Tagespolitik allgemein

Es wäre wirklich gut gewesen. wenn die Leute nicht sofort wieder zu den Extremisten zurückgerannt wären, nur weil es die Nachfolgeregierung nicht schafft, alle Schäden, die der Vorgänger angerichtet hat, in einer Legislaturperiode wieder komplett gutzumachen.
Aber gut, diese Geduld sehe ich hierzulande ja auch nicht, wenn ich mir nur mal ansehe wo die AFD gerade in den Umfragen steht...

Gesellschaften verblöden und entsolidarisieren halt zunehmend.

C.
 
Kolumbien und Kuba sind momentan auch Nervös. Lustig ist ja dass es in Venezuela so aussieht als ob die Politischen Karten nicht neu gemischt werden. Sprich keinen wirklichen Regimewechsel geben wird. Kann sich natürlich schnell ändern, aber momentan sieht es eher nicht so aus.
Zum einen würden Kuba das kommunistische Regime bestimmt nicht vermissen. Und Pedro, der ehemalige Terrorist sollte lieber nicht so große Töne spucken. Wer weiß, sonst trifft er sich bald mit Maduro beim Hofgang.
Zum anderen scheint sich in Venezuela zumindest leicht etwas zu ändern.
Immerhin sollen jetzt viele politische Gefangene und ausländische Gefangene freigelassen werden.
 
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Und währenddessen wird eine "geistesgestörte Linke", Mutter von 3 Kindern erschossen und Vance verteidigt das nicht nur, sondern gibt so viel haltlose, dumme und gefährliche Dinge von sich, dass man sich einfach nur noch Sorgen machen muss.
Das zeigt einmal mehr, wie antidemokratisch die aktuelle Regierung in den USA ist.
Von Venezuela fange uch gar nicht erst an.
Ob es wohl in Mode kommt, in andere Länder zu gehen und unliebsame Gegner eins Gefängnis zu bringen, um dann sehr, sehr viel Öl zu verkaufen?
Und mal ehrlich, dieses ganze Gerde darüber, dass es doch den Richtingen getroffen hat, hinkt mindestens an der Stelle, dass hier ein Verbrecher den anderen gefangen nimmt oder eben ein Verbrechen auf das/die andere(n) folgt.
Da finde ich den Vergleich, dass man wohl dankbar sein würde, aus einem Unrechtregime befreit zu werden, irgendwie ... daneben. Da hilft das "erst Mal froh" irgendwie null. Klingt nämlich einmal mehr wie eine Legitimation.
Und nein, sicherlich ist Maduro jemand, den ich nicht verteidige.
 
Danke, dass du das Thema Renée Good aufmachst. Ich bin diesen autoritären Fiebertraum der aktuellen Administration auch nur noch leid. Die in weiten Teilen illegalen ICE-Operationen sollen angeblich für Sicherheit und Ordnung sorgen, erreichen in den Communities vor Ort aber das genaue Gegenteil und sorgen nicht nur unter Migranten, sondern auch unter US-Staatsbürgern für Angst und Schrecken. Dabei hat ICE nichtmal die Kompetenz, einfach in Orte zu fahren und massenhaft willkürlich Migranten, die sie dort random aufgreifen, einzukassieren, um sie ohne Verfahren zu deportieren, von denen selbst laut eigener staatlicher Statistik 70% nichtmal irgendwelche Straftaten begangen haben.

Was den Fall mit Renée Good angeht, ist eine angebliche Notwehrsituation natürlich völlig abwegig. Selbst wenn man Goods Fluchtversuch überhaupt als Angriff werten möchte (bereits äußerst fragwürdig anhand der Videos sowie aller bekannter Zeugenaussagen, die das einvernehmlich bestreiten), wäre das mindestens sowohl ein intensiver als auch ein extensiver Notwehrexzess. Damit ist gemeint, dass sowohl die Mittel, die zur Abwehr des Angriffs eingesetzt wurden, unverhältnismäßig waren als auch, dass der Angriff zum Zeitpunkt der Abwehrhandlung bereits nicht mehr gegenwärtig war. Da zwei Schüsse durch Halten der Waffe von der Seite in das geöffnete Fahrerfenster abgegeben wurden, die vermutlich auch zum Tod geführt haben dürften, war eindeutig, dass zu diesem Zeitpunkt keine Gefahr bestehen konnte, von dem Auto überfahren zu werden.

