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Tirahnn

Dieses Thema im Forum "Projekt Star Wars Rollenspiel" wurde erstellt von Eowyn, 30. Januar 2018.

  1. Eowyn

    Eowyn Kleines Molekül in einem großen Universum Premium

    Tirahnn
    __________________________

    [ Infos zum Planeten: Tirahnn (engl.) | Tirahnn (dt.) ]

    [ Zugehörigkeit: Imperium ]


    Terrestrischer Planet mit normaler Gravitation und gemäßigtem Klima. Tagesdauer: 28 Stunden.

    Landschaft: Ebenen, Berge, Wälder

    Bevölkerung: 9 Milliarden (60% Menschen)

    Besonderheiten und Traditionen
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Mai 2018
  2. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

    [Tirahnn - Rhovan - Heim der Familie Amroth] Mellah, allein

    Mellah zog ihre Schlüsselkarte durch den dafür vorgesehenen Schlitz, während Tüten an ihrem Arm baumelten und sie mit der anderen Hand den empfindlicheren Kuchen balancierte. Kaum war sie im Inneren ihres Heims angekommen, ließ sie die Tüten erleichtert zu Boden sinken und stellte das Kuchenpaket vorsichtig auf der Kommode zu ihrer Linken ab, bevor sie die Tür mit dem Fuß schwungvoll hinter sich zuwarf. Der nächste Weg führte sie gleich in das kleine Notfall-Badezimmer neben dem Eingang - das Einkaufen hatte einmal wieder länger gedauert, als sie gedacht hatte. Nur wenig später zog sie sich ihre Schuhe und die Jacke aus, räumte beides fein säuberlich an die dafür vorgesehenen Plätze und begann, ihre Einkäufe sowie den Kuchen in die Küche zu tragen und sie zu verräumen. Eine halbe Stunde noch... dann würde Déor von der Schule heimkommen. Genug Zeit, fand Mellah, um sich für fünf Minuten hinzusetzen, bevor sie sich ans Kochen machte. Das hatte sie nach ihrer 14-Stunden-Schicht verdient.
    Mit einem Aufseufzen sank sie auf dem tiefblauen Sofa nieder, nur, um im nächsten Moment von einem Quietschen erschreckt zu werden. Da drückte etwas an ihrem Hinterteil...


    "Brega!!!"

    Mellah hob ihren Po und zog den Quietscheclown hervor, eines der vielen Lieblingsspielzeuge ihrer vierjährigen Tochter. Die es noch nicht ganz drin hatte, ihre Spielsachen auch da hin zu räumen, wo sie hingehörten - wenigstens in ihr eigenes Zimmer! Aber in der Hinsicht kam sie einfach leider weder nach ihrer Mutter, noch nach ihrem Vater. Wo die kleine Chaotin das nur her hatte... Einen Moment sah Mellah Miris chaotisches Zimmer vor sich, in dem sich Bücher, Kleidung, Kram und noch mehr Kleidung stapelten, und musste lächeln. Wenn sie es nicht besser wüsste... Warum auch immer sie heute an ihre frühere beste Freundin denken musste. Das hatte sie seit Wochen nicht mehr getan.
    Aufseufzend lehnte sie sich zurück und genoss die wenigen Minuten Stille für den heutigen Tag. Die Schicht war anstrengend gewesen... Mehr Notfälle als sonst, auch wenn die meisten harmlos gewesen waren. Nur die kleine eineinhalbjährige... Naja, sie würde morgen sehen, ob sie es geschafft hatte. Jetzt lag es leider nicht mehr in ihrer Hand, sie hatte getan, was sie konnte.
    Plötzlich spürte sie ein schweres Gewicht auf ihrem Schoß - Aldor, das war ja klar. Der Perootu-Kater hatte ein untrügliches Gespür dafür, dass jemand gerade auf dem Sofa saß, und verlangte regelmäßig seine Krauleinheiten. Kleiner verzogener König...


    "Nur eine Minute jetzt. Sonst darfst du dir später Déors Gemecker anhören, dass er doch soooo viel Hunger hätte, und er doch driiiingend etwas zu essen braucht, weil die Schule ja schließlich so aaaaanstrengend war..."

    Mellah legte ihre Hand auf das Fell des Katers und begann, ihn zu kraulen, was dieser immerhin mit einem seeligen Schnurren quittierte. Am liebsten würde sie noch eine ganze Weile hier sitzen, aber wenn sie gleich nicht selbst das Gemecker ihres neunmalklugen Siebenjährigen hören wollte...

    "Tut mir Leid, Aldor. Auf mit dir, hopp!"

    Der Kater machte natürlich keine Anstalten, seinen wohligen Platz zu verlassen, und so griff Mellah nach ihm und setzte ihn aufs Sofa.

    "Meinetwegen bleib dann eben hier, du fauler Kater..."

    Mit einem Aufseufzen erhob Mellah sich. Die Küche rief... Eindeutig. Sie war dank Aldor schon ein wenig spät dran. Nun ja, dann musste Déor eben ein wenig Geduld zeigen. Nicht gerade seine Stärke, und normalerweise verhinderte sie das an Tagen wie diesen, um ihretwillen, aber dann musste sie heute da eben durch. Und außerdem gab es gleich eines seiner Leibgerichte, da sollte er sich mal nicht so haben...
    Aldor blieb natürlich nicht auf dem Sofa, das hätte sie sich denken können. Nein, er folgte ihr in die Küche, doch Mellah ignorierte ihn gekonnt. Er wusste genau, dass es momentan noch nichts für ihn gab... Freches Tier. Man konnte es ja mal versuchen.
    Mellah brachte das Nudelwasser zum Kochen und machte sich nebenbei an die aufwendigere Soße. Immerhin ein Gericht, in das man gut Gemüse schmuggeln konnte... wie die meisten Kinder, hielt Déor nicht sonderlich viel davon. Und richtig, viel zu früh tönte die Klingel. Die Töpfe kurz im Stich lassend, drückte die Ärztin auf den Türsummer, nur, um dann wieder zurückzuhuschen.

    "Essen ist bald fertig, Déor!", rief sie in den Eingangsbereich hinaus. "Wasch dir schon mal die Hände!"

    Das Poltern machte deutlich, dass ihr Sohn es mit dem Schuhe hin"stellen" mal wieder nicht so genaunahm, und er stand viel zu schnell in der Küche, um ihrer letzten Aufforderung Folge geleistet zu haben.

    "Ist das Essen etwa noch nicht... mmmmmh - Würstchennudeln!"

    Déors Gesicht strahlte, während er Aldor seine eingeforderten Krauleinheiten verpasste, und Mellah drehte sich zu ihm um, ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht, den Kochlöffel drohend in der Hand.

    "Nur für Kinder mit sauberen Händen!"

    Déor verdrehte die Augen, verzog sich aber wieder aus der Küche, um wohl im Blitztempo die Hände zu waschen, wie es klang. Ob überhaupt Wasser an seine Haut gekommen war? Mellah schüttelte halb verzweifelt den Kopf. Wenn sie als Ärztin es nicht schaffte, ihrem Sohn etwas derartiges beizubringen, wer dann?

    "Du kannst schon mal die Teller auf den Tisch stellen und das Besteck herausholen, dann geht's schneller!", rief sie ins Wohnzimmer hinaus.

    Kurz darauf hörte sie das Tellerklappern. Kein Wunder, Würstchennudeln lockten ihren Sohn doch immer wieder zum Helfen hervor... auch wenn sie ihm das Gericht so oft kochte, dass Mellah eigentlich schon dachte, dass es ihm zum Hals heraushängen musste. Aber das würde wohl nie passieren.
    Sie stutzte, als es erneut an der Tür klingelte. Tharen würde erst später kommen, nach dem Mittagsschlaf der Kleinen in der Tageseinrichtung... Die Post kam morgens. Wer dann?

    "Déor, kannst du mal eben nachsehen?"

    Der Moment war jetzt doch eher ungeschickt. Die Nudeln würden verkochen, wenn sie sie jetzt nicht herausholte, und die Soße sollte ebenfalls nicht verbrennen.

    "Da will jemand was von dir, Mama!" Déors Stimme klang genervt - logisch, seine Würstchennudeln würden so noch länger dauern... "Ein Mann. Mit einem Päckchen!"

    "Kann er es nicht dir geben?"
    Wer auch immer jetzt ein Päckchen brachte - ein Kurierdienst vielleicht, fürs Krankenhaus? Hatte sie etwas vergessen? Eigentlich fiel ihr nichts ein...

    "Nö, er darf es nur dir geben. Und du brauchst deine ID, sagt er!"

    Stirnrunzelnd sah Mellah auf. Ihre ID? Die hatte sie noch nie benötigt... okay, doch, ein einziges Mal, da war es um wichtige medizinische Dokumente gegangen. Vielleicht wieder ein Fall? Irgendetwas, womit sie im Krakenhaus nicht weiterkamen? Die kleine eineinhalbjährige? Vielleicht hatte sie schlicht ihr Komlink überhört.

    "Eine Sekunde!"

    Die Nudeln waren schon längst abgegossen, jetzt nahm Mellah noch schnell die Soße vom Herd und schaltete jenen aus, erst dann verließ sie die Küche und suchte nach ihrer Handtasche. Wo hatte sie sie vorhin... richtig, auf dem Sofa.
    Mit der Tasche in der Hand, betrat sie den Eingangsbereich, wo Déor vor der Eingangstür stand, die mit einer altmodischen Kette auf Kinderhöhe gesichert war. Schön... langsam begann er, es zu kapieren. Früher war all das nicht nötig gewesen, in ihrer Kindheit waren die Türen in Rhovan oft sogar unverschlossen gewesen. Aber seit dem Imperium... sicher war sicher.

    "Gehst du bitte den Tisch weiter decken?"

    Sanft schob sie Déor von der Tür weg. Wer wusste schon, wer genau das vor der Tür war? Ihr Großer sollte lieber nicht hierbleiben. Auch hier... sicher war sicher.

    "Danke für deine Hilfe... aber Finger weg von der Soße, das meine ich ernst!"

    Kaum war Déor weg, wandte sich Mellah dem Fremden vor der Tür zu. Das war nicht der übliche Postbote, auch trug er keine Kurieruniform - nein, sie würde die Kette sicher erst einmal nicht lösen.

    "Was wollen Sie?"

    "Mellah Amroth? Ich habe ein Päckchen für Sie... und zwar nur für Sie."

    Der Bote sah nicht so aus, als ob er sie gleich umbringen würde, aber wer würde ihr schon ein Päckchen schicken, dass alleine sie annehmen durfte? Mellah runzelte die Stirn. Bevor sie irgendjemandem ihre ID zeigen würde...

    "Von wem?"

    Fragen war in der Regel die einfachste Methode. Auch in der Medizin... die richtigen Fragen zu stellen, war die halbe Arbeit. Wenn nicht sogar noch mehr.
    Der Fremde zögerte einen oder zwei Momente, ohne sich dabei zu bewegen - doch Mellah hatte das Gefühl, dass er durch sie hindurchsah. Erst dann redete er weiter, flüsterte aber beinahe. Bei den Märkten, was war hier los? Erlaubte sich jemand einen Scherz mit ihr?

    "Von... Lianna."

    Lianna? Sie kannte niemanden auf Lianna. Lianna war ein völlig unbedeutender Planet, niemand schien sich dafür zu interessieren. Ja, man munkelte, nach dem letzten Krieg seien die Jedi...
    Mellah hielt sich an der Wand fest. Konnte das sein? Aber wieso... so? Wieso kam sie nicht einfach vorbei? Weil Tirahnn mittlerweile eine imperiale Welt war. Weil sie sich hier vielleicht nicht blicken lassen konnte... weil sie... aus anderen Gründen nicht konnte. Es gab viele Gründe... Wichtiger war vielleicht auch... wieso jetzt? Wieso jetzt, nach so langer Zeit?
    Fahrig kramte sie ihre ID aus ihrer Handtasche, hielt sie dem Kurier hin, der, wie sie mittlerweile vermutete, womöglich selbst ein Jedi war... wusste er etwas? Selbst wenn, würde er wohl nichts sagen... er sagte noch nicht einmal, von wem
    genau das Päckchen war. Er nickte, und erst jetzt realisierte Mellah, dass der Türspalt wohl zu klein war, um mehr als einen dicken Briefumschlag anzunehmen. Stumm löste sie die Kette und nahm das Objekt entgegen. Es war wirklich nicht groß... viel konnte nicht darin sein. Aber daraüber zu spekulieren brachte nichts.

    "Danke", brachte sie schließlich hervor, betrachtete das Päckchen, das weder Anschrift noch Absender trug. Was bitteschön war hier eigentlich los?
    "Danke, könnten Sie..."

    Mellah blickte wieder auf, doch vom Fremden sah sie nur noch den Rücken, der sich vom Haus entfernte. Wohl nicht so gesprächig, der Mann... Andererseits war Bote spielen vermutlich auch nicht seine Hauptaufgabe. Ob er wusste, wie es ihr ging? Ob er sie kannte? Mellah starrte ihm hinterher, bis eine Stimme in ihrem Rücken sie an die Wirklichkeit erinnerte.

    "Mamaaaa, wann kommst duuuu, die guten Nudeeeeeln!!!"

    Jetzt war wohl Déors Geduldsgrenze überschritten, und mit einem Ruck wandte sich Mellah von der Tür ab. Das Rätsel musste noch ein wenig warten - jetzt war erst einmal ihr Sohn an der Reihe. Das Päckchen unter den Arm geklemmt, kehrte sie ins Wohnzimmer zurück.


    [Tirahnn - Rhovan - Heim der Familie Amroth] Mellah, Déor
     
  3. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

    [Tirahnn - Rhovan - Heim der Familie Amroth] Mellah, Déor

    Déor saß schon am Tisch und sah sie erwartungsvoll an, als Mellah ins Wohnzimmer zurückkehrte.

    "Die Nudeln sind bestimmt schon kalt!!!"
    , kam der missgelaunte Vorwurf, und Mellah richtete ihre Gedanken wieder auf das Hier und Jetzt.
    "Eine Minute, okay?"

    Sie lächelte ihrem Sohn zu, stellte Päckchen und Handtasche auf das Bord und holte die Nudeln und die Soße aus der Küche. Letztere rührte sie noch einmal um, bevor sie ihrem Großen eine Portion auflegte.

    "Mehr, Mama!"

    Gierig starrte Déor vor allem auf die Soße, aber Mellah schüttelte lachend den Kopf.

    "Ich kenne dich, du kleines Monster. Erst mal die eine Portion, und wenn du dann noch Hunger hast, dann kriegst du noch was, in Ordnung? Papa will auch noch was abhaben, und deine Schwester vielleicht auch."

    Je nachdem, was es in der Tageseinrichtung zu essen gegeben hatte, würde Brega Hunger haben. Und Tharen sowieso, er wartete mit seinem Mittagessen, wenn er Brega abholte.
    Sie setzte sich und nahm sich selbst etwas. Mittlerweile war sie ziemlich ausgehungert, eine Schicht laugte sie noch immer ein wenig aus. Es war anstrengend, so lange konzentriert zu bleiben, andauernd aus dem Schlaf geweckt zu werden - oder womöglich gar nicht erst in den Schlaf zu kommen.

    "Wie war es in der Schule?"

    Während Déor ihr einen neuen, hoch anspruchsvollen und lustigen Witz erzählte (den sie selbstverständlich mit ausreichend Lachern kommentierte), empört berichtete, wie seine Lehrerin es gewagt hatte, eine Minute länger Unterricht zu machen und dann weit ausholte, um den genauen Ablauf des Pausenspieles Jungs gegen Mädchen zu beschreiben, vergaß Mellah kurzzeitig das Päckchen und seinen mysteriösen Inhalt. Doch kaum stand sie auf, um den Tisch abzuräumen, fiel ihr Blick wieder darauf, und ihre Neugierde erwachte von neuem. Neugierde - und auch ein kleines bisschen Sorge. Nicht, dass ihr etwas zugestoßen war? Dieses Virus, dass da auf Coruscant grassierte... war sie vielleicht gerade dort? Vielleicht wollte sie nur ein paar Tipps, wusste, dass sie Ärztin geworden war... Das konnte durchaus sein. Sie wollte eventuell kein Risiko eingehen, sie auf den normalen Wegen zu kontaktieren, das konnte durchaus Folgen haben. Auch wenn es ein normaler Brief sicher auch getan hätte.
    Allerdings würde sie sie dann enttäuschen müssen, leider... Viren waren absolut nicht Mellahs Spezialgebiet.

