinen eigenen Empfindungen. Es kostete ihn weiterhin enorme Kraft, diese Trennung aufrechtzuerhalten, und Darel spürte deutlich, wie sehr ihn jeder weitere Einschlag auslaugte, aber die Situation war inzwischen beherrschbar geworden.

Noch immer fühlte sich die Macht während des Bombardements wesentlich unmittelbarer an als bei jeder bisherigen Übung, beinahe so, als wäre die Distanz zwischen ihm und der Dunklen Seite auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Das Gefühl war weder angenehm noch kontrollierbar, doch Darel hatte inzwischen aufgehört, sich davor zurückzuziehen. Stattdessen versuchte er, darin zu bestehen und sich an jene innere Spannung zu gewöhnen, die zwischen fremder Angst, eigener Wut und der allgegenwärtigen Schwere der Macht entstanden war.


Auch jene vertraute dunkle Präsenz, die er innerhalb dieses gewaltigen Sturms wahrgenommen hatte, blieb weiterhin irgendwo am Rand seiner Wahrnehmung. Darel konnte keineswegs sicher sagen, dass sie zu Sedros gehörte. Seine Machtsinne waren für derartige Unterscheidungen noch viel zu unausgereift und in unmittelbarer Nähe befanden sich schließlich noch weitere Sith. Trotzdem hatte sich diese Präsenz anders angefühlt als die übrigen Strömungen, schwerer und zugleich seltsam vertraut, ähnlich jener Dunkelheit, die sein Meister in der Vergangenheit bereits mehrmals hatte durchscheinen lassen. Für eine Weile war sie immer stärker geworden, beinahe so, als würde etwas Gewaltiges seine Begrenzungen verlieren und sich ungehemmt ausbreiten, bevor sie plötzlich und entschieden zurückgewichen war.
Darel wusste nicht, was genau dort geschehen war, und nahm sich vor, Sedros später danach zu fragen. Zunächst musste er jedoch irgendwie dafür sorgen, dass sein eigener Körper wieder halbwegs mitspielte. Als er schließlich versuchte aufzustehen, meldete sich die Erschöpfung sofort mit solcher Deutlichkeit zurück, dass er eine Hand gegen die Wand legen musste. Der Boden schien für einen Moment leicht nachzugeben, obwohl er genau wusste, dass sich der Decimator keinen Millimeter bewegt hatte. Darel blieb stehen, atmete langsam durch und wartete, bis der Schwindel wieder nachließ.

Die nächste Welle aus der Macht traf ihn noch währenddessen. Für einen Moment zog sich sein Magen erneut zusammen und kalter Schweiß lief ihm über den Rücken, doch diesmal zwang ihn die Empfindung nicht zurück auf die Knie. Darel schloss kurz die Augen, ließ die Wut über seine eigene Schwäche wieder aufsteigen und hielt sich an ihr fest, bis der Druck in seinem Kopf etwas nachließ. Das Echo war damit keineswegs verschwunden, doch er hatte es wieder unter Kontrolle gebracht.

Sedros hätte vermutlich genug Fehler gefunden, die er ihm vorhalten konnte, und Darel selbst fiel ebenfalls einiges ein, das er beim nächsten Mal besser machen wollte. Dennoch hatte er die Verbindung nicht abgebrochen und inzwischen einen Weg gefunden, dem Echo standzuhalten, obwohl es weiterhin durch ihn hindurchströmte. Seine Wut hatte ihm dabei geholfen, als Ruhe, Analyse und bewusste Selbstkontrolle nicht mehr ausgereicht hatten.
Darel hatte seine Gefühle bisher vor allem dann als kontrolliert betrachtet, wenn sie seine Entscheidungen möglichst wenig beeinflussten. Während des Bombardements hatte gerade dieser Ansatz versagt. Erst nachdem er die Wut über seine eigene Schwäche zugelassen hatte, war wieder etwas in ihm entstanden, das den fremden Emotionen ein eigenes Gegengewicht entgegensetzte. Was genau daraus langfristig werden sollte, wusste er noch nicht, doch er war sich ziemlich sicher, dass er diese Erfahrung weiter untersuchen wollte.

