Weltraum (Neutral)

Innerer Rand | Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin, vor der Piratenbasis | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Während die Piratenbasis gesichert wurde, hatte die Huntress die letzte halbe Stunde damit verbracht, Störsender und andere böse Überraschungen der Piraten aufzustöbern und auszuschalten. Geholfen hatte es leider nicht dabei, Kontakt zu Commander Tovi und dem Rest der Eingreifgruppe Huntress. Thade beschloss dennoch, weiterhin ruhig zu bleiben, den Schlachtplan weiterzuverfolgen und Commander Tovi zu vertrauen, dass er seinen Teil ebenfalls zuverlässig erledigen würde. “Kommandant, die Bodentruppen melden, dass die Sicherstellung der Basis abgeschlossen wurde. Sie melden nur leichte Verluste und haben nach erster Zählung 127 Gefangene gemacht.” Der Chiss nickte die Meldung seines ersten Offiziers ab. “Sehr gut, Nummer 1. Navigation, wenden Sie die Huntress und steuern Sie uns vor den Haupthangar der Basis. Colonel Corrend, setzen Sie mit Ihren Männern zur Basis über, um die Gefangenen zu übernehmen und in unserem Zellenblock unterzubringen.” Thade rechnete zwar nicht wirklich mit weiterem Widerstand, aber nur für den Fall der Fälle konnten die überlebenden Piraten in den Zellen der Huntress weitaus weniger Schaden anrichten als bei einem Ausbruchsversuch auf der ihnen wohl bekannten Basis.

Während die Huntress ihr Wendemanöver durchführte, fällte
Thade eine weiter Entscheidung. Die Mannschaft der Huntress zählte zwar nur einige Hundert Mann, das war aber genug, um einen Anfang zu machen. “Nummer 1, koordinieren Sie sich mit dem Chefingenieur. Ein paar Technikerteams sollen übersetzen und mit einer Überprüfung der Systeme der Basis beginnen. Es ist geplant, dass diese Basis langfristig von der lokalen Verwaltung zur Sicherung der Region genutzt werden wird und wir werden dafür den Anfang legen. Sie werden das Kommando über die Basis übernehmen und eine Inventur beginnen, bis eine dauerhafte Garnison eintrifft.” Lieutenant Commander Murbau war sichtlich überrascht und bestätigte erst nach kurzer Verzögerung den Befehl. Wenn Thade ehrlich zu sich war, war er nicht hundertprozentig davon überzeugt, dass sein erster Offizier der Aufgabe gewachsen war, allerdings musste er eben mit dem Personal arbeiten, das ihm zur Verfügung stand und hielt sich nicht lange mit Wunschträumen auf. Lieutenant Commander Murbau würde diese Aufgabe übernehmen und er würde sie bewältigen. Und wenn nicht, würde er die Konsequenzen für sein Scheitern tragen.

Innerer Rand | Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin, vor der Piratenbasis | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Huntress, Arquitens 546: Hülle: 95 % Schilde: 78% Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 9/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
Kommend von Truuine

[ Innerer Rand / Cicarpous-Sektor / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin, vor der Piratenbasis / MAR Reconquista Yevetha / Deck 1 / Brücke ] Baran, sowie Brücken-NPCs

Über den Rand seines Cafbechers hinweg verfolgte Baran das Schlachtgeschehen. Die Piraten hatten sich als zäher erwiesen als erwartet, doch war zäh ein relativer Begriff. Sämtliche seiner anwesenden Brückenoffiziere hatten die Koornacht-Kampagne unter seinem Kommando mitgemacht und waren nun entsprechend tiefenentspannt. Alles mit der Ruhe und eins nach dem anderen. So kam man am schnellsten ans Ziel.

„Ensign Ryun, haben wir inzwischen Funkkontakt?“, fragte Baran in Richtung seines Kommuniationsoffiziers, der jedoch den Kopf schüttelte.

„Negativ, Sir. Das Störfeld ist dezentralisiert und äußerst hartnäckig.“

Baran brummte. Die feindliche Station hatten die Huntress und Reconquista inzwischen gründlich von äußerer Verteidigung befreit und die Enterkommandos Captain Skywalkers waren auch schon ein paar Minuten in ihrem Inneren verschwunden. Wenn die Kommunikation noch immer nicht wiederhergestellt war, dann würde sie es vermutlich auch bis zum Ende des Kampfes nicht werden.

Nachdenklich schaute Baran von der Piratenstation zur Huntress und zurück. Wenn er das richtig sah, dann war diese Situation unter Kontrolle. Ob es Commander Tovi mit seiner Fides ähnlich ging, konnte er nicht sagen, doch bereitete ihm die Funkstille Sorgen. Hatte Captain Skywalker einen besseren Überblick?

Welche Mittel hatte er selbst noch nicht ausgeschöpft, um seinen Nutzen nicht durch Untätigkeit zu verlieren?


„Captain Troth soll mit der Hälfte seiner Staffel losfliegen und den Status der Fides erkunden“, befahl er schließlich. Er konnte nicht sehen, wie der Befehl befolgt wurde, doch meldete eine Anzeige auf dem taktischen Bildschirm die Abreise der Jäger.

Minuten verstrichen, während sein Schiff geduldig auf seiner Position verharrte und der Huntress half, den Bereich um die Station zu säubern. Dann meldete eine frische Anzeige die Rückkehr Captain Troths und Baran bedeutete Ensign Fouke, den Mann durchzustellen.


„Bericht“, wies Baran den Kommandanten seiner Sternenjäger an, dessen Stimme einen Moment später über das Brückencom schallte:
„Die Fides befindet sich noch immer in Kampfhandlungen in den Ausläufern des Asteroidenfeldes. Wie es scheint, handelt es sich dabei um eine modifizierte NBF, Sir.“

Baran nickte und zwirbelte seinen dünnen Kinnzopf. Bei einem Kampf von Nebulon B gegen eine Gladiator-Klasse würde er sein Geld auf die Gladiator setzen. Dennoch war das Matchup unangenehm fair und dabei waren etwaige Modifikationen noch nicht eingerechnet.

„Wie ist der Stand des Kampfes?“

„Schwer zu sagen. Visuell gibt es keine eindeutige Schlagseite in die eine oder andere Richtung.“

„Verstehe“, brummte Baran. „Captain Troth, ich will, dass Sie sich wieder auf den Weg machen. Schließen Sie zum Brückenfenster der Huntress auf und erstatten Sie über Lichtzeichen Bericht. Dann erbitten Sie Erlaubnis für das Folgende: Ich will abdrehen und der Fides aushelfen. Beeilen Sie sich, ich will unseren Commander Tovi nicht zu lange warten lassen.“

Erneut leuchteten die Anzeigen, doch diesmal tauchte einer der losgeschickten TIE/ins im Sichtbereich von Barans Brücke auf. Kurz darauf erhellte sich die Pilotenkanzel und signalisierte Bestätigung. Es schien, als habe Captain Troth eine wortwörtliche Befehlskette, bestehend aus seinen Staffelmitgliedern gebildet, um die gewünschten Informationen schneller übertragen zu können. Baran lächelte dünn und nahm den letzten Schluck aus seinem Cafbecher.

„Ensign Rifai, Sie haben’s gesehen. Kurs auf die Fides und zwar hurtig! Berechnen Sie eine Route mit der wir der NBF in die Flanke fallen, oder sie dazu zwingen, der Fides ihre Flanke zu offenbaren. Auf weitere Kampfhandlungen vorbereiten. Los jetzt.“

Mit einem Mal war der Weltraum vor dem Sichtfenster der Reconquista wieder in Bewegung. Das Schiff flog los, schlug einen Bogen und rauschte im nächsten Moment wieder den Korridor zurück, durch das Asteroidenfeld.

„Ziehen Sie Energie von unseren Heckschilden ab, volle Kraft auf unsere beiden schweren Frontkanonen. Fokusfeuer auf ihr Mittelsegment!“


[ Innerer Rand / Cicarpous-Sektor / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / MAR Reconquista Yevetha / Deck 1 / Brücke ] Baran, sowie Brücken-NPCs

MAR "Reconquista Yevetha"
Kommando: Baran Gargatosh

[MAR] „Reconquista Yevetha“ [Schilde: 86% | Hülle: 100%]
[Ziel: NBF "Besh" | Schäden: - | Zusätzliches: -]
Truppenmoral: Beständig

Staffel "3-1-ResWid" TIE/in [12/12 Maschinen] [Gestartet, Auftrag: Manuelle Kommunikation]
 
[Innerer Rand / Weltraum (neutral) / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / GSD 'Fides' / Brücke] - mit Commander Dur Tovi, Brückenkrew und anderen NSCs

Der GSD 'Fides' veränderte leicht seinen Winkel. Ein Asteroid, der potentiell in den Haupthangarbereich eingeschlagen wäre, wurde von den Turbolasern und einem Protonentorpedo unschädlich gemacht. Kleiner Trümmerteile prallten von der Hülle des Schlachtschiffes ab, zerdellten es aber auch hier und dort.
Commander Tovi hatte soeben diese Korrektur ihrer Positionierung befohlen. Dadurch wurde der Ausgang aus dem Asteroidenfeld etwas mehr freigegeben. Wenn die NBF eine gute Navigationskrew hatte, könnte sie es dadurch schaffen. Und das war genau der Plan des Commanders. Denn so sehr Hoffnung ein Motivator und Antreiber war - sie machte doch auch blind. Wären die Piraten verzweifelt oder hoffnungsvoll genug, durch diese Lücke entkommen zu wollen, müssten sie der bewaffneten Flanke der 'Fides' ihren doch so verletzlichen Mittelrumpf präsentieren.

Aber noch setzte sich das gegnerische Schiff nicht in Bewegung.

"Männer, können wir diese Mistkerle mit unseren Turbolasern noch etwas mehr unter Druck setzen?", fragte Tovi in Richtung der Waffenstation
"Negativ, Sir. Es sei denn, wir könnten noch mehr Energie für die Schilde bekommen", erfolgte die rasche Antwort. Der Kuati murmelte einen leisen Fluch vor sich hin. Er konnte nicht noch mehr Energie in die Waffen umleiten. Schließlich mussten sie ihre Schilde fortwährend aufrecht erhalten, um einerseits das Dauerfeuer der Piraten aushalten zu können und andererseits die kleineren Asteroidenbrocken und -splitter abwehren zu können.
Er ging zwei entschlossene Schritte näher zu dem Brückenfenster hin und starrte auf den Feind.
Konnte es wirklich sein, dass eine eigentlich veraltete NBF so viel Beschuss und Asteroiden aushalten konnte? Nein, das war für Standardmodelle dieses Schifftyps nicht möglich. Die Piraten mussten die Schilde enorm aufgerüstet haben. So langsam ging es dem Commander auf den Zeiger, dass diese ungewisse Pattsituation sich so in die Länge zog.

Dann drehte
Tovi sich um und ging wieder zur Sensorstation. "Wie steht es um die feindlichen Jäger?"
Die Blicke des Schiffskommandanten und des entsprechenden Unteroffiziers glitten beide professionell-angespannt über die Anzeige. Der Stationsoffizier sprach etwas früher aus, was der Kommandant gleichzeitig erkannte: "Sir, es sind nur noch vereinzelte Feind-Jäger da. Die meisten wurden inzwischen zerstört, oder sind geflohen."
Tovi nickte leicht. Er mochte den Befehl nicht, der sich aus seinen Gedanken hochschlich. Eine vom Kampf schon ausgelaugte Truppe noch aufzuteilen und dabei wieder für Gegner attraktiver zu machen, war nicht die Art von Gefechtsführung, die er als Kommandant bevorzugte. Aber manchmal zwang einen das Gefecht dazu.

Der Commander öffnete die Verbindung zu den Jägern der 'Fides' sowie den Bombern der 'Huntress':
"Hille, schick die Hälfte deiner Staffel als Eskorte für Sternflügler. Sternflügler attackiert mit eurer explosiven Ladung den Mittelsteg der Fregatte. Macht ihr richtig Feuer unter dem Arsch!"
Tovi konnte nur durch die Rückmeldungen der Piloten wissen, dass sein Befehl umgesetzt wurde - denn dann drehte er sich von der Sensoranzeige schon wieder um und ging wieder mittig auf die Position, aus der er alle Stationen und das zentrale Brückenfenster perfekt im Überblick hatte.
Und was er sah, und kurz darauf gemeldet bekam, gefiel ihm gar nicht.

"Die laden wieder einen Asteroiden nach!"
Und was für ein großes Exemplar. "Konzentriert das Feuer auf diesen Brocken! Ich will nicht, dass der Kontakt mit uns aufnimmt", befahl der Commander und merkte, wie sein Herzschlag sich beschleunigte. "Und nutzt dazu auch unsere Torpedos."
Das konnte in diesem Umfeld den unangenehmen Nebeneffekt haben, dass Brocken oder andere Asteroiden auf die 'Fides' geschleudert werden würden - aber diese Einschläge zu überstehen, war wahrscheinlicher als die direkte Kollision mit diesem Brocken.
"Und wenn die Torpedos raus sind, dreht die 'Fides' um vier Grad. Unsere Flanken können mehr einstecken als unser Hangar und der Brückenaufbau. Bomber, erledigt eure Aufgabe."

Befehle wurden hastig eingetippt, während die Lasersalven auf den Asteroiden zuflogen, welcher schon fast zentral vor der Fregatte und damit in feuerbereit war. Es gab das etwas tiefere Summen, das das Abfeuern der Protonentorpedos begleitete. Es folgten Einschläge und die Positionskorrektur von Tovis Schiff.
Als sich das Sichtfeld etwas geklärt hatte, sah er, dass sein Befehl den Schaden wirklich abwenden hatte können; der Asteroid war zertrümmert und nur die wenigsten Teile trafen auf die Hülle oder Schilde des GSDs. Dafür ging das gegenseitige Beharken mit Lasern wieder von vorne los. Aber
Tovi war sich sicher, dass die NBF sich etwas weiter nach vorne bewegt hatte. Sie wollte fliehen.
"Richtet uns wieder so aus, dass wir maximale Breitseite geben können", befahl er deswegen. Hoffentlich würde sein Plan bald greifen...

Und tatsächlich! Wenig später schoss die NBF nach vorne und wollte aus dem Asteroidenfeld heraus. Doch dieser kleine Triumph wollte
Tovi nicht schmecken. Denn er sah hinter der Fregatte die Marauder Corvette von Gargatosh. Und er war Realist genug, um zu wissen, dass seine Falle nicht durch seine Taktik mit den angreifenden Bombern ausgelöst wurde, sondern durch die Unterstützung des Nicht-Menschen. Das war für das unsichere strategische Ego des Commanders ein Dämpfer.
Aber sich ärgern und neiden konnte er nach der Schlacht immer noch. Stattdessen gab er das Commando, welches er in seinem Kopf schon vor Minuten vorbereitet hatte:

"Alle Energie aus unserem Antrieb und den Navigationsdüsen in unsere Waffensysteme umleiten. Und volle Breitseite auf den Mittelsteg! Feuer!"

Zeitgleich preschte die Piratenfregatte an dem GSD vorbei - ebenfalls feuernd - und eröffnete die 'Fides' ihr Turbolaserfeuer gezielt auf die Schwachstelle der Nebulon-B. Und tatsächlich: Kurz darauf war dieser Beschuss selbst für die modifizierten Schilde des Feindes zuviel. In einer großen und bunten Explosion brach die Fregatte auseinander.
"Yes!", Tovi ballte seine Faust vor Freude und Siegesgefühl, welches sich jetzt doch einstellte, und stieß sie kurz in die Luft. Aber als er merkte, dass das Feuern seines Schiffes nachließ, packte ihn nochmal der altbekannte kalte Zorn. "Feuer halten", befahl er streng und ließ es erst einstellen, als sowohl der Kopf als auch das Heckteil der Fregatte ebenfalls zersprengt waren.
Dies verschaffte ihm oberflächliche Befriedigung.

"Commander, was sollen wir mit den Rettungskapseln der Piraten machen? Es haben sich in den letzten Sekunden einige von der Fregatte entfernt."
Tovi zwang sich, ruhig zu atmen. Er war kein Warlord, sondern Offizier des Galaktischen Imperiums. Und so befahl er: "Sammelt die Rettungskapseln auf, die nicht weit genug gekommen sind und nehmt die Insassen gefangen. Aber allen Piraten, die wir noch in kampffähigen Gefährten finden, werden wir keine Gnade gewähren."

Die Schlacht war vorbei. Sie hatten gesiegt. Und da Gargatosh zu ihnen gestoßen war, vermutete Tovi, dass auch im Inneren des Asteroidenfeldes bei der Hauptbasis der Piraten alles nach Plan gelaufen war. Und bei eben jenem Lieutenant-Commander würde er sich noch bedanken - aber erst, wenn auch die letzten Geplänkel geklärt wären.

Einsatzstatus der 'Fides':

Schilde: 37%
Hülle: 79%
Geschütze: 89%
Protonentorpedowerfer: Front 11/20, Heck 20/20
Jägereskorte: Staffel 1 11/12 TIE/ln, Staffel 2 10/12 TIE/ln, Staffel 3 11/12 TIE/ln, Staffel 4 11/12 TIE/ln
Truppenmoral: Hoch


[Innerer Rand / Weltraum (neutral) / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / GSD 'Fides' / Brücke] - mit Commander Dur Tovi, Brückenkrew und anderen NSCs

 
~ Weltraum ~ Eulysia ~ irgendwo zwischen den Sternen ~ allein ~


Der Mond hatte keinen Namen. Zumindest keinen, den Steven sich gemerkt hatte.

Irgendwo in den offiziellen Berichten der Neuen Republik würde zweifellos eine korrekte astronomische und Bezeichnung stehen, vermutlich bestehend aus dem Namen des Planeten, einer Zahl und einem Buchstaben. Steven hatte sie während der vergangenen sechs Tage sicherlich mehrmals gelesen. Trotzdem war ihm lediglich im Gedächtnis geblieben, dass der Mond grau war, über eine dünne Atmosphäre verfügte und knapp vier Millionen Einwohner beherbergte, von denen ein erstaunlich großer Teil offenbar davon lebte, eine bläulich schimmernde Algenart zu züchten. Vielleicht hatte der Mond auch irgendeinen zivilen Namen, der für seine Bewohner von großer Bedeutung war. Für Steven war er es nicht, denn diese Mission war weder von großer Wichtigkeit für das Schicksal der Galaxie noch für ihn persönlich. Selbstverständlich hatte er den Auftrag, den er direkt vom Orden erhalten hat, mit großer Gewissenhaftigkeit ausgeführt und auch die Bevölkerung war dankbar über die Hilfe der Jedi, doch irgendetwas fehlte ihm. Er hatte den Bewohnern geholfen, war selbstlos in seinen Handlungen, war bescheiden und bedacht vorgegangen, hatte etwas Gutes getan und doch..

Der Baron blickte aus dem Fenster seiner Suite und konnte gerade noch das bläuliche Schimmern der Algen vor dem dunklen Nichts des Alls erkennen. Und diese Algen hatten dort unten beinahe einen bewaffneten Konflikt ausgelöst. Der adlige Jedi-Ritter seufzte. Sechs Tage.

Sechs Tage hatte er gebraucht, um zwei örtliche Verwaltungsbezirke davon zu überzeugen, dass es keine besonders kluge Idee war, wegen der Nutzungsrechte an drei unterirdischen Wasserreservoirs aufeinander zu schießen. Dabei war die Angelegenheit ursprünglich nicht einmal als Krise eingestuft worden. Eine diplomatische Hilfsmission, hatte es geheißen. Ein örtlicher Streit, für den ein Vertreter der Jedi aufgrund seiner Neutralität hilfreich sein könnte. Natürlich. Am zweiten Tag hatte jemand einen Sprengsatz unter dem Gleiter des stellvertretenden Verwaltungspräfekten gefunden. Am dritten waren neu-republikanische Vermittler beschuldigt worden, die Gegenseite zu bevorzugen. Am vierten hatte Steven beinahe fünf Stunden in einem fensterlosen Konferenzraum verbracht und zwei Männern dabei zugehört, wie sie darüber stritten, wem ein Wasserrohr gehörte, das seit einhundertachtundzwanzig Jahren und zwölf Wochen nicht mehr benutzt wurde. Danach hatte er ernsthaft darüber nachgedacht, den Sprengsatz als den angenehmeren Teil seiner Mission einzustufen. Immerhin war niemand gestorben. Das war die Hauptsache.

Steven ließ den Kopf gegen die Lehne seines Sessels sinken und schloss für einen Augenblick die Augen. Seine rechte Hand lag locker auf der Armlehne, daneben, im Getränkehalter, ein Glas mit edlem cirresischen Wein. Das langgezogene Leuchten der Sterne, während die Yacht durch in Hyperraum glitt erleuchtete kurz seine Suite. Hinter der geschlossenen Tür seines privaten Bereichs bekam er vom eigentlichen Schiffsbetrieb wenig mit. Pilot und Co-Pilot befanden sich im Cockpit, während die beiden übrigen Besatzungsmitglieder irgendwo zwischen Kommunikationsstation, Maschinenraum und den übrigen Bereichen des Schiffes ihren Aufgaben nachgingen. Nur das gelegentliche melodische Pfeifen eines der R2-Droiden drang durch den Korridor. Fast schon meditativ säuselte die Hintergrundmusik aus den Lautsprechern der Suite. Er hätte es ausschalten können, doch hier war gerade sowieso nichts los.