Für Entsetzen muss aber auch das Nachtatverhalten der ICE-Agenten sorgen. Auffällig ist zunächst, dass ICE unmittelbar nach den Schüssen Good in ihrem gestrandeten Fahrzeug gar nicht mehr beachtete. Lediglich der Schütze bewegte sich erst halbherzig in die Richtung des Autos, kehrte dann aber wieder zu seinen Kollegen um. Selbst wenn sie ein Angreifer gewesen wäre (war sie nicht, nur hypothetisch), hätte man sofort den Zustand überprüfen müssen. Das ist einfach unmenschliches Verhalten, sich nicht einmal darum zu scheren. Erst nach einiger Zeit wurde das Gebiet dann umstellt, während der Schütze das Gebiet verließ, noch bevor die Polizei eintraf. Ein Passant, der gegenüber ICE unter Berufung auf seine Qualifikation als Arzt darum bat, erste Hilfe zu leisten, wurde von ICE sogar daran gehindert. Argumentiert wurde damit, dass ICE seine eigenen Sanitäter habe, wozu es jedoch laut bisherigen Augenzeugenberichten nicht kam. Die erst danach eintreffenden lokalen Ersthelfer und die Feuerwehr waren dadurch anscheinend die ersten, die die Frau behandelten und sie überhaupt erst aus dem Auto bewegten. Der noch später eintreffende Rettungswagen wurde durch die ICE-Straßensperre schließlich auch noch am Durchkommen an den Tatort gehindert.

Das FBI hat die Ermittlungen zu diesem Sachverhalt bereits an sich gezogen. Das ist für sich genommen bei Vorfällen mit Bundesagenten nicht ungewöhnlich. Extrem ungewöhnlich ist dagegen, dass es sich bei den Ermittlungen für allein zuständig erklärt hat, das heißt, man lässt den (demokratisch regierten) Staat Minnesota außen vor, lässt ihm keine Akten zukommen und beteiligt ihn auch nicht an den Ermittlungen. Der Gouverneur von Minnesota, Mike Waltz, hat bereits Zweifel geäußert, dass es dadurch zu einem transparenten und fairen Ermittlungsverfahren auf Bundesebene kommen wird. In dem Zusammenhang ist für das Verständnis wichtig, dass das nun für die Ermittlungen alleinzuständige FBI als auch das für eine Anklageerhebung zuständige Justizministerium von völlig hörigen MAGA-Kultisten besetzt ist (Kash Patel und Pam Bondi). Ich würde deswegen darauf wetten, dass der ICE-Agent niemals auf Bundesebene angeklagt wird.

Neben dieser für sich genommen bereits äußerst verstörenden Sache hat auch die sonstige Reaktion der US-Administration erneut für große Unruhe gesorgt. Ähnlich wie bei der inzwischen rechtskräftig verurteilten Ermordung von George Floyd zeigte sich bereits mit Aufkommen des ersten Videomaterials, dass die Einlassungen der Offiziellen der US-Administration nicht der Wahrheit entsprechen. Vance wurde ja von @Ian Dice schon erwähnt. Aber Trump selber hat beispielsweise geschrieben, der ICE-Agent sei von Goods Auto "überfahren" worden und es sei ein Wunder, dass er überlebt habe, daher sei die Tötung wohl in Notwehr geschehen. Auf den Videoaufnahmen ist eindeutig erkennbar, dass nichts davon stimmt - der Agent geht den Aufnahmen zufolge nach dem Vorfall völlig unverletzt in die Nähe des Autos und anschließend wieder zu seinen Kollegen zurück. Seitens der für ICE zuständigen Ministerin für innere Sicherheit Noem wurde der Vorfall - ohne irgendeine Ermittlung abzuwarten - sofort so geframet, dass Good eine "inländische Terroristin" gewesen sei und den ICE-Agenten bereits "seit Stunden" gefolgt sei, obwohl der Vorfall am Morgen gegen 09:35 stattfand und nach bisherigen Zeugenaussagen Good offenbar erst kurz zuvor ihren Sohn zur Schule gefahren hatte und nur auf Wunsch ihrer Ehefrau, die bereits dort war, in die Nachbarschaft fuhr. Das passt nicht wirklich zusammen, hierzu muss man die weiteren Ermittlungen abwarten.

