Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

@Darth_Seebi

Wenn du schreibst, der Film wolle mehr schockieren als unterhalten, klingt das für mich so, als wäre der Schock hier Selbstzweck. So nach dem Motto: möglichst hart, damit es wirkt. Genau das sehe ich bei The Bone Temple aber nicht.

Die Gewalt fühlt sich nicht „cool“ an, nicht stylisch, nicht darauf aus, dass man denkt „krass“. Sie ist langsam, schwer auszuhalten und ritualisiert. Und das ist kein Zufall. Der Film zeigt eine Welt, in der Gewalt organisiert ist, geregelt. Genau so funktionieren Sekten. Da geht es nicht um Ausraster, sondern um Kontrolle. Um Macht über Körper. Um das Gefühl, dass alles einen angeblichen Sinn hat.

Deshalb ist das unangenehm, aber nicht leer. Diese Brutalität erzählt etwas über die Welt, in der die Figuren leben, ohne dass jemand es erklären muss. Man merkt sofort: Hier zählt der einzelne Mensch nichts mehr, der Körper ist nur noch Mittel zum Zweck.

Und genau dagegen steht Kelson. Sein Umgang mit Samson wirkt nur deshalb so stark, weil er in einer Umgebung stattfindet, die komplett entmenschlicht ist. Dass er überhaupt versucht, Kontakt herzustellen, jemanden nicht nur als Monster oder Werkzeug zu sehen, ist in dieser Welt fast schon ein Akt des Widerstands. Würde der Film die Gewalt entschärfen oder „unterhaltsamer“ machen, wäre das alles viel weniger bedeutend.

Für mich ist das der Punkt: Der Film schockiert nicht, um zu schockieren. Er macht es unbequem, weil er zeigen will, wie diese Welt funktioniert und wie extrem der Gegensatz zu Kelsons Haltung ist. Man kann das ablehnen, klar. Aber es ist für mich kein leerer Effekt, sondern Teil dessen, was der Film sagen will.
 
28 Years: The Bone Temple

Positiv ist auf alle Fälle, dass der Film wieder etwas konventioneller ohne seltsame Schnitte ist. Ralph Finnes hat wie bei 3.1 sehr gut gespielt und die Szenen zwischen ihm und Samsung sind das Herzstück des Films.

Spike tritt diesmal eher in den Hintergrund, geht es mehr um Ralph Finnes Charakter und die Sekten Gruppe. Gerade bei letzterer war die Handlung echt Psycho und ultrabrutal (Häutungen bei lebendigem Leibe, die Kreuzigung zum Schluss). Sprich der Film will mehr schockieren als unterhalten.

Das Ende mit Cillian Murphy hat mir gefallen und macht Lust auf den "wirklichen" 28 Years later, welcher erzählt, wie es mit der Figur und der Welt in den 28 Jahren weiterging. Leider könnte dieser dank des Flops von 3.2 nie kommen.

3.2 schliesst alle Handlungen (Jimmy, der Bone Temple) von 3.1 ab. Sprich 3.3 dürfte etwas eigenes mit Murphys Charakter werden. Sollte dieser jetzt nicht mehr kommen, verstehe ich nicht ganz, warum es die beiden Arthouse Filme dazwischen gebraucht hat, ausser um das Franchise zu zerstören.

5 von 10 Punkten (dank Finnes und seinem "Zombie Haustier" sowie dem guten Ende)!
Hm, beim Publikum kommt der Film eigentlich ganz gut an laut Metacritic. Wäre schade wenn der Nachfolger nicht mehr kommt. Den Vorgänger fand ich übrigens klasse, „Bone Temple“ will ich noch sehen.
 
Klar ist die Gewalt nicht "cool" oder "stylisch" wie öfter bei Tarantino. Deshalb "mehr schocken als unterhalten". Dass es zu der Welt passt, stimmt schon, aber ein wirkliches Worldbuilding, was die 28 Jahre nun passiert ist, gibt es leider wieder nicht.

Von dem her würde ich die beiden neuen 28-Filme eher als Arthouse Filme einordnen. Nicht schlecht, aber nicht jedermanns Sache (was man am aktuellen Flop auch merkt). Die ersten beiden Filme waren IMO klar "zugänglicher".
 
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