Als sein Blick schließlich durch die Kabine wanderte und auf die wenigen Spuren seiner körperlichen Reaktion fiel, erinnerte er sich wieder an Sedros' Bemerkung über die Reinigung. Trotz seiner Erschöpfung musste Darel kurz schmunzeln.


„Sehr witzig.“, murmelte er leise vor sich hin und begann damit, die kleine Sauerei zu beseitigen, bevor sein Meister Gelegenheit bekam, ihn daran zu erinnern.

Glücklicherweise war es beim Würgen und Spucken geblieben, sodass die angekündigte Generalreinigung ausblieb. Nachdem die Kabine wieder halbwegs ordentlich aussah, führte ihn sein Weg durch die Tür.


Die beiden KX-Droiden standen weiterhin bei den Gefangenen, genau wie er es ihnen aufgetragen hatte. Die Wissenschaftler selbst wirkten allerdings weniger entspannt, und Darel brauchte nur wenige Schritte in den Frachtraum hineinzugehen, um zu bemerken, dass mehrere Blicke auf ihm lagen. Einer der Techniker wandte die Augen beinahe sofort wieder ab, während eine der wissenschaftlichen Assistentinnen ihn etwas länger musterte. Auch der Ithorianer sah zu ihm herüber, und Darel fragte sich unwillkürlich, was genau sie während seiner Meditation mitbekommen hatten.

Die Wände des Decimators waren solide, jedoch keineswegs vollkommen schalldicht. Sein eigener Ausbruch war ihm noch deutlich in Erinnerung geblieben, und insbesondere das zweite, wesentlich lautere „Nein!“ dürfte wahrscheinlich außerhalb der Kapitänskabine angekommen sein. Vielleicht hatten sie auch seine Schläge gegen den Boden gehört oder zumindest genug davon mitbekommen, um zu wissen, dass dort drinnen etwas deutlich weniger Ruhiges vor sich gegangen war als gewöhnliche Meditation.

Darel blieb stehen und ließ den Blick hinter seinem schwarzen Visier langsam über die Gruppe wandern.

„Gibt es irgendetwas Interessantes zu sehen!?“

Seine Stimme klang durch den Modulator kälter und schärfer als gewöhnlich. Mehrere Blicke verschwanden augenblicklich, während der Ithorianer seinen einen Moment länger hielt.
Darel trat einen halben Schritt näher.

„Nein!?“, fragte er ruhig und ließ eine kurze Pause folgen. „Dann würde ich vorschlagen, dass Sie aufhören, mich anzustarren!“


Eine ernsthafte Drohung lag darin kaum, und Darel hatte gewiss nicht vor, jemanden wegen eines Blickes zu bestrafen. Trotzdem gefiel ihm die unmittelbare Wirkung. Die ohnehin verunsicherten Gefangenen schienen plötzlich sehr beschäftigt damit, ihre Aufmerksamkeit überallhin zu richten, nur nicht auf ihn. Ein leises Schnauben entwich Darel unter seinem Helm, bevor er sich den KX-Droiden zuwandte, sich bestätigen ließ, dass es während seiner Abwesenheit keine Zwischenfälle gegeben hatte, und anschließend noch einmal selbst die Fesseln der Gefangenen sowie die gesicherten Proben und Datenträger überprüfte.

Nachdem alles in Ordnung war, blieb ihm lediglich, auf Sedros zu warten.
Doch zuerst begab er sich in die Nasszelle. Darel legte Helm und Rüstung ab, zog das vollkommen durchgeschwitzte Untergewand aus und stellte sich unter die Dusche. Das warme Wasser fühlte sich zunächst beinahe zu heiß auf seiner Haut an, doch nach einigen Sekunden begann sich die verkrampfte Muskulatur langsam zu lösen. Er stützte sich mit beiden Händen gegen die Wand und ließ das Wasser über Kopf und Gesicht laufen, während die Ereignisse des Tages noch einmal durch seine Gedanken zogen.