Ob Good an Anti-ICE-Aktionen überhaupt aktivistisch beteiligt war, ist also aktuell noch unklar. Ich kann aber gar nicht klar genug sagen, wie vollkommen unerheblich das ist. Selbst falls (!) sie mit ihrem Verhalten davor oder sogar in dieser konkreten Situation Recht gebrochen hätte, ja selbst wenn sie stundenlang ICE hintergefahren hätte, ist das überhaupt keine Rechtfertigung für diesen Schusswaffeneinsatz, weil es einfach keinen gegenwärtigen Angriff gab. Schusswaffeneinsatz ist aber auch in den USA nur zur Abwehr einer Lebensgefahr erlaubt, nicht bei jedem Rechtsbruch oder etwa einer Behinderung eines ICE-Raids oder weil man sich einer Anweisung widersetzt oder zu fliehen versucht. Was wirklich abscheulich ist, ist, dass man seitens der Administration - exakt wie bei George Floyd - nun also versucht, das Opfer öffentlich durch den Dreck zu ziehen, um den Eindruck zu erwecken, dass es durch ihr Vorverhalten schon irgendwie "verdient" war und die Person es daher eigentlich gar nicht wert ist, dass man die Rechtmäßigkeit ihrer Tötung hinterfragt. Solche "Erkenntnisse" aus einer ekligen Propagandamaschine sind aber für die rechtliche Bewertung des Sachverhalts völlig belanglos, weil sie nichts daran ändern, dass es nach allem, was bisher an Videos und Zeugenaussagen öffentlich ist, keinerlei gegenwärtigen Angriff in dieser Situation gab.

Dass diese faschistoide Übernahme des Staates immer noch von so vielen Leuten ignoriert oder gebilligt wird, nur weil sie sich vornehmlich gegen eine aus deren Sicht missliebige Bevölkerungsgruppe richtet, ist das eigentlich Gruselige - es erinnert an düstere Zeiten. Ich werde einfach nie verstehen, wieso man in einer freien Gesellschaft lieber einer offenkundig lügenden und völlig außer Kontrolle geratenen Administration unterwürfig die Stiefel leckt, während diese Stiefel auf Recht und Gesetz, die Wahrheit und schlussendlich auf die eigenen Mitmenschen eintreten.
 
@Darth Meine Probleme mit dieser Sache sind wie gesagt Folgende:
Planlos zündeln kann die USA wunderbar und hat da ja auch viel Erfahrung drin. Wirklich gut für die Menschen in den betroffenen Ländern ist es manchmal aber doch selten ausgegangen. Jüngst in Afghanistan sind am Ende auch wieder die Schlächter am Drücker.
Bei Afghanistan muss man der Fairness halber erwähnen, dass die Sowjets zuerst damit begonnen haben, das Land zu ruinieren und die Taliban so unverhohlen dämlich waren, den 9/11-Strippenziehern Aufent- und Rückhalt zu gewähren. Was genau erwartet man sich für eine andere Reaktion als Kriegserklärung des Getroffenen?

Was die 20 Jahre danach angeht: ja, da wurde viel falsch gemacht. Der überstürzte Abzug war der peinliche Gipfel.
Daher wird meines Erachtens die Zukunft zeigen was passiert. Wenn's positiv ist, wird's trotz und nicht wegen Trump.
Manchmal kann man auch einem Trottel zugestehen, etwas richtig gemacht zu haben. (Wenngleich wider Willen und seeeehr punktuell.)

