Ich wäre an deinen Ausführungen interessiert. Gern auch via PN. Mir gefällt die Serie, aber bin kein Stranger Things Nerd oder so; mir machst du da garantiert nichts kaputt.
Klar. Ich mache aber am Besten eine Verriss-Warnung vorab:
Ursprünglich wollte ich nach Staffel 3 (Habe letztes Jahr mit Stranger Things überhaupt begonnen) einfach abbrechen.
Staffel 1 gefiel mir. Netter Mix aus 80s Emblem-Filme mit etwas Stephen King.
Ab Staffel 2 fingen die Probleme für mich an, die man bis zum Ende konsequent durchgezogen hat:
Immer mehr und noch mehr Figuren. Anstatt das passende Liebesdreick-Ende aus Staffel 1 beizubehalten, rudert man Richtung Klischee in Staffel 2 zurück (Der komische Nachbarsjunge ist doch der Richtige anstatt des Frauenschwarms. Obwohl John und Steve beide in Staffel 1 aus den Klischees ausgebrochen sind) … Nur damit das Ganze nochmal in Staffel 4 & 5 aufgerollt wird, um letztlich in Wohlgefallen aufgelöst zu werden.
Dann noch mehr Beziehungsdrama anstatt andere Figurendynamiken:
- Hopper und Will’s Mutter im Liebesdreick.
- Robin war als Figur von Anfang bis Ende einfach überflüssig. Will‘s Coming Out am Ende wirkt auf mich tatsächlich trotz des Aufbaus zuvor überflüssig, weil man das Wenige von ihm aus den ersten Staffeln komplett auf Robin übertragen hat. Wodurch Will in Staffel 2-4 mehr wie das Anhängsel der Gruppe auf mich wirkt. (Weil man halt anfangs nicht mit mehr als eine Staffel plante.)
Und weil das Grundkonzept halt für gerade mal einen Film herhält, wollte man auch kaum Konsequenzen ziehen: Welche Fake-Tode gab es? 11 ein paar Mal, Hopper, Max …
Und alle Tode die es gab, waren so ein Eintagsfliegen, die innerhalb einer Staffel meistens mit der Auslöser für ein Problem waren … nur um dann am Ende draufzugehen. (Eddie ist da das beste Beispiel, auch wenn mir die Chemie zwischen seinem und Dustins Schauspieler extrem gefiel.) Entsprechend war die Rückblende bei Vecna‘s Tod mit allen Verlusten als Pay-Off für mich nicht zufriedenstellend. Weil die meisten dieser Figuren böse gesagt Kanonenfutter waren um Filmzeit in der jeweiligen Staffel zu fressen.
Das sind alles Probleme, die ich in der Regel bei einer ewig andauernden Telenovela erwarte, weil man keine Ideen hat … und sich entsprechend an Standard-Rezepten aus dem Autoren-Repertoire bedient, um die plattesten Konflikte und Handlung aufzubauen.
Mit Staffel 4 habe ich erst ein Jahr später kurz vor Staffel 5 weitergemacht, weil ich von verschiedenen Seiten im Freundeskreis und auf Discord die Empfehlung dafür bekommen habe.
Staffel 4 machte das Ganze dann noch extremer: Jetzt haben wir einen total aufgeblasenen Cast, haben mehr Laufzeit … erzählen aber nichts mehr als zuvor. (Meine Lieblingsfiguren in Staffel 5 waren Max und Holly. Wenn ich aber der Screentime mal rechne und was sie tatsächlich überhaupt getan haben … Da kommt durch den absurd riesigen Cast halt trotzdem nicht viel zusammen.)
Und das Hauptproblem der letzten beiden Staffeln für mich: Man will das Ganze gross & episch machen mit einem Weltuntergangsszenario. Obwohl das Grundkonzept eine kleine Abenteuergeschichte mit Spooky-Elementen in der Vorstadt ist. Nein, nein … Jetzt braucht es Vecna, der sich Strippenzieher hinter allem entpuppt und die Russen (Damit das Ganze auch wirklich global wirkt, obwohl deren Plot nirgendwo hin führt.)
Zum Finale:
Generell: Kann mir wer erklären, warum das Militär einfach abzischt? Die halbe Stadt hat aktiv gegen das Militär gekämpft und Soldaten umgebracht.
Und durch die bisherige Konsequenzlosigkeit habe ich halt keine Sekunde daran geglaubt, dass 11 tot ist. (Ich war halt mehrfach versucht vorzuspulen, um die unvermeindliche „Vielleicht hat sie doch überlebt“-Szene hinter mich zu bringen.)
Und wie sie es auflösen, halten sie sich halt einfach alle Optionen frei. Weil sie nichts beenden wollen wo die Macher sehen, dass sie quotentechnisch mehrere Spin-Offs durchbringen können. Damit das Universum weiterhin spinning it’s wheels kann … ohne irgendwelche Konsequenzen eingehen zu können. Daher sage ich, dass 11 dann wieder auftaucht, wenn die Spin-Offs von den Aufrufzahlen her immer weiter sinken für Nostalgie-Bait.
Nachdem ich mit Staffel 5 dann in den Social Media Stranger Things-Algorithmus gekommen bin, sind mir durch das Wiederholen derselben Sätze aus verschiedenen Szenen um Epik aufzubauen dann auch zunehmend die Dialoge unangenehm aufgefallen:
Wiederholt ist die Rede davon, dass wir am Ende sind. Gerade Bei 11 und Hopper im Finale … nur um dann Sätze zu bringen wie: „Um das Militär kümmern wir uns ein Anderes Mal.“ Zwei Sätze später: „Beenden wir es, Kleine.“
Sollen hier einfach noch ein paar epische Sätze mehr reingehauen werden, um den Zuschauer billo zu hypen … obwohl es im Kontext des Dialoges keinen Sinn ergibt?
Dadurch merke ich im Endeffekt dann noch mehr, wie sie die gleichen Sachen tausend mal sagen, weil sie nichts zu erzählen haben. Dazu noch Second Screen-Zuschauer bei der Stange halten wollen (das mit langen Laufzeiten noch mehr aufblasen.) und für Short-Content Compilations auf Social media trenden wollen. Das ist halt nicht mehr Schreiben einer Geschichte. Sondern primäres Product Placement, dass als Geschichte verkauft wird. Aber die Geschichte ist hier für mich effektiv mehr die Dekoration.
Ich finde das Finale teilweise sogar schlimmer als bei GoT.
Bei GoT weiss ich, dass die Welt gross genug ist, damit andere Autoren da noch was rausholen können.
Das Konzept für Stranger Things war nach einer Staffel durch. Man hat es jetzt aufs Äusserte hinaus strapaziert … Aber sie haben sich 4 Staffeln jetzt im Kreis gedreht. Und jetzt sollen Spin Offs kommen.
Das Stranger Things-Universum entwickelt sich damit zur teuersten Telenovela aller Zeiten nach dem MCU.