Truuine

Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Auf dem Eispanzer an der Kante ] Ridley, Vorn, Matthew und Nira, sowie (NPCs) Cestus Varro, Qowrow, Ridleys Garde, Skybridge Bataillon, Invasionstruppen

Den Blick starr nach oben gerichtet, die Zähne fest zusammengebissen, reihte Ridley sich in die Formation, die die Sith bildeten, ein und packte hens Lichtschwert eine Spur fester; die Dunkle Seite hatte sich in hens Brust zu regen begonnen und verlangte flüsternd nach dem Blut des heranfliegenden Verräters. Grünes Plasma, gefeuert aus dem untermontierten Geschützturm, schoss in einem sauberen Strom direkt auf Ridley und Matthew zu, die wie die Einheit, die sie waren, zuschlugen und in einem waghalsigen Tanz die hochenergetischen Bolzen in alle Himmelsrichtungen ablenkten, von den aufbrandenden Gefühlen des jeweils anderen zehrend.

Ihre eigenen Schüsse auf die Eissplitter zurückjagen konnten sie nicht, da – da waren sie sich einig – es zu gefährlich war, gleich einen ganzen Strom perfekt zurückzuschicken, auch wenn Ridley Talzin nur zu gerne die eigene Medizin hätte schmecken lassen. Immerhin hatten die E-Webs des Skybridge Bataillon sich nun eingeschossen und beharkten den Jäger mit Gegenfeuer – das für den Moment jedoch nur in bläulichen Wellenringen vom Schild der Eissplitter abprallte und Ridley daran erinnerte, wie viele verdammte Tricks die truuiner Werften Matthews ehemals persönlichen Jäger mitgegeben hatten! Genau im richtigen Moment, denn just als Ridley dies durch den Kopf geschossen war, drehte sich der Geschützturm plötzlich und eröffnete das Feuer auf Qowrow, der zusammen mit Vorn und Nira bis gerade noch versucht hatte, Ridleys Aufforderung nachzukommen und den Jäger mit der Macht einzufangen, während ihre Sith-Meister in übernatürlicher Koordination das Feuer auf sich gezogen hatten.

Qowrow war gut – wirklich gut für einen Schüler! – doch er war nicht gut genug, um Feuer ungewohnter Stärke zu deflektieren, das zuvor sogar noch Ridley kalt erwischt hatte, als der verdammte Legat den Bodenangriff begonnen und Ridley vorhin das Schwert glatt aus der Hand geprellt hatte. Die Macht ließ Ridley das Unheil kommen sehen; die Meister griffen genau im richtigen Moment zu, drückten die Eissplitter perfekt koordiniert eben genug hinab, dass der Wookiee zwar direkt beim ersten Treffer seine Waffe verlor und stürzte, jedoch nicht die volle Breitseite Jägerfeuer durch den Leib geschossen bekam, die die teure Investition, die er darstellte, einfach ausgelöscht hätte, was dann aber wieder sie zum Ziel machte.

Der Geschützturm rotierte ein weiteres Mal und schoss diesmal eine Rakete auf sie ab, gerade noch rechtzeitig registriert von Matthew, der einen Impuls durch die geistige Verbindung sandte und beide Sith im letzten Moment beiseite springen ließ. Die Rakete explodierte auf dem Eis, wo sie einen tiefen Krater hinterließ, als Talzin erneut seinen Jäger hochzog, um den nächsten Angriff zu fliegen – doch die Sith hatten endgültig genug, streckten gemeinsam den linken Arm aus, schlossen ihren verbundenen Geist um die blaue Maschine und setzten dem Treiben ein Ende.

Unter dem Helm grinste Ridley böse, während hen von einer Sekunde zur anderen den Emotionsumschwung Talzins spürte, als die Eissplitter mitten in der Luft einfror und trotz mehr und mehr glühender Antriebssektion verharrte, die klirrend kalte Luft mit einem fast schon verzweifelten Heulen erfüllend. Nun – endlich! – griffen auch die Akolythen und Nira zu, und einen Moment später sauste eine weitere Rakete aus Major Varros Raketenwerfer in sauberer Linie auf die Maschine zu, die nicht wieder ausweichen konnte und nun einen Frontaltreffer – naja, Heckreffer – mit den Schilden einstecken musste, die mit einem äußerst befriedigenden, mechanischen Summen in sich zusammenfielen.


//Drückt ihn runter!\\, gab die Meistereinheit perfekt unisono durch, bevor Matthews Körper einen Schritt vor Ridley machte und die Doppelklinge – rot gegenüber grünem Feuer – wirbeln ließ, um das verzweifelte Spucken des ein weiteres Mal rotierenden Geschützturmes von Ridley abzulenken, dier hens eigenes Schwert weggesteckt und nun beide Hände nach vorne ausgestreckt hatte. Eine weitere Rakete löste sich aus dem Geschützturm und sauste um Haaresbreite an dem Meisterpaar vorbei – abgelenkt, ziellos durch Rauch und Schneetreiben wirbelnd – während der Jäger sich immer tiefer auf das Eis hinabsenkte, das unter der Hitze von Ridleys kanalisierter Emotion in der Kälte zu dampfen begonnen hatte.

Das Meisterpaar spürte, wie Blut über Ridleys Oberlippe zu laufen begonnen hatte, doch sie gaben nicht auf: Zitternd senkte sich eine der ausgestreckten Hände und stützte sich auf Matthews Schulter, als der Jäger endlich die bis gerade noch so feste Eisfläche berührte, und versank. Sie konnten die Fassungslosigkeit Talzins fast schon in der Luft schmecken, als das Feuer des Geschützturms von dem frisch getauten Tümpel erstickt wurde, dessen Wellen Zentimeter um Zentimeter an der wasserdichten Pilotenkuppel emporleckten und dann auch den Antrieb hustend zum Ersterben brachten – das Schiff mochte unter Wasser gebaut worden sein, doch war es nie dafür gemacht geworden, dort auch zu fliegen. Matthews Klingenwirbel ebbte ab, Ridley holte stöhnend Luft und richtete den sich rasch einengenden Blick von hens bionischen Augen erneut auf das Cockpit, in dem der ehemalige Legat Talzin nun deutlich zu sehen war, wie er hektisch an seinen Kontrollen herumfummelte, um im nächsten Moment samt seinem Sitz weit, weit hinauf in den Himmel katapultiert zu werden, da er natürlich auch die Schleudersitzfunktion gefunden hatte! Natürlich konnte Talzin es sich auch nicht nehmen lassen, im Abflug mit einer primitiv wirkenden Schrotflinte auf die Sith anzulegen, deren Feuer auf die Entfernung zwar wirkungslos blieb, aber doch deutlich machte, dass er nicht die Absicht hatte, sich kampflos zu ergeben – doch alles andere hatten sie auch nicht erwartet und befahlen den weniger verausgabten Jung-Sith:
//Holt ihn euch.\\


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Auf dem Eispanzer an der Kante ] Ridley, Vorn, Matthew und Nira, sowie (NPCs) Cestus Varro, Qowrow, Ridleys Garde, Skybridge Bataillon, Invasionstruppen
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Orbit von Truuine / GSD 'Fides' / Besprechungsraum] - mit Commander Dur Tovi und Lieutenant Commander Baran Gargatosh

Tovi schritt mit Gargatosh und eskortiert von den beiden Sturmtrupplern Richtung des Aufzugs. Erfreut hörte er, dass dieses Wesen sich auf einen Kaf und damit auf eine etwas gelockerte Arbeitsatmosphäre einließ. Die Türen des Aufzugs öffneten sich und Tovi wies die Truppler an, wieder auf ihre normalen Posten zu gehen. Hier auf der 'Fides' würde ihnen schon nichts weiter passieren. Und die Besprechung war kein offizieller Hochanlass.
Bei dem Besprechungsraum angekommen, hielt ihm der Lieutenant Commander die Tür auf und ließ ihm seines Rangs entsprechend den Vortritt. Während
Tovi in den Konferenzraum trat, musste er doch einiges an Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht zu schnell hineinzugehen, oder einen zu weiten Bogen um seinen Gast zu machen. Er vertraute ihm zwar irgendwie - aber wegen seiner hühnenhaften und erschreckenden Gestalt fragte sich der Commander unwillkürlich, ob er überhaupt in der Lage wäre, auszuweichen, falls sich Gargatosh entschlösse, ihn anzugreifen. Er zweifelte daran.
Aber glücklicherweise war diese Sorge total unberechtigt und
Tovi konzentrierte sich wieder auf die Ausführungen des Abgesandten der Truuiner Verteidigungs-"Flotte". Denn so, wie es ihm Gargatosh schilderte, bestand die planetare Verteidigung Truuines tatsächlich nur aus drei eher kleineren Schiffen. Und vor einiger Zeit gar nur aus einem TPC.
"Das ist erschreckend. Ein TPC kann vielleicht zwei Staffeln von Jägern abwehren. Aber schon bei einem Kreuzer wäre es arg schwierig, die Verteidigung zu halten", dachte der Commander und kratzte sich kurz nervös am Hinterkopf. Und jetzt herrschte ja auch wieder wirklicher Krieg. Da würden die schlagkräftigen Truppen - zurecht - an die Front und strategisch bedeutsamen Posten beordert werden.
Umso wichtiger, dass sie dann schnell, effektiv und nachhaltig die inneren Systeme des Imperiums sicherten und befriedeten. Damit eben keine Schwachstelle entstand und sich alle auf den Krieg mit der Neuen Republik fokussieren können.
Wieder einmal wurde
Tovi bewusst, wie wichtig es war, gerade im Kriegsfall die inneren Unruheherde und Gefahren wie Piraterie, Schmuggel und Drogenhandel mit aller Härte zu unterbinden. Ja, seine jetzige Mission, wenn sie auch sehr klein war im Vergleich zu dem galaxisweiten Konflikt, war wichtig, damit die Räder der Imperialen Maschinerie harmonisch weiterlaufen konnten.

Während
Gargatosh von den Übungen und der ruhigen Stationierung über Truuine berichtet, lud Tovi ihn ein, sich zu setzen. Und schalt sich selber einen Moment später dafür, denn natürlich waren Tisch und Stühle auf Imperiale Standardgröße ausgelegt und nicht auf weit über 2m Körpergröße. Dennoch schaffte es der Lieutenant Commander, sich einigermaßen hinzusetzen. Der Commander indes machte zwei Kafs, reichte eine Tasse seinem Gast und behielt die andere selbst. Dann stellte er, nachdem er sich selbst ein wenig davon in den Kaf gegossen hatte, noch ein Kännchen mit grüner Milch auf den Tisch. Dann setzte er sich ebenfalls und hörte den Rest des Berichts zu, während er ab und zu an dem Kaf nippte.

Erstaunt und leicht neidisch stellte
Tovi fest, dass Gargatosh mehr richtige Kampferfahrung als er selbst haben könnte. Ja, er war mit der 'Fides' und seinen Vorgängerschiffen in einige Scharmützel und zwei-drei größere Gefechte eingebunden gewesen - aber nur einmal in etwas, das den Namen Schlacht verdient hätte. Wenn es nach dieser Erfahrung ging, sollte vielleicht doch sein Gegenüber die Führung übernehmen. Aber dann biss er die Kiefer aufeinander.
"Nein. Ich bin der Commander. Und auch ich hatte schon Erfolge. Und Ehrungen und Kampferfahrung sagen noch nichts direkt über Offizierskompetenz aus", dachte er. Und seufzte schließlich, als er merkte, dass das keine gute Grundhaltung für einen Offizier gegenüber einen Rangniedrigeren war. Es galt, Selbstbewusstsein und Autorität auszustrahlen.


"Was ist mit Ihnen, Commander? Ich habe gehört, Ihnen wurde bereits der Einsatzplan zur Durchsicht geschickt. Haben Sie eine Meinung zum geplanten Vorgehen?", schloss der Riese schließlich seinen Bericht.
Tovi freute sich erneut kurz über das Vertrauen, dass die Truuiner Regierung in ihn hatte. Und so antwortete er nach einem weiteren und diesmal längeren Schluck aus seiner Tasse:
"Danke, Lieutenant Commander Gargatosh, für Ihre Ausführungen. Es freut mich, dass Sie sich gemeldet haben, bei der Straf- und Befriedungsmission gegen die hiesigen Piraten mit dabei zu sein. Ihre Kenntnisse der Region und Ihre Kampferfahrungen werden, denke ich, nützlich sein.
Die Ausgangslage ist klar: Die Piraten auf der Nanth'ri-Route gefährden die Sicherheit des Truuine-Systems sowie weiterer Imperialer Missionen. Und wir sollen uns darum kümmern.
Piraten sind meist ein abartiger Haufen: Gierig, illoyal, organisiert in der Kriminalität - aber leider auch verschlagen und insbesondere mit dem Rücken zur Wand gefährlich. Seit meinem Dienstbeginn habe ich im kleineren oder größeren Rahmen den Kampf gegen diese Plage geführt..."


Tovi zählte noch ein Paar Beispiele auf, lief dabei aber mehr oder weniger auf Autopilot - denn gedanklich wurde er wieder einmal zurückgeworfen zu diesem schrecklichen Vorfall. Als der Piratenabschaum seine Eltern...
Er schüttelte sacht den Kopf, um wieder bewusst zurück in die Realität zu kommen und fortzufahren:
"Und daher sollten wir die Piratenbasis auf jeden Fall restlos zerstören - und so viele von ihnen wie möglich aufreiben.
Wenn die Informationen des Geheimdienstes stimmen - was mal hilfreich wäre - dann haben die Piraten natürlich in einem Asteroidenfeld ihre Basis. Das passt zu ihnen: Die Sensoren sind geschwächt, man kann sich gut verstecken und insbesondere Jäger können schnell und unbemerkt starten und wieder ankommen und größere Kampfschiffe haben es schwer, sich in dem Feld zu bewegen, ohne Schaden durch Asteroiden zu nehmen. Das einzige, was ein noch besseres Versteck ist, ist ein Asteroidenfeld mit angrenzendem Weltraumnebel - da kann sich die Hölle an gegnerischen Schiffen verstecken, ohne dass die Sensoren auch nur piepen. Das weiß ich aus Erfahrung.
Aber das ist hier ja glücklicherweise nicht so. Dennoch sollten wir vorsichtig sein. Auch in Anbetracht unserer geringen Truppenstärke. Ich weiß nicht, hat Ihnen Gouverneur Solaris oder jemand aus seinem Stab schon die frohe Botschaft mitgeteilt?"


Tovi blickte Gargatosh an und dieser zog fragend die Augenbrauen hoch. Also fuhr der Commander fort: "Wir sind nicht auf uns allein gestellt. Hätten wir nur die 'Fides' und die 'Reconquista' gehabt, hätte ich schweren Herzens die Mission verweigert. Denn Selbstmord bringt dem Imperium nichts - auch wenn er heldenhaft scheint. Aber wir bekommen Unterstützung: Captain Thade Skywalker mit seiner Einsatzgruppe 'Huntress' wird zu uns stoßen. Unter seiner Führung und vor allem mit der so aufgestockten Schiffspower können wir uns daran machen, die Piraten für lange Zeit von Nanth'ri-Route zu vertreiben.
Wir sollten aber dennoch nicht übermütig werden und einen Frontalangriff wagen. In dem Asteroidenfeld können sie uns super einkesseln und haben den Heimvorteil. Ich schlage vor, dass wir stattdessen versuchen, einen Großteil ihrer Flotte wegzulocken oder zu überraschen und auszulöschen, bevor wir dann die Basis und ihren Schutz direkt und möglichst ungestört angreifen.
Ist Ihre 'Reconquista' mit Raketen ausgestattet? Das könnte dann ein schönes Feuerwerk zum Abschluss geben."


Kurz, nachdem der kurze Austausch über die Ausrüstung ihrer jeweiligen Schiffe begonnen hatte, piepte Tovis Kom. Der Commander nahm es vom Gürtel. "Ja, ich höre."
"Commander. Drei Schiffe sind aus dem Hyperraum gefallen. Es ist nach Kennung die Einsatzgruppe 'Huntress'. Captain Skywalker bittet, an Bord kommen zu dürfen", erklang eine Männerstimme aus dem Lautsprecher des Kom-Geräts.
Tovi nickte und blickte voller Tatendrang Gargatosh an. Und antwortete dann ins Kom: "Hervorragend. Grüßen Sie ihn und geben Sie ihm die Erlaubnis und die genauen Koordinaten von uns."

Er kappte die Verbindung wieder und beorderte danach diesmal sechs Sturmtruppler zum Ehrenempfang in den Hangar - der dann mit zwei Gast-Fähren absolut voll sein sollte.
Dann wandte er sich wieder
Gargatosh zu: "Ich denke, wir haben noch Zeit, unseren Kaf auszutrinken, bevor der Captain auf der 'Fides' landen wird. In dem Sinne nochmal: Auf gute Zusammenarbeit."

[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Orbit von Truuine / GSD 'Fides' / Besprechungsraum] - mit Commander Dur Tovi und Lieutenant Commander Baran Gargatosh
 
[Truuine System - Truuine - Südpolarkreis - Eispanzer - Relativ nah an der Kante des Gletschers - Erster imperialer Brückenkopf (noch im Aufbau) - Darth Aster, Matthew und Nira, Akolyth Vorn (+ Aldor Karvek in relativer Nähe) und die NPCs: Akolyth Qowrow, Major Varro, Asters Garde, Skybridge Bataillon und andere Invasionstruppen]

Musste Vorn das persönlich nehmen? Während er im Grunde tatenlos dabei zusah, wie Big Q „abgeschossen“ wurde und das Meisterduo danach den Jäger mit der Macht quälend langsam vom Himmel holte, dachte er kurz darüber nach. Der dreckige Rebell hatte den Wookiee und nicht ihn angegriffen. Hat den Stinker als größere Gefahr angesehen! Das MUSSTE man doch persönlich nehmen oder?

Glücklicherweise wurde es zu diesem Zeitpunkt ganz allgemein hier und um sie herum hektischer. Von Vorn unbemerkt, schienen Befehle an die einfachen Soldaten ausgegeben worden zu sein und es kam weit mehr Bewegung in ihre Reihen als zuvor. Nichts neues für den Akolythen, doch damals in der Grundausbildung waren es natürlich vor allem Anfänger gewesen. Zu dem Zeitpunkt war der rothäutige Machtnutzer selber noch einer gewesen und ohne Vergleichswerte hatte er nie ihre Kompetenz richtig einschätzen können. Jetzt schon. Jetzt sah er das Resultat der imperialen Ausbildung. Trotz der ganzen roten, grünen und manchmal blauen Plasmascheiße, die ihnen um die Ohren flog, bewegten sich die Soldaten verdammt... wie war das Wort? Geordnet? Diszipliniert? Unerschrocken?

Und direkt vor ihm stellte sich der
Doppelklingennutzer vor seinen Kumpel und wehrte weitere grüne Scheiße ab, von der nur ein Bolzen durchkommen musste und beide Sith würden sterben. Aster, beide Hände ausgestreckt, zog den Jäger hinunter... und … schmolz das Eis? Irritiert starrte Vorn auf die geschmolzene Fläche, die hier und da sogar Blasen warf. So wenig traute er in diesem Augenblick seinen Augen, dass er sogar die Thermalsicht seines Anzuges bemühte. Aber ja, keine Einbildung. Irgendwer oder irgendetwas hatte das Eis direkt unter dem Jäger geschmolzen. Und in diesen Pool sank der Interceptor in diesem Augenblick hinunter. Auf eine Weise, wie nur Maschinen sterben konnten, röchelte sich der Jäger einen ab, als das Wasser ihm seine Lebensgrundlage raubte.

Vorn suchte noch die direkte Umgebung nach einer Ursache für die Schmelzung ab, da gab es einen Knall aus Richtung des Interceptors. Also ruckte sein Kopf reflexartig herum und er hob leicht die Arme, die eh schon in die richtige Richtung gezeigt hatten. Der Akolyth brauchte einen Augenblick um zu verstehen, was er da sah, da riefen
Aster und der andere Sith gleichzeitig etwas. Also so wirklich richtig gleichzeitig, als wären sie eine Gehirn mit zwei Mündern. Vorn hatte eine Meinung dazu und sie beinhaltete viele kreative Versionen von schwul sein, doch in diesem Augenblick hatte er keine Zeit dafür.

Aktuell noch gut geschützt dastehend, konnte Vorn es sich erlauben sein Laserschwert einfach fallenzulassen und beide Hände schlagartig in die Luft zu reißen. Während das Ding mit dem Piloten immer weiter hinauf stieg und der Rebell auch mit einer unbekannten Waffe irgendeinen Dreck nach ihnen schoss, floss die Macht durch den Körper des hünenhaften Menschen. Die vitalisierende Energie erreichte seine zu Klauen verformten Hände und plötzlich packten sie etwas. Man konnte es nicht sehen, zumindest nicht mit den Augen, doch in Vorns Vorstellung krümmte sich der Raum selbst um seine Finger, die gegen einen unsichtbaren Widerstand ankämpfend in eine Faust verwandeln wollten. Erst spannte sich sein rechter Unterarm, dann auch die Oberarme an. Er wusste tief in seinem Inneren, dass das nicht nötig war. Doch er hatte in der Ausbildung gelernt, wie wichtig für ihn persönlich die körperliche Verbindung zum Machteinsatz war. Einen Machtstoß abzufeuern fühlte sich befriedigender an, konnte er zuvor mit seine Faust oder flachen Hand in die entsprechende Richtung schlagen. Die ätherische und körperliche Kombination fühlte sich … na eben richtig an.


Und so zog er nun an dem flüchtenden Piloten und oh ja, das WAR persönlich! Big Q und die nutzlose Weibliche taten es ihm gleich, weshalb sie den Flug des Rebellen relativ schnell stoppen und ihn dann umkehren konnten. Vielleicht waren sie dabei sogar ein bisschen zu motiviert. Mit einer Geschwindigkeit, die nicht gesund aussah, schoss ihr Opfer direkt auf sein nasses Grab zu... wobei die Wasseroberfläche in diesem Kontext für ihn ohnehin hart wie Durabeton sein würde...

[Truuine System - Truuine - Südpolarkreis - Eispanzer - Relativ nah an der Kante des Gletschers - Erster imperialer Brückenkopf (noch im Aufbau) - Darth Aster, Matthew und Nira, Akolyth Vorn (+ Aldor Karvek in relativer Nähe) und die NPCs: Akolyth Qowrow, Major Varro, Asters Garde, Skybridge Bataillon und andere Invasionstruppen]
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Auf dem Gletscher ] Ridley, Vorn, Matthew und Nira, sowie (NPCs) Cestus Varro, Qowrow, Ridleys Garde, Skybridge Bataillon, Invasionstruppen


Der zweite Schuss verließ den PLX-1 mit einem dumpfen Stoß, der durch Cestus’ Schulterpanzerung fuhr und ihn für einen Augenblick tiefer in den Schnee drücken ließ, während die Rakete als helle Spur durch Rauch, Eisnebel und das kreuzende Feuer der E-Webs jagte. Diesmal aber war etwas anders. Der Interceptor wich nicht aus.

Cestus sah, wie die Maschine mitten im Anflug stockte, als wäre sie in der Luft gegen eine unsichtbare Barriere geraten, die selbst ihre schreienden Triebwerke nicht überwinden konnten. Der Jäger hing für einen kurzen, beinahe unwirklichen Moment über dem Gletscher, während seine Antriebssektionen grell aufglühten und der Geschützturm noch immer verzweifelt Feuer spuckte. Erst da verstand Cestus, dass die Sith ihre Hand im Spiel hatten. Nicht als Redewendung, nicht als Geste für Berichte und Propaganda, sondern ganz unmittelbar, denn etwas hielt diese Maschine fest, etwas drückte gegen ihren Willen, gegen ihre Schubkraft, gegen alles, was sie eben noch so gefährlich gemacht hatte.

Die Rakete traf.
Der Einschlag riss einen grellen Lichtstoß über das Heck des Interceptors, und für einen Augenblick flammte der Schutzschirm der Maschine sichtbar auf, ehe er mit einem mechanischen Flackern zusammenbrach. Ein zustimmendes Knurren ging durch die nächsten Reihen der Blauen Legion, doch Cestus ließ ihnen keinen Raum, daraus einen unkontrollierten Jubel werden zu lassen.

„E-Webs, Feuer einstellen,“, befahl er sofort über das Komnetz. „Keine Verschwendung auf ein Ziel, das die Sith bereits gebunden haben. Luftabwehr weiter beobachten, alle übrigen Waffen zurück auf die Hauptstellung.“

Rusk nahm den Raketenwerfer wieder entgegen und begann automatisch mit der nächsten Prüfung, während Cestus den Blick auf den Interceptor gerichtet hielt. Die Maschine sank tiefer, nicht wie ein abgeschossenes Wrack, sondern wie ein wildes Tier, das mit Gewalt auf den Boden gezwungen wurde. Unter ihr begann das Eis zu dampfen. Erst nur an einzelnen Stellen, dann in einem breiter werdenden Kreis, bis der Jäger in einer Mischung aus Schmelzwasser, Rauch und aufkochendem Frost aufsetzte und langsam in das nachgebende Eis einsank.

Für einen regulären Offizier war dieser Anblick schwer einzuordnen. Cestus konnte erkennen, dass Gouverneur Solaris und der Vizegouverneur erschöpft waren, er konnte sehen, dass sie ihre ganze Konzentration auf die Maschine richteten, und er konnte aus dem Verhalten der Akolythen und der anderen Machtnutzer schließen, dass dort etwas geschah, das weit über normale Gefechtsführung hinausging. Er verstand nicht jede Einzelheit, und er musste sie auch nicht verstehen. Das Ergebnis genügte.

Der feindliche Jäger war unten.
Das war alles, was im Augenblick zählte.