Feiern werde ich Trump auch mit positivem Ausgang nicht, weil es meiner Einschätzung nach nur der erste Schuss weiterer derartiger Aktionen wird.
Keiner muss ihn feiern.

Sei es in Lateinamerika, sei es in Kanada, sei es in Grönland. Nicht weil ich denke dass nur jemand mit blütenweißer Weste Menschen in Not helfen kann, wie du dich so charmant über linke Doppelmoral mokiert hast,

Ich werde mich immer stärker über linke Doppelmoral mokieren, seltener über rechte. Weil ich bei Ersteren, denen ich ideologisch näher liege, höhere moralische Erwartungen hege. Bei Rechten ist üblicherweise klar, was kommt. Zweitens argumentieren oft Linke selbst moralisch, was bei Zuwiderhandeln nun mal angreifbarer macht.

sondern diese Entwicklung noch viel Leid nach sich ziehen wird.
Leid ist den Menschen in repressiven Regimes, die man "in Ruhe lässt/ließ", halt auch nicht erspart geblieben. So zynisch es klingt.

In Lateinamerika und anderswo. Da möge man mir den Blick in die düstere Kristallkugel verzeihen.
Alles gut.

@Ian Dice Nix für ungut, aber in deinen Worten schwingt halt die Perspektive eines Menschen mit, der nie unter einem Maduro oder Wesensverwandten leben musste. Ich zum Glück ebensowenig. Nur haben Unterdrückte selten die freie Wahl ihres Befreiers. Und es ist arrogant, über ihre Köpfe hinweg und aus sicherer Distanz vorschreiben zu wollen, wie und unter welchen Umständen die Befreiung doch "gerechtfertigt" wäre, weil man Bush, Trump oder wen auch immer nicht mag.
 
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@Darth_Jango du verstehst meinen Punkt nicht, glaube ich. Ich habe von deiner Perspektive gesprochen. Zumindest habe ich verstanden, dass du es gut finden würdest, wenn X.
Davon abgesehen schreibe ich gar nichts vor.
Und mal ehrlich: Natürlich schreiben wir hier alle aus unseren Perspektiven, immer. Im Umkehrschluss müssten wir also alle die Klappe halten, weil wir arrogant, unwissend, etc sind.
Für mich klangen deine Worte nach Legitimation und das Problem ist doch ein anderes.
Bei Maduro mag es klar sein, aber wer entscheidet eigentlich, welcher Typ an der Macht ein guter ist und welcher nicht?
Wir können alle Grenzen des Erlaubten weiter verschieben, aber zu welchem Preis? Was bedeutet das außerdem für andere? Dass es immer auch profitierende gibt, keine Frage.
 
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@Darth_Jango Aber im Falle von Venezuela ist es doch mehr als offensichtlich dass es überhaupt nicht darum geht, irgendjemanden zu „befreien“, sondern hauptsächlich darum, sich die dort vorhandenen Ölvorkommen unter den Nagel zu reißen. Und da man nur Maduro aus der Gleichung genommen hat und nicht das ganze System darf man sehr wohl skeptisch sein ob sich für den einfachen Bürger Venezuelas etwas ändert.

Finde auch dass da der Vergleich mit SU und NS-Deutschland sehr hinkt. In dem Fall kam es zu einem kompletten Umsturz eines Regimes. Mal abgesehen davon dass die UdSSR den Krieg damals nicht mal angefangen hat.
 
Mal abgesehen davon dass die UdSSR den Krieg damals nicht mal angefangen hat.

Das sieht man in Polen wohl etwas differenzierter. Der Hitler-Stalin-Pakt war das Ergebnis, wenn zwei Despoten plötzlich gemeinsame Sache machen. Russland hat sich genau 16 Tage nach dem Überfall auf Polen die Ostteile von Polen unter den Nagel gerissen.
 
Bei Afghanistan muss man der Fairness halber erwähnen, dass die Sowjets zuerst damit begonnen haben, das Land zu ruinieren und die Taliban so unverhohlen dämlich waren, den 9/11-Strippenziehern Aufent- und Rückhalt zu gewähren. Was genau erwartet man sich für eine andere Reaktion als Kriegserklärung des Getroffenen?