Und nun blieb ihm nur noch Zeit zum Nachdenken. Das war wesentlich gefährlicher. als die sechs Tage auf dem Algen-Mond.
Tenia. Ihr Name war sofort da. Steven öffnete wieder die Augen.

Die Hinreise und die Mission. Es waren einige Tage vergangen, seit Ketaris.
Seit Ketaris hatte er nichts mehr von ihr gehört. Keine Nachricht. Kein Hologespräch. Nicht einmal irgendeine belanglose dienstliche Mitteilung, die ihm einen halbwegs vernünftigen Grund gegeben hätte, ihren Namen auf seinem Kommunikator aufzurufen. Steven hatte ihr ebenfalls nicht geschrieben. Anfangs hatte es dafür sogar gute Gründe gegeben. Seine Mission hatte ihn kurzfristig fortgerufen, danach waren andere Verpflichtungen gefolgt und
Tenia hatte zweifellos ihre eigenen Aufgaben gehabt, Brasso zum Beispiel. Aus vielen Stunden waren einige Tage geworden. Jedi waren vielbeschöftigt. Doch.. Irgendwann hatte Steven aufgehört, die verstreichende Zeit mit Pflichten zu erklären.

Er hätte sich melden können. Das war die unangenehme Wahrheit.

Mehr als einmal hatte er ihren Kontakt aufgerufen. Manchmal nach den stundenlangen Sitzungen auf dieser Mission während der Mittagspause, manchmal spät am Abend, wenn es plötzlich keinen Bericht mehr zu lesen und niemanden mehr zu überzeugen gab. Einmal hatte er sogar eine Nachricht angefangen. Drei Sätze. Den ersten hatte er zweimal umgeschrieben, den zweiten für vollkommen belanglos befunden und beim dritten festgestellt, dass er überhaupt nicht wusste, worauf er eigentlich hinauswollte. Den Abschiedsgruß (oder war es viel mehr ein Wiedersehensversprechen) hatte er geschrieben.

Danach hatte er alles gelöscht. Steven verzog den Mund.


„Lächerlich.“

Die Eulysia widersprach ihm nicht. Das Schiff besaß in dieser Hinsicht eine bemerkenswerte Qualität.

Er erhob sich aus dem Sessel und ging einige Schritte durch die Suite. Die Yacht war für ein Schiff ihrer Größe großzügig gebaut worden, ohne dabei den Charakter einer fliegenden Residenz anzunehmen. Sein Vater hätte vermutlich genau diesen Ausdruck verwendet. Angemessen für den Erben von Cirrus. Repräsentativ, aber nicht protzig. Edle Hölzer, helle Verkleidungen und jene kleinen goldenen Verzierungen, auf die offenbar kein cirresischer Schiffsbauer verzichten konnte, sobald ein Mitglied des Hochadels den Auftrag erteilte. Steven mochte das Schiff.


„Verzeiht, Baron Crant?“

Steven zuckte zusammen. Er drehte den Kopf. In der geöffneten Tür zum Salon stand der Protokolldroide der Eulysia. Seine metallenen Hände lagen ordentlich vor dem Körper, der Kopf leicht zur Seite geneigt. Steven sah ihn einige Sekunden an. Der Droide blieb stehen. Steven hob eine Augenbraue.

„Ist etwas?" Steven klang genervter als er eigentlich wollte. Der Droide tat ihm fast schon für einen kurzen Moment leid.

„In der Tat. Ich sollte Euch darüber informieren, dass der Flug weiterhin planmäßig verläuft. Der Pilot erwartet den Austritt aus dem Hyperraum in ungefähr siebenundvierzig Minuten.“

„Danke.“


„Sehr gerne.“

Der Droide bewegte sich noch immer nicht. Steven wartete. Der Droide ebenfalls.

„Uuuund?“

„Ich habe außerdem die vom herzoglichen Hof übermittelten Änderungen an den Schiffsprotokollen erhalten.“

Natürlich. Steven schloss für einen kurzen Augenblick die Augen und atmete tief ein.

„Die Umbenennung.“

„Korrekt. Die Eulysia wird mit Wirkung der nächsten offiziellen Registrierung den Namen Stern von Cirrus tragen.“

Der Droide sprach den neuen Namen mit einer Feierlichkeit aus, als hätte er gerade die Krönung eines neuen Monarchen verkündet. Steven blickte ihn skeptisch an. Nun tat er ihm nicht mehr leid. Gar nicht. Provokant blickte der Baron den Blechmann an.

„Gefällt dir der Name?“

„Meine persönliche Einschätzung ist in dieser Angelegenheit nicht von Bedeutung, Sir.“

„Das habe ich auch nicht gefragt.“

Eine kurze Pause entstand.

„Der Name Stern von Cirrus weist eine deutlich erkennbare Verbindung zum Herzogtum Cirrus und dessen Herrscherhaus auf. Unter repräsentativen Gesichtspunkten erscheint mir die Änderung daher außerordentlich zweckmäßig. Die Umbenennung erfolgt unter den Gesichtspunkten einer..“

Steven nickte langsam und verzog die Lippen.

„Natürlich gefällt er dir.“

„Sir, ich habe nicht gesagt, dass..“

„Danke. Das war alles“

Der Droide verstummte. Steven deutete zur Tür.

„Selbstverständlich, Baron Crant.“

Mit einer kleinen steifen Verbeugung verließ der Protokolldroide den Salon. Die Tür glitt hinter ihm zu. Steven wartete zwei Sekunden.

„Stern von Cirrus.“

Er ließ den Namen im Raum stehen. Nein. Beim dritten Mal wurde er auch nicht besser. Das Grübeln brachte ihn nicht weiter, im Gegenteil, es brachte einen neuen und ungewohnten Namen für sein Schiff.

Steven erhob sich und trat wieder vor das Sichtfenster. Sein schwaches Spiegelbild blickte ihm entgegen, dahinter zog der Hyperraum vorbei. Der Grund für den neuen Namen war nachvollziehbar. Seit seiner Ernennung zum Baron und offiziellen Erben des Herzogtums war die Yacht längst nicht mehr nur Stevens privates Schiff. In den vergangenen Jahren hatte er sie bei diplomatischen Reisen, offiziellen Empfängen und republikanischen Missionen genutzt. Bilder der Eulysia waren in den Nachrichten erschienen, auf Cirrus ebenso wie außerhalb des Herzogtums. Irgendein Mitglied des Hofstabes hatte daraufhin festgestellt, dass kaum jemand das Schiff mit Cirrus verband. Offenbar war das ein Problem, jetzt mehr denn je. Sein Vater hatte nun daraus eine Frage der Repräsentation gemacht. Wenn der zukünftige Herzog mit einem Schiff durch die Galaxis reiste, sollte jeder bereits am Namen erkennen, wen es repräsentierte. Gerade jetzt, wo die politische Lage instabiler wurde, sollte das Haus Crant sichtbar sein. Cirrus sollte sichtbar sein. Und der vom Herzog verhasst Jedi-Orden würde in diesem Zusammenhang auch eine kleine Abreibung erhalten: Ein adliger Jedi, der als Erbe eines Planeten mit einem offiziellen Schiff zu Missionen der Jedi und der Neuen Republik reist.

Die Umbenennung war ohnehin nur ein Symptom für etwas Größeres.
Seit der Imperator ausgeschaltet worden war, hatte sich für einen kurzen Moment etwas angefühlt, als könnte die Galaxis tatsächlich ruhiger werden. Ein ausgesprochen kurzer Moment.

Das Imperium war nicht zusammengebrochen. Es hatte lediglich einen neuen und schöneren Kopf bekommen. Eine Imperatorin.

Steven kannte die Berichte, die Nachrichten und das Flüstern bereits. Er kannte auch die Einschätzungen republikanischer Diplomaten und die deutlich weniger zurückhaltenden Analysen, die sein Vater ihm aus Cirrus hatte zukommen lassen. Ein Wechsel an der Spitze eines Imperiums bedeutete nicht automatisch Frieden. Im Gegenteil. Eine neue Herrscherin musste ihre Stellung festigen, Loyalitäten sichern und all jenen beweisen, die an ihrer Stärke zweifelten, dass dieser Zweifel unangebracht war. Cirrus lag an der Grenze zum Imperium und das kleine Herzogtum war bisher stolz auf seine Neutralität. Die Republik und das Imperium hingegen nicht. Jede Seite beobachtete nun jede Bewegung. Aufrüstung, Grenzzwischenfälle und Provokationen, Diplomatische Vertreter, die in öffentlichen Erklärungen Frieden beschworen und hinter verschlossenen Türen bereits darüber diskutierten, welche Systeme im Kriegsfall zuerst fallen würden.

Steven mochte Diplomatie. Aber er war nicht naiv genug, um jedes diplomatische Wort für bare Münze zu nehmen. Der Krieg würde kommen. Vielleicht nicht morgen. Vielleicht nicht einmal in einigen Monaten. Doch Neue Republik und Imperium standen einander gegenüber wie zwei Männer, die behaupteten, keinen Streit zu wollen, während beide bereits eine Hand am Blaster hielten. Dazwishcen standen die neutralen Systeme. Irgendwann würde einer ziehen.

Steven atmete langsam aus.

Und ausgerechnet jetzt dachte er wieder an
Tenia. Eigentlich war das falsch formuliert. Er dachte nicht wieder an sie. Dafür hätte er irgendwann damit aufhören müssen. Sie war nie vollkommen aus seinen Gedanken verschwunden. Manchmal nur als etwas Fernes, das irgendwo am Rand seines Bewusstseins lag. Dann genügte eine Nullianerin in einer Menschenmenge. Eine Bemerkung über Ketaris, Thyferra oder einen anderen Ort den sie zusammen besuchten. Ein bestimmter Tonfall. Oder jemand sprach über Dinge, die komplizierter waren, als sie eigentlich sein sollten. Dann war sie wieder präsent. Nicht Tenia selbst. Nur diese Gefühle. Und Steven wusste nicht einmal, ob das umgekehrt genauso war.

Was auch immer dieses sie und er inzwischen überhaupt bedeutete. Das war eine Frage, die er erfolgreich vermieden hatte. Auf Ketaris hatte er beinahe etwas ausgesprochen, das sich nicht wieder hätte zurücknehmen lassen. Er erinnerte sich noch gut daran, wie nahe
Tenia ihm gestanden hatte. An ihren Blick. An die wenigen Zentimeter zwischen ihnen und an den vollkommen absurden Gedanken, dass drei Worte schwieriger auszusprechen waren als jede Rede, die er jemals vor einem Senatsausschuss gehalten hatte. Er hatte nicht gesagt. Rückblickend hatte er vermutlich nicht einmal etwas von großer Bedeutung gesagt. Der Baron konnte vor großen Menschenmengen reden, sich in diplomatische Wortgefecht schmeißen, mit Sith debattieren und die Klingen kreuzen. Doch diese eine Nullianerin brachte ihn gleichzeitig aus dem Gleichgewicht und gleichzeitig gab sie ihm einen der wenigen sicheren Häfen in dieser turbulenten Galaxis.

Er hatte ihr gesagt, dass er hoffte, sie bald wiederzusehen. Steven verzog leicht das Gesicht.
Bald. Ein bemerkenswert dehnbares Wort doch damals hatte er es ernst gemeint. Vielleicht machte genau das die Sache heute schlimmer. Er hatte
Tenia nicht belogen und ihr nichts versprochen, das er nicht halten konnte. Trotzdem war er gegangen und danach hatte keiner von ihnen den ersten Schritt gemacht.

Tenia hatte ihm von Jafan erzählt. Davon, wie sie als junges Mädchen geglaubt hatte, einen Mann durch Nähe zum Bleiben bewegen zu können. Davon, dass dieser Mann ihr versprochen hatte zu bleiben und am nächsten Morgen verschwunden war. Und Steven? Steven war wenige Stunden später ebenfalls verschwunden. Wegen eines Befehls, gewiss. Aber verschwunden war verschwunden. Vielleicht war genau das der Grund gewesen, weshalb er ihr kein Versprechen gegeben hatte. Keine großen Worte. Kein warte auf mich. Kein wenn ich zurück bin. Er hatte nicht gewusst, wann er zurückkehren würde und was seine Mission mit sich brachte. Also hatte er ihr nur gesagt, was wahr gewesen war.

Dass er hoffte, sie bald wiederzusehen.

Danach war Stille gekommen. Keine dramatische Entscheidung. Kein Streit. Keiner von ihnen hatte dem anderen erklärt, dass es besser wäre, getrennte Wege zu gehen. Es war einfach nichts passiert. Und vielleicht machte gerade das Steven inzwischen so unruhig. Bei einem Streit wusste man wenigstens, woran man war. Stille ließ zu viel Raum für Vermutungen. Vielleicht hatte die Nullianerin Abstand gewollt. Vielleicht hatte sie nach Ketaris festgestellt, dass der Kuss auf ihre Stirn für Steven mehr bedeutet hatte als für sie. Vielleicht wartete sie darauf, dass er sich meldete. Vielleicht wartete sie überhaupt nicht?

Wieder kam ihm diese Ironie der Macht in den Sinn: Er konnte diplomatische Verhandlungen zwischen Wesen führen, die einander wenige Tage zuvor noch hatten erschießen wollen. Aber eine Nachricht an
Tenia Lumiran zu schreiben erschien ihm plötzlich unangemessen kompliziert. Nahezu unmöglich. Ein leiser Signalton erklang aus dem in die Wand eingelassenen Kommunikationsterminal. Fast gleichzeitig leuchtete eine kleine Anzeige auf.

„Baron Crant?“

Die Stimme eines seiner Besatzungsmitglieder erklang über die interne Kommunikation. Steven wandte sich halb vom Fenster ab.

„Ja?“

„Wir empfangen bereits erste Datenpakete über das nächste Relais. Nichts mit Dringlichkeitskennzeichnung. Eure Rückkehrmeldung können wir unmittelbar nach Verlassen des Hyperraums übertragen.“

„Tut das.“

„Verstanden.“

Die Verbindung endete. Keine Dringlichkeitskennzeichnung. Steven wusste nicht, wann ihn zwei derart bürokratische Worte zuletzt so zufrieden gemacht hatten. Vielleicht hatte er Glück. Vielleicht würde er einige Tage frei haben. Seine Hand wanderte fast automatisch zum Kommunikator. Tenias Kontakt war auch hier gespeichert. Steven betrachtete ihren Namen. Er wusste nicht einmal, wann er ihn zuletzt geöffnet hatte. Ein Teil von ihm fragte sich, ob es nach all der Zeit nicht seltsam wäre, einfach eine Verbindung aufzubauen. Als hätte es die vergangenen Tage nicht gegeben. Als könnte er dort weitermachen, wo er auf Ketaris aufgehört hatte. Das konnte er nicht. Oder doch?

Sein Finger schwebte über dem Kontaktfeld. Dann hielt er inne. Was wollte er eigentlich sagen?


Hallo Ini, ich bin wieder da. Wir haben seit Tagen kein Wort miteinander gewechselt, aber ich denke noch immer viel zu oft an dich. Meine Yacht bekommt einen schrecklichen Namen und möglicherweise bricht demnächst wieder ein galaxisweiter Krieg aus. Hast du Zeit für ein Date?

Steven musste gegen seinen Willen schmunzeln. Nein. Ganz sicher nicht. Ein dumpfes metallisches Geräusch erklang irgendwo im angrenzenden Korridor. Unmittelbar darauf folgte eine empörte Folge elektronischer Laute. Steven sah zur Tür. Das musste der R2 mit dem beschädigten Lautsprecher sein.

„Sehe ich genauso.“ ergänzte der Baron salopp

Ein weiterer elektronischer Laut folgte. Dann rollte der Droide weiter. Steven blickte wieder auf
Tenias Namen. Diesmal steckte er den Kommunikator nicht sofort weg. Vielleicht war genau das sein Problem gewesen. Er hatte auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Auf einen guten Grund. Auf irgendeinen äußeren Anlass, der ihm die Entscheidung abnahm. Den gab es nicht. Wenn er die Nullianerin wiedersehen wollte, musste irgendwann einer von ihnen die Stille brechen.

Steven deaktivierte das Display. Noch nicht. Aber diesmal bedeutete das nicht irgendwann.
Wenn die Eulysia den Hyperraum verlassen hatte. Wenn seine Mission offiziell beendet war. Wenn er wusste, ob der Orden ihn nicht unmittelbar wieder an irgendeinen anderen Rand der Galaxis schicken wollte. Dann würde er ihr schreiben. Nicht wegen eines Berichts. Nicht wegen irgendeiner Jedi-Angelegenheit. Und vor allem nicht unter einem Vorwand. Einfach, weil er sie wiedersehen wollte und weil er an sie dachte.

Der Gedanke fühlte sich überraschend ungewohnt an und beunruhigend ehrlich. Steven blieb noch einen Moment am Fenster stehen, ehe er sich schließlich vom Hyperraum abwandte. Hinter der Tür hörte er erneut Schritte. Irgendwo arbeitete einer der Droiden an etwas, und weit vorne im Schiff würden Pilot und Co-Pilot vermutlich bereits den bevorstehenden Austritt vorbereiten. Er fühlte in die Macht hinaus und konnte das Schiff spüren.

Die Eulysia lebte um ihn herum. Bald würde sie anders heißen. Die Galaxis veränderte sich ebenfalls.

Ein Imperator war verschwunden. Eine Imperatorin hatte seinen Platz eingenommen. Republik und Imperium bewegten sich wieder aufeinander zu und vermutlich würden schon bald Wesen sterben, die bei all den politischen Entscheidungen niemals gefragt worden waren. Sein Vater dachte bereits daran, wie Cirrus in dieser neuen Ordnung wahrgenommen wurde. Der Jedi-Orden dachte an seine Verantwortung.

Und Steven fragte sich nach Tagen des Schweigens, ob
Tenia sich freuen würde, seinen Namen auf ihrem Kommunikator zu sehen. Oder ob sie zögern würde, so wie er gerade. Er wusste nicht, ob das besonders jedihaft war genau jetzt solche banalen und egoistischen Gedanken zu haben. Im Augenblick war ihm das aber ziemlich egal. Sein Blick wanderte erneut zu dem deaktivierten Holoprojektor.

„Stern von Cirrus.“

Eine Pause.

„Naja.“

Diesmal bildete er sich zumindest ein, dass die Eulysia seiner Meinung war. Noch hieß sie schließlich so.


~ Weltraum ~ Eulysia ~ irgendwo zwischen den Sternen ~ allein ~



#8F8F8F #171717 #CFCFCF (INDENT)(/INDENT)
 
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Innerer Rand | Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin, vor der Piratenbasis | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Die Übernahme der Gefangenen war erfolgreich abgeschlossen worden, kurz nachdem ein Bote von außerhalb des Asteroidenfeldes den Sieg über die Piraten verkündet hatte. Die Schlacht war gewonnen, der Tag gerettet und Thade war mit der damit fälligen Nachbereitung beschäftigt, als er von seinem zweiten Offizier Lieutenant Shirho aus seinen Gedanken gerissen wurde. “Kommandant, ich habe eine dringende Meldung von Lieutenant Commander Murbau. Bei der Durchsicht der Kommunikationsprotokolle der Basis hat er Hinweise auf einen Angriff auf einen Konvoi ganz in der Nähe erhalten. Wenn die Zeitstempel stimmen, findet der Angriff bereits statt.” Der Chiss unterbrach sofort seine Schreibarbeiten. “Kommunikation, schicken Sie mir die Daten von Lieutenant Commander Murbau auf den Holotisch.” Mit geübten Blick brauchte Thade nicht lange, um Koordinaten, Zeitstempel und sonstige Informationen zu analysieren.

Die Schlussfolgerung ließ dann lange auf sich warten.
“Navigation, bringen Sie uns aus dem Asteroidenfeld, fliegen Sie mit 40 MGLT durch den Kanal.” Eine Geschwindigkeit, die ihre Risiken barg, doch die Zeit war aktuell nicht auf ihrer Seite. “Flugleitstand, unsere Jägereskorte soll an Bord kommen und auftanken.” Natürlich konnte die Huntress nicht ohne Rücksprache mit den sich auf der Piratenbasis befindlichen Truppen verschwinden. “Kommunikation, Meldung an Lieutenant Commander Murbau: Die Huntress wird den Piratenüberfall abfangen, ein Teil unserer Streitmacht wird aber zurückbleiben, um die Basis zu beschützen. Mehr Informationen folgen in Kürze.” Die Situation war nicht klar geregelt. Auch wenn der Chiss höher im Rang als Commander Tovi und Lieutenant Commander Gargatosh war, konnte Thade ihnen nicht einfach so befehlen, mit der Huntress in eine ungeplante Schlacht zu ziehen. Nun, irgendjemand musste ohnehin hier zurückbleiben, um die Basis für die Truuiner Verwaltung zu sichern.

