Ich blend hier nichts aus. Chameneis "Israel muss vernichtet werden"-Rhetorik nehme ich absolut ernst. Das sind keine leeren Worte, sondern eine radikalislamische Staatsdoktrin. Es steht absolut außer Frage, dass dieses Regime seine eigene Bevölkerung verfolgt und brutal ermordet hat. "Frau, Leben, Freiheit" – die Antwort darauf war auch Mord. Das war unfassbar und verstößt gegen sehr, sehr viele Rechte.
Ja, klar, ich sitze hier in Frieden auf meiner Couch – und dennoch darf ich schreiben, was meine Gedanken dazu sind. Das machst du und andere ja auch. Von der sicheren Couch. Wird deine Ansicht nun besser, weil du eher gutheißt, was geschehen ist? Oder mehr verstehst? Weil Chamenei es verdient hat, tot zu sein? Das schwingt halt auch jedes Mal mit, wenn hier gesagt wird, dass es arrogant sei, das alles nicht zu sehen.
Ja, ganz ehrlich: Mich macht sein Tod nicht traurig.
"Es gab keine Bombe" ist ja nur ein Teil der Argumente. Es gab angereichertes Uran und eine Menge Wahrscheinlichkeiten. Man kann also sagen, dass ein Präventivschlag auf eine Wahrscheinlichkeit gefolgt ist. Das ist, egal wie man es dreht, ein klarer Bruch des Völkerrechts. Kein UN-Mandat, kein unmittelbarer Angriff, keine rechtliche Grundlage. Eine Risikoabwägung, getroffen von zwei Staaten, die sich selbst zum Richter ernannt haben.
Und bei allem Respekt, wir reden hier auch von einer israelischen Regierung, in der Politiker mehrfach gesagt haben, dass sie Palästina vernichten wollen. Und von den USA, die sich auch nicht immer mit Ruhm bekleckert haben.
Ich versteh das Argument, dass wer wartet bis die Bombe fertig ist, keine Optionen mehr hat. Wirklich. Aber "das Ziel war gut" war noch nie eine ausreichende Rechtfertigung. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.
Wenn wir anfangen, Völkerrechtsverstöße dann okay zu finden, wenn uns die Motivation sympathisch ist, oder wenn die Motivation vielleicht sogar gut ist, sägen wir an dem einzigen Regelwerk, das wir haben. Und der Präzedenzfall, der hier gesetzt wird, geht weit über Iran und Israel hinaus. Jeder Staat kann genau dasselbe Argument nutzen.
Das bedeutet nicht, dass der Iran harmlos war. War er nicht. Aber eine Sache falsch zu finden heißt eben nicht, dass die Reaktion darauf automatisch richtig ist, nur weil sie von den vermeintlich "richtigen" Leuten kommt, oder weil es die vermeintlich richtige Person getroffen hat.
Edit: Niemand hat behauptet, dass der Angriff grundlos war, und niemand hat gesagt, er habe Verständnis für dieses Regime.
Dass dieser Angriff eine Wirkung auf andere haben kann oder wird – was ist damit? Spielt das keine Rolle? Sorry, aber wenn wir schon dem einen vorwerfen, einseitig zu sein, dann sollte man auch die eigene Einseitigkeit in Betracht ziehen.
Edit: Leider ist dein Beitrag weg,
@Steven Crant