Was die 20 Jahre danach angeht: ja, da wurde viel falsch gemacht. Der überstürzte Abzug war der peinliche Gipfel.
Muss man das? Für meinen Punkt, dass die USA schlecht darin ist andauernde positive Veränderungen zu schaffen, ist dies schlicht irrelevant.

Manchmal kann man auch einem Trottel zugestehen, etwas richtig gemacht zu haben. (Wenngleich wider Willen und seeeehr punktuell.)
Bin ich bei dir. Wir sehen uns dann in 5-10 Jahren, wenn man das bewerten kann.
Mein Problem waren die Vorschusslorbeeren die du für meinen Geschmack sehr großzügig verteilt hast.

Ich werde mich immer stärker über linke Doppelmoral mokieren, seltener über rechte. Weil ich bei Ersteren, denen ich ideologisch näher liege, höhere moralische Erwartungen hege. Bei Rechten ist üblicherweise klar, was kommt. Zweitens argumentieren oft Linke selbst moralisch, was bei Zuwiderhandeln nun mal angreifbarer macht.
Vielleicht hilft es an der Stelle mit Quellen und konkreten Beispielen zu agieren, das war in dem Post an dem ich Anstoß nahm nicht gegeben.
 
Unterdessen bekräftigt Trump nochmal die Forderung Grönlands zu annektieren. Auf die einfache oder harte Art wie er sagt...
Hier ist ja auch offensichtlich dass es überhaupt nicht um die „Sicherheit“ geht sondern um die Rohstoffe, die dank Klimawandel bald zugänglich werden. Wobei mich da schon die Frage beschäftigt, wer da stand jetzt eigentlich die künftigen Schürfrechte verwalten soll. Dänemark, oder die Bewohner von Grönland?

Jedenfalls würde ich mir als Eigentümer von Schürfrechten auch überlegen ob ich mein Land wirklich verkaufen möchte. Ansonsten beiße ich mir in 20 Jahren vielleicht in den Arsch.
 
Das sieht man in Polen wohl etwas differenzierter. Der Hitler-Stalin-Pakt war das Ergebnis, wenn zwei Despoten plötzlich gemeinsame Sache machen. Russland hat sich genau 16 Tage nach dem Überfall auf Polen die Ostteile von Polen unter den Nagel gerissen.
Und nicht nur das. Noch vor dem Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion hat diese Finnland und Rumänien überfallen. Später dann den Iran, Bulgarien und Japan.
 
@Darth_Jango du verstehst meinen Punkt nicht, glaube ich. Ich habe von deiner Perspektive gesprochen. Zumindest habe ich verstanden, dass du es gut finden würdest, wenn X.
Und meine Perspektive speist sich u.a. aus den Überlegungen zu Lebensrealitäten Angehöriger diverser Gruppen.

Konkretes Beispiel: Ich kann sagen, dass ein venezolanischer Oppositioneller, der vormals ein reiches Arschloch war, es verdient hat, enteignet zu werden oder im tristen Exil zu leben, weil er zulasten ärmerer Schichten existierte. Ich kann ihn verspotten, beschimpfen, darüber hinwegsehen, dass ihm Unrecht widerfuhr, weil mir seine polit. Einstellung nicht passt. Ich kann auch versuchen, ihn von meiner Perspektive zu überzeugen.

Niemals werde ich ihm allerdings seine Lebensrealität (/Erfahrungen) absprechen. Und die da lautet: er wurde nun einmal Opfer staatlichen Unrechts. Aus seiner Sicht ist Maduros Sturz eine Befreiung. Und von seiner Sorte gibt es Millionen. Auch sie müssen gehört werden. Ob man ihnen zustimmt, sie sympathisch findet, hilft oder auslacht, ist wieder eine andere Frage.

(Plakativ gesprochen.)

Warum ist mir das so wichtig?

Weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie v.a. Linke (zB sog. "Antiimperialisten") mir mein Wissen/Erfahrungen absprechen wollten, weil es nicht in das s/w-Schema einiger Individuen passt. (Es waren deswegen v.a. Linke, weil ich mich natürlich eher in diesen Kreisen bewege.)