    "Déor, setzt du dich an deine Hausaufgaben, bitte?", ermahnte sie ihren Sohn, der verdächtig die Richtung Holoschirm eingeschlagen hatte.

    "Och Mamaaaa..."


    Die treuherzigen Augen starrten sie bittend an, und sie wäre verdammt, wenn Déor auch nur ahnte, wie sehr sie jedes Mal kämpfen musste, ihnen zu widerstehen.

    "Nichts da. Du wirst froh sein, wenn du die Aufgaben gemacht und dann frei hast, das weißt du." - "Eine halbe Stunde nur, bitte!"

    Mellah gab sich Mühe, seinen bettelnden Tonfall zu ignorieren, genauso wie seine leidende Miene. Kind zu sein war wirklich ein hartes Leben.

    "Du weiß, was ich davon halte. Deshalb - Abmarsch!"

    Déor zog einen Flunsch, gab aber die Diskussion als verloren auf, schnappte seine Schultasche und ging vor sich hinbrummelnd die Treppe zu seinem Zimmer hinauf.
    Mellah wartete, bis die Tür zu seinem Zimmer sich hörbar geschlossen hatte, dann nahm sie das Päckchen vom Bord und setzte sich damit aufs Sofa. Nachdenklich betrachtete sie es. Der Bote hatte gesagt, es käme von Lianna... aber was, wenn es das gar nicht tat? Was, wenn es jemand auf sie abgesehen hatte, warum auch immer? Sie war eine gute imperiale Bürgerin - niemals begehrte sie auf, sie tat, was von einem normalen Bürger verlangt wurde. Aber Tharen... Tharen war nicht immer ganz so vorbildlich. Hinter verschlossenen Türen zumindest nicht... Sie billigte es, konnte sie es doch verstehen, und sie hatten sich geeinigt, dass zumindest
    einer von ihnen etwas tun konnte, nicht aber beide. So konnte wenigstens sie für die Kinder sorgen, falls ihm etwas zustieß.
    Aber was, wenn nun wirklich jemand davon Wind bekommen hatte? Tharen war vorsichtig, das wusste Mellah - er liebte sie und die Kinder, er würde nie etwas tun, das ihn in Gefahr brachte, außer der Tatsache an sich, dass er eben kritisch war. Doch Zufälle gab es immer... vielleicht wollte ihm jemand schaden, vielleicht steckte in diesem Päckchen nichts von Miri, sondern etwas wesentlich... gefährlicheres?
    Mellah wurde blass und schalt sich selbst, dass ihr das nicht früher gekommen war. Das Päckchen hatte die ganze Zeit im Wohnzimmer gestanden, näher an Déor als an ihr. Sie war unbedacht gewesen, aber wer konnte schon mit so etwas rechnen? Öffnen würde sie es hier drin also auf keinen Fall.

    "Déor?" Ihe Stimme hallte durch das Haus. "Ich bin eben in der Garage, falls du mich suchst!"

    Unverständliches Gemurmel kam aus dem Zimmer zurück, das reichte, um ihr zu bestätigen, dass er sie gehört hatte.
    Wenig später betrat sie die Garage, in der mittlerweile alles mögliche stand, nicht aber ihre Speeder. Hauptsächlich Sachen der Kinder - Dinge, die sie nicht mehr nutzten, Dinge, die sie draußen nutzten, Dinge, die repariert werden mussten. Hier setzte Mellah sich auf eine Kiste voller Sandspielzeug und betrachtete das Päckchen noch ein paar Momente mit pochendem Herzen, dann öffnete sie es entschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es etwas negatives enthielt, war logisch gesehen wirklich sehr gering... Und schließlich hielt sie tatsächlich ein simples Datapad in der Hand. Na also, da war sie umsonst ängstlich geworden. Oder würde das Ding etwa explodieren, wenn sie es anmachte?
    Sie war albern.
    Und ein Angstnuru.

    Trotzdem kniff sie die Augen zusammen und rechnete mit dem Schlimmsten, als Mellah den Startknopf drückte. Aber nichts geschah, zumindest nichts außergewöhnliches. Das Datapad aktivierte sich schlicht, und ein paar Sekunden später leuchtete
    "Passwort eingeben" auf. Sie runzelte leicht die Stirn und fragte sich, wie sie nun bitteschön auf das Passwort kommen sollte, als der Schriftzug auch schon verschwand und einem neuen Platz machte - genauer gesagt, einer Frage.

    "Nennen Sie Miris Wunschnamen für ihre Töchter in der korrekten Reihenfolge, es bleibt noch ein Versuch"

    Jetzt war es klar.
    Erleichtert atmete Mellah auf. Das hier
    konnte nur von Miri sein, niemand sonst würde ein so blödes Passwort wählen, wirklich nicht. Außerdem wusste ohnehin keiner davon Bescheid. Zumindest nicht, wenn Miri nicht getratscht hatte, und das konnte sie sich irgendwie nicht vorstellen.
    Jetzt durfte ihr Kopf sie nur nicht im Stich lassen. Ein Versuch... das hieß, wenn sie es falsch eingab, dann kam sie nicht mehr heran? Ein Profi vielleicht schon, aber sie...? Lilly und Daisy waren die beiden Namen gewesen, da war sie sich sicher. Aber... wirklich Lilly und Daisy, oder nicht doch Daisy und Lilly? Verflixt, das alles war schließlich schon so lange her... Lilly und Daisy... Daisy und Lilly... Lilly und Daisy...
    Mellah murmelte die Namen mehrmals vor sich hin, bevor sie sich für eine Reihenfolge entschied und diese vorsichtig, mit Bedacht und zehnmaliger Kontrolle eingab. Noch fünf Mal las sie das Getippte durch, bevor sie die Eingabe bestätigte.

    Kurz dachte sie, dass sie einen Fehler gemacht hatte, denn das Datapad brauchte zu lange, um etwas anzuzeigen, dann aber öffnete sich eine einzige Datei, und Mellah atmete erleichtert aus. Ihr war überhaupt nicht klar gewesen, wie sehr sie die Luft angehalten hatte. Mensch, Miri... musste sie immer alles so spannend machen? Das war so typisch! Hätte ein normaler Brief es nicht auch getan? Das hier war eine Textdatei... nun wirklich nichts besonderes. Das wäre doch wirklich anders gegangen! Sie war gerade sicher um zehn Jahre gealtert vor lauter Angst und Anspannung.
    Trotzdem wollte sie jetzt wissen, was in diesem Brief drinstand, wegen dem Miri solche Aufstände gemacht hatte. Und wehe, das hier war nicht wenigstens eine Nachricht im Bereich von... ach, sie wusste es nicht, aber wehe, es stand nichts wirklich wichtiges darin! Dann würde sie höchstpersönlich nach Coruscant reisen und ihr den Kopf waschen.

    Sie nahm das Datapad, machte es sich zumindest ein bisschen gemütlicher und begann zu lesen.


    [Tirahnn - Rhovan - Heim der Familie Amroth, Garage] Mellah
     
  4. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn - Raumhafen -] Riuen

    Der Flug und die Landung verliefen unproblematisch. Riuen gab Pfuh ein paar Credits (Ian hatte ihm eine kleine, stolze Menge mitgegeben) und befand Tirahnn schließlich, als er gelandet war, als netten Planeten. Auch der Raumhafen war nett, aber diesen Bauten hatte der Chiss schon immer etwas abgewinnen können. Raumhäfen verbanden und bestimmt gab es keinen Tag, an dem es an einem Raumhafen nicht mindestens eine herzerwärmende Geschichte gab. Wenn Riuen ein Gebäude wäre und sich dieses aussuchen könnte, er wäre ein Raumhafen gewesen. Spezies, die sich nach Wochen, vielleicht Jahren wieder sahen. Wesen, die endlich zurück zu ihrer Heimat kehrten, sicher, da waren auch eine Menge Dramen, aber was brachte es schon, den Blick ständig auf das zu lenken, das schief ging oder schlecht war? Davon wurde nichts gerade und nichts besser. Er selbst hätte sich ebenfalls beschweren können darüber, wie unbequem dieser Fettanzug war. Stattdessen erinnerte dieses Teil ihn daran, dass er niemals real solche Körperformen annehmen wollte. Sich nicht mehr richtig bücken zu können war sicher kein Vorteil, aber mit dem Holz am Bein ließ es sich ohnehin nicht in die Knie gehen. Der Chiss überlegte, ob es sinnvoll war, seine Kleidung nun abzulegen, damit er Mellah nicht gleich verschreckte, aber unter Umständen half genau das ihm auch weiter.

    Riuen klingelte an der Hütte, hinter der er die Gesuchte am wenigsten vermutete und als ihm tatsächlich geöffnet wurde, sagte ihm sein Gefühl, dass es wohl besser gewesen wäre, sich für eine andere Verkleidung entschieden zu haben. Der Mann der da stand war nicht besonders groß, aber er strotze vor Muskeln und Tätowierungen und das, obwohl er sicher kein Zabrak oder der gleichen war.

    ‚Hast du irgendwas bestellt‘, schrie er, kaum dass er die Tür geöffnet hatte, ohne dabei den Blick von Riuen zu wenden und es dauerte nicht lange, bis ein ‚Nein, hab ich nicht‘, zurück gerufen wurde. ‚Dann verpiss dich‘, wandte der halbe Panzer sich schließlich an Riuen, der innerlich die Augen verdrehte. Hier hätte er wohl als Polizist auftauchen sollen, aber die Vermutung lag nahe, dass ihm das nur ein Minimum mehr an Respekt erteilt hätte. „Seh ich aus, als hätt‘ ich was zu verkaufen?“, fragte Riuen stattdessen und gab seiner Stimme einen beinahe gelangweilten, vor allem aber unbeeindruckten Klang. Hier würde er vorsichtig sein müssen, so viel stand fest. Das gute an Klischees war, dass sie nicht von gar nichts kamen und dieser Kerl sah nicht aus, wie jemand, der Bitte und Danke gerne verwendete, es sei denn, er hatte die Klinge seines Messers so benannt. Der hier war kein Blastertyp, so viel stand fest. ‚Was willst du dann, Fettsack?‘ Riuens Vermutung wurde bestätigt, als sein überaus sympathsiches Gegenüber wie durch Zufall ein Messer aufblitzen ließ, aber der kurze Blick reichte aus, um Riuen eine hoffentlich gute Vorlage zu geben. „Genau so was,“ nickte er auf das bereits wieder verdeckte Messer zu. „Ist aber nicht so meins, dass hier zu besprechen.“ Und da ließ Riuen, der Geste diesem Kerl von eben, in nichts nachstehend, ein paar Credits aufblitzen. ‚Mel, hol was zu trinken!‘ Erstaunlich, wie nett der Mann fast klingen konnte. Er verließ den Türrahmen, damit Riuen ihm in die Wohnung folgen konnte. Die Einladung, sich zu setzen nahm Riuen an und musste sich nicht mal sonderlich bemühen, sich schwerfällig zu setzen. Das große Kissen lag direkt auf dem Boden und machte es damit für sein steifes Bein tatsächlich nicht einfach, sich hin zu setzen. ‚Bist du sicher, dass du nicht was anderes brauchst‘, wollte der Kerl wissen, als Mel kam und zwei Flaschen irgendeines billiges Ales auf den Boden stellte. Riuen deutete auf das Auge, das nicht mit der Klappe verdeckt war. „Das ist perfekt zum Zielen,“, behauptete er, „und ich werfe nicht mit diesem Krüppel,“ er deutete auf sein Bein, „sondern mit meinem Arm.“ Damit hatte er sich wohl Sympathiepunkte eingeheimst, zumindest lachte der Panzer. Schade, dass es um Riuens Ausbildung noch nicht so gut stand. Hier wäre es wohl nicht so schwer gewesen, sich die gewünschten Informationen direkt aus dem Oberstübchen zu holen.

    [Tirahnn – irgendein Ort] Riuen, Rover und Mel (NPCs)
     
  5. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn – irgendein Ort] Riuen

    Riuen war froh, als er Adresse eins und damit Mel und ihren Partner hinter sich gelassen hatte. Die Zeiten, in denen er sich unter zwielichtigen Leuten wohl gefühlt hatte, lag lange zurück und Verkäufer von Waffen hatten noch nie zu dem Personenkreis gehört, mit denen sich der Chiss gerne abgegeben hatte, schon gar nicht mit solchen, die diesem Schlag wie der nette Herr von eben angehörten. Lange hatte es nicht gedauert herauszufinden, ob Mel die Mellah war, die er suchte. Ein paar Drinks, ein paar derbe Witze und Riuen hatte mehr erfahren, als ihm eigentlich lieb war. Vielleicht hätte sich Etara in diesem Haus wohl gefühlt. Als die Chiss mit einem mal so plötzlich und vor allem, nach so langer Zeit in seinen Erinnerungen auftauchte, schüttelte Riuen mit einem Lachen den Kopf. Etara. Er hatte ewig nicht an sie gedacht, dabei war das vor 10 Jahren noch undenkbar gewesen. Da war sie im ständig durch den Kopf gegangen und er hatte ein echtes Problem damit gehabt, sich auf etwas anderes als sie zu konzentrieren. Nachts hatte er von ihr geträumt, tagsüber hatte er sie in den Blicken anderer Frauen gesucht, versucht, sie in Umarmungen anderer zu spüren, bis er sich irgendwann abgefunden hatte. Wahrscheinlich führte sie immer noch das gleiche, schnelllebige Leben, bloß nicht mehr auf Nar Shaddaa, sondern irgendwo anders. Oder sie wie leitete nun irgendein Kartell oder Syndikats. Riuen schüttelte erneut den Kopf und grinste. Bestimmt hatte sie in der Zwischenzeit noch unzähligen Liebhabern und Liebhaberinnen das Herz gebrochen.