„Alle Einheiten, der Interceptor ist gebunden“, meldete Cestus an seine Offiziere. „Brückenkopf weiter ausbauen. Flankenbewegungen fortsetzen.“

Die Worte waren kaum ausgesprochen, als der Cockpitbereich des Jägers aufsprang und eine Gestalt samt Sitz in den Himmel katapultiert wurde. Cestus hob instinktiv den Blaster, senkte ihn jedoch nicht ab, als der Pilot im Abflug tatsächlich noch eine primitive Schusswaffe auf die Sith richtete. Auf diese Entfernung war das mehr Trotz als militärische Wirkung, doch es sagte genug über den Mann aus, der dort in den grauen Himmel geschleudert wurde.

Cestus reagierte nicht mit einem eigenen Schuss. Ein Ziel in der Luft, um das sich bereits die Sith kümmerten, war keine Aufgabe für eine Linie regulärer Infanterie, die gerade erst einen Brückenkopf auf einer umkämpften Gletscherkante errichtet hatte. Er hob nur die Hand und schnitt jede voreilige Reaktion seiner Männer ab.

„Nicht auf den Piloten feuern“, sagte er scharf. „Die Sith übernehmen ihn. Unsere Aufgabe liegt vor uns.“

Vor ihnen arbeitete sich der Kampf weiter durch den Rauch. Die stärkere Stellung des Feindes lag noch immer im Weg, und obwohl der Verlust des Interceptors den Rebellen sichtbar zusetzte, bedeutete das nicht, dass ihre Linien bereits gebrochen waren. Einzelne Talz, Karkarodon sowie andere Rebellen tauchten weiter zwischen Eiswällen und Gräben auf, feuerten auf die vorrückenden Trupps und zogen sich wieder zurück, während die Flankeneinheiten der Blauen Legion langsam in die seitlichen Senken einsickerten, geschützt durch Rauchgranaten und das schwere Feuer der E-Webs.

Cestus ging erneut hinter der Barrikade in die Hocke, rief die Markierungen auf dem kleinen Holoprojektor auf und verfolgte die Bewegung der beiden Flankentrupps, die sich links und rechts der Hauptstellung vorarbeiteten. Die Meldungen kamen bruchstückhaft, überlagert von Störgeräuschen, Schüssen und dem dumpfen Einschlag der Mörser, doch das Bild war klar genug. Die linke Gruppe hatte eine natürliche Schneerinne gefunden, die sie unterhalb einer feindlichen Beobachtungsstellung vorbeiführte. Die rechte Gruppe meldete sporadischen Widerstand, aber keine geschlossene Sperrlinie. Das genügte vorerst.

„Mörsertrupps, Rauch auf die rechte Senke verlängern“, befahl er. „Linke Flanke bekommt zwei kurze Sprengsalven auf die markierte Kuppe. Keine Dauerfeuer. Wir treiben sie aus der Deckung, wir pflügen nicht den ganzen Gletscher um.“

Bestätigungen folgten, und kurz darauf schlugen die ersten Granaten dort ein, wo er sie haben wollte. Schnee und Eis wurden aufgeworfen, eine feindliche Feuerstellung verstummte für mehrere Atemzüge, und sofort nutzte ein Trupp Legionäre die entstandene Lücke, um weiter vorzurücken. Cestus sah, wie einer seiner Männer einem getroffenen Kameraden unter die Schulter griff und ihn hinter eine Barrikade zog, während ein anderer ohne Unterbrechung weiter nach vorne feuerte. Genau diese kleinen Abläufe hielten eine Linie am Leben.

Der Himmel über ihnen gehörte für den Moment wieder anderen.
Die Sith, der gestürzte Pilot und die nachsetzenden Akolythen würden ihren eigenen Kampf führen.

Cestus’ Kampf lag im Schnee vor ihm, zwischen Gräben, Bunkern und einer Rebellenstellung, die noch nicht verstanden hatte, dass sie bereits von mehreren Seiten unter Druck geriet. Er richtete sich etwas auf, ließ den Blick über seine Männer gleiten und spürte, wie sich nach dem Sturz des Interceptors neue Entschlossenheit in der Formation ausbreitete.

„Erste Kompanie“, sagte er über das Komnetz, ruhiger als zuvor, aber mit deutlich hörbarer Schärfe. „Der Himmel ist nicht mehr unser Problem. Jetzt nehmen wir ihnen den Boden.“

Dann hob er den Blaster, deutete auf die nächste Stellung und gab den nächsten Angriffsbefehl.

So dauerte der Kampf noch einige Zeit an, die beiden Flankentrupps meldeten immer wieder in kurzen Abständen ihren Fortschritt. Stück für Stück arbeiteten sie sich durch Schneegräben, zwischen aufgeworfenen Eisrücken und den Resten improvisierter Verteidigungsstellungen vor, während die Mörser immer wieder Rauch und kurze Feueraufträge vor ihre Bewegungen legten. Immer häufiger verstummten einzelne Blasternester, bis schließlich die linke Flanke meldete, dass sie Sicht auf die ersten Luftabwehrstellungen erhalten hatte.

„Feindliche Flugabwehr gesichtet. Entfernung zweihundert Meter, sende Koordinaten für Mörserbeschuss und beginne Angriff.“

Cestus bestätigte den Funkspruch ohne Zögern.

Kurz darauf schlugen mehrere Salven von Mörsergranaten unmittelbar hinter dem Bunker ein und hüllten den Bereich in dichten Rauch. Noch bevor dieser sich vollständig ausbreiten konnte, stießen die Flankentrupps aus ihrer Deckung hervor. Blasterfeuer peitschte über das Eis, mehrere Rebellen versuchten ihre Stellung zu halten, wurden jedoch gleichzeitig von zwei Seiten unter Druck gesetzt. Ein PLX-1 schlug kurz darauf unmittelbar neben einer der Luftabwehrstellungen ein und riss das letzte Geschütz, Lafette und Bedienmannschaft in einer einzigen Explosion auseinander, während die verbliebenen Rebellen entweder fielen oder sich hastig ins Landesinnere zurückzogen.

Kurz darauf knackte das Komnetz.

„Rechte Flanke an Major Varro. Luftabwehrstellung gesichert. Mehrere Geschütze zerstört. Der Luftraum über der Angriffsachse ist unter unsere Kontrolle und frei von Feinwirkung!.“

Zum ersten Mal seit Beginn der Landung erlaubte sich Cestus ein zufriedenes Nicken.
Er aktivierte seinen Langstreckenkanal um den Gouverneur zu kontaktieren.

„Hier Major Varro des Skybridge Batallions Sir, feindliche Luftabwehr entlang unserer Angriffsachse wurde ausgeschaltet und die Stellung erobert. Der Luftraum sollte nun frei für Luftunterstützung, Verstärkungen und Feuerunterstützung sein. Der Brückenkopf hält und wird weiter ausgebaut. Ich wiederholte feindliche Lufatbwehr wurde zuerstört!“

Nachdem die Bestätigung gesendet war, ließ Cestus den Blick wieder nach vorne wandern. Vor ihnen lag noch immer ein Kampf. Doch zum ersten Mal seit Beginn der Landung gehörte der Himmel wieder dem Imperium und ohne die Luftabwehr und den fast umzingelten Bunker würden die Rebellen nicht mehr lange aushalten. Bald würde das Imperium den ersten Sieg für sich beanspruchen.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Auf dem Gletscher ] Ridley, Vorn, Matthew und Nira, sowie (NPCs) Cestus Varro, Qowrow, Ridleys Garde, Skybridge Bataillon, Invasionstruppen
 
Innerer Rand| Manaan-Sektor | Hyperraum kurz vor dem Truuine System | Kommandobrücke der Huntress | Captain Thade Skywalker, Thades Brückencrew (NSCs)

Die Deckplatten unter Thades Stiefelsohlen gaben die typischen, kaum wahrnehmbaren Vibrationen von sich, die der Hyperantrieb der Huntress erzeugte, während er das Schiff durch den Hyperraum bewegte. Sie hatten insgesamt keine 6 Stunden im Kuat-System verbracht. Das war zwar genug gewesen, um wie geplant Nachschub mit an Bord zu nehmen, doch zur Ruhe gekommen war in der Zeit niemand so wirklich. Der Chiss hatte sich während der Reise nur einmal Zeit zum Schlafen gegönnt und das hauptsächlich aus pragmatischen Gründen. Es nützte niemandem, wenn der Kommandant übermüdet ins Gefecht zog und auch wenn nicht mit unmittelbaren Kampfhandlungen zu rechnen war, so hatte die Episode auf Prefsbelt IV doch gezeigt, dass genau das eben auch in einem als vollkommen sicher geltenden System passieren konnte.

Den Rest der Zeit hatte er mit den Berichten und statistischen Analysen verbracht, die ihm die Admiralität mit in den Einsatz gegeben hatte. So groß die Datenmenge auch war, sie wies doch erhebliche Lücken auf, die
Thade dazu veranlassten, mit äußerster Vorsicht an diesen Einsatz zu gehen. Der Geheimdienst hatte sich nicht auf eine ungefähre Truppenstärke dieser Piraten einlassen wollen und teils sich widersprechende Berichte geliefert. Damit musste der Chiss nun mit allem zwischen ein paar Dutzend selbstmörderischer Schwachköpfe bis hin zu einer straff organisierten, paramilitärisch organisierten Gruppe rechnen, die im schlimmsten Fall zahlungskräftige Hintermänner eines transsektoralen Syndikats oder sogar der neuen Republik hatte. Was auch immer der Fall war, die lokalen Kräfte und Eingreifgruppe Huntress würden diesen Piraten in den kommenden Tagen das Handwerk legen.

Eine blinkende Warnmeldung auf dem Holotisch brachte Thade in die Gegenwart zurück. In 30 Sekunden würden Sie den Hyperraum im Truuine-System verlassen. Der Chiss schloss alle geöffneten digitalen Akten und wartete geduldig den herunterzählenden Countdown ab. Nur für den Fall der Fälle wollte er direkt die Sensordaten vor sich haben.
“Austritt aus dem Hyperraum in 5…4…3…2…1…Austritt!” Lieutenant Commander Murbau stand an der Navigationskonsole und überwachte den Austritt genau. Alles verlief planmäßig und die Huntress fand sich auch nicht in einem schön anzusehenden wie tödlichen Blitzlichtgewitter aus Turbolasersalven wieder. Stattdessen füllte die Kugel eines Ozeanplaneten einen bedeutenden Teil vor den frontwärts gerichteten Sichtfenstern aus. “Kommandant, ich bestätige Ankunft im Truuine-System. Die Hawke und Prusuer befinden sich an unseren Flanken. Abweichung unserer Formation beträgt…knapp 600 Meter.” Thade nickte diese Informationen ab, während er die den Holotisch vor sich füllenden Sensorechos und Transpondersignale betrachtete. “600 ist gut. - Kommunikation: Bestätigen Sie gegenüber der planetaren Raumkontrolle unsere Ankunft und grüßen Sie dann auch die Fides mit meiner Bitte, an Bord kommen zu dürfen.”

Traditionell war zwar der ranghöchste Offizier der Gastgeber für Lagebesprechungen, Thade aber sah die Situation pragmatischer. Der Gladiator-Klasse Sternenzerstörer war länger vor Ort als Eingreifgruppe Huntress und würde so mehr Informationen über die Lage beitragen können als er selbst. Commander Tovi zu zwingen, die ganzen Daten persönlich zur Huntress zu bringen, hatte für Thade keinen Mehrwert, zumal der größere Träger ohnehin mehr Komfort in Konferenzräumen bieten konnte, als ein leichter Kreuzer. “Sir, Commander Tovi entsendet seine Grüße und erteilt Ihnen Landeerlaubnis.” Thade nickte das ab. “Nummer 1, die Brücke gehört Ihnen. Bis zu meiner Rückkehr hat Commander Kentob das Kommando über die Eingreifgruppe.” Damit wandte sich der Chiss auch schon zum Gehen. Ein Turbolift brachte ihn ohne Zwischenhalte direkt in den Hangar der Huntress, wo schon ein TIE Reaper auf ihn wartete. Eine symbolische Eskorte aus zwei Flottensoldaten ging mit dem Chiss die Rampe hinauf, bevor der Pilot des TIE Reaper ohne weiteres Aufheben das kleine Schiff startete und den Überflug zur nahen Fides begann.

Als der TIE Reaper kurze Zeit später im Hangar der Fides aufsetzte, warteten eine Ehrenformation aus 6 Sturmtrupplern und ein jung wirkender Lieutenant auf
Thade, dem der Chiss zackig salutierte. “Ich bitte, an Bord kommen zu dürfen, Lieutenant.” Der junge Mann erwiderte den Salut vorschriftsmäßig und Thade stellte zufrieden fest, dass sich keine Nachlässigkeiten an seiner Uniform, den Sturmtrupplerrüstungen oder im Hangarbild im allgemeinen auf den ersten Blick finden ließen. Commander Tovi schien sein Schiff ordentlich zu führen, das war ein gutes erstes Zeichen. “Erlaubnis erteilt, Captain Skywalker. Willkommen an Bord der Fides. Wenn Sie mir bitte folgen würden? Commander Tovi erwartet Sie bereits.” Thade nickte die Bitte ab und folgte dem jungen Lieutenant zu den Turboliften, während seine mitgebrachten Flottensoldaten am Fuß der Rampe zurückbleiben, um Wache vor der Zugangsrampe zum TIE Reaper zu stehen.

Ihr Weg führte sie zu einem der Besprechungsräume der Fides. Der Lieutenant öffnete die Tür und kündigte
Thades Ankunft an, woraufhin der Chiss direkt in den Raum trat und jeglichen Salutierversuch des Gotals und des Menschen, die er dort vorfand, sofort unterband. “Bleiben Sie sitzen, meine Herren.” Die beiden Offiziere hatten mit der Einsatzbesprechung offensichtlich schon begonnen, was Thade dazu veranlasste, seinen Grund für seine Verspätung zu teilen, während er an den Beistelltisch trat, um sich selbst eine Tasse Kaf ohne Milch oder Zucker einzugießen.“Ich wurde leider einige Stunden bei einer Ehrungszeremonie aufgehalten. Einen Moff kann man nicht so ohne weiteres stehen lassen, selbst wenn die Admiralität ruft.” Damit setzte der Chiss sich ohne weiteres Aufhebens auf einen freien Platz am Besprechungstisch und musterte die beiden anderen Kommandeure im Raum. “Auf dem Weg hierher habe ich bereits das zur Verfügung stehende Geheimdienstmaterial und andere Berichte gesichtet. Natürlich zeichnen sie nicht das ganze Bild. Also bitte, berichten Sie mir, was nicht in den Unterlagen steht. Wie sieht unsere Lage tatsächlich aus?” Und damit hörte Thade erst einmal sehr aufmerksam zu, was Commander Tovi und Lieutenant Commander Gargatosh zu sagen hatten.

Innerer Rand| Manaan-Sektor | Truuine System | Besprechungsraum an Bord der Fices | Captain Thade Skywalker, Commander Dur Tovi, Lieutenant Commander Baran Gargatosh

Huntress, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Moraband / Praxeum / Luciens Zimmer ] Lucien Velcrest & NPC´s


Nachdem Mata Timone ihn allein gelassen hatte, blieb Lucien Aurelian Cassian Velcrest von Aurentis zunächst einige Minuten im Raum stehen, als müsse er sich erst daran gewöhnen, dass dieser Raum tatsächlich für die nächste Zeit sein persönlicher Rückzugsort sein sollte. Die Unterkunft war keineswegs schlecht, ganz im Gegenteil; sie war sauber, geräumig, geschmackvoll eingerichtet und für die Verhältnisse eines Verwaltungs- und Regierungssitzes sogar ausgesprochen komfortabel. Dennoch fehlte ihr jene vertraute Selbstverständlichkeit, die er aus Aurentis kannte, dieses leise Gefühl, dass jeder Stuhl, jeder Vorhang und jede Wand irgendwann Teil der eigenen Geschichte geworden war.

Langsam stellte er sein Gepäck ab und ließ den Blick durch den Raum wandern. Einige Minuten lang beschäftigte er sich damit, seine Sachen auszupacken, nicht weil es besonders viel gewesen wäre, sondern erstens weil er hier leider keine bediensteten hatten und zweitens weil selbst diese kleine Tätigkeit ihm half, nicht sofort wieder an seinen Vater zu denken. Ein Koffer wurde geöffnet, Kleidung wurde in die Schränke gelegt, persönliche Dinge fanden ihren Platz auf dem Schreibtisch, und als er schließlich das kleine Reiseetui mit dem eingeprägten Wappen des Hauses Velcrest auf eine Ablage stellte, hielt er für einen Moment inne. Aurentis war weit entfernt. Weiter, als es die Sternenkarten ausdrücken konnten.

Er atmete langsam aus und trat zum Fenster.
Unter dem Atmosphärenschild bewegten sich Transporter durch breite Straßen, Baukräne ragten über halbfertige Gebäude, Arbeiterkolonnen verschwanden zwischen Gerüsten, und in der Ferne lag das dunkle Meer hinter einem Streifen vulkanisch schwarzen Sandes. Lucien betrachtete all das einige Augenblicke lang mit verschränkten Armen und sagte sich, dass ihn diese Welt nicht interessieren musste. Er war nicht freiwillig hier. Er hatte nicht darum gebeten, in einen politischen Brennpunkt geschickt zu werden, während irgendwo da draußen sein Schwager eine Rebellion bekämpfte. Eigentlich hätte es vollkommen gereicht, sich auf das Sofa zu setzen, sich einen Caf zu mach und den Tag damit zu verbringen, über die Unverschämtheit seines Vaters nachzudenken.

Der Gedanke war angenehm. Für ungefähr drei Minuten, aber dann wurde er bereits langweilig.

Lucien schloss die Augen, fuhr sich mit einer Hand durch die dunklen Locken und wandte sich schließlich vom Fenster ab. Wenn er schon auf Truuine festsitzen musste, dann wollte er wenigstens wissen, was für ein Ort ihn gefangen hielt. Außerdem, und diesen Gedanken gestand er sich nur widerwillig ein, hatte Mata Timone ihm ja Zugang zu einigen allgemeinen Verwaltungsunterlagen, Stadtplänen und wirtschaftlichen Basisdaten gewährt. Es wäre beinahe beleidigend gewesen, diese Informationen nicht zumindest kurz anzusehen.

Bevor er jedoch den Raum verließ, trat er noch einmal vor den Spiegel.
Auch auf einer rebellionsgeplagten Polarwelt gab es Grenzen.

Lucien entschied sich für eine elegante, cremefarbene Hose, ein helles Hemd aus feinem Stoff und ein leichtes Dunkelblaues Sakko mit goldenen Knöpfen, dessen Schnitt formell genug war, um seinem Rang gerecht zu werden, aber nicht so steif wirkte, als hätte er vor, an einer Senatssitzung teilzunehmen. Dazu kamen gepflegte dunkelbraune Lederschuhe, sowie ein passender Gürtel, eine schlichte Uhr und gerade genug Sorgfalt beim Kragen, um sich selbst im Spiegel zunicken zu können. Auf Arkania hätte man diesen Aufzug vielleicht als Normal oder Standard bezeichnet. Auf Truuine, vermutete er, würde er damit vermutlich aussehen, als wäre er auf dem Weg zu einer Verhandlung oder einem Date.

„Nun gut“, murmelte er seinem Spiegelbild zu, während seine weißen Augen ihm entgegenblickten. „Wenn man schon verbannt wird, kann man wenigstens gut aussehen.“

Mit dieser halb ernst gemeinten Feststellung verließ er sein Apartment.

Das Praxeum zeigte sich im Tageslicht ganz anders als am Morgen seiner Ankunft. Während er zuvor vor allem Kälte, Müdigkeit und den etwas ernüchternden Empfang wahrgenommen hatte, konnte er nun zum ersten Mal wirklich auf das Gebäude achten. Die frisch renovierten Gänge wirkten ruhig und beinahe würdevoll, ohne dabei die Schwere imperialer Verwaltungsbauten zu besitzen. Helle Holzvertäfelungen, saubere Beschilderungen und die feinen Schiebetüren vieler Räume verliehen dem alten Bau eine eigentümliche Leichtigkeit, während die schweren Holzportale vor den Quartieren daran erinnerten, dass das Gebäude längst nicht mehr nur der Einkehr und Ausbildung diente, sondern inzwischen Residenz, Verwaltungszentrum und politischer Knotenpunkt einer jungen Welt geworden war.

Lucien schlenderte zunächst ohne klares Ziel durch die Gänge, wobei ihm sehr schnell auffiel, dass das Praxeum deutlich größer war, als es für einen Gouverneur solch einer Welt und einige Gäste notwendig gewesen wäre. Er kam an Trainingsräumen vorbei, deren aufgeräumte Strenge ihn eher an Akademien erinnerte als an eine Residenz. Auch warf er einen Blick in ein Dojo, in dem der Boden so fast makellos wirkte, als warte er nur darauf, endlich benutzt zu werden, und blieb kurz vor einer Werkstatt stehen, aus der gedämpfte Geräusche und der Geruch von Metall, Öl und erhitzten Komponenten drangen. Überall schien dieses Gebäude mehr zu sein, als es auf den ersten Blick vorgab. Es war keine Residenz, die zufällig einige Arbeitsräume besaß. Es war nicht nur ein Ort, in dem der regierende Beamte des Planeten hauste sondern auch ein Ort der darauf ausgelegt war, Menschen zu formen, auszubilden, zu versammeln und zusammenzuhalten.

Sein Weg führte ihn schließlich in den Wintergarten.
Dort blieb er tatsächlich stehen.

Hinter einer aufwendig gestalteten Eichentür öffnete sich ein Raum, der mit der eisigen Wirklichkeit außerhalb Morabands kaum etwas gemein hatte. Unter einem eigenen Atmosphäreschild wuchs dichtes Grün aus dem Boden, während grelle Sonnenlampen warmes Licht auf exotische Pflanzen warfen, deren Blätter sich über schmale Wege und um einen alten Zierbrunnen legten. Die Luft war feuchter, wärmer und etwas schwerer als im Rest des Gebäudes, und für einen kurzen Augenblick erinnerte sie Lucien beinahe an die Gewächshäuser seiner Familie in Aurentis, auch wenn hier alles kleiner, improvisierter und sehr viel stärker vom Willen geprägt war, einer feindlichen Umgebung etwas Schönes abzuringen.

Er trat langsam näher an den Brunnen heran und betrachtete die Pflanzen, die unter künstlichem Licht gediehen. Draußen lag eine Stadt im Nordpolarkreis, umgeben von Eis, Meer, Vulkanstein und einem Schild, ohne den hier niemand lange problemlos leben würde. Hier drinnen wuchsen exotische Gewächse, als hätte jemand beschlossen, dass selbst Truuine ein Recht auf Schönheit besaß. Dieser Gedanke gefiel ihm sehr. Nicht weil er besonders sentimental gewesen wäre, sondern weil er verstand, was solche Orte bedeuteten. Sie waren mehr als nur Dekoration. Sie waren ein Versprechen. Sie sagten Besuchern, Bewohnern und möglichen Investoren, dass eine Welt mehr sein konnte als ein, eine Raffinerie oder eine Ansammlung funktionaler Wohnblöcke.

Vielleicht war es genau dieser Gedanke, der ihn kurz darauf in die Bibliothek führte.

Eigentlich hatte Lucien nur einen flüchtigen Blick hineinwerfen wollen, zumindest behauptete er das vor sich selbst. Die Bibliothek des Praxeums war gut ausgestattet, deutlich besser, als er erwartet hatte, und verband alte Bestände mit modernen Terminals, Kartenarchiven und Verwaltungszugängen. Zwischen Regalen, Lesetischen und Datapad-Stationen fand er einen ruhigen Platz, bestellte sich über das interne System höflich einen Caf und begann damit, die freigegebenen Unterlagen zu öffnen.


Zunächst las er ohne besondere Begeisterung. Allgemeine Daten über Truuine, Bevölkerungszahlen, Exporte, Bauprojekte, Versorgungsstrukturen und knappe wirtschaftliche Übersichten waren nicht gerade die Art von Lektüre, mit der man einen jungen Vicomte üblicherweise für einen Vormittag begeisterte. Doch je länger Lucien zwischen Karten, Tabellen und kurzen Vermerken wechselte, desto deutlicher setzte sich vor seinem inneren Auge ein Bild zusammen, das ihm deutlich interessanter erschien als die nüchternen Berichte, die sein Vater ihm hatte zukommen lassen.

Truuine war keine fertige Welt, die lediglich verwaltet werden musste. Der Planet war eine langsam entstehende Ordnung, und genau darin lag sein Reiz. Moraband benötigte Baumaterial, Fachkräfte, Energie, Versorgung, Transportwege, Handelsrouten, Unterkünfte, medizinische Einrichtungen, Industrie, Verwaltungspersonal und vor allem Kapital.
Die Koltoraffinerie am Rand der Hauptstadt war ein offensichtlicher wirtschaftlicher Ankerpunkt, Abyston verfügte über Schiffbau und etwas Industrie, Osicia besaß einen renovierten Raumhafen und eigene Verwaltungsstrukturen, und selbst die Monde eröffneten Möglichkeiten, wenn man bereit war, nicht nur auf einfache Gewinne zu achten. Kyyne war als klassische Bergbauwelt kaum interessant, doch die Bergung alter Schiffe und die Temolak-Fabrikstation konnten verwertbare Materialströme schaffen, während Naar trotz schwieriger Bedingungen langfristig durch seine Rohstoffe Aufmerksamkeit verdiente.

Lucien lehnte sich langsam zurück und betrachtete die Karte Morabands, die als Hologramm über dem Tisch schwebte.

Eine fertige Welt war vielleicht bequem, ein unfertige Welt jedoch war oft profitabel.

Der Gedanke kam so selbstverständlich, dass er beinahe darüber lachen musste. Wo andere in Moraband vermutlich Kälte, Baustellen, militärische Präsenz und politische Unsicherheit sahen, erkannte er plötzlich Bedarf. Wohnraum, bessere Quartiere, Gastronomie, Theater, Gästehäuser, Gewächshäuser, Handelsbüros, Verkaufsstände, Fabriken und Orte, an denen Fachkräfte nicht nur arbeiteten, sondern auch leben wollten. Truuine besaß zwar schon etwas Industrie, Rohstoffe und politische Bedeutung, doch was dieser Welt fehlte, war ein ziviles Gesicht, das Individuen davon überzeugte, hier hier zu ziehen und sich niederzulassen.