Seine erste Feuertaufe, die Männer, die durch sein Lichtschwert und ihre zurückgelenkten Blasterbolzen gestorben waren, sowie das Lob seines Meisters lagen erst kurze Zeit zurück. Trotzdem hatte die Meditation einen mindestens ebenso starken Eindruck hinterlassen. Während des Kampfes hatte Darel klare Möglichkeiten gehabt, auf das Geschehen zu reagieren. Er konnte ausweichen, parieren, angreifen und seine Bewegungen anpassen. Das Echo des Bombardements hatte ihm diese vertrauten Werkzeuge vollständig genommen und ihn mit etwas konfrontiert, das sich weder mit Muskelkraft noch mit einer Lichtschwertform lösen ließ.
Gerade diese Hilflosigkeit störte ihn im Nachhinein am meisten. Übelkeit und Schwindel waren unangenehm gewesen, doch sie würden vergehen. Die Erinnerung daran, für einige Augenblicke keinerlei vernünftigen Zugriff auf sich selbst gehabt zu haben, saß tiefer. Beim nächsten Mal wollte Darel besser vorbereitet sein und früher begreifen, welche Möglichkeiten ihm seine eigenen Emotionen boten.

Diese Überlegung brachte eine ruhigere Form von Entschlossenheit mit sich, die ihm inzwischen besser gefiel als die wilde Wut während der Meditation. Er stellte das Wasser ab, trocknete sich ab und zog frische Kleidung an, bevor er seine Rüstung wieder Stück für Stück anlegte. Zuletzt setzte er den Helm auf und ließ die Gesichtsplatte einrasten. Als er die Nasszelle verließ, war er noch immer erschöpft, wirkte aber zumindest wieder präsentabel und bewegte sich deutlich sicherer als unmittelbar nach der Meditation.


Darel ging zurück in Richtung Cockpit und ließ sich auf dem Sitz des Co-Piloten nieder. Aus Gewohnheit überprüfte er einige Anzeigen, obwohl der Decimator sicher im Hangar der Authority stand, und nutzte die Beschäftigung vor allem dazu, die Zeit zu überbrücken. Gelegentlich wanderte sein Blick zu den Außenkameras, die ihm Teile des geschäftigen Hangars zeigten, in dem Techniker zwischen abgestellten Maschinen arbeiteten, Soldaten ihren Aufgaben nachgingen und zurückgekehrte Landungsschiffe überprüft oder neu versorgt wurden.

Für einen Moment spielte Darel mit dem Gedanken, das Schiff zu verlassen und selbst nachzusehen, weshalb Sedros noch nicht zurückgekehrt war. Er verwarf die Idee allerdings schnell. Sein Meister hatte ihm ausdrücklich befohlen, an Bord zu bleiben, und solange dieser Befehl galt, gab es keinen vernünftigen Grund, auf eigene Faust durch die Authority zu laufen.

Von den Ereignissen auf der Brücke wusste Darel nichts. Weder der Zwischenfall mit dem Offizier noch Commodore Mentels Reaktion oder die angeordnete Begleitung der beiden Sith waren bis zu ihm vorgedrungen. Er wusste lediglich, dass Sedros irgendwann zurückkehren würde und dass er seinem Meister einiges zu berichten hatte. Besonders die Meditation beschäftigte ihn weiterhin, denn Darel wollte wissen, ob seine Reaktion für einen Sith-Schüler ungewöhnlich gewesen war, ob jene vertraute Präsenz tatsächlich zu Sedros gehört hatte und ob seine Beobachtung bezüglich der eigenen Wut mehr gewesen war als eine zufällige Reaktion eines überforderten Körpers.
Sedros würde ihm darauf wahrscheinlich keine einfachen Antworten schenken. Sein Meister stellte lieber Gegenfragen, zwang ihn dazu, eigene Schlüsse zu ziehen, und ließ ihn häufig länger über Dinge nachdenken, als Darel lieb war. Diesmal störte ihn diese Aussicht kaum. Seine zweite Mission war erfolgreich gewesen, seine erste Feuertaufe lag hinter ihm und kurz darauf hatte er eine Form der Dunklen Seite erlebt, von der er zuvor kaum mehr als theoretische Vorstellungen besessen hatte. Für einen einzigen Tag war das bereits eine beträchtliche Menge neuer Erfahrungen.