    Für die zweite Adresse bereitete Riuen sich anders vor und entledigte sich seines Fettanzuges. Eine Perücke mit langen, blauschwarzen Haaren, ein weißes Hemd und eine weite Hose würden sie zu einem großen Fan von ihr machen, der unbedingt ein Autogramm von ihr wollte. Ihr Buch war längst besorgt und Riuen hatte die Kapitel überflogen, um auch wirklich über das Buch sprechen zu können. Ein paar Artikel darüber, Meinungen, ein Forum, drei Stunden hatte er damit verbracht, sich so gut es ging vorzubereiten. Als Mellah Denreth vor ihm stand, nachdem sie die Tür geöffnet hatte, wurde der Chiss für das vorherige Treffen vollauf entschädigt. Vor ihm stand eine verdammt attraktive Frau, die Ähnlichkeiten mit Dr. Kawerschi hatte, ja, beinahe konnten die beiden sogar Schwestern sein. Mellah hatte bloß gelocktes, dunkelbraunes Haar, dafür braune, strahlende Augen. Größe und Figur waren in etwa gleich. Kurvenreich, sehr kurvenreich und eine kleine Narbe über der rechten Augenbraue.
    „Mellah Denreth!“ Ihr Name kam mit so viel Begeisterung über seine Lippen und mit einem so euphorischen Lächeln, dass Mellah gar nicht anders konnte, als ihm zuzulächeln. „Was für ein verdammtes Glück, dass ich sie wirklich treffe.“ Riuen hielt inne, tat mit einem mal so, als wurde ihm ein furchtbare Unhöflichkeit bewusst. „Oh, ich wollte sie nicht in ihrer Privatsphäre stören, aber ihre Adresse ist ja doch nicht ganz unbekannt… Vielleicht,“ erneut strahlte er und hielt ihr eine gedruckte, abgegriffene (perfekte Vorbereitung eben!) Version ihres Buches hin, „geben sie mir einfach ein Autogramm und ich verschwinde sofort wieder und belästige sie nicht weiter!“

    [Tirahnn – irgendein Ort - Haus von M.D.] Riuen, Rover und Mellah Denreth (NPC)
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Februar 2018
  6. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn – irgendein Ort - Haus von M.D.] Riuen und Mellah Denreth (NPC)

    Ob es sein großes Glück war, dass Mellah ihn herein ließ? Ein bisschen vielleicht schon, aber großes Glück wäre es, wenn diese Mallah auch die war, die er suchte und wenn sie es war, war es vermutlich keine gute Idee, sie um den Finger zu wickeln. Immerhin hatte Eowyn ihn ja schon heraus geworfen, und wenn das hier die beste Freundin von ihr war, war er sicher der letzte, den sie an Mellahs Seite wissen wollte. Bloß interessierte Riuen das reichlich wenig, denn, herzlich willkommen, sie waren in der Welt der Erwachsenen.
    Jedenfalls saßen sie beide auf Mellahs Couch, mit einer dampfenden Tasse Tee in der Hand, als sie lachend schloss: „
    Und das ist die Vorlage meines Buches gewesen.“ Riuen musste schon allein deshalb in das Lachen einstimmen, weil es sich so herzhaft ehrlich anhörte. „Dann wird’s höchste Zeit, ein neues zu schreiben.“ Mellah schien zu überlegen, ehe sie lächelnd seufzte. „Dafür müsste ich erst wieder umziehen.“ Ein Satz, der Riuen besonders hellhörig werden ließ. „Umziehen?“ Mellah nickte. „Als ich ‚Verdorrte Blumen‘ geschrieben habe, war ich gerade frisch hier her gezogen, das hat mich erst so richtig inspiriert. Lauter ausgepackte Kisten… Wenn du umgezogen bist, hast du die Wahl, entweder, du räumst sofort alles Kartons aus, oder du findest eine gute Ausrede, es nicht zu tun. Und das Schreiben eines Buches ist eine verdammt gute Ausrede.“ Riuen nickte bestätigend und lachte, htatte gleichzeitig ziemlich sicher die Antwort auf die Frage, bei der richtigen Mellah zu sitzen. Eine Frage um wirklich sicher zu gehen fehlte noch. „Bist du innerhalb Tirahnns umgezogen, oder von ganz wo anders?“ Sie hatten vorhin schon beschlossen aufs Du umzusteigen, was Riuen ganz recht war. „Da hat aber jemand schlecht recherchiert,“ tadelte Mellah ihn, als Riuen entschuldigend drein blickte. „Deine Kurzbiografie hat nicht sonderlich viel preisgegeben.“ Und diese hatte Riuen auswendig gelernt. Die kurvige Frau mit den dunklen Augen sah ertappt aus. „Eins zu null für dich. Ich stamme von Fhost, da bin ich geboren und aufgewachsen.“Fhost?“ Riuen staunte nicht schlecht, denn auch wenn er den Planeten nie besucht hatte, wusste er doch genug über ihn. „Du kennst Fhost?“ Auch Mellah wirkte überrascht. „Na ja, sagen wir, ich habe genug über ihn und den wilden Raum gehört, auch wenn ich nie selbst dort gewesen bin. Fairpoint ist so unbekannt nicht.“ Vor allem nicht, in gewissen Kreisen. „Aber dass du daher kommst, hätte ich nicht vermutet.“ „Wirke ich so unschuldig?“ Riuen lachte, ob dieser Frage. „Jedenfalls wirkst du nicht wie eine Verbrecherin, aber wem sieht man das schon an?“ Etara hatte damals viel eher den Eindruck gemacht, ihre süße Nase in Angelegenheiten zu stecken, die von Legalität weit entfernt lagen. Mellah wirkte anders, aber das konnte täuschen. „Aber du hast recht,“ was wohl bedeutete, dass es nun zwei zu null stand, „mit Piraten und Schmugglern hatten wir recht wenig zu tun.“Dafür aber mit…?“ „Arzt. Mein Vater war Arzt und nach einem kleinen Skandal, an dem er wirklich nicht schuld war, schien ein Planet, für den sich kaum einer interessiert, der perfekte Ort zu sein. Dort lernte er meine Mutter kennen.“ Was bedeutete, dass ihr Buch, das ihn langsam wirklich zu interessieren begann, autobiographische Züge enthielt. „Dann ist wohl nicht alles reine Fiktion, was du geschrieben hast,“ grinste Riuen, als Mellah sofort abwehrte. „Psst, Autorengeheimnisse darf ich nicht verraten.“ Der Chiss lachte, als er mit einem sehr sicheren „Zu spät, schon geschehen,“ antwortete. Bloß hatte sie die Rollen getauscht und ihre Mutter zur Ärztin und ihren Vater zum Schurken gemacht. „Ich verrat’s keinem weiter, Ehrenwort, aber jetzt will ich wissen, ob deine Mutter die Schurkin war.“ Sie musste nicht antworten, ihr Gesicht sprach Bände und als sie bemerkte, dass Riuen sie erneut ertappt hatte, verfielen sie beinahe zeitgleich in lautes Gelächter.

    [Tirahnn – irgendein Ort - Haus von M.D.] Riuen und Mellah Denreth (NPC)
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Februar 2018
  7. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn – irgendein Ort - Haus von M.D.] Riuen, Rover und Mellah Denreth (NPC)

    Ein wenig bedauerlich war es, dass er ihr Buch nicht wirklich gelesen hatte, auch wenn dieses Gespräch trotz allem so gut verlief. Ein gutes Gespräch dieser Art war nicht das Ziel gewesen und jetzt, wo Riuen die Information hatte, die er benötigte, die nämlich, dass diese Autorin nicht Eowyns Freundin aus Kindertagen war, gab es keinen Grund mehr, hier zu sein. Zumindest keinen, der mit Ian zu tun hatte. Nachdem sie sich beide von ihrem Lachen erholt hatten, saßen sie einander für einen ganzen Moment in seltsamem, nicht bedrückendem Schweigen gegenüber. Eines dieser Schweigen, das recht schnell gefüllt werden konnte, wenn nur einer die Initiative dazu ergriff. Ein bisschen näher zu rücken wäre ein adäquater Anfang gewesen, denn das Schweigen bot diese Option, die noch weitere Optionen offen gelassen hätte. Doch Riuen, Eowyn wäre bestimmt verwundert gewesen, tat nichts und ließ den Moment verstreichen. Ein zweites Schweigen folgte, dass Mellah durchbrach. „Willst du zum Essen bleiben?“ Zum zweiten Mal an diesem Tag musste Riuen an Etara denken. „Es heißt, Groupies bleiben nicht zum Frühstück, aber vom Abendessen wird nichts gesagt.“ Was eine halbe Antwort war, die Mellah dennoch verstand. Ein wenig länger zu bleiben, konnte kaum verwerflich sein, ohnehin war es schon früher Abend und wenn Riuen aufbrechen würde, um Mellah Nummer drei ausfindig zu machen, war es schon fast Nacht. Demnach kam ein Besuch bei der hoffentlich richtigen Mellah heute gar nicht mehr in Frage.

    Sie kochten und speisten gemeinsam und Riuen, der sich hier Naal genannt hatte, musste sich langsam, aber sicher überlegen, ob er bei seiner Lügengeschichte um ihr Buch bleiben wollte, oder nicht. Bloß wäre es wohl nun ein wenig seltsam Mellah mitzuteilen, dass er ihr Buch nie gelesen hatte. Die Wahrheit konnte er auch nicht sagen, was ihn, zwecks des immer netter werdenden Abends doch verärgerte. Ja, das große Problem daran, fremde Identitäten anzunehmen war, diese für eine ganze Zeit auch zu behalten und keinesfalls am gleichen Ort bei der gleichen Person, plötzlich zu verändern. Auch dann nicht, wenn sich etwas Vielversprechendes bot und das tat es, nun schon zum zweiten Mal. Sie spülten gemeinsam ab und da wären Dutzende Momente gewesen, dutzende, die Riuen einfach ungenutzt gelassen hatte. Vor Jahren wäre das sicher anders gewesen, aber er war kein Jungspund mehr und hier und heute noch immer wegen Ian unterwegs. Was nicht hieß, das… Ach, was für eine dumme, verfahrene Situation. Das Problem waren nicht Ian und die Nachricht an Mellah. Das Problem war, dass ihm diese Mellah hier
    gefiel und das sie glaubte, er hieße Naal. Ein etarisches Fiasko also. Selbst morgen früh würde er Mellah nicht die Wahrheit sagen können, was zwangsläufig auch gar nicht nötig war, wenn er morgen in aller Frühe einfach verschwand. Und jetzt konnte er alles dafür ausloten und sie perfekt darauf vorbereiten. Eine gemeinsame Übereinkunft eben. Langfristige Beziehungen waren schließlich auch gar nicht sein Ziel und das hier? Wäre ein nettes, kurzfristiges gewesen und sicher nicht das erste.

    Sie hatten abgespült, als Riuen sich schweren Herzens dafür entschied, dass es nun Zeit war, zu gehen. „
    Es wird Zeit,“ merkte er also an und spürte die gleiche Enttäuschung selbst, die er von Mellah ausgehen zu spüren glaubte. Leidige Jedi Sinne. „Du weißt, dass du bleiben könntest?“. Ja, das wusste er und so nickte Riuen mit einem Lächeln, das ein Minimum an Bedauern ausdrückte.
    „Wäre ich unter anderen Umständen hier, würde ich bleiben.“ Mellah hielt kurz inne und fragte dann doch: „Also war das Autogramm nicht der Hauptgrund?“ Eine unverfängliche Frage, die dennoch gefährlich werden konnte. Bleib in deiner Rolle. Aber wäre Riuen bei Naal geblieben, hätte nichts, wirklich rein gar nichts dagegen gesprochen, jetzt nicht an der Haus- sondern an der Schlafzimmertür zu stehen. „Sagen wir einfach, ich hab nicht so viel Zeit.“ Was ihn im besten Fall als einen Autogrammjäger wirken ließ. Bevor Riuen aber ganz gehen konnte, hielt Mellah ihn noch einmal auf und schrieb tatsächlich ihre Nummer in das Buch. „Falls du mal mehr Zeit haben solltest.“

    [Tirahnn – irgendein Ort - Haus von M.D.] Riuen, Rover und Mellah Denreth (NPC)
     
  8. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

    [Tirahnn - Rhovan - Heim der Familie Amroth, Garage] Mellah

    Liebste Mellah,

    vermutlich bist du irritiert davon, weshalb du einen Brief auf eine solch seltsame Art und Weise erhältst, aber bestimmt hast du schon längst erraten, von wem er kommt.
    Irritiert war nett gesagt. Mellah war mehr als nur irritiert, aber zumindest in einem hatte Miri Recht - ja, sie hatte natürlich erraten, von dem dieser geheimnisvolle Brief stammte.

    Ich hoffe zumindest, dass du mich nicht vergessen hast, trotz der vielen Jahre, die wir uns nun nicht mehr gesehen haben. Es war wohl zum Großteil meine Schuld – das Zerwürfnis mit meinem Vater hielt mich von Tirahnn fern, und später… nun ja, du weißt vielleicht, wie es ist. Ich hoffe, du bist mir nicht allzu böse.
    Wie hätte Mellah ihre beste Freundin vergessen können? Wie lange war es nun her... zehn Jahre? Nein, mehr. Sie und Tharen waren schon mehr als zehn Jahre ein Paar, und Miri war vorher "verschwunden". Anfangs hatten sie noch ein paar wenige Male geschrieben, aber das hatte sich schnell verloren. Spätestens in dem Moment, als Tirahnn imperial geworden war. Dass es für eine Jedi nicht die beste Idee war, hier aufzutauchen, das konnte sich Mellah denken. Zur Beerdigung ihres Vaters war Miri dagewesen, ja, das hatte sie gehört, aber sie selbst hatte zu diesem Zeitpunkt eine Fehlgeburt gehabt und war nicht in der Lage gewesen, sich um anderes zu kümmern. Es war viel schiefgelaufen, das wusste Mellah. Unter anderen Umständen... aber es war, wie es war. Wie konnte sie ihr deshalb böse sein? Umso schöner, dass Miri sich jetzt meldete, aber dass das hier kein einfacher "Hey, ich lebe noch, wie geht es dir?"-Brief war, das war offensichtlich.

    Wie ich deinem Nachnamen entnehme, hast du geheiratet, und sogar seinen Namen angenommen – ich wage die Vermutung, dass es sich um Tharen handelt, oder ist das alles nur ein verrückter Zufall? Wenn dem nicht so ist, so gratuliere ich euch von Herzen. Ihr seid sicher ein wundervolles Paar, und ich wünsche euch sehr, dass ihr täglich wieder das ineinander findet, das euch euch ineinander hat verlieben lassen. Habt ihr Kinder? Wie gerne würde ich sie kennenlernen und herausfinden, ob du sie wirklich Hasufel oder Amat genannt hast! Und erfahren, ob sie wie wir damals durch den Wald streifen, sich verrückte Geschichten ausdenken und dann verkratzt und verdreckt und mit dem Bauch voller Beeren wieder nach Hause kommen. Tja, liebe Mellah – jetzt bist du wohl auf der anderen Seite, wie damals deine Mutter, die regelmäßig darüber schimpfte, wie du aussahst und dass du keinen Hunger mehr hattest… Wie geht es deinen Eltern? Mein letzter Stand war, dass sie gesund und munter sind, ich hoffe, das hat sich in den Jahren nicht geändert. Grüße sie gerne von mir. Ich werde ihnen nie vergessen, wie sie sich um mich gekümmert haben.
    Mellah schloss erleichtert für einen Moment die Augen. All die Jahre hatte sie sich gefragt, ob Miri ihr würde verzeihen können, dass sie und Tharen sich zusamengetan hatten, aber es klang so, als ob es für die alte Freundin kein großes Problem darstellte. Es war schließlich nicht alltäglich, dass man mit dem Ex der besten Freundin anbandelte... aber ungefähr ein Jahr, nachdem Miri Tirahnn verlassen hatte, hatten sie beide gemerkt, wie viel sie gemeinsam hatten. Aus Freundschaft war Liebe geworden, und Mellah musste zugeben, dass sie zu diesem Zeitpunkt zu feige gewesen war, Miri zu schreiben. Die Galaxis war noch recht stabil gewesen, es wäre möglich gewesen... Irgendwie hätte sie auch nicht geglaubt, dass Miri ihr böse gewesen wäre. Aber dennoch... Mellah war jung gewesen. Später hatte sie sich oft dafür verflucht, denn wie würde es jetzt kommen? Hey, Miri, übrigens, ich habe vor sechs Jahren deinen Ex geheiratet und schon einen Sohn? Unmöglich.
    Hasufel und Amat. Bei allen Märkten, das hätte sie niemals durchbekommen bei Tharen. Selbst, wenn sie es noch gewollt hätte. Nein, diese Namen waren zu absurd... umso trauriger, dass es vermutlich noch immer keine Daisy und keine Lilly gab, so wie es klang. Miri sprach nur davon, dass Mellah auf der anderen Seite stand. Und dabei wusste Mellah genau, wie sehr sich ihre Freundin damals eine große Familie gewünscht hatte... es war wohl gekommen, wie es hatte kommen müssen, das Leben als Jedi vereinnahmte sie völlig.

    Liebe Mellah, du kannst dir denken, dass ich diesen Brief nicht ohne Grund so geheimnisvoll verschicke.
    Jetzt wurde es spannend, und stirnrunzend las Mellah weiter.

    Niemand darf davon erfahren – eventuell nicht einmal dein Mann, zumindest nicht den ganzen Inhalt, das musst du entscheiden. Ich vertraue dir in dieser Hinsicht. Sicher ist jedoch, dass du, wenn möglich, diesen Brief vernichten solltest, wenn du über den Inhalt Bescheid weißt.
    Nicht einmal Tharen? Herrje, was war da nur los?!? Sie und Tharen hatten, außer dieser Sache mit dem Imperium, keine Geheimnisse voreinander, wenn sie etwas vor ihm verheimlichen sollte, dann musste das schon ein wirklich guter Grund sein.

