Steckerlfischfiasko
Nach drei Jahren Pause ist Franz Eberhofer wieder da. Man weiß ziemlich genau, was einen erwartet, und genau darin lag für mich für einige Filme ein großer Teil des Reizes.
Steckerlfischfiasko zeigt allerdings auch, dass Vertrautheit irgendwann nicht mehr automatisch trägt.
Der neue Fall beginnt eigentlich ganz ordentlich. Auf dem Gelände eines Golfclubs wird eine Leiche gefunden, und natürlich müssen Franz und Rudi ran. Wie es sich für einen Eberhofer gehört, zeigt der Film allerdings nur begrenztes Interesse an seinem eigenen Mordfall. Über längere Strecken verschwindet er fast völlig aus dem Blick, bis gegen Ende dann doch noch ein Täter gebraucht wird. Das wäre grundsätzlich kein Problem, schließlich war die Krimihandlung schon immer eher der Vorwand, um den Dorfwahnsinn in Gang zu setzen. Diesmal sind die Geschichten drumherum allerdings nicht stark genug, um das aufzufangen.
Denn auch die Nebenhandlungen funktionieren nur teilweise. Es wirkt stellenweise so, als müssten möglichst viele bekannte Figuren ihren Auftritt bekommen, weil sie eben dazugehören. Flötzinger, Simmerl, Wolfi und andere tauchen auf, aber nicht immer entsteht daraus wirklich etwas. Manche Szenen fühlen sich eher wie kleine Nummern an als wie Bestandteile einer zusammenhängenden Geschichte. Früher waren solche Abschweifungen oft gerade das Salz in der Suppe. Inzwischen kenne ich allerdings nicht nur die Figuren, sondern auch ihre Überzeichnungen, Marotten und Reaktionen so genau, dass sich bei mir zunehmend das Gefühl einstellt, eine Variation von etwas zu sehen, das die Reihe bereits mehrfach und häufig besser erzählt hat.
Ähnlich ging es mir mit einigen Running Gags. Rudi Birkenberger bekommt natürlich wieder seinen besonderen Spleen, diesmal ist er auffällig ungepflegt und riecht entsprechend. Das ist anfangs durchaus amüsant, wird aber so oft wiederholt, dass der Witz irgendwann verbraucht ist. Gerade bei Rudi finde ich das schade, weil hinter seiner großspurigen Art inzwischen eigentlich eine ziemlich tragische Figur steckt. Sebastian Bezzel und Simon Schwarz funktionieren gemeinsam weiterhin hervorragend, doch das Drehbuch verlässt sich zu sehr darauf, dass ihre Chemie und unsere Vertrautheit mit den beiden schon alles richten werden.
Auch Susis Bürgermeisterwahlkampf hätte für meinen Geschmack mehr hergegeben. Die Idee passt wunderbar zu Niederkaltenkirchen und hätte genügend Stoff geboten, um Franz dauerhaft aus seiner Komfortzone zu bringen. Stattdessen bleibt vieles an der Oberfläche. Ähnlich sieht es bei Paul aus, der sich demonstrativ anders entwickelt als der Rest der Familie. Hochdeutsch, Ballett und ein anderes Lebensgefühl als Gegenentwurf zum Eberhoferkosmos sind zunächst ganz reizvoll, werden aber recht grob ausgespielt.
Ganz abschreiben möchte ich den Film trotzdem nicht. Es gibt einzelne Momente, in denen plötzlich wieder spürbar wird, warum ich diese Reihe mag. Besonders eine Szene, in der Franz und Rudi bei einer Festnahme von einer ganzen Familie bedrängt werden, entwickelt für Eberhoferverhältnisse erstaunlich viel Spannung. Da ist plötzlich Bewegung drin, da entsteht eine echte Situation und nicht nur der nächste vertraute Gag. Auch einige kleinere Begegnungen am Rand funktionieren sehr gut und erinnern daran, wie komisch dieses Milieu immer noch sein kann, wenn die Figuren nicht einfach ihre bekannten Marotten abspulen.
Dabei möchte ich
Steckerlfischfiasko ausdrücklich nicht zu den schwächsten Filmen der Reihe zählen. Das war für mich bislang der unmittelbare Vorgänger
Rehragout-Rendezvous, bei dem die Mischung aus Klamauk, Figurenzeichnung und Geschichte deutlich weniger funktioniert hat. Der neue Film gefällt mir insgesamt besser. Mein Problem liegt deshalb auch weniger bei diesem einzelnen Film als bei der Reihe als Ganzem. Nach zehn Filmen sind Franz, Rudi, Susi, Flötzinger, Simmerl und der ganze Rest in ihrer bewusst karikaturesken Überzeichnung dermaßen vertraut, dass für mich inzwischen etwas die Luft heraus ist. Ich weiß nicht nur, wer diese Leute sind, sondern meistens schon, welche Art von Witz eine Szene mit ihnen ansteuern wird.
Das ist vermutlich die Kehrseite dessen, was die Eberhoferfilme so erfolgreich gemacht hat. Niederkaltenkirchen wurde über die Jahre zu einem gemütlichen filmischen Zuhause, in das man gerne zurückkehrt. Nur entdeckt man in diesem Zuhause inzwischen kaum noch ein Zimmer, das man nicht kennt. Die Reihe muss sich deshalb gar nicht grundsätzlich neu erfinden. Das würde ihr wahrscheinlich sogar mehr schaden als nutzen. Ein bisschen mehr Mut, die vertrauten Figuren aus ihren eingeübten Bahnen zu werfen, würde aber guttun.
So hatte ich mit
Steckerlfischfiasko durchaus eine angenehme Zeit, ohne noch einmal jene Begeisterung zu verspüren, die einige der früheren Filme bei mir ausgelöst haben. Das Kuriose ist, dass meine zunehmende Ermüdung vermutlich überhaupt nichts daran ändern wird, wie ich mich beim nächsten Teil verhalte. Die Eberhoferfilme sind für mich inzwischen ein bisschen wie Bond. Man kann finden, dass sich manches wiederholt, dass eine Formel ihre besten Tage vielleicht hinter sich hat und dass man längst nicht mehr jeden Film großartig findet. Sobald der nächste angekündigt wird, bin ich trotzdem neugierig, was sie diesmal daraus machen.
Und natürlich werde ich ihn anschauen. Irgendwie gehören die Eberhofers inzwischen einfach dazu.