Die Huntress hatte das Asteroidenfeld noch nicht einmal ganz verlassen, als
Thade genau diese Frage klären wollte. “Kommunikation, ich will eine Konferenzschaltung zur Fides und Reconquista Yevetha. Ich muss umgehend mit Commander Tovi und Lieutenant Commander Gargatosh sprechen. Navigation, beschleunigen Sie auf 60 MGLT sobald wir das Asteroidenfeld verlassen haben, ich will so schnell wie möglich einen Sprungvektor zu diesem Konvoi haben.” Es dauerte keine 5 Minuten, bis die Kommunikationsverbindung zur Fides und der Reconquista Yevetha stand. >>Meine Herren, ich habe nicht viel Zeit, denn Gefahr ist im Verzug. Auf der Piratenbasis haben wir Informationen über einen aktuell laufenden Angriff auf einen Konvoi gefunden, der von Partnern dieser Bande ausgeführt wird. Ich kann Ihnen nicht befehlen, mit der Huntress heute ein weiteres Mal in die Schlacht zu ziehen. Für Ihre Unterstützung wäre ich Ihnen aber dankbar.<<

Thade nahm mit innerer Zufriedenheit zur Kenntnis, dass weder Commander Tovi noch Lieutenant Commander Gargatosh lange brauchten, um ihre Zustimmung zu geben. >>Sehr gut, meine Herren. Hawke und Pursuer werden hier bleiben, um weiter die Basis zu beschützen. Ich übermittle Ihnen die prognostizierten Koordinaten des Konvois. Wir springen, sobald Sie Ihre Sprungberechnungen abgeschlossen und Ihre Jägereskorten wieder an Bord genommen haben.<< Einen kurzen Moment pausierte Thade, bevor er aussprach, was ihnen allen klar war, für das Protokoll aber dennoch festgehalten werden musste. >>Wir wissen nicht, was genau uns erwarten wird, also rechnen Sie mit dem schlimmsten. Wir werden aggressiv vorgehen, denn es ist besser, dass die Piraten auf uns schießen als dass sie sich des Konvois ermächtigen. Sollten wir den Feind überrumpeln können, wird er sich vielleicht ergeben, aber vernachlässigen Sie nicht die Sicherheit Ihres Schiffes. Wir befinden uns im Krieg mit der Republik und gerade jetzt mehr noch als zu Friedenszeiten ist die Sicherheit Ihrer Schiffe wichtiger als die Waren an Bord dieser Frachter. Wenn es nötig wird, haben Sie also meine ausdrückliche Empfehlung, sich zurückzuziehen.<< Nach einem bestätigenden Nicken schaltete Thade die Funkverbindung ab und schloss die Augen, um sich für das kommende Gefecht zu sammeln.

In einer langsamen, kontrollierten Bewegung nahm der Chiss sein Headset ab und hängte es zurück an den Holotisch.
Lieutenant Shirho, versetzen Sie das Schiff in Kampfbereitschaft.” Der junge Offizier reagierte nach kurzem Zögern, aber dann mit Entschlossenheit. “Verstanden Kommandant. An alle Stationen: Kampfbereitschaft herstellen!” Alarmsirenen begannen zu plärren und erst jetzt öffnete Thade wieder die Augen. Wenige Minuten später sprang die Huntress zusammen mit der Fides und der Reconquista Yevetha in den Hyperraum, nur um diesen keine 5 Minuten später wieder zu verlassen. “Kommandant, wir sind im Ziel. Sprungaustrittabweichung beträgt weniger als 150 Meter.” Lieutenant Shirho stand an der Navigationsstation, um die genannten Daten abzurufen und ging dann weiter zur Sensorikstation, um Lieutenant Darwal bei der Lageanlayse zu helfen. “Gute Arbeit, Lieutenant. Flugleitstation: Schleusen Sie unsere Jäger aus.”

Der Holotisch vor Thade begann sich sofort mit immer mehr Sensorechos zu füllen. Der Konvoi war da, wo sie ihn erwartet hatten und die Piraten waren offensichtlich dabei, ihre Beute zu sichern. Eine Vielzahl von kleinen Signalen umgab die Frachter wie eine Horde von blutsaugenden Insekten, drei größere Signale stachen aber heraus, die Thade umgehend als Primärziele markierte. Alpha und Beta schienen zwei Marauder-Klasse Korvetten zu sein, während Ziel Gamma offenbar ein leichter Kreuzer der Carrack-Klasse war. “Navigation, beschleunigen Sie auf 60 MGLT und halten auf Ziel Beta zu.” Für den Chiss war nun die Stunde für entschlossenes Vorgehen geschlagen und tatsächlich war diese Art von Gefecht viel besser für einen Arquitens-546 Kreuzer geeignet als noch der Angriff auf die Piratenbasis. “Kommunikation, Meldung an Fides und Reconquista Yevetha: Sie sollen sich ihre Ziele selbst auswählen. Priorität hat der Schutz des Konvois. Senden Sie anschließend unverschlüsselt auf allen Frequenzen, meine folgenden Worte.”

Thade setzte sich erneut sein Headset auf und nachdem Lieutenant Farmel ihre Bereitschaft signalisiert hatte, sprach der Chiss gefasst mit einer ruhigen Stimme, als würde er den Wetterbericht der letzten Woche verkünden. >>Hier spricht Captain Thade Skywalker von der Imperialen Flotte: Stellen Sie Ihre Kampfhandlungen ein, schalten Ihre Reaktoren in den Ruhemodus und warten ab, geentert zu werden. Dies ist Ihre erste und einzige Warnung. Jeglicher Widerstand wird mit maximaler Gewalt beantwortet werden.<< Thade ließ nach diesen Worten Lieutenant Farmel umgehend die Funktverbindung trennen und wartete nicht auf eine Antwort der Piraten ab. Stattdessen wandte er sich an Lieutenant Plocatt. “Feuerleitstation, nehmen Sie mit unseren Hauptgeschützen Ziel Beta und Gamma unter Feuer. Die Sekundärgeschütze sollen sich auf Defensivfeuer vorbereiten, erwarten Sie sowohl feindliche Raumjäger als auch Raketenbeschuss.” Thade gab Lieutenant Plocatt einen Moment, um die Befehle an die Geschützmannshaften durchzugeben, bevor er weitersprach. “Erfassen Sie mit unseren Raketenwerfern Ziel Alpha. Geben Sie drei Salven aus allen Werfen ab, sobald Sie das Ziel erfasst haben.” Unter den meisten Umständen wäre es undenkbar gewesen, so sehr die Feuerkraft der Huntress auf verschiedene Ziele zu verteilen. Jetzt gerade aber war es Thade wichtig, so viel Aufmerksamkeit auf die Huntress zu lenken, wie nur irgendwie möglich.

Innerer Rand | Handelsweg nahe Gyndine und Fabrin | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Huntress, Arquitens 546: Hülle: 95 % Schilde: 100% Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 9/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
[ Innerer Rand / Cicarpous-Sektor / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / MAR Reconquista Yevetha / Deck 1 / Brücke ] Baran, sowie Brücken-NPCs

„Feuer einstellen“, befahl Baran, als die feindliche NBF endlich auseinanderbrach. Die Fregatte war keine Gefahr mehr. Ihre Besatzung bestand nicht aus Yevethanern, die auf einem sinkenden Floß auf dem offenen Meer noch gefährlich gewesen wären.

Commander Tovi sah das offenbar anders.

Auch als die Geschütze der Reconquista Yevetha verstummten, feuerte die Fides weiter. Vernichtete die beiden losgelösten Bruchstücke des Piratenschiffes, bis Baran sicher war, dass alle, die sich nicht auf Rettungskapseln gerettet hatten, getötet worden waren. Es war ein grausames Schauspiel, das ihm viel über seinen ranghöheren Kollegen verriet.

Mit vor der Brust verschränkten Armen sah er den etwas unsicheren jungen Mann nun in neuem Licht. Hier war jemand, der sich nicht darum scherte einen geschlagenen Feind in Gewahrsam zu nehmen und zu befragen, um ihn schließlich der Gerichtsbarkeit zuzuführen.

Es mochte kein Indiz dafür gegeben haben, dass die NBF-Gefangene, oder gar Geiseln geladen hatte. Baran hatte jedoch lange genug einem Schiff gedient, um zu wissen, wie dumm Zufälle und wie unglücklich Umstände sein konnten.

Natürlich würde er einen höherrangigen Offizier nicht kritisieren. Nicht direkt und auch nicht durch unbedachte Worte auf seiner eigenen Brücke. Stattdessen schaute er dem Schauspiel einfach nur zu und dachte sich seinen Teil dabei.

Auf das Ende der Schlacht folgte eine überraschende Anfrage zur Videokonferenz durch Captain Skywalker. Mit einer Handbewegung in Richtung Ensign Ryun gab Baran dem statt und kurz darauf baute sich das blau leuchtende Konterfei des Kommandanten der Huntress über dem Holotisch auf.


„Die Reconquista hat keine Schäden davongetragen. Ich bin bereit, eine weitere Schlacht zu schlagen, wenn Sie es sind, Sir“, antwortete Baran auf die Anfrage Skywalkers. Offenbar hatten seine Leute auf der geenterten Basis Informationen über einen laufenden Piratenangriff gefunden.

Auch Tovi stimmte zu und Skywalker begann seine Philosophie für den kommenden Angriff zu erklären. Sie wussten nicht, was sie erwartete, aber lieber sollte der Feind auf sie schießen als auf die Frachter. Trotzdem sollten sie am Ende des Tages das Überleben der eigenen Schiffe über alles andere ziehen.

Baran nickte. Das waren klare Parameter wie er sie schätzte.


„Lieutenant Evans, versetzen Sie das Schiff in Kampfbereitschaft“, befahl er, als die Holoschalte geendet hatte und fügte dann mit blick auf seinen Nav-Offizier hinzu: „Ensign Rifai, koordinieren Sie Ziel und Sprungformation mit Ihren Kollegen auf Fides und Huntress.“

Die wenigen Minuten im Hyperraum nutzte Baran für einen kurzen Gang zur Nasszelle und um sich einen frischen Becher Kaf abzufüllen. Als die Reconquista aus dem Hyperraum fiel, war er schon lange wieder auf seinem Posten.

Der Feind entpuppte sich als drei Hauptgegner, sowie was auch immer sie an kleinerem Kroppzeug dabeihatten. Die Huntress markierte die beiden Marauderkorvetten als Ziele Alpha und Beta, der Carrack-Kreuzer erhielt die Bezeichnung Gamma. Interessante Aufstellung, das konnte durchaus spannend werden, war jedoch kein offensichtliches Selbstmordkommando für den imperialen Verband.


„Starten Sie unsere Jägerstaffel.“

Während die Reconquista beschleunigte, um mit der Huntress Schritt zu halten, musterte Baran Position und Aufstellung des Feindes, sowie der Schiffe, die sie beschützen wollten. Der Konvoi, bestehend aus drei Imperial Cargo Ships, drängte sich dicht an dicht unter der Bedrängnis durch kleinere Schiffe zusammen. Der eskortierende Tartan Patrouillen-Kreuzer hatte schon bessere Tage gesehen und war von den Piraten wohl als erstes ausgeschaltet worden.

„Sir, Mitteilung von der Huntress: Freie Zielwahl“, teilte Ensign Ryun mit und Baran nickte.

Captain Skywalker übermittelte ebenfalls eine Aufforderung an den Feind sich zu ergeben, wartete jedoch gar nicht erst eine Antwort ab. Die Huntress eröffnete das Feuer – gleich auf alle drei Feindschiffe gleichzeitig. Der Mann wollte wohl eine Nachricht senden.


„Lieutenant Evans, Feuer auf Ziel Gamma konzentrieren. Ensign Rifai, halten Sie sich an die Huntress, solange Sie uns nicht davonläuft“, befahl Baran als seinen ersten Schachzug. Wollte er doch sehen, ob er nicht Skywalker helfen konnte dem wendigen Bastard direkt eine blutige Nase zu verpassen.

„Sir, Holoübertragung der Piraten!“, meldete sich plötzlich Ensign Ryun, Barans COMMO, zu Wort.

„Wollen wir doch sehen was die zu sagen haben“, antwortete Baran und bedeutete dem Menschen die Nachricht durchzustellen.

Das blau leuchtende Abbild eines
grüngeschuppten Aliens erschien klein neben der taktischen Holodisplay. Die Kreatur hatte sich ein Halstuch um das Gesicht gewickelt – wohl um nicht erkannt zu werden – doch fragte Baran sich wie viele großgeratene Echsen mit peitschendem Schwanz an Bord von Piratenschiffen wiederfanden.

„Grüsse, Captain Sade Skywalker von der Imperialen Flotte! Wie unhöflich hier einfach so herreinsuplatsen! Kehren Sie unversüglich um, oder ich sstanze Ihrem Kollegen hier ein paar Ekstralöcher in den Ssädel!“

Wer auch immer die Holokamera hielt, senkte sie ab, offenbarte, den vor dem Piratencaptain knieenden, imperialen Offizier. Die Abzeichen auf seiner Brust wiesen ihn als Lieutenant Commander aus, Baran tippte, dass es sich bei ihm um den Kommandanten des ausgeschalteten TPC handelte. Beim Anblick der Szene ballte er seine Fäuste und biss die Zähne zusammen.

Was für ein Abschaum, der durch solche billigen Tricks versuchte um eine ehrliche Raumschlacht drumherumzukommen!


[ Innerer Rand / Cicarpous-Sektor / Nanth'ri Route zwischen Gyndine und Fabrin / MAR Reconquista Yevetha / Deck 1 / Brücke ] Baran, sowie Brücken-NPCs

MAR "Reconquista Yevetha"
Kommando: Baran Gargatosh

[MAR] „Reconquista Yevetha“ [Schilde: 100% | Hülle: 100%]
[Ziel: NBF "Besh" | Schäden: - | Zusätzliches: -]
Truppenmoral: Beständig

Staffel "3-1-ResWid" TIE/in [12/12 Maschinen] [Gestartet, Auftrag: Jägerschirm]
 
[Innerer Rand / Weltraum (neutral) / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / GSD 'Fides' / Brücke] - mit Commander Dur Tovi, Brückenkrew und anderen NSCs

Ja, nach der ersten Euphorie setzte sich die Gewissheit des Sieges in Commander Tovi. Aber auch das Bewusstsein, dass auch seine Mannschaft Verluste hatte einstecken müssen. Verdammte Piraten! Hatten wieder guten Imperialen Bürgern das Leben gekostet.
"Ich bin in meinem Büro. Die Schlacht analysieren. Und die Dokumente fertig machen. Ich bin stolz auf euch, gute Arbeit. Und ihr dürft auch stolz auf euch sein."

Damit verabschiedete sich der Commander von der Brücke und durchquerte schnell die wenigen Meter zu seinem persönlichen Büro. Er wollte gerade die Aufzeichnungen zur Schlacht, sowie die Gefallenen- und Schadensliste aufrufen, da wurde er schon von Captain Tade Skywalker kontaktiert.
Es gab Ärger. Wie es aussah, hatten sie nicht alle Piraten ausgeräuchert - manche waren nicht hier gewesen, sondern gerade dabei, einen Konvoi des Imperiums zu überfallen.
"Mistkerle", murmelte der Kuati tonlos. Der ranghöhere Kommandant ohne direkte Befehlsgewalt über ihn und Gargatosh bat um Mithilfe bei dieser dringend anstehenden Rettungsmission.
Tovi überlegte nicht lange - ihm war durchaus bewusst, dass die 'Fides' nicht in Bestfassung und viele Truppen und Offiziere schon erschöpft waren. Aber sie waren kampftauglich und hatten einen Eid geschworen.
"Captain Skywalker, allein die Ehre gebietet es schon, Ihnen zur Seite zu stehen. Für das Imperium", nahm er salutierend die Befehle an.
Nach dem Gespräch öffnete er direkt eine Verbindung zu seinem Sturmtruppen-Kommandanten:
"Major. Wir werden noch anderswo gebraucht. Erholt euch gut und danke für eure Arbeit. Sichert weiterhin die hiesige Basis. Wir sollten bald wieder zurück sein."

Nach der Bestätigung des Befehls ging der Commander schnellen Schrittes wieder auf die Brücke und verkündete die neuen Befehle. Seine Brückenkrew brach nicht gerade in Begeisterung aus - aber die meisten teilten Tovis Pflichtgefühl und leiteten den nächsten Hyperraumsprung ein, sobald die Geschwader wieder alle an Bord waren.
Diese wurden aufgetankt und wenn nötig notdürftig geflickt. Der Commander ließ die Staffelführer ihre Staffeln neu anordnen und auffüllen. Die frischesten Piloten würden nun zuerst fliegen und die anderen erstmal als Reserve herhalten.

Wenig später fiel die 'Fides' aus dem Hyperraum - direkt in den Überfall. Und es war kein kleiner. Begleit- und Raubschiffe waren schon an dem Konvoi zugange, dessen Eskorte fast restlos aufgerieben war.
Auf dem kurzen Flug hierhin hatte sich
Tovi nochmal die Strategie Skywalkers eingeprägt. Es galt, den Konvoi zu schützen, die Piraten abzulenken und zu besiegen. Mit vielem, was möglich war, aber nicht auf Kosten ihrer Schlachtschiffe. Ein guter Plan - in der Umsetzung anspruchsvoll.
Zeitgleich mit der 'Huntress' gab der Schiffskommandant den Befehl, zu feuern.

"Konzentriert euch auf Skywalkers Gamma-Ziel!"

Wenn man direkt zu Beginn schnell und effektiv den schwächsten Teil der gegnerischen Gruppe ausschaltete, wurden die Feinde im Normalfall demoralisiert - abgesehen davon konnte es nicht schaden, das Kräfteverhältnis der Kampfschiffe von 3v3 zu 3v2 zu korrigieren.
Parallel starteten die ersten beiden Geschwader der 'Fides', um es mit den Jägern der Piraten aufzunehmen und das Schiff vor Bombern abzuschirmen.


"Navigation, bringt uns mit Gefechtsgeschwindigkeit zwischen die Cargo-Transporter und die Feindkampfschiffe."
"Sir? Dann fliegen wir kurzzeitig potentiell durch eine Breitseite...", wurde erwidert. Tovi seufzte.
"Ja. Aber wir können viele Schläge einstecken und auch gut austeilen. Ich will nicht, dass der Abschaum in Verzweiflung unsere zivilen Jungs und Mädels tötet. Also: Der Befehl steht."

Während die 'Fides' also auf den Carrack-Kreuzer feuerte, den Raum durchglitt und selbst erste Treffer einstecken musste, sandten die Piraten eine Nachricht an alle Imperialen. Wahrscheinlich keine Kapitulation.
Die Nachricht begann... und
Tovi befahl mit bebender Stimme: "Feuer einstellen... aber bringt uns in die Abschirmposition."
Diese Drecksbanthas hatten einen Imperialen Offizier als Geisel.

Und vor
Tovis inneren Augen vermischte sich die Übertragung dieses Echsenaliens mit Bildern aus seiner Erinnerung. Wie er und seine Geschwister von Piraten herumgeschubst wurden. Wie ihre Eltern ähnlich als Geiseln gehalten wurden. Was... mit ihnen...
Er spürte, wie sein Herz immer schneller pochte, seine Kehle trocken wurde und Schweiß seinen Rücken runter rann. Wenn er sich bald nicht in den Griff bekäme, würde auch auf seinem Gesicht der Schweiß perlen. Das wäre ein Totalversagen gegenüber seiner Mannschaft. Er ballte und öffnete zweimal seine rechte Hand und atmete tief ein. Die düsteren Bilder seiner Vergangenheit verschwandern.
Zurück blieb das taube Gefühl des Schocks und diese altbekannte Mischung aus Hass und Angst, die panisch zu werden drohte. So einen Anfall hatte er seit Akademiezeiten nicht mehr gehabt.


"Ein Wasser", befahl er einem der Rangniedrigsten auf der Brücke. Dieser war kurz irritiert, holte dem Commander dann aber ein Glas Wasser. Gierig trank Tovi daraus, bevor er wieder Haltung annahm. Jetzt war er wieder er selbst: Commander Dur Tovi, Offizier der Imperialen Flotte und auf dem besten Weg, Piratenschreck zu werden.
Grimmig öffnete er einen geschlossenen Kanal zu
Captain Skywalker: "Captain, Befehle? Haben Sie eine Idee, wie wir unseren Kameraden da rausholen können?"


Schilde: 87%
Hülle: 79%
Geschütze: 90%
Protonentorpedowerfer: Front 11/20, Heck 20/20
Jägereskorte: Staffel 1 12/12 TIE/ln, Staffel 2 12/12 TIE/ln, Staffel 3 9/12 TIE/ln, Staffel 4 10/12 TIE/ln
Truppenmoral: Hoch


[Innerer Rand / Weltraum (neutral) / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / GSD 'Fides' / Brücke] - mit Commander Dur Tovi, Brückenkrew und anderen NSCs
 
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Lieutenant Farmel schaute mit bleichem Gesicht von der Kommunikationsstation auf. “Kommandant, wir empfangen eine Übertragung von den Piraten.” Thade registrierte das Unbehagen seines Kommunikationsoffiziers genauso wie seine vorbildliche Disziplin, trotz dessen seine Aufgaben ohne Verzögerung zu erledigen. “Legen Sie mir die Verbindung auf den Holotisch, Lieutenant.” Die taktische Ansicht der Schlacht wurde wenige Sekunden später durch das Bild eines reptilienartigen Nichtmenschen ersetzt, der seine Gesichtszüge unter einem Halstuch versteckte. Der Chiss erkannte nicht sofort, um welche Spezies es sich handelte. Um alle zu kennen, gab es einfach zu viele in der Galaxis. Die ausgesprochene Forderung war dafür umso leichter zu verstehen.