Als Lucien schließlich aufsah, stellte er fest, dass deutlich mehr Zeit vergangen war, als er geplant hatte. Sein Caf war wenn überhaupt nur noch lauwarm, sein Magen begann sich mit nachdrücklicher Deutlichkeit zu melden, und auf seinem Datapad standen bereits mehr Notizen, als er eigentlich hatte anlegen wollen. Er betrachtete die Liste einige Sekunden lang, als wäre sie von jemand anderem geschrieben worden, und schnaubte leise.

„Großartig“, murmelte er und kratze sich am Kopf, „Jetzt arbeite ich schon freiwillig...Furchtbar“

Dennoch löschte er nichts.
Kurz vor Mittag verließ Lucien das Praxeum und trat hinaus in Moraband.

Die Stadt wirkte aus der Nähe vollkommen anders als vom Orbit aus. Von oben hatte sie wie ein Plan aus Boulevards, Gebäuden und Baustellen gewirkt, doch auf Straßenniveau zeigte sie sich lebendiger, widersprüchlicher und sehr viel unruhiger. Frisch errichtete Fassaden standen neben offenen Baugruben, junge Parkanlagen mit noch dünnen Bäumen lagen neben Absperrungen. Transportfahrzeuge rollten an ihm vorbei, Arbeiter riefen einander Anweisungen zu, Sicherheitskräfte beobachteten die Straßen mit wachsamen Blicken, und über all dem schimmerte der Atmosphärenschild wie eine kaum sichtbare Erinnerung daran, dass diese Hauptstadt ohne Technik nicht einmal existieren könnte.

Lucien ging ohne besonderes Ziel los und stellte sehr schnell fest, dass genau das die beste Art war, Moraband kennenzulernen. Vorallem viel ihm auf, des es vergleichsweise wenig Menschen auf diesem Planeten gab zumindest hier in Moraband.
Er blieb vor Baustellen stehen, warf Blicke auf Holoanzeigen, betrachtete neue Geschäfte, die in frisch errichtete Erdgeschosse einzogen, und hörte nebenbei Gesprächsfetzen von Beamten, Arbeitern, Händlern und Soldaten soweit er diese verstand.
Es war nicht das Flanieren durch eine alte, wohlhabende Hauptstadt, bei dem jeder Platz bereits eine Geschichte und jedes Gebäude einen Namen besaß.
Moraband war noch teils unfertig und laut, doch es besaß eine eigene Atmosphäre, die Lucien nicht ignorieren konnte.


An einem kleinen Stand zwischen zwei unfertigen Gebäuden kaufte er sich schließlich einen warmen Snack aus gewürztem Fisch, dünnem Teig und einer scharfen hellen Soße, dazu einen süßlichen Caf, der in Aurentis vermutlich zu einer langen Diskussion über Geschmack geführt hätte, in diesem Moment jedoch erstaunlich gut passte. Der Händler, ein Aqualish mit rauer Stimme und bemerkenswert geschäftstüchtigem Blick, erkannte zwar nicht sofort, wen er vor sich hatte, bemerkte jedoch sehr wohl, dass Lucien nicht wie jemand aussah, der gewöhnlich an Straßenständen aß.

Daraus entwickelte sich ein kurzes Gespräch über steigende Preise seit beginn des Krieges, Bauarbeiter, Lieferprobleme und eine leicht beunruhigte Stimmung aufgrund der aktuellen Rebellion. Lucien hörte aufmerksam zu, stellte scheinbar beiläufige Fragen und bekam innerhalb weniger Minuten mehr brauchbare Informationen über die wirtschaftliche Stimmung der Stadt als aus mehreren Seiten Verwaltungstext.

Am frühen Nachmittag kehrte Lucien schließlich zum Praxeum zurück.

Der Spaziergang hatte länger gedauert, als er ursprünglich beabsichtigt hatte, und doch hatte er nicht das Gefühl, Zeit verloren zu haben. Im Gegenteil. Als er die Stufen zum Eingang hinaufstieg und noch einmal über die Schulter auf Moraband blickte, sah er nicht mehr nur den Ort, an den sein Vater ihn geschickt hatte, um ihn aus Aurentis zu entfernen. Er sah eine Stadt, die noch nicht wusste, was sie einmal werden wollte, und vielleicht lag gerade darin die erste echte Gelegenheit, die ihm seit langer Zeit begegnet war.

In seinem Apartment legte er das Sakko und die Zugangskarte ab und aktivierte sein Datapad. Die Notizen aus der Bibliothek vermischten sich bereits mit den Eindrücken des Spaziergangs, mit den Worten des Händlers, den offenen Baugruben, den unfertigen Boulevards und dem Wintergarten des Praxeums.

Einige Sekunden lang betrachtete er die leere Überschrift über dem neuen Dokument.
Dann schrieb er langsam:

Velcrest Development Group – Truuine Department
Informations-Beschaffung Tag 1


Lucien hielt inne und betrachtete die Worte.
„Nun gut“, murmelte er leise. „Vielleicht wird diese Katastrophe doch nicht ganz so unnütz" bevor er auf dem Datenpad weiterschrieb.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Moraband / Praxeum / Luciens Zimmer ] Lucien Velcrest & NPC´s
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Orbit von Truuine / GSD 'Fides' / Besprechungsraum] - mit Commander Dur Tovi, Lieutenant Commander Baran Gargatosh, Captain Thade Skywalker

Commander Tovi und Lieutenant Commander Gargatosh wurden in ihrem Gespräch unterbrochen, als ein Unteroffizier die Ankunft von Captain Thade Skywalker ankündigte. Tovi war schon dabei aufzustehen, um den Ranghöheren mit einem Salut zu begrüßen. Und wurde zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden doppelt überrascht.
Denn zum Einen war
Skywalker ebenfalls ein Nicht-Mensch, nämlich ein Chiss. Kurz zuckte der Gedanke durch den Kopf des Commanders, warum ausgerechnet er eine Mission bekam, bei der so viele Nicht-Menschen Offizierspositionen inne hatten. Direkt danach überkam ihn Scham und er kämpfte bewusst gegen seinen Spezizismus an. In der Flotte wurden Leistungen gewürdigt und nicht die Spezies - oder sollte sie zumindest. Er jedenfalls würde seine beiden Mitoffiziere nach ihrem Charakter und ihren Leistungen einordnen.
Und zum Anderen wurde er positiv überrascht, als der Captain ihnen gebot, sitzen zu bleiben und sich wie selbstverständlich bei dem Kaf bediente und sich dann zu ihnen setzte. So sollte ein Offizier sein: auf Drall, aber nahbar und pragmatisch.

Und dann wurden
Tovis Augen groß, als er hörte, dass der Chiss direkt von einer Zeremonie eines Moffs kam. Er verkehrte also in den höchsten Kreisen Imperialer Politik - und musste daher erfolgreich und/oder sehr gewieft sein. Aber dies gab der Vorgesetzte als reine Info rein - ohne Wichtigtuerei. Vielmehr leitete Skywalker den Fokus richtiger Weise direkt weiter auf die Mission und ihre Aufgabe:

"Also bitte, berichten Sie mir, was nicht in den Unterlagen steht. Wie sieht unsere tatsächliche Lage aus?"

Tovi sprach sich stumm durch Blicke mit Gargatosh ab und erhob sich dann, um den Holoprojektor des Besprechungsraums zu aktivieren. Der Projektor sprang an und Tovi... fand die richtige Datei nicht gleich auf Anhieb. Das war ihm ungeheuer peinlich und er merkte, wie seine Wangen rot anliefen. Auch nach mehreren hektischen Klicks war er nicht erfolgreich. "Wo habe ich sie nochmal abgelegt", dachte er fieberhaft nach.
Er nahm seine Kappe ab und strich sich einmal über seine Militärfrisur. Dann schloss er die Augen und atmete noch einmal tief durch, blickte schließlich die beiden anderen Offiziere an und versuchte sich an einem kleinen Scherz zum Überbrücken dieser unangenehmen Situation:

"Sie wissen ja schließlich, dass eine gute Besprechung mindestens doppelt so lang sein sollte wie die Durchführung der Mission."

Da! Da war nun die Datei. Erleichtert öffnete der Commander sie und der Raum wurde gefüllt von einer 3D-Darstellung einer Galaxiskarte, die in einen bestimmten Bereich hereinzoomte. Tovi begann zu erläutern und zu erzählen, während er mit Gesten durch einen Pointer die Lage noch einmal verdeutlichte.
"Wir haben die wichtige Mission, den hiesigen Sektor zu sichern und die Piraten zu vertreiben. Oder auszulöschen - je nachdem, wie sie auf unser Angebot eingehen.
Truuines Handel wird schon seit längerem immer wieder durch kleine, nadelstichartige Überfallaktionen durch Piraten geschwächt. In letzter Zeit wurden sie aber frecher und griffen nun auch größere und wichtigere Schiffe an - sie wurden organisierter und könnten nach einem strukturierteren Plan vorgehen. Entweder um ihr Syndikat auszubauen, oder weil sie von der Neuen Republik unterstützt werden. Dazu gibt es aber noch keine gesicherten Erkenntnisse. Zeugenberichte legen aber nahe, dass die Piraten sich dem Überverband der 'Sarlacc-Arme' angeschlossen haben.
Wenn wir die Fluchtrouten ihrer Schiffe als Grundlage nehmen und uns dann anhand der Punkte von Sicherheit, Erreichbarkeit und Abgelegenheit ihre Basis lokalisieren, ist sie höchstwahrscheinlich hier. Das Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin. Ein perfektes Loch für diesen Abschaum: Neutraler Raum, keine wichtigen oder auch nur bekannten Hyperraumrouten in direkter Näher und doch ist man schnell in den angrenzenden Systemen. Zudem machen die Asteroiden eine Lokalisierung einer Flotte schwerer und schützen gleichzeitig vor größeren Kampfschiffen."


Tovi machte eine kurze Pause und nahm noch einen Schluck Kaf, während er die beiden anderen Offiziere anschaute. Sie wirkten beide fokussiert und konzentriert. Die Miene des Gotals konnte der Commander nicht recht deuten, vermutete aber auch eine gewisse Verbissenheit dahinter. Die er nachvollziehen konnte, schließlich ging es um die Sicherheit seines Systems.

Dann fuhr er fort:
"Mit einer entsprechenden Flotte könnte man diese Plage natürlich recht leicht aufreiben und die Dominanz des Galaktischen Imperiums aufzeigen. Wegen des Krieges aber, sind wir in unserer Truppenstärke allerdings stark eingeschränkt. Vielen Dank also, Captain Skywalker, dass Sie mit Ihrer gesamten Einsatzgruppe zu uns gestoßen sind und das Kommando übernehmen. Denn anderweitig stehen uns nur die 'Fides' und Gargatoshs 'Reconquista' zur Verfügung.
Wir müssen also den Piraten unmissverständlich einbläuen, dass das Galaktische Imperium nicht nur durch Quantität, sondern vor allem durch Effektivität und Strategie die Oberhand hat. Und es sollte so eine Lektion sein, dass alle Piraten in dieser Region verstehen, dass das Imperium ein sehr schlechter Ort für sie ist.
Aber kommen wir zur Strategie. Captain Skywalker - und auch Lieutenant Commander Gargatosh - korrigieren Sie mich, wenn ich etwas übersehen habe, oder Ihnen eine sicherere Taktik auffällt.
Ich jedenfalls würde für Folgendes plädieren: Ein Paar Schiffe sollten abgestellt werden, um uns den Hintern freizuhalten - denn hier und hier könnten schlimmstenfalls Piraten aus dem Hyperraum fallen, um zurück zu ihrer Basis zu fliegen, während wir diese angreifen. Und dann wären wir eingekesselt. Eine Situation, die ich unbedingt vermeiden möchte.
Die Hauptgruppe unseres Teams sollte sich dann ins Zentrum des Asteroidenfeldes wagen. Das ist der sicherste und verborgenste und daher doch passendste Ort für eine Basis. Die 'Fides' selbst kann im Notfall auch in das Asteroidenfeld kommen - ist aber durch ihre Größe und Breite darin sehr gefährdet. Ich würde also die Jäger-Koordination übernehmen und Rückendeckung geben. Während die anderen Schiffe vorstoßen, Gegner besiegen und schließlich die Raumbasis angreifen.
Im Idealfall ist laut unseren Befehlen die Basis einzunehmen, um sie zur weiteren Systemverteidigung nutzen zu können. Sollte das nicht möglich sein, ist sie zu zerstören.
Das große Problem, welches uns zur Vorsicht bringen sollte, ist, dass es keine belastbaren Daten gibt, wie viele Piraten wir zu erwarten haben. Da müssen wir dem Geheimdienst mal wieder zeigen, dass die Imperiale Flotte jeden einzelnen Credit wert ist, den das Imperium in uns investiert."

Tovis Blick blieb in den verstörend roten Augen des Chiss hängen. Er straffte seine Schultern und nahm Haltung an. "Ich hoffe, das trifft auf Zustimmung, Sir?"
Danach blickte er Gargatosh an: "Lieutenant Commander Gargatosh, haben Sie noch Ergänzungen oder Heimwissen einzubringen?"

[Innerer Rand / Weltraum (neutral) / Asteroidenfeld zwischen Gyndine und Fabrin / GSD 'Fides' / Brücke] - mit Commander Dur Tovi, Lieutenant Commander Baran Gargatosh, Captain Thade Skywalker und NSCs
 
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[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Orbit von Truuine / GSD Fides / Besprechungsraum ] Baran und Dur

Aufmerksam ruhten die horizontal geschlitzten Pupillen von Barans Augen auf dem ranghöheren Offizier vor ihm, dessen Gebaren nicht so recht zum freundlichen Ton seiner Worte passen wollte. Wie der Stuhl, dessen zu kleine Sitzfläche ihm nur beinahe Raum bot, tat Tovi sein Bestes, dem massiven nichtmenschlichen Offizier genau die Achtung zukommen zu lassen, die ihm durch sein Hiersein zustand – und war damit fast überzeugend.

Baran musste sich nicht einmal bewusst anstrengen, um sein fremdartiges Gesicht bei diesem Gedanken im Ruhemodus zu belassen.

Immerhin machten Tovis sachliche und professionelle Ausführungen dies dann auch noch einfacher als gewohnt, als er kurz und bündig auf Barans Fragen einging. Wo der Gotal mehr handfeste Schlachterfahrung mitbrachte, schien der ranghöhere Offizier Expertise in der Piratenjagd angesammelt zu haben, die in Teilen den Eindruck machte, eine gänzlich andere Welt zu sein, andererseits sich jedoch auch wieder mit einem yevethanischen Mindset deckte. Auch wenn man die Brusthirne nicht in die Ecke drängen musste, damit sie fanatisch und verbissen kämpften. Baran nickte wissend, überließ Tovi jedoch weiter das Wort.

Dass die Piraten sich in einem Asteroidenfeld versteckten, hatte er natürlich bereits gehört – und es überraschte ihn nicht. Es war ein kluger Schachzug, den er, wären die Positionen vertauscht, sicherlich ebenfalls gewählt hätte, um sich einen Heimvorteil gegen imperiale Störenfriede zu sichern. Nur besser war ein Weltraumnebel, wie Tovi korrekterweise bemerkte, aber so einen hatte die Bande Halsabschneider zum Glück nicht zur Verfügung, um ihn als weiteren Kraftmultiplikator gegen sie zu richten; Baran nickte mit einem erleichterten Schnauben und hörte weiter zu.

Dann hatte der höhergestellte Offizier jedoch auch noch etwas zu sagen, von dem Baran noch nicht gewusst hatte – oder besser, über das er bisher nicht informiert worden war – und das ihn nun fragend die verhornten Brauen hochziehen ließ. Er hatte angenommen, dass seine Reconquista und Tovis Fides quasi alleine die Strafmission gegen die Piraten fliegen würden und sich schon auf ein zähes Gefecht in Unterzahl eingestellt…und sich im Gegensatz zu Tovi sogar fast schon ein wenig darauf gefreut, der angab, dass die Mission ohne Unterstützung wohl Selbstmord gewesen wäre.

Unwillkürlich verschränkte Baran die Arme vor der bulligen Brust, als er hörte, dass ein Captain Skywalker mit einer ganzen Einsatzgruppe dazustoßen würde – und schalt sich dann wortlos einen Narren.

Er war der letzte, der unverhoffte Hilfe nicht zu schätzen wissen sollte, wenn er an seine Kampferfahrung im Koornacht-Sternenhaufen zurückdachte; die Yevethaner hatten sie am Ende nur durch die ungebrochene Zusammenarbeit der Flotte in ihre Schranken verweisen können.


„Leider keine Raketen“, brummte Baran als Antwort auf Tovis Frage nach der Bewaffnung seines Schiffes und erlaubte sich ein dünnes Lächeln: „Auch wenn ich zustimme, dass eine Diamant-Bor-Variante meiner Reconquista im Asteroidenfeld sicherlich gut aufräumen würde. Alles was ich anbieten kann sind acht-“, er zählte an den Fingern ab: „sechzehn Raketen an Bord meiner Sentinel-Landefähre, plus weitere Munition im Laderaum.“

An dieser Stelle wurde das Gespräch jedoch unterbrochen, als Tovis Com piepte und die überraschend baldige Ankunft von Captain Skywalker ankündigte, was Baran mit hochgezogenen Brauen und Nicken quittierte – wie lange war der Captain denn schon über die Mission informiert gewesen? „Auf gute Zusammenarbeit“, bestätigte er Tovis Trunkspruch und hob seinerseits die dafür etwas unpassende Kaftasse, bevor sie den offiziellen Teil des Meetings pausierten, um auf die Ankunft des nun ranghöchsten Offiziers zu warten.

Captain Skywalkers Ankunft einige Minuten später hielt dann gleich zwei Überraschungen für Baran bereit: Einerseits, dass es sich bei dem gleich doppelt ranghöheren Offizier um einen Nichtmenschen handelte…und dann auch noch um einen Chiss, was er an dem Nachnamen ‚Skywalker‘ nun wirklich nicht hätte ablesen können. Baran hob die pelzige Hand zum Salutieren und hatte sich schon halb erhoben, als Skywalker dies mit einem knappen Befehl unterband und mit einer knappen Erklärung seiner Verspätung zur Tagesordnung überging, woraufhin sich Baran etwas widerwillig zurück auf die Sitzfläche sinken ließ.

Skywalker war also aufgrund der Ehrungszeremonie durch einen Moff aufgehalten worden, eine Information, die Baran abspeicherte, waren solche Kontakte doch ein möglicher Grund, warum Skywalker in der Position war, in der er sich befand.

Während Tovi Skywalkers Bitte um Berichterstattung nachkam, lehnte Baran sich mit verschränkten Armen in seinem Stuhl zurück, war es nun beinahe das dritte Mal, dass er die Grundzüge hörte, sodass er sich noch mehr auf den Inhalt fokussieren konnte. Die Ankunft der Einsatzgruppe Huntress war also wirklich die einzige Information gewesen, die nicht mit ihm geteilt worden war, auch das war interessant und schließlich nickte er zufrieden, als Tovi zum Abschluss seiner Ausführungen kam. Die kurzzeitigen technischen Probleme hatte er gar nicht weiter registriert und die entstandene Pause zum Grübeln genutzt.


„Weder Ergänzungen noch Hinweise, fürchte ich“, gab er ruhig auf Tovis Frage zurück: „Aber ich stelle mein Schiff gerne als Speerspitze zur Verfügung. Die Reconquista ist kleiner als sowohl die Huntress als auch die Fides, verfügt jedoch über gleichzeitig bessere Schilde und Rumpfstärke.“


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Orbit von Truuine / GSD Fides / Besprechungsraum ] Baran, Thade und Dur
 
Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Auf dem Eispanzer an der Kante ] Ridley, Vorn, Matthew und Nira, sowie (NPCs) Cestus Varro, Qowrow, Ridleys Garde, Skybridge Bataillon, Invasionstruppen

Unter dem Helm von hens Aurora-Rüstung müde lächelnd, verfolgte Ridley die Flugbahn des Ex-Legaten Talzin, die offensichtlich von Nira und den Akolythen zu seinem Nachteil manipuliert wurde. An sich hatte Ridley vor Augen gehabt, dass sie ihn auf dem Eis stellen würden, doch seine Flugbahn stattdessen von der Eiskante zu lenken hatte auch etwas. Während Major Varros Soldaten weiter ins Landesinnere vorrückten, trat die Gouverneursperson selbst wieder auf den eroberten Rand zu, um hens altem Feind mit verschränkten Armen beim Absturz zuzusehen.

Wenn der Karkarodon nicht noch ein letztes Ass im Ärmel gehabt hätte, zumindest.

Während er mit bedrohlicher Geschwindigkeit auf die Wasseroberfläche zuschoss, öffnete sich nämlich plötzlich ein Fallschirm über ihm. Die Jung-Sith taten ihr Bestes, um auch dieses unvorhergesehene Hindernis zu beseitigen, doch spürte Ridley nicht das charakteristische Verlöschen eines Lebens, als Talzin einen Moment später tief unten auf die Wasseroberfläche auftraf. Beinahe sofort wurde die Stelle des Aufschlags von drei Amphibions umringt. Auch wenn Talzin überlebt hatte, würde er nicht entkommen.

Ein lautes Dröhnen am Himmel ließ Ridley aufsehen. Die feindliche Luftabwehr musste ausgeschaltet worden sein, denn just in diesem Moment setzten eine Handvoll LAAT/is zur Landung an, die einen Moment später auf dem Eis aufsetzten und frische Sicherheitskräfte ausspuckten. In der Ferne flogen weitere Transporter heran, die bereits die ersten Panzer heraufschafften.

Der Brückenkopf war errichtet, Ridley hatte gewonnen. Diesen ersten Schritt zumindest.


„Meine Damen und Herren Sith, meine herzlichen Glückwünsche“, wandte Ridley sich über Helmfunk an die anderen und grinste, auch wenn sie es nicht sehen konnten. „Das soll für heute genügen. Von hier aus können für heute unsere Kollegen bei den Planetaren Sicherheitskräften übernehmen. Major Varro, bitte organisieren Sie eine Ablösung der Soldaten, die mit uns die Eiswand hochgestiegen sind.“

Es dauerte keine zehn Minuten, bis die Verstärkung ausgeladen war und Ridley sich in einem LAAT/i zurück in Richtung des offenen Meeres wiederfand. Der Kampf war überstanden und erst jetzt spürte hen sein Gewicht so richtig in hens Knochen. Die Rüstungen waren eine gute Investition gewesen, so verunzierten doch gleich mehrere Schüsse die Brustplatten der Akolythen und zu hens Verwunderung hatte hen auch auf hens eigener Rüstung einen Treffer entdeckt, der hem vorhin entgangen sein musste.

Als Ridley sich schließlich in Moraband wiederfand, ging es hem schon wieder deutlich besser. Den Flug hatte hen dazu genutzt, zu meditieren und hatte nun in erster Linie eine Dusche und ein ausgiebiges Festmahl auf der Agenda, um sich von den Strapazen des mehrstündigen Angriffs zu erholen, doch erforderte eine weitere, unvorhergesehene Angelegenheit hens Aufmerksamkeit.

Während des Kampfes war ein angeheirateter Verwandter der Gouverneursperson mit einem Empfehlungsschreiben seines Vaters eingetroffen. Es handelte sich um den Halbbruder von Ridleys verstorbener Ehefrau, der wohl als Strafaktion – zumindest las hen das zwischen den Zeilen heraus – nach Truuine geschickt worden war.

Mata hatte ihn persönlich empfangen und hem auch direkt ein kleines Dossier geschrieben, wie mit der Causa Lucien Velcrest am besten umgegangen werden konnte.

Natürlich wusste sie nicht um die…delikaten Umstände um Zoëllas Tod, doch verstand sie nur zu gut, dass es in Ridleys Prioritäten eher unwillkommen war, sich zusätzlich zu allem anderen auch noch um einen verzogenen Adelsspross kümmern zu müssen, der aufgrund der Verwandtschaftsverhältnisse einen gewissen Anspruch auf hens kostbare Zeit geltend machen konnte.

Also gönnte Ridley sich nur eine kurze Dusche und ein Butterbrot im Vorbeigehen, bevor hen schließlich den jungen Mann zu sich in die Bibliothek des Praxeums rufen ließ. Den Unwillen, sich auch noch mit dieser Sache auseinandersetzen zu müssen, verbarg hen hinter einem breiten Politikerlächeln und trat mit ausgebreiteten Armen auf Lucien zu, dessen dunkles Gesicht hen unangenehm an Zoëlla Züge erinnerte.


„Lucien, welch schöne Überraschung!“, sagte Ridley und begrüßte den anderen Arkanier mit einem standesgemäßen Kuss auf beide Wangen. „Ich hatte immer gehofft, dich kennenlernen zu können, aber es hat sich nie ergeben. Es tut mir so leid, dass ich deine Schwester nicht habe besser beschützen können.“ Ridley zwang hens Gesicht zu einem möglichst authentischen Bild der Betrübnis, fuhr dann jedoch fort: „Ich hoffe du hattest einen angenehmen Flug von Arkania?“


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Ein dezentes Signal aus dem in die Wand eingelassenen Kommunikationselement ließ Lucien den Blick von seinem Datenpad lösen.

Neben dem Eingang leuchtete noch immer das Symbol einer internen Besuchsanfrage. Lucien berührte das entsprechende Feld auf seinem Datenpad, woraufhin die mit dunklem Holz verkleideten Türsegmente nahezu lautlos in der Wand verschwanden und einem Bediensteten des Praxeums den Eintritt ermöglichte. Der Mann trat einige Schritte in die Suite, neigte respektvoll den Kopf und wartete, bis Lucien ihm seine Aufmerksamkeit schenkte.
„Werter Vicomte, Gouverneur Solaris ist vor wenigen Minuten nach Moraband zurückgekehrt und bittet Euch, sofern es Euch recht ist, in die Bibliothek des Praxeums.“

Lucien hob leicht die Augenbrauen. Obwohl er zwar gehofft hatte, Ridley bald zu begegnen, überraschte ihn die Geschwindigkeit, mit der der Gouverneur zurückgekehrt war. Auch dass er offenbar so schnell bereit war, sich dieser familiären Angelegenheit anzunehmen.