    Vielleicht übertreibe ich. Ganz sicher übertreibe ich – weißt du, man wird paranoid, irgendwann, wenn man so viel sieht und hört in der Galaxis… aber da diese Sicherheit nicht nur mich betrifft, sondern auch meinen Partner, kann ich gar nicht vorsichtig genug sein.
    Mellahs Augen wurden groß. Miris Partner? Dann aber musste sie lächeln. Sie gönnte es ihrer Freundin so sehr, dass sie jemanden gefunden hatte... Sie stellte es sich schwer vor, alleine als Jedi durch die Galaxis zu ziehen und niemanden zum Reden zu haben. Für Miri war das vielleicht nicht ganz die Katastrophe, wie es das für sie selbst gewesen wäre... Seit dem Tod ihrer Mutter hatte Miri ja durchau begonnen, viele Dinge mit sich selbst auszumachen, sie war es also gewöhnt. Dass sie nun aber jemanden an ihrer Seite hatte... das klang sehr, sehr positiv.

    Ja, du hast richtig gelesen, ich, die immer nur ein Ziel hatte, habe einen Partner. Es ist nicht einfach für ihn, wie du dir vorstellen kannst - er ist mein erster Partner seit Tharen, und du kennst mich, zumindest damals. Ich bin schon früher nicht einfach gewesen, das hat sich sicher nicht geändert. Ich zolle ihm meinen Respekt dafür, dass er es mit mir aushält.
    Oh, wenn Miri sich durch die Jedi in Sachen Sturheit nicht geändert hatte... dann hatte dieser namenlose Mann auch Mellahs Respekt. Wenigstens schien sie es mittlerweile selbst zu erkennen, bemerkte, Mellah amüsiert.

    Die Ereignisse in letzter Zeit jedenfalls haben mich viel nachdenken lassen, und die Umstände, du hast sicher vom gefährlichen Virus auf Coruscant gehört (ja, glaub mir, ich spreche es mittlerweile richtig aus!), zwingen mich dazu, über mein Testament nachzudenken.
    WAS? Mellahs Augen wurden groß, und sie musste schlucken. Das klang übel. Steckte da wirklich nur das Virus dahinter? Reine Vorsorge?

    Ich bin jung, ich weiß, doch du weißt auch, wie schnell das Leben für meine Mutter vorbei war, und als Jedi, die ich nun wieder bin, lebt es sich gefährlich.
    Wieder?

    Du kannst dir vorstellen, dass ich meinen Partner als Begünstigen einsetzen werde, aber er lebt leider nicht weniger gefährlich als ich. Ich brauche also jemanden, der sich vor allem um mein Elternhaus kümmert, wenn ich nicht mehr bin und er ebenfalls nicht in der Lage ist - jemanden, der genau weiß, was es mir bedeutet. Jemanden, der es nicht an den erstbesten verkaufen wird, der daraus den neuesten Bantha König macht. Ich weiß, dass du die richtige dafür bist, und ich vertraue dir in dieser Hinsicht voll und ganz. Ich habe nur eine Bitte: Ich lebe gefährlich als Jedi, ja, aber manchmal unterschätzt man uns auch. Zu schnell wird man nach einer Mission für verschollen und irgendwann für tot erklärt. Mein Partner hat genau jenes bereits einmal erlebt. Ich bitte dich darum, das Haus meiner Eltern für drei Jahre zu verwalten, wenn es in deinen Besitz übergeht - damit ich die Chance habe, den Fehler noch zurecht zu rücken, wenn er einmal geschehen ist. Danach vertraue ich darauf, dass du richtig handelst – vielleicht wird eines Tages eines deiner Kinder darin wohnen.
    Miris Elternhaus... das machte Sinn. Sie wusste, dass sie es nie hatte verkaufen können, und Mellahs Eltern verwalteten es momentan. Es war noch beinahe so wie zu dem Zeitpunkt, als Halet gestorben war. Dass Miri ihr das Haus nach all der Zeit noch immer scheinbar problemlos anvertraute, machte sie ein wenig stolz, aber der Anlass ließ dieses Gefühl beinahe sofort wieder verschwinden. Der Gedanke, dass sie dieses Haus tatsächlich einmal besitzen konnte, oder eines ihrer Kinder... Es würde bedeuten, dass Miri nicht mehr war. Natürlich hatten auch Tharen und sie vorgesorgt, das war nur natürlich, wenn man Kinder bekam. Aber Miri... schien es irgendwie sehr ernst zu nehmen. Ob sie sich das nur einbildete? Und was bedeutete das - ihr Partner lebte nicht weniger gefährlich als sie? Das Haus für drei Jahre nur zu verwalten würde wohl kein Problem darstellen... Mellah konnte sich nicht vorstellen, dort selbst einzuziehen, also hätte sie Zeit. Bloß... der Gedanke daran...

    Der Grund, weshalb ich diesen Brief mit dem eigentlich recht harmlosen Inhalt nicht verschicke ist simpel – wie schon geschrieben, ich übertreibe vermutlich. Aber keiner soll momentan erfahren, wie viele Gedanken ich mir mache, und ja, vielleicht auch Sorgen. Mein Testament soll unbekannt bleiben, bis es so weit ist, dass es veröffentlicht werden muss. Mache nur du dir bitte keine Sorgen – ich habe eigentlich alles im Griff. Aber ich weiß, wie Dinge sich manchmal von einer Minute auf die andere ändern, ich weiß das nur zu gut. Daher gehe ich auf Nummer sicher und denke mir, dass es keinen Schaden bringt.
    Mach dir keine Sorgen... Miri hatte leicht reden! Das alles klang viel zu abgehoben, um sich keine Sorgen zu machen. Keiner sollte von ihrem Testament wissen? Das hießt doch, dass es nicht nur um das Virus gehen konnte. Was stellte sie an? Was ging da vor? Natürlich brachte es keinen Schaden, sich um sein Testament zu kümmern, da hatte sie schon Recht, aber dieser Brief war alles andere als "harmlos". Übertreiben? Irgendwie... Wenn Miri sich nicht viel geändert hatte, dann... früher war sie lebenslustig und positiv gewesen. Natürlich, das war sicher der Jugend geschuldet, aber... das alles hier klang so... ängstlich. Und erwachsen... als ob die Realität sie eingeholt hätte. Oder, als ob irgendetwas ihr wahnsinnige Angst machte... Sicher sein konnte sich Mellah nicht. Viel zu viele Jahre waren vergangen. Aber wenn es sich noch um die alte Miri handelte... Alleine schon, dass sie zugab, sich Sorgen zu machen war äußerst verdächtig.

    Außerdem gab es mir eine wundervolle Gelegenheit, dir endlich wieder einmal zu schreiben. Seit über zehn Jahren haben wir uns nicht gesehen, seit ich mit neunzehn von Tirahnn fortgegangen bin. Zur Beerdigung meines Vaters haben wir uns ja leider verpasst, und seither bin ich nur ein einziges Mal für einen Tag dort gewesen.
    Oh? Wann? Warum hatte sie sich nicht gemeldet?

    Tirahnn fehlt mir, DU fehlst mir – ich hoffe sehr, dass ich mich mit meinen Sorgen und Gedanken völlig irre und wir uns vielleicht bald wiedersehen können. Es würde mich sehr freuen, und ich würde so gerne deinen Mann (wieder?)kennenlernen. Eine letzte Sache nur noch – ich freue mich auf eine Antwort von dir, aber erwähne diesen Brief nicht. Vielleicht kannst du so tun, als hättest DU meine Nummer entdeckt…


    Ich hoffe sehr, dass ich dich nicht zu sehr verwundert und irritiert habe, aber ich hoffe, du bist die alte, mir bekannte Mellah geblieben, die sich durch kaum etwas aus der Ruhe bringen lässt – außer durch ein Wettrennen mit mir. Ich hoffe auf eine Antwort, die möglichst viel aus deinem Leben erzählt. Ich vermisse dich!

    Deine Miri

    Mellah ließ das Datapad sinken. Sie hoffte ebenfalls, dass Miri sich irrte... Das alles klang viel zu sehr wie aus einem schlechten Holo. Die letzte Bitte einer Jedi... hieß es nicht, dass die Jedi die Zukunft vorhersehen konnten? Hatte Miri etwas gesehen, das diesen Brief ausgelöst hatte?
    Noch immer brachte sie nicht viel aus der Ruhe, aber nach einem solchen Brief erwartete Miri doch wohl nicht, dass sie gelassen blieb? Und es blieb die Frage, die die Tirahnnerin nicht wirklich beantwortet hatte - wieso verschickte sie den Brief
    so? Mit einer solchen Passwortsicherheit... durch einen Kurier? Das war doch wahnsinn. Als ob sie Angst hätte, dass jemand den Brief las, obwohl sie noch immer vorsichtig formuliert hatte. Er warf mehr Fragen auf, als er beantwortete. Auch, dass sie sich nicht auf den Brief beziehen durfte... vor wem hatte Miri Angst? Es war fast offensichtlich, dass sie welche hatte. Oder wollte sie jemanden schützen... auch das sähe ihr ähnlich... Sie würde auf jeden Fall aufpassen müssen, was sie schrieb. Und ihr alles, was sie ihr mitteilen wollte, zwischen den Zeilen erledigen.
    Aber sie würde noch ein wenig darüber nachdenken müssen. Auch, was sie Tharen erzählte... aber eigentlich musste sie es ihm erzählen. Zumindest den Großteil, denn was, wenn er etwas dagegen hatte, dass sie Nachrichtn an jemanden in der Republik verschickte? Sie hatten eigentlich abgeklärt, dass Tharen darauf Acht gab, in niemandes Schusslinie zu geraten, aber wenn, dann hätte er es ihr nicht gesagt - und eine solche Sache könnte die Sache nur verschlimmern. Das durfte sie nicht außer Acht lassen, schließlich waren da Déor und Brega. Und deren beider Sicherheit hatte einfach oberste Priorität.

    "Mamaaaaaaaaa?"

    Wie aufs Kommando, wie immer.
    Die Stimme Déors kam näher.

    "Mamaaaa, ich bin fertig!"

    Die Garagentür öffnete sich und Déors Kopf lugte hinein.

    "Darf ich jetzt...?"

    Mellah war gerade nicht in der Stimmung, um nachzuhaken, ob wirklich alle Hausaufgaben erledigt waren oder ob er noch etwas lernen musste.

    "Meinetwegen, bis Brega kommt. Aber dann ist erst mal Schluss!"

    Schließlich war das Wetter heute so schön, und außerdem wäre es gut, wenn er später hinausging. Sie musste mit Tharen reden, und das konnte eigentlich nicht bis heute Abend warten.
    Déors Juchzen konnte Mellah bis hier her hören, obwohl er schon auf halbem Weg zum Holoschirm war. Er hatte sie wieder ein wenig in die Realität geholt, aber er konnte sich selbst beschäftigen. Zum Glück brauchte er keine dauerhafte Aufsicht mehr, und so hob Mellah das Datapad, um den Brief noch ein zweites Mal zu lesen, bevor sie ins Haus zurückging.


    [Tirahnn - Rhovan - Heim der Familie Amroth, Garage] Mellah
     
  9. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn – kleines Kaff - Hotel] Riuen

    Da ging er also, um sich ein Hotel zu suchen, obwohl da bis zuletzt noch die Möglichkeit gewesen wäre, diesen Umstand nicht nur zu umgehen, sondern auch noch neben einer hübschen Frau aufzuwachen. Das war völlig verrückt, völlig verrückt. Erst hatte er die Ärztin in der Quarantänezone links liegen gelassen, jetzt Mellah D. Das Leben als angehender Jedi fing ja gut an. Aber nun ja, wenn er am Ende niemanden fand, der ihn ausbilden wollte, konnte er ja immer noch ‚umschulen‘ und einsame Seelen darauf vorbereiten, wie sie schnell und effektiv an Dates kamen.

    Das kleine Hotel in dem Riuen unterkam war ziemlich nett und diesmal verzichtete der Chiss darauf, sich an die Bar zu setzen. Für heute hatte er genug Kontakt zu Frauen gehabt und er wollte kein weiteres Mal irgendwelche Chancen ausloten. Nein, er musste sich auf morgen vorbereiten und sich gut überlegen, wie er das anging. Mellah Amroth war die letzte Person auf seiner Liste, Kinderärztin in einem Krankenhaus. Wenn sie nicht die Gesuchte war, würde es deutlich schwieriger werden, an die Richtige zu gelangen. Hätte Ian nicht etwas mehr berichten können, als den Namen? Wenigstens einen weiteren Hinweis, der hilfreich gewesen wäre? Hätte Eowyn das Kontaktverbot nicht ausgesprochen, hätte er sich ja an sie wenden können, aber das hätte nur zu Nachfragen geführt, die Riuen ohnehin nicht hätte beantworten können.
    So also saß er in seinem Zimmer, trank zumindest einen Whiskey und überlegte, welche Strategie für morgen die beste sein könnte. Kinderärztin. Da gab es ein paar Möglichkeiten und lange dauerte es nicht, bis der Chiss sich etwas überlegt hatte. Wie gut, dass er genügend gefälschte IDs dabei hatte und genug Kleidungsstücke, die es ihm erlaubten, eine andere Person zu werden.

    Am nächsten Morgen war Riuen Jorko mit silbernen, unordentlichen Haaren, einem völlig zerknittertem Hemd und einer Hose mit Farbflecken. Ein billiges Parfüm und der schlechte Whiskey von gestern halfen dabei, ihn an diesem Morgen völlig fertig aussehen zu lassen. Der perfekte Aufzug also für seine kleine, nette Geschichte.

    Harad war eine kleine Stadt und es gab dort nur ein einziges Krankenhaus, das ebenfalls nicht besonders groß war. Ein kleiner Vorteil. Hoffentlich war heute nicht Krankheitstag Nummer 1, an dem jeder und alles ins Krankenhaus stürmte. Reichte ja, wenn das für heute einer tat.

    „Ich muss, ich muss unbedingt mit Dr. Amorth sprechen!“ Jorko legte so viel Verzweiflung in seine Stimme, dass ihn die Dame am Empfang beinahe mitleidig ansah, bis sie ihm sagte, wo er warten musste und auch als der Chiss in das richtieg Gebäude ging, um bei der nächsten Anmeldung sein Anliegen darzustellen, gab er sich noch verzweifelter. „Ich weiß, dass ich keinen Termin habe, aber ich muss mit ihr sprechen… ich kann warten, sie können mich nicht einfach abwimmeln, heute ist doch gar niemand hier.“ Dabei hatte ihn noch niemand abgewimmelt und der Wartebereich war tatsächlich leer. „Ich muss sie in zwei Stunden von der Schule abholen, und ich kann nicht zu spät kommen, ich weiß, dass ich sie eigentlich hätte mitbringen müssen, aber da war kein Weg, sie hier ehr zu bekommen!“ Tja, wie sollte da auch ein Weg sein, eine imaginäre Tochter in ein Krankenhaus zu bringen? Es gab keinen, es sei denn, er entführte vorher ein Chisskind und das wäre keine kluge Idee gewesen. Wie auch immer, keine Viertelstunde später wartete Ri… Jorko in einem Behandlunsgraum, in der er sehr, sehr angespannt auf und ablief um auf Dr. Amroth zu warten.


    [Tirahnn - Harad – Krankenhaus „Jadum“, Behandlungszimmer c12] Riuen
     
  10. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

    [Tirahnn - Rhovan - Heim der Familie Amroth] Mellah & Familie

    Natürlich funktionierte nichts so, wie Mellah sich das vorgestellt hatte. Brega verhungerte beinahe, als sie nach Hause kaum, dementsprechend blieb nichts vom Mittagessen mehr für Déors Abendessen übrig, worauf dieser im Stillen spekuliert hatte - und das wurde mit Geschrei und Trotz kommentiert. Unmöglich also, die beiden gemeinsam alleine zum Spielen nach draußen zu schicken, selbst als Déor sich wieder etwas beruhigt hatte, somit musste Mellah selbst ran. Zwar hätte sie sich unheimlich gerne eine halbe Stunde hingelegt oder mit Tharen über die Nachricht gesprochen, aber letzterer nutzte die Gelegenheit, um noch zu Hause Dinge aufzuarbeiten. Selbst schuld - sie hatten schließlich Kinder gewollt, da musste sie nun durch.
    Ihre Gedanken kreisten dennoch um die geheimnisvolle Nachricht, während sie Brega auf der Schaukel anschubste und Déor im Auge behielt, der mit anderen Kindern Ball spielte. Wie viel konnte sie Tharen wirklich erzählen? Musste sie ihm nicht irgendwie... alles erzählen? Sie hasste es, Geheimnisse vor Tharen zu haben. Das war so gar nicht ihrer beider Ding. Schlimm genug, dass schon diese eine Sache zwischen ihnen stand. Nein... eigentlich musste sie ihm alles offenlegen, und Miri hatte in ihrer Nachricht auch nicht explizit verboten, dass Mellah das tun konnte. Sie vertraute ihrem Urteil... und Mellah vertraute Tharen.