Bevor
Thade aber antwortete, gab er eine Reihe von Befehlen an seine Brückenoffiziere weiter. “Feuerleitstand, Feuer einstellen. Kommunikation, triangulieren Sie das Signal. Ich will wissen, von welchem Schiff unser Freund sendet. Navigation, voller Stopp und bereiten Sie das Schiff auf Maximalschub vor. Major Shehen, Ihre Männer sollen sich auf ein Entermanöver vorbereiten und bewaffnen Sie auch die nicht essentiellen Teile der Mannschaft. Flugleitstand, unser Jägerschirm soll sich für plötzliche Manöver bereithalten und zur Huntress zurückziehen.” Die Brücke brach nach dem Schockmoment direkt in geschäftiges Treiben aus. Noch während Thade sein Headset aufsetzte, meldete sich Lieutenant Farmel noch einmal. “Kommandant, Commander Tovi von der Fides fragt, wie wir unsere gefangenen Kameraden befreien können. Er ist auf Kanal 4 und ich war so frei, Lieutenant Commander Gargatosh auf denselben Kanal zu legen, die Piraten erreichen Sie auf Kanal 2.”

Thade stellte mit Zufriedenheit fest, dass sein Kommunikationsoffizier das richtige Maß an Eigeninitiative an den Tag legte. “Danke Lieutenant.” Sie hatten keine Zeit zu verlieren, also schaltete der Chiss zunächst auf Kanal 2, um die Piraten ein wenig zu beschäftigen. >>Ich grüße Sie. Unsere Einladungen für dieses kleine Stelldichein sind leider bei der Übermittlung verloren gegangen. Ich bitte Sie daher, unser unangekündigtes Erscheinen zu verzeihen.<< Thade gab sich betont ruhig. Tatsächlich spürte er diese Ruhe innerlich nicht. Die nächsten Minuten würden sehr wahrscheinlich über die weitergehende Karriere des Chiss entscheiden und ganz egal wie diese Schlacht nun ausging, ihm würde ein gewisser Ruf fortan anhaften. Die nächsten Schritte mussten also wohl kalkuliert erfolgen und dazu gehörte, die Funkverbindung so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, um die Position des Gefangenen zu ermitteln. >>Sie werden verstehen, dass wir jetzt so ohne weiteres nicht einfach gehen können. Wenn Sie uns aber Ihren guten Willen beweisen und die Gefangenen ohne weitere Verletzungen übergeben, können wir darüber verhandeln, ob Sie diesen Ort unbeschadet verlassen können.<<

Der Chiss wartete gar nicht die Antwort der Piraten ab und schaltete direkt zu Kanal 4 um. >>Meine Herren, die Befehle der Admiralität bezüglich dieser Situation sind Ihnen allen bekannt.<< Das Imperium verhandelte nicht mit Terroristen und Piraten und beide Verbrechen kannten praktisch einzig die Todesstrafe. Thade sparte sich die Zeit, das allen Bekannte auszusprechen. Dennoch erwähnte er es ganz bewusst, damit es in den Funkprotokollen bei der späteren Auswertung auftauchen würde. >>Wir dürfen den Piraten nicht erlauben, die Initiative zurückzuerlangen. Ich werde mit der Huntress nicht nur in den Nahkampf fliegen, sondern das Schiff entern, auf dem der Lieutenant Commander und seine Männer gefangen gehalten werden. Ganz egal, ob unsere Kameraden lebend oder in einem Sarg nach Hause kommen. Wir werden nicht zulassen, dass sie in die Sklaverei verkauft werden.<< Für allzu mehr Koordination war keine Zeit, Thade konnte sehen, dass der Pirat seine Antworttirade beinahe abgeschlossen hatte. >>Ich bitte Sie, die anderen beiden Schiffe zu binden, während ich unser neues Hauptziel anfliege und ausschalte. Wir beginnen ohne jede Vorwarnung sobald die Position der Gefangenen bestätigt ist.<<

Mit diesen Worten schaltete Thade zu Kanal 2 zurück. >>...isch musssss alssso darauf bessstehen, dassss Sssie unssss gehen lassssen.<< Noch bevor Thade antworten konnte, meldete sich Lieutenant Farmel zu Wort. “Kommandant, ich kann das Funksignal zweifelsfrei zu Ziel Gamma zurückverfolgen.” Der Chiss nickte die Information ab und wandte sich dann seinem reizenden Gesprächspartner an Bord des Carrack-Kreuzers zu. >>Wir scheinen hier nicht weiterzukommen. Ich schlage daher vor, dass wir das Gespräch persönlich fortsetzen.<< Der Echsenmann schien mit allem, nur nicht dieser Antwort gerechnet zu haben und war erst einmal sprachlos. Thade wartete nicht ab, bis sein Gesprächspartner die Sprache wiederfand und unterbrach die Funkverbindung einfach ab. “Navigation, gehen Sie auf Höchstgeschwindigkeit, Ziel ist Ziel Gamma. Feuerleitstand, erfassen die Antriebssektion von Ziel Gamma und schalten Sie sie aus. Unsere Traktorstrahlerbesatzungen sollen sich bereithalten, die Huntress in Ziel Gamma zu verankern.” Die Huntress machte einen Satz nach vorne, noch bevor der Chiss zu Ende gesprochen hatte.

Die plötzliche Beschleunigung aus dem Stillstand auf 80 MGLT war so stark, dass die Trägheitskompensatoren des Arquitens 546 Kreuzers einen Moment redliche Mühe dabei hatten, die Fliehkräfte für die Besatzung zu negieren.
“Flugleitstand, unsere Sternflügler sollen sich dem Angriff anschließen und mit ihren Ionenkanonen und Torpedos helfen, Ziel Gamma flugunfähig zu schießen.” Der Boden unter ihren Füßen begann zu vibrieren. Da war nicht nur das Feuer der Hauptgeschütze der Huntress. Der Feind hatte auch begonnen, das Feuer zu erwidern. Thade konnte daran nun jedoch nichts ändern und wandte sich daher Dingen zu, die er jetzt beeinflussen konnte. Major Shehen, diese Piraten sind zwar keine ausgebildeten Soldaten, aber wir unterschätzen sie nicht. Sie haben meine ausdrückliche Genehmigung für ein entschlossenes Vorgehen. Wer von der Mannschaft kapituliert, wird betäubt. Überlassen Sie unserer nachrückenden Schiffssicherheit das Anlegen von Handschellen. Sie müssen so schnell wie möglich den Hauptmaschinenraum des Schiffs unter Kontrolle bringen und den Hauptreaktor in eine Notabschaltung zwingen.”

Die meisten mochten die Kommandobrücke als Prioritätsziel ansehen. Thade aber zog es vor, als erstes jeglichen potentiellen Versuch, das Schiff zu zerstören, zu unterbinden. Major Shehen bestätigte den Befehl und verließ dann die Brücke, während sich der Chiss der taktischen Situation wieder zuwandte, wie sie über dem Holotisch dargestellt wurde. Der Kommandant von Ziel Gamma hatte offenbar die Nerven verloren und versuchte zu fliehen. Das spielte der Huntress in die Hände, die genauso schnell wie der Carrack Kreuzer war, so aber ihre volle Feuerkraft aufwenden konnte, während der Gegner nur das minimale Abwehrfeuer seiner Heckgeschütze aufbringen konnte. Besorgniserregender waren da schon Ziel Alpha und Beta, die es sich in den Kopf gesetzt zu haben schienen, die Huntress daran zu hindern, Ziel Gamma einzuholen und zu entern. “Kommandant, die Huntress wird diesem Beschuss nicht lange standhalten können. Unsere Schilde sind auf 78 % gefallen, Tendenz sinkend.” Lieutenant Shirho wirkte angespannt, hatte sich aber erheblich besser unter Kontrolle als es Lieutenant Commander Murbau normalerweise in diesen Situationen war.

Diese Diamant-Bor-Raketen der Marauder Korvetten waren wahrlich ein Problem. Der Arquitens 546 verfügte eigentlich über genug Lasergeschütze, um einzelne oder gepaarte Raketen aus dem All zu holen, bevor sie das Schiff erreichten. Die Diamantbeschichtung dieser speziellen Raketen aber sorgte dafür, dass das Laserfeuer praktisch wirkungslos war. Noch aber konnte Thade es nicht wagen, seine Bomber oder das Feuer der Hauptgeschütze der Huntress von Ziel Gamma umzulenken, also musste er mehr Druck aufbauen.
“Feuerleitstand. Raketenzielerfassung auf die Antriebssektion von Ziel Gamma. Schicken sie dem Carrack-Kreuzer zwei Salven ins Heck.” Der Chiss würde so schnell nicht von diesem Ziel ablassen.

Innerer Rand | Handelsweg nahe Gyndine und Fabrin | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Huntress, Arquitens 546: Hülle: 95 % Schilde: 74% Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 25/30 je Werfer, Jägereskorte: 9/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
[ Innerer Rand / Cicarpous-Sektor / Nanth'ri Route zwischen Gyndine und Fabrin / MAR Reconquista Yevetha / Deck 1 / Brücke ] Baran, sowie Brücken-NPCs

Barans horizontal geschlitzte Pupillen ruhten auf dem eingefrorenen Standbild des Echsenaliens. Er war froh die Entscheidung nicht treffen zu müssen, wie sie weiter verfahren würden. Auch wenn er nur eine einzige Wahl sah. Man verhandelte nicht mit Terroristen, geschweige denn Piraten. Also waren die Männer und Frauen in der Hand des Feindes bereits verloren. Der Bluff musste gecalled, oder das Opfer hingenommen werden, wenn es keiner war. In jedem Fall würde es die Wahrscheinlichkeit senken, dass ähnlicher Abschaum in Zukunft zu gleichen Mitteln griff.

Aber Captain Skywalker hatte das Commando und somit die Wahl der Mittel. Was würde der Chiss tun, nun da ein theoretischer Trainingsfall ernst geworden war?


„Sir, Captain Skywalker auf Kanal 4”, schaltete sich Barans COMMO, Ensign Ryun ein. Da war sie, die Antwort.

Einen Moment später schallte die Stimme des Chiss über die Brücke der Reconquista. Mit Piraten verhandelte man nicht – so weit so klar – und doch hatte sich Skywalker etwas Interessanteres vorgenommen als Baran es getan hätte. Er würde das feindliche Schiff, auf dem ihre Kollegen gefangen waren, entern, und sie entweder lebendig oder tot zurückgewinnen. Baran und Tovi sollten unterdessen verhindern, dass der Feind die Initiative zurückgewann.

Gut, dann wusste Baran was zu tun war.

Grade wollte er neue Befehle erteilen, als Ryun ein weiteres Mal das Wort an ihn richtete:
„Sir, Meldung von der Huntress, Ziele Alpha und Beta wurden als MAR der Raketenwerfer-Variante ausgemacht.“

Jäh zuckte sein Blick zu dem Menschen. Diamant-Boron-Werfer? Auf Piratenschiffen?!

„Bestätigen Sie, verfügt der Feind über Diamant-Bor-Raketen?“, schnappte Baran, was der COMMO einen Moment später mit einem Nicken tat. Das änderte alles. So unwahrscheinlich es auch schien, dass der Feind zwei Schiffe auf einen Angriff flog die eher in die hintere Reihe der Raumartillerie gehörten, so war das Warum an dieser Stelle egal. Es änderte, wie er kämpfen musste – und was die Piraten in ihren Reihen anrichten würden, wäre der imperiale Verband nicht verdammt vorsichtig.

„Scheiße…“, murmelte er und starrte für einen Moment auf das taktische Display. Seine Hörner finden die Emotionen der anderen Brückenoffiziere auf. Auch sie wussten, was diese Information bedeutete und mindestens Lieutenant Evans aus erster Hand. Sie hatte ihre eigenen Jäger in einer von Baran befohlenen Salven vergehen sehen. Natürlich hatte sie es ihm nie vergeben.

Tief atmete Baran ein. Wie hätte er damals die MAR Bull bekämpft, auf der er selbst gedient hatte? Bedächtig entließ er den getanen Atemzug durch seine Nasenschlitze.

Mit Entschlossenheit.


„Bestellen Sie Commander Tovi: Ich empfehle dringend seine Jäger unter allen Umständen außer Reichweite der Ziele Alpha und Beta zu halten – ich habe früher selbst auf einem Schiff ihres Typs gedient. Mit Diamant-Bor-Raketen ist nicht zu spaßen“, gab er durch. Egal was der Mann versuchte, Jäger aus Entfernung auf Alpha und Beta zu hetzen würde eine schlechte Idee sein. „Lieutenant Evans, erinnern Sie sich an die letzte Übung über Widek, vor dem Angriff der Yevethaner? Unsere MAR Bull gegen TPC Homeless?“


„Sir? Ich denke schon“, gab die Angesprochene zurück, die dunklen Menschenaugen an ihn geheftet.

„Die Homeless hat das Gefecht gewonnen. Erinneren Sie sich, wie?“


„Sie ist in den Nahkampf gegangen und hat die simulierten Raketen über Sensorik und geschickte Manöver vermieden.“

„Denken Sie, Sie können dasselbe Manöver spontan umsetzen?“

„Sir, das war vor mehreren Jahren und es handelt sich hier um ZWEI MARs!“

„Ja oder nein, Lieutenant.“

„Es wäre nicht leicht. Und die Hauptarbeit läge sowieso bei Ensigns Rifai und Fouke.“

Die Angesprochenen Ensigns zuckten nervös, als Barans Blick auf ihnen zur Ruhe kam. Vertraute er den beiden? Vertraute er Lieutenant Evans? Genug, dass sie kompetente Offiziere waren und genug, dass sie ihre eigene Haut retten würden, kam es darauf an. Sie alle waren Veteranen der Koornacht-Krise. Das verband. Und noch immer war er überzeugt, dass alles, was sie dort gesehen hatten, schlimmer war, als was auch immer hier auf sie warten mochte. Sein Gesicht verhärtete sich, als er zu einem Entschluss kam. Wer nicht wagte, der nicht gewann.

„TIE/in Staffel 3-1-ResWid soll in den Hangar zurückkehren. Wir gehen auf Tuchfühlung mit den beiden MARs“, befahl er und heftete seine orangenen Augen auf die taktische Darstellung des Feindes.

„Ensign Rifai, volle Kraft voraus! Bringen Sie uns so nah an Ziel Alpha heran, wie sie können. Ich will wem auch immer sie kommandiert in die Augen sehen! Lieutenant Evans, volle Energie auf die Schilde. Sie feuern erst wenn ich den Befehl erteile.“

Die Trägheitsdämpfer der Reconquista brummten auf, als das Schiff sich in Bewegung setzte. In der Ferne, vor dem Frontfenster, waren die Lichter des Feindes bereits erkennbar. Man musste die Rümpfe schwarz angemalt haben, denn sie schienen herrenlos im dunklen Nichts des Alls zu schweben. Rasch begannen sie näherzukommen.


„Zwei neue Kontakte registriert, Sir. Alpha und Beta haben sich auf uns eingeschossen und jeder eine Rakete auf uns abgegeben“, die Stimme der dunkelhäutigen Sensorikoffizierin war ruhig, doch verriet ein kaum merkliches Zittern ihre aufwallende Emotion.

„Rifai, Vermeidungsmanöver einleiten. Energie weiter auf die Schilde!“

Auf dem taktischen Holo waren zwei Keilförmige Objekte erschienen, die nun direkt auf die Reconquista zuschossen. Zwei, nicht acht. Also waren die Piraten doch wenigstens ein bisschen geizig mit ihrer Munition. Ein Fehler, wenn auch einer mit dem zu rechnen gewesen war. Dennoch ein Wagnis – für beide Seiten.

Auf dem Hologramm veränderte sich der bis grade ebenmäßige Flug der Reconquista. Sie begann unstet hin und her zu schwenken und sich, als die Keile sie fast erreicht hatten, um die eigene Achse zu drehen. Stumm zählte Baran die Sekunden.


„Alpha-1 hat uns verfehlt…“, begann Lieutenant Evans. „Beta-1-“

Ein dumpfer Knall und ein Erzittern der Brücke beendeten den Satz für sie. Die Lichter flackerten und Baran musste die Reling vor ihm mit beiden Händen packen, um nicht umgeworfen zu werden. Die vergessene Kaftasse in seiner Hand wurde mit einem hellen Splittern zu Boden geschleudert.

„Schadensbericht!“, bellte er, sich einen Fluch verkneifend.


„Schilde bei 66% Prozent… Ein kleinerer Hüllenbruch auf Deck 2!“, antwortete Evans und fügte einen Moment später in vorwurfsvollem Ton hinzu: „Das war kein direkter Treffer.“

„Volle Kraft voraus!“, schnaubte Baran unbeirrt. Er hatte diesen Kurs gewählt, er würde ihn zuendefliegen. „Wir sollten gleich nah genug dran sein, um sie auszumanövrieren…“

Diesmal schoss nur Alpha zwei Raketen ab, Beta schien sich zu scheuen sein Schwesterschiff zu treffen. Die Reconquista war inzwischen nah genug herangekommen, dass Baran seine schwarze Hülle auch mit dem bloßen Auge ausmachen konnte. Im hellen Sichtfenster der Brücke bewegten sich dunkle Schatten. Der Umriss schien zu zucken und umherzuwirbeln, als die Reconquista sich aus der Flugbahn der beiden Raketen drehte.

„Noch näher ran! Lieutenant Evans, Feuer frei!“


„Der Feind schleust seine Jäger aus!“, antwortete Barans XO mit stählernem Tonfall. Er brauchte ihre Aura nicht zu lesen, um zu hören, dass sie seinen Kurs missbilligte. Aber wann fand sie denn auch je wirklich gut, was er tat?

„3-1-ResWid ausschleusen!“, konterte Baran. Was auch immer die Piraten hatten, die TIE/ins würde es schlagen.


„Sir, Alpha hat begonnen mit Turbolasern auf uns zu schießen!“

Sein Kopf zuckte zurück und sah Evans direkt an. Unterdessen erbebte die Reconquista unter neuerlichen Einschlägen. „Wiederholen, Lieutenant?!“

„Feuer aus schweren Zwillingsturbolasern. Feindschiffe wohl modifiziert. Schilde bei 60%“

„Bei der Imperatorin…“, murmelte Baran, während seine Augen sich weiteten. „Sie haben beides!“

[ Innerer Rand / Cicarpous-Sektor / Nanth'ri Route zwischen Gyndine und Fabrin / MAR Reconquista Yevetha / Deck 1 / Brücke ] Baran, sowie Brücken-NPCs

MAR "Reconquista Yevetha"
Kommando: Baran Gargatosh

[MAR] „Reconquista Yevetha“ [Schilde: 60% | Hülle: 87%]
[Ziel: MAR "Alpha" | Schäden: Hüllenbruch Deck 2 | Zusätzliches: -]
Truppenmoral: Beständig

Staffel "3-1-ResWid" TIE/in [12/12 Maschinen] [Gestartet, Auftrag: Abschuss feindlicher Jäger]
 
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[Innerer Rand / Weltraum (neutral) / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / GSD 'Fides' / Brücke] - mit Commander Dur Tovi, Brückenkrew und anderen NSCs

Commander Tovis Augen weiteten sich und bekamen einen besonderen Glanz, als er einen tiefen Respekt für Captain Thade Skywalker gewann, während er dessen neuen Plan lauschte. Anstatt sich auf Verhandlungen einzulassen oder gelähmt zu sein, entschied er sich, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten. Und den Kampf zu den Piraten zu tragen. Sie zu entern und die Geiseln zu retten - oder zumindest deren Leichen zu bergen.
In Anbetracht dessen, dass die armen Geiseln so oder so kaum Überlebenschancen hatten, war das heroisch und ehrenhaft. So sollte jeder Flottenoffizier des Galaktischen Imperiums sein.
Tovi war sich sicher, in Skywalkers Situation nicht auf diese Idee gekommen zu wären. Oder wenn, dann sicherlich zu spät.
Diese Initiative und diesen angebrachten Heldenmut wollte er sich unbedingt für seine weitere Laufbahn als Schiffskommandant abschauen.

Die Aufgabe, die er selbst und
Gargatosh bekamen, war so schlicht wie wichtig: Sie sollten die beiden MAR der Piraten in Gefechte verwickeln und so der 'Huntress' den Rücken freihalten. Zwei MAR gegen eine andere MAR und einen GSD, sollte machbar sein, wie der Commander für sich feststellte.
Kaum war die Mini-Besprechung zuende, setzte sich die 'Huntress' in Gefechtsgeschwindigkeit in Bewegung.

Tovi wollte gerade seinen ersten Befehl geben, als er von der Komm-Station unterbrochen wurde:

"Sir, Nachricht von der 'Reconquista': Die feindlichen MARs sind mit Diamant-Bor-Raketen ausgerüstet. Wir sollen unsere Jäger keinesfalls in Schusslinie bringen."
Der Kuati hatte sich inzwischen wieder gefasst und sah nach außen wieder aus wie der stoische und entschlossene Offizier des Galaktischen Imperiums, der Herr der Lage war. Auch wenn er innerlich im Hamsterrad raste, um seine Strategie anzupassen. Dann hatte er einen Plan gefasst.

