Coruscant

~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Große Halle ~ mit Eowyn und irgendwo Steven Crant neben Elise und Riuen, Faith hinter ihm, Tenia in den hinteren Reihen sowie zahlreiche weitere Jedi ~



Die letzte Trauerfeier auf der Ian gewesen war, war die Tahiris gewesen und dort war nur eine kleine Gruppe aus Menschen gewesen. Eine kleine Gruppe – und er selbst und jeder hatte etwas gesagt, und Ian war es kaum möglich gewesen, zu sprechen. Damals schien so unendlich lange her und Ian hatte diesen Tag beinahe völlig aus seiner Erinnerung gedrängt. Alle hatten geweint und die Umstände Tahiris Tod war mehr, als ein Schatten gewesen, der über den Trauernden geschwebt hatte. Alle hatten versucht sich darauf zu konzentrieren, etwas zu sagen, das Tahiri ehrte, das ihre besondere Person hervorhob, sie hatten angestrengt versucht, ihr die letzte Ehre zu erweisen. Sie war nicht einmal dreißig geworden und jetzt, jetzt auf dieser Trauerfeier wünschte Ian sich beinahe, dass Tahiri eine Jedi gewesen wäre, die beim Versuch, alle anderen zu retten, gestorben wäre. Dieser Umstand wäre traurig genug gewesen. Doch ihr Tod war unerträglich gewesen. Die Umstände. Die Bilder. Alles. Alles.
Ian spürte, dass er weinte und versuchte nicht, seine Tränen aufzuhalten, die Ahna und Tahiri, die all den Opfern galt, die das C-Virus und dessen Umstände verschuldet hatte.
271 Jahre hatte Ahna dem Orden gedient und nun war sie tot obwohl sie, wie Wes erklärte, noch so viel Zeit vor sich gehabt hätte. Wie hatte Ahna gefühlt, in all den Jahren, in denen sie mit hatte ansehen müssen, wie Republik und Imperium immer wieder in Kämpfe verwickelt waren, wie Imperatoren kamen und gingen. Eigentlich war all das unvorstellbar. Dass es Wesen gab, die ähnlich alt oder noch älter wurden, die so viel Geschichte miterlebten, Hoffnungen, Wünsche, Träume. Wo standen sie jetzt und wie oft hatte die Galaxis in Kriegen gesteckt die wieder und wieder Opfer forderten? Aber in all der Trauer durfte Ian eines nicht vergessen: Es hatte immer wieder Zeiten des Friedens gegeben. Zeiten des Glücks und all diese Momente galt es festzuhalten und alles daran zu setzen, für diese Momente zu kämpfen und Sorge dafür zu tragen, dass sie nicht nur Momente blieben, sondern lange Zeitspannen.

Was Eowyn schließlich über Ahna zu erzählen hatte klang für den Dunkelhaarigen auch wie eine Erzählung über sie und vielleicht war Eowyn weit mehr als ein ‚Ersatz‘, den es nicht geben konnte. Eowyn würde ihr Vermächtnis ganz sicher bewahren, weil sie bereits jetzt schon das tat, was Ahna immer getan hatte. Ohne zu zögern alles geben, um denen zu helfen, die sie liebte oder die für das Gute eintraten.

Trauer und Stolz erfüllten Ian gleichermaßen und als Eowyn vom Podium zu ihrem Platz zurückkehrte, griff er fest nach ihrer Hand, ließ diese nicht los und blieb neben ihr sitzen, auch wenn er den vorgelesenen Namen die letzte Ehre erwies.

„Ahna wäre auch sehr stolz auf dich gewesen“, wandte Ian sich schließlich mit einem warmen, ehrlichen Lächeln zu Eowyn, als die Trauerfeier beendet wurde und die erste leise Unruhe sich im Saal ankündigte, weil sich nun Gespräche bildeten. Und er wünschte, er wäre dabei gewesen. Aus so vielen Gründen. Allerdings durfte er Kast hier kaum erwähnen, auch wenn eine kleine Gruppe in diesem Raum wusste, dass Ahnas Tod anders war, als das, was offiziell gesagt worden war.
Ian wusste, dass er ihren Tod nicht hätte verhindern können – und doch, doch war da ein großer Teil, der auf Kast hätte sein wollen und natürlich war da auch ein Teil, der gerne mit Ahna getauscht hätte. Nicht, weil Ian seines Lebens müde war, sondern weil es irgendwie gerecht gewesen wäre. Da war so viel, was er gerne getan oder gesagt hätte, und wiederum so viel, das einfach schweigen wollte. „
Ich bin es“, wiederholte er stattdessen, sah hinüber zu dem Holo von Ahna und dann wieder zu Eowyn, die nun vielleicht auch mit anderen Anwesenden sprechen wollte.


~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Große Halle ~ mit Eowyn und irgendwo Steven Crant neben Elise und Riuen, Faith hinter ihm, Tenia in den hinteren Reihen sowie zahlreiche weitere Jedi ~
 
[Coruscant - Obere Ebenen - Jedi-Tempel - Große Halle] Ganner, Brianna, Elise, Riuen, Faith, Steven, viele Jedi

Nun wollte die Echani also doch etwas über ihn erfahren. Ausgerechnet bei seinem Abschied von der Marineinfanterie hätte Ganner dabei allerdings nicht begonnen. Zwischen damals und seinem Entschluss, zu den Jedi zu gehen, lagen Jahre, über die er auch mit einem freundlicheren Gegenüber kaum beim ersten Kennenlernen gesprochen hätte.

„Ich bin aus familiären Gründen ausgeschieden. Die Entscheidung für die Jedi kam erst einige Jahre später, auch wenn ich von meiner Begabung schon wusste. Ich hatte damals anderes im Kopf und habe das ziemlich lange vor mir hergeschoben, bis ich irgendwann eingesehen habe, dass ich damit allein nicht recht weiterkomme.“

Inzwischen gelang ihm immerhin einiges, das er sich früher kaum hätte vorstellen können. Es gab Abende, an denen er mit dem Ergebnis einer Übung zufrieden in sein Quartier zurückging und schon darüber nachdachte, was er am nächsten Tag versuchen wollte. An anderen Tagen kam er mit derselben Sache stundenlang nicht voran und ertappte sich dabei, wie bereitwillig er sich ablenken ließ. Er hatte sich das schließlich selbst ausgesucht, nur konnte es trotzdem verdammt eintönig werden. Zurück zur Marineinfanterie zog es ihn deshalb noch lange nicht. Die Frage nach seiner Kampferfahrung fiel ihm leichter. Solange es noch nicht begonnen hatte konnte er ja immerhin so nett sein und auf die Fragen der Echani Antworten.

„Zur Genüge... Ich habe als NCO gedient und bin Ehrenhaft mit etwas über drei Dutzend aktiven Kampfeinsätzen in die Reserve entlassen worden.“

Als Brianna auf Ahna zu sprechen kam, stellte er seine eigenen Überlegungen zurück. Sie erzählte von einem Auftrag nach Alderaan und davon, dass die Rätin während einer schwierigen Zeit für sie da gewesen war. Ganner hörte genauer hin, als sie auf den Unterricht zu sprechen kam. Die Echani schien recht genau zu wissen, was sie ihr verdankte. Dass sie ohne Ahnas Hilfe nicht die Jedi wäre, die sie heute war, sagte sie ganz offen, und Ganner nickte bei ihren letzten Worten. „Mein Beileid.“, in seiner Stimme schwang ein gewisser Ernst und eine eigene Trauer mit. Immerhin hatte die Eiskönigin vielleicht auch nicht so eisige Seiten... und sie hatte hier die Chance sich gebührend von einem anderen Wesen zu verabschieden, etwas was nicht jedem vergönnt war. Es war keine Floskel für ihn, diese einfache Anteilnahme.

Am Podium begann die Eröffnung und die Gespräche um sie herum verstummten, bis nur noch die Stimme des Redners durch die Halle trug. Auch die übrigen Opfer der Krise wurden in das Gedenken eingeschlossen. Ganner betrachtete das Hologramm der Pau’anerin, deren Gesicht er aus der Todesnachricht kannte. Die nächste Rednerin berichtete von ihrer frühen Zeit im Orden. Ahna war als kleines Kind in den Tempel gebracht worden und hatte hier gelernt, lange vor dem Imperium. Er sah unwillkürlich zu den hohen Wänden hinauf. Wie oft mochte sie später durch diese Halle gegangen sein und sich dabei noch daran erinnert haben, wie groß ihr als Kind alles vorgekommen war? Er versuchte, sie sich bei ihren ersten Übungen vorzustellen, zwischen anderen Kindern, während ein Meister ihnen erklärte, worauf sie achten mussten. Der Wandel den manche Völker der Galaxis mitansehen konnten, war für sich genommen schon Eindrucksvoll... die Pau'anerin hatte somit gut und gerne Jahrzehnte des Ordens mitgestaltet.

Bei Rat Jansons Bemerkung über die eigenen besten Jahre bewegten sich seine Mundwinkel kurz. Was der Rat über Ahnas Alter sagte, ließ ihn jedoch wieder zum Hologramm sehen. Zweihunderteinundsiebzig Jahre hatte er ohne weitere Überlegung als ein ausgesprochen langes Leben hingenommen. Für eine Pau’anerin hatte offenbar noch ein beträchtlicher Teil davon vor ihr gelegen. Ganner überlegte, was sie selbst noch vorgehabt haben mochte. Vielleicht gab es eine Angelegenheit, auf die sie seit Langem hingearbeitet hatte, oder jemanden, dessen Fortschritte sie weiter hatte begleiten wollen. Der Reaktion vieler umstehenden hatte sie auf jeden Fall für viele als prägende Größe zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben eingestanden.

Dass sie sich dabei so wenig Zeit für sich selbst genommen hatte, brachte ihn unweigerlich zu sich selbst. Er kannte Tage, an denen ihm schon die Verantwortung für einen Trupp gründlich gereicht hatte. Irgendwann wollte man seine Ruhe haben und wenigstens eine Mahlzeit lang keine Frage beantworten, für deren Lösung offenbar nur die eigene Person infrage kam. Im Rückblick war manches davon lächerlich klein gewesen, nur half einem das wenig, wenn man müde war und der Nächste bereits vor einem stand. Wie Ahna das über so lange Zeit ausgehalten hatte, wusste er beim besten Willen nicht, in einer Mit-Verantwortung für Hunderte und durch eine Zeit hindurch in der die Republik mehrfach durch erbitterte Kriege mit dem Imperium erschüttert wurde. Es war ein Maß an Verantwortung und eine Konstante die man mit solch einem langen Leben darstellte die sich selbst in seinen Gedanken nur schwer fassen ließ.

Der folgende Redner ließ seine Worte von einem Droiden übersetzen und ging näher auf Ahnas diplomatische Arbeit ein, auf die großen Erfolge und die weniger bekannten Aufgaben dazwischen. Ganner blieb bei der Frage hängen, wie viel von all dem wohl noch unter den anderen Jedi weitergetragen wurde. Irgendjemand hatte mit ihr unterwegs sein müssen, ihr bei solchen Gesprächen zugehört und danach vielleicht Gelegenheit gehabt, nachzufragen, weshalb sie eine bestimmte Sache gesagt oder auf eine andere verzichtet hatte, hatte die Chance genutzt zu lernen, Einsichten und Fähigkeiten zu erwerben die nun irgendwo auch einen Teil ihres Vermächtnisses darstellen würden. Als die Frau im Schwebestuhl neben dem Podium anhielt und ihre raue Stimme durch den Raum klang, war Ganner noch bei diesem Gedanken. Sie erzählte davon, wie gut Ahna die Menschen gekannt hatte, denen sie Aufgaben übertrug, und dass sie einige sogar persönlich weiter gefördert hatte. Sein Blick wanderte kurz zu der Echani, die ja vorhin so selbstverständlich davon sprach, dass die Rätin ihr Unterricht gegeben hatte. Ahna hatte ihre Schwierigkeiten gekannt und sich die Zeit genommen, mit ihr daran zu arbeiten. Er hätte gern gewusst, wie diese Stunden abgelaufen waren und womit sie sich dabei beschäftigt hatten. Manieren konnten es nicht gewesen sein, vielleicht war bei der guten aber auch nochmal mehr auszubügeln gewesen und das hier war schon die sozialisierte Ritterin. Dann sprach die Rätin von ihrem letzten persönlichen Gespräch. Ahna war stolz auf die anderen gewesen und würde sie vermissen, sollte sie einmal gehen müssen. Ganner nahm den Blick vom Hologramm und sah wieder zu der Frau im Schwebestuhl. Er fragte sich, wie viele der Anwesenden gerade zum ersten Mal von diesen Worten hörten. Die Rätin hatte selten so offen gesprochen, wenn er die Rednerin richtig verstand. Vielleicht hatte jemand lange auf eine solche Anerkennung gewartet und hätte ihr nun gern noch etwas darauf erwidert, die Luft im Saal fühlte sich jedenfalls erdrückend als ob den Worten ein immaterielles Gewicht anhaftete.

Aus dem Augenwinkel sah er wie sich die Echani über die Wange wischte. Jemand so bissiges Tränen vergießen zu sehen war schon ein wahnsinniger Kontrast. Dann fiel ihm ein, wie sie von Ahnas Hilfe gesprochen hatte, und er blieb mit etwas gesenktem Kopf sitzen. Beinahe schämte er sich für die Schublade in der er die Frau so schnell gepackt hatte, die hatte immerhin gerade emotional einiges zu verarbeiten, nicht gerade fair von ihm jemanden zu verurteilen und in eine Box zu packen, über deren Umstände er gar nichts wusste. Eigentlich war er doch auch hier im Orden geblieben um sich selbst zu bessern? War anscheinend noch ein langer Weg Als die nächste Rätin die übrigen Opfer und auch die Verschollenen erwähnte, dachte er an Joreen. Ob er irgendwann erfahren würde, was mit ihr geschehen war? Er wollte diese Antwort noch immer, nur wusste er im Augenblick nicht, wo er danach suchen sollte. Solche Veranstaltungen holten echt einiges wieder hoch was er doch so tief hatte vergraben wollen... um klar zu kommen.

Als zur Verlesung der Namen darum gebeten wurde, sich zu erheben, stand er mit den anderen auf. Hinter ihm scharrte ein Stuhl über den Boden, dann begann die Aufzählung. Auch Anwärter und Padawane waren darunter. Bei den ersten achtete er unwillkürlich stärker auf den genannten Rang, während der Sprecher bereits mit dem nächsten Namen fortfuhr. Weiter vorn senkte jemand den Kopf, und an einer anderen Stelle legte eine Frau dem Mann neben sich die Hand auf den Rücken. Ganner legte die Hände hinter dem Rücken ineinander und blieb stehen, während die Liste weiterging. Als sie endete, war es noch einen Moment still genug, dass er das Rascheln von Kleidung hören konnte. Um sie herum kehrten langsam die leisen Gespräche zurück, manche Besucher standen noch an ihren Plätzen, andere traten bereits in die Gänge. Die junge Frau in der Reihe hinter ihnen beugte sich nach vorne und fragte, ob sie Ahna persönlich gekannt hätten. Als sie sich den anderen als Faith Navalon vorstellte, wandte Ganner sich ihr zu und bezog den Jedi bei Elise mit einem kurzen Nicken in die Vorstellung ein.


„Ganner Fel. Persönlich kannte ich sie nicht, nein. Ich hatte von ihrer Arbeit gelesen und wollte heute wenigstens hier sein. Von dem Frieden, an dem sie mitverhandelt hat, habe ich als Ex-Marine immerhin auch etwas gehabt.“

Die Vertrautheit zwischen Faith und dem anderen Jedi erklärte sich im weiteren Gespräch. Beide waren Schüler derselben Meisterin gewesen, und bei der Frage nach Chesara stellte sich heraus, dass auch er keine Nachricht von ihr hatte. Ganner ließ den Blick zwischen den beiden wandern. Einen Augenblick lang hatte er selbst auf eine andere Antwort gewartet, obwohl er die Frau, um die es ging, überhaupt nicht kannte.

„Ich hoffe, dass Ihr bald etwas von ihr hört. Diese Seuche hat viel zu viele das Leben gekostet...“

Ganner sah wieder zu Brianna hinüber. An vielen Plätzen waren die Besucher noch im Gespräch und vorerst blieb auch er sitzen. Die Aussicht, eine Aufgabe zu übernehmen, bei der er seine bisherigen Erfahrungen gebrauchen konnte, gefiel ihm und er wollte hören, was sie vorhatte auch um seiner ersten Ablehnung vielleicht ein wenig entgegen zu wirken. Er war sich weiterhin nicht sicher, wie gut er mit ihr zurechtkommen würde, aber über eine konkrete Aufgabe konnte er mit ihr reden.

„Was genau habt Ihr für einen Auftrag im Sinn? Wo soll es hingehen, und welche Arbeit würde dort auf mich warten?“

[Coruscant - Obere Ebenen - Jedi-Tempel - Große Halle] Ganner, Brianna, Elise, Riuen, Faith, Steven, viele Jedi
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Große Halle, mit Ian; weiter weg auch Brianna, Ganner, Wes, Elise, Riuen, Steven, Faith, Tenia, diverse NPCs und andere Jedi

Eowyn reihte sich wieder an ihrem Platz ein und starrte leer nach vorne. Sie hatte etwas völlig anderes gesagt, als sie sich vorgenommen hatte, und sie hoffte nur, dass sie vage genug geblieben war. Ahna hätte eigentlich verdient gehabt, dass jeder wusste, welch Leben sie gelebt hatte, aber das war unmöglich; und die Pau'anerin hatte es immer gewusst. Trotzdem... trotzdem.
Ian griff nach ihrer Hand, hielt sie fest, ließ sie nicht los, während Eleonore vorne begann, die Erinnerung auszuweiten auf alle, die im Zuge der C-Krise verstorben waren. So viele.
Viel zu viele. Und Ian... wäre fast ebenfalls einer von ihnen gewesen. Es war so knapp gewesen. Es... war ein Fehler, dass sie noch nicht wieder miteinander umgingen wie vor Bastion. Sie mussten jede Sekunde miteinander auskosten, denn jede Mission konnte ihre letzte sein. Aber gleichzeitig... wie sollte das gehen.

Vielleicht musste sie sich einfach mehr zwingen.

Eleonore war fertig und rief Meister Nackl nach vorne. Der Sullustaner war auch heute verantwortlich für das, was er am besten konnte: recherchieren und ordnen. Die meisten Anwesenden kamen seiner Bitte, sich zu erheben nach; Eowyn natürlich blieb sitzen – frustriert und peinlich berührt. Sie war sich nicht sicher, ob Ians freundliche Geste, neben ihr sitzen zu bleiben, sie mit Dankbarkeit oder noch mehr Scham erfüllte. Sie musste arbeiten. Sie musste noch mehr, noch
härter arbeiten. Jetzt, wo sie ihre Zehen wieder bewegen konnte, musste sie am besten in jeder freien Sekunde dafür sorgen, dass ihre Beine bald wieder funktionsfähig waren. Sie hatte dem Rat gerade - relativ unbeabsichtigt zwar, aber dennoch - quasi eine Kampfansage gemacht, dass sie die Schatten übernehmen würde...

Eine Woche.
Sie würde sich höchstens noch
eine Woche geben, dann musste sie im Büro sitzen. So ging es nicht weiter. Sie war so nutzlos... sie hatte zugelassen, dass die Ärzte und Heiler über ihr Leben bestimmten. Das war auch akzeptabel gewesen, als ihr Rücken noch völlig hinüber gewesen war, aber jetzt, wo sie daran arbeiten konnte, musste sich das ändern. Vielleicht konnte Alexander schon früher beginnen, sie in die akuten Dinge einzuweihen. Denn sie würde übernehmen, das war für sie nun keine Frage mehr. So lange der Rat niemanden vorzuweisen hatte, der oder die definitiv geeigneter war als sie, musste sie Ahnas Wunsch folgen. Wie konnte sie nicht, nach heute? Sie würde den Posten gerne räumen, sobald jemand passendes aufkreuzte, aber nicht vorher. Sie hatten sie im Rat gewollt. Nun... mussten sie damit leben.

"...Anwärterin Sol Zlad. Ritter Nilmor Kor'ey. Padawan Jezem Blanot. Meisterin Mon Fydonost..."

Eowyn begriff, dass sie kaum zugehört hatte, während Meister Nackl die Namen vorgelesen hatte. Ihre Gedanken waren völlig abgeschweift, was umso blamabler war, da sie nicht einmal stand. Aber gut... niemand wusste, ob sie zugehört hatte oder nicht. Und letzten Endes, nun ja... es waren Namen. Namen von Personen, die sie nicht kannte. Es war furchtbar, wie viele es waren, aber sie hatte zu keinem der Namen, die sie gehört hatte, irgendein Bild.
Auch das... auch das musste sich ändern. Wie sollte sie die Schatten führen, wenn sie kaum jemanden kannte? Ahna hatte sie alle gekannt. Sie mit ihrem Vorsprung von so vielen Jahren... Wie sollte sie das schaffen? Wie sie gesagt hatte, es war unmöglich, Ahna zu ersetzen. Alles, was sie tun konnte, war Schadensbegrenzung zu betreiben.

Und dafür musste sie ins Büro.

Vielleicht sogar nur fünf Tage...


"...Padawan Vesso Clath. Ritterin Me Nibrinoss."