    Nach dem Spielplatz machten sie noch einen kleinen Umweg durch den Wald, und Déor hatte seinen Unmut über die Reste des Mittagessens längst vergessen, während er mit Brega durch die Sträucher kroch und sie altklug belehrte, dass sie vor den Käferchen nun wirklich keine Angst zu haben brauchte. Sie machten diese Ausflüge oft, aber heute musste Mellah einfach zu sehr an früher denken, als Miri und sie das Gleiche getan hatten. Ob ihre Höhle noch stand? Mellah wusste nicht einmal, ob sie die alten Sachen damals herausgeräumt hatten... vielleicht hatten mittlerweile noch viele, viele andere Kinder sie entdeckt und darin gespielt. Irgendwie... wäre das schön. Es war schön, sich vorzustellen, dass andere Kinder genauso glücklich waren wie sie beide damals... egal, ob auf Tirahnn das Imperium oder die Republik vorherrschten, egal, ob da draußen Krieg tobte oder Frieden war. Auch Brega und Déor sollten diese Kindheit haben... wenn nur irgendwie möglich.
    Es dämmerte langsam, und Mellah trieb ihre beiden sanft zu einem schnelleren Tempo an. Sie war mittlerweile nur ungern draußen mit den zweien, wenn es dunkel war, auch wenn es dafür absolut keine Berechtigung gab. Es war schlicht ein Gefühl... und auch, wenn Mellah nicht im geringsten die Fähigkeiten besaß wie ihre Freundin, sie vertraute ihrem Gefühl. Oder auch ihrem Instinkt, wenn man es so nennen wollte. Ein guter Arzt hörte immer auf seinen Instinkt, auch wenn man die Fakten niemals außer Acht lassen durfte.

    Tharen war so nett gewesen, das Abendbrot vorzubereiten, und Mellah warf ihm einen dankbaren Blick zu, nachdem sie ihm einen kurzen Kuss gegeben hatte. Das Essen verlief wesentlich friedlicher als das vorhergegangene, was auch nicht so sonderlich schwer war, aber der Frieden war natürlich in dem Moment vorbei, als Tharen Brega ins Bett bringen wollte. Wenigstens Déor akzeptierte mittlerweile seine Zubettgehzeit, so hatte Mellah es ein wenig später etwas einfacher. Für einen Gute-Nacht-Kuss war Déor natürlich schon viel zu alt, wie er unlängst festgestellt hatte, und Mellah beließ es daher bedauernd dabei, ihm eine gute Nacht zu wünschen und das Licht auszuknipsen.
    Eigentlich wäre Mellah jetzt gerne ins Bett gefallen... die lange 14-Stunden-Schicht steckte ihr noch in den Knochen, und morgen musste sie ausnahmsweise gleich die Frühschicht übernehmen. Eigentlich brauchte sie dringend eine Mütze Schlaf, eigentlich sogar zwei oder drei... aber sie vermisste Tharen und die Zweisamkeit, außerdem
    musste sie unbedingt endlich mit ihm über die Nachricht sprechen.

    Sie seufzte wohltuhend, als sie sich auf dem Sofa niederließ, das Datapad neben sich, und Aldor es sich gleich darauf auf ihr gemütlich machte. Dann betrat Tharen das Wohnzimmer, in der Hand zwei Gläser Rotwein.

    "Du bist der beste Mann der Welt, weißt du das eigentlich?"

    Mellah griff dankbar lächelnd nach einem der Gläser, und Tharen setzte sich neben sie, so dass sie sich wunderbar ankuscheln konnte.

    "Ich weiß", gab Tharen grinsend zurück, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und legte einen Arm um sie.

    Mellah schloss die Augen und genoss die Stille, merkte jedoch bald, dass das gefährlich war und ihre Müdigkeit bereits dabei war, sie zu überwältigen. Sie öffnete die Augen wieder und nahm einen Schluck vom Wein. Mut antrinken? Vielleicht.

    "Ich hatte heute eine merkwürdige Begegnung...", begann sie dann zögernd. "Jemand hat mir hier daheim ein Päckchen übergeben. Ein Päckchen... von Lianna."

    Sie wartete, bis bei Tharen der Credit fiel. Sein Gesicht konnte sie nicht sehen, aber er reagierte sofort, als er es begriff.

    "Du meinst...?" - "Ja. Ich habs schon aufgemacht. Es war... sehr geheimnisvoll. Kein normaler Kurier, und im Päckchen nur ein Datapad, sonst nichts. Passwortgeschützt... Mit einem Passwort, von dem Miri wohl wusste, dass nur ich es wissen konnte."

    Mellah griff neben sich und hielt Tharen nach nur kurzem Zögern das aktivierte Datapad hin, das den Brief ihrer Freundin direkt auf dem Display hatte. Tharen musste sie dafür aus seiner halben Umarmung entlassen, also richtete Mellah sich ein wenig auf, als er danach griff. So, dass sie auch sein Gesicht sehen konnte, das momentan deutliche Verwirrung zeigte.

    "Lies es selbst. Ich... weiß einfach nicht, was ich davon halten soll. Wie ich mich verhalten soll."

    Tharens Reaktionen, während er las, waren durchaus interessant zu beobachten. Ob sie genauso das Gesicht verzogen hatte oder den Kopf geschüttelt, als sie den Brief gelesen hatte? Mellah trank ein paar weitere Schlucke, während sie abwesend Aldor kraulte und darauf wartete, dass Tharen am Ende angekommen sein würde.

    "Wow."

    Beinahe sprachlos gab Tharen ihr schließlich das Datapad zurück. Er war immer etwas... vernünftiger, ideenreicher als sie, wenn jemand wusste, wie sie sich nun verhalten sollte, dann würde es er sein. Hoffte Mellah zumindest... denn sie war von dieser Situation ein wenig überrumpelt. Auf gar keinen Fall wollte sie irgendetwas schlimmer machen, aber seit heute Nachmittag hatte sie begonnen, sich um ihre alte Freundin wirklich Sorgen zu machen.

    "Ich würde ihr gerne antworten... also, schreiben. Ganz normal, per Kom. Meinst du, das wäre in Ordnung? Unverfängliches Zeug... Einfach so. Von Freundin zu Freundin. Ich will nur nicht..." Mellah seufzte. "Du weißt schon. Es würde nicht auffallen, oder?"

    Tharen schüttelte langsam den Kopf.

    "Ich hab keine Ahnung, Mel. Aber ich verstehe, dass dich das aufwühlt... mich trifft es auch. Das... passt alles nicht zu ihr, oder? Dieses Vorsorgen, diese Angst... diese Unsicherheit. Sie klingt so negativ."


    Mellah nickte. Genau das war auch ihr Gefühl gewesen... als ob irgendetwas gründlich schiefging. Und warum stand ihr neuer Partner ihr in all dem nicht bei? Oder war er das Problem? Oder - konnte selbst er ihr nicht helfen? Das wäre schlecht. Denn was sollte sie selbst von hier aus schon ausrichten?

    "Ich wünschte, ich könnte ihr irgendwie helfen. Aber Coruscant?" Mellah schüttelte den Kopf. "Ausgeschlossen. Selbst, wenn das Virus nicht wäre."

    Aber war die Nachricht nicht vielleicht sogar irgendwie ein versteckter Hilferuf... vielleicht sogar ohne, dass Miri sich dessen bewusst war? Warum meldete sie sich schließlich ausgerechnet jetzt, wo sie sich jahrelang nicht mehr gesehen hatten, wo sie auch nichts mehr voneinander wussten? Ach, es war verzwickt. Aber da waren die Kinder, da war das Imperium, da war das Virus und nicht zuletzt auch ihre Arbeit. Ganz abgesehen von Tharen natürlich.
    Tharen schüttelte den Kopf.

    "Eins nach dem anderen. Heute entscheiden wir ohnehin nichts - du gehörst langsam ins Bett, und eine solche Sache will gut überlegt sein. Egal, was du jetzt tust. Wir schlafen beide darüber, und morgen sehen wir weiter." Er schwieg für einen Moment. "Aber es ist schön, dass sie endlich jemanden gefunden hat, oder?", fuhr er dann leise fort, und Mellah kuschelte sich noch enger an ihren Mann. Anfangs war es sehr seltsam gewesen, mit dem Ex ihrer besten Freundin eine Beziehung zu führen, und sie hatte irgendwie alles vermieden, was Miri betraf. Irgendwann aber hatte sie verstanden, dass Miri für Tharen immer irgendeine Bedeutung haben würde, was aber noch lange nicht hieß, dass er nicht längst über sie hinwegwar.

    "Ja, das ist es. Ich hoffe wirklich, sie ist glücklich mit ihm... und auch sonst, irgendwie."

    Mellah seufzte. Der Brief hatte nicht so geklungen, aber vielleicht irrte sie. Andererseits, sie und Tharen? Aber Tharen hatte Recht. Sie gehörte ins Bett, und nach dem kleinen Schlummertrunk würde sie sicher auch bald schlafen.
    Aufseufzend stellte sie das Glas auf den Wohnzimmertisch (Aldor sprang verschreckt auf) und schmiegte sich in eine letzte, enge Umarmung mit Tharen. Einen innigen Gute-Nacht-Kuss später stand sie ächzend auf, um sich in Richtung Bett zu begeben.


    ***


    Ihr Dienst hatte um neun Uhr begonnen, was immer dazu führte, dass sie sich beeilen musste, da sie noch nach Brega Déor in die Schule bringen und dann in windeseile ins Krankenhaus flitzen musste - keine Chance, dass ihr Sohn das mit den Uhrzeiten schon selber auf die Reihe bekam. Der Tag mochte kommen, an dem er endlich zuverlässig zur richtigen Zeit von alleine das Haus verlassen würde, aber dieser Tag war noch fern.
    Leider.
    Wie auch immer... ihr erster Patient war, wie ihr die Sprechstundenhilfe mitteilte, ein seltsamer Typ, der ohne sein Kind aufgetaucht war und explizit nach ihr gefragt hatte. Mellah runzelte die Stirn. Dass jemand ohne sein Kind kam, kam äußerst selten vor, wenn auch nicht nie. Aber, dass er extra nach ihr gefragt hatte... sie war schließlich noch nicht lange fertige Ärztin und hatte noch keinen wirklichen Ruf. Er war auch nicht der Vater einer alten Patientin... normalerweise würde sie einfach hineingehen und nachfragen, was er wollte, aber nach dem, was gestern gewesen war... nachdenklich kaute sie auf der Innenseite ihrer Backe herum. Es war wahrscheinlich Zufall, oder? Bestimmt. Und was sollte ihr hier im Krankenhaus eigentlich schon passieren? Hier war sie wesentlich sicherer als daheim.
    Also gut...

    Professionell öffnete sie die Türe und betrat in ihrem weißen Kittel, auf den sie zugegeben ziemlich stolz war, seitdem sie ihn tragen durfte, das Behandlungszimmer, in das sie geschickt worden war. Der Chiss vor ihr roch seltsam, und sein Aufzug war alles andere als das, was man als "gepflegt" bezeichnen würde, aber irgendwie konnte sich Mellah vorstellen, dass dieser Mann, wenn gekämmt und in sauberer Kleidung, ziemlich attraktiv sein konnte.
    Sie lächelte, nickte ihm höflich zu (einem Patienten die Hand zu geben, hatte sie sich sehr schnell abgewöhnt) und setzte sich hinter den Schreibtisch des Zimmers, das Datapad mit den wenigen Informationen in der Hand.

    "Guten Morgen, Herr... "

    Stirnrunzelnd stellte Mellah fest, dass selbst diese Information fehlte. Herrje, da würde sie aber nachher ein paar heftige Worte verteilen.

    "Entschuldigen Sie bitte, Ihr Name steht hier nicht." Sie blickte auf. "Ich bin Doktor Amroth. Was kann ich für Sie tun?"

    Mellah lehnte ihre Unterarme auf den Tisch, verschränkte die Finger miteinander und sah den Mann vor sich aufmerksam an. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass diese Haltung auf Erwachsene halbwegs einladend wirkte und nicht zu abschreckend.

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen
     
  11. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Riuen

    Riuen hatte sich die Mühe gemacht, Doktor Mellah Amroths Doktorarbeit in Teilen zu lesen. Da sie erst recht neu war, konnte er kaum erzählen, dass man sie ihm empfohlen hatte. Und da er hier niemanden kannte, der Kinder hatte und diese Ärztin kannte, würde er auch nicht behaupten können, das ein imaginärer Freund sie empfohlen hätte. Nicht, dass Riuen glaubte, dass jede Ärztin all die Namen ihrer Patienten kannte, aber da war eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass dem doch so sein könnte, auch wenn im Krankenhaus viel eher ständig neue Leute kamen. Außerdem war er Jorko und damit ein äußerst überbesorgter Vater, der nur Ärzte aufsuchte, wenn er etwas Handfestes über sie erfuhr. Empfehlungen trauen und Bewertungsportalen? Niemals! Ein Arzt war so gut, wie das, was er geschrieben hatte. Fakten. Und da sein Töchterlein eine sehr seltene Krankheit hatte, über die Dr. Amroth geschrieben hatte…

    Dr. Amroth hätte beinahe Eowyns Schwester sein können. Sie hatte eine ähnliche Haarfarbe, beide lange Haare, beide braune Augen. Bloß war Dr. Amroth ein wenig größer, offensichtlich verheiratet (die Arme!) und ebenfalls hübsch. Sehr seltsam, aber den Namen Mellah schienen nur attraktive Frauen zu tragen. Da war sogar eine ähnliche Ausstrahlung, irgendwie. Jedenfalls kam Frau Doktor im weißen Kittel in den Raum und setzte sich an den Schreibtisch, was Jorko dazu brachte, sein sehr aufgeregtes Auf- und Ablaufen zu unterbrechen. „
    Jorko,“, nannte der Chiss also, ganz in seiner Rolle, seinen Namen. „Besser diese kurze Version, der Rest ist so umständlich.“ Kein Lächeln, kein Grinsen, bloß Müdigkeit in der Stimme, als er sich setzte, aber dabei gespielt nervös mit dem Bein wackelte. „Ich sollte gar nicht hier sein. Nicht alleine, das weiß ich. Aber meine Tochter würde ganz sicher nicht kommen, noch weniger, wenn sie wüsste, warum ich überhaupt hier bin. Schlimmer, sie würde mich hassen…“ In einer einzigen, verzweifelten Geste hob Jorko die Schultern und ließ sie sinken. „Also noch mehr als sonst, und das…“, jetzt schüttelte er den Kopf und kam sich vor, als wäre er Ian, „kann ich nicht. Jaaaaa, ich weiß, sie ist jetzt in diesem Alter in diesem, wo alle Kinder ihre Eltern hassen, aber… Haben sie Kinder?“ Nicht, dass er ihr Zeit ließ, direkt darauf zu antworten. „Die Pubertät ist viel schlimmer, als alle behaupten!“ Viel, viel, viel schlimmer, klang da ganz deutlich mit. „Vielleicht hätten wir nicht her ziehen sollen und ich hätte mir denken können, ne, denken müssen, dass so ein Umzug nichts Gutes bringt, aber das ist schon so lange her. Aber sie, sie wirft mir‘s immer noch vor! Nach all den Jahren! Wenn sie Kinder haben, ziehen sie niemals weg. Niemals! Vielleicht in einen anderen Ort, aber nie auf einen anderen Planeten. Das wird ihnen immer vorgehalten werden. Immer!“ Erneut hob der Blauhätige die Schultern und ließ diesmal einen Arm auf den Tisch sinken, nicht ohne ihn dabei beinahe kraftlos und mit einem leisen, aber nicht überhörbaren Geräusch, auf der Tischplatte sinken zu lassen. „Ich brauche ihre Hilfe, Dr. Amroth. Ich will das Beste für Lynn, aber was das ist, das ist für sie ganz anders. Unsere Meinungen gehen da sehr weit auseinander. “
    Natürlich hatte er noch gar nichts Genaues erzählt, obwohl er schnell udn viel geredet hatte, aber er musste seine Rolle glaubhaft spielen und außerdem wollte er an die ein oder andere Information kommen. Vielleicht hatte er Glück damit.