„Vielen Dank“, erwiderte er schließlich und richtete sich etwas auf. „Ich mache mich umgehend auf dem Weg.“


Der Bedienstete verbeugte sich erneut und verließ das Zimmer. Lucien blieb noch einen Augenblick am Schreibtisch sitzen, während sein Blick gedankenverloren durch den Raum wanderte und sein Verstand bereits damit begann, die möglichen Gründe für diese überraschend rasche Einladung gegeneinander abzuwägen.

Eigentlich hatte er angenommen, Ridley Solaris würde sich nach seiner Rückkehr zunächst einige Stunden Ruhe gönnen. Immerhin hatte der Gouverneur den Vormittag nicht bei einer gemütlichen Sitzung im Regierungspalast verbracht, sondern persönlich an einem militärischen Angriff teilgenommen, dessen Ausgang für die Zukunft Truuines von erheblicher Bedeutung sein konnte.

Selbst wenn die Berichte über seinen Schwager nur zur Hälfte zutrafen, mussten nach einer solchen Operation zahllose Entscheidungen getroffen, Einsatzberichte ausgewertet und weitere Maßnahmen mit den Sicherheitskräften abgestimmt werden. Dass Ridley ihn dennoch beinahe unmittelbar nach seiner Rückkehr zu sich rufen ließ, konnte reine Höflichkeit sein, ebenso gut jedoch familiäre Verpflichtung oder der verständliche Wunsch, sich möglichst schnell ein eigenes Bild von jenem jungen Mann zu machen, den das Haus Velcrest offenbar ohne größere Vorwarnung in seine Obhut gegeben hatte.

Unwillkürlich fragte Lucien sich, wie viel sein Vater dem Gouverneur erzählt hatte.

Vielleicht hatte er lediglich ein förmliches Empfehlungsschreiben übermittelt, in dem von wirtschaftlicher Zusammenarbeit, familiärer Unterstützung und einer möglichen Vertretung des Hauses Velcrest auf Truuine die Rede war. Ebenso gut konnte er jedoch mehrere Seiten damit gefüllt haben, sämtliche Verfehlungen seines jüngsten Sohnes aufzulisten und Ridley eindringlich davor zu warnen, sich von seinem freundlichen Lächeln und einigen wohlgewählten Worten nicht täuschen zu lassen.

Wahrscheinlich lag die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Sein Vater hatte selten etwas dem Zufall überlassen, weshalb es töricht gewesen wäre anzunehmen, dass Ridley Solaris ihm vollkommen unvoreingenommen begegnen würde. Die eigentliche Frage bestand daher weniger darin, ob der Gouverneur bereits eine Meinung über ihn besaß, sondern vielmehr darin, wie diese aussah, auf welchen Informationen sie beruhte und wie viel Gelegenheit Lucien erhalten würde, sie durch einen eigenen Eindruck zu ergänzen.

Mit diesem Gedanken erhob er sich schließlich und trat vor den großen Spiegel an der gegenüberliegenden Wand. Sein Vater hätte vermutlich behauptet, dass er sich wieder einmal viel zu sehr mit seinem Äußeren beschäftigte, doch Lucien betrachtete eine angemessene Erscheinung keineswegs als oberflächliche Nebensächlichkeit. Kleidung vermittelte Haltung, Herkunft und Respekt, lange bevor das erste Wort gesprochen wurde, und gerade bei einer Begegnung, die möglicherweise über seine kommenden Monate oder sogar Jahre entscheiden konnte, wollte er nichts dem Zufall überlassen.

Beinahe automatisch strich er die Ärmel seines dunkelblauen Jacketts glatt, richtete den Kragen des hellen Hemdes und überprüfte den Sitz der feinen Manschetten, bevor er die Hände kurz in die Taschen seiner elegant geschnittenen Hose gleiten ließ. Die dunklen Locken saßen noch immer ordentlich, ohne übermäßig streng zu wirken, während die dunkle Haut seiner aurentischen Abstammung einen auffälligen Kontrast zu den vollständig weißen Augen bildete, die ihn trotz seines ungewöhnlichen Erscheinungsbildes unverkennbar als Arkanier auswiesen.

Der junge Mann im Spiegel wirkte selbstbewusst, gepflegt und deutlich gelassener, als Lucien sich tatsächlich fühlte. Ein wenig jugendliche Neugier lag in seinem Blick, begleitet von jener kaum zu verbergenden Überzeugung, dass er sich zumindest äußerlich kaum besser hätte präsentieren können.


„Na schön“, murmelte er leise und neigte prüfend den Kopf. „Versuchen wir, keinen katastrophalen ersten Eindruck zu hinterlassen.“

Ein flüchtiges Grinsen erschien auf seinen Lippen, ehe er nach kurzem Überlegen ergänzte: „Oder zumindest keinen bleibenden.“

Mit dieser durchaus beruhigenden Einschätzung verließ Lucien sein Apartment und machte sich auf den Weg durch die weitläufigen Gänge des Praxeums. Inzwischen fiel ihm die Orientierung deutlich leichter als noch am Morgen. Die zahlreichen Übersichtskarten und dezenten Wegmarkierungen hatten ihm geholfen, sich einen groben Eindruck von der Struktur des alten Gebäudes zu verschaffen, und obwohl er noch immer gelegentlich an Abzweigungen vorbeikam, deren Ziel ihm unbekannt war, bewegte er sich längst nicht mehr wie ein Gast, der hinter jeder Ecke damit rechnen musste, sich vollständig zu verlaufen.

Bedienstete grüßten ihn höflich, vereinzelt begegneten ihm Verwaltungsangestellte mit Datenpads unter den Armen und Sicherheitskräfte, die vermutlich erst vor Kurzem von ihren Einsätzen zurückgekehrt waren. Durch einige der hohen Fenster drangen die gedämpften Geräusche Morabands in das Gebäude. Das entfernte Summen von Repulsortransportern vermischte sich mit dem Lärm der Baustellen, während über den jungen Parkanlagen und den noch unfertigen Straßenzügen jener stetige Rhythmus lag, der Lucien bereits während seines Rundgangs aufgefallen war. Diese Hauptstadt schien niemals vollständig zur Ruhe zu kommen, weil überall gleichzeitig etwas errichtet, erweitert oder verändert wurde.

Je näher er der Bibliothek kam, desto stiller wurden die Gänge. Die geschäftigen Stimmen der Verwaltung verklangen allmählich, Begegnungen wurden seltener und selbst das ferne Treiben der Stadt schien hinter den dicken Mauern des ehemaligen Jedi-Praxeums zurückzubleiben. Lucien verlangsamte unbewusst seine Schritte, während er sich noch einmal vor Augen führte, welche Haltung er in dem bevorstehenden Gespräch einnehmen wollte.

Er würde Ridley nicht als beleidigter Sohn begegnen, der gegen seinen Willen von Arkania fortgeschickt worden war, auch wenn ein großer Teil von ihm noch immer genau so empfand. Ebenso wenig wollte er als verbannter Adeliger auftreten, der darauf wartete, dass andere seine Probleme lösten, und schon gar nicht als verwöhnter Jüngling, als den sein Vater ihn möglicherweise beschrieben hatte auch wenn er vielleicht damit nicht ganz unrecht hatte. Ridley Solaris sollte einen gebildeten Vertreter des Hauses Velcrest kennenlernen, der bereit war, sich mit Truuine auseinanderzusetzen, wirtschaftliche Möglichkeiten zu prüfen und seinen Platz auf dieser Welt selbst zu finden.

Dass Lucien noch nicht wusste, ob er diesem Bild überhaupt entsprach, musste vorerst niemand erfahren.

Als er schließlich vor dem großen und breiten, mit dunklem Holz verkleideten Eingang der Bibliothek stehen blieb, richtete er beinahe unbewusst noch einmal die Manschette seines Hemdes und legte anschließend zwei Finger auf das kleine, in den Türrahmen eingelassene Bedienfeld. Ein gedämpfter Signalton bestätigte seine Anmeldung und wurde wenige Augenblicke später von einem leisen „Herein“ aus dem Inneren beantwortet. Gleichzeitig glitten die schweren, mit kunstvoll gearbeitetem Holz verkleideten Türsegmente nahezu lautlos auseinander und gaben den Blick auf die weitläufige Bibliothek frei.

Lucien straffte unmerklich die Schultern und trat mit ruhigen, gemessenen Schritten ein.


Die Bibliothek des Praxeums wirkte trotz ihrer beachtlichen Größe erstaunlich warm. Hohe Regale aus hellem Holz zogen sich entlang der Wände bis beinahe unter die Decke, während dazwischen breite Lesetische, moderne Datenterminals und mehrere ruhige Sitzbereiche angeordnet waren. Vereinzelte Bücher und Datenpads lagen ordentlich aufgeschlagen auf den Tischflächen, und durch die hohen Fenster fiel gedämpftes Tageslicht in den Raum, das den alten Beständen und der sorgfältig restaurierten Holzvertäfelung eine beinahe friedliche Atmosphäre verlieh. Nur wenige Stunden zuvor hatte Lucien selbst noch an einem der weiter hinten gelegenen Plätze gesessen und versucht, sich einen Überblick über Truuines Wirtschaft zu verschaffen. Nun sollte ausgerechnet hier die erste Begegnung mit seinem Schwager stattfinden.

Sein Blick fand den Gouverneur beinahe augenblicklich.

Ridley Solaris kam ihm bereits entgegen, das Gesicht von einem breiten Lächeln erfüllt und die Arme leicht geöffnet, als würde er keinen unbekannten Verwandten, sondern einen lange erwarteten Freund begrüßen. Lucien hatte kaum Gelegenheit, die angedeutete Verbeugung zu vollenden, mit der er seinem Gastgeber ursprünglich begegnen wollte, als Ridley ihn bereits standesgemäß mit einem Kuss auf beide Wangen willkommen hieß.

Für einen kurzen Augenblick überraschte ihn die unerwartete Herzlichkeit tatsächlich. Innerhalb des arkanischen Adels war eine solche Begrüßung keineswegs ungewöhnlich, dennoch hatte Lucien angesichts der Umstände eher mit höflicher Distanz, einigen förmlichen Worten und einer gewissen Zurückhaltung gerechnet. Immerhin kannten sie einander wenig bis kaum, und unabhängig von ihrer familiären Verbindung war Ridley der amtierende Gouverneur einer Welt, während Lucien erst wenige Stunden zuvor beinahe unangekündigt in dessen Residenz eingetroffen war.

Seine Überraschung blieb jedoch kaum länger als zwei Sekunden sichtbar. Dennoch hörten die Überraschungen hier nicht auf, auch die Augen seines Gegenüber waren ungewöhnlicherweise menschlich und in Grau gehalten, was Lucien´s Stirn kurz in ein paar nachdenkliche Falten legte.

Noch während er die Begrüßung erwiderte, legte sich ein freundliches Lächeln auf Lucien´s Gesicht, das ausreichend Wärme vermittelte, ohne eine Vertrautheit vorzutäuschen, die zwischen ihnen bislang nicht existierte.


„Die Freude ist ganz meinerseits Ridley“, erwiderte Lucien und ließ einen kurzen, beinahe schelmischen Ausdruck über sein Gesicht ziehen. „Ich muss gestehen, dass ich mich ebenfalls mehr als einmal gefragt habe, wann wir uns wohl persönlich begegnen würden. Allerdings hatte ich mir den Anlass etwas weniger plötzlich und meine Ankunft vermutlich unter anderen Umständen vorgestellt.”

Der letzte Teil wurde von einem leichten Schmunzeln begleitet, das offen genug war, um eine gewisse kleine Selbstironie erkennen zu lassen, ohne bereits mehr über die tatsächlichen Gründe seiner Reise preiszugeben, als Ridley möglicherweise wusste. Lucien wollte weder lügen noch die Entscheidung seines Vaters vor einem Mann beklagen, den er gerade erst kennenlernte. Sollte der Gouverneur bereits über alles informiert sein, würde er die Anspielung verstehen. Falls nicht, bestand vorerst kein Grund, ihm die gesamte Geschichte zu erzählen.

Als Ridley anschließend Zoëlla erwähnte und mit sichtbarer Betrübnis erklärte, wie leid es ihm tat, dass er Luciens Halbschwester nicht besser hatte beschützen können, verschwand das Lächeln langsam aus dessen Gesicht.

Die Veränderung war weder übertrieben noch bewusst inszeniert. Allein der Name genügte, um Erinnerungen hervorzurufen, die seit ihrem Tod immer wieder unerwartet an die Oberfläche traten. Zoëlla war seiner Meinung nach vernünftiger, zielstrebiger und in vielerlei Hinsicht genau jene Art von Arkanierin gewesen, die innerhalb des Hauses Velcrest Anerkennung fand, ohne ständig darum kämpfen zu müssen. Trotz ihrer Unterschiede hatte sie Lucien jedoch niemals das Gefühl gegeben, weniger wert zu sein, nur weil seine Interessen immer wieder wechselten oder sein Leben nicht jenem geradlinigen Weg folgte, den ihr Vater für seine Kinder vorgesehen hatte.

Für einen Moment senkte er den Blick, während seine Finger sich beinahe unmerklich hinter seinem Rücken ineinanderlegten. Er erinnerte sich an Gespräche, an gemeinsame Familienfeiern und an jene ruhige Geduld, mit der Zoëlla manche seiner Eskapaden kommentiert hatte, ohne ihn dabei jemals bloßzustellen. Die Trauer war nicht verschwunden, auch wenn Lucien gelernt hatte, sie hinter Humor, Ablenkung, einem diplomatischen Lächeln und der täglichen Geschäftigkeit seines Lebens zu verbergen.

„Danke für deine Anteilnahme", antwortete er schließlich, wobei seine Stimme deutlich ruhiger klang als noch wenige Augenblicke zuvor. „Ihr Tod hat unsere Familie getroffen und Vater vermutlich mehr, als er jemals offen zugeben würde.“

Langsam hob Lucien den Blick wieder und begegnete den Augen seines Schwagers. Obwohl er Ridleys Worte aufmerksam aufgenommen hatte, wusste er nicht, wie viel davon aufrichtig empfunden und wie viel durch jene politische Gewohnheit geprägt war, die einen Gouverneur dazu brachte, selbst unangenehme Gespräche mit einem passenden Gesichtsausdruck zu führen. Vielleicht war die Betrübnis vollkommen ehrlich. Vielleicht hatte Ridley diese Worte bereits viele Male ausgesprochen. Lucien kannte ihn nicht gut genug, um darüber ein Urteil zu fällen, und war klug genug, seine Unsicherheit nicht mit vorschnellen Misstrauen zu verwechseln. Alles in allem hatten diese Gedanken jetzt gerade hier sowieso keinen Platz und Lucien entschied sich, die Gedanken für einen anderen Zeitpunkt aufzuschieben.

„Nach allem, was ich über die damaligen Ereignisse erfahren habe, tragt Ihr keine Schuld an ihrem Tod“, fuhr er nach einer kurzen Pause fort. „Das Schicksal entscheidet leider nur selten danach, was gerecht wäre, und manche Dinge liegen außerhalb unserer Möglichkeiten, ganz gleich, wie sehr wir uns im Nachhinein wünschen, anders gehandelt zu haben, ändern wird sich schlussendlich daran nichts.“


Während er sprach, beobachtete Lucien seinen Schwager aufmerksam, ohne seinen Blick aufdringlich auf dessen Gesicht ruhen zu lassen. Sein Vater hatte erstaunlich wenig über Ridley erzählt und sich meist auf das Nötigste beschränkt. Erfolgreicher Gouverneur, fähiger Verwalter, einflussreicher Politiker und Ehemann seiner verstorbenen Halbschwester. Mehr wusste Lucien kaum, weshalb er sich unwillkürlich fragte, ob Ridley gerade dasselbe tat wie er selbst und hinter den höflichen Worten nach Hinweisen darauf suchte, welche Art von Person ihm gegenüberstand.

Vor allem deshalb wollte Lucien herausfinden, wie viel sein Vater bereits über ihn berichtet hatte.

Wusste Ridley von dem Ball, den Auseinandersetzungen und der Entscheidung des Hauses Velcrest? Hatte er erfahren, dass Luciens Aufenthalt auf Truuine weniger freiwillig war, als es die offizielle Darstellung vermuten ließ? Oder hatte sein Vater lediglich von wirtschaftlichen Interessen und dem Wunsch gesprochen, seinem jüngsten Sohn eine Aufgabe innerhalb der familiären Unternehmungen zu übertragen?

Lucien würde nicht danach fragen, zumindest noch nicht.
Es erschien ihm wesentlich klüger, aufmerksam zuzuhören und Ridley selbst entscheiden zu lassen, welche Informationen er offenlegen wollte. Wahrscheinlich würde bereits die Art, wie der Gouverneur über seine Ankunft sprach, mehr verraten als jede direkte Antwort.


Als Ridley schließlich nach seiner Reise fragte, kehrte langsam ein freundliches Lächeln in Luciens Gesicht zurück.

„Angenehm wäre vermutlich nicht das erste Wort, das mir dazu einfallen würde“, antwortete er mit einem leichten Schmunzeln. „Ausgesprochen komfortabel war die Reise allerdings. Die Velcrest Odyssee hat mich zuverlässig und ohne größere Zwischenfälle nach Truuine gebracht, womit sie bereits erfolgreicher war als manche meiner früheren Reisepläne.“

Seine weißen Augen wanderten für einen kurzen Moment durch die Bibliothek und blieben schließlich an jenem Bereich hängen, in dem er wenige Stunden zuvor noch die ersten Berichte über Truuine ausgewertet hatte.

„Außerdem hatte ich während des Fluges ausreichend Gelegenheit, mich mit Eurer Welt zu beschäftigen. Mein Vater hat großen Wert darauf gelegt, dass ich nicht vollkommen unvorbereitet hier eintreffe, weshalb ich mich durch Wirtschaftsanalysen, politische Berichte und mehr Statistiken gearbeitet habe, als ich während einer Reise eigentlich für vertretbar halte.“

Ein leises Lachen begleitete seine Worte, ehe er sich wieder Ridley zuwandte.

„Nachdem ich heute Vormittag einen Teil Morabands gesehen und einige weitere Unterlagen hier in der Bibliothek durchgearbeitet habe, muss ich allerdings zugeben, dass Truuine deutlich interessanter ist, als ich zunächst erwartet hatte. Eure Hauptstadt ist noch jung, an vielen Stellen unfertig und vermutlich mit mehr Herausforderungen beschäftigt, als sich aus einem offiziellen Bericht herauslesen lässt. Gerade darin liegen jedoch Möglichkeiten, die eine bereits vollständig entwickelte Welt kaum noch bieten könnte.“

Während Lucien sprach, trat zunehmend jene Begeisterung in seinen Blick, die sich bereits während seiner Arbeit am Vormittag gezeigt hatte. Er bemühte sich nicht darum, besonders klug oder geschäftstüchtig zu wirken, denn wirtschaftliche Zusammenhänge gehörten zu den wenigen Themen, bei denen er nicht lange darüber nachdenken musste, welchen Eindruck er vermittelte. Zahlen, Entwicklungen und Möglichkeiten ergaben für ihn ein Bild, lange bevor andere überhaupt bemerkten, dass einzelne Bestandteile miteinander verbunden waren.

„Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, innerhalb weniger Stunden bereits so viele interessante Ansätze zu entdecken“, erklärte er und ließ die Hände locker hinter dem Rücken ruhen. „Moraband wächst, die Bevölkerung benötigt Wohnraum und Versorgung, neue Unternehmen brauchen Kapital, Fachkräfte benötigen Gründe, dauerhaft hierzubleiben, und zwischen Kolto, Schiffbau, Handel sowie den zahlreichen noch offenen Bauprojekten scheint es mehr als genug Möglichkeiten zu geben, wirtschaftliche Strukturen aufzubauen, die über einzelne Investitionen hinausgehen.“

Für einen kurzen Augenblick wurde sein Lächeln etwas breiter, wobei sich in seinem Ausdruck jener jugendliche Eifer und eine Selbstsicherheit zeigte, die Lucien selbst in ernsten Situationen nie vollständig verbergen konnte.

„Ich fürchte sogar, Euer Planet hat bereits begonnen, meine berufliche Neugier zu wecken. Das dürfte meinem Vater vermutlich deutlich besser gefallen als mir, denn sollte er jemals erfahren, dass ich mich freiwillig mehrere Stunden mit Verwaltungsdaten und Investitionsmöglichkeiten beschäftigt habe, wird er sich vermutlich für den Rest seines Lebens einbilden, mit dieser Reise von Anfang an recht gehabt zu haben, was ich ihm unters nicht gerne vor die Nase halten möchte…wenn Ihr versteht.“ Diesmal war das leise Lachen vollkommen aufrichtig.

Nun begann Lucien aber das Gespräch etwas von sich weg zu lenken. “Aber genug von mir und meinen Einblicken zu Truuine, ich hoffe, es geht euch gut soweit? Wie ich höre und sehe, machst du eine hervorragende Arbeit auf Truuine, wenn man die Berichte seit deiner Ernennung durchliest hat sich auf jedenfall einiges getan.” Er hoffte mit diesem kleinen positiven Satz dem Gouverneur ein höfliches, aber nicht zu direktes Lob auszusprechen, in der Hoffnung, dass er dies nicht als Schleimerei verstand.


Während er auf die Antwort Ridley wartete, blieb Lucien innerlich aufmerksam. Noch wusste er nicht, ob Ridley Solaris ihm als Familienmitglied begegnete, als Gouverneur, als Politiker oder lediglich als Person, der versuchte, eine unerwartete Verpflichtung möglichst höflich in seinen ohnehin überfüllten Alltag einzuordnen. Vielleicht war dessen Freundlichkeit ehrlich. Vielleicht gehörte sie ebenso sehr zu seinem Amt wie die Uniformen der Sicherheitskräfte oder die Banner im Regierungspalast.

Lucien würde sich kein vorschnelles Urteil erlauben. Er würde aufmerksam zuhören, die kleinen Reaktionen seines Gegenübers beobachten und genau darauf achten, welche Fragen gestellt und welche Themen bewusst vermieden wurden. Ob der Gouverneur ihm dieses Bild glaubte oder hinter dem höflichen Lächeln längst den Grund seiner Reise erkannt hatte, würde sich vermutlich schneller zeigen, als Lucien lieb war.
Fürs erste war wichtig das sie sich gegenseitig verstanden und das Lucien mit der Analyse und Arbeit beginnen konnte um seinen Vater fürs erste zufrieden zustellen.


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Innerer Rand| Manaan-Sektor | Truuine System | Besprechungsraum an Bord der Fides | Captain Thade Skywalker, Commander Dur Tovi, Lieutenant Commander Baran Gargatosh

Commander Tovi wirkte einigermaßen nervös, als er an den Holoprojektor trat. Den für extrem kalte Umgebungen spezialisierten Augen des Chiss entging keineswegs, wie sich die Oberflächentemperatur auf den Wangen des Menschen erhöhte, noch bevor sich eine gewisse Röte auf ihnen einstellte. Natürlich ließ Thade nicht erkennen, dass ihm diese dem Commander peinliche Episode des ungeschickten Bedienens des Projektors genauso wenig auffiel, wie die anschließende professionell durchgeführte Präsentation der Lage inklusive eines spontan entwickelten Strategievorschlags. Dur Tovi war offensichtlich ein kompetenter Offizier und ließ sich doch scheinbar gleichzeitig durch unvorhergesehene Ereignisse vergleichsweise einfach aus der Fassung bringen. Letzteres zeigte sich auch in seinem Vorschlag nieder, der besonderen Wert auf die Rückabsicherung und Abriegelung der nächsten Hyperraumaustrittpunkte legte.

Lieutenant Commander Gargatosh gab sich selbst ziemlich wortkarg und beschränkte sich auf das Nötigste, um seine Meinung einzubringen. Dabei meldete der Gotal sich freiwillig, als Vorhut für den Einsatz zu dienen und zeigte so Standfestigkeit kombiniert mit einer gehörigen Portion Mut, beides Eigenschaften, die Thade zu schätzen wusste und mit denen der Chiss arbeiten konnte. Keiner der beiden Offiziere stellte unangebrachtes Bravado zur Schau oder zeigte auf den ersten Blick Tendenzen zur Inkompetenz hin. Daher war er auch schnell der Auffassung, dass die vor ihnen liegende Aufgabe die größte Hürde bereits genommen hatte. Die drei Kommandanten würden unter seiner Führung gut zusammenarbeiten können.

Einen langen Moment lang blieb
Thade still, nachdem Commander Tovi und Lieutenant Commander Gargatosh gesprochen hatten. Die einsetzende Stille mochte für manche vielleicht schnell unangenehm werden. Die Gedanken des Chiss rasten in dieser Zeit jedoch auf Hochtouren, während er über die dargebrachten Informationen nachdachte und eine Strategie formulierte. “Die Piraten haben zweifelsohne Späher in der ganzen Region und werden in Kürze über meine Ankunft informiert werden, wenn sie nicht bereits Nachricht erhalten haben. Wir müssen daher umgehend zuschlagen, um zu verhindern, dass sie ihre Verteidigung verstärken oder sich dazu entschließen, diese Basis aufzugeben und mit Fallen zu spicken.” Thade hatte sich für eine Strategie der Geschwindigkeit entschieden. Sie würden dafür sorgen, dass die Piraten keine Gelegenheit erhalten würden, sich auf die neue Situation im Sektor einzustellen.