Meister Nackl beendete seine lange Liste an Namen und machte eine kleine Pause.

"Mögen sie ihren Frieden in der Macht finden."
Er senkte für einen Moment den Kopf und hob ihn dann wieder. "Ich danke allen für ihr Kommen. Bitte lasst keine persönlichen Dinge in der Großen Halle zurück."

Nach einem Nicken in die Runde begann der Sullustaner, umständlich wieder vom Schemel herunterzusteigen. Das war wohl das offizielle und wenig glamuröse Schlusswort für diese Veranstaltung. Ian wandte sich sogleich an sie, und Eowyn nickte langsam, blickte noch immer geradeaus. Sie war stolz auf mich... dort. Sie hat es gesagt. 'Ich bin so stolz auf euch alle und ich werde euch vermissen.', wiederholte sie die Worte der Pau'anerin, die sich in ihr Gedächtnis gebrannt hatten. 'Die Verantwortung für die Schatten ist jetzt deine.', fuhr sie leise, beinahe nicht hörbar, fort. Und ich fürchte, ich muss ihrem Wunsch Folge leisten. Ob ich will oder nicht. Ob der Rat will oder nicht... Aber das war kein Ort für dieses Gespräch. Dass der Rat sich nicht einig war, egal in welchem Punkt, sollte nicht nach außen dringen, und je länger sie darüber sprachen, desto mehr liefen sie Gefahr, dass sie vergaßen, dass diese Dinge nur für die Ohren des Rates bestimmt waren. Eigentlich nicht einmal für Ians, aber... es betraf sie, und somit würde sie in diesem Fall eine Ausnahme machen. Sie sah noch einmal hinüber zu Ahnas lebensgroßem Hologramm. 'Leb wohl, Ahna. Wo auch immer du jetzt bist... Ich werde dich auch vermissen.' Sie nickte dem Hologramm noch einmal zu, dann sah sie das erste Mal Ian an.

Du musst sagen, dass du stolz auf mich bist, du bist mein Verlobter, antwortete sie in dem vermutlich miserablen Versuch, so etwas wie Leichtigkeit oder alte Vertrautheit zwischen ihnen aufleben zu lassen. Sie blickte sich um und erkannte, dass die Versammlung begann, sich aufzulösen. Jedi wandten sich einander zu, begannen Gespräche, und wieder etwas ernster fuhr Eowyn fort: Lass uns verschwinden von hier. Außer, du möchtest noch mit jemandem reden, Riuen zum Beispiel oder so... Wenn sie jetzt den Moment verpasste, in dem sie von hier abhauen konnte, dann würde sie nicht mehr wegkommen. Das hier war ihr erster öffentlicher Auftritt nach der Pressekonferenz, und bald schon würde der Takt der anderen Jedi verschwinden. Man würde sie ansprechen, und sobald der Bann einmal geplatzt war...
Ian hatte nichts dagegen, die Große Halle zu verlassen, und so legte Eowyn eine ihrer undurchdringlichen und abweisenden Mienen auf und bemühte sich gleichzeitig, niemandem der hier Anwesenden in die Augen zu blicken. Bei den meisten war das kein Problem, waren sie doch viel größer als sie selbst in ihrem Schwebestuhl, nur bei den kleineren Spezies musste sie darauf acht geben, dass sie nicht in den Augenkontakt trat.

Schließlich aber hatten sie die Halle verlassen. Zwar war es hier noch voller als gewöhnlich, aber die größte Hürde war geschafft. In stillem Einverständnis machten sie sich auf den Weg zum Ratssaal, und im Turbolift zu eben jenem dann waren sie irgendwann endlich alleine. Innerlich atmete Eowyn auf und blickte dann zu Ian nach oben.
Alles okay?, fragte sie leise.

Coruscant - Jedi-Tempel - Turbolift zur Ratsebene, mit Ian
 
Coruscant | Jeditempel | diverse für Padawane zugängliche Orte | Aris Calborne, diverse Jedi (NSCs)

Schon als Aris Calborne den Hyperraum im Coruscant-System verließ, stellten sich die ihm wohl bekannten Kopfschmerzen ein, die nur stärker wurden, je näher er dem gleichnamigen Planeten kam. Dank Firedevs Kenobi wusste der Halb-Hapaner nun wenigstens, dass das an seiner so genannten Machtbegabung lag und er lediglich lernen musste, sie zu kontrollieren. Das hatte so leicht geklungen bei der Jedi-Meisterin. Nur eine Anleitung, wie er die Kontrolle lernen sollte, hatte sie nicht gehabt. Meditation sollte helfen…und dabei irgendwie einen Stein zum Schweben bringen. Na klar doch, als wäre das die natürlichste Sache der Galaxis. Eine Vorführung ihrer telekinetischen Talente hatte Aris da auch nicht wirklich weiter geholfen.

Sei es drum, jetzt hatte er ganz andere Sorgen. Coruscant, der Halb-Hapaner hasste diesen Planeten. Knapp drei Billionen Personen lebten hier und das waren nur die, die offiziell erfasst wurden und damit Steuern zahlen durften. Auf keinem anderen Planeten der Galaxis lebten die Leute enger und das auch aus gutem Grund. Weder auf Corellia noch auf Hapes durften Tiere der industriellen Fleischproduktion so eng eingepfercht gehalten werden. Das wurde dort einfach als ethisch nicht vertretbar gehalten. Hier aber taten es die Menschen und Vertreter unzähliger anderer Spezies freiwillig aus Gründen, die
Aris nicht nachvollziehen konnte oder wollte.

Die Ökosysteme des Planeten hatten schon vor Urzeiten aufgegeben und so wurde die planetare Atmosphäre künstlich in Bereichen gehalten, die mehr oder weniger atembar waren. Und die feinsinnige Nase des Halb-Hapaners konnte das riechen, sobald er auch nur einen Atemzug hier tat. Die Straßenschluchten Coruscants hatten ihren ganze eigenen, unvergleichlichen Duft, den so nur das Gemisch aus Ausdünstungen von Billionen von Lebewesen, ihrer Ausscheidungen, dem teils nicht ordentlich entsorgten Müll, unendlicher Industrieabgase sowie der Klimakontrollkomplexe des Planeten generieren konnte.

Die Luft im Jedi-Tempel selbst war tatsächlich im Großen und Ganzen erträglich, hier warteten aber ganz andere Erschwernisse auf
Aris. Der Halb-Hapaner war mit einer großen Dosis Skepsis am Haupteingang empfangen worden. Das war soweit erst einmal nicht verwunderlich, man kannte hier weder sein Gesicht noch seinen Namen. Überraschender war dann aber doch, dass der Name Firedevs Kenobi hier einiges an Gewicht zu haben schien. Man kannte die Frau hier offenbar und schien sie in positiver Erinnerung zu halten. Die Nennung ihres Namens allein und die Bestätigung ihrer Identifikationscodes, die den Nachrichtenzylinder versiegelten, den Aris mitgebracht hatte, waren genug, um ihm auch als Fremder Zutritt zu den hohen Hallen zu gewähren.

Allzu weit war er aber nicht gekommen. Ihm wurde lediglich gesagt, dass der hohe Rat der Jedi über
Firedevs Bericht über die Situation auf Alderaan beraten würde und man schien irgendwie davon auszugehen, dass Aris wusste, was damit gemeint war. Stattdessen wanderte er aber etwas kopflos durch die Hallen des Tempels, bis der Halb-Hapaner von einem der unzähligen Kuttenträger hier eingefangen und zur Verwaltung geschleppt wurde. Hier lief es dann erstaunlich erwartbar ab für eine Personalabteilung. Aris’ persönliche Informationen wurden erfasst, von seinem Konterfei wurde eine Holoaufzeichnung gemacht und er bekam einen Codezylinder, mit der er sich als Ordensmitglied ausweisen und Zugang zu bestimmten Bereichen des Tempels erhalten konnte. Dem Halb-Hapaner wurde sogar ein Einzelquartier zugeteilt. Er war immerhin der Padawan von Firedevs Kenobi. Und natürlich schien man hier zu erwarten, dass Aris wusste, was genau das bedeutete. Bewaffnet mit seiner neuen Identität als Padawan und einem Datapad, auf dem einige Willkommenspamphlete wurde der Halb-Hapaner so in die Wildnis des Jedi-Tempels entlassen und die neu gewonnene Freiheit nutzte er erst einmal vor allem damit, sein Quartier aufzusuchen.

Das Quartier war spärlich eingerichtet. Ein simples Bett, ein schmuckloser Spind, ein funktionaler Schreibtisch samt Stuhl und Computerterminal, ein Kissen auf dem Boden, laut einer der Broschüren scheinbar ein Meditationskissen, eine zweite Tür zu einer winzigen, aber funktionalen Nasszelle und kein Fenster, dafür aber noch eine neben der Eingangstür eingelassene Kommeinheit. Wirklich wohnlich war es hier nicht, aber
Aris hatte schon erheblich schlechter gehaust. Dass er sich das Quartier mit niemandem teilen musste, war allein schon eine Menge wert für den Halb-Hapaner. Die Padawanrobe, die man ihm ausgehändigt hatte, landete erst einmal im Spind und dann legte er sich auf das Bett, um die Daten auf seinem Datapad zu durchstöbern.

Den Geschichtsteil übersprang
Aris, ohne darüber groß nachzudenken. Hier wurden zwar vielleicht ein paar Details genannt, die man nicht in der Schule oder auf der Militärakademie lernte oder anderweitig, zum Beispiel im HoloNet, finden konnte. Grundsätzlich waren für den Halb-Hapaner aber die Fronten klar. Das Imperium hatte unter Führung der Sith die alte Republik gestürzt und ein autoritäres System installiert, unter dessen Joch noch immer unzählige bewohnte Sternensysteme zu leiden hatten. Angesichts des absolut Bösen musste Aris nicht lange darüber nachdenken, ob ihm die Neue Republik und die Jedi lieber waren, die gemeinsam die einzig effektive Widerstandsbewegung gegen das Imperium hatten auf die Beine stellen können. Sicher, die Neue Republik war alles andere als perfekt und der Halb-Hapaner hielt die Jedi nicht für gottgleiche Wesen, die unfehlbar waren. Aber auf Corellia aufgewachsen, hatte er buchstäblich aus nächster Nähe erfahren dürfen, wozu das Imperium bereit war zu gehen, wenn man mit seiner Politik nicht einverstanden war.

Dann war da der Jedi-Kodex inklusive einer oberflächlichen Erklärung der einzelnen Zeilen.
Aris konnte sich noch gut an Firedevs erste Lektion zu dem Thema erinnern und wie er mit Aulona darüber diskutiert hatte, was die Worte zu bedeuten hatten. Naturgemäß hatten sie nicht alles so verstanden und Firedevs hatte ihnen sowohl klargemacht, dass sie davon nicht überrascht war und dass sie im Zuge der Ausbildung noch lernen würden, wie wichtig der Kodex war und wovor genau er warnte. Der Halb-Hapaner nahm es leicht. Er war kein sonderlich spiritueller oder philosophischer Mensch, war sich aber sicher, dass Firedevs ihn später noch genug mit dem Kodex und Anderem piesacken würde. Für den Moment interessierten ihn aber praxisorientierte Dinge viel mehr. Auf dem Datapad waren jetzt natürlich keine Geheimtechniken zu finden, die ihm sofort die Meisterung seiner Machtbegabung ermöglichten, ein Rezept für einen Wundertrank gab es genauso wenig. Solche… Abkürzungen gab es allenfalls in irgendwelchen Geschichten, die zwar mitunter spaßig zu lesen waren, aber wenig bis nichts mit der Realität zu tun hatten. Stattdessen aber gab es Anleitungen für Atemtechniken und Gymnastikübungen, die der Vorbereitung einer Meditation dienten.

Firedevs hatte Aris zwar die Grundlagen bereits gezeigt, das war auf Alderaan aber praktisch zwischen Tür und Angeln passiert. Hier und jetzt war die erste Gelegenheit, um sich voll auf die Aufgabe zu konzentrieren. Und so nutzte der Halb-Hapaner die Gelegenheit. Er begann mit ein paar Dehnübungen und machte es sich dann, wie auf dem Datapad angegeben, auf dem Meditationskissen nieder, um mit den Atemübungen zu beginnen. Der Erfolg hielt sich natürlich in Grenzen. Diese oder jene Atemübung bewusst zu durchlaufen war ziemlich hinderlich dabei, seine bewussten Gedanken herunterzufahren und in einen meditativen Zustand abzudriften. Aber heute war eben auch nur der erste Tag, Aris ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

In den folgenden Tagen lief es schon etwas besser, zumindest gemessen an seinem Status als blutiger Anfänger, was die Kontrolle über seine Machtbegabung anging. Seine hoch entwickelten kognitiven Fähigkeiten halfen
Aris zwar, die Atemtechniken in seinem Datapad kurz nach dem mehrmaligen Lesen zu lernen. Aber nur weil er nun die Theorie kannte, gehorchten Körper und Psyche noch lange nicht so wie gewollt. Tatsächlich glaubte der Halb-Hapaner, dass seine rasant rasende Gedankenwelt eher hinderlich dabei war, einen meditativen Zustand zu erreichen. Um Frust aus dem Weg zu gehen, begann Aris also, den Jedi-Tempel zu erkunden. Die Meditationsgärten wurden so schnell zu seinem Lieblingsplatz. Die Pflanzen hier erzeugten Frischluft, wie sie die künstlichen Atmosphärenanlagen einfach nicht nachmachen konnten. Außerdem half ihm die Atmosphäre hier, seine Gedanken zu beruhigen und allgemein waren die Gärten einfach ein angenehmer Ort, um sich dort aufzuhalten, während er las.

Und es gab viel zu lesen.
Aris fand schnell heraus, dass die große Bibliothek der Jedi eine praktisch unerschöpfliche Wissensquelle war und das selbst nur mit den Daten, die ihm als Padawan von Firedevs zugänglich waren. Schnell entschloss sich der Halb-Hapaner, sich auf einige wenige Grundlagen zu beschränken. Allen voran waren da die Techniken, die unter dem Begriff Geistige Abschirmung zusammengefasst waren. Firedevs hatte ihm klargemacht, dass der Druck und die ständigen Kopfschmerzen, die er in der Nähe von Personenansammlungen verspürte, daher rührten, dass sein Geist sich nicht ordentlich vor den Gedanken anderer schützen konnte. Auch wenn Aris die Hintergründe (noch) nicht verstand, das grundlegende Konzept erschloss sich ihm trotzdem. Er litt unter Interferenzen, die sein… Geist… nicht kompensieren konnte und aktuell fehlte ihm die nötige... Isolierung, um das Problem zu beheben. So einfach erklärt, so sehr entzog sich dem Halb-Hapaner aber trotzdem aktuell die Lösung.

Also versuchte
Aris, einen Perspektivenwechsel vorzunehmen und mehr über seine eigentlichen telepathischen Fähigkeiten zu lernen. Seine Logik war simpel. Wenn es ihm gelang, einzelne…. Stimmen aus dem Rauschen, das ihm die Kopfschmerzen bereitete, herauszufiltern, dann folgte auf das Verständnis vielleicht auch eine Erkenntnis, wie er seinen Geist abschirmen konnte. Natürlich war auch das erheblich leichter als gesagt. Aber all diese Dinge gaben Aris mehr als genug den Tag über zu tun und auch wenn er sich noch lange davon entfernt sah, sich als Telepath oder irgendetwas anderes bezeichnen zu können, so bekam er doch mehr und mehr ein Gefühl für die Ziele, die er sich selbst gesetzt hatte. Von Fortschritt zu reden, wäre derzeit bei weitem zu viel gesagt. Aber Aris kannte nun die Richtung, in die er gehen musste und das allein war unglaublich viel wert.

Eine, vielleicht zwei Wochen in seinen Aufenthalt im Jedi-Tempel hinein erreichte
Aris eine Nachricht über die neueste Konzerttour seiner Schwester Sariandi. Das ließ den Halb-Hapaner innehalten und darüber nachdenken, wie lange er sie schon nicht mehr gesehen hatte. Das musste über ein Jahr her sein. Mit dem aufkeimenden Krieg waren Reisen aktuell zwar so kompliziert wie schon lange nicht mehr, aber Aris beschloss, dass ihn das nicht davon abhalten würde, zumindest eines ihrer Konzerte zu besuchen. Im Imperium wurde er bisher noch als Zivilist gesehen und seine Mitgliedschaft in verschiedenen Rennligen gab ihm auch trotz der Nähe zur Kriegsfront einen nachvollziehbaren Grund, zu reisen. Der Halb-Hapaner kannte auch den einen oder anderen imperialen Grenzposten, der mit ein paar Credits erheblich durchlässiger war, als von der Befehlskette beabsichtigt wurde. Also war er sich ziemlich sicher, das baldige Konzert auf Dreena besuchen zu können.

Coruscant | Jeditempel | diverse für Padawane zugängliche Orte | Aris Calborne, diverse Jedi (NSCs)
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Große Halle, Ahnas Trauerfeier – viele Jedi, Ganner und Brianna

‚Aus familiären Gründen ausgeschieden‘ – für Brianna war das eine herbe Enttäuschung. Warum war die Realität einfach nicht in der Lage, ihren wildesten Phantasien standzuhalten? Weil, das kam der Echani einen Wimpernschlag später in den Sinn, die wildesten Phantasien gewöhnlicher Leute kaum an ihr reales Leben heranreichte. Als da wäre: die in den Holomedien als Postergirl der C-Virus-Kampagne gefeierte Jedi-Heilerin verliebt sich auf Alderaan in einen Sith-Lord. Als seine Schülerin durchforstet sie heimlich zusammen mit einem konvertierten Ex-Sith die Katakomben des Sith-Tempels einem Heilmittel. Zusammen mit zwei Rätinnen infiltriert sie daraufhin den Privatmond des Imperators und hilft, ihn zu töten. Eine der beiden opfert sich, damit sie weiterleben und den Kampf weiterführen konnten. Dass sie postwendend gleich ein zweites Mal in den Sith-Tempel eindringt um eine Freundin zu retten, ist schon fast eine Randnotiz, denn: nun war sie hier auf der Trauerfeier eben jener Rätin und sie war eine der wenigen, die die Wahrheit kannte und wofür Ahna wirklich gestorben war. Ihre diplomatischen Erfolge, so bedeutend sie auch sein mochten, wirkten klein und irrelevant neben dem, was Brianna die wahre Ahna hatte vollbringen sehen. Dazu kam: wie viele Male davor hatte die Pau'anerin schon den Tag gerettet? Sie hatte ihr beigebracht, dass es nicht darauf ankam, was die Leute dachten. Dass Ruhm vergänglich und unbedeutend war. Sicherlich hatte sie aus Erfahrung gesprochen. 271 lange Jahre, unvorstellbar… für eine Echani waren die 71 schon fast unmöglich zu erreichen. Ahna hatte noch zwei Jahrhunderte länger ein selbstloses Jedi-Leben gelebt…

Andererseits hatten viele andere Jedi nicht einmal ihre bald 29 Lebensjahre erreicht, woran die lange Liste, die Meister Nackl vortrug, sie schmerzhaft erinnerte. Einige der Toten waren Patienten im Jedi-Tempel gewesen, wusste Brianna. Viele von ihnen hatten Familien zurückgelassen, die um sie trauerten. War es in Ganners Fall ähnlich gewesen? Es fiel der Silberhaarigen ein wenig schwer, sich sowas wie Familienleben vorzustellen. Von der Seite ihres Vaters wusste sie gar nichts. Mütterlicherseits gab es nur Onkel Ylsaen, der seine ältere Schwester auf eher ungesunde Weise vergötterte und wegen dessen Familie Brianna gar nicht unglücklich war, Eshan nicht mehr besuchen zu können und die andere Schwester Yuulon, die gewusst hatte, dass sie beide auf Lianna lebten, ohne sich zu melden und die auch seitdem Monate brauchte, um eine einfach Komnachricht zu beantworten. Für die Echani-Jedi war es deshalb schwer vorstellbar, aus familiären Gründen irgendwas zu tun, wie Ganner, schon gar nicht eine Militärkarriere wegzuwerfen. Was dieses andere Projekt war, das er stattdessen verfolgt hatte anstatt ein Jedi zu werden, sagte er nicht und Brianna würde genauso wenig nachfragen wie sie jemand anderer von ihrer eigenen dysfunktionalen Familie erzählte.

Über seine Zeit beim Militär sprach Ganner offener. Über drei dutzend aktive Kampfeinsätze, das war gut, fand die Ritterin und nickte anerkennend. Viel besser als diese Grünschnabel-Padawane, die noch nicht mal vom Leben außerhalb des Schulhofs Ahnung hatten, geschweige denn, wie es sich anfühlte, in Lebensgefahr zu schweben. Zudem war der Mensch in der Reserve, gut. Kontakte zum Militär konnten noch mal nützlich sein. Wenn sie eine gute Schatten werden wollte, musste Brianna lernen, wie Ahna zu denken. Ganner war eine nützliche Ressource, sie musste ihn sich also warmhalten.