Darel hatte kaum Gelegenheit, diese Gedanken weiter zu ordnen, als sich die Luftschleuse des Decimators öffnete und wenig später die Schritte seines Meisters im Inneren des Schiffes zu hören waren. Die Dusche und die kurze Ruhephase hatten zwar das Äußerste beseitigt, doch Sedros würde vermutlich trotzdem kaum entgehen, wie erschöpft sein Schüler noch war.
Darel richtete sich deshalb etwas gerader auf, als sein Meister zu ihm trat und ihn aufforderte, sich zu sammeln und von seiner Erfahrung zu berichten.
Für einen Moment ließ er sich Zeit, atmete langsam durch und versuchte, all das, was während des Bombardements auf ihn eingeströmt war, in eine Form zu bringen, die sich überhaupt sinnvoll erklären ließ.

„Es war größer und wesentlich stärker, als ich es irgendwie erwartet hatte, Meister.“

Darel sprach ruhig, auch wenn seiner Stimme die Erschöpfung noch anzuhören war. Sein Blick blieb auf Sedros gerichtet, während er versuchte, die Entwicklung seiner Erfahrung einigermaßen nachvollziehbar wiederzugeben.

„Am Anfang habe ich kaum etwas gespürt. Ich dachte bereits, ich würde wieder zu sehr versuchen, etwas zu erzwingen, und dann kam es praktisch ohne Übergang. Ich konnte keine einzelnen Menschen wahrnehmen und auch nicht unterscheiden, woher etwas kam. Es war eher wie eine einzige gewaltige Masse aus Angst, Schmerz, Panik und Verzweiflung, die plötzlich da war und mit jedem Augenblick stärker wurde.“


Während er darüber sprach, kehrte für einen Moment die Erinnerung an jenen ersten überwältigenden Eindruck zurück. Darel zog leicht die Brauen zusammen und suchte nach Worten für etwas, das sich während der Meditation wesentlich unmittelbarer angefühlt hatte, als es sich jetzt beschreiben ließ.

„Irgendwann wusste ich kaum noch, welche Empfindungen überhaupt meine eigenen waren. Mir wurde schwindlig, mein Magen hat sich umgedreht und ich konnte mich kaum noch konzentrieren. Mein erster Impuls war, mich davon abzuschirmen, und für einen kurzen Moment hat das sogar funktioniert.“

Sein Blick fiel kurz auf seine rechte Hand. Die Knöchel waren noch immer leicht gereizt, auch wenn Handschuh und Rüstung davon inzwischen kaum etwas erkennen ließen.

„Dann habe ich mich daran erinnert, dass Ihr mir ausdrücklich gesagt habt, ich solle es zulassen. Also habe ich die Abschirmung wieder gelöst.“

Ein schwaches, beinahe selbstironisches Lächeln erschien unter seinem Helm.

„Das hat meinen Zustand zunächst nicht unbedingt verbessert.“

Der trockene Humor verschwand schnell wieder, als Darel zu jenem Teil seiner Erfahrung kam, der ihn seitdem am meisten beschäftigte.