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen

     
    Zuletzt bearbeitet: 3. März 2018
  12. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen

    Jorko - okay, aber nannte sie ihn nun "Herr Jorko" oder nahm sie seinen Kernnamen als Vornamen an? Leider waren Chiss ein wenig komplizierter als Menschen, was die Namensgebung anbetraf, und Mellah wollte den nervösen Mann vor ihr nicht auch noch irgendwie beleidigen... also "Herr Jorko". Sie nickte.
    Er hörte auf, sich zu bewegen, und setzte sich zu ihr an den Tisch, was schon mal etwas Ruhe in das ganze Gespräch hineinbrachte. Sehr gut. Ihre kurze Frage hatte außerdem dazu geführt, dass er gleich mit einem ganzen Wortschwall herausplatzte, aus dem Mellah versuchte, das wichtigste herauszufiltern.

    Es ging also um seine Tochter, die ihn nicht hier sehen wollte, so weit, so schlecht.
    Die Beziehung schien insgesamt nicht gut zu sein.
    Alter: Pubertät.
    Nicht von Tirahnn.
    Name: Lynn.

    Aber was genau er wollte, was für ein Problem seine Tochter hatte, damit rückte er nicht heraus. Nervosität? Vermutlich. Wenn ein Vater etwas hinter dem Rücken seinere Tochter tat, fühlte dieser sich meist nicht sonderlich wohl dabei. Und dennoch wusste Mellah, dass man manchmal auch Dinge tun musste, die die Kinder schrecklich fanden. Das begann beim Holoschirmverbot und ging bis hin zu ernsthaften Konsequenzen bei Drogenmissbrauch oder ähnlichem. Meistens würden sie es aber hinterher verstehen. Bloß blieb die Frage, was genau Herr Jorko nun von ihr wollte? Ausgerechnet und zwingend auch von ihr?

    Wenigstens diese paar wenigen Informationen notierte Mellah handschriftlich auf ihrem Datapad, während ihr Gegenüber sprach - sie arbeitete besser, wenn sie schrieb, als wenn sie tippte. Dann sah sie ihn beruhigend an.

    "Ihre Tochter wird von Ihrem Besuch hier ja erst einmal nichts erfahren, wenn es schlicht darum geht, sich ein paar Hilfestellungen zu holen, Herr Jorko. Aber um was genau geht es Ihnen?"

    Mellah lächelte freundlich. Der Chiss vor ihr schien noch sehr nervös und aufgewühlt zu sein, sie hoffte, ihn durch ihren ruhigen und etwas langsameren Tonfall noch ein wenig beruhigen zu können.

    "Ich bin mir sicher, Sie wollen nur das beste für ihre Tochter. Ich weiß leider, dass das nicht immer leicht durchzuführen oder zu finden ist, ich erlebe das tagtäglich."

    Daheim sowie hier im Krankenhaus. Manchmal war es anstrengend - manchmal aber machte es den Alltag wesentlich interessanter. Und sie musste auch zugeben, dass nicht immer die Eltern Recht hatten... manchmal lohnte es sich, auch auf die Kinder zu hören. Kommunikation war in ihrem Arbeitsbereich ein A und O, es erforderte oft viel Fingerspitzengefühl, das beste für die Kinder herauszuholen.

    "Ich nehme an, Lynn hat ein medizinisches Problem?"

    Sonst wäre er wohl nicht hier. Pubertät konnte durchaus bedeuten, dass es auch um Verhütung oder ähnlich gelagerte Geschichten ging, aber dann hätte Herr Jorko doch wohl eher eine Gynäkologin aufgesucht...? Und warum ausgerechnet sie, Mellah war sich relativ sicher, dass auch Doktor Frahn heute vormittag Dienst hatte. Sie war allerdings älter als Mellah, wesentlich. Lag es daran? Dachte er, sie hätte einen besseren Draht zu seiner Tochter? Hm.
    Fragend sah sie den Mann vor ihr an - er würde schon mit mehr Informationen herausrücken müssen, damit sie ihm helfen konnte.


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  13. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen

    Dr. Amroth machte sich kurze Notizen, wahrscheinlich hatte sie die wenigen Informationen aufgesammelt, die Riuen aka Jorko ihr da soeben vor die Füße geworfen hatte. Um den heißen Brei zu reden war unheimlich wichtig. Mellah musste, wenn sie denn die richtige war, davon überzeugt sein, dass hier kein Spitzel vor ihr saß. Er würde vorsichtig sein müssen und taktisch, um überhaupt die Informationen zu bekommen, die er benötigte. Ganz ungefährlich war die ganze Sache nicht. Was, wenn die Dame in der Zwischenzeit zu einer waschechten Imperialen geworden war? Was, wenn sie dann den Sicherheitsdienst rufen würde, weil Riuen zu unvorsichtig gewesen war? ‘Türlich, er wollte Ian helfen und auch Eowyn, aber in ein imperiales Gefängnis wollte er dafür sicherlich nicht. Von dort aus hätte er schließlich auch nicht mehr helfen können und allgemein, die Zeit beim imperialen Militär hatte ihm gereicht und das für den Rest seines Lebens. Fest jedenfalls stand, dass er die ein oder andere Information einbauen würde, die Ian ihm gegeben hatte. Verbindungen von Lynn zu Eowyn, um herauszufinden, ob das etwas in Mellah auslöste, was sie die Gesuchte sein lassen konnte.

    Als Dr. Amroth erklärte, dass Lynn von diesem Besuch erst mal nichts erfahren musste, nickte dieser sehr dankbar, hielt dann aber, nach ein paar Sekunden, die andeuteten, dass er das Gesagte noch einmal durchgegangen und auf etwas seltsames dabei gestoßen war. „Erst einmal?“, fragte er und klang dabei nicht etwa misstrauisch, sondern viel eher panisch.
    „Sie darf davon gar nichts erfahren! Sie darf nicht mal wissen, dass ich hier gewesen bin, sonst…“ Jorko schüttelte den Kopf und fragte sich, wie Ian das ständig tun konnte. Je heftiger die Bewegung, desto unangenehmer die Sache. „Lynn wird das als Verrat ansehen, sagen, ich wäre ihr in den Rücken gefallen. Sie würde mich hassen, sie darf das nicht wissen, Dr. Amroth! Sie… sie dürfen ihr doch gar nichts von meinem Besuch sagen, das steht doch unter der Schweigepflicht. Da bin ich ganz, ganz sicher.“ Alles in allem spielte Riuen hier einen besorgten Vater, der Angst vor so einigem zu haben schien und der außerdem nicht gerade mit dem höchsten IQ gesegnet war. Mach das Beste draus! Das war Jorkos Dewiese und tatsächlich auch die von Riuen, der leider nie ein Problem damit gehabt hatte, dem Schulstoff zu folgen. Dr. Amroth gab preis, dass sie tattäglich erlebte, dass es nicht immer so einfach war, Sprösslingen das Beste zukommen zu lassen. Tagtäglich. Also hatte Dr. Amroth Kinder, wenn sie nicht tagtäglich arbeitete, was er, aufgrund des Rings den sie trug, nicht annahm. Aber diese Information war nicht die wichtigste, denn Ian hatte nicht erwähnt, dass Mellah Kinder hatte. Oder verheiratet war. Oder den Nachnamen Amroth trug. Nein, der werte Herr ‚Du musst mir helfen‘, hatte karge Informationen da gelassen.
    „Ein medizinisches Problem ist das nicht.“ Zögern. „Na ja.“ Noch ein Zögern. „Nicht direkt?“, fragte er und klang dabei ganz so, als müsse er sich diese Frage selbst beantworten. „Nicht ausschließlich,“ schob er dann hinterher, als er ein altes, beinahe zusammenfallendes Portmonee aus seiner Hosentasche zog und dort zwei Bilder hinaus fischte um sie Dr. Amroth zu präsentieren.
    „Das ist Lynn“, sagte er mit Stolz und deutete auf das Bild jüngeren Datums, das eine 13 jährige zeigte, die graues Haar und hellrote Augen besaß. „Sie ist zum Teil Arkanierin, deswegen diese Haarfarbe, die sie verflucht.“ Und die Jorko, und das hörte man deutlich, natürlich überhaupt nicht verfluchte. „Als Lynn geboren wurde, war noch alles gut. Ihre Mutter war ein wunderbare Frau.“ Riuen wäre ein begnadeter Schauspieler gewesen, denn ihm gelang, was nur wenige konnten. Seine Augen wurden glasig, auch wenn er die Träne hastig weg wischte. Riuen war es nicht unbekannt, jemanden zu verlieren, den er gerne hatte. Vielleicht war das niemand gewesen, den er auf diese Art geliebt hatte, aber er hatte Freunde verloren und um diese getrauert. „Sie haben einen Ausflug gemacht, ich hab ihnen immer beiden gesagt, dass Speeder eine gefährliche Sache sind und das man, wenn man fliegt, das in einem Raumtaxi tun muss. Weil da überall um einen herum Schutz ist. Aber ein Speederbike ist… ein Höllenfahrzeug! Es ist gefährlich und ich weiß das noch besser, ich repariere diese ganzen Sachen und ich würde das verbieten. Das die auf den Markt kommen. Ich würde das verbieten, mit hohen Strafen, wenn man sich dagegen setzt!“ Lauter zu werden war wenig problematisch, dennoch, Jorko war jemand, der nicht so einfach Gefühle zeigte und so wurde er seltsam beherrscht lauter. Unterdrückt. Eben wie jemand, der versuchte, etwas zurückzuhalten, was längst nach oben hätte kommen müssen. Was bei Eowyn ja ganz ähnlich war.
    Laut werden war problematisch, leise werden nicht und so heftete Jorko seinen Blick auf das zweite Bild, dass ihn, eine Arkanierin und ein Kind zeigte, dass um die 6 Jahre alt war. Tatsächlich handelte es sich hier um eine Freundin und deren Tochter, die wirklich ein Chiss-Arkanier-Hybrid war.
    Ich weiß, dass man mit 6 nichts auf einem Speeder zu suchen hat, auch nicht, als Mitfahrer. Ich weiß das und ich hab das Serifa gesagt, ich hab ihr das gesagt. Dass so was nicht geht. Dass es gefährlich ist. Aber da würde es eine Strecke geben, die sicher sei, eine Strecke, wo nur gesittete Leute fahren.“ Riuen wusste, dass Eowyns Mutter durch einen Unfall ums Leben gekommen war. Ian hatte nicht viel gesagt, etwas von Fahrzeugen, etwas von Alkohol. Eine Verbindung musste geschaffen werden, die ihn irgendwie näher an Mellah brachte und die dennoch keinen Verdacht erweckte. „Sie hatten einen Unfall.“ Jorko beeilte sich, dass zu sagen und sprang dann in einen Verteidigungsmechanismus. „Es war nicht Serifa Schuld. Sie ist nicht schnell gefahren. Sie ist gefahren, obwohl ich das nicht wollte, ja, aber sie ist nicht zu schnell gefahren. Aber dieser andere… Dieser andere, er ist zu schnell gefahren! Und er war nicht mehr bei Sinnen, weil er etwas genommen hat. Irgendwelche Gewürze und die, die würde ich auch verbieten! Genau wie Speeder und Drogen und,“ jetzt sah er Dr. Amroth zwei Sekunden länger an, „wie Alkohol und alles, was sonst noch irgendwie mit dem Kopf macht, dass er anders arbeitet.“ Ein erneutes, langes Seufzen, dann eine Pause, in der sich Jorko erst sammeln musste. „Lynn hatte Glück. Aber seit diesem Tag hat sie eine infantile Ze – re – bral – parese.“ Jorko hatte dieses Wort lange üben müssen, um es so fehlerfrei aussprechen zu können, auch wenn es nun einmal seine Zeit dauerte… „Ich weiß, dass sie darüber geschrieben haben, warum ich auch zu ihnen gekommen bin.“ Was sehr danach klang, als sei er aufgrund dieses Problems hier, was aber so oder so nicht der Fall war. „Sie hat das gut im Griff inzwischen. Man sieht das von außen nicht mehr so deutlich. Aber man sieht es.“ Jorko seufzte lange. „Dr. Amroth, aber das ist doch gar nicht der Grund, warum ich hier bin.“ Jedenfalls… „Nicht der einzige. Sie… ich….“ Er stockte, wippte nervös mit dem Bein. „Sie haben doch unterschreiben, dass ich hier alles sagen kann? Ich mein, so unterschrieben, dass sie… also das hier niemand kommt und mich einsperrt?“ Reaktionen, kleinere, größere, er brauchte Zeit.
     
  14. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen

    Beruhigend sah Mellah den Chiss vor ihr an.

    "Mit 'erst einmal' meine ich, dass Ihre Tochter erst etwas von diesem Besuch erfahren muss, wenn Sie bereit dafür sind, keine Sorge."

    Eieiei. Dieses Gespräch würde noch ganz schön viel Fingerspitzengefühl von ihr verlangen... und Zeit. Mellah hoffte, dass sich draußen nicht ein ganzer Strom Patienten ansammeln würde, aber sie war zum Glück nicht die einzige Kinderärztin im Dienst. Und sie durfte sich nicht ablenken lassen von diesem Gedanken, wichtig war momentan nur die Person, die vor ihr saß.

    Er war also nicht wegen eines medizinischen Problemes hier? Huch? Und dann aber wieder doch? Ein wenig verwirrt betrachtete Mellah Herrn Jorko. Er widersprach sich selbst. Aber das war vielleicht normal in dieser Situation? Was auch immer diese Situation war. Ein wenig Zeit würde sie ihm noch geben.
    Er legte ihr Bilder vor, altmodische Bilder, gedruckt, und man merkte ihm den ganzen Vaterstolz an, als er von Lynn erzählte. Das Mädchen auf dem Bild sah sehr interessant aus - blaue Haut, weiße Haare, eine Mischung, die außergewöhnlich war und ihr Aufmerksamkeit garantierte. Der Heimatplanet Arkania erklärte das, und Mellah machte sich eine weitere Notiz.

    "Sie sieht nett aus", warf sie mit einem warmen Lächeln ein, wusste sie doch genau, dass Eltern solche Komplimente gerne hörten. Sie selbst mit eingeschlossen, selbstverständlich.

    Verständnisvoll nickte Mellah und stellte beiläufig die Packung Taschentücher aus dem Regal unter dem Schreibtisch zwischen sie beide, ohne den Chiss aus den Augen zu lassen. Er erzählte die komplette Geschichte davon, wie er seine Frau verloren hatte, und Mellah fragte sich, ob er überhaupt mit anderen Leuten darüber sprach? So klang es nicht, es klang so, als ob er dies alles normalerweise für sich behielt. Wenn die ganze Geschichte nun so lange her war, dass seine Tochter schon in der Pubertät war, dann waren es mindestens sechs Jahre, eher acht. Und es nahm ihn noch ordentlich mit. Vielleicht ein Fall für die Seelsorger...? Eine weitere Notiz tauchte auf ihrem Datapad auf. Nach einer gewissen Zeit sollte man Fortschritte mit dem Trauern machen, das schien hier aber nicht der Fall. Sie hatte an Halet gesehen, wohin es führen konnte, wenn jemand zu sehr trauerte, auch wenn sie noch jung gewesen war - an Halet und an Eowyn. Faszinierenderweise war diese Geschichte ähnlich, aber sie kam leider viel zu oft vor in der Galaxis. Viel, viel zu oft.
    Mellah ließ ihn reden, ohne seinen Schwall zu unterbrechen, wenn sie etwas sagte, konnte es sein, dass er aufhörte zu sprechen, und das wollte sie nicht riskieren.
    Lynn hatte also überlebt, zum Glück, und jetzt wurde es endlich interessant, jetzt begriff Mellah langsam, weshalb er bei ihr war. Die Zerebralparese. Ein Thema, mit dem sie sich durch ihre Doktorarbeit sehr gut auskannte, und irgendjemand musste Herrn Jorko davon berichtet haben. Ja, jetzt ergab alles irgendwie Sinn.