Selbst hier hat mich ein User bei der letzten Diskussion quasi der Lüge bezichtigt. Das ist ein eigenes Level an Respektlosigkeit.

Davon abgesehen schreibe ich gar nichts vor.
Und mal ehrlich: Natürlich schreiben wir hier alle aus unseren Perspektiven, immer. Im Umkehrschluss müssten wir also alle die Klappe halten, weil wir arrogant, unwissend, etc sind.

Du dramatisierst. Niemand "muss hier die Klappe halten." Nur sollte man möglichst oft möglichst viele Faktoren im Kopf behalten, aus denen man das Argument töpfert.

Für mich klangen deine Worte nach Legitimation und das Problem ist doch ein anderes.
Völkerrechtlich ist es nicht in Ordnung, sicher.

(Nicht alles, was im Einklang damit läuft, ist legitim. Völkerrechtlich können sich aber auch zB zwei Staaten - auf de facto Kosten einer Volksgruppe - einig werden, und keinen interessiert es. Siehe Westsahara.

Davon unabhängig: Wir kennen historische Fälle, in denen das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark liberal geprägte Völkerrecht gravierende Menschenrechtsverletzungen ausdrücklich goutierte. Man denke etwa an den griechisch-türkischen "Bevölkerungsaustausch".)

Wer entscheidet, was legitim ist, wenn die Grenzen immer weiter verschoben werden? Tja, das ist die Crux. Soweit ich weiß, gibt es im VR die staatliche "responsibility to protect", die verhindern soll, dass jemand mit Berufung auf "innere Angelegenheiten" macht, was er will. Ich fänds ja toll, wenn man das mal konsequent durchsetzen würde. Hätte so manchen Maduro verhindert/von der Bühne geholt.

@Darth_Jango Aber im Falle von Venezuela ist es doch mehr als offensichtlich dass es überhaupt nicht darum geht, irgendjemanden zu „befreien“, sondern hauptsächlich darum, sich die dort vorhandenen Ölvorkommen unter den Nagel zu reißen. Und da man nur Maduro aus der Gleichung genommen hat und nicht das ganze System darf man sehr wohl skeptisch sein ob sich für den einfachen Bürger Venezuelas etwas ändert.

Ich stimme doch zu. Brachte weiter oben das Spanien-Beispiel.

Finde auch dass da der Vergleich mit SU und NS-Deutschland sehr hinkt. In dem Fall kam es zu einem kompletten Umsturz eines Regimes. Mal abgesehen davon dass die UdSSR den Krieg damals nicht mal angefangen hat.

Nicht den Krieg gegen NS-Deutschland, stimmt. Die Beteiligung am Überfall auf Polen hat icebär erwähnt. Und mit dem auf Finnland im sog. "Winterkrieg" einige Monate später hat man sogar noch einen draufgesetzt.

Aber mir gings nicht darum, sondern, wie ich als polit. Gefangener höchstwahrscheinlich reagieren würde, wenn mich eine Macht mit Dreck am Stecken von einer anderen befreit...

Muss man das? Für meinen Punkt, dass die USA schlecht darin ist andauernde positive Veränderungen zu schaffen, ist dies schlicht irrelevant.

Gut, "müssen" ist ein böses Wort. Es hilft jedoch, darauf hinzuweisen, dass die Situation in Afghanistan eine gewisse...hm, Kontinuität vorzuweisen hat, deren Ursprünge man den Amis nicht anlasten kann.

Bin ich bei dir. Wir sehen uns dann in 5-10 Jahren, wenn man das bewerten kann.
Mein Problem waren die Vorschusslorbeeren die du für meinen Geschmack sehr großzügig verteilt hast.

Für den öff. Diskurs hege ich eher die Befürchtung, dass man von nun an alles Schlechte willkürlich auf diesen einen Punkt zurückführen wird. Wie im Irak.