„Das ist gut, Respekt!“

Zollte sie ihm infolgedessen Anerkennung. Umgekehrt begriff Ganner offenbar, dass Brianna persönlicher als die meisten Anwesenden von Ahnas Tod betroffen war. Seine Beileidswünsche schienen von Herzen zu kommen – für einen menschlichen Mann schien er ganz okay zu sein. Sie lächelte ein wenig und sagte:

„Danke!“

Im Großen und Ganzen war es aber eine Tortur, hier mit all diesen ahnunglosen Jedi zusammenzusitzen ohne wirklich zeigen zu können, wie frau sich fühlte, wie nahe Ahna ihr gestanden hatte. Eine Heilerin und eine Diplomatin, große Berührungspunkte gab es da für gewöhnlich nicht. Schon wenn sie ihre Alderaan-Mission erklären wollte, müsste sie aufpassen. Alles andere durfte ohnehin niemand wissen. Offiziell kannte sie Ahna überhaupt nicht, aber das war unmöglich durchzuhalten. Erst recht nicht nach dem hochdramatischen Ende ihrer gemeinsamen Zeit, nach ihrem Tod auf Kast. Offiziell sollte es sie auch nicht kümmern, dass Eowyn den Staffelstab aufnahm und Ahnas Arbeit fortführen wollte. Die Leute um sie herum konnten nicht ahnen, wie hoffnungsvoll dieser Satz Brianna stimmte. Sie musste tun, als wäre es nur eine beiläufige Bemerkung ohne große Relevanz, aber in Wirklichkeit platzte hier gerade eine Bombe. Die Echani wollte hier raus, im Moment hatte sie das Gefühl, sich im Jedi-Tempel mehr verstellen zu müssen als es im Sith-Tempel je notwendig gewesen war.

Irgendwann waren die offiziellen Reden vorbei und Meister Nackl verabschiedete sie mit einem eher drolligen letzten Satz. ‚Vergesst eure Turnbeutel nicht auf dem Pausenhof‘ oder so ähnlich. Ganner hatte sich längst eine anderen weiblichen Jedi (Faith) zugewandt, als ihr auf einmal jemand völlig unvermittelt auf die Schulter tippte. Mit einem Faucher fuhr sie herum und sah Marrev. Glück gehabt… wäre sie ihrem Impuls gefolgt, in der Annahme, dass es sich um Jeg handelte, hätte sie ihm wohl die Nase gebrochen. Der Rattataki war definitiv der bei weitem angenehmere von den beiden erfahrenen Schatten.


„Brianna, wir werden jetzt gleich im Anschluss im Ratssaal erwartet,“

Raunte ihr ihr unauffällig zu und verschwand, ohne eine Antwort abzuwarten. Die Echani war lange genug dabei, um sich über sowas gar nicht erst zu wundern. Sie nahm an, dass im Anschluss ein Gedenken der Eingeweihten folgen würde, das war eine gute Nachricht. Sie wollte über die wahre Ahna reden und trauern können und die Chance ergab sich wohl. Sicherlich ging es Marrev und Eowyn, Elise und Markus nicht viel anders als ihr. Es musste ihnen ebenfalls wie eine Farce vorkommen, aber so war anscheinend die Tradition nun mal. Bald würde anstelle des Holobildes von Ahna eine Marmorstatue diese Halle schmücken – und die Leute würden trotzdem nicht wissen, was für ein Leben sie wirklich gelebt hatte.

Ganner war inzwischen fertig, mit der hübschen blonden Menschenfrau (Faith) zu reden und kam auf das Missionsangebot zurück. Er wollte Details haben und vermutlich war es keine Problem, ihm welche zu geben, dachte Brianna und antwortete, freundlicher als gehabt, da er wohl doch ganz brauchbar zu sein schien.


„Wir haben vor kurzem einen Sith-Lord, Graf Janus Sturn, gefangen genommen,“

Begann sie. Dass ‚wir‘ nicht ‚die Jedi‘ hieß, sondern ganz konkret sie und Elise, konnte und sollte er ja nicht wissen.

„Diesen haben wir als Hebel benutzt, um die letzten republikanischen Kriegsgefangenen freizupressen, dazu etliche imperiale Dissidentinnen. Unsere Aufgabe ist es, den Austausch zu überwachen. Das wird eine große, unübersichtliche Situation mit vielen, vielen Leuten und der Angriff auf Kashyyyk macht die Sache nicht gerade ungefährlicher. Natürlich werden wir nicht alleine sein, aber als kampferfahrener Ex-Soldat mit mehr als 36 Missionen wärst du eine gute Ergänzung für das Team. Den exakten Ort und Zeitpunkt des Austausches kenne ich noch nicht, aber unter den Umständen wird es wohl sehr bald und auf neutralem Boden passieren – bevor das Zeitfenster sich schließt.“

Allerdings musste sie sich jetzt langsam auf den Weg machen. Ian und Eowyn schienen bereits aufzubrechen, sehr wahrscheinlich mit dem Ziel Ratssaal, Marrev sowieso.

„Ich muss nun allerdings los. Wenn du dabei bist, kontaktiere ich dich über das Tempelnetzwerk, sobald ich weitere Informationen habe. Wir hören voneinander,“

Verabschiedete die Echani sich und stand auf. Bevor sie den Raum verließ, lief sie an der Holoprojektion von Ahna vorbei, um einen letzten Blick darauf zu werfen und bekam eine Gänsehaut. Sie fühlte sich so lebensecht an, fast als könne sie die Präsenz der Rätin wirklich vor ihr spüren. Es war fast ein wenig gruselig. Brianna wandte sich ab, bevor jemand auf die Idee kam, sie stünde verdächtig lange hier. Falls sie wen dazu befragen könnte, würde ihr diese jemand sicherlich irgendwas mysteriöses-jedihaftes auftischen wie dass sich die kollektiven Gedanken der vielen anwesenden Machtnutzerinnnen auf diese Weise manifestierte – oder wahlweise, dass sie sich das alles nur einbildete, weil sie sich in einem mentalen Ausnahmezustand befand. Sie verließ die Halle, nicht ohne einen letzten Blick zurück zu werfen, unterwegs zu den Turboliften, nur um zu spüren, dass just bevor sie um die Ecke bog, Ian und Eowyn gemeinerweise ohne sie losfuhren.

Coruscant – Jedi-Tempel – Gänge – auf den nächsten Turbolift wartend ( :P ): Brianna
 
||Coruscant ▫ Tempel - Bezirk ▫ Jedi - Tempel ▫ große Halle || ▫Selina ▫ Faith▫ Steven ▫ Elise ▫ Riuen ▫ Brianna ▫ Ganner▫ Eowyn ▫ Wes ▫ viele andere Jedi

Sie war wirklich kurz vor Ende der Veranstaltung angekommen. Ein kleinerer Jedi übernahm als letztes das Wort und betonte noch einmal speziell die diplomatischen Erfolge die die Pau'anerin erzielt hatte in ihrem langen, ewig scheinenden Dienst für den Jedi – Orden. Selina wartete bis sich nach und nach die Leute erhoben und anfingen den Ort zu verlassen. Einige blieben noch um etwa über die Frau zu reden oder sich anderweitig auszutauschen.

Selina musste einen Moment schmunzeln. Wäre dies ihr erster Tag im Jedi – Orden gewesen, hätte sie das Gebäude vermutlich gar nicht betreten können. Sie wäre von der Welle an Trauer überwältigt und verschreckt worden. Sie hatte überhaupt keine Kontrolle über ihre empathischen Fähigkeiten gehabt. Erst die Ausbildung unter Mara Jade hatte ihr die notwendigen Fähigkeiten vermittelt sich gegen den Ansturm der Macht zu wehren, der die Emotionen Umstehender zu ihr trug. Sie war von jeher dafür empfänglich gewesen, warum wusste sie nicht. Es war eben die ganz individuelle Ausgestaltung ihrer Machtbegabung. Heute konnte sie ganz genau steuern wie viel von den um sie herum existierenden Gefühlen sie empfing, notfalls konnte sie es ganz abschalten.

Da die blauhäutige Twi'lek niemanden in der Menge wiedererkannte, entschloss sie sich vorerst ihre Aufmerksamkeit organisatorischen Dingen zu widmen. Zuerst einmal sollte sie schauen das sie bei der Verwaltung vorbei schaute. Immerhin brauchte sie ein Zimmer und sollte auch allgemein bekannt machen, dass sie nun hier war. Also setzte sie ihre Füße voreinander um besagter Angelegenheit nachzugehen. Nach einem kurzen Spaziergang und zwei Turboliftfahrten, bekam sie das Vergnügen sich mit einem hibbeligen Sullustaner auseinander zu setzen. Selina war versucht in ihn zu fühlen, um herauszufinden was ihn so aufregte, ob es vielleicht etwas mit der Trauerfeier zu tun hatte, doch sie hatte inzwischen genug Erfahrung um zu wissen, das dies zuweit ging.

Also blieb sie geduldig, und beantwortete geduldig alle Fragen und ließ das Registraturprozedere über sich ergehen. Schlußendlich bekam sie ihre Schlüsselkarte ausgehändigt, die sowohl ihr Zimmer öffnete als auch als Zugang zu anderen Bereichen im Tempel fungierte. Leicht grinsend entfernte sich die Jedi –Meisterin um sich direkt zu ihrer Unterkunft zu begeben. Der Raum war einfach und funktionell, so wie sie es erwartet hatte. Sie brauchte nichts besonderes. Sie war bereits froh, das sie ein Einzelzimmer hatte. Sie verstaute den Inhalt ihrer Tasche im Kleiderschrank und stopfte die Tasche unter das Bett.

Nachdem all dies erledigt, bzw. abgehakt war, sollte sie sich darum kümmern das ihr Hiersein entsprechende Möglichkeiten bot. Darunter gehörte der nun folgende Gang zur medizinischen Abteilung. Diese erwartete sie in rechtvertrauter Gestaltungsform. Liegen, Einzel- und Mehrbettzimmer, Behandlungsräume, OP- Räume, Bactatanks, das vertraute Piepen und Blinken verschiedener Maschinen. Der Puls, die Essenz dessen woraus ihr Leben in den letzten Monaten, bzw. Jahr bestanden hatte. Selina wusste, das man sich ihr nicht sofort widmen konnte, deshalb setzte sie sich erst einmal auf eine Bank in einem der Flure und wartete. Sie ließ ihre Sinne durch den Krankenflügel schweifen. Immer schön kontrolliert zwischen empathischer Machtempfänglichkeit und kontrolliertem Schutzschirm im telepathischen Äther der Macht. Schmerz, Trauer, Schock, Hoffnung, Unsicherheit … all diese Emotionen streiften ihren Geist und zogen kurz darauf wieder vorbei.

Schließlich konnte sie nach einiger Zeit einen Moment abpassen als eine der scheinbar wichtigeren Personen des Personals nicht hektisch zur nächsten Aufgabe eilte. Die Jedi – Heilerin trat flink hervor um sich dem Jedi – Heiler / Arzt vorzustellen. Die erste Distanz der Fremdheit fiel innerhalb von Minuten, nachdem die Blauhäutige ausführlich aber doch auf den Punkt ihre medizinische sowie Ordens-spezifische Vorgeschichte geteilt hatte. Ein hauptsächlich von anderen der Gesundheit verschriebenen Professionellen erteilte Danksagung bezüglich der bisherigen Bemühungen rundete das Kennenlernen ab. Selina kam daraufhin auch zügig auf den Grund ihres Besuches zu sprechen. In der Registration war sie zwar als Jedi –Heilerin aufgeführt, doch hier konnte sie die Belegschaft zudem darüber informieren das sie nicht nur Machtheilung und Pflege zu bieten hatte, sondern auch Operationen durchführen, sowie den Einsatz von 2-1B, FX, und anderer Medidroiden bewerkstelligen konnte.

Es war wichtig, dass sie ihre Fähigkeiten weiter einsetzte. Wenn sie nicht weiterhin regelmäßig in Operationssälen oder Behandlungszimmern ihre Fertigkeiten einsetzte, würden sie wieder verkümmern. Also bot sie an, das man sie vereinzelt in der medizinischen Abteilung einplanen konnte, etwa als Assistenzärztin oder Vergleichbares. Solange sie im Tempel war, konnte sie sicher sowohl die Ausbildung eines Padawans als auch die Arbeit in der Krankenabteilung unter einen Hut bringen. Sobald Missionen anstanden, würde man natürlich weitersehen müssen, doch vorerst hatte sie noch keinen Padawan, da war es nur sinnvoll sich anderweitig nützlich zu machen. Der Vorgesetzte gab ihr zu verstehen, das sie darüber nachdenken und sich entsprechend bei ihr melden würden.

Selina verabschiedete sich mit einer freundlichen Verbeugung, gefolgt von sich voreinander schiebende Füße, die in letzter Konsequenz den Weg über die Kantine zum Meditationsgarten fanden. Die Meisterin hatte lange keine allumfassenden Übungen in diversen Bereichen der Macht unternommen. Es gab einiges an Auswahl, doch Selina wollte erstmal etwas Einfaches machen, bzw. etwas das sie unkompliziert selbst üben konnte, ohne einen Gegenüber. Sie entschloss sich zuerst dem Absorbieren von Energie ihren Fokus zu widmen. Zwar war die normale Tagessonne nicht unbedingt die beste Quelle um dies zu trainieren, doch vorerst war es genügend. Sie würde versuchen die Wärme zu absorbieren und abzuleiten, während sie die zwei tiefen Schüsseln, die sich aus der Kantine mitgenommen hatte, mit in ihnen befindlichem Wasser schweben lassen würde. Grundsätzlich einfach, aber am Ende doch nichts für Anfänger, denn sie trainierte sowohl Kontrolle als auch Durchhaltevermögen.

So trat Selina kurz zu einem der Brunnen und füllte beide Schüsseln mit Wasser. Dann suchte sie sich eine bequeme und günstige Stelle, an der sie noch einige Zeit in der Sonne sitzen würde, bevor der Schatten sie erreichte. Sie legte beide Schalen ab, setzte sich in den Schneidersitz und schloss die Augen. Zuerst einmal tauchte sie in das mystische Energiefeld ein, das zu betreten fast nur den hier Anwesenden Individuen möglich war. Nachdem die Twi'lek die Schüsseln vollends erfühlt und ertastet hatte, ließ sie Energie um sie herum fließen und lenkte diese Energie langsam noch oben. Die Schüsseln hoben sich in die Luft und auf ein Kommando der Jedi – Meisterin fingen sie an, langsam um die schlanke Gestalt herumzuschweben.

Nachdem dies nun funktionierte, lenkte die Jedi einen kleinen Teil ihrer Aufmerksamkeit auf die Wärme die sich auf ihrem Gesicht und auf ihren Lekku spüren ließ. Diese Energie sollte nun von ihrer Hautoberfläche durch ihren Körper fließen, nach unten, um in die Erde unter ihrem Gesäß zu fließen. Tief und gleichmäßig atmend konzentrierte sie sich also darauf sowohl das Wasser nicht heraus schwappen zu lassen, also auch die Wärme auf ihrer Haut nicht steigen zu lassen.


||Coruscant ▫ Tempel - Bezirk ▫ Jedi - Tempel ▫ Meditationsgarten || ▫Selina ▫ diverse Jedi
 
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Coruscant – Jedi-Tempel – Große Halle, Ahnas Trauerfeier – viele Jedi, Räte und auch Wes

Als Wes seine Rede beendet hatte und vom Podium abtrat, schwebte als nächstes Eowyn an seinen Platz. Gespannt beobachtete er, wie die an den Schwebestuhl gefesselte Rätin sich schlagen und welche der vielen Facetten Ahnas sie beleuchten würde. Wie sich zeigte, wählte sie eine andere Strategie, um den heißen Brei herumzureden, wie die Frau, die alle betrauerten, nämlich wirklich gestorben war. Sie hielt die Rede, die für die Jedi-Schatten gedacht war, und das war natürlich besonders heikel. Wie adressierte man eine Botschaft an diese, die die übrigen nicht verstehen durften? Wie sich herausstellte, meisterte Eowyn ihre Aufgabe gut.

Entgegen kam ihr dabei natürlich, dass die Pau'anerin zwar eine Meisterin im operativ-taktischen Umfeld war, ihre Haupttätigkeit im Bereich der Strategie, der Koordination lag. Gewissermaßen war diese Tätigkeit der eine Diplomatin gar nicht so unähnlich, wenngleich nach innen statt nach außen gerichtet. Eowyn konnte ihnen mehr Einblicke in Ahnas Wesen geben als die übrigen, obwohl auch sie betonte, sie nicht wirklich gut gekannt hatte. Vermutlich gab es keinen Jedi, der das von sich behaupten konnte, nicht einmal Alexander. Die blonde Rätin wusste aber genug, um ihren Zuhörern ein Bild der Verstorbenen zu zeigen, so wie die meisten sie gekannt hatten. Eine gewisse Unnahbarkeit gehörte dazu, die wohl zur Geheimniskrämerei der Schatten passte oder gar Voraussetzung war.

Natürlich behielt sie die Missionen ihrer Schäfchen im Auge, musste es sogar, das war wohl der Preis ihrer Gabe, der Bruchpunkttechnik. Meist tat sie es aus der Entfernung und Wes maßte sich nicht an, zu wissen, wie oft Ahna wirklich selbst auf Mission gewesen war. Er vermutete, dass Bastion mit Kast die große Ausnahme gewesen war, und dabei war sie zu Tode gekommen. Vermutlich nicht überraschend, nicht für sie. Wes nahm an, dass es diesen Punkt gegeben hatte, an dem der Pau'anerin klar geworden war, dass sie ihren Erfolg nicht mehr erleben würde. Trotzdem hatte sie es durchgezogen. Das war die Steigerung von ›Bereitwillig sein Leben für die größere Sache hingeben‹ – hundertprozentig über das eigene Ableben Bescheid zu wissen. Verdammt, welche Jedihaftigkeit.

Wes vermutete, dass jenes letzte Gespräch, das Eowyn erwähnte, nach dieser Erkenntnis stattgefunden haben musste. Dass Ahna stolz gewesen war, ließ annehmen, dass sie zu dem Zeitpunkt auch gewusst hatte, dass vielleicht auch ohne Bruchpunkttechnik klar gewesen sein musste, dass sie gewonnen hatten. Dass diese große Jedi diesen späten Triumph noch erlebt hatte, war ein sehr tröstlicher Gedanke. Der Taanaber fragte sich, wie die vielen nichteingeweihten Jedi diese Worte wohl verstehen würden. Aber vermutlich musste sie diesen Moment mit den anderen Schatten einfach teilen und dem Rest die Wahrheit von einem gewissen Standpunkt aus erzählen, was sie in der Folge auch tat.

Den Bogen zurück zu spannen gelang ihr sehr gut und – war das etwa so was wie eine Kampfansage? Diese Eowyn klang sehr anders wie die aus ihrem klärenden Gespräch nach der Pressekonferenz neulich. Sie würde alles daran setzen… Ahnas Nachfolge anzutreten? Es war kaum möglich, diese zwei Sätze anders zu verstehen. Gut, seine Stimme hatte sie auf jeden Fall. Nach dieser Rede, der vermutlich schwierigsten und heikelsten dieser Feier, die sie ebenso souverän gemeistert hatte wie die Pressekonferenz zuvor, war es zudem unmöglich, ihr noch die Kompetenzen als Rätin abzusprechen. Ahnas Nachfolge, das war freilich noch mehr als einfach nur eine Rätin sein, sie würden sehen.

Den Saal hatte sie jedenfalls für sich und für Ahna gewonnen. Wes sah bewegte Mienen im Raum und spürte ganze Wogen der Anteilnahme im Raum. Eowyns ergreifende Rede war in der Tat angekommen und der nachfolgende Redner würde es schwer haben, daran anzuknüpfen, so viel stand fest.


»Ruhe in Frieden, Ahna,«

Stimmte Wes in den allgemeinen Chor ein und wartete darauf, dass Eleonore den Rednerplatz betrat. Thematisch ging es nun ein wenig weg von Ahna, hin zu den übrigen während der Krise verstorbenen Jedi, was durchaus passend war. Zum einen, weil man damit nicht nur der einen Person gedachte, der als Rätin eine traditionelle große Abschiedsfeier gewidmet wurde, sondern auch die vielen anderen, die es bestimmt ebenso sehr verdient gehabt hätten. Zum anderen, weil ohnehin keine Steigerung mehr möglich war. Als in der Folge Meister Rat Nackl die Namen derer verlas, dachte Wes an all jene, die er gekannt hatte und versuchte sich ein Bild vorzustellen, wer die übrigen gewesen waren. So viele Namen…

»Mögen sie ihren Frieden in der Macht finden,«

Echote er zum Abschluss der viel zu langen Liste. Allegious' schändlicher Plan hatte dem Orden zugesetzt und ganz zu schweigen von den vielen übrigen Leben, die verloren gegangen waren. Coruscant würde viele Jahre brauchen, um sich wieder zu erholen. Es war die richtige Entscheidung von Ahna gewesen, das Imperium daran zu hindern, dieses Massaker zu wiederholen, so hoch der Preis, den sie dafür zahlten, auch sein mochte.

Im Anschluss hing Wes noch einige Augenblicke seinen Gedanken nach, und als er Eowyn zu ihrer gelungenen Rede gratulieren wollte, war diese bereits unauffällig davongeschwebt. Also ging er durch die sich langsam leerende Halle und sah plötzlich Mya stehen, wieder einmal in Begleitung ihrer schönen Freundin (Voye). Die beiden verbrachten in letzter Zeit echt viel Zeit miteinander, war ihm aufgefallen, aber bisher zierte sie sich irgendwie noch, sie ihm vorzustellen. Vielleicht ja heute.