"An alle Staffeln. Starten. Gebt euch gegenseitig Deckung und formiert euch so dicht wie möglich hinter unserem Antrieb. Folgt uns und wartet auf weitere Befehle." Je nachdem, wie der Feind reagieren und angreifen würde, wäre der Haupthangar, der bei der 'Fides' wie bei jedem GSD frontal geöffnet war, ein viel zu leichtes Ziel und sie könnten niemals die Jäger starten, ohne sie sinnlos zu opfern. Wenn die 'Fides' selbst aber der Schutzschild für ihren Jägerschild war, könnten diese, sobald sie nahe genug heran waren, die feindlichen Schiffe im Nahkampf beharken. Und auch direkt mögliche Feindjäger abfangen.
Nun zu Schritt zwei, nach einem kurzen Blick auf die Sensoranzeige.


"Gefechtsgeschwindigkeit. Bringt uns zu Ziel Beta! Haltet uns auf dem Weg zwischen den Cargo-Transportern und den MARs. Und wenn es eine Öffnung groß genug für uns gibt: Bringt uns so in Stellung, dass wir zwischen den beiden Feindschiffen sind. Vielleicht haben sie zumindest soviel Loyalität zueinander, dass sie nicht mit den Bor-Raketen auf sich feuern. Los!"
Fast sofort merkte Tovi die Beschleunigung der 'Fides'. Seine Augen hielt er starr aus dem Brückenfenster gerichtet. Da flog auch schon eines der besonderen Geschenke der vermaledeiten Piraten auf sie zu. "Fangt das Biest mit unseren Protonentorpedos ab", befahl der Commander besonnen.
Nun war er wieder in diesem Tunnel des Adrenalins und der Schlacht.


"Volltreffer!", hörte er es von der Waffenstation. Und auch aus dem Brückenfenster sah er die große Explosion dieser Super-Rakete. Sie waren noch weit genug weg, um keinen Schaden zu nehmen. Aber ja: Solch eine Waffe ist verheerend sowohl für Geschwader als auch für größere Kampfschiffe.
"Exzellent", lobte der Commander ehrlich und vermerkte sich, dass seine Männer aus den Geschützen nach dieser Schlacht eine Belohnung verdient hatten.
"Leitet Energie von den sekundären Lebenserhaltungssystemen auf unseren Antrieb um."
Und schon beschleunigte die 'Fides' noch einmal merklich. Und waren schließlich neben MAR Beta.

"Feuer fre...", weiter kam Tovi nicht, da auf einmal Turbolaser auf ihre Schilde - und teilweise schon auf ihre Hülle - einprasselten. "Frick, die Bastarde habe Chimära-Marauder...", vollendete er den Satz ungewollt neu.
Er hatte von diesen experimentellen Schiffen gehört. Wenn die Piraten es geschafft hatten, ihre Systemkühlung dieser doppelten Belastung zu adaptieren, hatten die 'Fides' und ihre Verbündeten nun ein ernsthaftes Problem. Sein Kiefer spannte sich an. Also mussten sie sie schneller zerstören - oder so in Atem halten, dass vielleicht doch die Überlastung der Kühlsysteme eintrat.
Tovi ärgerte sich nun, dass er seine Schiffskenntnisse schon längere Zeit nicht mehr aufgefrischt hatte, ansonsten hätte er vielleicht das ungefähre Baujahr der Feindschiffe erahnen und so überschlagen können, welche Modifikationen möglich gewesen wären.
Aber alles Hadern half nichts, er hatte seine Verantwortung vor Imperium und seinen Truppen zu erfüllen.

Er öffnete den Kanal zu den Jägern:
"Staffel eins und drei: Helft dem Jägerschirm der 'Reconquista' bei Ziel Alpha. Staffel zwei und vier: Schirmt uns ab. Und an alle: Wagt es ja nicht, euch den Feindschiffen frontal zu nähern." Mit den Staffeln der 'Fides', selbst wenn diese schon etwas dezimiert waren, sollte die Einsatzgruppe von Skywalker schnell die Jägerhoheit erlangen...
Das Schiff erbebte stark. Da hatten Turbolaser etwas Wichtiges getroffen. Während das Schiff sich stabilisierte, eilte der Commander zur Sensorstation und fragte nach dem Status des Schiffs. Sie hatten im vorderen Teil in der Nähe des Hangars einen leichten Hüllenbruch erlitten. Die Notsysteme hatten aber funktioniert und den Bereich schon abgeriegelt.

"Die Mechaniker sollen schauen, ob wichtige Systeme nun anfälliger geworden sind und sich bereit halten", befahl Tovi. Die Schützen der 'Fides' begannen inzwischen, das Feuer auf Ziel Beta zu erwidern. Kurz schlich sich ein Zweifel in das Herz des Schiffkommandanten, ob seine Krew vielleicht nach ihrer ersten Schlacht heute schon zu ermüdet sei. Sie waren so ausgewogene und offene Schlachten nicht gewohnt - und Tovi selbst ja auch nicht - und hatten nun die zweite solcher innerhalb weniger Stunden.

"Achtet darauf, dass wir Beta stets an der Seite kleben. Wir dürfen ihnen keine Chance lassen, uns mit ihren Raketenwerfern zentral zu erfassen."
Und so begann eine Art mörderischer Tanz zwischen den zwei ungleichen Schiffen, die sich nun langsam und beständig feuernd umkreisten. Zeitgleich fochten draußen die Jäger beider Seiten um die Vorherrschaft unter den Unterstützern.
Aus Gewohnheit heraus ließ
Tovi seinen Blick zur Sensoranzeige fallen - und musste reagieren!
"Abbremsen, Beschleunigung umleiten. Die wollen ein Schussfeld auf die 'Reconquista' bekommen!", teilte er seine Erkenntnis mit seiner Mannschaft.
Denn in den letzten Momenten hatte sich das Feindschiff schleichend versucht, einen Schusswinkel auf das verbündete Schiff zu erarbeiten.
"Bringt uns dazwischen."
Die Hoffnung des Schiffskommandanten der 'Fides' war, dass sie schnell genug und nah genug an Beta herankamen, damit die Feinde aus Sorge, sich selbst zu beschädigen, nicht zum Abfeuern kamen. Wären die Piraten in dieser Erkenntnis allerdings zu langsam - oder einfach selbstmörderisch drauf - dann würde der GSD ein wirkliches Problem haben.

Und zusammen mit dieser Ungewissheit, aber totalen Entschlossenheit, seine Kameraden zu schützen, fiel
Tovi ein, dass ja auch die 'Fides' eine Überraschung parat hatte. Ihren Heck-Torpedowerfer...

Einsatzstatus der 'Fides':


Schilde: 68%
Hülle: 74%
Geschütze: 89%
Protonentorpedowerfer: Front 09/20, Heck 20/20
Jägereskorte: Staffel 1 11/12 TIE/ln, Staffel 2 12/12 TIE/ln, Staffel 3 9/12 TIE/ln, Staffel 4 10/12 TIE/ln
Truppenmoral:
Stabil


[Innerer Rand / Weltraum (neutral) / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / GSD 'Fides' / Brücke] - mit Commander Dur Tovi, Brückenkrew und anderen NSCs
 
Kommend von Cranan-12

/// Hyperraum ʭ An Bord der Silver Heron ʭ Ivor Karn \\\

Der Hyperraum rauschte jenseits der Cockpitscheiben wie ein endloser Strom aus blauweißem Licht, lautlos, unwirklich und gerade deshalb beruhigender als alles, was Cranan 12 in den vergangenen Wochen zu bieten gehabt hatte. Die Sterne waren zu langen Fäden zerrissen, die sich jenseits des Transparistahls über die Dunkelheit spannten, während die Silver Heron mit dem geduldigen Brummen ihres Hyperantriebs zwischen den Systemen hing und ihre zweiundzwanzig Jahre schlechte Pflege, improvisierte Reparaturen und wechselnde Besitzer mit der Würde eines alten Lasttiers ertrug.
Achtundzwanzig Meter Sienar Fleet Systems, gebaut für zwei Besatzungsmitglieder, sechs Passagiere, hundert Tonnen Fracht und genug Vorräte, um theoretisch zwei Monate lang keinen Hafen sehen zu müssen. Eine vergleichsweise kompakte Konstruktion, deren Serienausstattung mit Hyperantrieb, Navigationscomputer, Schilden und einer doppelten Laserkanone ausgereicht hatte, um Händler durch die weniger gastfreundlichen Gegenden der Galaxis zu bringen. Bei der Silver Heron war von Serienausstattung freilich ungefähr so viel übrig wie von
Ivors ursprünglichem rechten Arm. Irgendjemand hatte irgendwann zusätzliche Leitungen durch Schotten gezogen, andere wieder herausgerissen, Platten über alte Wartungsluken geschweißt und Sensorbauteile verbaut, deren Hersteller vermutlich selbst überrascht gewesen wären, ihre Produkte in einem Sienar-Frachter wiederzufinden. Khetwuyirrr hatte daraus auf The Wheel ein flugfähiges Ganzes gemacht, wobei „Ganzes“ im Fall der Heron eine philosophische Kategorie darstellte.

Ivor mochte sie vielleicht gerade deshalb. Das Schiff war inzwischen weniger Transportmittel als Wohnung mit Triebwerken, Werkstatt mit Hyperantrieb und Waffenschrank mit angeschlossener Küche. Im schmalen Aufenthaltsbereich hinter dem Cockpit hatte er zwei der serienmäßigen Passagiersitze ausbauen lassen und durch eine durchgesessene Polsterbank ersetzt, deren dunkelbrauner Bezug an drei Stellen mit verschiedenfarbigen Flicken zusammengehalten wurde. Darüber verlief ein Regalbrett, das bei stärkeren Kurskorrekturen zuverlässig alles auf den Boden warf, was Ivor vorher zu faul gewesen war festzukleben. Derzeit standen darauf zwei halbvolle Flaschen corellianischen Brandys, eine kleine Statue irgendeines dubiosen Glücksgottes vom Dustmarket, drei Ersatzmagazine, ein verschmorter Sensoradapter und ein Becher, auf dessen Boden sich etwas festgesetzt hatte, das wahrscheinlich irgendwann einmal Kaf gewesen war.
Die Beleuchtung hatte er heruntergedimmt. Warmes, gelbliches Licht lag auf den Wänden und nahm dem alten Durastahl für einige Stunden jene kalte Zweckmäßigkeit, die Raumschiffen eigen war. Aus den Lüftungsschlitzen kam trockene, leicht nach Schmiermittel riechende Luft. Der Hyperantrieb summte durch die Deckplatten, irgendwo hinter der Wand klickte in regelmäßigen Abständen ein Relais, und aus dem Maschinenraum drang das tiefe, beruhigende Vibrieren einer Maschine, die funktionierte, solange niemand genauer fragte, warum.

Es war gemütlich, zumindest auf eine sehr spezielle Art. Der Thuggatoris lag quer auf der Polsterbank, die Stiefel auf einem Frachtcontainer, den Kopf gegen ein zusammengerolltes altes Jackett gelehnt, und starrte seit sieben Minuten auf dieselbe Nachricht.


[BITTE BESTÄTIGEN SIE DIE AKTUALISIERUNG IHRER DOCKREGISTRIERUNG.]

Er blinzelte. Dann löschte er sie. Die nächste Nachricht war eine Werbung für modifizierte Reaktionsoptimierer. Löschen. Eine Mahnung wegen einer älteren Liegegebühr auf The Wheel. Markieren. Ignorieren. Eine verschlüsselte Nachricht eines alten Waffenhändlers auf Nar Shaddaa, der behauptete, endlich wieder originale Energiezellen für den TL-50 beschaffen zu können. Interessant! Speichern. Ein Angebot für angeblich „nahezu neuwertige“ Athakam-Ersatzkomponenten. Ivor schnaubte.

„Nahezu neuwertig“, murmelte er. „Das sagen Leute auch über Leichen, solange sie noch warm sind. Die Dinger sind ekelhaft selten geworden, seitdem die Imps ihren durastählernen Phalluskomplex auf Denon zerschellen haben lassen. Der lügt doch.“

Löschen.

Danach kam für eine Weile nur das übliche galaktische Rauschen: Auftragsangebote, Mahnungen, Gefallen, die jemand einlösen wollte, zwei schlecht verschlüsselte Drohungen aus dem Umfeld von Crymorah, eine Nachricht von
Zoska, deren Inhalt sich im Wesentlichen darauf beschränkte, dass er noch lebte und diesen Zustand gern beibehalten würde, sowie ein überraschend knappes Lebenszeichen aus Haven 9. Ivor las die Nachricht zweimal, dann legte er das Datapad auf seine Brust.

Die Silver Heron summte, während sein Blick zur Decke wanderte. Er hatte Geld. Das war ungewöhnlich genug. Doch er wusste, Credits konnten wie Sand aus der Jundlandwüste zwischen den Fingern rinnen, wenn man nicht aufpasste. Er hatte momentan keinen unmittelbaren Auftrag. Das war deutlich schlimmer. Die Black Sun hatte ihm mit jener besonderen Form höflicher Gewalt nahegelegt, Cranan 12 für eine Weile aus dem eigenen Lebenslauf zu streichen, bis Mining Guild und Crymorah ihre jeweiligen Verluste ausreichend umetikettiert hatten. Urlaub war das Wort gewesen, das einer seiner Kontakte benutzt hatte.
Ivor Karn hatte Urlaub immer für etwas gehalten, das Leute mit funktionierenden Familien und schlechter Fantasie erfunden hatten. Er setzte sich auf und sah die kleine Götzengestalt an.

„Also.“

Weder der Götze noch die Silver Heron gab keine Antwort.

„Wir könnten nach The Wheel.“

Das Relais klickte. „Stimmt. Zu offensichtlich.“

Er schob eine halbvolle Werkzeugkiste mit dem Fuß zur Seite.

„Nar Shaddaa.“

Der Hyperantrieb summte.

„Zu viele Leute, denen ich Geld schulde.“ Kurze Pause. „Oder die mir Geld schulden.“

Das änderte einiges. Ivor griff nach dem Datapad, öffnete eine Sternenkarte, betrachtete sie dreißig Sekunden lang, schloss sie wieder und beschloss, dass dieser Vorgang bereits ausreichend strategische Planung für einen Vormittag dargestellt hatte.

Zehn Minuten später lag der TL-50 auf der Werkbank. Der schwere Mehrlader hatte Cranan 12 ungefähr so gut überstanden wie sein Besitzer, voller kleiner Schäden, deren professionelle Behebung Geld, Zeit und ein Maß an Verantwortungsbewusstsein verlangt hätte, über das derzeit niemand an Bord verfügte. Das Gehäuse war an einer Seite aufgerissen, eine Kühlleitung verzogen, der Zielmodulator hielt nur noch über eine improvisierte Verschraubung, und dort, wo ein Crymorah-Schläger den Lauf beinahe gegen eine Dockstrebe geprügelt hatte, saß ein Kratzer, den
Ivor persönlich nahm.
Er stellte eine kleine Arbeitsleuchte auf, setzte sich auf den Hocker und öffnete das Gehäuse. Die nächsten zwanzig Minuten waren friedlich.
Fast meditativ. Metall auf Metall. Schrauben. Kontakte. Der Geruch von Waffenöl. Das leise Klicken seiner Prothese, wenn die künstlichen Finger eine winzige Feder hielten, während die organische Hand einen Kontakt neu verlötete.
Ivor konnte erstaunlich geduldig sein, wenn Dinge vor ihm lagen, die sich durch Gewalt, Werkzeug oder ausreichend schlechte Improvisation reparieren ließen.
Organische Wesen waren komplizierter, Blaster hatten wenigstens Schaltpläne. Kurz gingen seine Gedanken zu
Xeva, doch verwarf er schnell den Gedanken ans eine Herzdame. Sie wollte nichts von ihm wissen und er wollte nicht wie ein herrenloser Dewback sich in der Vergangenheit verlieren. Nach einer halben Stunde lag der TL-50 immer noch offen auf der Werkbank, während Ivor inzwischen den defekten Sensoranschluss seines rechten Arms gereinigt hatte, einen alten Transponder auseinanderbaute und nebenbei versuchte herauszufinden, warum die Heizung im hinteren Frachtraum seit drei Monaten ausschließlich die Einstellungen „Eishöhle“ und „Vulkan“ kannte. Das führte dazu, dass er den Heizungszugang öffnete. Darunter entdeckte er eine beschädigte Kabelisolierung, also holte er Isolierband. Dabei fiel ihm ein loses Scharnier an einem Vorratsschrank auf. Fünf Minuten später lag das halbe Scharnier auf dem Boden, der Schrank stand offen, der Transponder war vergessen, die Heizungsverkleidung hing aus der Wand und der TL-50 lag weiterhin in Einzelteilen auf der Werkbank.

Der Thuggatoris stand mitten im Gang und betrachtete das Ergebnis.


„Effizient“, sagte er.

Die Heron klickte irgendwo im Maschinenraum.


„Halt die Klappe.“

Sein Magen meldete sich. Das Abendessen bestand aus einer versiegelten Tüte mit der vielversprechenden Aufschrift NERF-EINTOPF, HERZHAFT, deren Inhalt nach Zugabe von heißem Wasser die Farbe von nassem Wandputz annahm und eine Konsistenz entwickelte, die selbst Ivor für juristisch bedenklich hielt. Er setzte sich damit an den kleinen Klapptisch, stach den Löffel hinein und sah zu, wie die Masse sich weigerte, wieder loszulassen.

„Herzhaft...“ Er probierte, kaute und sah zur Tüte. „Du lügst.“

Ein zweiter Bissen bestätigte das Urteil. Auf dem Bild der Verpackung lagen saftige Fleischstücke zwischen Gemüse, dampfend, glänzend, beinahe erotisch inszeniert. In Ivors Schüssel schwammen drei beige Würfel, eine einsame grüne Erbse und etwas, das entweder Zwiebel oder Dämmmaterial war. Er aß trotzdem. Das gehörte ebenfalls zum Leben auf einem Frachter: Man konnte hundert Tonnen Fracht bewegen, zwei Monate autark bleiben und schneller als Licht durch die Galaxis reisen, doch irgendein sadistischer Industriekonzern hatte beschlossen, dass Raumfahrer dabei Nahrung essen sollten, die schmeckte wie eine Entschuldigung.
Es half alles nichts, also kehrte
Ivor zum Datapad zurück. Er setzte sich diesmal ins Cockpit, einen Stiefel auf die Konsole gelegt, den notdürftig zusammengesetzten TL-50 quer über den Oberschenkeln. Die Reparatur war inzwischen abgeschlossen genug, dass die Waffe vermutlich wieder schoss. Ob sie das auch in die Richtung tat, in die er zielte, würde irgendein zukünftiger Gegner herausfinden dürfen. Er ging erneut durch seine Nachrichten, diesmal langsamer.

Ein paar kleinere Schutzaufträge. Eine vermisste Person auf Ord Mantell. Ein Unternehmer, der jemanden brauchte, um einen gestohlenen Frachter zurückzuholen. Eine ziemlich schlecht formulierte Anfrage aus dem Corporate Sector, die bereits nach den ersten zwei Zeilen nach Organhandel roch und deshalb geschlossen wurde. Ein Angebot für Begleitschutz. Zwei Informationsbeschaffungen, deren Bezahlung beleidigend niedrig war. Dann blieb sein Finger stehen. Die Nachricht war über einen seiner älteren Kontakte gekommen, dreifach verschlüsselt, sauber genug, dass jemand zumindest wusste, was er tat. Kein Black-Sun-Kanal.

Agamar.

Er richtete sich etwas auf. Der Auftrag war knapp formuliert. Ein Logistikhub eines Agrarunternehmens. Außenbereich. Regionale Verteilstation, Lagerhaltung, Verwaltung, Frachtabwicklung. Gesucht wurden interne Daten: Lieferlisten, Subventionsvereinbarungen, private Kommunikation, Zahlungsströme, eventuell Sicherheitsprotokolle. Alles, was geeignet war, einige bestimmte Personen in eine ausgesprochen unangenehme Position zu bringen. Kompromat.
Ivor mochte Kompromat, schoss selten zurück und war in den richtigen Händen mehr wert als Tibanna.
Er scrollte weiter. Der Auftraggeber blieb anonym. Der Vermittler hingegen war bekannt, einer jener Kontakte, die in
Ivors Netzwerk irgendwo zwischen Hehler, Geschäftspartner und gelegentlichem Trinkkameraden existierten. Verlässlich genug, um einen Job anzunehmen. Unzuverlässig genug, um interessant zu bleiben. Sein Eid an die Black Sun hatte ihm Schutz, Kontakte und Zugang verschafft. Er hatte ihn nie zu einem B'omarr Mönch gemacht. Dann sah er die Vergütung. Er las die Zahl. Noch einmal. Sein organisches Auge wurde schmal.

„Na hallo.“

Er stellte die Schüssel mit den Resten des Nerf-Eintopfs auf die Nachbarkonsole und las den Auftrag jetzt tatsächlich vollständig. Der Auftrag führte ihn wohl nach Agamar, wo er aus einem Logistikhub eines Agrarunternehmens belastende Daten beschaffen sollte. Gewünscht war ein möglichst diskretes Vorgehen. Wie das Material anschließend verwendet werden sollte, stand nirgendwo. Ivor suchte auch gar nicht danach. Seine Gehaltsstufe endete irgendwo zwischen „besorg die Daten“ und „stell keine Fragen, die einen zweiten Vertrag benötigen“.

