[Filmreihe] Harry Potter

Filmwertung "Harry Potter 5" - von 1 (flop) bis 10 (top)

  • 10

    Stimmen: 18 15,1%
  • 9

    Stimmen: 15 12,6%
  • 8

    Stimmen: 33 27,7%
  • 7

    Stimmen: 17 14,3%
  • 6

    Stimmen: 10 8,4%
  • 5

    Stimmen: 7 5,9%
  • 4

    Stimmen: 2 1,7%
  • 3

    Stimmen: 3 2,5%
  • 2

    Stimmen: 1 0,8%
  • 1

    Stimmen: 13 10,9%

  • Umfrageteilnehmer
    119
Was ich mir von der Serie bisher vor allen Dingen erhoffe, ist zum einen die (dann aber auch möglichst buchgetreue) Umsetzung von solchen Aspekten, die es aus künstlerischen oder auch einfach zeitlichen Gründen nicht in die Filme geschafft haben - weiter oben wurde ja bereits Peeves genannt und überhaupt würde ich einfach auch in den späteren Staffeln gerne noch mehr Geister sehen wollen. Zum anderen hat mich an den Filmen immer ein wenig geärgert, dass sich die Reihe für mich nicht immer ganz rund und wie aus einem Guss angefühlt hat - da spreche ich nicht nur davon, dass Hogwarts dann teilweise in unterschiedlichen Filmen anders aussah, sondern z. B. auch von Entscheidungen, gewisse Figuren erst einzuführen, dann aber fallenzulassen, während andere Figuren wiederum eigentlich zu spät eingeführt wurden (nämlich teilweise erst in Film 7 oder 8, wo sie dann irgendwie aus dem Nichts kamen). Dabei darf man sich meiner Ansicht nach z. B. gerne von den Büchern entfernen, wo man glaubt, die interessantere oder auch glaubwürdigere Lösung gefunden zu haben (so fehlt mir bis heute eine Erklärung dafür, warum die Opfer des Basilisken in Band 2 eigentlich nicht ins St. Mungo-Hospital überwiesen worden sind).
 
Der Buch-Snape ist kein cooler Bösewicht, sondern einfach ein ziemlich unangenehmer Lehrer. Kleinlich, unfair, manchmal fast schon gehässig. Man hat nicht das Gefühl, dass viel Größe dahintersteckt. Eher jemand, der seine Machtposition ausnutzt.

Hm, ich weiß nicht. Wenn man Teil 1 erstmals liest/sieht (somit sehr, sehr wenig weiß und noch weniger erahnt, was später noch so alles rauskommt), wird eigentlich recht schnell deutlich, dass hinter Snapes Haltung gegenüber Harry mehr steckt als bloße Antipathie -- wobei natürlich auch Rickmans beeindruckendes Schauspiel das gekonnt untermalt. Das Werk platziert Snape gemäß den Erwartungen des Zuschauers bis zum Showdown mit Quirrell/Voldemort bewusst als vermeintlichen Antagonisten; von ihm geht ständig das Gefühl einer dezent auftretenden, aber deutlich wahrnehmbaren und ernsthaften Bedrohung für Harry aus, die - anders als etwa bei einem Argus Filch, der mittels nächtlicher Touren wirklich nur seine Arbeit macht - nicht mit unfreiwillig komischer Note versehen ist.

Ich weiß noch, wie ich als Kind im Kino vor Schreck den Atem anhielt, als er, die Anwesenheit einer unsichtbaren weiteren Person im Raum ahnend, mit der Hand zuschnappt und nur deswegen ins Leere greift, weil Harry rechtzeitig einen Schritt nach hinten setzte. Erst viel später erfährt man, dass/warum er mit dem Tarnumhang vertraut war...JKR hat die Story über die Jahre auch anhand solcher kleinen Details sehr gut aufgezogen.
 
@Darth_Jango

Ich glaube, wir liegen gar nicht so weit auseinander. Wir setzen nur an leicht unterschiedlichen Stellen an.

Du hast völlig recht damit, dass Severus Snape im ersten Teil sehr bewusst als Bedrohung inszeniert wird. Gerade diese Szene, die du beschreibst, funktioniert deshalb so gut, weil sie dieses Gefühl verstärkt. Da ist jemand, der mehr weiß, als er zeigen sollte, und der jederzeit gefährlich werden könnte. Diese permanente Spannung ist kein Zufall, sondern sauber aufgebaut.