»Hallo ihr beiden. Hätte mich gewundert, wenn ich euch nicht hier gefunden hätte,«

Begrüßte er die beiden.

»Gefühlt ist der halbe Orden hier, oder jedenfalls der Teil, der sich zur Zeit im Tempel aufhält. Eowyns Rede war sehr bewegend, nicht wahr?«

»Das war sie in der Tat,«


Gab Mya zurück und auch die hochgewachsene Unbekannte nickte wortlos.

»Ich hoffe, meine Rede hat den Ton ebenfalls getroffen?«

Wollte er von seiner Assistentin wissen.

»Hat gepasst ja. Aber weil wir uns gerade sehen… ich bitte Euch um Erlaubnis, auf Mission zu gehen. Auf Ilum bei der Ruine des Kristalltempels wurde ein Alarm ausgelöst. Vermutlich keine große Sache, aber jemand muss das überprüfen. Ich denke, das wird ein passender kleiner Ausflug für T'nadah, Voye hier und mich.«

Ilum… die Wege der Macht waren oft faszinierend. Vorhin erst hatte er mit Eriu darüber gesprochen, wohin er reisen wollte. Auch ihn zog es raus aus dem Tempel, in die weite Galaxis – und Ilum war einer seiner Top-Wünsche gewesen.

»Das trifft sich hervorragend. Ich fliege auch und bringe Eriu und Aulona auch mit. Das wird bestimmt ein großer Spaß und anschließend gehen wir alle noch Kristalle suchen, die Vorräte auffüllen. Gute Übung für die Padawane!«

Freute sich Wes, wurde aber besorgt als er merkte, dass Myas normalerweise satt rote Gesichtsfarbe plötzlich ein wenig nach einem bleichen Rosa aussah.

»Schön dich kennenzulernen, Voye… geht es dir nicht gut, Mya?«

Die Ärmste war so arbeitseifrig und hatte sich nach ihren Verletzungen auf Galantos viel zu wenig geschont. Wes fühlte sich blendend, seit er von Alderaan zurück war und seiner treuen Assistentin würde ein richtiger Urlaub auch mal gut tun, keine Kampfmission gegen Yevethaner, wie sie es gemacht hatte.

»Nein… doch… alles bestens. Es ist nur… seid Ihr Euch sicher, dass wir beide gleichzeitig Coruscant verlassen sollen, in dieser unsicheren Lage?«

»Wieso sollten wir das nicht können? Es gibt doch ein Holonetrelais bei Ilum.«


Fragte Wes zurück, der begann, sich ernste Sorgen zu machen. Er hatte nicht den Eindruck, dass Mya wirklich reisetauglich war. Er wollte es ihr nicht ausreden, aber es wäre sicher besser, wenn ein anderer fertig ausgebildeter Jedi mitkäme. Ihre Freundin, diese Voye, machte nicht den Eindruck, schon sehr weit mit ihrer Ausbildung zu sein und für T'nadah galt ja dasselbe.

»Ehrlich gesagt machst du mir keinen sehr fitten Eindruck. Mir wäre schon wohler, wenn ein anderer Jedi dich begleiten würde, nur zur Sicherheit. Es wäre ein ziemlicher Schlamassel, wenn du uns gerade jetzt ausfällst. Aber ich will dir deine Mission natürlich auch gönnen. Auch du brauchst mal Pause…«

»Nein, alles gut wirklich. Mich haben nur die Reden sehr mitgenommen… vielleicht war es auch das Nuna in der Cantina. Es ist nur…«


Wes dämmerte langsam, was das Problem war. Tagein, tagaus arbeiteten sie zusammen – verständlich dass Mya dann gerne mal für ein paar Tage nicht dieselbe Gesichter sah.

»Ich versteh' schon. Urlaub vom Chef muss auch mal sein, das ist in Ordnung. Aber nimm einen zweiten Jedi-Ritter mit, ja? Es wäre lieb wenn du Eriu fragst, ob er mitkommen möchte. Er hätte sich nämlich sehr auf Ilum gefreut.«

Mya antwortete nicht sofort. War er zu direkt gewesen? Wes hatte gedacht, seiner rechten Hand klar kommuniziert zu haben, dass sie jederzeit offen reden konnte, wenn es Probleme gab, aber scheinbar musste er da noch Überzeugungsarbeit leisten. Schließlich antwortete die Lethan:

»Neinnein, ist schon in Ordnung…«

»Sicher? Du weißt ja, dass ich immer ein offenes Ohr für dich hab und du alles ansprechen kannst?«

»Ja, natürlich.«

»Okay. Ruh' dich vielleicht lieber noch ein bisschen aus und ich organisiere uns ein Transportmittel, das groß genug ist.«

»Alles schon geregelt. Ein D-Wing der Ossus Rangers wartet in Hangar 1138 auf uns.«


Wes pfiff leise in Anerkennung. Mit irgendwelchen Schmugglern würden sie damit wohl genauso fertig werden wie die Rangers nützlich sein würden, verlorene Lost-Place-Touristen zu finden.

»Du überlässt nichts dem Zufall. Vielleicht sage ich das dir nicht oft genug: ich wüsste echt nicht, was ich ohne dich tun würde.«

So gingen sie auseinander. Bevor Wes seine Sachen packte, informierte er gleich Eriu per Kom-Nachricht:

### Kom-Nachricht von Wes Janson an Eriu Curum, eilig ###

Hallo Eriu,

es hat sich gerade etwas ergeben. Mya und ich fliegen nach Ilum und müssen dort nach dem Rechten sehen. Eine glückliche Fügung der Macht! Du kommst bestimmt gerne mit, nicht wahr? Triff uns im Hangar 1138, wenn du möchtest.

Liebe Grüße
Wes

### Kom-Nachricht Ende ###
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Coruscant – Jedi-Tempel, Gänge – Wes (unterwegs)
 
[Coruscant - Distrikt des Fa'lesi Plaza - einige Ebenen darunter in einem Vergnügungsviertel - Bexx Fine Card Games & Ale] Palakwi Rha (P-Wee)

Mit einem angestrengten Brummen zog sich Palakwi Rha am unteren Rahmen des offenen Fensters zu ‚Bexx‘ Fine Card Games & Ale‘ hoch und ließ sich sanft in den Raum hineingleiten. Die Kletterpartie hatte Kraft gekostet, hatte ihr aber Spaß gemacht. Sie war über mehrere Lüftungsanbauten, Außenstreben und Wartungsrohre auf die richtige Höhe geklettert und hatte sich dann an einem Kabel, das eine Neonlichterkette hielt, über die Promenade gehangelt. Sie schaute sich vorsichtig und konzentriert in dem kleinen, halbdunklen Raum um. Schreibtische, Flimsiplast-Notizen, ranzige Hocker, Computerkonsolen, Datapads, eine geschlossene Tür aus dem Raum hinaus. Ein Büro? Ein Surren gefolgt vom Aufleuchten zweier gelber Augen brachte sie instinktiv dazu, sich mit einer Rolle vorwärts hinter den nächsten Schreibtisch aus der Sichtlinie zu bewegen. Sie hörte schlecht geölte Servogelenke, die sich hin und her bewegten, gefolgt von einem blechern verzerrten Tonabfolge in Binär. „... immer wieder dasselbe mit den Ratten hier drin. Nicht genug, dass sie mich jetzt am Schreibtisch und der Konsole verbaut haben, niemand tut etwas gegen das Ungeziefer. Nicht mehr lange und meine Kabel werden durchgebissen sein ...“ P-Wee hörte dem Gejammer des Droiden zu ihrer Linken für einen Moment halb amüsiert, halb angespannt zu. Es musste irgendetwas mit dem Speicherkern und der Verhaltensmatrix dieser Reihe an Protokolldroiden zu tun haben, aber löschte man den Speicher nicht oft genug, neigten sie zu konstantem Genörgel. Sie hatte das Modell am schiefen, metallisch-rohen Geräusch der Servogelenke erkannt. Ihr Onkel hatte es regelmäßig zur Reparatur in seiner Werkstatt gehabt. Ein letztes Surren und der Raum war wieder still. Als sie über den Tischrand spähte sah sie das Modell, dass tatsächlich fest an einem Arbeitsplatz mit mehreren Datenkonsolen und improvisiert aussehenden Werkzeugarmen verbaut war.

Der Blechkollege hatte wieder abgeschaltet, aber sie traute ihm trotzdem nicht. Ihr Einstieg war vergleichsweise lautlos gewesen und dass der Protokolldroide derart schnell aus dem Standby erwacht war, versprach ihr Probleme zu bereiten, sollte sie auf demselben Weg hinaus müssen. Auf leisen Füßen und tief in der Hocke schlich sie zum Droiden hinüber und nahm ihr Multitool vom Gürtel. Sie öffnete den Aufsatz mit einem schmalen Laserschneider für kleinere Arbeiten an Kabeln und ähnlichem. Wenn sie sich recht erinnerte, dann verlief die zentrale Energieleitung zwischen Batteriesystemen, Motorik und dem Droidengehirn auf der rechten Seite des Halses, genau wo der Kopf auf den Torso montiert war. Sie bemühte sich, sich an die genaue Position zu erinnern, bevor sie den Laserschneider ansetzte und mit einer schnellen Bewegung genau an der Metallkante entlang einen präzisen Schnitt setzte. Für einen kurzen Moment schnurrte die Hydraulik des Droiden auf, doch bevor die zwei gelben Optiksensoren in Form von Augen sich erhellen konnten, hauchte der elektronische Buchhalter – fast dem Schrecklaut eines Lebewesen gleich – ein hohes Zischen aus und erschlaffte dann. Ihr drang der Geruch von verkohlten Drähten an die Nase und ein kleines, blaues Blitzen aus dem Schnitt verriet ihr, dass sie sich richtig erinnert hatte. Sie verstaute ihr Werkzeug erneut und beschloss die Gunst der Stunde zu nutzen und sich einen Überblick über dieses Etablissement zu verschaffen. Sie zog ihren Computer Spike aus seiner Halterung am Gürtel und setzte ihn am Zugang der Konsole vor dem Droiden an. Lautlos drehte sich der Scomp Link einige Mal hin und her, bis das Werkzeug schließlich drei Mal leise piepte und sich abschaltete, dafür aber der Bildschirm vor ihr aufleuchtete und den schummerigen Raum mit dumpfem, grünlichem Licht erhellte. Eigentlich schade um den Einmal-Spike, aber was nutzte ein Werkzeug, das man nicht benutzte?

Die Twi’lek suchte sich in Eile durch die Menüs, vorbei an diversen Speichereinträgen zu Einkäufen und Rechnungen der Bar, Lieferaufträgen und Gehaltszahlungen für Angestellte, bis sie einen Gebäudeplan gefunden hatte: ein großer Gastraum mit langer Bartheke und Zugang zu einer Küche und Speisekammern. Zwischen Theke und Ausgang fand sich ein Bereich mit zahlreichen Tischen und Hockern und einer mit mehreren halbkreisförmig angeordneten Sabacc-Tischen. An der Wand dahinter befanden sich mehrere kleine Alkoven für besondere Gäste. Eine geschwungene Treppe führte nahe der Bar in ihr Stockwerk. Sie hoffte immer noch, dass sie gar nicht erst nach unten gehen müssen würde, aber es konnte nicht schaden, sich trotzdem einen Überblick zu verschaffen. Auf ihrem Stock befanden sich entlang eines langen Ganges mehrere Räume: das Büro, in dem sie sich befand, ein gemeinschaftlicher Schlafbereich, von dem sie vermutete, dass es sich um eine Art Unterkunft der Angestellten handeln musste und ein größerer Wohnbereich, der mit der Notiz ‚Bexx – Privat!‘ versehen war. Sie folgte der Kette an Räumen weiter, bis sie zu einem Raum kam, der als Droideninstandhaltungsraum gekennzeichnet war, aber gleichzeitig geradezu absurde Ausmaße für eine Wartungskammer hatte. Verdächtig. Eine kleine Kammer direkt daneben war der Beschriftung ‚Reinigungsbedarf – für Notfälle‘ versehen. Noch ein gutes Stück verdächtiger. Wer kannte sie nicht, diese überraschenden Putznotfälle? P-Wee hatte die Vermutung, dass sie in einem der beiden Räume mit ihrer Tasche wiedervereint werden würde. Die schlichte Tatsache, dass die Räumlichkeiten hier oben missverständlich benannt waren, sprach dafür, dass dieser Bexx mehr anbot als Ale und Kartenspiele.

Keine Minute später öffnete Palakwi die Tür des Büros und trat vorsichtig in den leeren Gang, an dem zahlreiche Sabacc-inspirierte Bilder und künstliche Pflanzen in Hängetöpfen zu finden waren. Sie hörte das rhythmische Wummern von Bässen, untermalt von gedämpften Melodien aus Bith-Saxophonen, hörte das gleichzeitig ferne, aber doch gut hörbare Summen dutzender Stimmen, die vom Schankraum nach oben drangen und fühlte einen Schub an Adrenalin durch ihre Adern fließen. Sanft grinsend schlich sie den Gang entlang, bereit für einen letzten Raubzug, bevor sie diesen Teil ihres Lebens vermutlich für immer hinter sich lassen würde.

[Coruscant - Distrikt des Fa'lesi Plaza - einige Ebenen darunter in einem Vergnügungsviertel - Bexx Fine Card Games & Ale - Personalbereich] Palakwi Rha (P-Wee)​
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Große Halle – Trauerfeier für Ahna Rigby – mit Riuen, Steven, Faith, Brianna, Ganner, Eowyn, Ian, Wes und zahlreichen Jedi

Elise sah Eowyn nach, als diese das Podium verließ. Die Rätin hatte sich mit bemerkenswerter Beherrschung durch ihre Rede gearbeitet, und doch war ihr anzumerken gewesen, wie nahe ihr manche Erinnerungen gingen. Besonders ihre letzten Worte über Ahna hallten noch in Elise nach. Sie hätte die Pau'anerin gerne besser kennengelernt. Jene Frau, die stolz auf ihre Ordensgeschwister gewesen war und sie vermissen würde, hatte sie in der kurzen Zeit ihrer Bekanntschaft kaum zu Gesicht bekommen. Elise ließ den Blick über die versammelten Jedi wandern. Irgendwo zwischen all diesen Gesichtern saßen Brüder und Schwestern, die Ahna über Jahrzehnte gekannt hatten. Andere waren vielleicht nur gekommen, weil sie den Namen einer großen Rätin ehren wollten. Und einige wenige wussten, wo und wie ihr Leben tatsächlich geendet hatte.

Vor wenigen Wochen hatten sie sich noch im Thronsaal des Imperators befunden. Nun war Allegious tot, ein neuer Krieg hatte begonnen, und in den Nachrichten wurde über Ereignisse gesprochen, die Elise noch immer mit einzelnen Gesichtern, Stimmen und Augenblicken verband. Ihre eigene Beteiligung daran erschien ihr bisweilen merkwürdig unwirklich. Auf der Krankenstation hatte sie kaum Gelegenheit gehabt, darüber nachzudenken. Vielleicht war sie darüber sogar froh gewesen.

Sie neigte sich etwas zu Riuen.

"Ich beneide Eowyn gerade wirklich nicht", flüsterte sie und ließ den Blick noch einmal zur Rätin wandern. "Vor all diesen Leuten über Ahna zu sprechen, nach allem, was passiert ist ..."

Sie schwieg einen Moment, während weiter vorne einige Jedi ihre Plätze wechselten. Die Ritterin flüsterte zu Riu.

"Ist schon seltsam. Wir waren mittendrin, und inzwischen führt die halbe Galaxis einen Krieg darüber."

Elise betrachtete ihren Schüler von der Seite. Er hatte viel Zeit an ihrem Krankenbett verbracht. Für Gespräche über das, was sie gemeinsam erlebt hatten, war dabei erstaunlich wenig Zeit geblieben.

"Denkst du manchmal noch daran?"

Sie fuhr mit dem Daumen über eine Falte ihrer Robe.

"Ich bin mir bei manchen Dingen noch immer nicht sicher, was ich heute anders machen würde."

Riuen hatte vieles mit eigenen Augen gesehen, und Elise wusste inzwischen, dass seine Überlegungen sie durchaus überraschen konnten. Vielleicht würden sie irgendwann Gelegenheit finden, ausführlicher darüber zu sprechen. Hier zwischen all den anderen Jedi war jedenfalls kaum der richtige Ort. Als sie ihre Sitzposition veränderte, meldete sich ihr Bein. Elise streckte es etwas aus und wartete, bis der krampfartige Zustand nachließ. Sie bemerkte Riuens Aufmerksamkeit, sah jedoch weiterhin nach vorne. Vermutlich hatte er bereits eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie weit sie heute eigentlich hätte laufen dürfen. Sie selbst war mit ihrem Ausflug bislang recht zufrieden.

Ihr Sitznachbar schien ebenfalls einiges wahrgenommen zu haben.

Elise hatte Steven inzwischen mehrfach dabei ertappt, wie seine Aufmerksamkeit zwischen ihr und dem Chiss wanderte. Seine Blicke waren höflich genug, dass sie sich nicht daran störte, aber sie weckten ihre Aufmerksamkeit. Vielleicht überlegte er, weshalb sie einen Stock benötigte, während ihr Schüler offenbar darauf vorbereitet war, sie bei der nächsten unbedachten Bewegung aufzufangen. Die beiden mussten einen eigentümlichen Anblick bieten. Andererseits hatte sie selbst bereits mehr als einmal seine Erscheinung gemustert. Die sorgfältig gewählte Robe, sein Auftreten und die Selbstverständlichkeit, mit der er sich bewegte, ließen sie vermuten, dass er auch außerhalb des Ordens mit förmlichen Anlässen vertraut war.

Als sich eine Gelegenheit ergab, wandte sie sich ihm zu.

"Sagt, was führt Euch zurzeit eigentlich in den Tempel?", erkundigte sie sich leise. "Seid Ihr eigens für die Trauerfeier gekommen?"

Sie betrachtete ihn aufmerksam, ehe sie fortfuhr.

"Ich habe den Eindruck, dass sich hier gerade einiges verändert."

Elise erinnerte sich gut an die Übertragung. Eowyn und Ian hatten sich den Fragen der Presse gestellt, während sie selbst noch damit beschäftigt gewesen war, wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen. Seitdem hatte sie versucht, die Nachrichten zu verfolgen, doch manche Entwicklungen waren selbst für sie überraschend gekommen. Falls Steven seinerseits Fragen zu ihren jüngsten Erlebnissen hatte, würde sie bei der offiziellen Geschichte bleiben. Sie und Riuen waren im Zusammenhang mit der Viruskrise unterwegs gewesen. Der Einsatz hatte sich als ausgesprochen unerfreulich erwiesen, was der Stock neben ihrem Sitz hinreichend belegte.

Sie ließ ihrem Sitznachbarn Gelegenheit, auf ihre Fragen einzugehen. Ein ausführlicheres Gespräch würde sich außerhalb der Feier sicherlich besser führen lassen. Hinter ihnen bemerkte Elise eine Bewegung. Die junge Jedi, die Steven zuvor begrüßt hatte, saß noch immer in der nachfolgenden Reihe. Sie schien sich nicht besonders wohlzufühlen, was Elise angesichts ihres eigenen Zustands durchaus nachvollziehen konnte.

Als sich ihre Blicke begegneten, erwiderte sie den Gruß mit einem freundlichen Nicken.

"Wir sind uns noch gar nicht richtig vorgestellt worden. Elise", sagte sie leise und wandte sich etwas über die Schulter. "Ihr kennt Steven offenbar schon länger?"

Sie war neugierig, woher sich die beiden kannten, doch vorne wurde die Zeremonie fortgesetzt. Elise schenkte Faith ein entschuldigendes Lächeln und wandte sich wieder dem Podium zu.

Nun wurde der Opfer der vergangenen Krise gedacht. Nachdem die Räte von Ahnas langem Leben, ihren Verdiensten und ihrer Arbeit für den Orden gesprochen hatten, sollten auch jene nicht vergessen werden, deren Schicksale kaum jemand außerhalb ihres persönlichen Umfelds kannte.

Als der erste Name verlesen wurde, senkte Elise den Kopf.

Die Liste war lang. Sehr lang. Zwischen den einzelnen Namen waren gelegentlich ein Rascheln, ein Husten oder ein unterdrücktes Schluchzen zu hören. Elise versuchte, manchen der Namen ein Gesicht zuzuordnen, doch nur bei wenigen gelang es ihr. Sie betrachtete die Hände in ihrem Schoß und hörte zu. Einige Reihen vor ihr hielt eine Frau die Hand ihres Sitznachbarn. Elise konnte sehen, wie sich ihre Finger langsam ineinanderschoben. Weiter hinten hatte ein junger Padawan den Kopf gesenkt. Vielleicht hörten sie gerade den Namen eines Menschen, den sie gekannt hatten. Als sie wieder zum Hologramm aufsah, erinnerte sie sich unwillkürlich an die letzten Augenblicke im Thronsaal. Ahnas Opfer hatte vermutlich mehr Menschen das Leben gerettet, als hier jemals namentlich genannt werden konnten. Elise ließ ihren Blick noch einen Augenblick auf der Abbildung ruhen und senkte dann wieder den Kopf.