    Der Chiss vor ihr machte den Eindruck, als ob er seine Tochter über alles lieben würde, als ob er alles für sie tun würde - aber auch gleichzeitig vollkommen überfordert war durch die ganze Geschichte. Natürlich, eine Zerebralparese war für eine Teenagerin nicht einfach, erst Recht nicht, wenn die Mutter fehlte, der sich Kinder in diesem Alter manchmal anvertrauen konnten. Wenn dann noch die üblichen Pubertätsprobleme dazukamen, eine Herkunft, die sie nicht glücklich machte und außerdem dieser Umzug... eine gemeine Kombination.

    Aber so schnell, wie Mellah begriffen hatte, so schnell machte sich wieder Verwirrung breit. Deshalb war er nicht hier, sie hatte es schon im Griff? Nanu? Und er war doch deshalb hier, aber nicht nur? Es wirkte so, als ob sie dem Mann vor sich alles aus der Nase ziehen musste, und manchmal war weniger mehr. Keine langen Reden, sondern schlichte Ansagen. Gerade bei Personen wie Herrn Jorko, die viele andere Dinge im Kopf hatten. Aber warum sollte jemand ihn
    einsperren? Hm, jetzt wurde es knifflig. Kindswohl stand über allem... wenn Lynn in Gefahr war... Aber konnte ein Kind bei einem Vater, der sie so liebte, in ernsthafter Gefahr sein, so, dass man ihn einsperren musste? Möglich war es schon. Aber auch wahrscheinlich? Andererseits hatte sie mittlerweile schon so viel erlebt, gesehen oder gehört, dass es nicht auszuschließen war.
    Und ihr Instinkt?


    "Herr Jorko..."

    Mellah begann mit beruhigendem Tonfall.

    "Was Ihnen und Ihrer Tochter zugestoßen ist, das war grausam, und es tut mir wirklich außerordentlich Leid.
    Ich werde Sie und Lynn gerne unterstützen, wenn es um die Zerebralparese geht. Was den Rest angeht, so werde ich ebenfalls mein Möglichstes geben, um Ihnen beiden zu helfen, aber es fällt mir schwer, wenn ich so gar nicht weiß, weshalb sie hier sind."

    Sie lächelte ihm zu, ein Lächeln, von dem sie ebenfalls hoffte, dass es beruhigend und aber auch aufmunternd wirken würde. Langsam musste sie aber Farbe bekennen.

    "Ich bin mir sicher, dass wir eine Lösung finden werden, um Ihr Problem anzugehen, auch ohne, dass jemand weiteres hinzugezogen werden muss."

    Ob er bemerkte, dass dies keine definitive Zusicherung war? Mellah wusste es nicht. Ja, sie würden das Problem gemeinsam angehen - aber wenn sie bemerkte, dass Lynn in Gefahr war, dann würde sie die Reißleine ziehen müssen. Nichts anderes hatte sie ihm soeben "versprochen". Aber letzten Endes würde er ihr vielleicht sogar zustimmen.

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen
     
  15. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen aka Jorko

    Keine Raktion. Kein kurzes Einfrieren des Gesichts, kein verziehen des Mundes, nichts, was auch nur erahnen ließ, dass Mellah Amroth die beste Freundin von Eowyn war und er, Jorko hier eine Gemeinsamkeit angesprochen hatte. Aber Riuen musste in seiner Rolle bleiben und durfte sich nicht davon irritieren lassen, ins Leere gelaufen zu sein. Der falsche Köder, er musste den richtigen suchen. Zugegeben, er war hier im Krankenhaus und würde nicht ewig Zeit haben, aber noch war nicht aller Ärzte Feierabend, demnach war da also noch Zeit.
    Das ist sie auch,“ kam im richtigen Moment, mit einem Lächeln, das vor Stolz überquoll und einem Leuchten in den Augen, das ihn, hätte er es sehen können, selbst überzeugt hätte. Dann kam die typische Beileidsbekundung, die nur ein Arzt aussprechen konnte und das war der Moment, in dem Riuen sich und Jorko innerlich als Idioten schalt. Ärztin. Eine Ärztin wusste wohl bestens darüber Bescheid, wie viele Unfallopfer es gab. Vor allem eine, die im Krankenhaus arbeitete. Welche Brücke hatte er hier also schlagen wollen? Da waren beim Imperium wohl doch ein paar Hirnwindungen geblieben. Anfängerfehler. Verzeihbar.

    Dr. Amroth, sie verstehen das nicht.“ Oh, er klang wie Eowyn. Bewegte er seinen Kopf schüttelnd wie Ian, sprach er jetzt wie Eowyn. Dabei wurden sich nur Paare immer ähnlicher, aber nicht Freunde von Paaren. Wenn es nur die Ze – re – bral – parese wäre… Jorko ließ es klingen, als wäre da eine sehr, sehr lange Geschichte dahinter und tatsächlich war hier sehr viel dahinter. Die nächste Information die er heraus geben würde, war eine, die ihm gefährlich werden konnte. Zumindest, wenn er nicht aufpasste.
    Sie hat diese Fähigkeiten…“ Und jetzt tat der Chiss, als schäme er sich fürchterlich, was leicht zu spielen war. Machtsensivität, Chiss. Keien gute Kombiantion, wenn man alteingesessene Blauhäute fragte. Ich meine… diese spezielle Fähigkeit.“ Jorko ließ das Bild sehr, sehr ungelenk in die Höhe schweben. Einen Zentimeter vielleicht, bis es zurück auf den Tisch segelte. Das war kein Schauspiel, sondern die traurige Tatsache einer nicht begonnen Ausbildung. Allein diese Übung hatte ihn mehr gekostet, als sein Studium. Gut, gut, das war auch einfach gewesen, aber gut. Jetzt räusperte er sich, und versteckte seine Hände unter den Tisch. „Ich kann sie nicht gehen lassen, um diese Fähigkeit weiter zu, zu, wie heißt das?Als wären die Worte rechts über ihm, blickte er in diese Richtung. Manifestieren? Sie darf das nicht lernen, Dr. Amroth. Haben sie, ich meine, haben sie jemals,“ und es war schwer seine Abneigung zu übertünchen, so, als hätte er Angst, „von den… sie wissen schon. Diesen,und jetzt beeilte er sich, das Wort „imperialen“ schnell und leise auszusprechen, als hätte er es nur versehentlich erwähnt, und als sei nicht klar, welches Wort nun schlimmer war, Machtnutzern gehört? Stille, dann schlug er auf den Tisch, diesmal laut und diesmal zuckte er selbst zusammen. „Da lasse ich sie nicht hin. Sie, sie müssen dafür sorgen, dass das, was in ihr ist und macht, das sie das kann, nicht mehr da ist.“ Dabei sah er sie durchdringend an. Das hier war kein Verrat am Imperium, sondern die ganz normale Angst eines Vaters. Sehen sie, Doktor, mit Lynns Problematik… Sie kann nicht dorthin. Nicht mit und nicht ohne ihre Problematik. Sie… sie werden sie auslachen! Sie werden sie beleidigen. Ich weiß das. Doktor Amroth, ich weiß das.“ Verzweiflung brach durch seine Stimme. Jorkos Verzweiflung. Für Riuen wäre es Wut gewesen, große Wut. Wut, die vielleicht nicht zu einem Jedi passte. Vor ein paar Jahren wäre das noch anders gewesen. Vielleicht.“ Als die Republik hier am Start gewesen war, so viel verstand sich hoffentlich von selbst, „aber sehen sie sie an, Doktor Amroth,“ und Jorko deutete auf das Bild, auf seine Tochter. Sie ist nicht wie sie“, nun deutete er auf Mellah. Sehen sie mich an. Wir passen nicht, verstehen sie? Nicht in dieses verfluchte, diskriminierende Imperium! Eine kleine, nette Parallele. Ohne ein böses Wort. Ohne ein einziges.

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen aka Jorko
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2018
  16. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen (Jorko)

    Natürlich verstand Mellah nicht. So ein Scherzkeks. Wie sollte sie verstehen, wenn er ihr nicht sagte, um was es ging? Noch hatte sie aber ihre Geduld mit dem Mann vor sich, er hatte es offensichtlich nicht einfach gehabt, und eigentlich sollte sie sich geehrt fühlen, dass er sich ihr gegenüber öffnete. Es steckte also definitiv mehr dahinter als "nur" die schlichte Krankheit seiner Tochter. Nein, da waren auch irgendwelche ominösen Fähigkeiten, Fähigkeiten, die wohl ein Problem darstellten. Was seltsam war. Denn Fähigkeiten waren in der Regel nichts schlechtes? Ein bisschen fühlte sich Mellah wie daheim, wenn Déor irgendetwas angestellt hatte und nicht mit der Sprache herausrückte. Geduld, ein klein wenig Drängen (aber nicht zu viel!) und ein offener Blick.

    Beinahe hätte sie seine kleine Demonstration der "Fähigkeit" verpasst. Mellah sah erst nur aus dem unteren Augenwinkel, wie das Bild sich ein wenig hob, minimal, aber deutlich - nicht nur seine Tochter schien diese... "Fähigkeiten" zu haben, wenn auch Herr Jorko sie kaum beherrschte. Sie starrte noch eine Sekunde auf das Bild, ehe sie die Augen wieder hob und ihrem Gegenüber ins Gesicht sah.
    Ah.
    Diese Fähigkeit also...
    Und sie wollte sie weiter ausbauen? Dumme Idee, bei einer Chiss-Familie, so viel wusste Mellah.

    Aber ab jetzt musste sie vorsichtig sein. Äußerst vorsichtig. Gespräche über das Imperium waren immer gefährlich, und Gespräche über Sith, nun ja, dazu ließ man es eigentlich am besten erst gar nicht kommen. Dumm, wenn es einem aber aufgezwungen wurde. So wie jetzt.
    So beließ Mellah es dabei, dem Chiss erst einmal nur leicht zuzunicken. Ja, sie hatte von ihnen gehört. So wie wohl so gut wie jeder. Und man wusste nicht, was man glauben sollte und was nicht, was diesen Leuten sicher wunderbar in den Kram passte.
    Sie erschrak fürchterlich, als er vor ihr diesen unvorhersehbaren Schlag auf den Schreibtisch setzte, und fuhr zusammen. Wurde er jetzt aggressiv? Oh, jetzt musste sie aufpassen. Ein in die Enge getriebener Vater... eine gefährliche Sache. Verständlich aber, denn sie würde weder Déor noch Brega irgendwann einmal auch nur eine Zehe nach Bastion setzen lassen - und erst Recht nicht dorthin, wo auch immer die Sith hausten. Aber die Machtfähigkeit ausschalten? Jetzt verlangte er zu viel von ihr. Und vermutlich war ihm das gar nicht klar. Man konnte dies weder aus- noch einschalten, so viel meinte Mellah zu wissen.
    Auch wenn sie verstehen konnte, dass Lynn mit ihrer Problematik bei den Sith wohl ein willkommenes Ziel für alle wäre... Nun ja, eigentlich hatte sie keine Ahnung von den Sith, aber waren Leute, die... anders waren, bei Leuten wie ihnen nicht immer am untersten Ende der Nahrungskette? Allerdings, genau wie sie selbst schien Herr Jorko seine Tochter auch ohne die Zerebralparese nicht dort hin lassen zu wollen. Was klar war. Er war ein Chiss. Und es war das Imperium... und die Sith.

    Zumindest, wenn er das war, was er vorgab zu sein.

    Was, wenn Halet tiefer in irgendetwas drinsteckte, als sie ahnte? Was, wenn man sie testete? Um herauszufinden, wie tief sie selbst darin steckte? Oder um an Halet heranzukommen?
    Was, wenn das hier einfach nur wirklich ein besorgter Vater war? Wie bei allen Märkten sollte sie das herausfinden?

    Sie konnte ihn auch einfach hinausschicken. Ihm sagen, dass sie ihm leider nicht helfen konnte. Aber wenn letzteres zutraf, dann würde sie ein hilfloses Kind womöglich dem Imperium ausliefern... weil er sich an andere wenden würde? Weil Lynn es vermutlich lernen wollte?

    War es das Risiko wert, ihre eigene Familie in etwas hineinzuziehen, falls ersteres zutraf?

    Ja, vor ein paar Jahren noch wäre das alles wirklich kein großes Problem gewesen. Aber leider war nun einmal das Imperium momentan an der Macht, und nichts ließt sich daran ändern. Zumindest nicht heute, nicht momentan.
    Mellah wusste nicht, ob die Sith genauso abweisend gegenüber anderen Spezies waren wie das Imperium selbst, immerhin waren Machtnutzer selten, aber ja, das Risiko wäre wohl zu hoch... Mellah starrte auf das Bild von Lynn und fühlte sich momentan völlig hilflos. Woher sollte sie wissen, woran sie war? Woher sollte sie wissen, was richtig war? Mensch, hätte sie genau diese Machtfähigkeiten, dann würde sie es sicher wissen, hieß es nicht, dass Jedi wussten, wenn jemand log? Aber sie hatte sie nicht.

    "Wissen Sie...", begann Mellah langsam und schüttelte den Kopf.
    "Es tut mir Leid, aber ich kann diese... Fähigkeit... nicht entfernen. Das ist, so weit ich weiß, nicht möglich."

    Bedauernd sah sie den Chiss vor sich an. Immerhin diese Entscheidung wurde ihr ja abgenommen. In diesem Fall konnte sie einfach nichts tun. Aber Mellah wusste genau - als aufrechte, imperiale Bürgerin, da würde sie vermutlich melden müssen, dass hier ein machtsensitives Kind entdeckt worden war. Sie wusste, dass Personen mit dieser Fähigkeit selten waren. Sie wusste, dass sie immer gesucht wurden. Eine aufrechte Bürgerin würde ihn melden. Ganz sicher.
    Andererseits... niemand konnte von ihr verlangen, einen offensichtlich aggressiven Chiss zu melden, während er in ihrem Sprechzimmer saß, oder? Und sie hatte keinerlei Angaben von ihm bekommen. Also konnte sie hinterher völlig legitim behaupten, sie hätte ihn melden wollen... Verflixt. Ja, hier war Lynn.. auf der anderen Seite waren Brega und Déor... Verflixt!
    Aber sie konnte wirklich nichts für den Mann vor ihr tun. Sie konnte die Macht nicht entfernen. Und wenn es nicht um die Zerebralparese ging...

    "Gibt es sonst etwas, was ich für Sie tun kann? Hören Sie... es tut mir wirklich Leid, aber ich kann da nichts machen."

    Sie hatte irgendwie das dringende Bedürfnis, sich tief zu entschuldigen. Er tat ihr wirlich Leid. Aber was, was sollte sie machen, selbst, wenn er war, was er vorgab zu sein? Am liebsten hätte sie ihn an Eowyn verwiesen, aber das war nun einmal nicht drin. Und ihre alte Freundin hatte anscheinend gerade sowieso schon genug Probleme.

    "Ich wünschte wirklich, ich könnte Ihnen helfen."

    Mellah zuckte bedauernd mit den Achseln und schüttelte den Kopf.

    "Und wenn es um die Zerebralparese geht, dann stehen meine Türen Ihnen und Ihrer Tochter jederzeit offen. Aber diese... Fähigkeit... übersteigt wiederum meine Fähigkeiten."

    Mellah sah Herrn Jorko tief in die Augen.

    "Es tut mir Leid."


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  17. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

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    War da etwas? Doktor Amroth sah ihn an, als Riuen seine beinahe peinliche Fähigkeit der Levitation vorführte. Dennoch, sie sah ihn an und ihr Blick verriet, dass sie überlegte. Was natürlich alles bedeuten konnte. Auch, dass sie eine Meldung darüber machen würde, dass hier jemand erschien der ein Kind hatte, dass sofort zu den Sith sollte. Und natürlich er selbst. Zwei Rekruten. Das könnte eine Belohnung darstellen. Aber die Ärztin machte nicht den Anschein, als wäre da etwas verräterisches an ihr. Da war kein seltsamer Glanz in ihren Augen und auch sonst nichts, was Riuen Gefahr wittern ließ. Stattdessen spürte Riuen etwas anderes. Hilflosigkeit. Vielleicht sogar so etwas wie Mitleid? Wäre er doch nur etwas firmer, was den Umgang mit der Macht betraf, das hier wäre so viel einfacher gewesen. Vielleicht war seine Taktik unklug gewesen. Aber sonderlich viele Optionen, die ihn nicht in Gefahr brachten, gab es nun einmal nicht. Das vermaledeite Imperium eben, dass Riuen innerlich verfluchte.