„Irgendwann wurde ich wütend. Auf mich selbst, weil ich wusste, dass etwas kommen würde, Ihr mich sogar ausdrücklich gewarnt hattet und ich trotzdem kaum damit umgehen konnte. Diese Hilflosigkeit hat mich wahnsinnig gemacht. Vor allem die Tatsache, dass ich für einige Augenblicke praktisch keine Kontrolle mehr über mich selbst hatte.“


Je länger Darel darüber sprach, desto deutlicher wurde ihm erneut, weshalb gerade dieser Moment so entscheidend gewesen war. Seine Wut hatte das Echo keineswegs beendet und auch die körperlichen Reaktionen waren nicht einfach verschwunden, doch sie hatte ihm etwas Eigenes zurückgegeben, an dem er sich festhalten konnte.

„Als ich aufgehört habe, diese Wut zurückzuhalten, wurde es erträglicher. Das Echo war weiterhin da und mir ging es körperlich noch immer beschissen, aber ich hatte wieder einen festen Punkt. Solange ich nur versucht habe, ruhig zu bleiben und alles auszuhalten, hat mich diese Masse aus fremden Empfindungen immer weiter mitgerissen. Mit der Wut konnte ich plötzlich wieder besser auseinanderhalten, was zu mir gehörte und was von außen auf mich eingeströmt ist.“

Darel ließ den Gedanken einen Moment wirken, bevor er weiterredete.

„Ich glaube, ich habe heute zum ersten Mal wirklich verstanden, was Ihr damit meintet, Emotionen nicht einfach zu unterdrücken. Bisher habe ich Kontrolle immer damit verbunden, sie möglichst klein zu halten oder zumindest darauf zu achten, dass sie meine Entscheidungen nicht bestimmen. Heute hat das alleine nicht gereicht.“

Er atmete langsam aus und lehnte sich ein wenig zurück.

„Die Wut hat mir geholfen, mich wieder zu sammeln, und danach hat sich auch die Macht anders angefühlt. Sie war näher als sonst, fast so, als wäre etwas zwischen mir und ihr dünner geworden. Ich konnte dadurch nichts plötzlich besser benutzen und verstanden habe ich sie deswegen auch nicht, aber ich hatte für einige Zeit das Gefühl, wesentlich unmittelbarer darin zu stehen.“

Darel hatte noch immer Schwierigkeiten, diesen Eindruck genauer zu beschreiben. Es war keine neue Fähigkeit gewesen und auch kein plötzlicher Zuwachs an Kontrolle, doch die Distanz, die er während vieler seiner bisherigen Übungen empfunden hatte, war für einige Zeit beinahe verschwunden.

„Irgendwann wollte ich diese Verbindung auch nicht mehr lösen. Mir war vollkommen klar, wodurch dieses Echo entstand und dass ich die Angst und den Schmerz von Menschen wahrnahm, die in diesem Augenblick starben. Trotzdem wollte ich weiter herausfinden, wie weit dieses Gefühl reichte und was ich daraus lernen konnte.“

Diese Erkenntnis beunruhigte Darel inzwischen erstaunlich wenig. Viel stärker beschäftigte ihn eine andere Wahrnehmung, bei der ihm deutlich mehr Unsicherheit anzumerken war.

„Da war außerdem etwas innerhalb dieses ganzen Chaos, das sich von den übrigen Eindrücken unterschieden hat. Ich konnte es kaum greifen und schon gar nicht wirklich zuordnen, dafür reichen meine Machtsinne noch lange nicht aus. Eine der dunklen Präsenzen kam mir allerdings vertraut vor.“

Darel hielt Sedros' Blick und formulierte seine Vermutung bewusst vorsichtig.

„Ich glaube, Ihr wart das.“

Er ließ seinem Meister einen Augenblick, bevor er erklärte, weshalb er überhaupt zu diesem Schluss gekommen war.