Sie blieb still, bis schließlich der letzte Name verklungen war. Auch danach saß sie noch einige Augenblicke schweigend da. Die Räte ließen den Anwesenden Zeit, und niemand schien es eilig zu haben, die Stille zu unterbrechen.

Erst als die Zeremonie beendet wurde und sich die ersten Jedi erhoben, griff Elise nach ihrem Stock. Sie stützte sich mit einer Hand an der Armlehne ab und richtete sich vorsichtig auf. Ihr Kreislauf benötigte einen Augenblick, um sich mit der Veränderung anzufreunden. Elise blieb stehen, bis der Boden wieder die gewohnte Verlässlichkeit besaß, und warf dann einen Blick zu Riuen.

"Alles gut", sagte sie, noch bevor er etwas bemerken konnte.

Anschließend wandte sie sich Steven zu.

"Es hat mich gefreut, Euch kennenzulernen. Vielleicht finden wir demnächst Gelegenheit, unser Gespräch fortzusetzen."

Sie deutete mit einer kleinen Bewegung des Kopfes in Richtung Ausgang und ließ offen, ob er sich ihnen anschließen wollte. Auch Faith schenkte sie zum Abschied ein freundliches Nicken.

"Wollen wir?", fragte sie ihren Schüler.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg. Elise achtete darauf, ihren Stock möglichst gleichmäßig aufzusetzen, während sich die Reihen um sie herum leerten. Ihre Beine waren inzwischen ziemlich müde, aber sie würde es bis zum Ausgang schaffen. Der Gedanke an ein wenig Ruhe wurde mit jedem Schritt verlockender.

"Ich würde gerne noch mit Eowyn sprechen", sagte sie zu Riuen, als sie die letzten Sitzreihen hinter sich gelassen hatten. "Wegen Thearterra. Wir sollten sie bald in unsere Pläne einweihen."

Vermutlich würde die Rätin angesichts ihres Zustands zunächst wenig Begeisterung für die Idee aufbringen. Elise konnte es ihr kaum verdenken. Vor wenigen Tagen hatte sie noch nicht einmal selbstständig aufstehen können, und nun wollte sie schon wieder zu jenem Planeten aufbrechen, der ihr beinahe das Leben gekostet hatte. Trotzdem zog es sie dorthin zurück. Manchmal ertappte sie sich dabei, wie sie beim Erwachen einen Augenblick reglos liegen blieb und darauf wartete, ob sich etwas in ihrem Körper verändert hatte. Dieses Misstrauen gegen die eigene Gesundheit war ihr fremd. Hinzu kam die Erinnerung an Riuen, der seit ihrem Erwachen kaum von ihrer Seite gewichen war. Sie hätte ihn gerne wieder einmal an ihrer Seite gesehen, ohne dass er dabei Anlass hatte, sich um ihr Leben zu sorgen.

"Sie kennt die Umstände. Vielleicht kann sie uns helfen, die Genehmigung zu bekommen."

Elise warf ihrem Schüler einen kurzen Blick zu.

"Ich fürchte allerdings, sie wird einige Einwände haben."

Sie betrachtete ihren Stock.

"Da müssen wir uns wohl etwas einfallen lassen."

Viel Zeit wollte sie jedenfalls nicht verstreichen lassen. Vielleicht gab es auf Thearterra längst weitere Betroffene. Der Gedanke beschäftigte sie seit ihrer Rückkehr, und mit jedem Tag, an dem sie wieder etwas kräftiger wurde, fiel es ihr schwerer, untätig zu bleiben. Sie erreichten den breiten Durchgang zur Eingangshalle, als ihr Komlink vibrierte.

Elise zog das Gerät hervor und öffnete die eingegangene Nachricht.


Betreff: Heutige Zeremonie

Ritterin Benett,

der Hohe Rat bittet Euch und Euren Padawan Riuen, Euch im Anschluss an die Gedenkfeier im Ratssaal einzufinden.

Möge die Macht mit Euch sein.



Elise blieb stehen und las die wenigen Zeilen noch einmal. Dann hob sie den Blick zu ihrem Schüler und hielt ihm das Display hin.

"Na wunderbar. Wir werden im Ratssaal erwartet. Beide."

Sie schob das Komlink zurück in ihre Tasche und schüttelte leicht den Kopf. "Was für ein Witz in Tüten. Eine Belobigung nach einer Trauerfeier."

Für einen Moment betrachtete sie den Gang, der zum nächsten Turbolift führte. Ein Nachmittag im Quartier wäre ihr durchaus lieber gewesen. Andererseits würde sie Eowyn möglicherweise schneller wiedersehen als gedacht. Sie umfasste ihren Stock fester und beide setzten sich wieder in Bewegung.

Coruscant – Jedi-Tempel – Gänge auf dem Weg zum Ratssaal – mit Riuen, ...
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten, Nikis, Tari und Sarina

Nikis errötete etwas, als Sarina seinen Vorschlag ablehnte und erklärte, dass es wohl bessere Orte gab, um eine Konversation zu führen. Nikis rieb sich den Hinterkopf, ein paar Grasreste, die sich dort drin gefangen hatten, lösten sich: "Damit habt ihr wohl recht, ich war wohl etwas übereifrig.” Sarina fragte dann, ob er bereits etwas gefühlt hatte: “Habe ich bereits etwas gefühlt?” Wiederholte er die Frage, schloss die Augen und ging in sich, hatte er etwas gefühlt? Nikis dachte an den Impuls, den er bekommen hatte, als er Tari nach wollte, war das die Macht gewesen oder sein eigenes Unterbewusstsein, gab es für einen Jedi überhaupt einen Unterschied zwischen den beiden? Nein, wenn die Meisterin es für eine schlechte Idee hielt, ihm nachzugehen, dann kann es nicht der Wille der Macht gewesen sein. Nikis öffnete die Augen wieder und setzte ein etwas schmächtiges Lächeln auf seine Lippen, etwas enttäuscht von seinem bisherigen nicht Erfolg „Nein“ antwortete er „bisher habe ich leider noch nichts gespürt“

Kurz darauf kam Tari bereits zurück und Nikis blickte kurz zu ihm mit dem selben blick den er Sarina gezeigt hatte, er fragte sich ob dieser bereits etwas gespürt hatte, war die Erfahrung so überwältigend das er eine Pause brauchte, wenn dies der fall war dann erwähnte er nichts davon, sondern setzte sich direkt wieder zu ihnen, daraufhin blickten beide Anwärter wieder Sarina an als diese die Unterrichtsstunde erklärte.

Sie fing an indem sie indirekt anwies, dass sich die beiden hinlegen, wie sie es bereits zuvor gemacht hatten, sehr gut, immerhin bedeutete das, dass die beiden auf dem richtigen Weg waren. Als nächstes schlossen die beiden die Augen, als Sarina die nächsten Instruktionen gab, die beiden sollten erst mal atmen, also tat Nikis das, ein und aus, ein und aus. Er versuchte den Rest des Universums Wegfallen zu lassen und hörte nur noch Sarina‘s stimme, sie fing dann an das Leben um sie herum zu beschreiben, die Pflanzen, die Bäume, die Käfer und all die kleinen Tiere, Nikis versuchte sich auf die Details zu fokussieren als Sarina sie aufgelistete.

Mit seinem Kopf geleert verging die Zeit schneller als gedacht, bald merkte er das sich Tari wieder in eine Sitzposition aufrichtete und er tat es ihm gleich und fing an zu sprechen:
"Irgendwie ist diese Übung härter als ich gedacht hatte” Er drehte seine Oberkörper zu Tari, “Hattest du bisher irgend einen Erfolg?” Nach der Antwort drehte er sich wieder zu Sarina "Wie sollte das Licht nachdem wir suchen aussehen? Wie war deine erste bewusste Interaktion mit der Macht, vielleicht hilft uns dabei, unseren eigenen Weg zu finden.”

Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten, Nikis, Tari und Sarina
 
// CORUSCANT – MITTLERE EBENEN – HALCYON-ATRIUM – GESELLSCHAFTLICHER EMPFANG
Nerro Dragijic Vorna, Leibwächter, NPCs

Es gehörte zu den bedauerlichen Eigenheiten der galaktischen Gesellschaft, dass ein beträchtliches Vermögen offenbar noch lange nicht ausreichte, um überall als bedeutender Mann wahrgenommen zu werden. Nerro hielt diese Tatsache für ausgesprochen ungerecht. Schließlich konnte man von einem Geschäftsmann seiner Stellung kaum erwarten, sich erst über mehrere Jahrhunderte hinweg einen Namen machen zu müssen, bevor man ihn zu den wirklich interessanten gesellschaftlichen Veranstaltungen einlud. Umso erfreulicher war es gewesen, als ihn vor einigen Tagen eine Einladung der örtlichen Handelsvereinigung erreicht hatte. Ein Empfang anlässlich der Wiedereröffnung einer exklusiven Geschäftsgalerie, die während der Viruskrise erhebliche Schäden erlitten hatte. Wohlhabende Unternehmer, Investoren, einige Vertreter der lokalen Verwaltung und allerlei andere einflussreiche Persönlichkeiten wurden erwartet. Genau die richtige Gesellschaft für einen Mann seines Kalibers.

So hatte Nerro nach dem gemeinsamen Mittagessen mit Tarek noch einmal sein Apartment aufgesucht, um sich angemessen für den Abend herrichten zu lassen. Zwei Dienerdroiden hatten ihm dabei geholfen, ein besonders kostspieliges, dunkelviolettes Samtgewand anzulegen, dessen goldene Verzierungen hervorragend mit seinen schweren Schmuckstücken harmonierten. Anschließend hatte er sich ausgiebig mit seinem Erscheinungsbild beschäftigt. Ein Mann konnte schließlich noch so erfolgreich sein; wenn er aussah wie ein gewöhnlicher Straßenschläger, würde ihn niemand ernst nehmen. Diese Weisheit hatte Nerro längst verinnerlicht. Dass sein persönlicher Leibwächter, der ihn an diesem Abend selbstverständlich begleitete, tatsächlich wie ein ausgesprochen wohlhabender Straßenschläger aussah, störte ihn dagegen wenig. Irgendjemand musste schließlich für die nötige Abschreckung sorgen.

Das Halcyon-Atrium befand sich in einem der wohlhabenderen Geschäftsviertel der mittleren Ebenen. Der weitläufige Gebäudekomplex war von eleganten Geschäftsräumen, exklusiven Boutiquen und repräsentativen Büros umgeben. Durch die großzügigen Transparistahlflächen fiel das künstliche Licht der umliegenden Gebäudefassaden, während auf verschiedenen Ebenen zahlreiche Gäste miteinander plauderten. Von natürlichem Sonnenlicht war hier unten selbstverständlich nichts zu sehen. Dafür hatten die Veranstalter mit aufwendigen Beleuchtungsanlagen gesorgt, die dem Atrium einen ausgesprochen angenehmen Glanz verliehen.

Nerro war beeindruckt. Natürlich nicht übermäßig, denn hatte schließlich schon wesentlich eindrucksvollere Dinge gesehen.

Als er sich durch den großzügigen Eingangsbereich schlängelte, folgte ihm sein Leibwächter mit einigen Schritten Abstand. Der muskulöse Mensch hatte seine übliche, etwas protzige Garderobe für den Anlass zumindest teilweise angepasst, wirkte aber zwischen den elegant gekleideten Gästen noch immer wie jemand, den man besser nicht nach dem Weg fragen sollte. Nerro begrüßte einige der Anwesenden mit einem freundlichen Nicken und ließ seinen Blick über die Räumlichkeiten schweifen. Hier und dort wurden ihm neugierige Blicke zugeworfen. Einige Gäste lächelten höflich, andere musterten den gewaltigen Hutten mit unverhohlener Neugier. Nerro gefiel das. Aufmerksamkeit war schließlich eine der angenehmsten Begleiterscheinungen gesellschaftlicher Bedeutung.

Eine junge Frau, offenbar Angehörige des Veranstaltungskomitees, trat auf ihn zu und begrüßte ihn mit einem professionellen Lächeln.

"Mister Vorna? Wie schön, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Willkommen im Halcyon-Atrium."

"Aber selbstverständlich, meine Liebe! Ein solches Ereignis lasse ich mir doch nicht entgehen. Nerro Dragijic Vorna, zu Ihren Diensten. Geschäftsmann, Investor und, wie man mich gelegentlich nennt, der Prince of Vespar."


Die Frau lächelte weiterhin freundlich, ohne auf den letzten Teil seiner Vorstellung näher einzugehen. Sie erklärte ihm einige Einzelheiten des Empfangs, verwies auf die verschiedenen Erfrischungsangebote und wünschte ihm einen angenehmen Abend. Nerro bedankte sich überschwänglich und sah ihr noch einen Augenblick nach.

Eine ausgesprochen reizende Person. Wenngleich sie offenbar nicht vollständig begriffen hatte, mit wem sie es zu tun hatte.

In den folgenden Minuten mischte sich der Hutt unter die Gäste. Er unterhielt sich mit einem Betreiber mehrerer Unterhaltungslokale, tauschte einige Höflichkeiten mit einem älteren Immobilieninvestor aus und lauschte den Ausführungen eines Mannes, der offenbar irgendetwas mit der Verwaltung regionaler Handelsrouten zu tun hatte. Letzterer sprach derart ausgiebig über seine beruflichen Erfolge, dass selbst Nerro nach einiger Zeit die Geduld verlor. Immerhin gelang es ihm, zwei interessante Kontakte auszutauschen. Vielleicht ließ sich daraus irgendwann etwas machen. Ein guter Geschäftsmann musste schließlich wissen, wann sich eine Bekanntschaft lohnte.

Dennoch bemerkte Nerro recht bald, dass die meisten Anwesenden einander bereits kannten. Kleine Grüppchen hatten sich gebildet, man begrüßte sich mit vertraulichen Gesten, tauschte Neuigkeiten aus und lachte über Bemerkungen, deren Bedeutung sich ihm nicht immer erschloss. Einige der Gäste wirkten ausgesprochen wohlhabend. Maßgeschneiderte Kleidung, kostbarer Schmuck, teure Accessoires. Und dazwischen auffallend viele attraktive Humanoide, die sich mit einer geradezu selbstverständlichen Eleganz durch die Räumlichkeiten bewegten.

Sein Blick blieb für einen Moment an einer besonders stattlichen jungen Frau hängen, die sich lachend mit zwei Männern unterhielt. Sie war groß, schlank und besaß jene athletische Erscheinung, die Nerro an Angehörigen humanoider Spezies gelegentlich bewunderte. Neben ihr stand ein hochgewachsener Mensch mit breiten Schultern, einer schmalen Taille und tadelloser Haltung. Beide bewegten sich mit einer Leichtigkeit, die dem Hutten beinahe unverschämt erschien.

Wie angenehm es wohl sein musste, sich einfach so durch einen Raum bewegen zu können. Ohne die eigene gewaltige Körpermasse hinter sich herzuziehen, ohne jedes Möbelstück auf seine Eignung überprüfen zu müssen und ohne ständig auf die besonderen Bedürfnisse der eigenen Anatomie Rücksicht nehmen zu müssen.

Nerro betrachtete die beiden noch einen Augenblick, bevor sich sein breites Maul missmutig verzog. Lächerlich! Die Überlegenheit seiner Spezies war schließlich keine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern eine biologische Tatsache. Davon war er jedenfalls überzeugt.

Dieser Gedanke heiterte ihn erneut beträchtlich auf.

Er ließ sich von einem vorbeikommenden Droiden ein Getränk reichen und wandte seine Aufmerksamkeit wieder den anderen Gästen zu. Kurz darauf ergab sich eine Unterhaltung mit einem älteren Geschäftsmann namens Marrec Vale, dessen Familie angeblich mehrere Immobilienkomplexe in den mittleren Ebenen kontrollierte. Der Mann trug einen eleganten grauen Anzug und besaß jene beinahe gelangweilte Selbstverständlichkeit, die Nerro an besonders wohlhabenden Humanoiden gleichermaßen faszinierte und verabscheute.

Zunächst verlief das Gespräch ausgesprochen angenehm. Man sprach über die wirtschaftliche Erholung Coruscants, die Schwierigkeiten beim Wiederaufbau und einige interessante Investitionsmöglichkeiten. Nerro stellte sich als Unternehmer mit Beteiligungen in der Unterhaltungs- und Logistikbranche vor. Als er jedoch die Vespar-Passage erwähnte, veränderte sich Vales Gesichtsausdruck geringfügig.

"Die Vespar-Passage? Interessant. Dort unten betreiben Sie also Ihre Geschäfte?"

"Unter anderem, mein Lieber. Unter anderem!"


Nerro lächelte breit und ließ seine silbergrauen Augen erwartungsvoll auf dem Menschen ruhen. Doch dieser schien wenig beeindruckt.

"Nun, jeder fängt schließlich einmal klein an. Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Erfolg bei Ihren Unternehmungen."

Anschließend entschuldigte sich Vale mit einem höflichen Nicken und wandte sich einer anderen Gesprächsgruppe zu.

Nerro blickte ihm einige Augenblicke schweigend hinterher.

Jeder fängt einmal klein an?

Was für eine verdammte Frechheit!

Seine Nickhaut glitt langsam über die Augen. Für einen kurzen Moment überlegte er, dem arroganten Kerl noch eine passende Bemerkung hinterherzurufen. Er entschied sich allerdings dagegen. Man befand sich schließlich auf einem gesellschaftlichen Empfang und nicht in irgendeiner schäbigen Cantina. Ein Mann seiner Stellung musste sich zu beherrschen wissen.

Außerdem hatte dieser Vale vermutlich nicht einmal eine Ahnung davon, wie schwierig es war, ein Unterwelt-Imperium aufzubauen. Von den zahlreichen Verpflichtungen, den Risiken und den ständigen Forderungen seiner Untergebenen ganz zu schweigen. Nerro hatte sich alles, was er besaß, mit harter Arbeit verdient. Nun gut, ein gewisses Startkapital hatte selbstverständlich geholfen. Und Tarek erledigte einen beträchtlichen Teil der eigentlichen Arbeit. Aber das waren schließlich nur Einzelheiten.

Gerade als er sich nach einer geeigneteren Gesellschaft umsah, wurde die Aufmerksamkeit der Gäste auf eine kleine Bühne im Zentrum des Atriums gelenkt. Eine Vertreterin der Handelsvereinigung bedankte sich bei den Anwesenden für ihre Unterstützung beim Wiederaufbau des Viertels. Sie sprach über die schwierigen Monate nach der Viruskrise, über zerstörte Existenzen, geschlossene Geschäfte und die Bedeutung privaten Engagements. Schließlich kündigte sie eine weitere Spendenaktion an, deren Einnahmen zur Unterstützung kleiner Gewerbetreibender verwendet werden sollten.

Nerro lauschte zunächst nur mit mäßigem Interesse. Wohltätigkeit war zweifellos eine ehrenwerte Angelegenheit, solange sie nicht allzu kostspielig wurde. Dann allerdings bemerkte er, wie einige der wohlhabenderen Gäste ihre Unterstützung zusagten und dafür mit anerkennendem Applaus bedacht wurden.

Sein Interesse erwachte schlagartig. Eine ausgezeichnete Gelegenheit.

Wenig später hatte Nerro einen der Organisatoren zu sich bitten lassen und eine Spende in Höhe von zwanzigtausend Credits zugesagt. Eine durchaus beträchtliche Summe, auch für ihn. Aber immerhin handelte es sich um eine Investition in die Zukunft. Die Vertreterin der Handelsvereinigung bedankte sich ausdrücklich und ließ seinen Namen im Rahmen der Veranstaltung bekannt geben. Einige Gäste applaudierten höflich, während sich mehrere Köpfe neugierig in seine Richtung drehten.

Der Hutt richtete sich ein wenig auf und erwiderte die Aufmerksamkeit mit einem großzügigen, beinahe staatsmännischen Nicken.

"Aber selbstverständlich! Es ist mir eine Ehre, meinen bescheidenen Beitrag zum Wiederaufbau unserer wunderbaren Hauptstadt zu leisten!"


Bescheiden. Hah! Ein ausgesprochen schönes Wort, wenn man es selbst verwendete.

Zu seiner besonderen Genugtuung bemerkte er, dass auch Marrec Vale kurz in seine Richtung blickte. Nerro schenkte ihm ein besonders freundliches Lächeln. Da konnte dieser aufgeblasene Geschäftsmann ruhig sehen, dass es sich bei ihm keineswegs um irgendeinen unbedeutenden Kleinkriminellen handelte. Nein, er war ein Förderer der lokalen Wirtschaft! Ein Wohltäter! Ein Mann, dessen gesellschaftliches Engagement die öffentliche Anerkennung verdiente.

Dass die meisten Anwesenden seinen Namen bereits wenige Minuten später wieder vergessen haben mochten, kam ihm dabei nicht in den Sinn.

Im Anschluss an die Spendenbekanntgabe ergaben sich tatsächlich einige neue Gespräche. Eine Vertreterin der Handelsvereinigung erkundigte sich nach seinen geschäftlichen Interessen, und Nerro nutzte die Gelegenheit, ausführlich von seinen Investitionen und seinen ambitionierten Zukunftsplänen zu berichten. Die Frau hörte höflich zu und erwähnte schließlich, dass man für die kommenden Monate weitere Veranstaltungen plane, bei denen Unternehmer und potenzielle Investoren miteinander in Kontakt treten könnten.