Mein Punkt zielte eher auf eine andere Ebene ab, nämlich darauf, wie diese Bedrohung zustande kommt. Im Buch entsteht sie für mich stärker durch die Perspektive und die gezielte Irreführung der Handlung. Snape wirkt verdächtig, weil vieles darauf hin konstruiert ist, ihn verdächtig erscheinen zu lassen. Gleichzeitig ist sein Verhalten oft ziemlich direkt, unfair, kleinlich und teilweise wirklich gehässig.

Im Film verschiebt sich das ein Stück. Durch Alan Rickman bekommt Snape diese ruhige, kontrollierte Präsenz, die du ja auch ansprichst. Dadurch wirkt das Gefühl, dass mehr dahinter steckt, weniger wie ein erzählerischer Trick und mehr wie eine bewusste, fast schon souveräne Selbstinszenierung der Figur. Man hat eher den Eindruck, dass er genau weiß, was er tut, und nicht nur, dass er verdächtig wirkt.

Dein Beispiel mit Argus Filch passt übrigens sehr gut. Filch ist unangenehm, aber nicht wirklich bedrohlich. Snape dagegen schon, und zwar von Anfang an. Die spannende Frage ist nur, ob diese Bedrohlichkeit eher aus der Konstruktion der Geschichte kommt oder aus der Ausstrahlung der Figur selbst.

Da würde ich weiterhin unterscheiden. Im Buch ist Snape für mich im ersten Band vor allem ein sehr gut gesetztes Rätsel mit unangenehmen Charakterzügen. Im Film wird er zusätzlich zu einer Figur mit Aura.

Beides funktioniert, aber auf unterschiedliche Weise.
 
Ich denke, dieser Unterschied kommt ein Stück weit auch durch die spezielle Perspektive, in der die Potter-Romane geschrieben sind, zustande. Zwar sind es keine Ich-Erzählungen, aber der Erzähler bleibt eigentlich immer* bei Harry, erzählt, was ihm geschieht, und gibt wieder, was ihm durch den Kopf geht, während andere Figuren nur so beschrieben werden, wie sie Harry begegnen. Die Erzählkonstruktion ist also relativ stark daran gebunden, wie sich Harry sein Weltbild konstruiert. Wir bekommen also viel weniger davon mit, wie Snape tatsächlich ist, als vielmehr, wie Harry Snape sieht. Das lässt sich zwar ein Stück weit schon auch auf die Filme übertragen, aber hier greift halt der "Wahrheitsgehalt dessen, was die Kamera zeigt" in der Regel etwas stärker (wenn man mal von einigen experimentellen Filmen absieht, doch solche Experimente hätten der HP-Reihe IMO nicht gut gestanden). Rickman hat für mich immer weniger den Snape gespielt, den Harry sieht, als vielmehr den Snape, wie er sich nun einmal in der Öffentlichkeit gibt.

Schade fand ich in diesem Zusammenhang, dass man ausgerechnet die eine Szene gegen Ende von Band 6, in der Snape mal so richtig aus seiner Haut fährt, nicht in Film 6 übernommen hat. Der Kontrast zwischen der kontrollierten Ruhe, die der Film-Snape sonst versprüht hat, und der blanken Wut, die sich hier zeigt, hätte eben dank des bisher so kontrollierten Spiels seitens Rickman hier sogar noch mehr Wirkung entfalten können als in geschriebener Form. Ich denke, es sind u. a. Szenen wie diese, wegen denen vielen Adam Driver als der perfekte Serien-Snape in den Sinn kam: Er hätte die Figur gewiss so anlegen können, dass diese Wut im Hintergrund immer spürbar gewesen wäre. Das wäre sicherlich ein anderer Ansatz gewesen als im Falle Rickmans, aber es hätte mir als Interpretation der Buchfigur ebenfalls gefallen können. Vielleicht geht man ja mit Paapa Essiedu in eine solche Richtung.

*Nur in einigen wenigen Kapiteln, meist solchen zu Beginn eines Buches, ist das anders.
 
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