“Wir werden die ausgemachte Primärroute durch das Asteroidenfeld nehmen, um die Basis frontal anzugreifen. Währenddessen werden Hawke und Pursuer diese Hyperraumpunkte sichern und jegliche Verstärkung abfangen, sofern es denn welche gibt.” Thade erwartete nicht wirklich eine koordinierte Reaktion. Wenn es sich bei dieser Bedrohung tatsächlich um Piraten handelte, würden sie nicht mit Reaktionen aus militärischen Lehrbüchern antworten und sollte es sich hierbei um eine Geheimdienstaktion der Republik handeln, würde diese ebenso wenig mit militärischer Vorhersehbarkeit reagieren. Dennoch zog der Chiss es vor, auf alles vorbereitet zu sein und Hawke und Pursuer würden entweder alle Entsatzversuche abfangen oder zumindest als zuverlässiges Frühwarnsystem fungieren.

Natürlich war das noch nicht der Ende der Vorkehrungen, die er für die Eroberung der Piratenbasis treffen würde.
“Bevor wir den Hauptangriff starten, werden meine Scimitar Jagdbomber und Sternenflügler die bekannten Sekundärrouten durch das Asteroidenfeld beschießen, um sie kurzfristig unpassierbar zu machen. Dadurch werden wir den Großteil des Feindes dazu zwingen, eine Flucht über die Primärroute zu versuchen.” Thade erwartete nicht, alle Fluchtrouten schließen zu können, dafür hatten sie einfach nicht genug Kräfte zur Verfügung. Je mehr Feinde sie aber zum Gefecht zwingen konnten, umso mehr Piraten würden sie ausschalten können. Außerdem war es gar nicht so schlecht, wenn vereinzelt Piraten entkommen konnten. Sie würden weitertragen, was heute hier passieren würde.

Als nächstes würde
Thade eine Enttäuschung austeilen müssen, er glaubte aber, dass er so Lieutenant Commander Gargatosh besser einsetzen konnte. “Die Huntress wird den Hauptangriff anführen, während die Fides sich etwas zurückhält, um das anfängliche Jägergefecht zu koordinieren. Ich möchte, dass die Reconquista Yevetha sich unterdessen im Sensorschatten der Fides hält.” Nach diesen Worten richtete Thade ganz bewusst seinen Blick auf Gargatosh, um ihm verstehen zu geben, dass dies zwar als Bitte formuliert war, aber die Anweisung nicht optional war. “Die schweren Geschütze Ihrer Marauder Korvette werden ihre Mühen haben, kleine, schnelle und wendige Piratenschiffe zu treffen. Dafür aber eignet sich Ihr Schiff ideal dafür, uns den Weg zu bereiten.” Ein Nicken auf die Holoprojektion folgte. “Sobald wir die Streitkräfte des Feindes gebunden haben, wird die Reconquista Yevetha mit Höchstgeschwindigkeit aus dem Sensorschatten der Fides hervorschnellen und die Piratenbasis direkt anfliegen. Auf den Weg dahin werden Sie mit Ihren schweren Geschützen die Primärroute vergrößern und anschließend die Basis selbst bedrohen. Ihre Begleitstaffel wird Sie dabei decken.”

Damit wandte Thade sich Commander Tovi zu. “Sobald wir Raumüberlegenheit hergestellt haben, beginnen wir mit dem Angriff auf die Piratenbasis. Die Fides wird eine Entermannschaft losschicken und die Huntress wird die Sentinel-Landefähren eskortieren, während Sie, die Vernichtung oder Gefangennahme der restlichen äußeren Feindkräfte abschließen werden.” Damit waren die Grundzüge des Schlachtplans abgesteckt und Thade blickte seinen Mitoffizieren noch einmal eindrücklich in die Augen. “Sollte der Feind sich an irgend einer Stelle unvorhergesehen verhalten, werden wir uns anpassen. Aber an unserem Hauptziel wird sich nichts ändern. Dieser Piratenring wird den Tag nicht überleben.” Es folgte eine kurze Phase der Diskussion und Klärung von Nachfragen und direkt danach machte sich der Chiss auf den Weg zurück zu seinem eigenen Schiff. Noch innerhalb der Stunde würden das Gefecht beginnen.

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Huntress, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
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Aufmerksam ruhten Ridleys Augen auf dem dunklen Gesicht von hens Schwager. Ebenmäßige Haut, dunkle Locken und die reinweißen Augen, die ihn als Arkanier auswiesen und die von den meisten Menschen im Imperium als fast schon gruselig wahrgenommen wurden. Ein Grund, warum die Gouverneursperson sich die eigenen durch Implantate ersetzt hatte. Doch nicht der einzige.

Wäre er das, hätte hen auch die eigenen Hände vierfingrig belassen, doch im Imperium war jeglicher Anschein der Nichtmenschlichkeit ein Makel. Egal ob negativ konnotiert, oder nicht.

Lucien erwiderte Ridleys herzliche Begrüßung und bedauerte die Umstände sowie die Plötzlichkeit ihrer Begegnung. Diesmal schenkte hen ihm ein ehrliches Lächeln. Da schien ja an hens Lesen der Situation wirklich etwas dran gewesen zu sein.


„Hauptsache du bist hier. Mein Haus ist dein Haus“, einladend wies Ridley auf die umliegende Bibliothek, implizierte natürlich jedoch grundsätzlich das ganze Praxeum. „Ich freue mich jedenfalls auf die Gelegenheit dich besser kennenzulernen, Lucien.“

Die Erwähnung Zoëllas entlockte Lucien dann sowohl eine traurige Miene als auch echte Betrübnis, die Ridley in der Macht spürte. Härter traf hen dann jedoch die Antwort des jungen Mannes als er erklärte, dass ihr Tod sowohl ihre Familie als auch seinen Vater hart getroffen hatte.

Von einem Moment zum anderen wurde Ridley bewusst, dass hen nie wirklich daran gedacht hatte, welche Spuren die pragmatische Tat bei hens angeheirateter Verwandtschaft hinterlassen haben musste. Auch wenn hen natürlich alle die gebotenen und von Mata aufgesetzten Beileidsschreiben unterzeichnet hatte. Es brauchte hens gesamte jahrelang gepflegten politischen Instinkten, um Lucien in diesem Moment in die Augen zu sehen, eine Hand zu heben und anteilsvoll auf seine Schulter zu legen.


„Bitte richte deinem Vater meine herzlichen Grüße aus, wenn du das nächste Mal mit ihm holofonierst“, sagte hen, hoffend, das Thema möglichst schnell beenden zu können. Doch das Schlimmste kam erst noch.

Als Nächstes erklärte Lucien, dass Ridley keine Schuld traf und dass das Schicksal entschied, auch wenn man sich noch sehr wünschte anders gehandelt zu haben.

Ridley spürte die Ekelgänsehaut, die sich auf hens Armen ausbreitete, ohne dass hen sie sehen musste.

Zum Glück trug hen wie üblich eine langärmelige Verwalteruniform. Für einen Moment sah hen ein Bild von sich selbst vor dem inneren Auge. Eine schleimige, geschuppte Gestalt, die sich verschlagen hinter einer perfekt lächelnden Maske von hens Gesicht verbarg.

Der Drang, aus dem Raum zu stürmen, war stark, doch wusste hen plötzlich mit absoluter Gewissheit, dass hen dies nicht tun durfte. Ridley hatte die letztendliche Konsequenz nicht klar vor Augen, doch spürte hen, dass sich etwas unwiederbringlich verändern würde, beherrschte hen sich nicht in genau diesem Augenblick.


„Ich weiß…“, sagte Ridley ohne aus dem Takt zu kommen, zwang die Maske zu einem betrübten Lächeln und nickte. „Wir Zurückgebliebenen dürfen trauern, aber uns nicht in Selbstvorwürfen ergeben. Es muss weitergehen, etwas anderes hätte Zoëlla nicht gewollt.“

Die Worte fühlten sich pelzig auf hens Zunge an, doch schien Lucien nichts bemerkt zu haben. Ridley fragte nach seiner Reise nach Truuine und zum Glück – zum Glück, zum Glück, zum Glück! – wechselten sie das Thema.

Während Lucien ein paar Belanglosigkeiten darüber verlor wie die Reise verlaufen war, erinnerte sich Ridley daran, dass hen es hatte tun müssen. Zoëlla hatte damit gedroht, hens Geheimnis an die Boulevardmedien zu verraten, was das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht hatte. Es war nötig gewesen. Der logische Schritt, um eine politische Bedrohung aus dem Weg zu räumen. Eine ehemalige Partnerin auf hens Weg nach oben, die ihre Nützlichkeit überlebt hatte. Das hatte hen gewusst, das wusste hen, aber warum fühlte hen sich dann…SO?!

Zu Ridleys Glück wandte sich das Gespräch dann aber doch wieder etwas interessantem zu, was hen darauf aufmerksam machte, dass sich für einen Moment ein abwesender Ausdruck in hens bionische Augen geschlichen haben musste.

Lucien erklärte, dass er den Flug dazu genutzt hatte sich bereits über Truuine zu informieren, anschließend Moraband etwas erkundet und DANN noch Zeit in der Bibliothek verbracht hatte, um sich weiteres Wissen anzueignen. Ridley musste diesmal den überraschten Ausdruck auf hens Zügen nicht spielen. Das hatte hen nicht erwartet und erst recht nicht die Begeisterung, die hen meinte in der Stimme des jungen Mannes zu hören!


„Interessant, mir scheint dir ist ehrlich daran gelegen mit anzupacken, wenn du kannst?“, fragte Ridley, nachdem Lucien seine Ausführungen beendet hatte und legte den Kopf schief. Mata hatte im Vorfeld ein paar Vorschläge gemacht, wie sich der Junge zwar ein wenig nepotistisch aber risikoarm beschäftigen ließe. Steckte am Ende etwa doch noch mehr in ihm als es den Anschein hatte?

Wenn dem so war, dann würde Ridley es zu nutzen wissen. Hen war niemand, dier ein potentiell nützliches Werkzeug einfach so aus der Hand gab.


„Mir geht es äußerst gut, danke der Nachfrage“, antwortete hen auf die Frage des Jungen und lächelte diesmal ehrlich. „Ich habe ein Weg gefunden, mich etwas mehr körperlich betätigen zu können als die meisten meiner Kollegen. Damit zusammenhängend, du hast dir einen guten Tag ausgesucht, um vorbeizuschauen. Heute Morgen haben wir einen Sieg errungen, der sich schon seit Monaten angekündigt hat. Die erste Schlacht gegen die Rebellen ist geschlagen und von nun an ist der Fall der Schmugglerstadt Port Ryloth nur noch eine Frage der Zeit.“

Grade wollte Ridley sich erkundigen wie es um Luciens andere Geschwister und Halbgeschwister stand, als plötzlich hens Com klingelte und eine Kurzfassung der erhaltenen Nachricht über das HUD von hens bionischen Augen flimmerte.

Statt also weiteren Smalltalk zu betreiben sagte hen:
„Oh, das tut mir leid. Grade eben hat mein Legat der Inneren Sicherheit zu einem Meeting geladen, um die weiteren Schritte am Südpol zu besprechen. Wir müssen unser Gespräch leider doch vertagen…“

Kurz warf hen einen Blick auf hens Chrono, dann fuhr hen fort: „Aber wenn du hier bist, um mich zu unterstützen, dann hätte ich eine Sache, die du machen kannst, wenn du Lust hast.“ Beiläufig zog hen hens Com aus der Tasche und öffnete das Dossier in hens HUD, das Mata vorgeschlagen hatte. „Wir sind aktuell auf der Suche nach einem guten Kandidaten für den Post eines Sondergesandten für Wirtschaft. Wenn du möchtest, würdest du in das benachbarte Cona-System reisen und mit der dortigen Verwaltung über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit verhandeln. Ich werde Mata bitten, dir ein Dossier zu erstellen, was Truuine konkret anzubieten hat.“

Natürlich war auch die Suche nach einem geeigneten Kandidaten eine weitere Lüge. Truuine hatte mit der conaer Verwaltung bisher noch rein gar nichts zu tun gehabt und bisher auch keine Pläne unterhalten, dies zu ändern. Wahrlich ein Posten, bei dem Lucien nichts kaputt machen konnte, stellte er sich als unfähig heraus.

„Wir sehen uns später zum Abendessen?“, fragte Ridley noch und wandte sich dann zum Gehen.

Hens Weg führte hen wieder aus dem Praxeum hinaus und den kurzen Fußweg zum Regierungspalast entlang, wo hen es grade rechtzeitig zum Besprechungsbeginn in den Raum schaffte.

Das Meeting war in erster Linie Routine, war hen doch persönlich vor Ort gewesen und kannte daher die meisten Lageberichte schon. Nötig wurde hens Anwesenheit dann jedoch, als es darum ging die nächsten Angriffsziele auszuwählen und darüber zu sprechen welche Truppenteile welche Aufgaben übernehmen würden.

Zur Sprache kam dabei natürlich auch Major Varro und sein – wie erlebt – äußerst fähiges Veteranenbataillon, dessen Einsatz natürlich genau bedacht werden wollte. Am Ende entschied Ridley sich dafür dem Major die beiden Akolythen zuzuweisen. Dabei erhielt Vorn die Vorgabe, in direkter Nähe zu Varro zu dienen, während Qowrow etwas freier in seiner Zuweisung sein würde. Ein gewisses Vertrauen hatte der Wookiee sich ja erarbeitet.

An sich operierten Offiziere des Skybridge Bataillon zwar wie die truuiner Systemverteidigung außerhalb der Befehlskette der Planetaren Sicherheitskräfte, doch räumte Ridley ihnen explizit eine Weisungsbefugnis den Akolythen gegenüber ein. Es tat hem fast schon leid, Major Varro Vorn aufs Auge zu drücken, doch erschien hem das wie das kleinere Übel.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Norpolarkreis / Moraband / Regierungspalast / Besprechungsraum ] Ridley, sowie (NPCs) Legat Di Ghuta und weiterer Militärstab
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Norpolarkreis / Moraband / Praxeum ] Ridley und Lucien


Lucien nahm Ridleys Antwort mit jener höflichen Aufmerksamkeit auf, die ihm seit seiner Kindheit beigebracht worden war und die in einem Haus wie dem der Velcrests nicht bloß als gute Erziehung galt, sondern als eine Form gesellschaftlicher Selbstverteidigung. Er bemerkte das ehrliche Lächeln, als Ridley erklärte, dass sein Haus auch Luciens Haus sei, und obwohl sein Gesicht nach außen hin nur mit einem dankbaren, kultivierten Nicken reagierte, regte sich in ihm sofort jener kleine, angenehm verwöhnte Teil seines Wesens, der solche Sätze sehr wörtlich zu nehmen wusste. Wenn das Praxeum für die Dauer seines Aufenthalts tatsächlich als sein Zuhause gelten sollte, dann bedeutete das hoffentlich auch, dass die Bediensteten dieses Hauses künftig nicht völlig entsetzt reagieren würden, wenn er zu ungewöhnlichen Zeiten einen Caf, ein spätes Frühstück oder vielleicht auch ein anständig temperiertes Getränk auf seine Suite bestellen ließ.

„Das ist großzügig von dir“, erwiderte Lucien mit warmer Stimme und neigte den Kopf leicht. „Ich weiß das wirklich zu schätzen. Nach meiner recht plötzlichen Ankunft ist es beruhigend zu wissen, dass ich hier nicht nur als zusätzliche Unannehmlichkeit betrachtet werde.“

Der Satz war höflich genug, um als Dank zu gelten, aber offen genug, um die Ungewissheit seiner eigenen Lage nicht vollständig zu verbergen. Lucien wollte weder jammern noch sich anbiedern, doch er wusste sehr genau, dass ein wenig ehrliche Selbstironie oft mehr Vertrauen erzeugte als ein makellos polierter Auftritt. Während Ridley anschließend auf Zoëlla zurückkam und ihn bat, seinem Vater beim nächsten Holofonat herzliche Grüße auszurichten, huschte für einen kaum merklichen Augenblick etwas über Luciens Gesicht, das man vielleicht als gepflegtes Unbehagen hätte deuten können. Der Gedanke an ein baldiges Gespräch mit seinem Vater gehörte zu jenen Dingen, die sich ungefähr so angenehm anfühlten wie ein unangekündigter Besuch beim Zahnarzt eines imperialen Militärkrankenhauses.

„Das werde ich tun“, sagte er dennoch ruhig, wobei sein Lächeln für einen Moment etwas schmaler wurde.

Als Ridley erklärte, dass es ihm gut gehe, dass er einen Weg gefunden habe, sich körperlich mehr zu betätigen als die meisten seiner Kollegen, und dass ausgerechnet heute Morgen ein bedeutender Sieg errungen worden sei, veränderte sich Luciens Blick. Nicht stark, nicht theatralisch, aber doch sichtbar genug, dass echte Aufmerksamkeit darin lag. Port Ryloth, die Rebellen, der Südpol, die Schlacht des Vormittags. All das waren für ihn bislang Begriffe aus Dossiers, Berichten und kurzen Lagezusammenfassungen gewesen, doch nun stand der Mann vor ihm, der gerade erst von dort zurückgekehrt war und darüber sprach, als gehöre es zu einem besonders anstrengenden Arbeitstag.

„Dann darf ich wohl gratulieren“, sagte Lucien und meinte es aufrichtiger, als er selbst erwartet hätte. „Ein Sieg am ersten Tag meiner Ankunft ist zumindest ein eindrucksvoller Versuch, mir Truuine von seiner dramatischeren Seite zu präsentieren.“

Ein feines Lächeln begleitete die Worte, doch seine Augen blieben aufmerksam auf Ridley gerichtet. Lucien wusste nicht, wie genau eine solche Schlacht ablief, und ehrlich gesagt war er nicht sicher, ob er es im Detail wissen wollte. Er war kein Soldat, kein Stratege und ganz sicher niemand, der sich aus freien Stücken eine Rüstung anzog. Dennoch erkannte er Leistung, wenn sie vor ihm stand, und er war klug genug, einen Mann nicht zu unterschätzen, der am Vormittag gekämpft, am frühen Nachmittag geduscht und gegessen und unmittelbar danach ein politisch heikles Familiengespräch in einer Bibliothek geführt hatte.

Gerade als Lucien glaubte, dass sich daraus vielleicht ein längeres Gespräch über Truuines Lage, die Rebellen oder die zukünftige Entwicklung des Planeten ergeben könnte, unterbrach ein Signal von Ridleys Comgerät den Moment. Er sah, wie sich die Aufmerksamkeit des Gouverneurs für einen Augenblick verlagerte, wie dessen Blick sich minimal veränderte, als würden Informationen vor seinen Augen erscheinen, und obwohl Lucien nicht wusste, was genau Ridley las, verstand er sofort, dass dieses Gespräch nun nicht mehr lange dauern würde.

Die Entschuldigung kam höflich, beinahe bedauernd, und Lucien nickte verständnisvoll, noch bevor Ridley vollständig ausgesprochen hatte. Ein Meeting mit dem Legaten der Inneren Sicherheit, weitere Schritte am Südpol, Fortsetzung der Operation. Natürlich. Truuine wartete nicht darauf, dass ein junger Vicomte aus Arkania in Ruhe ankam und sich häuslich einrichtete. Diese Welt hatte Kämpfe, Baustellen, Verwaltungsprobleme und offenbar die unangenehme Gewohnheit, alle gleichzeitig zur Tür hereinzulassen.

„Selbstverständlich“, antwortete Lucien daher sofort und trat innerlich bereits einen Schritt zurück, obwohl er äußerlich völlig ruhig blieb. „Ich will Euch keinesfalls von Angelegenheiten abhalten, die offensichtlich dringlicher sind als mein familiär etwas komplizierter Besuch.“

Dann jedoch fuhr Ridley fort und erklärte, dass er, sofern Lucien hier sei, um ihn zu unterstützen, tatsächlich eine Aufgabe für ihn hätte. Für einen kurzen Moment hellte sich Luciens Gesichtsausdruck auf. Genau das war im Grunde der Punkt gewesen, an dem er ansetzen wollte. Eine Aufgabe, ein Einstieg, eine Möglichkeit, sich nützlich zu machen und gleichzeitig herauszufinden, welche Erwartungen Ridley tatsächlich an ihn stellte. Doch als der Gouverneur erklärte, dass Truuine aktuell auf der Suche nach einem Sondergesandten für Wirtschaft sei und Lucien, wenn er wolle, in das benachbarte Cona-System reisen könne, um dort mit der Verwaltung über wirtschaftliche Zusammenarbeit zu verhandeln, verriet Luciens Miene für den Bruchteil eines Augenblicks mehr, als ihm lieb war.

Seine Augenbrauen zogen sich kaum merklich zusammen.

Gerade erst hatte er begonnen, Moraband interessant zu finden. Gerade erst hatte sich aus Trotz, Langeweile und unfreiwilliger Neugier ein erstes echtes Interesse an dieser unfertigen, widersprüchlichen Stadt entwickelt, und nun sollte er schon wieder aufbrechen, in ein anderes System reisen und sich mit einer Verwaltung beschäftigen, über die er vermutlich kaum etwas wusste. Ein Teil von ihm wollte beinahe lachen. Natürlich. Kaum begann Truuine ihm zu gefallen, schickte man ihn weiter. Die Galaxis besaß offenbar einen bemerkenswerten Sinn für Humor.

Doch Lucien fing sich schnell.

Der kurze Schatten in seinem Gesicht glättete sich, das höfliche Lächeln kehrte zurück, und in seinen weißen Augen trat jene berechnende Wachheit auf, die immer dann erschien, wenn sein Verstand schneller arbeitete als seine Laune. Wenn Ridley ihm tatsächlich einen offiziellen Auftrag anbot, dann war das mehr als eine lästige Reise. Es war eine Funktion. Ein Titel, ein erster Prüfstein. Vielleicht sogar eine Gelegenheit, sich nicht nur als geduldeter Verwandter im Praxeum aufzuhalten, sondern als jemand aufzutreten, der im Namen Truuines und mit Billigung des Gouverneurs handeln durfte. Sondergesandter für Wirtschaft klang zudem erheblich besser als strafversetzter Sohn mit zu teurer Yacht.

Und falls sein Vater von dieser Aufgabe erfuhr, konnte Lucien sich kaum leisten, sie abzulehnen.

„Das ist... unerwartet“, sagte er schließlich, wobei seine Stimme bereits wieder vollkommen kontrolliert klang und nur ein sehr aufmerksamer Beobachter vielleicht erkannt hätte, dass dieses Wort mehrere Bedeutungen zugleich trug. „Aber durchaus interessant.“

Er legte den Kopf leicht schief, als würde er den Vorschlag bereits innerlich sortieren, die möglichen Vorteile abwägen und die Unannehmlichkeiten in jene gedankliche Schublade schieben, in der er Dinge aufbewahrte, über die er sich später beschweren konnte, sobald niemand Wichtiges mehr anwesend war.

„Ich gebe zu, ich hatte damit gerechnet, mich zunächst etwas ausführlicher mit Moraband und Truuine selbst zu beschäftigen“, fuhr er fort und ließ ein schwaches, beinahe entschuldigendes Lächeln folgen. „Aber wenn Ihr der Ansicht seid, dass ich in dieser Angelegenheit nützlich sein kann, werde ich mir das Dossier selbstverständlich gründlich ansehen.“

Seine Haltung blieb aufrecht, die Hände locker hinter dem Rücken verschränkt, doch innerlich begann bereits eine neue Rechnung. Das Cona-System, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Verwaltung, Verhandlungen sowie Möglichkeiten und Risiken. Ein offizieller Auftrag bedeutete Zugang, Bedeutung und eine Gelegenheit, sich jenseits der Erzählung seines Vaters neu zu positionieren. Wenn er geschickt vorging, konnte aus dieser Reise mehr werden als eine lästige Unterbrechung seiner gerade erst erwachten Begeisterung für Moraband.

Vielleicht sogar sehr viel mehr.

„Ich würde Mata Timones Unterlagen gerne so bald wie möglich erhalten“, sagte Lucien schließlich und nickte mit höflicher Ernsthaftigkeit. „Je besser ich verstehe, was Truuine anbieten kann und welche Interessen Cona verfolgt, desto sauberer lässt sich ein Gespräch vorbereiten. Ich möchte ungern in ein anderes System reisen und dort lediglich hübsch aussehen.“

Für einen kurzen Moment blitzte wieder dieses kleine, selbstgefällige Lächeln auf, das verriet, dass er durchaus wusste, dass Letzteres vermutlich kein allzu großes Problem darstellen würde.
„Obwohl“, fügte er mit trockener Leichtigkeit hinzu, „ich zugeben muss, dass ich selbst darin notfalls eine gewisse Grundkompetenz besitze.“

Lucien konnte nicht anders, er fand sich einfach toll. Dennoch versuchte er, dies immer nicht albern oder respektlos rüberzubringen. Aber typisch genug, um Ridley daran zu erinnern, dass Lucien trotz guter Haltung, teurem Sakko und überraschender wirtschaftlicher Neugier immer noch ein junger Mann war, der sich selbst sehr schätzte und diese Tatsache nicht vollständig zu verbergen gedachte.

Als Ridley schließlich das Abendessen erwähnte und sich bereits zum Gehen wandte, verneigte Lucien sich leicht, diesmal etwas formeller als bei der Begrüßung, weil er spürte, dass das Gespräch an dieser Stelle nicht verlängert werden sollte.

„Sehr gerne. Ich würde mich freuen, unser Gespräch beim Abendessen fortzusetzen, sofern Eure Termine es zulassen.“
Er ließ eine kurze Pause entstehen und fügte dann mit einem warmen, kontrollierten Lächeln hinzu: „Und nochmals Glückwunsch zu Eurem heutigen Sieg. Ich hoffe, dass die kommenden Besprechungen weniger anstrengend ausfallen als die Schlacht selbst.“

Während Ridley die Bibliothek verließ, blieb Lucien noch einen Moment stehen und blickte ihm nach. Erst als die Türsegmente sich hinter dem Gouverneur geschlossen hatten, wich ein Teil der höflichen Spannung aus seinen Schultern. Er atmete langsam aus und sah zu jenem Tisch hinüber, an dem er wenige Stunden zuvor über Karten, Statistiken und Bauprojekte gebeugt gesessen hatte.

„Cona“, murmelte er leise.