Nerro ließ sich ihre Kontaktdaten übermitteln. Nicht, dass er solche Veranstaltungen unbedingt benötigte. Aber es konnte schließlich nicht schaden, die richtigen Leute zu kennen.

Als sich der Empfang allmählich dem Ende näherte, machte sich auch der Hutt auf den Weg zum Ausgang. Sein Leibwächter, der sich während der vergangenen Stunden diskret im Hintergrund gehalten hatte, schloss sich ihm wieder an. Gemeinsam bewegten sie sich durch die weitläufigen Korridore des Gebäudekomplexes, vorbei an kostspieligen Geschäften, eleganten Schaufenstern und jenen zahlreichen wohlhabenden Humanoiden, die Nerro gelegentlich so ausgesprochen auf die Nerven gingen.

Trotz des insgesamt angenehmen Abends blieb ein gewisser bitterer Nachgeschmack.

Zwanzigtausend Credits hatte er gespendet. Zwanzigtausend! In der aktuellen Wirtschaft! Und dennoch war er hier kaum mehr gewesen als einer von vielen. Ein weiterer Geschäftsmann unter Dutzenden, dessen Name den meisten Gästen vermutlich schon morgen wieder entfallen würde. In der Vespar-Passage hingegen kannte man ihn. Dort begegneten ihm die Leute mit Respekt, dort wurde seinen Worten Bedeutung beigemessen und dort wusste jeder, wer die Rechnungen bezahlte.

Nerro schürzte nachdenklich die Lippen.

Vielleicht war es tatsächlich an der Zeit, seinen gesellschaftlichen Einfluss etwas systematischer auszubauen. Ein paar Kontakte zur Verwaltung, einige größere Investitionen, womöglich sogar die Unterstützung bestimmter lokaler Entscheidungsträger. Warum eigentlich nicht? Wenn diese Leute derart viel Wert auf öffentliches Engagement legten, würde er ihnen eben zeigen, was ein Hutt aus dem Hause Dragijic zu leisten vermochte.

Und irgendwann würden sie sich glücklich schätzen, überhaupt zu seinen Empfängen eingeladen zu werden.

Dieser Gedanke gefiel ihm außerordentlich.

Als sie schließlich seinen Privatgleiter erreichten, wandte sich Nerro mit einem zufriedenen Grinsen an seinen Leibwächter.

"Weißt du, mein Freund, ich glaube, diese Leute werden meinen Namen noch sehr häufig zu hören bekommen. Sehr häufig!"


Der Hutt ließ sich auf seiner gepolsterten Sitzfläche nieder und ordnete sorgfältig seine schweren Goldketten. Ein ausgesprochen ereignisreicher Abend. Neue Kontakte, interessante Bekanntschaften und dazu noch ein kleiner Beitrag zum gesellschaftlichen Wiederaufbau. Was konnte man mehr verlangen? Nun ja. Vielleicht ein wenig mehr Anerkennung.

Aber dafür würde er schon noch sorgen.

"So! Und jetzt zurück in die Passage. Ich habe Lust auf ein bisschen Unterhaltung!"


Der Chauffeurdroide bestätigte die Anweisung und setzte den Gleiter in Bewegung. Während sich die getönten Scheiben verdunkelten und die Lichter der mittleren Ebenen an ihnen vorbeizogen, lehnte sich Nerro zufrieden zurück.

Für einen Abend hatte er sich unter die feine Gesellschaft Coruscants gemischt.

Jetzt wurde es langsam Zeit, wieder unter Leute zu kommen, die wussten, wer er war.


// CORUSCANT – MITTLERE EBENEN – PRIVATGLEITER – AUF DEM WEG ZUR VESPAR-PASSAGE

Nerro Dragijic Vorna, Leibwächter, Chauffeurdroide
 
(Mya feat. Voye & T'nadah)​

Coruscant – Jedi-Tempel – große Halle, Ahnas Trauerfeier – u.a. Voye und Mya

Wes wollte mit nach Ilum?!? Hatte der denn nichts besseres zu tun? Natürlich gab es besseres zu tun und vermutlich wusste Mya als seine Assistentin das besser als er selbst. Aller Wahrscheinlichkeit nach war ihm das auch selbst klar und unter normalen Umständen hätte die Twi'lek es auch begrüßt, wenn ihr Chef mal Flimsikram Flimsikram sein ließ. Während der Viruskrise nicht von Coruscant wegzukommen hatte ihn überhaupt erst so weit gebracht, dass Firedevs ihn mit ihrer Hilfe gewaltsam seiner Arbeit entrissen hatte. Es war gut, wenn es nicht gleich wieder so weit kam. Aber warum musste er ausgerechnet sie jetzt begleiten wollen? Mya warf Voye einen Seitenblick zu, die das alles schweigend verfolgte. Vermutlich hatte die Padawan inzwischen zu viel Angst vor ihr, um in Wes' Gegenwart überhaupt den Mund aufzumachen. Er wollte ihretwegen mit, oder? Das, oder er hatte eine plötzliche Vorliebe für Schneestürme und dunkle Kavernen entdeckt, anders konnte sie sich das nicht erklären. Es war jetzt keine Charakterschwäche, die Epicanthix attraktiv zu finden – für einen Single. Aber der Taanaber lebte in einer Beziehung mit einer anderen Jedi, die mindestens so schön, viel klüger und unglaublich witzig war. Wollte er das etwa wegwerfen – für die da?!? Es war allerhöchste Zeit, dass Firedevs zurückkam.

Mya brauchte ein wenig, um sich von dem Schock zu erholen. Wes' Fürsorge um sie wäre ja geradezu rührend gewesen, wenn er nicht gleichzeitig wie ein Ronto im Porzellanladen auf ihren diffizilen Plänen herumtrampeln würde, ihn von einem Seitensprung abzuhalten. Fieberhaft überlegte sie nach Gründen, warum sie nicht gleichzeitig auf Ilum sein konnten. Gemacht hatten Wes und sie das noch nie, aber es gab leider keinen wirklichen Grund, warum das unmöglich sein sollte. Es gab einige fähige Meister-/innen unter den Ermittlern, die für ihn einspringen konnten und es war wohl nicht despektierlich zu behaupten dass, wenn er mit Voye was anfing, Firedevs das spitzbekam und ihn folgerichtig und völlig zu Recht aus dem Fenster des Ratsturms stieß, dass er wohl bei weitem keine so große Lücke hinterlassen würde wie Ahna Rigby bei den Schatten.

Plötzlich drehte sich der Wind und Wes bestand nicht mehr darauf, sie nach Ilum zu begleiten. Aber natürlich tat er das auf eine Art und Weise, die es ihr unmöglich machte, dieses Angebot anzunehmen. War das Absicht? Natürlich war das Absicht! Er war zu lange bei den Ermittlern, als dass es anders sein könnte. So von wegen
›natürlich haben Sie das Richt, sich einen Rechtsbeistand zu nehmen, wenn Sie das den Rest ihres Lebens in Einzelhaft bereuen möchten‹. Mya war nicht so blöd, ihrem Chef irgendwas in's Gesicht zu sagen was dieser als ›ich fliege gerne mit jedem anderen Jedi außer dir nach Ilum‹ verstehen würde. Und wenn er dachte, es ginge ihr nicht gut, würde er auf Begleitung bestehen. Er sorgte sich um sie. Natürlich tat er das. Das Problem war weiter oben. Da wo er ständig hinsah, obwohl er doch mit ihr redete. Sie beide waren in etwa gleich groß, wenn sie ihre Lekku nicht mit einrechnete und wenn sie Stiefel mit flachen Absätzen tragen würde. Da oben, das war Voye, die Frau, die sie ganz sicher nicht allein in einem Raum mit ihm haben wollte… oder in einem Raumschiff… oder einer Kristallhöhle… oder demselben Planeten…

Ja, Wes hatte stets ein Ohr für sie. Mya konnte ihm alles sagen. Am liebsten hätte sie ihn angeschrien:
›schmeiß deine Beziehung zu Firi nicht für so eine doofe Padawan weg!!!‹ Das konnte ja noch heiter werden, wenn seine Liebste noch länger abwesend blieb. Sein Lob freute sie natürlich, aber warum machte er es ihr gerade so schwer? Sie wollte doch nur sein bestes. Die ehrliche Antwort wäre daher gewesen: ›unglücklicher Single sein.‹ Stattdessen bemühte sie sich zu lächeln und erwiderte:

»Danke, ich weiß das wirklich zu schätzen. Voye und ich müssen noch packen. Wir treffen uns im Hangar.«

Anschließend bemühte sie sich, die hochgewachsene Padawan so schnell wie möglich aus Wes' Blickfeld hinaus zu schaffen. Als sie die große Halle verlassen hatten, fragte sie Voye:

»Hangar 1138, weißt du, wie du den findest?«

»Zwischen 1137 und 1139, vermute ich.«


Mya seufzte. Das konnte auf Ilum ja was werden, die Höhlen hatten da noch nicht mal Nummern.

»Ich hole dich bei deinem Quartier ab, sobald ich fertig gepackt hab.«

Die Twi'lek hatte sich ihr Quartier zeitsparend und effizient organisiert. Es dauerte nicht lange, um die nötige Ausrüstung und Thermoroben in einer kleinen Reisetasche verstaut zu haben. Sie machte sich auf den Weg zu Voye und läutete. Die Padawan kam mit einem riesigen Koffer an – gut, dann hatte sie hoffentlich alles dabei. Oder, hatte sie das?

»Ich nehme an dass du Winterklamotten dabei hast?«

»Äh… sollte ich das?«

»Wir fliegen zu einem Eisplaneten?«

»Oh. Wart.«


Voye stellte ihren Riesenkoffer mit einem lauten Klonk ab, verschwand wieder in ihrem Quartier und ließ Mya stehen, die sich fragte, was sie denn da sonst alles eingepackt hatte wenn keine der Witterung angepasste Kleidung. Neugierig wie sie war, hob sie ihn testweise an. Verflucht schwer! Im Ernst, was war da drin? Steine zum Levitation üben? Hanteln? Eine Miniatur-Tunnelbohrmaschine? Als die Padawan endlich wiederkam, hatte sie einen weiteren Koffer in der Größe dabei. Den anderen nahm sie ebenfalls wieder an sich. Gut, wenn sie die selber schleppen wollte, konnte es ihr ja egal sein. Mya führte die Padawan nach oben zu den Hangaren, wo ihr Schiff bereits auf sie wartete. Die H-22A ähnelte im Grunde einer größeren, militärischen Version der altbekannten T-6-Fähren. Ein Cockpit für zwei Piloten, zwölf Passagierplätze und genug Laderaum, damit Voye ihr absurd großes Gepäck verstauen konnte. T'nadah wartete bereits auf sie, neben ihr ein kleines Köfferchen, dem Aufdruck nach von Dulci&Gambari. Das Ding war also entweder wieder geklaut oder eine billige Kopie und Mya hoffte ganz klar auf letzteres.

»Du hast hoffentlich warme Sachen dabei, T'nadah?«

»Natürlich, hältst du mich für doof oder was?«


Mya rollte mit den Augen und warf Voye dabei einen verstohlenen Blick zu. Die Rangers waren in Begleitung eines Leutnants gekommen, der sich Mya nähert und sie mit einer Jedi-Verbeugung begrüßte.

»Meisterin Jedi.«

»Leutnant.«


Mya erwiderte die Verbeugung.

»Es gibt leider eine kleine Planänderung: Rat Janson wird uns samt seinen Padawanen Eriu und Aulona begleiten.«

»Es ist uns eine Ehre!«

»Das Problem ist nur, dass der Rat es sich nicht nehmen lassen wird, selbst zu fliegen.«

»Rat Janson ist mit der Maschine vertraut?«

»Das ist ein Incom-Modell, ja? Sollte nicht so völlig anders sein wie die Incom-Schiffe, die er schon geflogen ist. Das bekommt er hin.«


Der Leutnant nickte und begann Befehle zu erteilen. Einer der Piloten nahm im Passagierbereich Platz. Sie würden ihn vielleicht brauchen, falls sie Luftunterstützung benötigten, während sie alle am Boden waren. Mya sah sich die Plätze an. In der ersten Reihe ganz links außen hätte Voye Platz für ihre langen Beine und Wes keine Chance, sie während des Fluges zu sehen. Währenddessen mühten sich die Rangers mit ihren Riesenkoffern ab.

»Du setzt dich da hin.«

»Wenn du meinst…?«


Die Epicanthix sah Mya unsicher an.

»Kein Geflirte während des Flugs! Ich bin noch bedient von vorhin in der großen Halle!«

»Aber ich hab da doch gar nix gemacht!«


Gab die Padawan entrüstet zurück, woraufhin der Lethan-Twi'lek ein Stoßseufzer entfuhr. Sie ließ sich in den Sith daneben fallen, vergrub das Gesicht in ihren Händen und murmelte leise:

»Du hast gar nichts gemacht…«

»Wirklich nicht!«

»Ich weiß!«


Genau das war ja das Problem. Voye musste gar nicht erst mit Janson flirten – und bestimmt wurde es nur noch schlimmer, je länger er von seiner Firi getrennt war. Da fiel es Mya wie Schuppen von den Augen: Aulona war ebenfalls ein Problem. Diese Padawan hatte er ja offensichtlich ebenfalls nach Beuteschema ausgesucht. Sie musste sich was einfallen lassen – und sah ihre Padawan an. Sie war die Lösung.

»T'nadah? Finger weg von den Gewehren!«

Die Chadra-Fan zuckte zurück, hielt die Hände hinter den Rücken und setzte eine leicht zu durchschauende Unschuldsmiene auf.

»Ich dachte mir, es wäre eine gute Idee, wenn wir die Gelegenheit nutzen und du eine Gruppe mit Rat Janson und seinem Padawan Eriu bildest. Was sagst du?«

»Ich mit dem Boss! Au ja!!!«


Es war völlig klar, dass Mya damit bei ihrer Padawan offene Türen einrannte. Bei Voye dagegen nicht unbedingt. Sie zischte leise:

»Sie frägst du nach ihrer Meinung und ich werde immer nur rumkommandiert!«

Dabei verschränkte sie bockig die Arme vor der Brust. Die andere Padawan sah auf von was immer sie da drüben gerade trieb:

»Was hat der Baum gesagt?«

»Wie, ›Baum‹?«


Echauffierte sich die hünenhafte Epicanthix. Die Twi'lek seufzte in zunehmender Verzweiflung.

»Versuch' das aus ihrer Warte zu sehen. Wie würdest du dir vorkommen, wenn du plötzlich vor einer vier Meter fünfzig großen Padawan stehen würdest.«

»Na ich würd sie jedenfalls nicht als Baum beschimpfen!«


Das konnte ja echt noch heiter werden mit den beiden, dachte die Ritterin. Zumindest gab ihr das ein Argument an die Hand, die Gruppen durchzumischen.

»T'nadah, leg den Schneidbrenner weg! Und leer' gleich mal deine Taschen aus!«

Coruscant – Jedi-Tempel, Hangarbucht 1138 – in der abflugbereiten H-22A ›Sunrider‹ – Rangers, Voye, T'nadah und Mya
 
~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Große Halle ~ Steven, Elise, Riuen, Faith, Eowyn, Wes, Brianna, Ian, Ganner, Tenia weiter hinten und zahlreiche Jedi ~


Man konnte durchaus behaupten, dass der Baron von Cirrus mit den Umgangsformen des gehobenen Adels vertraut war. Er wusste, wann man sich erhob, wie tief eine Verbeugung auszufallen hatte, in welcher Reihenfolge man einen Herzog, einen Senator und einen republikanischen Flottenadmiral begrüßte und weshalb man bei einem offiziellen Empfang niemals den Fehler begehen sollte, einen rangniedrigeren Gast vor einem ranghöheren anzusprechen. All diese Dinge hatte Steven bereits als junger Mensch gelernt, lange bevor die Jedi und die Macht eine größere Rolle in seinem Leben gespielt hatten. Umso bemerkenswerter war es, dass ausgerechnet eine ihm vollkommen unbekannte Jedi-Ritterin ihn innerhalb weniger Minuten mehrfach fast aus dem Konzept bringen konnte. Steven hatte Elise gerade erst kennengelernt und schon musste er feststellen, dass ihre ruhige und zugleich leicht spöttische Art eine ausgesprochen angenehme Abwechslung im Orden der Jedi darstellte. Als sie ihn fragte, was ihn eigentlich in den Tempel führte und ob er eigens für die Trauerfeier angereist war, verzogen sich die Lippen des Barons zu einem kleinen, fast entschuldigenden Lächeln.

„Nicht ganz, Ritterin Benett. Ich fürchte, meine Anwesenheit verdanke ich einer kurzfristig angeordneten Missionsauswertung.“

Er rückte ein wenig auf seinem Sitz zurecht und deutete mit einer kleinen Bewegung seiner Hand in Richtung des Podiums, wo das lebensgroße Hologramm der verstorbenen Rätin weiterhin in einem blassen, leicht flackernden Blau erstrahlte.

„Dass die Trauerfeier heute stattfindet, habe ich erst erfahren, nachdem ich bereits im Tempel angekommen war.“

Sein Blick wanderte einen Moment über die noch immer zahlreichen Anwesenden. Es war ein eigenartiger Kontrast, während die ersten Jedi bereits miteinander sprachen und ein Teil der Besucher sich erhob, standen andere noch vollkommen regungslos vor ihren Sitzplätzen. Eine ältere Mirialanerin mit dunklen, sorgfältig geflochtenen Haaren hatte beide Hände fest ineinandergelegt und starrte schweigend auf das Hologramm der Pau'anerin. Einige Reihen dahinter legte ein hochgewachsener menschlicher Jedi einem wesentlich kleineren Rodianer die Hand auf die Schulter. Steven konnte nicht hören, was die beiden miteinander besprachen, doch der Rodianer nickte mehrfach und senkte anschließend den Kopf.
Es waren diese kleinen Gesten, die dem Baron an solchen Veranstaltungen auffielen. Dinge, die keine großen Reden benötigten. Ein Blick oder eine leichte Berührung konnten manchmal mehr vermitteln als stundenlange Ansprachen. Eine Erkenntnis, die für einen Mann, dessen diplomatisches Talent sich insbesondere durch seine Redekunst auszeichnete, beinahe beleidigend sein musste.
Steven schmunzelte kurz über diesen Gedanken, ehe er seine ganze Aufmerksamkeit wieder Elise schenkte.

„Aber Ihr habt vollkommen recht, hier verändert sich gerade einiges. So wie in jedem Winkel der Galaxis derzeit. “

Er hatte mit dem Gedanken gespielt, noch etwas über Meister Varos und das äußerst "interessante" Gespräch über seine eigene Zukunft hinzuzufügen, entschied sich jedoch dagegen. Die junge Frau wirkte nicht nur ausgesprochen neugierig, sondern auch zunehmend erschöpft, selbst wenn sie sich große Mühe gab, diese Tatsache nicht allzu offensichtlich werden zu lassen. Dass ihr Padawan das offensichtlich ebenfalls bemerkte, entging Steven nicht. Der Baron von Cirrus mochte es zwar durchaus über seine Abenteuer und sein Können zu sprechen, doch in Anbetracht der Gesamtumstände war dies wenig angebracht. Als Elise schließlich nach ihrem Gehstock griff und sich vorsichtig erhob, war der Baron beinahe versucht, ihr seine Hand anzubieten. Die Bewegung fiel ihr erkennbar schwer und für einen kurzen Moment schien sie mit ihrem Gleichgewicht zu kämpfen. Doch noch bevor Steven etwas unternehmen konnte, richtete sich die Frau bereits eigenständig auf und versicherte ihrem Schüler vorsorglich, dass alles in Ordnung sei. Steven glaubte einen Hauch von Ablehnung in den Worten von Elise gehört zu haben. War ihr nur die Hilfe zu viel? War sie zu stolz um es zuzulassen oder war ihr Padawan in einer besonders freundlichen Art übergriffig? Auch der Baron von Cirrus beließ es schlussendlich dabei, denn er hatte schon genug eigenwillige Jedi kennengelernt, um zu wissen, dass ungefragte Hilfe nicht immer als Freundlichkeit verstanden wurde. Elise wandte sich nun erneut an ihn und verabschiedete sich mit dem freundlichen Wunsch, ihr Gespräch bei einer anderen Gelegenheit fortsetzen zu können. Der Baron erhob sich ebenfalls, nicht übertrieben förmlich, aber doch mit jener selbstverständlichen Eleganz, die ihm seit seiner Jugend anerzogen worden war. Gelernt war eben gelernt.

„Das Vergnügen war ganz meinerseits, Elise Benett.“

Er neigte respektvoll den Kopf, während sich erneut ein charmantes Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.

„Und ich würde mich sehr freuen, wenn wir unser Gespräch bei Gelegenheit fortsetzen könnten. Das Mysterium um meine bemerkenswerte Erscheinung soll nicht ungelöst bleiben.“

Sein Blick wanderte zu dem blauhäutigen Chiss, dessen auffallend rote Augen Steven noch immer eine gewisse Skepsis abverlangten. Das kurze Unbehagen beim Anblick dieser ungewöhnlichen Augenfarbe ließ einen Schauer über des Barons Rücken laufen. Brrr. Dennoch, Riuen schien ausgesprochen aufmerksam darauf zu achten, dass seine Meisterin den Weg zum Ausgang ohne weitere Schwierigkeiten bewältigen konnte. Fürsorge? Nächstenliebe? Oder vielleicht doch nur ein übergriffiges Helfersyndrom?