„Diese Präsenz wurde während des Bombardements immer stärker und war irgendwann selbst zwischen allem anderen kaum noch zu übersehen. Dann zog sie sich plötzlich wieder zurück, wesentlich schneller als das übrige Echo. Falls Ihr es tatsächlich wart, war das vermutlich das erste Mal, dass ich wenigstens ansatzweise wahrgenommen habe, wie groß der Unterschied zwischen dem ist, was ich gerade lerne, und dem, was Ihr bereits könnt.“

Es lag keine Selbstabwertung in seiner Stimme. Darel stellte lediglich eine Tatsache fest, die ihn eher anspornte, als dass sie ihn entmutigte. Gerade die Vorstellung, irgendwann selbst in der Lage zu sein, sich innerhalb eines solchen Sturms in der Macht zu bewegen, ohne beinahe daran zu zerbrechen, übte inzwischen eine erhebliche Faszination auf ihn aus.
Er senkte den Blick kurz und dachte noch einmal über Sedros' eigentliche Frage nach. Dass eine sterbende Welt ein gewaltiges Echo in der Macht hinterlassen konnte und seine eigenen Machtsinne noch lange nicht ausreichten, ein solches Ereignis wirklich zu erfassen, hatte dieser Tag ihm unmissverständlich gezeigt. Die wesentlich wichtigere Erkenntnis lag für Darel jedoch darin, wie er es überhaupt geschafft hatte, diesem Echo standzuhalten.

„Ich glaube, ich habe vor allem gelernt, dass Kontrolle nicht unbedingt bedeutet, alles in mir zum Schweigen zu bringen. Vielleicht geht es vielmehr darum, zu erkennen, welche Emotion mir in einem bestimmten Moment hilft und wie ich sie nutzen kann. Meine Wut hätte mich genauso gut vollkommen aus der Fassung bringen können, doch heute hat sie mir Halt gegeben.“

Darel hob den Blick erneut zu seinem Meister. In seiner Stimme lag jene nüchterne Entschlossenheit, mit der er gewöhnlich auf etwas reagierte, das er noch nicht ausreichend verstand und deshalb weiter untersuchen wollte.

„Ich möchte lernen, das bewusst zu tun. Wenn sich diese Wirkung wiederholen lässt, will ich meine Emotionen einsetzen können, bevor ich erst an einen Punkt komme, an dem ich beinahe die Kontrolle verliere.“


Nachdem er die Erfahrung nun ausgesprochen hatte, fühlte sie sich zumindest etwas geordneter an, auch wenn die körperliche Erschöpfung dadurch keineswegs verschwunden war. Darel ließ sich ein wenig weiter zurücksinken und konnte sich einen letzten trockenen Kommentar nicht verkneifen.

„Und beim nächsten Mal würde ich es bevorzugen, dabei nicht beinahe Eure Kabine vollzukotzen.“

Ein schwaches Lächeln lag für einen Augenblick in seiner Stimme, ehe er wieder ernster wurde.

„Aber ich würde es wieder tun.“

Diese Antwort kam ohne Zögern. Darel kannte nun zumindest einen kleinen Teil dessen, was ihn bei einer vergleichbaren Erfahrung erwarten konnte, und wusste zugleich, wie deutlich ein solches Echo seine derzeitigen Grenzen sichtbar machte. Gerade deshalb reizte ihn die Vorstellung, eines Tages damit umgehen zu können, ohne zunächst derart überwältigt zu werden.
Das Leid einer sterbenden Welt blieb etwas Gewaltiges und Fremdes, doch innerhalb dieses Echos hatte Darel eine Seite der Macht erlebt, die ihm bisher verschlossen geblieben war. Seine eigenen Emotionen hatten darauf reagiert, und für einige Augenblicke hatte er verstanden, dass sich darin Möglichkeiten verbargen, die weit über seine bisherigen Übungen hinausgingen.

Genau diese Möglichkeiten wollte er weiter erforschen.