Das Wort klang in der warmen Stille der Bibliothek fremd und ein wenig lästig. Dann glitt sein Blick zu einem der Datenterminals.
Ein Sondergesandter für Wirtschaft. Für einen Augenblick verzog Lucien das Gesicht, als hätte ihm jemand einen bitteren Nachgeschmack auf der Zunge hinterlassen, doch schon im nächsten Moment legte sich wieder dieses kleine, nachdenkliche Lächeln auf seine Lippen.

Vielleicht hatte er Moraband gerade erst interessant gefunden.
Vielleicht hatte er gehofft, sich wenigstens ein paar Tage lang in Ruhe mit dieser Stadt, ihren Baustellen, ihren Menschen und ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten beschäftigen zu können.

Aber ein offizieller Auftrag war ein offizieller Auftrag.
Und wenn es eine Sache gab, die Lucien Aurelian Cassian Velcrest von Aurentis trotz all seiner Eskapaden, Ausweichmanöver und gelegentlichen Disziplinprobleme verstand, dann war es die Bedeutung eines guten ersten Eindrucks.

Vor allem, wenn dieser erste Eindruck darüber entscheiden könnte, ob man in Zukunft als nützlicher Mann mit eigenem Wert behandelt wurde und eher als unerwünschter Gast.
Er trat langsam an den nächsten Terminal, aktivierte die Eingabefläche und begann, nach den ersten verfügbaren Informationen über das Cona-System zu suchen.

„Na schön…“, sagte er leise, während sich die ersten Daten auf dem Bildschirm aufbauten. „Dann sehen wir uns eben an, wohin man mich als Nächstes schickt.“

[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Norpolarkreis / Moraband / Praxeum ]
Lucien
 
kommend von Prefsblet IV

[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Orbit rund um Truuine | Mesh'lane ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Dr. T'rsop, Kal Andrim


Als die Mesh'lane aus dem Hyperraumtrat, stand Theranos gerade vor dem großen Spiegel seines Gästequartiers und strich mit beiden Händen noch einmal langsam über den Stoff seiner Uniform, während sein Blick aufmerksam über die neuen Rangabzeichens wanderte.
Seit beinahe einer Stunde bereitete er sich auf ihre bevorstehende Ankunft vor, wobei ein beträchtlicher Teil dieser Zeit weniger seiner Kleidung als den zahlreichen Unterlagen gegolten hatte, die gemeinsam mit den Notizen auf seinem Datapad ein erstaunlich geordnetes Bild jener Welt zeichneten, der sie sich unaufhaltsam näherten.

Obwohl Theranos mit Truuine, oder vielmehr mit dessen Gouverneur Ridley Solaris, bereits seit längerer Zeit wirtschaftlich und politisch verbunden war , hatte er die vergangenen Stunden genutzt, um sämtliche Berichte noch einmal durchzugehen, auf die er mit seinen bisherigen Zugriffsrechten hatte zugreifen können. Er hatte aktuelle wirtschaftliche Kennzahlen geprüft, sich über bedeutende Industrie- und Infrastrukturprojekte informiert, öffentlich zugängliche Berichte über die Entwicklung der Städte gelesen und ebenso die jüngsten politischen Veränderungen sowie die langfristigen Vorhaben der planetaren Regierung betrachtet.
Ein erheblicher Teil dieser Informationen war ihm bereits bekannt gewesen, immerhin hatte Prefsbelt IV nicht nur wirtschaftliche Beziehungen zu Truuine aufgebaut, sondern während der jüngsten Vorkommnisse, wenn auch nur in begrenztem Umfang, militärische Unterstützung entsandt. Auch mit dem Erwerb der ehemaligen Alani-Inc.-Schiffswerft hatte Theranos bzw. Prefsbelt IV eine langfristige Investition auf dem Wasserplaneten getätigt. Dennoch wollte Theranos vermeiden, als frisch ernannter Sector Adjutant auf einer Welt einzutreffen und sich ausschließlich auf jenes Wissen zu verlassen, das er während seiner Zeit als Gouverneur gesammelt hatte.

Gerade jetzt, da sein Aufgabenbereich nicht länger an den Grenzen Prefsbelt IVs endete, erschien es ihm wichtiger denn je, jede Welt zunächst aus ihrer eigenen Perspektive zu betrachten. Wirtschaft bestand für ihn nicht allein aus Produktionszahlen, Handelsvolumen oder Investitionen. Hinter jeder Industrie standen Individuen, regionale Besonderheiten, politische Interessen und jahrzehntelang gewachsene Strukturen, deren Bedeutung man verstehen musste. Truuine mochte für viele Außenstehende vor allem eine karge Welt, eine Welt des Eises, der Kälte und des Wassers, doch Theranos wusste längst, dass sich hinter diesem ersten Eindruck eine komplexe Gesellschaft verbarg, deren Zukunft durch die vergangenen Ereignisse ebenso geprägt worden war wie durch die ehrgeizigen Pläne ihres amtierenden Gouverneurs Solaris.

Nachdem er den letzten Bericht geschlossen hatte, griff Theranos nach einer weiteren Datei, die auf seinem Datapad bereits seit dem frühen Morgen geöffnet gewesen war. Der offizielle Veranstaltungsprospekt der Gala der kristallenen Klänge wirkte beinahe wie ein kleines Kunstwerk. Zwischen eleganten Darstellungen Truuines, kunstvoll gestalteten Ornamenten und kurzen Erläuterungen zum Zweck der Veranstaltung erstreckte sich ein Programm, dessen Umfang selbst Theranos überrascht hatte.



Die Entscheidung der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialen Kultur, die Gala gemeinsam mit Gouverneur Ridley Solaris auf Truuine auszurichten, schien sich bereits jetzt als außerordentlich erfolgreich erwiesen zu haben. Was ursprünglich als festliche Zusammenkunft zur Förderung imperialer Kunst, Kultur und gesellschaftlicher Zusammenarbeit begonnen hatte, war inzwischen zu einer der bedeutendsten wirtschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen des Sektors herangewachsen.

Neben Konzerten, Aufführungen, Ausstellungen, Lesungen und Präsentationen zahlreicher angesehener Schriftsteller und Künstler sollte ein weitläufiger Teil des Veranstaltungsareals Vertretern bedeutender Unternehmen, wissenschaftlicher Einrichtungen und wirtschaftlicher Interessengruppen zur Verfügung stehen.

Während Theranos langsam durch das Verzeichnis blätterte, entdeckte er Delegationen großer Schiffbauunternehmen, Vertreter renommierter Architektur- und Baugesellschaften, Hersteller luxuriöser Raumyachten, auch bekannte Vertreter verschiedener Universitäten und Akademie würden anwesend sein und vieles mehr.
Auch zahlreiche kleinere Unternehmen, aufstrebende Forschungsbetriebe und spezialisierte Manufakturen würden die Gelegenheit nutzen wollen, neue Kontakte zu knüpfen, Investoren zu gewinnen oder ihre jüngsten Entwicklungen einem ausgewählten Publikum vorzustellen.

Zwischen den Präsentationen fanden sich die Namen bekannter Philosophen, Komponisten, Bildhauer, Architekten, Schriftsteller und Künstler aus zahlreichen Teilen des Imperiums. Mehrere Orchester sollten auftreten, neue Werke erstmals öffentlich präsentiert und unterschiedliche Kunstströmungen miteinander verbunden werden. Was auf den ersten Blick wie ein gesellschaftlicher Höhepunkt wirkte, war bei genauerer Betrachtung zugleich ein gewaltiges Netzwerk aus Kultur, Politik und etwas Wirtschaft, dessen Möglichkeiten weit über die wenigen Tage der eigentlichen Veranstaltung hinausreichen konnten.

Bei einem der letzten Einträge musste Theranos schließlich unwillkürlich schmunzeln.
Zwischen all den traditionsreichen Unternehmen, großen Konzernen und bekannten Namen befand sich auch Imperialis Sensus.

Die zwar überschaubare, jedoch repräsentative Präsentation seiner eigenen Weinmarke, bestehend aus einem Verkaufs- und Beratungsstand sowie der Möglichkeit, die Erzeugnisse von Imperialis Sensus an den mehreren Bars der Gala auszuschenken, hatte eine keineswegs unbedeutende Summe gekostet. Doch Theranos war überzeugt gewesen, dass es kaum einen geeigneteren Rahmen geben konnte, um seine ersten Erzeugnisse einem größeren und zugleich anspruchsvollen Publikum vorzustellen. Glücklicherweise hatte Theranos während seiner Amtszeit kaum nennenswerte private Ausgaben tragen müssen, da ein erheblicher Teil seiner Lebenshaltung durch seine Stellung gedeckt worden war.
Gemeinsam mit seinem früheren Gouverneursgehalt und den ersten Einnahmen aus dem Verkauf der jungen Marke hatte ihm dies genügend finanziellen Spielraum verschafft, um die Teilnahme vollständig aus eigenen Mitteln zu tragen. was zusätzlich zu seinem ehemaligen Gouverneurs-Gehalt seine Finanzen gut erweitert hatte.


Für einen kurzen Augenblick betrachtete er das kleine Emblem seiner Marke zwischen den Namen all jener traditionsreichen Unternehmen und musste erneut lächeln. Imperialis Sensus war bislang kaum mehr als ein persönliches Projekt gewesen, entstanden aus seiner Begeisterung für Kultur, Ästhetik und die Überzeugung, dass selbst ein Getränk Ausdruck einer Welt, einer Region und einer bestimmten Lebenshaltung sein konnte.

Nachdem Theranos auch den Veranstaltungsprospekt geschlossen hatte, erhob er sich und trat erneut vor den Spiegel. Seine gewöhnliche Uniform saß makellos, dennoch überprüfte er noch einmal den Sitz des Kragens und richtete eines der Rangabzeichen um kaum mehr als wenige Millimeter aus. Anschließend öffnete er den großen Reisekoffer, in dem seine Galauniform sorgfältig verstaut lag. Der dunkle Stoff, die feinen Verzierungen und die zeremoniellen Elemente waren unbeschädigt geblieben, sodass er den Koffer nach einer letzten Kontrolle zufrieden wieder schloss.

Erst danach trat Theranos an das Fenster seines Quartiers.

Die Sterne wirkten beinahe unbeweglich, während sich in der Ferne bereits die ersten Konturen Truuines aus der Dunkelheit lösten. Noch war der Planet lediglich eine leuchtende Kugel zwischen den Weiten des Alls, doch mit jeder Minute wurden seine Farben deutlicher. Das tiefe Blau seiner gewaltigen Ozeane begann sich von den helleren Wolkenformationen abzuheben, während das Licht des Systems einen feinen Schimmer über die Atmosphäre legte.

Eine ganze Weile blieb Theranos schweigend am Fenster stehen.
Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie ungewöhnlich ruhig die vergangenen Tage gewesen waren.

Die Reise auf der Mesh'lane hatte sich rückblickend beinahe wie eine Unterbrechung des gewöhnlichen Lebens angefühlt. Zum ersten Mal seit Monaten hatte es keine dringenden Sitzungen gegeben, keine Krisenmeldungen, keine politischen Auseinandersetzungen und keine Entscheidungen, deren Folgen unmittelbar das Leben Tausender Menschen beeinflussen konnten. Selbst die Arbeit, die er während der Reise erledigt hatte, war ihm leichter gefallen, weil sie nicht von ständigem Zeitdruck begleitet worden war.

Bereits während der ersten beiden Tage hatte Theranos bemerkt, wie tief die vergangenen Monate ihre Spuren hinterlassen hatten. Die Auseinandersetzung mit Robert Kern, die Unruhen, die zahlreichen Reformen, der Wiederaufbau, die Vorbereitung des Balles und schließlich seine unerwartete Ernennung hatten ihn stärker beansprucht, als er sich selbst eingestanden hatte. Kaum hatte die Mesh'lane Prefsbelt IV verlassen und die Verantwortung des täglichen Regierungsgeschäftes für einige Zeit nicht mehr unmittelbar auf seinen Schultern gelegen, hatte sein Körper begonnen, all jene Ruhe einzufordern, die er ihm zuvor verweigert hatte.

Er hatte länger geschlafen als gewöhnlich, an manchen Tagen sogar bis weit in den Vormittag hinein, und sich mehr als einmal dabei ertappt, nach einer Mahlzeit noch für einige Stunden in sein Quartier zurückzukehren. Anfangs hatte ihn dies beinahe irritiert. Erst nach und nach hatte er verstanden, dass es keine Trägheit gewesen war, sondern die verspätete Reaktion auf Monate beinahe ununterbrochener Anspannung. Die Erschöpfung war nicht plötzlich entstanden. Sie war lediglich zum ersten Mal nicht mehr von Verantwortung, Terminen und neuen Problemen überdeckt worden.

Mit jedem Tag hatte sich diese Müdigkeit jedoch langsam gelöst.
Theranos hatte begonnen, wieder regelmäßig zu trainieren, hatte die vorhandenen Möglichkeiten der Yacht für körperliche Übungen genutzt und dabei festgestellt, wie sehr ihm die vertraute Bewegung gefehlt hatte. Neben Ausdauer- und Krafttraining hatte er sich erneut einigen architektonischen Entwürfen gewidmet, Skizzen überarbeitet und Ideen festgehalten, die keinen unmittelbaren politischen Zweck erfüllten. Auch Imperialis Sensus hatte wieder mehr Aufmerksamkeit erhalten. Er hatte Verkaufsberichte geprüft, erste Rückmeldungen ausgewertet und mehrere Gedanken zur langfristigen Entwicklung der Marke notiert, ohne sich dabei selbst unter Druck zu setzen.

Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte er wieder Dinge getan, weil sie ihm Freude bereiteten und nicht, weil eine Regierung, ein Projekt oder ein ganzer Planet auf ihre Fertigstellung wartete.

Gleichzeitig waren die Tage keineswegs ereignislos geblieben.


Mit Gouverneur T'rsop hatte Theranos zahlreiche Stunden in der Panoramalounge, im Speisesaal oder bei gelegentlichen Spaziergängen durch die ruhigen Gänge der Yacht verbracht. Ihre Gespräche hatten selten bei jenem Thema geendet, mit dem sie begonnen hatten. Aus einer kurzen Unterhaltung über das geplante Tunnelnetz Prefsbelt IVs waren Überlegungen über die langfristige Entwicklung planetarer Infrastruktur entstanden, aus Fragen zur Architektur Blue Ones Diskussionen darüber, wie die traditionelle prefanische Klassik stärker bewahrt und zugleich mit moderner Stadtplanung verbunden werden konnte. Gemeinsam hatten sie über neue Bildungsprogramme, wissenschaftliche Einrichtungen, kulturelle Förderungen und Möglichkeiten gesprochen, die unterschiedlichen Regionen des Planeten wirtschaftlich enger miteinander zu verbinden.

Manche ihrer Ideen waren konkret gewesen, andere kaum mehr als Gedankenspiele, deren Umsetzung vielleicht Jahrzehnte benötigen würde. Doch gerade diese Offenheit hatte Theranos genossen. T'rsop betrachtete viele Fragen aus einer Perspektive, die sich grundlegend von seiner eigenen unterschied, und zwang ihn dadurch immer wieder, vermeintlich selbstverständliche Überzeugungen neu zu prüfen. Gleichzeitig wusste Theranos, dass der neue Gouverneur längst begonnen hatte, Prefsbelt IV seine eigene Handschrift zu verleihen. Die ersten Berichte über geplante Ausschüsse, wirtschaftliche Gespräche und gesellschaftliche Reformen hatten ihn während der Reise erreicht und seine Überzeugung gestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.


Auch mit Captain Kal Andrim hatte Theranos mehrfach längere Gespräche geführt. Ursprünglich hatte er den Piloten stärker in den Ausbau der fliegerischen Komponenten der Blauen Legion einbinden wollen. Die unerwartete Beförderung Kals und Theranos' eigener Wechsel in die Sektorverwaltung hatten diese Überlegungen jedoch grundlegend verändert. Aus einer planetaren Idee begann langsam ein wesentlich größeres Konzept zu entstehen.

Theranos hatte dem Captain erste Gedanken zu einem sektorweiten Wirtschaftsschutzverband erläutert, der bedeutende Industrieanlagen, Handelsrouten, Kolonisationsprojekte und wirtschaftlich relevante Infrastruktur absichern sollte, ohne dabei zu einer Konkurrenz der regulären imperialen Streitkräfte zu werden. Ein fester Berufskader sollte Führungskräfte, Ausbilder, Spezialisten, Ermittler, Piloten, Ingenieure, Logistiker und Verwaltungspersonal stellen, während zusätzliche Kräfte projektbezogen für begrenzte Zeiträume verpflichtet werden konnten. Auf diese Weise ließe sich eine flexible Organisation schaffen, die schnell auf neue wirtschaftliche Entwicklungen reagieren konnte, ohne dauerhaft die personellen Ressourcen des Militärs zu belasten.

Noch existierte kaum mehr als eine grobe Idee. Viele rechtliche, organisatorische und politische Fragen mussten geklärt werden, und Theranos wusste, dass ein solches Vorhaben nur in enger Abstimmung mit Moff, Admiralität und den zuständigen imperialen Stellen entstehen durfte. Dennoch hatte er die Gespräche mit Kal genutzt, um erste Gedanken zur Ausbildung möglicher Piloten, zur Struktur einer sektoralen Raumkomponente und zu den Anforderungen an jene Offiziere zu sammeln, die eines Tages Verantwortung innerhalb des Verbandes übernehmen könnten.

Dabei war sein Blick gelegentlich auch nach Truuine gewandert. Major Cestus Varro hatte während der dortigen Kämpfe bewiesen, dass er nicht nur militärische Aufgaben erfüllen, sondern komplexe Sicherungsoperationen unter schwierigen Bedingungen koordinieren konnte. Sollte sich das Konzept tatsächlich weiterentwickeln und sollten die zuständigen Stellen einer solchen Verwendung zustimmen, konnte Theranos sich durchaus vorstellen, den erfahrenen Offizier zumindest in die ersten Planungen einzubeziehen.

Darüber hinaus hatten er und Kal über wirtschaftliche Entwicklungen innerhalb des Sektors gesprochen, über neue Produktionsstandorte, mögliche Kooperationen mit Unternehmen wie Kuat Drive Yards und die Frage, welche infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden mussten, damit wirtschaftliches Wachstum nicht ausschließlich in wenigen bereits entwickelten Systemen stattfand. Viele dieser Gespräche waren bewusst offen geblieben. Theranos wollte weder über die Zukunft des Captains entscheiden noch Pläne formulieren, bevor dessen weitere Verwendung überhaupt feststand. Dennoch hatte er den Eindruck gewonnen, dass Kal über Fähigkeiten verfügte, die weit über das Cockpit eines Sternjägers hinausreichten.


Auch Moff Aren Vayliuar hatte trotz seiner zahlreichen Verpflichtungen immer wieder Zeit für Gespräche gefunden. Manche waren geschäftlicher Natur gewesen, andere hatten sich beinahe beiläufig beim gemeinsamen Essen oder bei einem Getränk in der Panoramalounge entwickelt. Theranos hatte diese Gelegenheiten genutzt, um mehr über die Erwartungen an sein neues Ressort zu erfahren, während Aren ihm erste Einblicke in laufende Projekte und zukünftige Vorhaben gegeben hatte.

Besonders ein Entwicklungsprojekt auf dem Kolonieplaneten KP-1 hatte Theranos' Aufmerksamkeit geweckt. Nach der Gala sollte er sich intensiver mit dem wirtschaftlichen Aufbau der jungen Kolonie beschäftigen, bestehende Strukturen prüfen und erste Konzepte für eine langfristige industrielle und infrastrukturelle Entwicklung ausarbeiten. Noch waren viele Einzelheiten offen, und Aren hatte deutlich gemacht, dass sie sich nach ihrer Rückkehr ausführlicher darüber unterhalten würden. Dennoch hatte Theranos bereits begonnen, erste Fragen zu sammeln. Welche Ressourcen standen zur Verfügung? Welche Infrastruktur musste zuerst geschaffen werden? Welche wirtschaftlichen Zweige konnten langfristig wachsen, ohne die junge Kolonie zu überfordern?


Je länger die Reise gedauert hatte, desto deutlicher war ihm geworden, wie sehr sich sein Blick bereits verändert hatte. Noch vor wenigen Tagen hatte er jede Entscheidung aus der Perspektive Prefsbelt IVs betrachtet. Nun begann er, Verbindungen zwischen ganzen Welten zu erkennen. Industrie auf einem Planeten konnte Arbeitsplätze und Wohlstand auf einem anderen schaffen. Neue Handelswege konnten abgelegene Systeme miteinander verbinden, während Investitionen in Infrastruktur langfristig die Stabilität eines gesamten Sektors stärkten.

Theranos wusste, dass er noch viel lernen musste.
Doch gerade dieser Gedanke erfüllte ihn nicht mit Unsicherheit, sondern mit Vorfreude.
Ein leises Signal erklang in seinem Quartier und kündigte an, dass die Mesh'lane bald auf Truuine landen würde.
Langsam richtete Theranos den Blick wieder auf den Planeten, der inzwischen einen beträchtlichen Teil des Fensters ausfüllte. Die Reise war vielleicht die ruhigste Zeit gewesen, die er seit vielen Monaten erlebt hatte. Sie hatte ihm Gelegenheit gegeben, zu schlafen, nachzudenken, zu trainieren, mit Freunden zu sprechen und sich erstmals bewusst mit der Zukunft seines neuen Amtes auseinanderzusetzen.

Nun begann der nächste Abschnitt.
Theranos strich noch einmal über den Kragen seiner Uniform, nahm sein Datapad vom Schreibtisch und warf einen letzten Blick auf die neue sorgfältig verstaute Galauniform.
Er hatte zwar auch seine eigenstangefertige Galauniform in den Farben von Prefsbelt IV mit, doch würde er für diesen Anlass die Offizielle Galauniform des Imperiums mit seinem neuen Dienstgrad verwenden.

Dann blieb er noch einen Augenblick vor dem Fenster stehen. Vor ihm lag Truuine.

Eine Welt, mit der Prefsbelt IV bereits durch Freundschaft, Investitionen und gemeinsam überwundene Krisen verbunden war. Eine Welt, auf der sich in den kommenden Tagen Künstler, Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler und Visionäre aus zahlreichen Teilen des Imperiums begegnen würden.

Und irgendwo zwischen Opern, Ausstellungen, Empfängen und wirtschaftlichen Gesprächen warteten vermutlich bereits die ersten Aufgaben seines neuen Lebens.

Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf Theranos' Gesicht. Nun war er bereit, für das nächste Kapitel.
"Nadann mal los"


[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Orbit rund um Truuine | Mesh'lane ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Dr. T'rsop, Kal Andrim
 
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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Orbit rund um Truuine / Mesh'lane ] - Moff Aren Vayliuar, Sektor-Adjutant Theranos Zesh, Gouverneur Dr. T'rsop, Captain Kal Andrim

T'rsop hatte sich auf das ihm zugewiesene Zimmer zurückgezogen - welches nun nach ihrer Flugzeit wie eines seiner Zimmer aussah, nämlich voller Chaos sowie Snacks und Getränke im Raum verteilt.
Der Pau'aner selbst lag quer auf dem Bett und beantwortete Nachrichten und koordinierte laufende Aktionen auf Prefsbelt IV. Inzwischen war die Liste für die Arbeitsgruppe zur Tunnelerschließung und -verbindung bei ihm angekommen. Die meisten Namen sagten ihm nichts; bei den wichtigen Architekten und Fachmännern führte er einen oberflächlichen Hintergrundcheck (und was er in Erfahrung bringen konnte, ließ ihn vorsichtig optimistisch auf dieses Projekt blicken) durch und vertraute ansonsten auf funktionierende Netzwerke des Interims-Statthalters. Er würde aber, da es die planetare Sicherheit betraf und auch ein Prestigeprojekt werden würde, dafür Unterstützung und Expertise beim ISB einholen.
Die Arbeiten an und auf der Werft gingen weiter gut voran. Etwas, was den Gelehrten nicht überraschte - schließlich hatte
Theranos hier exzellente Vorarbeit geleistet, die selbst er nicht in ein Paar Tagen durcheinanderbringen konnte, wie T'rsop selbstironisch dachte, während seine Hand eine Süßigkeit in seinen Mund führte. Allerdings sollte er unbedingt weiter an diesem Projekt dranbleiben, war es doch der Schlüssel zu einer sektorweiten und vielleicht sogar das gesamte Imperium betreffende Relevanz von Prefsbelt IV. Hier müsste er unbedingt noch einmal Rücksprache mit Moff Vayliuar halten - denn er konnte nur sinnvoll arbeiten, wenn er wüsste, welche Rolle Prefsbelt IV im großen Konstrukt des Imperiums einnehmen sollte.
Des Weiteren las er sich weiter in die Historie des Galaktischen Imperiums sowie in seine Struktur und Gesetze ein - manchmal fesselnde und oft doch auch langweilende Lektüre. Noch war das Imperium zu jung, um es vollends bewerten zu können - aber der Gouverneur hegte schon jetzt begründete Zweifel, ob das System in seiner jetzigen Form mit dem In-, Mit-, und unterschwelligem Gegeneinander von Militär, Geheimdiensten und Sith-Orden und geboren aus Intrigen und Gewalt wirklich der Antrieb sein könnte, um die Gesellschaft und sogar die Galaxis selbst auf die nächste Stufe zu heben. Es gab so viele Parallelstrukturen, die symbiotisch miteinander verwoben waren und dennoch in einer Spannung standen, die das ganze System parasitär oder gar selbstverschlingend werden lassen könnten. Dem Gelehrten wurde schnell klar, dass dies der Sicherung der totalen Macht des Imperators - bzw. der Imperatorin, die ja nun herrschte - diente und dafür notwendig war. Aber so ein Monstrum von intergalaktischen Strukturen und Personenkreisen im Zaumzeug halten zu können, war ein Spiel mit dem Feuer und erforderte Fingerspitzengefühl und Anpassung an die jeweiligen Symbionten. Aber er musste arbeiten, mit dem, was da war - und zumindest die Effizienz autoritärer Hierarchie und die Ergebnisoffenheit bei Forschung und Gestaltung solange beide der Machtfestigung oder -erweiterung dienten, betrachtete
T'rsop als große Chance und Vorteil. Abgesehen davon machte das die ganze Politik in der Verwaltung erst spannend.