„Und Euch wünsche ich ebenfalls noch einen angenehmen Abend, Padawan Riuen. Möge die Macht mit Euch sein.“

Der Baron nickte dem Padawan freundlich zu, während er bewusst die Betonung auf den Rang legte. Ein Padawan sollte, bei aller Sorge um seinen Meister, am Ende wissen wann es genug war. Anschließend trat er einen kleinen Schritt zur Seite, um Elise und ihrem Schüler genügend Platz zu lassen. Sein Blick folgte den beiden noch einen Moment, während sie sich zwischen den mittlerweile deutlich gelichteten Sitzreihen hindurchbewegten. Der Gehstock berührte in regelmäßigen Abständen den polierten Steinboden, und auch wenn die Geräusche in der riesigen Halle beinahe vollständig vom Stimmengewirr verschluckt wurden, konnte Steven sie gelegentlich noch hören.

Eine durchaus interessante Frau. Und offenbar eine ziemlich entschlossene. Er fragte sich unwillkürlich, was ihr widerfahren sein mochte. Vielleicht war es eine Verletzung aus einer Mission, möglicherweise sogar eine Folge der schrecklichen C-Virus-Krise. Darüber hinaus wollte er jedoch nicht spekulieren. Wenn die Macht es wollte, würden sie sich eines Tages wieder begegnen und dann ergab sich vielleicht die Gelegenheit, mehr über sie und ihren blauhäutigen Padawan zu erfahren. Der Baron von Cirrus hoffte die Macht war ihm hierbei gnädig. Obwohl
Steven auf Letzteres nun wirklich nicht besonders erpicht war. Doch das lag selbstverständlich ausschließlich an den schlechten Erfahrungen mit einigen Angehörigen der Chiss-Spezies. Selbstverständlich..

Einige Schritte entfernt verabschiedete sich inzwischen
Brianna Kae von dem großen menschlichen Jedi, mit dem sie während der Trauerfeier immer wieder gesprochen hatte. Ganner Fel, wenn Steven den Namen richtig verstanden hatte. Der ehemalige Soldat hatte sich zuvor auch an dem Gespräch über ChesaraSyonette beteiligt und sein aufrichtiges Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. Steven hatte die freundliche Geste durchaus zur Kenntnis genommen, auch wenn er in dem Moment gedanklich zu sehr mit seiner verschollenen Meisterin und dem Gespräch mit Faith beschäftigt gewesen war, um ausführlicher darauf einzugehen. Wieder zwei ausgesprochen interessante und entschlossene weibliche Jedi. Doch nun traf sein Blick den von Ganner und Steven nickte ihm noch einmal respektvoll zu.

„Vielen Dank für Eure freundlichen Worte vorhin, Ganner.“ Ein schlichtes Lächeln folgte. „Die Ungewissheit ist manchmal das Schlimmste. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf und Vertrauen auf die Macht.“

Mehr musste er dazu nicht sagen. Der Mann hatte sich ohnehin bereits wieder Brianna zugewandt und schien in ein Gespräch mit ihr vertieft zu sein und Steven wollte sich nicht ungefragt einmischen. Die Echani hatte er seinerseits schon bei seiner Ankunft begrüßt und auch wenn ihn die Ereignisse um Darth Allegious brennend interessierten, war es vollkommen unangebracht, sie ausgerechnet heute mit neugierigen Fragen zu überfallen. Er kannte Brianna von früheren Missionen und die Echani war wirklich niemand mit dem man(n) es sich verscherzen wollte. Vielleicht würden sie ein anderes Mal sprechen, vielleicht auch nicht. Steven hatte gelernt darauf zu vertrauen, dass manche Informationen seine Ohren zur rechten Zeit erreichen würden.

Er blickte wieder zur Reihe hinter sich und zu
Faith. Noch immer musste er unwillkürlich schmunzeln, wenn er an das junge Mädchen von damals dachte. Ihre Frage danach, was eigentlich ein Baron war, hatte sich erstaunlich tief in sein Gedächtnis eingeprägt. Vielleicht gerade deshalb, weil sie so vollkommen unbefangen und unschuldig gewesen war. Faith hatte damals keine Vorstellung davon gehabt, welche gesellschaftliche Bedeutung ein Adelstitel besitzen konnte, und Steven hatte ihr vermutlich eine wesentlich ausführlichere Erklärung geliefert, als sie ursprünglich erwartet hatte.
Vielleicht erinnerte sie sich ja auch noch daran, Steven hoffte dies zumindest, denn schließlich hatte er sich bei der Beantwortung durchaus Mühe gegeben. Wichtiger war ihm gerade allerdings ihre gemeinsame Vergangenheit bei
ChesaraSyonette. Die Trauerfeier hatte ihn bereits mit den Erinnerungen an seine ehemaligen Meister konfrontiert und Faiths plötzliches Auftauchen hatte diesen Gedanken noch einmal eine ganz andere Bedeutung verliehen. Er wusste nicht, ob sie inzwischen eine neue Meisterin gefunden hatte, welche Erfahrungen sie gesammelt hatte oder ob sie weiterhin mit dem rothäutigen Arlen unterwegs war. Doch gerade diese Fragen wollte er nicht innerhalb weniger Minuten zwischen den letzten Gästen einer Gedenkfeier abhandeln. Der Baron wandte sich dennoch halb zu ihr.

„Faith , ich würde mich wirklich freuen, wenn wir uns später noch etwas Zeit füreinander nehmen könnten. Vielleicht in einer der Kantinen des Tempels?“

Er lächelte.


„Ich bin mir sicher, dass die Küchen auf Coruscant etwas Besseres zu bieten haben als den Eintopf auf Lianna.“

Der Gedanke an den wenig appetitlichen Brei ließ ihn für einen kurzen Moment die Nase rümpfen.

„Und vielleicht finden wir bis dahin auch jemanden, der uns etwas über Chesara sagen kann.“

Sein Blick wurde für einen Moment ernster. Schließlich war es keine vollkommen belanglose Angelegenheit. Faith konnte zumindest sicher sein, dass er ihre Sorge teilte, er würde seine Meisterin nicht einfach vergessen, sobald eine weitere diplomatische Verpflichtung auf ihn wartete. Zumindest nahm Steven sich das fest vor. Was seine Vorsätze wert waren, wenn der Jedi-Orden eine neue Mission für ihn vorsah, hatte er in den vergangenen Wochen schließlich mehrfach unter Beweis gestellt.. Ein durchaus unangenehmer Gedanke. Und wie so häufig führte ihn dieser Gedanke wieder zu einer ganz bestimmten Person. Tenia Lumiran.

Steven spürte, wie seine rechte Hand beinahe automatisch zum Kommunikator an seinem Gürtel wanderte. Er hielt inne, bevor seine Finger das kleine Gerät erreichten. Es war inzwischen beinahe lächerlich geworden. beinahe? Ziemlich lächerlich. Mehrfach hatte er in den vergangenen Tagen beschlossen, der Nullianerin zu schreiben. Mehrfach hatte er einen geeigneten Zeitpunkt gesucht und jedes Mal einen vollkommen vernünftigen Grund gefunden, weshalb gerade jetzt nicht der richtige Augenblick war. Da war Pflicht, die nächste Mission, die Auswertung im Tempel, ein Zwischenfall auf Planet X, ein Konflikt auf Mond Y. Es gab viele Gründe die er vorschieben konnte, doch dahinter steckte eine unangenehme Wahrheit, die der Baron nur höchst ungern zugeben wollte: Angst. Keine Angst vor Tenia selbst. Bei der Macht! Er hatte Sith gegenübergestanden, war in diplomatischen Auseinandersetzungen mit wesentlich mächtigeren Wesen aneinandergeraten, hatte sich schon mehr als einmal in eine Situation gebracht, in der jeder vernünftige Mensch schleunigst die Flucht ergriffen hätte und hatte sogar einen mehr als dickköpfigen Padawan erfolgreich zu einem Jedi-Ritter ausgebildet. Aber mit Tenia war es anders.

Bei ihr war er nicht einfach ein Jedi-Ritter, dessen Urteil respektiert wurde und dessen Fähigkeiten über viele hinausragte, oder der Baron von Cirrus, der sich auf die gesellschaftliche Stellung seiner Familie verlassen konnte. Sie kannte seine schlechten Seiten, seine Fehler und jene pragmatischen Überzeugungen, die ihm beinahe schon zur zweiten Natur geworden waren. Sie kannte seine Vergangenheit, seine Gegenwart und manchmal glaubte Steven, sie hatte sogar die Fähigkeit einen Teil seiner Zukunft zu sehen. Und sie gehörte zu den wenigen Wesen in der Galaxis, bei denen
Steven tatsächlich fürchtete, durch eine falsche Entscheidung etwas unwiederbringlich zu zerstören. Vielleicht war das der Grund, weshalb er sich seit Ketaris nicht mehr gemeldet hatte. Vielleicht war die Schuld seit Thyferra immer wieder gekommen. Vielleicht war es aber auch einfach Feigheit? Feigheit vor dem was war, vor dem was ist und vor allem vor dem was sein wird. Feigheit! Ein ausgesprochen unangenehmes Wort. Steven verzog leicht das Gesicht. Er. Jedi-Ritter. Meister des Michael Aeren. Baron von Cirrus. Feige? Pff.

Dann erinnerte er sich an die kleine Gestalt im schwarzen Kleid, die er vor wenigen Augenblicken in den hinteren Sitzreihen zu erkennen geglaubt hatte. Sein Blick wanderte erneut durch die Große Halle. Die feierliche Atmosphäre hatte sich inzwischen merklich verändert. Während sich vor Beginn der Zeremonie beinahe sämtliche Sitzplätze gefüllt hatten, waren nun zahlreiche Reihen bereits verlassen. Zwischen den schweren, sandfarbenen Säulen bewegten sich kleinere Gruppen von Jedi auf die breiten Ausgänge zu. Einige unterhielten sich noch gedämpft miteinander, andere gingen schweigend nebeneinander her. Über ihnen zeichneten sich die hohen Galerien gegen das warme Licht des beginnenden Abends ab. Der Planet Coruscant lag jenseits der breiten Fensterfronten in einem goldenen, beinahe kupferfarbenen Schimmer, während die ersten unzähligen Lichter der Stadt zwischen den gigantischen Hochhäusern aufleuchteten. Fast wie auf Cirrus.

Das Hologramm
Ahna Rigbys befand sich weiterhin an seinem Platz. Steven sah noch einmal zu der verstorbenen Rätin hinüber. Es war eigenartig.. Sie hatte ein derart langes Leben geführt und sich dennoch kaum Zeit für sich selbst genommen. Jedenfalls hatte Rätin Eowyn El'mireth das berichtet. Steven fragte sich, ob die Pau'anerin jemals etwas bereut hatte? Vielleicht eine Entscheidung, die sie nicht getroffen hatte, ein Gespräch, das sie zu lange aufgeschoben hatte oder eine Nachricht die sie am Ende doch nicht abgeshcickt hatte. Vielleicht war das auch eine ziemlich unangebrachte Unterstellung. Aber eines war sicher: Sein eigenes Leben würde ebenfalls nicht unbegrenzt dauern. Die Trauerfeier hatte ihn daran deutlicher erinnert, als ihm lieb war.

Steven betrachtete noch einen Augenblick die hellblau schimmernde Gestalt, bevor er sich für einen kurzen Moment von Faith verabschiedete uind sich schließlich von seinem Platz entfernte. Nicht hastig und schon gar nicht so, als würde er jemanden suchen. Er war schließlich der Baron von Cirrus und ein angesehener Jedi-Ritter. Ein Mann seines Standes rannte nicht planlos zwischen Sitzreihen umher, nur weil er glaubte, eine bestimmte Frau gesehen zu haben. Er ging selbstverständlich ganz ruhig und blickte dabei vollkommen unauffällig zwischen den noch verbliebenen Besuchern hindurch.

Einige Schritte weiter blieb er kurz stehen, um einer kleinen Gruppe junger Padawane Platz zu machen. Eine dunkelhäutige menschliche Frau mit streng zurückgebundenem Haar führte sie durch einen der schmaleren Gänge zwischen den Sitzreihen. Einer der Schüler, ein kleiner grünhäutiger Rodianer mit auffallend großen schwarzen Augen, warf
Steven einen neugierigen Blick zu. Der Baron lächelte freundlich und erwiderte den Gruß, ehe er sich wieder dem hinteren Teil der Halle zuwandte. Die kleine Gestalt war verschwunden! Natürlich.. Steven blieb stehen.

Die hinteren Reihen waren deutlich leerer geworden. Die Geräusche der Gespräche hallten nun etwas stärker durch die gewaltige Halle, weil immer weniger Körper und Kleidungsstücke den Schall schluckten. Aus einem der angrenzenden Korridore drang das tiefe Summen eines vorbeifahrenden Servicedroiden. Dann sah er sie wieder und diesmal nicht nur für einen flüchtigen Augenblick. Zwischen zwei der hinteren Sitzreihen befand sich eine kleinere, schlanke Frau in einem langen, schwarzen Kleid. Der Stoff fiel in schlichten, dunklen Bahnen an ihrem Körper herab und wirkte gegenüber den schweren Jedi-Roben der übrigen Anwesenden beinahe ungewöhnlich elegant. Sie war etwas kleiner als viele der Wesen um sie herum und dennoch besaß ihre Haltung etwas Vertrautes, das
Steven sofort wiedererkannte.

Der Baron verlangsamte seinen Schritt. Sein Herz schlug plötzlich schneller. Lächerlich! Er war doch kein verliebter Padawan mehr. Sondern ein verliebter Ritter!? Er bleibt stehen und brauchte noch einen Moment, ehe er ihr Gesicht tatsächlich erkennen konnte. Ein hochgewachsener Jedi ging zwischen ihnen hindurch, anschließend eine ältere Togruta. Dann gab die Bewegung der Menge für einen Augenblick den Blick frei.

Die Gesichtszüge, die Augen, die Farbe des Haares und die vertraute Linie ihres Mundes.
Tenia. Der Baron schluckte für einen Moment. Es war tatsächlich Tenia Lumiran. Für einen kurzen Moment wusste er nicht, was er tun sollte. Eine ausgesprochen ungewöhnliche Situation für jemanden, der gewöhnlich bei jeder Gelegenheit eine passende Bemerkung auf den Lippen hatte oder einen PLan für die verzwickteste Situation. Er hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach ausgemalt, wie ein Wiedersehen zwischen ihnen verlaufen könnte. Er hatte sich vorgestellt, ihr zu schreiben, sie vielleicht auf ein Abendessen einzuladen oder ihr von seiner letzten Mission zu erzählen. Vielleicht hätte er sie sogar auf der Stern von Cirrus empfangen können. Allein der Gedanke an ihre Reaktion auf diesen Namen brachte ihn beinahe zum Schmunzeln.

Doch nun stand sie tatsächlich vor ihm. Und keine seiner sorgfältig zurechtgelegten Vorstellungen erschien ihm plötzlich besonders brauchbar. Kein Plan A war genug, kein Plan B ausreichend für diese Begegnung.
Steven dachte an Ketaris. An die kleine, alte Marktstraße und die Begegnung mit Brasso Nunkai. An das Abendessen auf seiner Yacht und ihren Abschied. An jene wenigen Augenblicke, in denen er ihr beinahe gesagt hätte, was er für sie empfand. Stattdessen hatte er ihr auf die Stirn geküsst und versprochen, zumindest gehofft, sie bald wiederzusehen. Bald. Wochen später saß er noch immer vor einem leeren Nachrichtenfeld. Bald. Ein ausgesprochen dehnbarer Begriff. Und jetzt? Jetzt hatte er nicht einmal mehr die Möglichkeit, sich hinter seinem Kommunikator oder einer wichtigen Mission zu verstecken.

Steven atmete langsam ein. Seine erste Regung war beinahe übermütige Freude gewesen: Die Erleichterung darüber, sie gesund und offenbar wohlbehalten wiederzusehen, war beträchtlich. Doch unmittelbar darauf meldete sich ein anderer Gedanke. Was, wenn Tenia ihn gar nicht sehen wollte? Sie hatte sich schließlich ebenfalls nicht gemeldet. Vielleicht hatte sie ihre Gründe dafür. Vielleicht genauso "gute" wie der Baron von Cirrus selbst? Vielleicht hatte sie inzwischen beschlossen, dass er ihr nicht guttat. Dass ihre unterschiedlichen Auffassungen von Verantwortung, Wahrheit, der Macht und Diplomatie auf Dauer einfach nicht miteinander vereinbar waren. Er hatte ihr auf Ketaris schließlich selbst gezeigt, wie schnell er bereit war, zu pragmatischen Lösungen zu greifen, wenn jemand, der ihm wichtig war, in Schwierigkeiten steckte. Aber er hatte auch gezeigt, dass er andere Wege bereit war zu gehen. Und dann war er gegangen. Einen Weg auf dem er sich nicht mehr gemeldet hatte. Steven presste für einen kurzen Moment die Lippen aufeinander. Doch er hatte ihr damals immerhin auch versprochen, ehrlich zu sein. Nicht alles mit einer geschickten Formulierung oder einem charmanten Lächeln aus der Welt schaffen zu wollen. Vielleicht war jetzt die Gelegenheit, zumindest damit anzufangen.

Der Baron straffte unwillkürlich die Schultern. Eine vollkommen unnötige Bewegung, die vermutlich auf irgendeinen Teil seiner höfischen Erziehung zurückzuführen war, dann setzte er sich wieder in Bewegung und näherte sich der Nullianerin. Er ging nicht besonders schnell, seine Bewegungen strahlten noch ausreichend die gewohnte Eleganz eines adligen Jedi aus. Als er nur noch wenige Schritte von ihr entfernt war, hielt
Steven schließlich inne. Sein Blick ruhte auf Tenia. Für einen Augenblick erschien ihm alles andere ziemlich unwichtig. Der Orden, die politische Lage zwischen Republik und Imperium, die Umbenennung seiner Yacht und selbst die Tatsache, dass sein Vater vermutlich bereits wieder irgendeine ausgesprochen dringliche Nachricht für ihn vorbereitet hatte. Er wollte einfach nur wissen, wie es ihr ergangen war, wie es ihr jetzt ging, ob sie ihn vermisst hatte oder ob sie ihm sein Schweigen übelnahm. Bei Letzterem musste er vermutlich nicht besonders lange überlegen.

Steven lächelte vorsichtig.

„Ini!?“

Seine Stimme war leiser geworden, als er beabsichtigt hatte. Nicht unsicher, aber ungewohnt zurückhaltend. Er suchte ihren Blick, ohne näherzutreten.

„Gala-Pools, Ausnüchterungszellen, Gefängnisse und Beerdigungsfeiern. Wir sollten wirklich mal darüber sprechen, ob wir uns nicht lieber woanders begegnen wollen.“

Der Baron versuchte seine Anspannung durch einen lockeren Spruch zu lösen. Ein unsicheres Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab bis jenes einem kleinen, ehrlichen Lächeln wich.

„Es ist schön, dich zu sehen! Geht es dir gut!?“

Und während Steven auf ihre Reaktion wartete, stellte er fest, dass er diese wenigen Worte vermutlich ehrlicher gemeint hatte als so manche diplomatische Erklärung, die er in den vergangenen Jahren abgegeben hatte.

„Und.. vielleicht hab ich dich schon viel zu oft darum gebeten, aber.. bitte entschuldige.“


Steven musste den Satz gar nicht aussprechen. Sie beide würden wissen worum es geht. Er hatte gesagt er meldet sich. Er hat sich nicht gemeldet. Pflichtgefühl, Unsicherheit, Angst. Vielleicht nahm Tenia die Entschuldigung an, vielleicht aber würde sie es dem Baron nicht so leicht und die Situation deutlich unangenehmer machen und nach den Gründen fragen. Dann würde sich zeigen, ob der Baron von Cirrus sein Versprechen halten würde und ihr die Wahrheit sagt. Angst vor dem was kommt.


~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Große Halle ~ Steven & Tenia; Faith, Ganner etwas weiter weg und weitere Jedi in der Halle ~
 
[Coruscant - Distrikt des Fa'lesi Plaza - einige Ebenen darunter in einem Vergnügungsviertel - Bexx Fine Card Games & Ale - Personalbereich] Palakwi Rha (P-Wee)

Palakwi Rha hatte sich schon immer auf ihre trainierten Ohren verlassen können und auch dieses Mal hatten sie sie nicht im Stich gelassen. Kaum hatte sie begonnen das elektronische Schloss an der erstaunlich stabil aussehenden Tür des ‚Droidenwartungsraums‘ zu untersuchen, hatte sie aus der Richtung der Ecke, hinter der ihr Einstiegsort im Büro lag, zwei Paar Schritte den Gang entlangkommen gehört. Mit gerade mal einem Hauch von Vorsprung hatte sie sich eines der wenigen korrekt benannten Zimmer hineingerettet, bevor sie jemand sehen konnte: eine ausgesprochen ranzige, vernachlässigte Toilette. Während die Schritte an der geschlossenen Tür vorbeizogen, hatte sie die Fetzen einer Unterhaltung vernommen: „Bexx wartet unten ...“ und „... spezieller Gast ...“, was zwar im ersten Moment ganz spannend klang, aber nicht genug, um sie von ihrer Befürchtung abzulenken, einer der zwei Kerle könnte just in diesem Moment dem Ruf der Natur nachkommen. Sie wartete noch eine gute Minute länger, nachdem sie das dumpfe Zischen, das Öffnen und Schließen einer Tür, außerhalb ihres Verstecks hörte. P-Wee spürte ihr Herz bis unter den Hals schlagen und es brauchte einen Moment bis sich ihre Atmung wieder beruhigte. Das wäre fast schief gegangen! Mit stillen, leisen Schritten begab sie sich wieder zum Zugang zum vermeintlichen Wartungsbereich, wo sie mit geschickten Handgriffen das Türpanel abnahm. Mit ihrem Multitool und Schlossknacker zur Hand konnte der vergleichsweise simple Schließmechanismus ihr nicht lange widerstehen: es dauerte keine Minute bis sie die Verriegelung außer Kraft gesetzt hatte. Sorgsam montierte sie das Panel wieder, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, insbesondere für den Fall, dass die zwei Wachen, Gangster oder was auch immer die beiden gewesen waren, sich wieder auf den Rückweg nach unten machten.