    Dann kam echtes Bedauern und es wirkte mehr als aufrichtig, als Mellah erklärte, nicht helfen zu können. War da ein schlechtes Gewissen? Sie entschuldige sich mehrfach. Bedauerte, ihm nicht helfen zu können. Da war etwas, etwas, das alles sein konnte und eben wieder nichts. Kein brauchbarer Hinweis, ob sie die richtige war. Stattdessen stand das Gespräch kurz vor der absoluten Beendigung. Was für ein Mist. So funktionierte das nicht. Phase zwei.

    Jorko sackte in sich zusammen, ein Häufchen Elend, dass zitternd nach den Bildern griff. Erst im dritten Versuch gelang es, die Bilder zurück in die Geldbörse zu stecken. Ein Knick. Ein schmerzlicher Ausdruck im Gesicht
    .
    "Dann werde ich ihre Medikamente absetzen," sagte Jorko dann. Tonlos. "Das ist das einzige, was Sinn macht. Wenn es wieder schlimmer wird, werden sie sie nicht haben wollen. Wenn es schlimmer wird, wird..." Jorko brach ab, schlug die Hände vors Gesicht. Wenn es schlimmer würde, sie würde ihn hassen! Er würde sich hassen! "Das macht alles kaputt," stieß er hervor. Zwei Sekunden Pause. Dann versuchte Jorko sich zu straffen, gerade zu sitzen, was nur mittelmäßig gelang.
    "Einen Anderen Arzt. Kennen Sie einen anderen Arzt? Jemand der diese Fähigkeit weg macht?" Erwartungsvoll sah er sie an, eine Sekunde, brach dann erneut in sich zusammen. "Ich hätte nicht kommen dürfen. Sie werden das melden. Und wenn ich einen anderen Arzt frage, wird der das melden. Dann ist Lynn bei den Sith und ich im Gefängnis. Dann..."
    Oh, er würde Ian den Hals umdrehen und erst recht Eowyn. Dafür, dass er hier war, ohne gescheite Informationen. Dafür, dass er zwei attraktive Frauen hatte links liegen lassen. Müssen! Wegen der Suche nach Eowyns bester Freundin aus KINDERTAGEN.
    "Dann melden Sie es gleich."

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    Zuletzt bearbeitet: 16. März 2018
  18. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

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    Es war kein angenehmes Gefühl, jemandem die Hoffnung zu nehmen - womöglich die letzte, die er gehabt hatte. Aber was sollte Mellah schon tun? Sie war Ärztin, keine Jedi, geschweige denn eine Wunderheilerin. Dass der Chiss vor ihr allerdings so reagieren würde... Es war ein Fehler, nicht damit zu rechnen, sie war schon lange genug in diesem Bereich tätig um zu wissen, was fehlende Hoffnung aus jemandem machte. Sie hatte es schon öfters gesehen, aber es überraschte sie leider immer wieder.
    Die Medikamente von Lynn abzusetzen wäre ebenso ein Fehler, ein äußerst großer. Damit wäre die Zukunft des Mädchens womöglich ruiniert, und Mellah blickte Herrn Jork starr an. Natürlich, was wollten die Sith mit einem Mädchen, das seinen Körper niemals unter Kontrolle hatte? Aber das war keine Lösung! Sie konnte nur hoffen, dass er diese Worte im Affekt sagte und sie nicht wirklich ernst meinte.
    Noch bevor sie reagieren konnte, sprach er weiter. Jemand anderes? Herrje, er schien nicht wirklich Ahnung davon zu haben, wie die Macht funktionierte. Und gut möglich, dass jemand anderes ihn melden würde, da war so mancher Arzt und so manche Ärztin, bei der Mellah sehr, sehr vorsichtig war, was sie wie äußerte. Aber sie wiederum durfte mit keinem Wort erwähnen, dass sie ihn nicht melden würde - was, wenn er ein Spitzel war, man würde sie für eine solche Aussage, egal wie sehr sie hinterher beteuerte, dass es gelogen gewesen war, zur Rechenschaft ziehen. Wie so oft verfluchte Mellah das Imperium innerlich. Es wäre so einfach gewesen, ihre ganzen Sachen zu packen und mit der gesamten Familie von Tirahnn fortzugehen... aber das hier war nun einmal Tirahnn, ihr Heimatplanet, hier war sie zu Hause, hier lebten ihre Freunde, Geschwister, Eltern - Tharen und sie waren sich einig, dass sie nicht weg konnten. Aber auf einem republikanischen Planeten hätte sie dieses Dilemma, in dem sie steckte, nicht. So allerdings... überging sie seine letzten Worte schlicht.


    "Herr Jorko."

    Ernst sah Mellah den vor ihr sitzenden Mann an, wissend, dass sie jetzt keinen Fehler machen durfte und überzeugend wirken musste.

    "Niemand wird ihre Tochter davon erlösen können. Wenn es so einfach wäre, wenn man die Macht so einfach ein- und ausschalten könnte, meinen Sie nicht, alle Machtnutzergruppen würden dann andere Wege nutzen, um ihren Nachwuchs heranzuziehen?"

    Mellah wusste nicht sehr viel über die Macht - das eben, was Miri ihr früher erzählt hatte, auch wenn davon ebenfalls vielleicht vieles nur Halbwissen gewesen war. Aber das war ihr klar, das war ihr bekannt - was der Chiss vor ihr wünschte, war unmöglich.

    "Es war nicht falsch, dass sie zu mir gekommen sind. Ich kann Ihnen bei Lynns anderem Problem vielleicht noch behilflich sein. Nur in dieser Sache..."

    Sie schüttelte den Kopf.

    "Und die Medikamente abzusetzen wird ihrer Tochter mehr schaden als nutzen. Sie wird unter den Folgen der Zerebralparese furchtbar leiden, nehmen Sie ihr nicht das bisschen Lebensqualität, dass sie hat. Sinnvoller wäre es, mit ihr zu sprechen."

    Hatte Lynn sich in den Kopf gesetzt, sich ausbilden zu lassen? Wenn ja, dann musste er sie überzeugen, in welche Gefahr sie sich begab. Wenn nein... hatte er es nicht auch geschafft, bisher zu leben, ohne, dass jemand auf ihn aufmerksam wurde? Es war also möglich, er musste nur seiner Tochter einschärfen, sich nichts anmerken zu lassen.

    "Haben Sie noch andere Familienmitglieder, die Ihnen dabei vielleicht helfen könnten? Freunde? Das hilft oft."

    Sie wollte ihn nicht hinausschmeißen, aber dieses Gespräch ging ihr an die Nieren, es zerrte an ihren Nerven - es war schlicht gefährlich, und nach dem Brief gestern und dem Schock brauchte sie jetzt ein wenig Ruhe. Normale Arbeit. Nichts, wo sie jedes Wort auf die Goldwaage legen musste. Und helfen konnte sie dem armen Mann ohnehin nicht, keine Chance.
    Mellah stand auf.

    "Ich bin mir sicher, Sie werden einen Weg finden, der für Sie beide gangbar ist", begann sie, das Gespräch zu beenden.

    Danach würde sie Tharen anrufen. Er würde ihr sagen müssen, wie sie weiter handeln sollte... Ob sie handeln sollte.
    Ohne den Blick vom Chiss abzuwenden, ging sie langsam zur Tür, ihre gewohnt Art, dem Patienten zu sagen, dass die Sprechstunde zu Ende war.

    "Sie bekommen das hin, da bin ich mir sicher. Ihre Tochter hat einen starken Vater, und einen... besonderen noch dazu. Sie finden einen Weg."

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  19. Riuen

    Riuen Senatsbesucher

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen (Jorko)

    Geduld war eine Tugend und dazu eigentlich eine Stärke Riuens, genau wie Humor. Aber diese Sache hier verlor ihren Witz und hier ging es um etwas. Nämlich darum, die richtige Mellah zu finden und ihr diese vermaledeite Nachricht zu überbringen. Die Nachricht, deren Inhalt Riuen nicht einmal kannte, aber Ian hatte keinen Zweifel daran gelassen, wie wichtig ihm diese Angelegenheit war. Zum aus der Haut fahren war das. Keine Information, kein Hinwies, kein gar nichts. Wie praktisch wäre es jetzt gewesen, er könnte einfach in ihren Geist dringen und sich genau die Info heraus suchen, die er brauchte. Aber nein, nicht nur, dass ein Jedi so etwas nicht tat. Selbst wenn, Riuens Fähigkeiten waren nicht ausgebildet. Ein bisschen Levitation, das wars. Doktor Amroth jedenfalls wurde sehr ernst, als sie seinen Namen sagte. Bloß wirkte das nicht beruhigend und Riuen ahnte, dass dieses Gespräch immer mehr in Richtung Ende ging. „Was ich meine ist, dass es weg gemacht werden muss,“ blieb er ganz in der Rolle, auch wenn seinen Worten nun noch mehr Kraft fehlte. Aber nein, Doktor Amroth konnte ihm nicht helfen und noch dazu konnte sie ihm niemandem nennen, der ihm sonst helfen konnte.
    „Mit ihr sprechen, ihr nicht das bisschen nehmen, was sie hat?“ Jorko warf die Hände in die Luft und ließ sie dann wieder sinken. „Sie wissen ja nicht, von was sie reden! Reden? Ich kann sie nicht in die Hände dieser… dieser… sie wissen schon was lassen und da will Lynn auch nicht hin! Sie will…“ und jetzt musste er natürlich sehr leise werden, was sehr schwer war, wo er doch so echauffiert war, „auf die andere Seite… Ins andere…. Lager und versuchen sie, das einer Pubertierenden auszureden. Es geht nicht!“ Riuen wusste, dass Eowyn als Kind zu den Jedi gewollt hatte. Ian hatte es beiläufig erwähnt, aber wahrscheinlich brachte auch diese Information nichts. Etwas löste er in dieser Frau aus, das war deutlich, aber Riuen wusste nicht einzuschätzen, was es war. Betroffenheit, dass sie nicht helfen konnte? Angst, dass man sie hier testete? Wie viel lieber hätte er jetzt bei Mel D. gelegen und ihr irgendein Kompliment ins Ohr gesäuselt. Aber nein, er war bei Doktor Amroth und kam nicht einen Schritt weiter. Sie dafür schon, denn nachdem sie nach Familie oder Freunden fragte, stand sie auf und das war ein alarmierendes Zeichen dafür, dass das Gespräch nicht nur kurz vorm Ende stand. Festhalten konnte er sie nicht, was also blieb ihm anderes übrig, als ebenfalls aufzustehen und sich an seine Tasche zu klammern, in dem zwei Nachrichten warteten und eine kleine Holzschautulle.
    „Da ist niemand, der nicht sofort Verrat schreien würde, denn was ist dieser Vertrag schon wert? Nicht mal den Frieden unter ‚Freunden‘!“ sagte Jorko dann bitter. „Wenn sie keine Arzt kennen, dann… dann,“ Jorko kramte in seiner Erinnerung und spielte einen kleinen Joker aus. Der ihm Kopf und Kragen kosten konnte, „dann wissen sie vielleicht wie ich Familie Elmirith finden kann?“ Elmirith war natürlich falsch, aber Gerüchte beinhalteten kaum exakte und rein richtige Inhalte. Seine Stimme wurde noch leiser. "Vielleicht kann Erowin mir helfen, ich habe Informationen. Ich weiß, dass sie vielleicht was weiß, was mir hilft. Aber ich weiß nicht, wo genau ich sie finden kann. Ich weiß gar nichts Genaues…“ Das Wort Jedi war nicht erwähnt worden, das Wort Republik auch nicht. Rief Doktorin also den Sicherheitsdienst, konnte Riuen … ach, einen Scheiß würde er können. Ohrfeigen. Er würde Ian ohrfeigen und Eowyn die Meinung sagen, das würde er. Dann hatte sie allen Grund ihn weiter nicht leiden zu können.

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  20. Mellah Amroth

    Mellah Amroth Dienstbote

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    Nein... leider wusste Mellah wirklich nicht genau, von was sie redete. Sie kannte den Mann vor ihr doch kaum, seine Tochter gar nicht. Und das Thema war absolut nicht ihres. Besonders unwohl wurde ihr, als Herr Jorko von den Jedi anfing. Ein solches Gespräch wollte sie nicht führen. Nein. Das hier war... gefährlich, äußerst gefährlich, selbst, wenn der Mann war, wer er vorgab zu sein. Was hinderte ihn daran, den Planeten zu verlassen? Es herrschte Frieden. Das Imperium musste ihn ziehen lassen, zumindest waren die Chancen gut. Er konnte einfach verschwinden, anstatt sie in Gefahr zu bringen. Es Lynn auszureden war wohl tatsächlich unmöglich, Mellah wusste, wie sehr Miri damals gekämpft hatte. Gekämpft hatte sie, verloren, und dann war sie doch verschwunden.

    Wenigstens schien der Chiss einzusehen, dass das Gespräch vorbei war. Freunde hatte er wohl keine, was bedauerlich war, aber Mellah konnte ihm nicht helfen. Und mittlerweile war sie auch so weit, ihm nicht mehr helfen zu wollen, das alles war viel zu gefährlich. Hier ging es um ihre Familie. Um ihre Kinder. Sie konnte nicht einem vermeintlichen anderen Kind helfen und gleichzeitig ihre eigenen im Stich lassen, das ging nicht. Nein. Das ging auch über ihren Eid hinaus.

    Ihre Hand lag schon auf der Klinke und sie blickte gerade zur Tür, als Worte fielen, die Mellah kalt werden ließen. Familie Elmirith? Das war kein Zufall. Erst Recht nicht, als noch "Erowin" erwähnt wurde. Nein. Er war gezielt zu ihr gekommen - weil er wusste, dass sie Eowyn kannte. Hatte es etwas mit diesem Brief von gestern zu tun? Waren all die Vorsichtsmaßnahmen, die ihre alte Freundin getroffen hatte, umsonst gewesen, hatte man den Brief verfolgt? Oder hatte man einfach so herausgefunden, wie ihre Verbindung aussah? Miri hatte sich so viele Sorgen gemacht. Versuchte man so, an sie heranzukommen? Zog das alles so weite Kreise?
    Was auch immer los war, dieser Mann war nicht, wer er vorgab zu sein. Er verheimlichte ihr mindestens etwas. Informationen also? Dass sie nicht lachte.

    Er würde nicht an ihre Familie herankommen. Tharen. Sie würde Tharen anrufen, er sollte die Kinder wegbringen. Erst einmal. Sie mussten aus dem Weg sein, weit fort von hier. Wenn es hart auf hart kam, mussten sie doch den Planeten verlassen... Die Möglichkeiten waren nie besser als momentan. Aber erst einmal musste sie diese Situation hier beenden.

    Mellah drehte sich um. Vielleicht war es ein Fehler, dass sie ihn noch immer nicht meldete, aber mit einer solchen Situation konnte sie nicht umgehen. Vielleicht sollte sie den Raum einfach verlassen, selbst verschwinden? Nein, das wäre ein Schuldeingeständnis...

    "Verschwinden Sie aus meinem Sprechzimmer. Sofort. Und wenn ich Sie hier noch ein Mal sehe, dann melde ich Sie. Ebenfalls sofort. Ich kenne niemanden mit diesem Namen, und ich möchte, dass Sie mich in Ruhe lassen. Suchen Sie sich eine andere Spezialistin, Sie sind sicher in der Lage, eine zu finden. Ich bin Ärztin, keine Vermittlerin."

    Mellah öffnete die Tür.

    "Sie finden sicher selbst aus dem Krankenhaus heraus."

    Die Kinder. Vielleicht war es eine Überreaktion, aber die Kinder mussten weg von hier...

    [Tirahnn - Harad - Krankenhaus "Jadum", Behandlungszimmer c12] Mellah, Riuen (Jorko)
     

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