All diese Gedanken blitzten eher nebenbei in seinem Denken auf. Denn ein Großteil seines Fokusses reflektierte die Gespräche mit den anderen Anwesenden bei diesem Flug.
Die Diskussionen und Planungen mit
Theranos, die ihm die Reise sehr angenehm gemacht hatten und auch das Interesse an seiner jetzigen neuen Aufgabe wachhielten. Neue Ideen, konkrete Lösungsansätze und Visionen brauchte es aus Sicht des Gelehrten, um sinnvolle und weiterbringende Arbeit leisten zu können - und eben nicht Etikette, öffentliche Veranstaltungen und sonstiger Mumpitz. Und dann fiel es T'rsop siedendheiß auf - er sprang auf und seine Finger flogen über sein Datapad und verfassten eine kurze Notiz-Nachricht an Gregor Bayl. Denn auch wenn Theranos zugesichert hatte, dass ihre Zusammenarbeit fortbestehen und vielleicht sogar intensiviert werden würde - so sehr wollte er dem neuen Sektor-Adjutanten nicht törichterweise Zeit stehlen. Also brauchte er auch jemanden an seiner Seite, in dem Stab des Gouverneurs - in seinem Stab, wie er sich leicht genervt selbst erinnern musste - der ihm die menschliche Sichtweise auf Projekte und Entwicklungen zeigte. Denn würde er stur seinen - wohldurchdachten und wahrscheinlich auch guten - pau'anischen Stiefel durchdrücken, dann würde er das soziale Gefüge Prefsbelt IV ins wanken bringen und damit seine Visionen selbst untergraben. Er brauchte auch die Sicht eines Menschen, der die Menschen auf Prefsbelt IV innerlich verstand und nicht nur nachvollziehen konnte. Und dieser müsste ebenfalls enorm schlau sein. Dies teilte er seinem Legaten der Propaganda mit und beauftragte ihn mit der Suche.
Auch mit
Captain Kal hatte er hin und wieder gesprochen. Einmal hatten die beiden auch kurz zusammen gespeist. Kurz war es für den Gouverneur interessant gewesen, mit einem Militärvertreter zu reden. Diese hatte er (noch) nicht in seinem Bekanntenkreis. Aber er tat sich noch schwer damit - die militärische Welt sprach sein Gemüt einfach nicht so an. Aber dennoch wünschte er dem Piloten allzeit guten Flug und verblieb, dass sich Qualität und Qualität doch meist häufiger über den Weg laufen.

Dann piepte sein Timer und erinnerte ihn daran, dass bald die Ankunft bevorstehen würde. Also schmiss er sein Datapad auf sein Bett und entledigte sich seiner Schlafkleidung. Während er zu seinem Koffer schritt, blickten seine Gedanken zurück auf seine Gespräche mit
Aren. Seinen leicht pikierten Blick, als er ihn versehentlich zwei oder drei Mal duzte und an seine gut kontrollierte aber offensichtlich irritierte Reaktion, auf seinen Smalltalk-Versuch mit seiner - wie T'rsop inzwischen herausgefunden hatte - Verlobten.
Aber dann auch, als das Eis etwas gebrochen war und der Gouverneur sich etwas mehr zusammenriss, an Gespräche mit Fokussierung auf die Zukunft von Prefsbelt IV.
T'rsop würde nicht entgegen der Vision seines Vorgesetzten für den gesamten Sektor arbeiten - es sei denn diese wäre dumm und unnötig verschwenderisch. Diese doppelte Portion reinen Weins aus Treuebekundung und Standpunktvertretung hatten den Moff beeindruckt und die beiden hatten sich verabredet, während der kommenden Gala noch explizit ein Gespräch über die Zukunft Prefsbelt IV und der Aufgabe des Sektors dafür zu führen.

Der Blick der Gpuverneurs glitt nun über seine Kleider. Er war bereit und willig im gewissen Rahmen die Tänzchen Imperialer Etikette mitzutanzen - aber mittels seiner Regeln. Und so zog er bewusst nicht die klassische Uniform eines Gouverneurs an, sondern machte von dem Recht gewisser Freiheiten in dieser Stellung gebrauch. Denn die normale Uniform hatte erstens zu wenig sinnvoll nutzbare Taschen und war zweitens viel zu eng anliegend für den Pau'aner. Er wollte keine zweite Haut, seine war ausreichend. Also hatte er sich - auf eigene Kosten, schließlich wäre es eine Beleidigung gewesen, dafür Staatsgelder zu nutzen - ein Gewand wie er es liebte anfertigen lassen, in der Farbe der Imperialen Verwaltung und mit dem engeren Kragen von Uniformen.
Dieses zog er sich jetzt an und befüllte seine Taschen. Dann steckte er sich, für sich selbst theatralisch seufzend, seine neue Gouverneursplakette sowie seinen Verdienstorden von Prefsbelt IV sichtbar und gerade an die Brust.

"Für Repräsentation und für Prefsbelt IV", murmelte er sich selbst zu und fragte sich einmal mehr, warum so viele Wesen aus diesen äußerlichen Ehrenabzeichen wahre Ehrung ableiteten.

Er strich noch einmal alles glatt und grinste sich dann im Spiegel frech an. Dieses Grinsen wurde dann aber innerhalb zweier Herzschläge zu einem steinernen, als
T'rsop noch einmal das Programm der Gala der kristallenen Klänge bewusst wurde. Er freute sich auf die Musik und die Kultur und erwartete viel. Und wie gerne würde er selbst bei einer der philosophischen Podiumsdiskussionen mitmachen. Aber er musste ja auch öffentlich als Gouverneur in Erscheinung treten und vermutlich mit vielen Leuten unter seinem Intellekt reden und etliche dumme Fragen beantworten - und dazu ein 'gutes Bild' als Gouverneur abgeben, nicht nach Regeln der Vernunft und der Ergebnisse sondern nach Regeln einer Masse.
Er starrte sein Gesicht im Spiegel an und sah die eloquente Veränderung von nervös-genervter Anspannung zu einer für die meisten authentisch echt wirkenden Maske der Freundlichkeit, Offenheit und Würde. Selbst das Glänzen seiner Augen strahlte dies aus - wenn auch nicht ganz so perfekt wie seine Mimik und Körperhaltung.
Er würde das Beste aus dieser Gala machen. Und das hieß vor allem: Kontakte knüpfen mit Wesen, die Potential hatten und/oder der Weiterentwicklung dienten. So war er schon sehr gespannt darauf,
Gouverneur Ridley Solaris kennenzulernen. Und er hoffte inständig, dass dieser zu den genannten Personen gehörte - schließlich stand eine von Theranos schon angestrebte engere Zusammenarbeit zwischen Truuine und Prefsbelt IV bei dem Projekt 'NEREUS' im Raum.
All dies und mehr galt es in den kommenden Tagen zu klären.

Und so machte sich der neue Gouverneur Prefsbelt IV schreitenden Schrittes auf, um sich für die Ankunft auf Truuine mit den anderen Mitreisenden zu treffen - und in die Gala zu starten.


[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Orbit rund um Truuine / Mesh'lane ] - Moff Aren Vayliuar, Sektor-Adjutant Theranos Zesh, Gouverneur Dr. T'rsop, Captain Kal Andrim
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Norpolarkreis / Moraband / Praxeum ] Lucien


Ridley hatte die Bibliothek kaum verlassen, als die schweren Türsegmente bereits wieder geräuschlos ineinanderglitten und Lucien allein zwischen den hohen Regalen, den gedämpft leuchtenden Datenterminals und den sorgsam angeordneten Sitzgruppen zurückließen. Einige Augenblicke blieb er noch an derselben Stelle und betrachtete die geschlossene Tür, hinter der sein Schwager vermutlich längst auf dem Weg zu jener Besprechung war, deren Dringlichkeit Luciens überraschend kurzen Aufenthalt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bereits wieder beendet hatte.

Sonderabgesandter für die Wirtschaft Truuines also.

Der Titel besaß zweifellos einen angenehmen Klang, auch wenn der damit verbundene Auftrag offenbar bedeutete, dass Lucien jene Welt, die gerade erst begonnen hatte, seine Neugier zu wecken, schon bald wieder verlassen sollte. Noch am Morgen hatte er sich darüber beschwert, überhaupt nach Truuine geschickt worden zu sein, wenige Stunden später ärgerte er sich bereits über die Aussicht, Moraband erneut den Rücken kehren zu müssen. Diese Entwicklung war selbst für seine Verhältnisse bemerkenswert schnell, weshalb er sich ein leises Schmunzeln nicht verkneifen konnte, während er langsam zu jenem Terminal zurückkehrte, an dem er stunden zuvor bereits einen Teil der wirtschaftlichen Daten Truuines ausgewertet hatte.


Zumindest hatte Ridley ihm nicht vorgeschlagen, irgendeine belanglose gesellschaftliche Veranstaltung zu beaufsichtigen, Dokumente innerhalb des Praxeums zu sortieren oder als dekorativer Vertreter des Hauses Velcrest an Empfängen teilzunehmen.

Eine diplomatische Reise in ein benachbartes System war zwar mit Arbeit verbunden, zugleich jedoch ein Auftrag, der ihm ausreichend Freiheit ließ, sein Verhandlungsgeschick unter Beweis zu stellen und möglicherweise seinen ersten eigenen Erfolg zu erringen. Sollte er scheitern, würde sein Vater vermutlich behaupten, genau dies erwartet zu haben. Sollte er aber Erfolg haben, konnte Lucien hingegen kaum widerstehen, diesen Umstand bei der nächsten passenden Gelegenheit mit jener beiläufigen Bescheidenheit zu erwähnen, die besonders dann wirkungsvoll war, wenn jeder Anwesende wusste, dass sie nicht vollkommen ernst gemeint war.

Er ließ sich auf dem gepolsterten Stuhl vor dem Terminal nieder, aktivierte die Bedienfläche und gab zunächst den Namen jenes Systems ein, das Ridley erwähnt hatte. Die Datenbank benötigte nur wenige Augenblicke, ehe sich mehrere Einträge öffneten und eine rotierende Darstellung des Cona-Systems über der Tischplatte erschien. Sofort vergrößerte er den Planeten Cona, der in zahlreichen galaktischen Quellen auch unter dem Namen Arcona geführt wurde.

Lucien begann, sich durch die öffentlich zugänglichen Informationen zu arbeiten.

Schon die grundlegenden Daten ließen erkennen, dass Cona nur wenig mit der Landschaft Truuines oder den Regionen Arkaniens gemeinsam hatte. Die Welt lag im Inneren Rand und war von einem heißen, dichten Klima geprägt, das sich aufgrund der kaum vorhandenen axialen Neigung und ungewöhnlicher atmosphärischer Bedingungen über weite Teile des Planeten nur geringfügig veränderte. Gewaltige Wüstenflächen wechselten sich mit dichten Vegetationszonen ab, deren Pflanzen sich an eine Atmosphäre angepasst hatten, die einen hohen Anteil an Ammoniak aufwies. Für viele nicht einheimische Spezies bedeutete dies, dass sie sich außerhalb geschützter Siedlungen nur mit Atemmasken oder vollständigerer Schutzausrüstung bewegen konnten.

Der Begriff Wüstenwelt vermittelte auf den ersten Blick das Bild endloser Sandflächen, doch Cona schien wesentlich widersprüchlicher zu sein. Die Welt war heiß, dicht bewachsen und dennoch von einer fast vollständigen Wasserarmut geprägt, weil das wenige vorhandene Wasser größtenteils innerhalb komplexer Pflanzenstrukturen gespeichert wurde und von den einheimischen Arcona aus deren Wurzeln und organischen Speicherkammern gewonnen werden musste.
Eine frühe geologische Katastrophe hatte die natürlichen Wasservorräte des Planeten beinahe vollständig vernichtet und dadurch eine Gesellschaft hervorgebracht, für die Wasser nie eine selbstverständliche Grundlage des Lebens gewesen war. Es war Ressource, Handelsgut, politische Sicherheit und vermutlich auch ein Instrument der Macht. Lucien brauchte nicht lange, um zu verstehen, weshalb externe Unternehmen schon früh erkannt hatten, dass sich auf Cona beträchtliche wirtschaftliche Möglichkeiten eröffneten. Wer Wasser liefern konnte, erhielt Zugang zu den reichen Vorkommen an Metallen, Mineralien und chemischen Rohstoffen, die unter der Oberfläche lagerten und den Planeten trotz seiner schwierigen Lebensbedingungen zu einem interessanten Ziel für Bergbauunternehmen gemacht hatten.

Seine Finger glitten über die Eingabefläche, während er mehrere Fenster nebeneinander öffnete und die Informationen miteinander verglich. Cona importierte große Mengen Wasser und exportierte im Gegenzug vor allem Metalle, Mineralien und chemische Erzeugnisse. Die Hauptstadt Tylcarros und einige der größeren kolonialen Siedlungen verfügten über umfangreiche Raumhäfen, industrielle Anlagen und jene repräsentativen Verwaltungsbauten, mit denen mächtige Unternehmen seit jeher versuchten, den Eindruck zu vermitteln, dass ihre Anwesenheit einer Welt zwangsläufig Wohlstand brachte.

Lucien kannte diese Art von Entwicklung nur zu gut. Zunächst kamen Händler, die dringend benötigte Güter lieferten. Danach folgten Investoren, Bergbaugesellschaften und Banken, deren Angebote anfangs beinahe großzügig wirkten, bis die lokalen Verwaltungen bemerkten, dass wichtige Infrastrukturen, Handelsrouten und Abbaurechte längst in fremde Hände übergegangen waren.
Ihre wirtschaftlichen Abhängigkeiten reichten weit in die Vergangenheit zurück und hatten vermutlich ein dichtes Geflecht aus staatlichen Interessen, einheimischen Gemeinschaften und außerplanetaren Konzernen geschaffen, in dem jeder neue Partner zunächst darauf geprüft wurde, ob er tatsächlich Zusammenarbeit suchte oder lediglich einen weiteren Anteil an den Rohstoffen des Planeten erwerben wollte.


Gerade deshalb musste Truuines Angebot sorgfältig formuliert werden.


Eine einfache Vereinbarung über den Austausch von Wasser gegen Mineralien wäre kaum originell genug, um die Aufmerksamkeit einer Verwaltung zu gewinnen, die seit Jahrhunderten mit genau solchen Geschäften vertraut war. Truuine konnte Kolto, industrielle Kapazitäten, Schiffbau, möglicherweise technische Unterstützung und langfristig auch Kapital anbieten. Cona wiederum besaß jene Rohstoffe, die eine wachsende Welt für Bauwesen, Produktion und Infrastruktur benötigte.

Dakam ihn der Gedanke an den kleineren Eismond Kyyne. Seit seiner Ankunft hatte Lucien sich nur beiläufig mit dem Trabanten beschäftigt, dessen kilometerdicker, salzhaltiger Eispanzer aufgrund der geringen Erzvorkommen bislang kaum wirtschaftliche Aufmerksamkeit erhalten hatte.

Vielleicht war genau das der Fehler. Für Truuine mochte Kyyne lediglich ein weitgehend ungenutzter Mond sein, doch für eine Welt, deren Geschichte seit Jahrtausenden von Wasserknappheit geprägt war, konnte selbst gewöhnliches Eis plötzlich einen völlig anderen Wert besitzen. Ob dieses Eis künftig als Rohstoff exportiert, bereits auf Truuine weiterverarbeitet oder lediglich den Ausgangspunkt einer wesentlich größeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit bilden würde, ließ sich im Moment noch nicht beurteilen. Dennoch notierte Lucien den Gedanken. Nicht jede gute Idee bestand darin, etwas völlig Neues zu erfinden; manchmal genügte es, einen längst vorhandenen Rohstoff aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Die Verbindung erschien auf den ersten Blick beinahe selbstverständlich, doch Lucien wusste, dass offensichtliche Möglichkeiten häufig bereits von anderen erkannt worden waren. Seine Aufgabe würde deshalb weniger darin bestehen, den Arcona zu erklären, dass ihr Wasser oder Eis wertvoll war, sondern ihnen zu zeigen, weshalb eine Verbindung mit Truuine Vorteile brachte, die bestehende Partner nicht boten.


Er öffnete einen weiteren Eintrag über die einheimische Bevölkerung und betrachtete die Darstellung eines Arcona. Anschließend verschaffte sich Lucien einen Überblick über die Arcona selbst. Neben ihrer äußeren Erscheinung studierte er ihre gesellschaftlichen Strukturen, ihre Kultur und die Eigenheiten ihrer Lebensweise, wobei er seine Aufmerksamkeit vor allem auf jene Punkte richtete, die für den diplomatischen Umgang von Bedeutung sein könnten.

Zugleich stieß er auf Hinweise zur besonderen Wirkung von Salz auf die Arcona. Natriumchlorid, das für viele Spezies ein alltäglicher Bestandteil der Nahrung war, wirkte auf sie hochgradig berauschend und konnte rasch zu einer schweren Abhängigkeit führen.

Lucien runzelte leicht die Stirn und markierte den entsprechenden Abschnitt für später, weniger aus wirtschaftlichem Interesse als aus der schlichten Erkenntnis, dass ein unbedachter gesellschaftlicher Empfang bereits durch die falsche Auswahl an Speisen zu einer diplomatischen Katastrophe werden konnte. Sollte Mata Timone ihm tatsächlich ein vollständiges Dossier zusammenstellen, würde dieses hoffentlich auch kulturelle Umgangsformen, Sicherheitsvorgaben und eine Liste jener Dinge enthalten, die er unter keinen Umständen als Gastgeschenk mitbringen durfte.

Je länger er las, desto mehr wurde Lucien eines klar. Cona war keine besonders angenehme Welt, zumindest nicht nach Luciens persönlichen Maßstäben. Eine ammoniakhaltige Atmosphäre, Atemschutz außerhalb geschlossener Gebiete, drückende Hitze und ein chronischer Mangel an Wasser gehörten nicht gerade zu den Dingen, die er bei der Auswahl eines Reiseziels gewöhnlich bevorzugte. Wirtschaftlich war der Planet jedoch weitaus interessanter, als er zunächst vermutet hatte. Seine Ressourcen, seine Abhängigkeiten und seine Lage machten ihn zu einem Partner, der für Truuine langfristig von erheblichem Wert sein konnte,

Lucien speicherte mehrere Notizen auf seinem persönlichen Datenpad, darunter Fragen zu bestehenden Wasserlieferverträgen, freien Bergbaurechten, der politischen Stellung des Großen Nestes, den wichtigsten Raumhäfen und den aktuellen Handelswegen zwischen Cona und den umliegenden Systemen.
Vieles davon würde das offizielle Dossier beantworten, doch er wollte vermeiden, vollkommen von den Vorbereitungen anderer abhängig zu sein. Außerdem gefiel ihm der Gedanke, Mata Timone bei der Übergabe der Unterlagen zumindest teilweise überraschen zu können. Bedienstete, Sekretäre und Verwaltungsbeamte neigten dazu, junge Adelige wie ihn entweder sehr zu unterschätzen oder von Anfang an mit jener vorsichtigen Nachsicht zu behandeln, die man sonst nur Kindern und besonders teuren Haustieren entgegenbrachte. Ein wenig eigene Vorbereitung konnte helfen, dieses Bild schneller zu korrigieren.

Als er schließlich auf das Chrono am Rand des Terminals blickte, stellte Lucien fest, dass mehr Zeit vergangen war, als er erwartet hatte.

Das Abendessen mit Ridley würde in absehbarer Zeit beginnen, und obwohl sein Schwager vermutlich selbst nach einem Tag voller militärischer Operationen kaum erwarten konnte, dass Lucien in formeller Abendkleidung erschien, kam es für ihn dennoch nicht infrage, direkt aus der Bibliothek an den Tisch zu treten.

Er schloss die geöffneten Dateien, übertrug seine Notizen auf das Datenpad und verließ die Bibliothek, während sich draußen bereits das Licht des späten Nachmittags über Moraband veränderte.


Als Lucien seine Suite erreichte, hatte er die bevorstehende Reise bereits weitgehend akzeptiert. Das bedeutete keineswegs, dass er sich auf Conas Atmosphäre, die Hitze oder die Aussicht freute, erneut mehrere Stunden in einem Schiff zu verbringen. Dennoch besaß der Auftrag genügend Reiz, um jene seltene Form von Arbeitsbereitschaft in ihm zu wecken, die sich immer dann zeigte, wenn eine Aufgabe nicht nur Pflichterfüllung verlangte, sondern Raum für Kreativität, persönliche Wirkung und einen gewissen gesellschaftlichen Auftritt bot.

Nach einer erfrischenden Dusche, nahm er sich ein frisches Hemd auszuwählen, dessen cremefarbener Stoff einen eleganten Kontrast zu seiner Haut bildete. Darüber trug er ein fein geschnittenes Sakko in tiefem Blau, das weniger formell wirkte als eine vollständige Abendgarderobe, zugleich jedoch deutlich machte, dass er das gemeinsame Essen nicht als beiläufige Mahlzeit betrachtete. Eine schmale Zierkette verschwand unter dem Kragen, während die Manschetten aus hellem Metall das Wappen des Hauses Velcrest trugen.

Vor dem Spiegel strich Lucien ein letztes Mal über das Revers seines Sakkos und betrachtete sich mit sichtbarer Zufriedenheit. Der junge Mann, der ihm entgegenblickte, sah keineswegs aus wie jemand, der vor wenigen Stunden unfreiwillig auf einer fremden Welt abgesetzt worden war und nun bereits wieder in ein anderes System geschickt werden sollte. Er wirkte gesammelt, elegant und durchaus bereit, mit einem Gouverneur über politische Entwicklungen, wirtschaftliche Möglichkeiten und vielleicht sogar persönliche Dinge zu sprechen.

Gerade Letzteres interessierte Lucien inzwischen mehr, als er erwartet hatte.

Ridley war schwerer einzuordnen, als es die knappen Beschreibungen seines Vaters vermuten ließen. Seine Herzlichkeit hatte ehrlich gewirkt, zugleich jedoch jene kontrollierte Präzision besessen, die Lucien von erfahrenen Politikern kannte. Die Erwähnung Zoëllas hatte aber in ihm etwas in ihm ausgelöst. Auch wenn Lucien nicht bestimmen konnte, ob es sich um Trauer, Schuld oder lediglich die verständliche Belastung einer schmerzhaften Erinnerung gehandelt hatte. Beim Abendessen würde sich vielleicht eine Gelegenheit ergeben, jenseits der förmlichen Begrüßung einen besseren Eindruck von seinem Schwager zu gewinnen.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Norpolarkreis / Moraband / Praxeum ] Lucien
 
[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Orbit rund um Truuine | Mesh'lane ] Kal Andrim, Theranos Zesh, Aren Vayliuar, Dr. T'rsop, weitere Ehrengäste und die Crew der Jacht (NSCs)

Der Überflug nach Truuine war überaus ruhig verlaufen und das hatte sich gnadenlos gerecht. Seit Captain Kal Andrim die Akademie vor wenigen Monaten verlassen hatte, hatte er jeden einzelnen Tag unter nicht unerheblichem Druck gestanden. Auch wenn der Kuati bisher nur in Friedenszeiten gedient hatte, so hatte er doch eine erstaunliche Anzahl an teils heftigen Gefechten teilgenommen. Seine nicht weniger als 30 bestätigten Abschüsse kamen nicht von ungefähr und so rückblickend betrachtet wirken die damit verbundenen nahezu unzähligen Nahtoderfahrungen geradezu unwirklich und das obwohl Kal alles persönlich erlebt hatte. Auch seine bis heute erhaltenen Auszeichnungen sprachen ein klares Bild seiner Erfolge, davon allem voran natürlich die Beförderung zum Captain des imperialen Raumjägerkorps, auf die er besonders stolz war. Immerhin war es eine Sache, für diese oder jene Tat ausgezeichnet zu werden. Die Beförderung aber bewies, dass man ihm mehr Verantwortung zutraute und der Kuati nahm diesen Vertrauensbeweis als Ansporn, sich weiter zu beweisen.

Und dennoch war
Kal in ein massives emotionales Loch während des Fluges gefallen. Der nicht enden wollende Stress der letzten Monate hatte ihn an Bord der Yacht von Moff Vayliuar endlich eingeholt. Es war nicht einmal der nicht unerhebliche Luxus hier an Bord, der ihm zu schaffen machte oder der enge Kontakt zu diversen einflussreichen Politikern des Prefsbelt-Sektors an Bord, derlei war ihm als Spross der Zehn alles andere als fremd. Es war der Moment der Ruhe an sich. Zum ersten Mal nach ungezählten Monaten war der Kuati frei von jeglichen militärischen Verpflichtungen und diese bis ins Unterbewusstsein vorgedrungene Erkenntnis sorgte dafür, dass sich sein Körper ganz der angestauten Erschöpfung hingab und einforderte, was bisher immer auf später geschoben worden war. Mehr als 5 Stunden Schlaf zur Verfügung zu haben war mehr als ungewohnt geworden und doch…schien es dieser Tage einfach nicht genug zu sein, ganz egal wieviel Kal sich auch gönnte und sich anderweitig dem Müßiggang hingab, so wollte das Gefühl der Erschöpfung doch einfach nicht von ihm ablassen.