Das war ihm sympathisch. Er öffnete den Navigationscomputer und rief die Route auf. Agamar erschien auf der Sternenkarte, weit genug entfernt, um die Reise als Geschäftsentscheidung verkaufen zu können, nah genug, dass ihm vorher die Lebensmittelvorräte kaum ausgehen würden.

Dann öffnete er die Antwort.


[ANZAHLUNG 40 %. REST BEI ÜBERGABE.]

Kurze Pause. Er fügte hinzu:

[REISEKOSTEN, TREIBSTOFF UND PLANETARE GEBÜHREN EXTRA.]

Noch eine Pause.

[SCHÄDEN NACH AUFWAND.]

Der Reptiloide betrachtete diese Zeile und löschte sie. Der Kunde sollte später überrascht werden. Er schickte die Nachricht. Fast unmittelbar kam die Bestätigung. Auftrag angenommen. Ivor lehnte sich zurück, legte beide Füße auf die Konsole und sah hinaus in das blaue Feuer des Hyperraums. Vor einer Stunde hatte er keine Ahnung gehabt, was er mit seinem unfreiwilligen Exil anfangen sollte. Jetzt wartete auf Agamar irgendein Agrarkonzern, der vermutlich glaubte, seine Server, Lagerhallen und kleinen schmutzigen Geheimnisse seien sicher, weil Bauernwelten selten Männer mit roten Kyberaugen und schweren Mehrladern anzogen.

Ivor grinste. Dann fiel sein Blick auf die offene Heizungsverkleidung im Gang. Auf den zerlegten Transponder. Auf das Werkzeug auf dem Boden. Auf die Tüte Nerf-Eintopf. Auf den TL-50. Er seufzte.


„Dank Ferrik.“, sagte er zur Silver Heron. Er hielt einen Moment inne und ließ das folgende Wort wie einen Brand in seinen Lefzen kreisen. „Agamar.“

Das Schiff summte zufrieden durch den Hyperraum.

Ivor griff nach der holografischen Sternenkarte, programmierte die nächste Etappe und die Zwischenstopps um die navigatorische Neuausrichtung mit Mikrosprüngen einzuplanen und fügte gedanklich bereits einen großzügigen Treibstoffposten zur späteren Rechnung hinzu. Schließlich musste man in Zeiten erzwungener Erholung auch an die eigene finanzielle Gesundheit denken.

/// Hyperraum ʭ In Richtung Agamar ʭ Orbit von Cranan 12 ʭ An Bord der Silver Heron ʭ Ivor Karn \\\
Reisend nach Agamar
 
Innerer Rand | Handelsweg nahe Gyndine und Fabrin | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Der Plan schien aufzugehen. Die Huntress war von den Piratenschiffen zwar ordentlich malträtiert worden, doch nun wo die Fides und Reconquista Yevetha aufrückten, teilte sich ihr Feuer auf die imperialen Schiffe auf. “Kommandant, Schildintegrität stabilisiert sich bei 61 %” Thade nickte diese Information seines zweiten Offiziers ab. Die Heckgeschütze des Carrack-Kreuzers allein waren nicht genug, um einem Arquitens-546 Kreuzer gefährlich zu werden. Ganz besonders nicht, während die Huntress ihre gesamte Feuerkraft auf den Feind vor ihr konzentrieren konnte. “Feuerleitstand, konzentrieren Sie das Feuer auf die Antriebssektion des Feindes. Flugleitstand, sobald der Deflektorschild des Feindes kollabiert, sollen unsere Sternenflügler mit ihren Ionenkanonen die Navigationssysteme des Carrack-Kreuzers ausschalten.” Der Kreuzer war einfach zu schwer gepanzert, als dass die Kanonenboote mit ihren Laserkanonen dessen Panzerung ernsthaft beschädigen konnten und was ihre Raketen anging? Die waren schon längst verschossen worden, ohne dass Gelegenheit war, auf der Huntress zu landen und aufzumunitionieren. Die Ionenkanonen der Sternenflügler hatten hingegen keinerlei Probleme damit, die Elektronik des Feindes lahmzulegen, sobald der Deflektorschild erst einmal aus dem Weg war.

Als der Deflektoschild des Carrack-Kreuzers endlich kollabierte, ging es ganz schnell. Turbolaserbolzen zerplatzten nicht mehr in kleinen Feuerbällen kurz über dem Heck des Feindes. Stattdessen bohrten sie sich tief in die Antriebssektion und produzierten spektakuläre Sekundärexplosionen oder schlugen tiefe Kerben in die Panzerung der Hecksektion, während die Sternenflügler unter und über der Huntress hinweg flogen, um den Carrack-Kreuzer mit unzähligen blauen Ionenbolzen einzudecken. Praktisch augenblicklich reduzierte sich die Geschwindigkeit des Carrack-Kreuzers und er begann schwere Rauchfahnen hinter sich herzuziehen, die erst viele Minuten später versiegen würden, sobald entweder die Schadenskontrollteams der Piraten die Feuer gelöscht bekamen oder den betroffenen Sektionen das brennbare Material oder die Luft ausging. Natürlich hatte das seinen Preis. Der Carrack-Kreuzer war zwar zunehmend angeschlagen, aber das bedeutete noch lange nicht, dass er wehrlos war. Die Lasergeschütze des Feindes funktionierten noch tadellos und zwei der Sternenflügler sowie ein TIE/in, der sich zu weit vorgewagt hatte, bezahlten sofort mit dem Leben.


“Navigation, gehen Sie an Backbord des Carrack-Kreuzers längsseits. Feuerleitstand, Sie haben ein neues Primärziel: Schalten Sie Geschütze des Feindes aus.” Die Huntress befand sich aktuell zwar im klaren Vorteil gegenüber dem Carrack-Kreuzer, aber der Arquitens-546 Kreuzer war keineswegs robust genug, um ein Entermanöver durchzuführen, während er sich unter ständigem Turbolaser- und Laserbeschuss befand. Die Piraten wehrten sich verzweifelt und schienen eine Kapitulation gar nicht erwägen zu wollen. Entsprechend wurde die Huntress unaufhörlich von Turbolasereinschlägen in ihren Deflektorschild durchgeschüttelt, während das eigene Turbolaserfeuer selbst unaufhörlich Vibrationen durch das Schiff schickte. Noch aber befand sich die Huntress im Vorteil. Während die Backbordseite des Carrack-Kreuzers immer mehr in eine Kraterlandschaft verwandelt wurde, nahm lediglich die Schildintegrität der Huntress ab. “Kommandant, Schildintegrität der Huntress ist unter 50 % gesunken. Ein volle Schutzleistung ist nicht länger garantiert!” Lieutenant Shirho wirkte merklich nervös und auch der Rest der Brückenbesatzung war spürbar angespannt und der Chiss war davon nicht befreit. Er wollte genauso wenig wie seine Mannschaft heute den Heldentod sterben.

Zum Glück hatten sie im Gegensatz zum Feind noch Reserven, auf die sie zurgeifen konnten.
Lieutenant Arbmet, leiten Sie alle nicht essentielle Energiereserven in den Deflektorschild um.” Thade konnte schon hören, wie sich sein leitender Ingenieur später über diesen Zug beschweren würde. Aber es war dem Chiss definitiv lieber, sich diese Beschwerden anhören zu können, als Sorgen wie erhöhten Wartungs- und Reparaturaufwand endgültig hinter sich zu haben. Die Huntress hatte einiges einstecken müssen, als bis sie endlich längsseits zum Carrack-Kreuzer gezogen war, doch mittlerweile war das Abwehrfeuer des Feindes praktisch versiegt, da dessen Backbordgeschütze zwischenzeitlich fast vollständig unschädlich gemacht worden waren. “Feuerleitstand, verankern Sie uns mit den Traktorstrahlern und stimmen Sie sich mit der Navigation für das Andockmanöver ab. Navigation, docken Sie uns am Carrack-Kreuzer für das Entermanöver an.” Das Gefecht war für die Besatzung der Huntress noch lange nicht vorbei. Thade hatte jetzt aber einen kurzen Moment Ruhe, um sich über dem Holotisch die Situation der anderen Schiffe anzuschauen. In ihrer kurzen, aber rasanten Verfolgung des Carrack-Kreuzers hatte sich die Huntress tatsächlich ein gutes Stück vom Konvoi entfernt Das war keine Überraschung, würde es aber auch schwierig gestalten, Verstärkung von der Fides zu erhalten, falls das Entermanöver nicht so laufen würde, wie geplant.

Innerer Rand | Handelsweg nahe Gyndine und Fabrin | Huntress | Kommandobrücke | Captain Thade Skywalker, Brückenoffiziere (NSCs)

Huntress, Arquitens 546: Hülle: 83 % Schilde: 44% Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 25/30 je Werfer, Jägereskorte: 8/12 TIE/in ; 7/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
[Weltraum | Hyperraum | YT-2400 Wild Hunt | Aufenthaltsraum ] Etara

Unter normalen Umständen hätte Etara das Piepen des Weckers neben ihrer Schlafkoje mit einem deftigen Fluch und dem Werfen einer Flasche mit Resten von Alkohol beantwortet, gefolgt von Umdrehen und Zuwenden zu einem oder mehreren warmen und weichen Körpern neben ihr. Aber dies waren keine normalen Umstände, und so gab der Wecker keinen Ton von sich und Etara saß bereits geduscht und in praktische Kleidung gehüllt an ihrem kleinen Arbeitstisch, eine dampfende Tasse Caf vor ihr. Das Datenpad in ihren Händen stand momentan im Zentrum der Aufmerksamkeit der jungen Chiss, gründlich ging sie die Angaben darauf durch. Es war das in kühle, nüchterne Zahlen und Worte gehüllte Nachspiel der dramatischen Ereignisse auf dem Schmugglermond, eine Auswertung der aufgewendeten Mittel und der erzielten Erfolge. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Punkten befand sich auf einem Niveau, das man mit viel trockenem Humor mit „unausgeglichen“ zusammenfassen konnte. Ach, Kriff, was sollte die Schönfärberei: Die ganze Sache war ein Debakel gewesen, das nur haarscharf an einem völligen Desaster für die Black Sun und, wichtiger noch, für Etara selbst, vorbeigeschrammt war. Beinah hätte sie Spectre verloren! Allein der Gedanke genügte schon, um die Piratin frösteln zu lassen. Er machte ihr gleich in mehrerer Hinsicht Angst: Zum einen wegen der Frau, um die es ging, selbst, und zum anderen, weil es ihr so viel ausmachte. Das war ungewohnt, und es fiel ihr überhaupt nicht leicht, damit zurecht zu kommen.

Missmutig griff Etara in die Schublade des Schreibtisch und schüttete eine für ihre Verhältnisse geradezu winzige Portion Alkohol in den Caf, bevor sie die Flasche Hochprozentiges von Agamar wieder verstaute und die Schublade abschloss. Wenigstens waren die Verhandlungen mit den Hutten den Umständen entsprechend einigermaßen rund gelaufen und die Black Sun nicht vollkommen leer aus der Angelegenheit raus gegangen. Informationsaustausch, das ein oder andere diskrete Geschäft und eine Möglichkeit für das Syndikat, Nar Shaddaa als Basis nutzen zu können, solange man sich bedeckt hielt. Nicht gut, aber auch keine Katastrophe, und sowohl Vigo Darga als auch Beldool Besadii konnten sich damit arrangieren. Aber wie viel mehr wäre möglich gewesen! Reichtum, Macht und Ruhm, all das hätte ihr gehören können und es wäre ein neues Zeitalter angebrochen, weil die ganze Unterwelt gemerkt hätte, dass die Hutten nicht unantastbar waren. Aber ihr Kronjuwel hielten die fetten Schnecken weiter fest im Griff, diesen einzigartigen Schatz, dieses eine Stück. Also galt es, nach vorn zu blicken und weiter zu suchen, irgendwo da draußen in dieser großen, großen Galaxis musste es doch etwas geben, das zu erbeuten war.

Nachdenklich kaute die tätowierte Verbrecherin auf ihrer Unterlippe, bevor sie das Datapad beiseite legte, die Hände hinter dem Kopf verschränkte und ihre Beine auf dem Schreibtisch platzierte. Schon besser, das brachte die Gedanken in Fluss. Wie sollte es also weitergehen? Etara konnte das Bauchgefühl nicht abstreifen, dass sie sich verhoben hatte, so hoch gegriffen hatte. Fierfek, es war noch gar nicht so absurd lange her, da war sie mit einem gestohlenem Speeder durch die schmutzigen Straßen von Nar Shaddaa gerast und hatte ihren lachend ihren ersten Laden überfallen. Zu schnell zu hoch hinaus, war das das Problem? Hatte sie ihre Verbindung zur Drecksarbeit, ihren Instinkt, verloren? Ad´ika war ein beachtlicher Rang bei der Black Sun, aber die Macht brachte auch Verantwortung mit sich. Lag dort der Kath-Hund begraben? Ja, gut möglich. Es wurde Zeit, Abstand zu gewinnen, sich mal von allem etwas zu lösen und zurück zu den Wurzeln zu gehen. Ordentliche, schmutzige, direkte Arbeit, mitten drin im Dreck und der Gefahr, rau und ehrlich.

Da war sie, die Antwort auf alle Fragen. Ein Grinsen schlich sich auf Etaras Gesicht und huschte nach oben zu ihren roten Augen. Flink tippte sie eine kurze, liebevolle Kom-Nachricht an Spectre, wünschte ihr viel Erfolg und Glück und schrieb von der Hoffnung, dass sie sich bald wiedersehen würden. Der Gedanke ließ ihr Herz höher schlagen, aber im Moment war es besser, wenn sie beide Zeit und Raum hatten, sich zu sortieren und zu finden. Zufrieden und mit neuer Energie gefüllt, suchte sich Etara einen günstigen Standort, um aus dem Hyperraum zu fallen, loggte sich in das Schattennetzwerk der Black Sun ein und machte sich auf die Suche. Es dauerte nicht lange, bis sie fündig wurde.


„Oh, hallo...“

Hauchte die Piratin in ihrem melodischen Basic, tippte sanft gegen den Bildschirm und fuhr die Worte mit ihren Fingern entlang. Also das las sich genau nach dem, was sie gerade brauchte. Zeit, sich in Bewegung zu setzen und die Flügel auszubreiten. Zeit, zu fliegen.

[Weltraum | Hyperraum | YT-2400 Wild Hunt | Aufenthaltsraum ] Etara
 
[Äußerer Rand | Mandalore-Sektor | Hyperraum zwischen Concord Dawn und Zanbar | Jai’Galaar | Trainingssektion] Ral A’kazz und Mando-Cabure

Der erste Übungsbolzen ging dicht an Rals Helm vorbei und traf die Wand hinter ihm, noch während er sich hinter die geöffnete Trennwand zurückzog und auf dem HUD verfolgte, wie die vier Markierungen im Korridor ihre Positionen veränderten. Aran Vhett hielt die rechte Seite, Keld blieb etwas zurück und gab ihm Deckung, Tavi Ordo zog nach links und Sola verschwand für einige Sekunden aus seinem unmittelbaren Sensorbereich. Sie sprachen nicht mehr jeden Schritt durch und sie drängten auch nicht länger alle auf denselben Zugang, wie sie es zu Beginn des Lehrgangs einige Male getan hatten. Der Mandalorianer hörte nur ihre Stiefel auf den Deckplatten und zweimal das kurze Klicken des internen Kanals, mit dem sie bestätigten, dass eine Bewegung verstanden worden war.

Er wartete.

Aran kam durch das rechte Schott.

Ral schoss ihm auf die Brustplatte.

Der Warnton der Trainingssensorik setzte ein, Keld packte den Vhett fast im selben Moment am Schulterstück und zog ihn zurück, während Tavi die freigewordene Seite übernahm. Sola blieb in Bewegung und zwang ihn dadurch, seine eigene Stellung aufzugeben, bevor er aus Arans Treffer einen zweiten machen konnte.

Das war besser.

Als er nach rechts auswich, zwang ihn die alte Taubheit im rechten Bein, den Fuß noch einmal neu zu setzen, bevor er das Gewicht vollständig verlagerte. Inzwischen geschah das meist ohne Nachdenken. Er kannte die Stellen, an denen sein Körper unzuverlässig geworden war, genauso gut wie die Verriegelungen seiner Beskar’gam.

Sola nutzte den Augenblick trotzdem.

Ihr erster Schlag traf seine linke Armschiene. Ral nahm ihn auf der Prothese, drehte ihre Schulter aus der Linie und verzichtete darauf, die Bewegung in einen Wurf zu verlängern, denn dafür hätte er mehr Kraft aufwenden müssen, als ihm der geringe Vorteil wert war. Sola begriff ebenso schnell, dass der erwartete Widerstand ausblieb, setzte den Fuß neu und brachte ihre Trainingswaffe wieder hoch.

Ihr Bolzen traf ihn an der Hüfte.

Seiner traf fast gleichzeitig ihre Schulter.

Während die beiden Treffer von den Rüstungen bestätigt wurden, gingen Keld und Tavi bereits weiter. Keiner versuchte, Sola aus einer Lage herauszuholen, die sie selbst verursacht hatte, und keiner wandte sich nach ihrem Ausbilder um. Tavi erreichte den Kontrollpunkt, Keld sicherte den letzten Zugang und erst dann beendete das Trainingssystem den Durchgang.

Eine Minute und siebenundvierzig Sekunden.

Elf Sekunden über der Vorgabe.

Ral ging zurück in den Korridor. Aran stand bereits wieder und weder er noch die anderen machten Anstalten, den Helm abzunehmen oder sich irgendwo anzulehnen.


„Meg banar?“ (Was ist passiert?)

Aran sah kurz auf die Stelle an seiner Brustplatte, an der der Treffer registriert worden war.

„Ni kyr’adyc.“ (Ich war tot.)


„Bal?“ (Und?)

Der Vhett schwieg einen Augenblick zu lange.

„Mhi ru’loyur.“ (Wir haben gewartet.)

Ral sah zu Keld.
„At tion?“ (Auf wen?)

Jetzt antwortete keiner sofort.

Tavi war der Erste, der seinen Blick erwiderte.

„At gar.“ (Auf dich.)


„Elek.“

Er ging zu der Stelle zurück, an der Aran getroffen worden war und deutete auf den Zugang. Keld hatte sofort reagiert, daran war nichts auszusetzen gewesen. Sein Problem war ein anderes. Er zog einen Kameraden aus der Feuerlinie, bevor er sich selbst fragte, ob der Mann überhaupt noch gerettet werden musste, und in einer anderen Lage konnte aus genau diesem guten Instinkt der Fehler entstehen, mit dem er zwei weitere Männer in Gefahr brachte. Sola wiederum war schnell genug, eine Veränderung fast unmittelbar aufzunehmen, doch ihre Geschwindigkeit half der Gruppe nur dann, wenn die anderen wussten, wohin sie als Nächstes ging. Tavi hatte von allen vieren am konsequentesten am Auftrag festgehalten und dabei beinahe vergessen, dass ein Auftrag nicht von allein kämpfte.

Aran war schwieriger.

Dem Vhett fehlte es nicht an Eigeninitiative. Ral hatte ihn oft genug erlebt, um das zu wissen. Aran vertraute nur zu sehr darauf, dass eine sauber festgelegte Struktur auch dann noch galt, wenn bereits der erste Mann daraus herausgebrochen war.


„T’ad ca’nara.“ Der Alte hielt zwei Finger hoch. „T’ad. Gar cuyir Cabure. Meh gar ganar alor par cuyir gar at bid ca’nara meg banar, ni ru’ba’jurir gar morut.“ (Zwei Augenblicke. Zwei. Ihr seid Protektoren. Wenn ihr einen Alor braucht, der euch in diesen zwei Augenblicken sagt, was vor euch geschieht, habe ich euch schlecht ausgebildet.)

Keiner erwiderte etwas.

Das gefiel ihm besser als vier eilige Versicherungen, dass man verstanden hatte.


„Aran kyr’adyc. Keld hukaatir kaysh. Jate. Bal gar?“ Er sah Sola an. „Tion gar ru’loyur?“ (Aran fällt aus. Keld deckt ihn. Gut. Und du? Warum hast du gewartet?)

Sola ließ den Blick kurz durch den Korridor gehen.

„Ni ru’mirdir tion cuun plan cuyir ti Aran.“ (Ich habe gedacht, weil unser Plan Aran vorgesehen hatte.)


„Vi plan nu vaabir, gar chaabir bic. Gar nu loyur par vay pehe gar meg at vaabir.“ (Wenn der Plan nicht mehr funktioniert, ändert ihr ihn. Ihr wartet nicht darauf, dass euch jemand sagt, wie.)

Dann wandte er sich Tavi zu.
„Gar ru’baatir aka. Jate. A gar nu ru’haa’taylir Sola.“ (Du bist beim Auftrag geblieben. Gut. Aber du hast Sola nicht gesehen.)

Der Ordo nickte zunächst, fing die Bewegung aber noch ab, bevor Ral etwas dazu sagen musste.

Einige der jüngeren Ausbilder hätten vielleicht gelobt, dass die Lektion bereits saß. Ihn interessierte mehr, ob sie beim nächsten Durchgang noch daran dachten.

Er trat aus ihrer Mitte.


„Tug’yc.“ (Noch einmal.)