Agriworld-2079 | Neue Republik | Mittler Rand – M'Shinni Sektor | Hangar des ISD-II „Authority“ | Sedros Xyrtademus (inkognito als Darth Naver), Darel Cor (inkognito als Sith-Schüler Rel), beide an Bord ihres VT-49 Decimators
 
Der Absatz mit Spoiler kann übersprungen werden, wenn einem die Beschreibung nicht gefällt. : )

[Mittler Rand – M'shinni-Sektor - Agriworld-2079 - ISD-II "Authority" - Besh-Brücke] Commodore Scytale Mentel, Darth Naver, Darth Angelus, Kommandostab (NPCs), Sturmtruppen (NPCs)​

Scytale blickte den beiden Sith nicht nach. Sein Fokus richtete sich weiterhin auf die einst grüne Bauernwelt vor ihm. Die Truppler eskortierten die beiden Sith von der Brücke und es kehrte für den Augenblick wieder Ruhe ein. Sanitäter untersuchten den schwer verletzten Offizier und verbrachten ihn mithilfe einer repulsorbetriebenen Trage zur Krankenstation des Schiffes. Indes schien sich die Besatzung der Brücke wieder zu sammeln.

Kurz atmete der Commodore durch. Ohne das Wort an die inzwischen geschäftigen Stationen zu richten, machte er sich auf in Richtung seiner Kajüte, die nur wenige Meter entlang des Hauptganges zwischen Turbolift und Stabsbrücke lag. Ein Raum ohne Augen. Ein Rückzugsort.

Kaum schloss sich zischend die Tür, lehnte er sich mit dem Rücken gegen sie und atmete tief durch. Er schloss die Augen und hielt inne. Nach außen hin mochte man glauben, er würde den Tod nicht fürchten. Doch das Gegenteil war der Fall. Mit zitternden Händen zog er die schwarzen Handschuhe aus. Seine Handflächen waren feucht, die Innenseiten des Leders vom Schweiß durchtränkt. Er betrachtete sie einen Augenblick lang und stieß ein humorloses Schnauben aus. So viel zum Selbstvertrauen eines Mannes, der sich eben noch zwei Sith entgegengestellt hatte.

Die Handschuhe warf er im Vorbeigehen achtlos auf das Bett. Anschließend betrat er die funktionale Nasszelle und stützte sich am kühlen Metall des Waschbecken ab. Einen Moment verharrte er regungslos, atmete ein und dann langsam wieder aus. Sein Blick wanderte zum Spiegel und erst jetzt gestattete er sich, fernab seiner Untergebenen, die Anspannung aus seinem Gesicht weichen zu lassen. Er drehte den Hahn auf und hielt seine Hände unter den kalten Strahl. Schließlich ließ er etwas Wasser in seinen gewölbten Handflächen sammeln, ehe er sie sich ins Gesicht schöpfte und sich damit wusch.

Seine Gedanken kreisten zurück zu jenem Moment des Schmerzes. Zu dem nicht enden wollenden Hass des Sith, der seinen Verstand überflutete und drohte, seine rationale Kontrolle zu überwältigen. Beinahe war es passiert. Vor seinem inneren Auge erschien erneut dieser schwarze Mahlstrom, der anstelle des Mannes Darth Naver da zu stehen schien. Ein Abgrund aus Hass und Dunkelheit, der ihn beinahe verschlungen hatte. Scytales Magen zog sich zusammen. Bevor er sich dagegen wehren konnte, überkam ihn eine Welle der Übelkeit. Instinktiv sank er auf die Knie und beugte sich über die angrenzende Toilette.

Der beißende Geruch von Erbrochenem breitete sich in der engen Nasszelle aus. Sein Magen entleerte sich unter heftigen Würgereflexen, bis schließlich nur noch Magensäure in die Toilettenschüssel gelangte. Schweißperlen liefen ihm über die Stirn. Seine Knöchel traßen weiß hervor, während er sich mit aller Kraft am Rand der Schüssel festklammerte. Die Säure ätzte furchtbar und hinterließ einen widerwärtigen Geschmack in seinem Rachen. Mühsam ließ er den Toilettenrand los, lehnte sich mit dem Rücken an die Stahlwand. Scytale merkte, wie seine Hände zitterten. Trotz des Gestankes versuchte er seinen Atem zu beruhigen, wenngleich es ihm schwerfiel. Sein ganzer Körper fühlte sich entkräftet an. Mit Mühen betätigte er die Spülung und rann eine Hand über seine Stirn, um den Schweiß wegzuwischen.