Vielleicht hilft es an der Stelle mit Quellen und konkreten Beispielen zu agieren, das war in dem Post an dem ich Anstoß nahm nicht gegeben.

Wirf mal einen Blick in die Gaza-Bubble: zB offizielle Aussendungen Spaniens, Irlands. Abgeordnete der Linken im Bundestag. Da wurde die Moralkeule geschwungen noch und nöcher.

Haben sich alle dieser Tage - Massenproteste im Iran, ethnische Säuberung der Kurden in Aleppo - wieder verkrochen. (Oder vielleicht haben die auch alle grad Internetausfall, wer weiß.)
 
Wirf mal einen Blick in die Gaza-Bubble: zB offizielle Aussendungen Spaniens, Irlands. Abgeordnete der Linken im Bundestag. Da wurde die Moralkeule geschwungen noch und nöcher.

Haben sich alle dieser Tage - Massenproteste im Iran, ethnische Säuberung der Kurden in Aleppo - wieder verkrochen. (Oder vielleicht haben die auch alle grad Internetausfall, wer weiß.)
Ich befasse mich damit gerne wenn du Quellen bringst. Dann ist auch gesichert, dass wir über dieselben Dinge sprechen. Auf mehr wollte ich an der Stelle gar nicht hinaus ^^
 
Ich befasse mich damit gerne wenn du Quellen bringst. Dann ist auch gesichert, dass wir über dieselben Dinge sprechen. Auf mehr wollte ich an der Stelle gar nicht hinaus ^^

Offizielle Instaseiten von Linke und KPÖ etwa. Stellungnahmen zu Venezuela (davor Gaza), (bislang) nix zum Iran. Wobei: die KPÖ brachte seinerzeit einen Beitrag, in dem sie den Iran als von Israel Angegriffenen dargestellt hat...
 
@Darth_Jango ich verstehe diese Perspektive und trotzdem gibt es nun einmal geltendes Recht und das kommt - zum Glück, ohne Gefühle aus.
Ich kann durchaus verstehen, wenn sich jemand beispielsweise rächt, aber Unrecht macht Unrecht nicht zu Recht.
Nenn es arrogant. Aber deine Argumentation macht es halt einfach.
Man hätte Maduro verhinder sollen.
Jetzt ist er doch weg und das ist gut für manche.
Ja, emotional und auf Gefühlsebenen sicherlich. Aber wenn wir so argumtieren plus was hätte alles geschen sollen, brauchen wir gar nicht mehr zu reden.

Wenn das legitimiert ist was Trump getan hat, wer entscheidet beim nächsten Mal? Nach welchen Kriterien? Und was passiert, wenn die gleiche Logik gegen Ziele angewandt wird, die wir anders bewerten?
Die emotionale Realität der Betroffenen ist wichtig zu verstehen, ja, aber sie kann nicht der Maßstab für die Rechtmäßigkeit von Handlungen sein, sonst haben wir am Ende gar keinen Maßstab mehr. Und das zeigt auch der von mir zitierte Fall mit dem Erschießen der Mutter.
Manchmal ist die rechtsstaatliche Position die unbequeme, die sich "kalt" anfühlt. Aber genau das ist ihr Zweck. Würden wir emptional handeln könnten wir schnell zurück zu Auge im Auge und Zahn um Zahn.
Und am Ende wird immer jemand einen für such legitimen Grund finden, etwas bestimmtes zu tun. Da könnte ich dutzende, zynische Beispiele bringen.
 
Es fällt auch auf dass die Kirchen sich aktuell bemerkenswert zurückhalten. Zwar haben die nichts zu sagen, aber ein paar mehr mahnende Worte wären in Zeiten wie diesen ja schon angebracht, zumal der Papst ja sogar aus den USA kommt und eigentlich sogar früher als Trump Gegner aufgetreten ist. Wäre gerade in Zeiten wie diesen, wo besonders christliche Fundamentalisten in den USA am Rad drehen, ein wichtiges Zeichen. Aber irgendwie ist es um ihn seit der Papstwahl doch erstaunlich still geworden.

Oder wird darüber einfach nicht berichtet?
 
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