Beim zweiten Durchgang brauchten sie eine Minute und einunddreißig Sekunden.

Diesmal erwischte der Mandalorianer Tavi, noch bevor sie den ersten Abschnitt vollständig gesichert hatten. Sola übernahm dessen Seite, Aran rückte nach hinten und Keld führte sie weiter, ohne dass jemand nach einem Befehl fragte. Sie lagen damit unter der Vorgabe, was Ral zur Kenntnis nahm und anschließend die Schotts neu stellen ließ.

Der dritte Durchgang zwang sie in zwei engere Korridore, in denen jede Bewegung einer Feuerlinie sofort die des anderen beeinflusste. Sola ging einmal zu früh vor und musste von Tavi zurückgenommen werden, Aran fing dafür Kelds offene Seite auf, ohne dass ihr Ausbilder später danach fragen musste.

Beim vierten Durchgang fiel der interne Funk aus.

Die ersten Sekunden waren entsprechend schlecht.

Keld wartete auf eine Bestätigung, die nicht mehr kommen konnte, Sola erkannte zu spät, dass er überhaupt wartete und Tavi versuchte, den fehlenden Kanal mit Handzeichen zu ersetzen, während Aran bereits zwei Schritte weiter war. Danach fanden sie sich. Die Bewegung wurde langsamer, aber sauberer, bis sie den Kontrollpunkt erreichten.

Ral schaltete den Funk wieder frei.

„Ni nu ru’haa’taylir Keld.“ (Ich konnte Keld nicht sehen.)

Sola kam ihm mit der Erklärung zuvor.

„Gar ru’haa’taylir ni. Gar shi ru’loyur par komlink.“ (Du konntest mich sehen. Du hast nur auf den Komlink gewartet.)

Sola sah Keld an, dann noch einmal zurück auf den Korridor.

„Elek.“

Ral sagte nichts dazu.

Beim fünften Durchgang lag ein Verletzter zwischen zwei Schotts.

Aran sicherte den Zugang, Sola ging hinunter und griff nach dem Mann, der im selben Moment nach ihrer Waffe fasste. Sie brachte ihn zu Boden, doch Keld zog seine Aufmerksamkeit zu lange auf sie und gab die rechte Seite frei.

Ral traf ihn.

Tavi zog Keld aus der Linie und Aran drehte sich zu ihm, anstatt weiter auf den nächsten Befehl zu warten.

Der Vhett blieb stehen.

Ral ließ ihm die Zeit.

„Ni ru’haa’taylir bic.“ (Ich habe es gesehen.)


„Bal?“ (Und?)

Arans Blick blieb auf ihm.

„Ni ru’loyur at gar.“ (Ich habe auf dich gewartet.)

Ral nickte einmal.
„Jate.“

Dass ausgerechnet das Lob den Vhett kurz irritierte, war nicht zu übersehen.

„Gar ru’kar’taylir meg morut cuyir. Jii chaabir bic.“ (Du weißt, was falsch war. Jetzt änderst du es.)

Beim sechsten Durchgang wartete Aran nicht mehr.

Der vermeintlich Verletzte bekam seine Waffe nicht einmal vollständig aus dem Holster, bevor Sola ihn kontrollierte. Keld verlor auf der rechten Seite kurz den Überblick, doch Tavi fing den Bereich auf, noch bevor Ral den Winkel nutzen konnte und Aran verschob die Formation, als sich vor ihnen ein Schott schloss, ohne sich vorher nach ihm umzusehen.

Eine Minute und achtundzwanzig Sekunden.

Er ließ das Ergebnis auf der Anzeige stehen und ging zu ihnen.

Der Durchgang war nicht sauber gewesen. Keld hatte eine Feuerlinie zu früh aufgegeben, Tavi war beim zweiten Wechsel weiter von Sola weggeraten, als ihm selbst lieb sein konnte und Arans neue Stellung hatte ihm für einen Moment den Blick auf fast die Hälfte des Korridors genommen. Diesmal benannten sie die Fehler jedoch selbst.

„Keld ru’ruusaanir te tal o’r t’ad baatir.“ (Keld hat beim zweiten Wechsel seinen Bereich verloren.)

Sola nahm ihren Helm ab.

„Ni kar’taylir. Gar ru’gaanar at verda.“ (Ich weiß. Du bist dafür zu weit vorgerückt.)

Keld löste die Verriegelung seiner Trainingswaffe.

„Elek.“

Tavi deutete auf Arans letzte Stellung.

„Bal kaysh ru’choosir morut tal.“ (Und er hat eine schlechte Position gewählt.)

Aran sah noch einmal dorthin, bevor er widersprechen konnte, und ließ es dann bleiben.

Der alte Mann hörte ihnen zu, nahm schließlich den Helm ab und legte den Karabiner in die Halterung an der Wand. Unter der Rüstung hatte die Belastung ihre Spuren hinterlassen. Als er die rechte Hand öffnete, begann sie leicht zu zittern, kaum sichtbar zunächst, dann deutlicher, sobald er die Finger streckte. In Mittel-, Ring- und kleinem Finger spürte er ohnehin nichts.

Er schloss die Hand wieder und überprüfte stattdessen die Verriegelung der linken Armschiene.

Penelo hätte nach dem fünften Durchgang wahrscheinlich bereits gesehen, dass sechs genug waren, und das Ärgerlichste daran wäre gewesen, dass sie recht gehabt hätte. Inzwischen schlug sie ihn seit Jahren im Training häufiger, als ihm lieb sein konnte, was weniger an einem geheimen Nachlassen ihrer Rücksicht und mehr daran lag, dass sie schneller geblieben war, während er es nicht war. Ral hatte irgendwann aufgehört, darin eine Beleidigung zu suchen. Einen Teil ihrer Art zu kämpfen hatte er selbst mitgeformt.

Sola und Keld stritten inzwischen darüber, ob der zweite Wechsel überhaupt noch zu retten gewesen war.

Er ließ sie.

Aran setzte seinen Helm unter den Arm.

„Ni nu ven’loyur at gar tug’yc.“ (Ich werde nicht noch einmal auf dich warten.)


„Gar ven’loyur at ni vi ni cuyir alor.“ Der Mandalorianer sah ihn an. „Nu vi ni cuyir kyr’adyc.“ (Du wirst auf mich warten, wenn ich dein Alor bin. Nicht wenn ich tot bin.)

Aran verzog den Mund.

Keld lachte diesmal offen.

Ral sah zu ihm, doch der Mann hatte wenigstens genug Verstand, nicht so zu tun, als sei nichts gewesen.


„Besbe chaabir.“ (Ausrüstung wechseln.)

Die vier machten sich daran, die Trainingsmodule aus ihren Rüstungen zu nehmen und die normalen Systeme wieder zu aktivieren. Ral war gerade dabei, seinen Helm wieder aufzusetzen, als die Nachricht von der Brücke auf seiner Armschiene erschien.

Der Hyperraumaustritt stand bevor.

Das erwartete Transpondersignal war bereits im Zielbereich erfasst worden.

YT-2400.

Wild Hunt.

Er öffnete die beigefügten Daten noch einmal, obwohl sich seit dem letzten Lesen nichts geändert hatte. Ralltir wollte einen längerfristigen Vertrag und hatte genug über Schutzaufgaben, feste Verfügbarkeiten und gemeinsame Sicherheitsinteressen geschrieben, um deutlich zu machen, dass es nicht um eine einzelne Eskorte ging.

Wie viele Männer wollte man tatsächlich?

Für wie lange?

Wer gab ihnen im Einsatz Befehle?

Und wichtiger noch, was geschah, wenn die Interessen des Auftraggebers und die des Hauses A’kazz nicht mehr dasselbe verlangten?

Darüber würde man sprechen müssen. Gerade der letzte Punkt war keiner, den Ral anderen überlassen wollte, und nur weil ein Vertrag Credits auf die eine und bewaffnete Mandalorianer auf die andere Seite schrieb, bedeutete das noch lange nicht, dass der Käufer damit auch ihren Gehorsam erwarb.

Er schloss die Nachricht.


„Keld, Aran. Bereitschaftsbereich. Sola, Tavi, ti ni.“ (Keld, Aran. Bereitschaftsbereich. Sola, Tavi, mit mir.)

Die Antwort kam gleichzeitig.

„Elek.“

Die Jai’Galaar fiel aus dem Hyperraum, noch während sie den Verbindungsgang hinuntergingen. Das vertraute Brummen der Maschine veränderte sich, auf Rals HUD verschwand das Blau des Hyperraums und wenige Augenblicke später erschien die Kennung der Wild Hunt in einiger Entfernung vor ihnen.

Tavi warf einen Blick auf die Daten.

„Aru’e?“ (Feind?)


„Nayc. Aruetii.“ (Nein. Eine Außenstehende.)

Tavi ließ sich mit der Antwort offenbar nicht vollständig zufriedenstellen.

„Bal Black Sun.“

Ral sah ihn kurz an.


„Elek.“

Mehr änderte das im Augenblick nicht.

„Aruetii nu cuyir aru’e. A gar hukaatir cuun yaim bal gar nu shukur at kaysh at cuyir vod.“ (Eine Außenstehende ist kein Feind. Aber ihr sichert unser Schiff und ihr vergesst darüber nicht, dass sie keine von uns ist.)

Tavi nickte.

Diesmal störte es ihn nicht.

Die Flugkontrolle führte den Frachter an die seitliche Schleuse der Korvette und als sie dort ankamen, war das Andockmanöver bereits fast abgeschlossen. Sola und Tavi stellten sich einige Schritte hinter Ral, ihre Waffen gesichert und die Helme aufgesetzt, während Ral seinen eigenen wieder abnahm und unter den linken Arm klemmte.

Auf dem Kontrollfeld neben dem Schott wechselten die Anzeigen nacheinander.

Die Verbindung stand.

Der Druck war ausgeglichen.

Das Schott öffnete sich und wenig später war auch auf der anderen Seite Bewegung zu erkennen.

Ral wartete, bis die ihm angekündigte Chiss in der Schleuse erschien.


„Etara. Ralltir hat Ihre Ankunft angekündigt. Ral A’kazz. Willkommen an Bord der Jai’Galaar.“

[Äußerer Rand | Mandalore-Sektor | vereinbarter Treffpunkt zwischen Concord Dawn und Zanbar | Jai’Galaar | Hauptschleuse] Ral A’kazz und Mando-Cabure, Etara an Bord der Wild Hunt
 
[Äußerer Rand | Mandalore-Sektor | vereinbarter Treffpunkt zwischen Concord Dawn und Zanbar | Jai’Galaar | Hauptschleuse] Etara, Ral A’kazz und Mando-Cabure

Der Hyperraumflug zum vereinbarten Treffpunkt war so langweilig gewesen, dass es darüber nicht viele Worte zu verlieren galt. Umso intensiver hatte sich Etara also mit ihrem neuen Auftrag beschäftigt. Die Black Sun hatte ihr eine Mission anvertraut, die grundsätzlich erst einmal simpel klang: Über Ralltir Security als Mittelsmann eine Gruppe fähiger Söldner anzuheuern, um die Interessen des Syndikats rustikal zu vertreten und ein ambitioniertes Projekt zu verwirklichen. Mehr als ambitioniert, die junge Chiss kam nicht umhin, den Schneid hinter diesen Plänen anzuerkennen. Ein neuer Staat, mit allem, was dazu gehörte, und mit der diskreten, aber entscheidenden Führung durch die Black Sun. Das hatte etwas, und Etara verstand, warum man dafür nicht irgendwelche Halsabschneider anwerben wollte. Da wurde es dann etwas komplizierter, denn die Truppe, die man im Auge hatte, waren Mandalorianer, angeführt von einem gewissen Ral A’kazz. Ein spezieller Verein auch jenseits der Rüstungen und sicher Leute, die man mit einem gewissen Fingerspitzengefühl behandeln musste.

Entsprechend hatte sich Etara ein paar Gedanken gemacht, als die Wild Hunt schließlich pünktlich aus dem Hyperraum fiel und ohne große Umschweife an das Schiff der Mandos andocken durfte. Der Teil war schon mal ohne Probleme verlaufen, keine Selbstverständlichkeit – manchmal wurde man direkt mit Turbolaserfeuer und Flüchen übers Kom begrüßt. Die Piratin entschied, das ganze als gutes Omen zu werten, und machte sich auf den Weg zur Luftschleuse, in praktische weiße Kleidung gehüllt, für ihre Verhältnisse eher hochgeschlossen, in den Stiefeln je ein Vibromesser verborgen und mit ihren Blasterpistolen offen an der Hüfte baumelnd. Kurz hatte sie überlegt, auf Waffen zu verzichten, aber nach allem, was sie über Mandos wusste, würde man es wahrscheinlich eher als Zeichen von Schwäche deuten, wenn sie wehrlos auftrat. Also präsentierte die blauhäutige Frau ein schmales, charmantes Lächeln zusammen mit dem Arsenal, als sich schließlich die Luftschleuse zischend öffnete und gleich mehrere gut gerüstete Gestalten sie in Empfang nahmen, von denen einer das Wort ergriff und sich als besagter Ral A’kazz vorstellte. Etara nickte ihm zu, ließ ihren Blick kurz über die anderen Anwesenden schweifen, dann antwortete sie in klarem, leicht melodisch klingendem Basic, die roten Augen auf ihr Gegenüber gerichtet.


„Eben jene. Ad’ika Etara, ich repräsentiere ein stellares Objekt, das sich gerne in Dunkelheit hüllt. Und Ralltir Security, für die ich mir keine poetische Umschreibung überlegt habe. Ist mir ein Vergnügen – bitte um Erlaubnis, an Bord Ihres Schiffes hüpfen zu dürfen.“

Kurz wurde ihr Lächeln eine Spur breiter und sie machte tatsächlich einen dezenten Satz, um über die Schwelle zu kommen, bevor sie mit leicht wiegendem Schritt ihrem Gastgeber und seiner Eskorte folgte. Der zu erwartende martialische Eindruck verfestigte sich rasch, und das war gut so – diese Leute schienen auf Zack zu sein, genau die Sorte raue Gesellen, die das Syndikat brauchte. So, wie die anderen Mandos auf die Worte und Gesten ihres Anführers reagierten, war er wohl recht gefestigt in seiner Autorität, ebenfalls von Vorteil, wenn man nicht schon in ein paar Tagen alles mit seinem Nachfolger neu aushandeln wollte. Als sie schließlich den Ort erreichten, an dem das Gespräch stattfinden würde, lockerte Etara ihre Haltung ein wenig, strich eine Strähne ihres schwarzes Haars zurecht und sah sich noch einmal demonstrativ um, bevor sie zum Punkt kam.

„Nett hier. Ein Drink wäre nicht schlecht, dann können wir von meiner Seite aus auch gerne direkt zum Geschäft kommen. Die Organisation will expandieren, im großen Stil, Fokus ist Centares. Wo sich Perlemianische Handelsstraße und Triellus-Handelsstraße kreuzen, gibt es einiges zu holen. Und damit es sauber aussieht, kriegt das ganze Projekt einen hübschen Namen und einen staatlichen Anstrich. So etwas weckt natürlich auch Begehrlichkeiten bei anderen. Und da kommen Sie und Ihre fähige Truppe ins Spiel.“

Die Verbrecherin legte eine Kunstpause ein, um ihrem Gesprächspartner Zeit zu geben, über das nüchtern Vorgetragene nachzudenken. Etara gab sich betont sachlich und signalisierte damit, dass tatsächlich davon ausging, dass dieser Mann und seine Gefolgsleute die richtigen Kandidaten für den Job waren. Nach allem, was die Black Sun ihr mitgeteilt und sie selbst in Eigenrecherche herausgefunden hatte, sah sie sich harten und zählen Kämpfern mit ihrem eigenen Ehrenkodex gegenüber. Mit solchen Leuten konnte man arbeiten, solange sie zumindest ein bisschen flexibel waren. Als einige Sekunden verstrichen waren, lehnte sich Etara etwas nach vorn und fixierte ihr Gegenüber.


„Ralltir – und damit wir – wollen Sie anheuern. Sie und Ihre besten Leute. Wir sprechen hier über einen festen Vertrag von erheblichem Umfang, der uns eng aneinander binden würde. Sie wären eine Art...spezielle und entsprechend gut bezahlte Garde, die die externe und interne Stabilität dieses neuen Staats garantiert. Keine Sorge, man wird ihr Talent nicht dafür vergeuden, Einkaufszentren vor Horden gelangweilter Touristen zu beschützen. Nein. Sie kommen zum Einsatz, wenn es wichtig ist. Wenn es klappen muss. Details sind hier nachzulesen, aber ich hab mir mitteilen lassen, es soll ganz angenehm sein, wenn ich meine Lippen bewege. Nehmen Sie sich Zeit, Ral A’kazz. Und dann sagen Sie mir, ob wir einen Deal haben.“

Nun lagen die Karten auf dem Tisch. Die trockenen, aber wichtigen Details lagen auf einem Datapad bereit, damit der Anführer der Mandos sie in aller Ruhe sichten konnte, aber mindestens so wichtig wie diese Daten war die Stimmungslage, das Bauchgefühl. Etara bereitete sich darauf vor, Fragen zu beantworten und wenn nötig Wogen zu glätten, aber bis jetzt hatte sie den Eindruck, dass es ganz ordentlich lief – alles weitere würde sich schon bald zeigen.

[Äußerer Rand | Mandalore-Sektor | vereinbarter Treffpunkt zwischen Concord Dawn und Zanbar | Jai’Galaar | Besprechungsraum] Etara, Ral A’kazz und Mando-Cabure
 
[Äußerer Rand | Mandalore-Sektor | vereinbarter Treffpunkt zwischen Concord Dawn und Zanbar | Jai’Galaar | Raum für Übungsnachbesprechungen] Ral A’kazz, Etara und Mando-Cabure

Ral ließ sie ausreden.

Erst bei der Formulierung von der internen Stabilität des neuen Staates blieb sein Blick etwas länger auf Etara liegen. Als sie schließlich das Datapad auf den Tisch schob, nahm er es an sich, überflog die ersten Punkte und blieb kurz bei der Gliederung der Vertragsbedingungen hängen. Hinter dem staatlichen Anstrich sollte offenbar erheblich mehr Schwarze Sonne stecken, als später nach außen sichtbar sein würde. Etara machte allerdings erfreulich wenig Anstalten, ihm diesen Umstand hinter freundlicheren Begriffen zu verbergen. Was Ral von dem Vorhaben hielt, wusste er noch nicht. Dass seine Besucherin ohne viele Umwege sagte, worum es ging, war für den Anfang mehr wert als eine sauber einstudierte Geschichte.


„Sola, din’kartay. Tavi ti gar. Keld, Aran, besbe.“ (Sola, Nachbesprechung. Tavi bei dir. Keld, Aran, Ausrüstung.)

Sola antwortete mit einem knappen
„Elek“. Noch bevor Ral sich wieder Etara zugewandt hatte, widersprach Keld bereits etwas, das Tavi über den letzten Durchgang gesagt hatte. Sola ließ ihn ausreden. Aran stand daneben und hörte zunächst nur zu.

Ral nahm das Datapad wieder auf.


„Sie wollten einen Drink. Kommen Sie.“

Er ging zur Tür und wartete dort auf Etara. Als sie den Raum verließen, war hinter ihnen schon wieder Mando’a zu hören.

„Wir sollten den Jungen nicht ihr Studiert immer besetzen. In diesem... Besprechungsraum machen wir die Nachbesprechung der Übungen meiner Protektor-Lehrlinge.“

Der alte Mandalorianer ging weiter, ohne daraus mehr zu machen.

Die Gänge der Jai’Galaar waren um diese Zeit weder leer noch besonders geschäftig. Zwei Mandalorianer kamen ihnen aus Richtung der Schmiede entgegen. Einer trug die dunkle Arbeitskleidung unter einer nur teilweise angelegten Beskar’gam. Der andere hielt eine schmale Metallplatte in beiden Händen und diskutierte darüber mit ihm auf Mando’a. Vor dem Aufenthaltsraum saßen drei Besatzungsmitglieder auf einer offenen Bank. Einer aß aus einer Schale, während eine ältere Frau neben ihm einen Handschutz auseinandergebaut hatte. Der Duros auf ihrer anderen Seite schien mit beiden gleichzeitig zu streiten.

Niemand verstummte, als Ral vorbeiging. Zwei Hände hoben sich zur Begrüßung. Er erwiderte den Gruß und führte Etara weiter durch das Schiff. Vor einer der größeren Doppelkabinen im hinteren Teil der Korvette blieb er stehen und öffnete die Tür.

Das große Bett stand hinter einer halbhohen Abtrennung. Rote Decken lagen darüber und dunklere Stoffe nahmen dem Metall der Kabine viel von seiner ursprünglichen Nüchternheit. Vor dem breiten Transparistahlfenster gruppierten sich mehrere tiefe Bodenottomanen um einen niedrigen Tisch. Auf Teilen des Bodens lagen schwere gewebte Läufer, deren Muster nicht zusammenpassten und eher danach aussahen, als wären sie über Jahre an verschiedenen Orten zusammengekommen.

An den Wänden hingen gemalte Bilder auf Leinwand, Holz und anderen Untergründen. Manche waren kaum größer als zwei Hände. Andere nahmen einen beträchtlichen Teil einer Wand ein. Ral und Penelo waren darauf nicht die einzigen Menschen.