In der Spiegelung der verfliesten Bordwand erkannte er unscharf sich selbst wider. Sein Gesicht bleich wie ein Geist.

Er hasste dieses Gefühl ... diese Hilflosigkeit. Diese Angst. Noch mehr aber hasste er, dass er den beiden Sith nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen hatte. Keine seiner Befugnisse, nicht seine Uniforminsignien und erst recht nicht seine sorgfältig gepflegte Selbstsicherheit hatten ihn davor bewahrt, zum Spielball fremder Willkür zu werden.

Der Kontrollverlust Navers hatte ihn beinahe das Leben gekostet. Dabei war es nur einer dieser verdammten Sith gewesen. Angelus hatte beinahe beiläufig erwähnt, einen Jedi getötet zu haben. Was wäre passiert, wenn die beiden beschlossen hätten, ihre Kräfte gemeinsam gegen die Besatzung der Authority einzusetzen? Die Brückenbesatzung, seine Offiziere, die Sturmtruppen – sie alle wären kaum mehr als wehrlose Opfer gewesen. Ein Spielzeug für diese selbstherrlichen Fanatiker des Ordens.

Ein Sternenzerstörer wie die Authority konnte Welten unterwerfen, Flotten vernichten und ganze Systeme in Schutt und Asche legen. Doch was bedeutete all diese Macht, wenn ein einziger Sith auf der Brücke genügte, um dutzende Männer und Frauen in die Knie zu zwingen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken?

Vielleicht war es genau das, was ihn am meisten beunruhigte. Nicht die schiere Macht der Sith, sondern vor allem ihre völlige Unabhängigkeit von all jenen Dingen, auf die Scytale seine Autorität stützte.

Seine Hände und sein Magen schienen sich allmählich zu beruhigen. Trotz des beißenden Geruchs, der in der Luft lag, gelang es ihm schließlich, sich wieder aufzurichten. Der Bastioner wusch sich gründlich die Hände und das Gesicht, ehe er sich die Zähne putzte. Sein Rachen war noch immer gereizt und der widerwärtige Geschmack wollte noch nicht vollständig verschwinden.

Er nahm eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und setzte sich hinter seinen funktionalen Schreibtisch. Das Bombardement der Agrarwelt lief unvermindert weiter und erste Berichte der verschiedenen Schiffe gingen ein. Scytale griff nach einem Glas und schenkte sich das sprudelnde Wasser ein. Während er sich zurücklehnte und das Datapad studierte, nahm er einen langsamen Schluck. Die Kohlensäure brannte unangenehm in seinem Rachen. Seine Schleimhäute waren noch immer angegriffen. Er verzog kurz das Gesicht und stellte das Glas wieder ab.

Die Zahlen und Statusmeldungen boten zumindest einen willkommenen Kontrast zu den Ereignissen auf der Brücke. Hier gab es klare Verhältnisse. Hier fühlte er sich wohl. Schiffsbewegungen, Schadensmeldungen, Munitionsbestände und Einsatzzeiten. Dinge, sich berechnen ließen. Die sich kontrollieren ließen.

Der Bastioner überflog die ersten Berichte und legte das Datapad wieder auf den Tisch. Seine Gedanken waren immer noch nicht bei der Sache. Wieder und wieder kehrte sein Geist zurück zu den Geschehnissen mit den beiden Sith. Mittelfristig würde er sich damit auseinandersetzen müssen, so viel war ihm klar. Nicht jetzt. Nicht, solange der Einsatz lief und seine Kampfgruppe auf seine Befehle angewiesen war. Aber früher oder später würde er Antworten benötigen. Erklärungen. Und, vor allem einen Ansatz, wie sich mit einer solchen Bedrohung eines einzelnen Machtbegabten umgehen ließe.

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[Mittler Rand – M'shinni-Sektor - Agriworld-2079 - ISD-II "Authority" - Kabine des Commodore] Commodore Scytale Mentel​
 
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