Was sie im angeblichen Wartungsraum vorfand, bestätigte ihre Vermutung, dass der Grundriss der Cantina im zentralen Computer der Bar aus Sicherheitsgründen falsch beschriftet war. Wo eigentlich Wartungsbänke und Ladestationen für Droiden zu erwarten wären, vielleicht sogar ein Ölbad zur Instandhaltung bei der Größe dieses Raums, reihten sich mehrere Regalreihen mit unterschiedlichsten Objekten auf. Palakwi lief langsam den ersten Gang ab und kam ins Staunen. Wäre sie nicht mit dem bewussten Ziel und der Entscheidung hergekommen, dass sie nur mitnehmen würde, was ihr ohnehin gehörte, dann wäre das der Moment gewesen, an dem sie das glorreiche Klimpern von zahllosen Creditchips in ihren Ohren gehört hätte. Sie war umgeben von – sehr wahrscheinlich – heißer Ware: fein säuberlich sortiert lagen unterschiedlichste Arten von Schmuck, Sammlerobjekten, Alltagsgegenständen und einige verdächtig aussehende Fläschchen, Beutel und Gläser mit etwas, was nach intensiv rotbraunem Sand aussah. Spice? Wenn dann vermutlich kein allzu reines, angesichts der groben Körnung. Nichtsdestotrotz vermutlich ausgesprochen wertvoll, wenn man wusste, wie und wo man es am Besten an den Mann (oder Frau) brachte. Sicherheitshalber aktivierte P-Wee für einen Moment noch einmal den Peilsender an ihrem Armbandchrono. Das Piepen erfolgte so schnell hintereinander, dass es fast permanent war: ihre Tasche, oder zumindest ihr Datapad, musste hier sein! Sie deaktivierte den Peilsender wieder, aus Angst jemand könnte es hören. Auch wenn sie keine Sicherheitskamera sehen konnte und niemand außer ihr sich im Lagerraum befand, beruhigte es zumindest ein klein wenig ihre Anspannung.

Es dauerte nicht allzu lange bis sie im Lagerraum zu einem Bereich mit noch befüllten Taschen aller Art kam. War es noch unsortiertes Diebesgut? Wenn ja, dann hatte dieser Bexx wohl eine ganze Reihe an Taschendieben und Schergen auf den Straßen, denn hier lagen ein gutes Dutzend Handtaschen, Gürteltaschen und Rucksäcke übereinander und sie konnte im Gegensatz zu manchen der anderen Bereiche keinerlei Staubschicht auf dem Diebesgut erkennen. Eilig wühlte sie in dem Haufen teils schwerer, teils relativ leerer Taschen: ihre Nervosität und Anspannung gewann für einen Moment die Überhand. Sie brauchte ihre Tasche. Sie brauchte die Sicherheit eines Neuanfangs. Die Jedi würden ihr endlich einen Rückzugsort geben, an dem sie nicht dem guten Willen und den Launen unterschiedlichster, schmieriger Arbeitgeber ausgeliefert war. Sie ließ zahlreiche Taschen achtlos neben dem Regal zu Boden fallen, bis sie – endlich! – ihren Preis in der Hand hielt: ihre Gürteltasche. Mit liebevollen Fingern fühlte sie die geschwungenen Verzierungen im Leder nach. Sie war unbeschädigt und dem Gewicht nach noch befüllt. Sie öffnete die Lederriemen und überprüfte den Inhalt: P-Wee zog ihr Datapad ein Stück weit hinaus, um es auf Schäden zu prüfen. Zufrieden ließ sie es wieder in das Behältnis fallen und suchte dann nach dem Grund für den ganzen Ärger. Ihre Finger schlossen sich um den glatten Kristall und das kühle Metall des Kubus und zogen ihn dann langsam aus der Tasche heraus. Mit spitzen Fingern hielt sie das ‚Holocron‘ ins Licht vor ihr Gesicht. Wieder hätte sie schwören können, dass darin eine kleine Flamme hin und her zuckte, doch als sie genauer hinschaute, sah sie nicht als die Reflektionen der grellen Leuchtkörper an der Decke. Sie nickte. Ein zartes Lächeln stand in ihrem Gesicht. Hätte man ihr noch vor zwei Woche gesagt, wie viele Hoffnungen sie auf einen, zugegeben sehr schönen Gegenstand projizieren würde, hätte sie lauthals gelacht. Vorsichtig ließ sie den Jedi-Kubus wieder in den Beutel sinken und befestigte ihn an der gewohnten Stelle an ihrem Gürtel. Zeit zu verschwinden.

Just in diesem Moment hörte sie hinter sich das Zischen der Tür, zusammen mit einer Stimme. Instinktiv presste sich die Diebin an das Regal hinter ihr, um aus dem Blickwinkel der Tür zu verschwinden. „... und wieso ist die Tür überhaupt unverschlossen? Krrissk, diese verdammte Echse, hat wieder seinen scheiß Job nicht gemacht,“ fluchte es aus Richtung der Tür. Sie spürte ihr Herz mehrere Gänge hochschalten und mühte sich mit zusammengepressten Zähnen stockstill stehen zu bleiben. P-Wee spürte den ersten zarten Ansatz von Panik in ihr aufsteigen. Sie war in einem Lagerraum für Hehlergut. Auf Coruscant. Praktisch unbewaffnet. Es erforderte keine Fantasie, um sich vorzustellen, was mit ihr passieren würde, wenn sie Bexx und seinen Schergen in die Hände fiel. Langsame Schritte gingen den Gang auf der Gegenüber liegenden Seite des Lagers entlang. Sie hörte den Small Talk der Zwei nur mit einem halben Ohr und hatte auch keinerlei Interesse daran, genauer herauszufinden, wer bei den Eingeweiden der Imperatorin Krrissk war. Was sie benötigte war eine Exitstrategie. Lautlos wich sie um die Ecke in den Gang zwischen den Regalen, der in Richtung der Tür führte. Dann fiel ihr Blick auf einen von vielen schwarzen Koffer mit republikanischen Zollsiegel daran auf der Plasteelablage vor ihr und für einen Augenblick meinte sie, ihr Herzschlag hätte ausgesetzt. Einen Atemzug lang tauchte vor P-Wees geistigen Auge wieder der ungepflegte Zollbeamte auf, doch sie schob den Gedanken rasch beiseite und riss einen der Koffer vom Regal hinunter.

[Coruscant - Distrikt des Fa'lesi Plaza - einige Ebenen darunter in einem Vergnügungsviertel - Bexx Fine Card Games & Ale - Personalbereich] Palakwi Rha (P-Wee)​
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten, Nikis, Tari und Sarina

Sarina lächelte in sich hinein. Nikis dachte intensiv darüber nach, ob er etwas gespürt hatte – eigentlich hätte sie ihm gleich sagen können, dass das wohl nicht der Fall gewesen war, wenn er so in sich reinhorchen musste. Man wusste es, wenn man etwas spürte. Zumindest war das ihre Erfahrung... Gut, die war jetzt auch nicht soooo intensiv, schließlich hatte sie noch keine zig Padawane ausgebildet, aber es sollte eigentlich reichen. Und sie selbst war ja schließlich auch eine Jedi.
Ja, Nikis kam zu dem gleichen Schluss, und Sarina lächelte ihn an.


"Das macht nichts. Es braucht seine Zeit, aber irgendwann ist es so einfach wie atmen."

Tari kam zurück, und Sarina machte sich mit ihnen bereit für Runde zwei. Tari wirkte allerdings zu Beginn wieder überhaupt nicht entspannt. Vermutlich war er in der alten "Entspanndichjetztendlichlosloslos"-Falle gelandet. Vielleicht sollte sie es in der nächsten Runde ein bisschen anders angehen und gar nicht von "entspannen" reden. Sonst setzten sich die beiden hier viel zu sehr unter Druck.
Sie versuchte dann, ihnen noch mehr Zeit zu geben und ihre Stimme sanft zu lassen, beinahe unsichtbar. Es schien etwas zu funktionieren, oder Tari bekam es schlicht einfach besser hin, jetzt, wo er auf der Toilette gewesen war. Auf jeden Fall sah man deutlich, dass er wesentlich entspannter war als in Runde eins. Auch Nikis hatte wohl keine so großen Probleme mehr. Immerhin die erste Hürde geschafft! Die zweite aber, so vermutete sie, konnte noch keiner der beiden nehmen. Zumindest war da keine wesentliche Veränderung in ihren Präsenzen, kein "Aha-Effekt", kein verblüffendes "Oha!".

Und sie hatte recht, leider. Sie beendete die Übung erst einmal, damit die beiden sich ein wenig austauschen konnten. Auch das half manchmal. Tari jedenfalls, so spürte Sarina, war... ungeduldig? Auf jeden Fall... genervt. Über sich selbst, vermutlich. Frustriert. Vielleicht gehörte er zu denen, denen immer alles zuflog und die alles immer sofort hinbekamen? Falls dem so war, würde er hier im Tempel ein böses Erwachen haben. Die Macht war alles andere als pflegeleicht, und es brauchte so viel Disziplin und Mühe, sie in den Griff zu bekommen...
Es war aber Nikis, der sich als erstes zu Wort meldete und die Erkenntnis in den Raum warf, dass das hier gar nicht so einfach war. Sie gab Tari Zeit zu antworten, bevor sie selbst etwas dazu sagte.


"Denkt immer dran, dass ihr hier etwas völlig neues lernt. Das hier ist mit nichts zu vergleichen, was bisher in eurem Leben vorkam. Hier fangen alle absolut von null an." Okay, abgesehen von Miraluka oder so, aber das zählte nicht. "Ihr habt jetzt den ersten Schritt geschafft, nämlich euch zu entspannen. Lacht jetzt bloß nicht, das ist wirklich nicht so einfach, außer, ihr habt so was früher schon mal gemacht. Meditation ist nicht umsonst ein Aspekt, der trainiert werden muss. Und eine Sache, den nicht jeder kann."

Nikis fragte sie dann nach dem Licht und nach ihren eigenen Erfahrungen, aber da musste die Ritterin erst einmal überlegen. Uff. Das war jetzt etwas fies, sie war schließlich viel, viel jünger gewesen... Sie lehnte sich zurück auf ihre Hände und dachte kurz nach. Erinnerte sie sich überhaupt noch daran?!

"Also das mit dem Licht... Es muss ja auch kein Licht sein."

Jetzt zuckte Sarina ein bisschen verlegen mit den Schultern.

"Zugegeben, für die meisten Jedi ist die Macht eine Art Wärme oder Licht, für mich irgendwie auch, deshalb habe ich es euch so beschrieben. Aber vielleicht spürt ihr sie ja auch ganz anders, das ist nicht auszuschließen. Als... Netz, oder Fäden, oder was weiß ich. Es ist... schwer zu beschreiben. Denn sie ist auch kein Licht im herkömmlichen Sinne, sie ist... einfach... die Macht."

Sie verzog das Gesicht.

"Sorry. Es ist echt nicht einfach zu erklären. Ist, wie einem blinden Farben zu erklären... Es ist einfach... Ich sag mal so, ich glaube ihr merkt es sofort, wenn ihr sie wahrnehmt. Vielleicht müsst ihr nur anders rangehen als bisher.
Und was mich angeht, das ist ein bisschen was anderes... ich war viel, viel jünger, als ich zu den Jedi kam. Man lernt als Jüngling zwar keine intensiven Dinge oder fortgeschrittene Techniken, aber als Kind ist der Zugang an sich zur Macht doch wesentlich einfacher. Da denkt man noch nicht so viel nach, man... tut einfach. Das ist eben das gemeine... ihr müsst ein bisschen verlernen, wie ihr bisher gedacht habt, und... anders denken. Deshalb ist es auch so schwer. Und deshalb kommen auch heute noch Kinder in den Orden, eben weil es so viel natürlicher ist.

Habt ihr noch andere Fragen dazu?"


Sarina sah auf ihr Chrono. Hm. Wie weitermachen? Mal davon abgesehen, dass sie das ungern so überstülpte, die zwei waren ja nicht ihre Padawane.

"Wie wollt ihr beiden weitermachen? Wir können noch einen dritten Versuch wagen, jetzt, wo wir ein bisschen darüber geredet haben, oder wir machen eine Pause in der Kantine. Die Alternative wäre etwas Sport, oder ich zeige euch die ersten Grundpositionen für Soresu." Ohne Lichtschwerter, verstand sich, denn so lange die beiden die Macht nicht spürten, drückte sie ihnen nicht mal Trainingsschwerter in die Hand. Aber es gab ja auch Trainingsstäbe, die taten es genauso.

Coruscant - Jedi-Tempel - Gärten, Nikis, Tari und Sarina
 
[Coruscant, Jedi-Tempel, in einem der Gärten] - mit Tari Haako, Nikis Gios und Sarina Thorne

"Irgendwie ist diese Übung härter, als ich gedacht hatte", wurde Tari nach Beendigen dieser Übung - an der er grandios gescheitert ist - aus seinen trübsinnigen und frustrierten Gedanken gerissen.
Nikis hatte ihn angesprochen und scheinbar ebenso wenig Erfolg gehabt wie er selbst. Zum Einen beruhigte das den Neimoidianer. Zum Anderen war er aber äußerst überrascht, dass der andere Anwärter so offen darüber sprach. Normalerweise behielt man seine Schwächen und Versäumnisse doch für sich. Um ja keine Angriffsfläche zu bieten.

Aber vielleicht war das ja bei den Jedi anders. Vielleicht wurde man hier nicht gleich von den gierigen Raubtieren verschlungen. Ja, so musste es sein - die Jedi waren ja Güte, Gerechtigkeit und Weisheit. Natürlich würden sie da keinen direkt runtermachen oder es ausnutzen, wenn jemand es mal nicht so gut hinbekam.
Vielleicht könnte Tari sich seit vielen, vielen Jahren ja das erste Mal wieder gönnen, Gutes von anderen Personen zu erwarten. Aber dennoch saß sein aus Erfahrung und Erziehung geprägtes Misstrauen tief - und so ganz vertrauen konnte und wollte er Nikis und Sarina nicht. Auch wenn er sich dafür einen Sturkopf und Idioten schimpfte; gegen seine Gefühle, die ihm beim Überleben geholfen hatten, konnte und wollte er so schnell nichts machen.

Und während er so nachdachte, hakte Nikis schon nach und fragte Tari, ob dieser etwas gefühlt habe. Dieser spannte seine Muskeln an und ließ seinen Nacken einmal in beide Richtungen knacken. Dann griff er unbewusst in das Gras, streichelte es kurz und riss dann einen Büschel heraus. Zerrieb das Gras zwischen seinen Fingern, während er antwortete:

"Hmm. Ich habe das Gras gefühlt, die Vögel gehört, die Blumen gerochen", begann er dann stockend, bevor er seine mächtigen Arme vor der Brust verschränkte und weiterredete, "Aber das, was ich gefühlt habe, unterscheidet sich nicht, von dem, was ich in anderen ruhigen Momenten sonst auch spüre."
In Gedanken fügte er hinzu: "So selten diese auch waren."

"Und so, wie Ihr es... also du es beschrieben hast, Sarina, hörte es sich doch eher an, als wäre das doch eine bombastischere Erfahrung. Also: Wie können wir besser werden und die Macht so spüren wie du es gesagt hast?"
Und auch Nikis drehte sich nun zu der Jedi um und bat um eine persönliche Beschreibung von Sarinas erster Machtnutzung.
Tari nickte zur Zustimmung dieser Frage, spitzte die Ohren und schaute die Jedi erwartungsvoll an. Diese Idee von seinem Anwärterkollegen war gut! Aus Erfahrungen lernte man doch am besten - aus seinen eigenen noch besser, aber auch aus denen anderer. Denn das Leben war doch ein harter und guter Trainer.


Sarina begann mit ihrer Antwort - und kam fast direkt ins Stocken. Tari zog seine Augenbrauen hoch. Die Jedi konnte tatsächlich gar nicht genau beschreiben, was die Macht genau sei. Und sie verwies wieder mehrfach darauf, dass die Macht von unterschiedlichen Personen auch unterschiedlich wahrgenommen werden würde.
Das klang ja nicht sehr ermutigend. Wie sollte man denn jemandem helfen und etwas beibringen in einer Sache, die so wenig... greifbar war und scheinbar für jeden anders?


"Sie ist... einfach... die Macht!", schloss Sarina ihre Ausführungen. Bei dieser Feststellung konnte sich Tari ein kleines Kichern nicht verkneifen.
Als er jedoch sah, dass das der Jedi unangenehm war, tat es ihm ehrlich leid und er murmelte ein
"'Tschuldigung".
Zum verzweifelten Lachen war die Situation aber wirklich. Sie sollten die Macht fühlen und finden mit der Hilfe, dass sie eben die Macht ist.
Und so langsam dämmerte
Tari, dass der Weg zum Jedi - sollte er ihn denn überhaupt wirklich beginnen können - wohl ziemlich anders verlaufen würde als seine Ausbildung zum professionellen Kämpfer.
Da waren die Ziele und Anweisungen klar: 'Schaff 100 Wiederholungen', 'Triff die Niere', 'Drück die Luft mit deinem Unterarm ab und mit dem anderen den Kopf des Gegners nach vorne'.
Alles wunderbar klar und umsetzbar - wenn auch manchmal sehr hart und schmerzhaft.
Doch es war mental irgendwie angenehmer, eine deutliche Richtung zu haben und genau sagen zu können, was denn falsch lief.

Und
Sarina selbst schien ebenfalls das Lehren der Macht schwer zu finden, als sie fast resignierend sagte, dass die Macht für jemanden, der sie noch nicht spürte, zu erklären sei wie einem Blinden die Farben. Es wurde ja immer besser.
Neu interessiert hörte der Neimoidianer dann zu, wie die Jedi erklärte, sie selbst sei viel jünger bei ihrer ersten Erfahrung mit der Macht der gewesen als
Nikis und Taris jetzt. Je jünger, desto natürlicher sei der Zugang zur Macht - und das bisherige Denken sollten die beiden doch vielleicht verlernen, um besser mit der Macht in Kontakt zu kommen.
Tari konnte das in etwa nachvollziehen - wenn auch auf anderer Ebene. Als professioneller Kämpfer hatte man - je nach Spezies natürlich unterschiedlich - auch nur etwas ein bis maximal anderthalb Jahrzehnte in seiner Höchstform und in der höchsten Liga. Und man sollte früh anfangen zu trainieren, um den Körper zu stählen und weil man in jungen Jahren noch wesentlich mehr und besser Schläge wegstecken konnte als später.
Es gab zwar auch hier Späteinsteiger - aber er wusste zumindest für Cato Neimoidia keinen, der eine wirklich erfolgreiche Karriere gehabt hätte.

Er schluckte nervös und stellte dann doch die Frage, die sich daraus für ihn ergab:
"Gibt es also ein zu alt für das Jedi-Werden?"

Sie redeten noch kurze Zeit darüber, bevor Sarina die Zeit checkte und die beiden Anwärter fragte, worauf sie als nächstes Lust hätten. Auf eine dritte Runde Rumliegen und Spüren hatte Tari keinen Nerv mehr - er würde einpennen oder vor Frust auf den nächsten Baum einschlagen.
Also schüttelte er bei diesem Vorschlag den Kopf.
Pause klang verlockend - allerdings hatte der junge Mann nicht das Gefühl, dass er für eine Pause schon genug gearbeitet habe. Und eine gewisse Selbstdisziplin wollte er sich erhalten. Gerade, falls er Jedi werden würde.

Als das Angebot für eine Runde Sport kam, hellte sich sein Gesicht auf. Das konnte er - und das war auch wesentlich einfacher als diese Übung, im Durchführen und im Erklären. Das wäre was Cooles - einfach mal bewegen und sich stärken und fordern, ohne dabei nachdenken oder bewusst fühlen zu müssen.
Und dann sagte sie noch etwas von Grundpositionen. Das hörte sich machbar an und auch leichter nachzuvollziehen. Allerdings kannte er die Art nicht, auf die sich die Grundpositionen bezogen.
Also antwortete er dann:
"Eine Runde Sport könnte ich jetzt gut vertragen. Aber bevor wir entscheiden: Was genau ist dieses Sori... So... Soundso?"

[Coruscant, Jedi-Tempel, in einem der Gärten] - mit Tari Haako, Nikis Gios und Sarina Thorne
 
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