Tess tauchte auf mehreren Bildern in verschiedenen Lebensaltern auf. Verun ebenso. Ein jüngeres Porträt zeigte Penelo mit verschränkten Armen vor einer hellen Steinwand und jenem schmalen Zug um den Mund, bei dem sich Ral bis heute nicht sicher war, ob seine Enkelin Nara dort ein Lächeln oder die letzten Sekunden unmittelbar vor einem Tadel festgehalten hatte. Andere Bilder zeigten Landschaften. Die Felsplateaus von Zanbar lagen auf einem davon unter einem rötlichen Abendhimmel. Ein anderes zeigte Concord Dawn. Weiter hinten hatte Nara den Ring von Kafrene aus der Ferne gemalt, nicht so, wie Ral ihn in Erinnerung hatte, sondern nach alten Aufnahmen und seinen Beschreibungen.

Sie hatte vor einigen Jahren begonnen zu malen und inzwischen einen beträchtlichen Teil der freien Wandflächen ihrer Großeltern für sich beansprucht. Ral hatte anfangs Einwände erhoben. Irgendwann hatte er festgestellt, dass ihm die Bilder fehlten, wenn eines zum Überarbeiten wieder mit nach Zanbar verschwand.

Zwischen ihnen standen und lagen die kleineren Dinge, die sich schwerer nach einem gemeinsamen Thema ordnen ließen.

Auf einem niedrigen Regal befanden sich zwei kaum handlange Figuren. Rohako trug sein langes Gewehr locker über einer Schulter. Ruusaan hatte den Kopf leicht zur Seite geneigt, als würde er seinem Bruder gerade widersprechen. In einer flachen Schale daneben lag eine schmale Kette, deren Metall an einigen Stellen stumpf geworden war. Miira hatte sie getragen.

An einer anderen Wand ruhten Rals beiden Beskads parallel auf einer schlichten Halterung. Die Griffe zeigten Gebrauchsspuren und die Klingen waren gepflegt. Er hatte sie seit Kalist nicht mehr geführt.

Penelos Anteil an dem Raum ließ sich ebenso wenig übersehen. Auf einer Kommode lagen zwei schmale Haarspangen neben einem geöffneten Schmuckkästchen und einem Paar ungewöhnlich filigraner Handschuhe, deren sauber gesetzte Nähte mehr nach Handarbeit als nach Serienfertigung aussahen. An einem offenen Kleiderständer hing eines ihrer dunklen, handgearbeiteten Kleider für Empfänge außerhalb der mandalorianischen Welten. Der Schnitt war schlicht und körpernah, ließ Schultern und Beine jedoch beinahe uneingeschränkt beweglich. Selbst für solche Anlässe hatte Penelo nie viel von Kleidung gehalten, in der sie sich nicht vernünftig bewegen konnte.

Einer ihrer dunklen Überwürfe lag über der Lehne einer Ottomane. Neben dem Bett standen kleine Fläschchen mit Ölen und Duftessenzen. Zwischen einigen der Gemälde hingen zwei Schmuckstücke, von denen Ral nicht einmal mehr wusste, auf welchem Markt Penelo sie gekauft hatte.

Er stellte Etaras Datapad auf den niedrigen Tisch.

Als er sich wieder zu ihr wandte, versuchte Ral einen Moment, ihre Miene zu lesen. Ob er sie richtig deutete, wusste er nicht, doch der Gedanke daran, was sie wohl erwartet hatte, brachte ihn zum Lachen.


„Sie sehen etwas überrascht um die Nase aus, Etara von der Schwarzen Sonne.“

Ral nahm seinen Helm ab und stellte ihn auf die Halterung neben der Tür. Danach löste er den rechten Handschuh. An seiner Hand kam das schlichte Hochzeitsband zum Vorschein.

„Sie haben wahrscheinlich mehr Waffen erwartet. Ich bin oft überrascht wie wenig die Sonne bereit ist über ihre eigenen Söldner zu lernen. Viele meines Volkes haben sich über die Jahre zu den ihren verirrt und anscheinend sind wir immer eher als dumm und brutal in Erinnerung geblieben."

Er ging zur kleinen Küchenzeile und öffnete den Warmbehälter, den man dort vor dem Training abgestellt hatte. Der Geruch des Tiingilar breitete sich fast augenblicklich im Raum aus. Fleisch, Gemüse und eine Gewürzmischung, deren Schärfe sich bereits in der Luft bemerkbar machte.

Ral nahm zwei Schalen heraus.


„Setzen Sie sich. Geschäft läuft uns nicht weg.“

Er stellte das Essen auf den niedrigen Tisch und ergänzte es um Brot sowie geröstetes Gemüse. Beim eigenen Hinsetzen musste er das rechte Bein etwas anders unterbringen, bis die Stellung bequem genug war. Die niedrigen Ottomanen waren ihm inzwischen ohnehin lieber als die meisten gewöhnlichen Sitze. Aus einem niedrigen Schrank holte er anschließend eine klare Flasche und eine bauchige Kanne.

„Tihaar.“

Die Flasche stellte er in Etaras Reichweite.

„Oder Shig.“

Aus der Kanne schenkte er sich selbst ein. Der Geruch nach Kräutern und einer zitrusartigen Note mischte sich mit den Gewürzen des Essens.

„Wenn Sie Tihaar nehmen, nehmen Sie beim ersten Glas besser wenig.“

Ral schob ihr ein kleines Glas hin und ließ die Entscheidung bei ihr. Danach nahm er seinen Shig und lehnte sich etwas zurück.

Durch das breite Fenster war die Wild Hunt in einiger Entfernung von der Jai’Galaar zu sehen. Ihr Rumpf hob sich dunkel gegen das Sternenfeld ab.

Ral sah wieder zu Etara.

Sie war kaum halb so alt wie er. Trotzdem war sie allein auf ein fremdes Kriegsschiff gekommen, hatte ohne Umschweife die Schwarze Sonne als eigentlichen Auftraggeber benannt und anschließend ein Angebot vorgelegt, das weit über einen gewöhnlichen Söldnerauftrag hinausging. Das machte sie zumindest interessanter als die meisten Wesen, die versucht hatten, ihm mit doppelt so vielen Worten halb so viel zu sagen.


„Tiingilar.“

Er deutete auf die Schale vor ihr.

„Wenn Ihre Nase brennt, ist es richtig.“

Der Ansatz eines Lächelns blieb noch einen Moment in seinem Gesicht, ehe er einen Schluck Shig nahm.

Das Datapad blieb zwischen ihnen liegen. Für Truppenstärken, Befehlsgewalt und den Rest des Angebots hatten sie auf Zanbar genug Zeit. Im Augenblick interessierte ihn etwas Einfacheres.

Die Erinnerung an ihre Vorstellung an der Schleuse brachte das Lächeln zurück.


„Eine Sache interessiert mich zuerst.“

Der alte Mann stellte den Becher wieder auf den Tisch.

„Sie haben sich mir als Ad’ika Etara vorgestellt.“

Er betrachtete sie einige Augenblicke.

„Wissen Sie eigentlich, was Ihre Schwarze Sonne jemandem damit sagt, dessen Muttersprache Mando’a ist?“

[Äußerer Rand | Mandalore-Sektor | vereinbarter Treffpunkt zwischen Concord Dawn und Zanbar | Jai’Galaar | Quartier von Ral A’kazz und Penelo Vhett] Ral A’kazz und Etara
 
[ Innerer Rand / Cicarpous-Sektor / Nanth'ri Route zwischen Gyndine und Fabrin / MAR Reconquista Yevetha / Deck 1 / Brücke ] Baran, sowie Brücken-NPCs

Die beiden Marauderkorvetten, Reconquista Yevetha und Ziel Alpha, umkreisten einander wie sich gegenseitig beschnuppernde Kath-Hunde. Nur dass beide mit schweren Zwillingsturbolaserkanonen bewaffnet waren und die Geste weniger freundlich gemeint war.

Unterdessen rotierte Barans Verstand noch schneller. Rasch hatte er begriffen, dass der Feind seine Raketenwerfer mit Turbolasern bezahlt hatte. Die Reconquista verfügte über mindestens acht – was auch immer die Piraten sich da zusammengebastelt hatten, nur vier. Alpha war also grundsätzlich schwächer as sein Schiff und doch passte die Rechnung nicht.

Die Schilde der Reconquista sanken unter dem Feindbeschuss stetig und immer öfter erzitterte sein Schiff unter einem Treffer, der es doch durchgeschafft hatte. Dieser erste Diamant-Bor-Treffer machte sich bemerkbar. Ein Drittel ihrer Schilde fort in nur einem Schuss, dazu ein Hüllendurchbruch.

Wenn Alpha einfach nur über volle MAR-typische Schilde verfügte, dann würde sie das Duell gewinnen. Vielleicht konnte 3-1-ResWid helfen, wenn die feindlichen Uglies einmal ausgeschaltet waren, doch das war ein großes Vielleicht!

Nach und nach verschwanden die Feindjäger vom taktischen Bildschirm, doch zu langsam. 55% Schilde. 50%. Immer wieder erzitterte die Brücke, wenn ein weiterer Schuss sich durch eine Lücke stahl und die Hülle der Reconquista auf ihre Integrität testete.

Tovis Fides beschäftigte Beta, doch auch von dort konnte Baran keine Hilfe er warten. Er musste sich selbst helfen. Doch wie?


„Lieutenant Evans, ist die Brisk wie befohlen bemannt und einsatzbereit?“, fragte Baran plötzlich, ein dünnes Lächeln auf seinem flachen Gesicht. Seit ihrer letzten Übung gegen die STR Justica vor wenigen Wochen im Orbit von Truuine, hatte die Sentinel-Klasse Landefähre neue Befehle von ihm erhalten. Die Übung hatte er nur durch eine Eingebung gewonnen, wirklich alle Mittel, die ihm zur Verfügung standen auszunutzen. Wie praktisch Übungen doch sein konnten.

Schon zum zweiten Mal heute.

„Alles wie befohlen, Sir, auch wenn ich nicht weiß welche Relevanz das haben-“

„Starten Sie die Brisk, umgehend. Sie soll sich hinter uns halten und beginnen ihr Kontingent Erschütterungsraketenwerfer auf Alpha abzufeuern. Setzen Sie auch 3-1-ResWid in Kenntnis, damit der Feind a) nicht auf dumme Gedanken kommt ein ähnliches Manöver zu versuchen und b) die verbleibenden Uglies keinen Abschuss des Shuttles versuchen.“

„Sir, das Shuttle ist unter diesen Bedingungen äußerst verwundbar! Ein einzelner Treffer von Ziel Alpha würde es zerstören – mit oder ohne Schilde!“

Die Stimme der Frau hatte einen alarmierten Tonfall angenommen, der Baran nur allzu vertraut war. Er warf ihr einen vernichtenden Blick zu.

„Setzen Sie den Befehl um. Ich habe keine Zeit zu diskutieren, Evans!“

Ihr Gesicht verriet, dass die Lieutenant weiter protestieren sollte, was von den Schwingungen ihrer Emotion nur noch verstärkt wurde, doch immerhin wusste sie, wann es genug war. Baran sah zu wie die Schilde weiter heruntertickten und dann, endlich erschien das Shuttle auf der taktischen Darstellung. Einen Moment später blühten mehr als ein Dutzend rote Explosionen am und um den schwarz lackierten Rumpf ihres Gegners auf. Volltreffer.

Na, wenn das mal nicht eine Hand zu ihren Gusten auf die Waagschale legte!


„Sir, die Fides schickt zwei Staffeln Jäger zur Unterstützung in unsere Richtung!“, meldete Ensign Fouke und Baran fuhr herum. Tatsächlich. Die taktische Darstellung bestätigte es!

Der Gotal ballte die Fäuste.
„Negativ, negativ! Ryun, funken Sie sofort die Staffeln an, die sollen sich fernhalten!“

„Neue Aktivität bei Ziel Alpha!“

Natürlich, als hätte Baran es kommen sehen. Fast konnte er die neuerliche Meldung der Ensign mitsprechen.

„Zwei Diamant-Bor Rakete in Richtung der Fides!“ Für einen Moment verstummte sie, dann fügte sie hinzu: „Und Sir, die kleineren Feindschiffe haben sich von unserem Konvoi gelöst und scheinen in den Kampf eingreifen zu wollen!“

Das hatte noch gefehlt! „Zahlen, Ensign!“

„Ach, ja natürlich: Etwa drei Staffeln Uglies und sechs Frachter verschiedener Typen!“

[ Innerer Rand / Cicarpous-Sektor / Nanth'ri Route zwischen Gyndine und Fabrin / MAR Reconquista Yevetha / Deck 1 / Brücke ] Baran, sowie Brücken-NPCs

MAR "Reconquista Yevetha"
Kommando: Baran Gargatosh

[MAR] „Reconquista Yevetha“ [Schilde: 43% | Hülle: 71%]
[Ziel: MAR "Alpha" | Schäden: Hüllenbruch Deck 2 | Zusätzliches: -]
Truppenmoral: Beständig

Staffel "3-1-ResWid" TIE/in [11/12 Maschinen] [Gestartet, Auftrag: Abschuss feindlicher Jäger]
 
[Äußerer Rand | Mandalore-Sektor | vereinbarter Treffpunkt zwischen Concord Dawn und Zanbar | Jai’Galaar | Besprechungsraum] Etara, Ral A’kazz

Diese Mandalorianer und ihr Anführer waren doch für die ein oder andere Überraschung gut. Nachdem Ral A’kazz seine beiden Begleiter respektive Leibwächter vorerst von dieser Pflicht entbunden zu haben schien, führte sie der gepanzerte Mann in Richtung einer Räumlichkeit, die wohl besser dafür geeignet war, sich in Ruhe zu unterhalten. Auf seine Anmerkung hin, dass man so nicht anderen den Platz wegnahm, zuckte die Chiss höflich, aber beiläufig mit den Schultern und nickte knapp. Sein Schiff, seine Regeln, und offenbar gab sich ihr Gastgeber gerne volksnah, ihr entging nicht, wie gelassen er und seine Gefolgsleute miteinander interagierten. Mehr und mehr fühlte es sich so an, als wäre sie mitten in einer großen, schwer gepanzerten Familie gelandet, ein Eindruck, der schließlich seinen Gipfel fand, als sie in einem Raum ankamen, der wie eine Mischung Schlaf- und Wohnzimmer, Trainingsraum und Familienschrein wirkte. Neugierig, aber mit einem gewissen Maß an höflicher Zurückhaltung schaute die Piratin sich aus roten Augen um und registrierte auch die Hinweise auf eine Partnerin und wohl so etwas wie eine Kernfamilie. Mit vielen Leuten an Bord war der Anführer wohl verwandt? Es gelang Etara nicht so ganz, ihre Verwunderung zu verbergen, etwas, das ihr Gegenüber trocken kommentierte, als er seinen Helm abnahm. Er war schon etwas älter, aber gut in Form und ganz nett anzusehen – und mit der Kopfbedeckung schien auch alles soweit in Ordnung zu sein. Die junge Blauhäutige schenkte ihm ein schmales Lächeln und legte etwas den Kopf schief, als er fortfuhr, bevor sie sich schließlich kurz gegen das Kinn tippte, als müsste sie intensiv nachdenken.

„Nun, auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Nett hier. Sehr lebendig. Familiär. Und bitte immer Bescheid geben, falls ich was an der Nase habe. Zollkontrollen hassen das.“


Mit dem Bild, das die Galaxis und die Black Sun von ihm und seinen Leuten hatte, schien der Mandalorianer weniger zufrieden zu sein, seine Worte brachten Etara genuin ins Grübeln. Was verband mit ihnen? Rüstungen, Waffen, Söldner, Kopfgeldjäger, eine eigene Sprache und Kultur, die Außenstehenden verborgen blieb, wechselnde politische Ausrichtungen. Aber was wusste man eigentlich über sie? Vielleicht würden diese Verhandlungen ja eine durchaus lehrreiche Erfahrung, also beschloss Etara, erst einmal aufmerksam zuzuhören und sich die Sache möglichst unvoreingenommen anzuschauen. Die Chiss kam auf das Angebot zurück, sich zu setzen, und entspannte sich etwas.

„Man sieht, was man sehen will, schätze ich. Fairerweise werden Ihre Leute üblicherweise nicht für ein kulturelles Austauschprogramm angeheuert. Die Möglichkeiten, mehr über Ihre Lebensweise zu erfahren, halten sich also in eher engen Grenzen.“

Eine recht neutrale Formulierung, aber eine, die zumindest etwas Aufgeschlossenheit demonstrieren sollte. Es kostete schließlich nichts, wenn man einigermaßen tolerant war. Sollte dies etwas der Anfang eines Versuchs werden, ihr die Überlegenheit der mandalorianischen Kultur vor Augen zu führen, oder sie zu rekrutieren? Oder plusterte sich ihr Gastgeber etwas auf, weil er eine hübsche junge Besucherin hatte, der er meinte, die Galaxis erklären zu müssen? Das würde sich zeigen. Auf die Bemerkung bezüglich des eigentlichen Grunds für ihr Zusammentreffen reagierte Etara mit einem Lächeln, das Zähne zeigte, und sie deutete flüchtig in Richtung ihrer Blasterpistolen.


„Besser wäre es, sonst müssten wir dem Geschäft in den Rücken schießen, huh?“


Nun folgte der kulinarische Teil. Etara glaubte von sich, auch in dieser Hinsicht Erfahrung zu haben und einiges wegstecken zu können, aber was ihr schlussendlich kredenzt wurde, konnte sich bezüglich Intensität und Geschmack durchaus mit einigen der größten Brocken messen. Besser war es, in der Hinsicht nicht zu schüchtern zu sein, also wählte Etara demonstrativ den Weg des wohl größeren Widerstands.


„Tihaar und Tiingilar. Wenn schon, dann richtig.“


Keine. Gute. Idee. In Farbe und Echtzeit konnte man beobachten, wie sich die mandalorianischen Köstlichkeiten ihren Weg über und durch Etaras Geschmacksnerven brannten wie ein Sturmtruppler sich den Weg durch eine Gruppe unbewaffneter Demonstranten. Ihr Magen knurrte und protestierte und verlangte nach Schonung und Gnade, aber zu spät – jetzt konnte es keinen Rückzieher mehr gaben, also aß und trank Etara weiter und zeigte eine tapfere Miene, auch wenn insbesondere ihr Gesicht eine merkliche Veränderung der Farbe vornahm. Trotzdem versuchte sie, den Worten ihres Gastgebers weiter aufmerksam zu folgen, und bei seiner Frage bezüglich ihres Titels und dessen Bedeutung wurden ihre roten Augen nicht nur aufgrund des Base Delta Zero in der Speiseröhre ein wenig schmaler. Da lag ein gewisser Unterton in diesen Sätzen, aber Etara war zum Glück nicht auf den Kopf gefallen und konnte nicht bloß auf Huttese fluchen. Was die Sprache der Mandos anging, war sie zwar so gut wie gar nicht im Bilde, aber zumindest die Bedeutung ihres eigenen Titels war ihr bewusst. Also legte die Kriminelle ihr Besteck zur Seite, lehnte sich etwas nach vorn und lächelte zuckersüß.


„Ich antworte gerne, sobald Nase, Zunge und Hals nicht mehr brennen. Okay...okay, vielleicht noch ein paar Sekunden. Das ist gut, das ist echt gut. Ich spüre Geschmacksnerven, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existierten. So, die Frage. Es mag wiederum Sie überraschen, aber die Black Sun ist in gewisser Weise auch eine Art Familie. Es gibt Neffen und Tanten und...mehr Verwandtschaftsgrade, Sie verstehen? Wenn man mich als eine stolze Tochter des Syndikats bezeichnet, bin ich Teil der Familie, der Kernfamilie, nicht der weit entfernten Verwandtschaft, die nur zum Geburtstag mal vorbei schaut. Ich darf bei den Eltern am Tisch sitzen, oder auf dem Schoß, und werde mit netten Spielzeugen beschenkt, die ich wiederum mit meinen Freunden teilen kann. Oder...“


Etaras Lächeln wuchs noch etwas in die Breite und fuhr sich kurz über den Hals – als kokette Geste, aber auch, um sich etwas Erleichterung angesichts der Speisen zu verschaffen und Luft zu bekommen – bevor sie eine Pause machte und ihren Gastgeber aus roten Augen taxierte.


„...man mag es einfach, mich „Kleines“ zu nennen. Suchen Sie es sich aus. Erklärung, und wie Sie mich nennen. Aber so oder so bin ich ein Kind der Black Sun. Egal, in welcher Sprache, egal, wo. Das ist meine Familie. Das ist meine Heimat.“


Ein Hauch von Schärfe legte sich in ihr melodisches Basic, unterstrich, wie ernst es ihr damit war. Da sie dramatischen Gesten nicht abgeneigt war, ergriff Etara das Tihaar genannten Höllengetränk, setzte es an ihre Lippen, während sie ihren Gegenüber ansah, streckte dezent die Zunge heraus, um ein paar Tropen darauf zu gießen..und hob dann das Glas, um es in einem großen Zug leeren. Keine. Gute. Idee. Ach, Kriff, was tat man nicht alles...

[Äußerer Rand | Mandalore-Sektor | vereinbarter Treffpunkt zwischen Concord Dawn und Zanbar | Jai’Galaar | Besprechungsraum] Etara, Ral A’kazz
 
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