Kal aber nahm es gelassen. Er war jetzt auch kein Mediziner, an der Akademie hatte man ihn aber auf das aktuelle… Phänomen… vorbeitet. Es würde vorübergehen und so schnell würde der Kuati sein Muskelgedächtnis nicht verlieren, auch wenn er jetzt ein paar Wochen vielleicht nicht in der Kanzel verbrachte. Stattdessen genoss er diese Phase der vergleichsweisen Ruhe, so gut er es konnte. Es war tatsächlich recht angenehm, nicht mit der Gefahr des Todes im Nacken durch die Tage zu gehen. Die gelegentlichen Gespräche mit jetzt Sektor Adjutant Theranos Zesh waren dabei auf angenehme Art und Weise recht anregend gewesen. Themen wie dieser sektorweite Wirtschaftsschutzverband, der Ausbau von Industrieanlagen und Handelsrouten sowie zusätzlicher Kolonisationsprojekte in und um den Prefsbelt-Sektor waren eine willkommene Abwechslung, wenngleich es einige Überschneidungen mit den Strategiebesprechungen an der Akademie oder im 152. Raumjägergeschwader gab. Kal konnte seinem Gesprächspartner hier durchaus auf Augenhöhe begegnen, war der Kuati doch von Kindesbeinen an auf seine Funktion als Entscheidungsträger für die Andrim Schiffswerften und damit auch Kuat Drive Yards vorbereitet worden.

Der letzte Sprung hatte sie ins Truuine-System gebracht und auch wenn die die blaue Kugel des Planeten im Sichtfenster von
Kals Quartier noch kaum größer als ein Datapad war, so begann der Kuati doch bereits, sich auf die Landung vorzubereiten. So kurz die Ruhephase an Bord während der Reise auch gewesen war, sie war nun beinahe vorbei und eine strenge Erziehung in der Kindheit hatte dafür gesorgt, dass der Adelsspross nicht einmal auch nur in Betracht zog, in der Öffentlichkeit Schwäche zu zeigen. Entsprechend penibel bereitete er sich auf die Ankunft auf dem Planeten vor, die mit Sicherheit von einigen Kamerateams verewigt werden würde. Kal Andrim hatte einen Ruf zu verteidigen und musste gewissen Ansprüchen entsprechen. Nicht nur als Offizier ihrer Majestät und als Vertreter des Adelshauses Andrim, sondern auch als Spross der Zehn und damit natürlich ebenso als Vertreter von Kuat Drive Yards.

Mit geübten Handgriffen, die dem Kuati schon vor langer Zeit in Fleisch und Blut übergegangen waren, ging
Kal Andrim die nötigen Schritte durch, um sich für die Öffentlichkeit repräsentabel herzurichten. Das ganze Prozedere glich einem Ritual und es half dem Adelsspross dabei, seine Gedanken zu ordnen und Ruhe in seinen Geist zu bringen. Die Erschöpfung war immer noch da. Die kurze Reise von Prefsbelt IV aus war einfach keine Ruhephase von ausreichender Menge gewesen, als dass der Stress der vergangenen Monate ausreichend Gelegenheit hätte finden können, um sich vollständig in Wohlgefallen aufzulösen. Kurz bevor die durchsage des Piloten kam, dass sich die Passagiere für den finalen Landeanflug und den Eintritt in die Atmosphäre Truuine bitte anschnallen mögen, war Kal dann auch endlich fertig damit, seinem Gesicht mit dezentem Makeup den letzten Schliff zu geben und auch die letzten Anzeichen von Erschöpfung unter die Oberfläche zu zwingen. Unter seinen Mitpiloten fand er derlei zwar nicht notwendig, doch zumindest für die anstehenden Holoaufnahmen wollte er sich nicht angreifbar machen. Seine Mutter hatte ohnehin schon mehr als genug an ihm auszusetzen, da musste er ihr nicht auch noch Munition liefern.

[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Orbit rund um Truuine | Mesh'lane ] Kal Andrim, Theranos Zesh, Aren Vayliuar, Dr. T'rsop, weitere Ehrengäste und die Crew der Jacht (NSCs)
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Auf dem Gletscher / in einem Unterstand ] Vorn, sowie (NPCs) Cestus Varro, das Skybridge Bataillon und andere Invasionstruppen.


Noch während die ersten LAAT/i-Kanonenboote auf der frischen Gletscher Landezone aufsetzten und frische Kräfte der Planetaren Sicherheitskräfte aus ihren geöffneten Seitenschotten strömten, ließ Cestus die zuständigen Kompanie- und Zugführer zu sich rufen.

Denn Gouverneur Solaris hatte den Befehl zur Ablösung jener Soldaten erteilt, die gemeinsam mit den Sith und der ersten Angriffswelle die Eiswand erklommen hatten. Daraufhin ließ Cestus unverzüglich sämtliche Kompanie- und Zugführer antreten und verteilte die nächsten Aufträge an seine Offiziere.

„Ich will bis zum Abend eine vollständige Aufstellung“, erklärte Cestus den versammelten Offizieren, während hinter ihnen immer weitere Kanonenboote landeten und die aufgewirbelten Schneefahnen über den Brückenkopf trieben. „Gefallene, Verwundete, Vermisste, beschädigte Ausrüstung und verbleibende Munitionsbestände, getrennt nach Kompanien und Zügen. Die erste Angriffswelle wird in kürze abgelöst und ich will, dass jede Stellung ordnungsgemäß übergeben wurde. Niemand verlässt seinen Abschnitt, ohne eine ordnungsgemäße Übergabe an die Planetaren Sicherheitstruppen.” Die Antworten kamen knapp und ohne Rückfragen.

Währenddessen untersuchten Pioniere die eroberten Stellungen auf Sprengfallen, markierten sichere Zugänge und begannen damit, die Verbindungen zwischen der Gletscherkante und dem mittlerweile beinahe vollständig eingeschlossenen Hauptbunker der Rebellen auszubauen.

Der Bunker und der umliegende Bereich würden, wie es aussah, nicht mehr lange standhalten.
Von beiden Flanken unter Druck gesetzt, durch Mörserfeuer von den rückwärtigen Stellungen abgeschnitten und ohne die Möglichkeit, weitere Unterstützung aus der Luft anzufordern, würden die verbliebenen Verteidiger innerhalb der folgenden Stunden einen Abschnitt nach dem anderen verlieren. Einige versuchten, sich durch schmale Versorgungsgänge ins Landesinnere abzusetzen, andere ergaben sich, während die letzten hartnäckigen Feuerstellungen durch Pioniere und schwere Waffen ausgeschaltet wurden.


Cestus befand sich gerade in einem Unterstand in der Nähe der Gletscherwand und ging gemeinsam mit zwei seiner Offiziere die ersten Verlustmeldungen durch, als ein Kommunikationsoffizier nähertrat. Der Mann salutierte, wartete die knappe Erwiderung ab und überreichte ihm anschließend einen versiegelten Datenblock.

„Neue Befehle für das Skybridge-Bataillon, Sir.“

Cestus nahm den Datenwürfel entgegen, verband ihn mit seinem Datenpad und gab die Zugangsdaten ein und überflog die darauf enthaltenen Angaben.

Knapp zwei Flugstunden nordöstlich ihrer gegenwärtigen Stellung befand sich eine weitere befestigte Verteidigungslinie, deren Zentrum ein weiterer Bunkerkomplex in einem von Eis überzogenen Hügel bildete. Die Entfernung war zu groß, um Teile des Bataillons schnell über das offene Gletschergelände marschieren zu lassen, doch mit den eingetroffenen Kanonenbooten konnte die Strecke innerhalb einer vergleichsweise kurzen Zeit überwunden werden.

Der Auftrag war eindeutig. Bevor die Rebellen Gelegenheit erhielten, ihre Kräfte neu zu ordnen oder Verstärkungen aus anderen Abschnitten heranzuführen, sollte Cestus mit den noch einsatzbereiten und bislang zurückgehaltenen Teilen des Skybridge-Bataillons sowie mehreren Einheiten der Planetaren Sicherheitskräfte verlegen und die Stellung angreifen.

Er las den Befehl ein zweites Mal, prüfte die beigefügten Luftaufnahmen und gab das Datapad anschließend an den nächsten Offizier weiter.

“Informieren Sie die zweite und dritte Kompanie, dass es demnächst losgeht. Die erste Kompanie geht zurück Osicia. Planetare Sicherheitskräfte werden den Brückenkopf und den Bunker übernehmen, während wir nordöstlich verlegen.“
Die Offiziere nickten und wollten sich bereits abwenden, doch Cestus hielt sie mit einer weiteren Handbewegung zurück.

„Ich will extra Munition für einen längeren Bodenkampf, Sprengmittel für befestigte Zugänge und mindestens zwei PLX-1-Trupps pro Angriffszug und lt. den Aufzeichnungen werden wir einige Grabenkämpfe vor uns haben. Geben sie also extra Handblaster sowie kurze Vibroschwerter aus, die Truppen sind nicht grundlos im Nahkampf und Grabenkampf geschult. Die Mörser oder andere kleine Artillerie kommt ebenfalls mit, soweit sie transportfähig sind.
Und sorgen Sie dafür, dass die Kanonenboote nach Einheiten beladen werden. Keine gemischten Züge, keine Soldaten ohne ihre unmittelbaren Vorgesetzten und keine schweren Waffen in einem anderen Transporter als ihre Bedienmannschaften, wenn wir dort ankommen, wird es gleich richtig losgehen, da haben wir keine Zeit uns zu sammeln.“


Er blickte kurz in die Runde und verschränkte die Arme hinter den Rücken und lächelte ein wenig.

“Nadann worauf warten die Herren….Tempo Tempo TEMPO!”

Sofort begann sich der Unterstand mit Bewegung zu füllen. Befehle wurden übermittelt, Einheiten zusammengerufen und die benötigte Ausrüstung aus den neu angelegten Lagern geholt. Auf dem gesicherten Landeplatz standen bereits mehrere LAAT/i-Kanonenboote in einer lockeren Reihe, deren Triebwerke bereits liefen und den Schnee unter ihren Rümpfen in dichten Wolken über den Boden trieben. Soldaten des Skybridge-Bataillons stiegen zügig über die geöffneten Seitentüren ein, verstauten Munitionsbehälter, überprüften ihre Waffen und befestigten schwere Ausrüstung an den vorgesehenen Halterungen, während Offiziere die Anwesenheitslisten ihrer Züge kontrollierten.

Cestus hatte gerade den letzten Bericht über die Verteilung seiner Kräfte entgegengenommen, hatte sich ebenfalls zusätzlich mit einem kurzem Vibroschwert sowie einem Balster ausgerüstete und wollte selbst zu dem für ihn vorgesehenen Kanonenboot gehen, als ein junger Offizier der Planetaren Sicherheitskräfte eilig auf ihn zukam.

„Major Varro, Sir, eine Ergänzung zu Ihrem Einsatzbefehl.“

Cestus blieb stehen und wandte sich ihm zu.
„Sprechen Sie.“

„Gouverneur Solaris hat angeordnet, dass einer der Sith Ihre Einheit bei dem Angriff begleitet. Gefreiter Meri wurde dem Skybridge-Bataillon für die Dauer der Operation zugeteilt. Er soll weitere Erfahrung im gemeinsamen Einsatz mit regulären Truppen sammeln und Sie beim Angriff auf die Verteidigungsstellung unterstützen.“


Für einen Augenblick sagte Cestus nichts.

Die Aussicht, bei einem Angriff auf einen befestigten Bunker von einem Machtnutzer unterstützt zu werden, konnte kaum als Nachteil gelten. Er hatte während des Kampfes an der Eiswand mit eigenen Augen gesehen, wozu die Sith fähig waren, und selbst ein noch wie es aussah unerfahrener Akolyth konnte Möglichkeiten eröffnen, die einer gewöhnlichen Infanterieeinheit verschlossen blieben. Dennoch bereitete ihm die Vorstellung, einem Sith innerhalb seiner eigenen Befehlsstruktur konkrete Anweisungen geben zu müssen, ein gewisses Unbehagen.

Cestus war stolz auf seinen Rang und hatte niemals gezögert, Verantwortung für seine Befehle zu übernehmen, doch er war auch nicht töricht genug, die besonderen Verhältnisse zu ignorieren, die bei einem Machtnutzer galten. Auf dem Papier mochte Gefreiter Meri seiner Einheit zugeteilt worden sein und innerhalb der Operation den Anweisungen des Bataillonskommandeurs unterstehen, doch Cestus hatte wenig Interesse daran, bei ihrer ersten Meinungsverschiedenheit herauszufinden, wie ernst ein Sith die militärische Rangordnung tatsächlich nahm.

„Verstanden“, antwortete Cestus schließlich. „Schicken Sie ihn zu meinem Kanonenboot.“
Der Offizier salutierte und entfernte sich, während Cestus seinen Weg über das Landefeld fortsetze und dabei weiter nachdachte.
Er würde den Akolythen weder unnötig provozieren noch ihm aus Furcht jede Freiheit lassen. Wenn der Sith gemeinsam mit dem Skybridge-Bataillon in den Kampf zog, musste dem Sith klar sein, welches Ziel sie verfolgten und wo seine Fähigkeiten benötigt wurden. Alles Weitere würde sich vermutlich erst im Einsatz zeigen.

Im Inneren des LAAT/i war es laut und vom tiefen Vibrieren der laufenden Triebwerke erfüllt. Entlang der Seitenwände saßen bereits mehrere Soldaten, ihre Blaster zwischen den Knien und die Helme entweder aufgesetzt oder in den Händen haltend, während im vorderen Bereich der Kompanieoffizier die letzten Einsatzdaten auf einem kleinen Holoprojektor überprüfte. Cestus nahm seinen Platz stehend nahe der geöffneten Seitentür ein, hängte seinen Helm an seinem Gürtel neben seinem Einhandvibroschwert und warf einen Blick auf die übrigen Kanonenboote und beobachtete, wie die letzten Munitionskisten verladen wurden.


Kurz bevor der Pilot die Seitenschotten schließen ließ, fiel ein großer Schatten auf die geöffnete Einstiegsluke. Zwischen den aufgewirbelten Schneefahnen trat eine gewaltige Gestalt auf das Kanonenboot zu. Selbst unter der Rüstung wirkte der Mann breitschultrig und sehr muskulös. Knapp zweieinhalb Köpfe größer als viele der anwesenden Legionäre, mit dem Helm unter seinem Arm konnte, einem markanten schwarzen Vollbart, einem ausladenden Schnauzer und von dunklen Tätowierungen durchzogenen Gesichtszügen, strahlte er bereits im ruhigen Gang eine Präsenz aus, die kaum zu übersehen war. Seine rötlich wirkenden Augen musterten den Innenraum nur flüchtig.

Mehrere Soldaten rückten beinahe unbewusst ein Stück zur Seite, ohne dass der Akolyth auch nur ein Wort sagte. Niemand musste ihnen erklären, wer dort vor ihnen stand. Die Kombination aus der Rüstung, den unverkennbaren Tätowierungen und die Aura, die den Krieger umgab, genügte vollkommen. Vorn stieg ohne Hast in das Kanonenboot, ließ den Blick kurz über die Besatzung schweifen und nahm schließlich einen freien Platz ein, als wäre es für ihn das Selbstverständlichste der Welt.

Cestus beobachtete den Neuankömmling einige Augenblicke schweigend. Während des Angriffs hatte er ihn bereits mehrfach an der Seite Gouverneur Solaris' und der übrigen Sith gesehen, doch aus der Nähe wirkte der Mann noch beeindruckender. Er wusste kaum etwas über ihn, kannte weder seine Persönlichkeit noch seine Arbeitsweise und konnte nicht einschätzen, wie sich ein Sith innerhalb einer regulären Infanterieeinheit verhalten würde. Für den bevorstehenden Einsatz spielte das zunächst allerdings für Cestus keine große Rolle, er hatte einen Plan und würde diesen durchsetzen, mit oder ohne Sith.

Entscheidend war nur, dass sich mit dem Sith nun ein Machtnutzer an Bord befand – eine Verstärkung, die jeder Kommandeur in einem bevorstehenden Angriff auf eine befestigte Stellung lieber an seiner Seite wusste als auf der des Gegners.


Die Seitentüren schlossen sich, das Dröhnen der Triebwerke wurde dumpfer und kurz darauf hob das Kanonenboot vom Gletscher ab. Durch die schmalen Sichtbereiche konnte Cestus erkennen, wie der Bunker unter ihnen zurückblieb. Weitere LAAT/i stiegen neben ihnen auf und formierten sich für den Flug nach Nordosten.

Cestus wartete, bis die Maschinen ihre Formation eingenommen hatten und die ersten Einsatzmeldungen über sein Komnetz liefen, bevor er den Blick wieder auf Vorn richtete. Es erschien ihm wenig sinnvoll, gemeinsam in einen weiteren Kampf zu fliegen, ohne wenigstens zu wissen, mit wem er es zu tun hatte.

„Sie sind also Gefreiter Meri“, begann er und musste seine Stimme etwas anheben, um gegen das Dröhnen des Kanonenboots anzukommen. „Man hat mir mitgeteilt, dass Sie uns bei dem kommenden Angriff begleiten und gleichzeitig Erfahrungen im gemeinsamen Einsatz mit regulären Truppen sammeln sollen. Da wir vermutlich noch einige Zeit gemeinsam in diesem Einsatz verbringen werden, können wir ebenso gut damit beginnen, sich vorzustellen.”

Er klopfte sich mit der Faust leicht auf die Brust und fuhr fort. “Ich bin Major Cestus Varro, Kommandeur des Skybridge-Bataillons.“ Er ließ eine kurze Pause verstreichen und musterte den Akolythen mit ernstem Blick und dabei mit jener kontrollierten Ruhe, mit der er gewöhnlich auch neue Offiziere oder Spezialisten begrüßte, selbst wenn die Umstände dieses Mal erheblich ungewöhnlicher waren.


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Nur wenige Minuten nachdem Theranos sein Quartier verlassen hatte, begann die Mesh’lane ihren Sinkflug durch die Atmosphäre Truuines. Das kaum wahrnehmbare Vibrieren, das sich dabei durch den Boden der Yacht zog, begleitete ihn auf seinem Weg zu jenem Bereich, in dem sich die kleine Delegation für die bevorstehende Landung zusammenfinden sollte. Noch bevor er diesen erreichte, veränderte sich das Licht hinter den breiten Sichtfenstern, als die Dunkelheit des Alls allmählich dem gedämpften Blau der oberen Atmosphäre wich und sich unter ihnen eine Welt aus Wasser, Wolken und weitläufigen, vom Eis gezeichneten Landmassen öffnete.

Theranos verlangsamte seine Schritte für einen kurzen Augenblick und ließ seinen Blick über die Landschaft unter ihnen wandern. Truuine wirkte aus dieser Höhe zugleich vertraut und fremd. Die gewaltigen Ozeane, die einen erheblichen Teil der Oberfläche bedeckten, spiegelten das Licht des Systems in langen, silbrigen Bahnen wider, während zwischen den Wolken immer wieder schneebedeckte Gebirgszüge und dunklere Küstenregionen sichtbar wurden.

Moraband erschien schließlich am Horizont, zunächst lediglich als Schimmer zwischen den eisigen Ebenen, ehe sich nach und nach die Konturen der Hauptstadt herauslösten. Breite Verkehrsachsen durchzogen die Stadt, zahlreiche Gebäude waren mit dezenten Lichtinstallationen versehen worden, und selbst aus der Entfernung konnte Theranos erkennen, dass der bevorstehenden Gala erhebliche Aufmerksamkeit gewidmet worden war. Auf mehreren Plätzen schimmerten festliche Dekorationen die auf die Gala hindeutete, zwischen der ansonsten zurückhaltenden Architektur hervor, während ein ungewöhnlich dichter Strom ziviler Gleiter, Shuttles und privater Raumfahrzeuge durch die kontrollierten Flugkorridore rund um die Hauptstadt geführt wurde.

Die wirtschaftliche Bedeutung der kommenden Tage ließ sich bereits an diesem Anblick erahnen. Jede der ankommenden Yachten brachte nicht nur Gäste, sondern ebenso Personal, Waren, technische Ausrüstung und Dienstleistungen auf den Planeten. Hotels, Gastronomie, Verkehrsbetriebe, Sicherheitsdienste und zahlreiche kleinere Unternehmen würden von dem gewaltigen Besucheraufkommen profitieren, während die internationale Aufmerksamkeit Truuine noch lange nach dem eigentlichen Abschluss der Gala begleiten konnte. Theranos hatte die entsprechenden Berechnungen gelesen, doch wie so oft vermochten Zahlen allein kaum wiederzugeben, welche Bewegung eine Veranstaltung dieser Größenordnung tatsächlich in eine Welt brachte.

Als er sich schließlich zu den übrigen Mitgliedern ihrer Reisegesellschaft gesellte, befand sich die Mesh’lane bereits im kontrollierten Endanflug. Theranos nahm seine vorgesehene Position hinter Moff Aren Vayliuar ein, während Gouverneur T’rsop und Captain Kal Andrim ebenfalls schon bereitstanden, die Yacht nach der Landung gemeinsam mit ihnen zu verlassen. Die Stimmung wirkte ruhig und konzentriert, ohne jene angespannte Förmlichkeit, die viele politische Ankünfte begleitete. Truuine war für sie keine unbekannte oder gar feindselige Welt. Zwischen Ridley Solaris, Aren und den Vertretern Prefsbelt IVs bestanden längst politische wie persönliche Verbindungen, die während der zurückliegenden Krisen nicht allein auf dem Papier bestanden hatten, sondern durch konkrete Zusammenarbeit gefestigt worden waren.


Dennoch blieb es eine offizielle Ankunft.

Für Theranos war es sogar weit mehr als das. Zum ersten Mal würde er Ridley zum ersten mal Leibhaftig gegenüberstehen. Auch war es sein erster Auftritt in seiner neuen Funktion als Sector Adjutant. Die Rangabzeichen an seiner Uniform mochten nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Erscheinungsbildes verändern, doch ihre Bedeutung reichte erheblich weiter. Mit ihnen verbanden sich Erwartungen, Zuständigkeiten und ein Verantwortungsbereich, dessen tatsächliche Größe er erst allmählich zu erfassen begann.

Ein sanfter Ruck ging durch die Yacht, als die Landestützen auf dem festen Untergrund aufsetzten. Wenige Augenblicke später verstummte das tiefe Dröhnen der Triebwerke weitgehend und wurde von den gedämpften Geräuschen der sich vorbereitenden Besatzung abgelöst. Durch ein Sichtfenster konnte Theranos Teile des weitläufigen Landefeldes erkennen, das sich unweit des Praxeums befand. Hinter den befestigten Flächen erhob sich der Regierungskomplex von Moraband, dessen Architektur sich klar gegen die eisige Umgebung abhob und trotz seiner repräsentativen Größe nicht den Eindruck erweckte, die Landschaft vollständig verdrängen zu wollen.

Als sich die Rampe der Mesh’lane langsam öffnete, drang die kalte Luft Truuines in das Innere der Yacht. Theranos spürte den deutlichen Temperaturwechsel beinahe augenblicklich, ließ sich davon jedoch nichts anmerken und wartete, bis Aren sich in Bewegung setzte. Erst danach folgte er dem Moff die Rampe hinab, während T’rsop und Kal in der vorgesehenen Ordnung hinter ihnen gingen.


Der Empfang, der sie am Fuß der Yacht erwartete, war repräsentativ, ohne überladen zu wirken. Mehrere Angehörige der planetaren Regierung, Beamte und ausgewählte Würdenträger hatten sich nahe dem Landefeld eingefunden, während zu beiden Seiten des vorgesehenen Weges Angehörige der truuinischen Sicherheitskräfte in sorgfältig ausgerichteten Reihen Spalier standen.

Im Mittelpunkt des Empfangs stand Ridley Solaris.

Theranos hatte den Gouverneur seit den zurückliegenden Ereignissen auf Truuine nicht mehr per Holo gehört oder gesehen. Während ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit waren immer wieder Berichte, Nachrichten und formelle Abstimmungen zwischen ihren Verwaltungen ausgetauscht worden. Doch keine davon konnte den unmittelbaren Eindruck eines persönlichen Treffens ersetzen. Solaris empfing zunächst den Moff und anschließend die übrigen Mitglieder der Delegation mit jener offenen, respektvollen Freundlichkeit, die Theranos bereits aus früheren Holo-Nachrichten kannte. Der Austausch blieb angesichts des offiziellen Rahmens zunächst angemessen kurz, wirkte jedoch keineswegs distanziert.

Als Theranos selbst an die Reihe kam, erwiderte er die Begrüßung mit einem aufrichtigen Lächeln und einem festen Händedruck.
„Es freut mich sehr, das wir uns nun endlich von Angesicht zu Angesicht kennenlernen, Gouverneur Solaris.“


Nach den offiziellen Begrüßung setzte sich die kleine Gruppe gemeinsam mit ihren Gastgebern in Richtung des Praxeums in Bewegung. Der Weg vom Landefeld war nicht weit, gab Theranos jedoch genügend Gelegenheit, die Umgebung aufmerksamer zu betrachten. Neben den vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen waren zahlreiche zusätzliche Vorkehrungen getroffen worden, um den erhöhten Verkehr und die Vielzahl an hochrangigen Gästen kontrollieren zu können. Personal bewegte sich mit sichtbarer Routine zwischen den Gebäuden, Fahrzeuge wurden ohne größere Verzögerungen weitergeleitet, und trotz der bevorstehenden Veranstaltung entstand nirgendwo der Eindruck unkoordinierter Hektik.

Theranos wusste aus eigener Erfahrung, wie leicht ein solches Bild täuschen konnte. Hinter einem reibungslosen Empfang standen oftmals Wochen sorgfältiger Planung, unzählige Dienstpläne, Sicherheitsbesprechungen, Transportgenehmigungen und kurzfristige Änderungen, die von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden. Gerade deshalb betrachtete er funktionierende Organisation niemals als Selbstverständlichkeit. Wenn sie nicht auffiel, war dies meist das deutlichste Zeichen dafür, dass jemand seine Arbeit außerordentlich gründlich erledigt hatte.


Das Innere des Praxeums vermittelte einen ähnlich geordneten Eindruck. Trotz des erhöhten Betriebs rund um die Gala blieb die Atmosphäre kontrolliert. Kunstwerke und historische Darstellungen waren an ausgewählten Stellen stärker hervorgehoben worden, während zusätzliche Sitz- und Gesprächsbereiche den Eindruck vermittelten, dass man im Verlauf der kommenden Tage mit zahlreichen politischen wie gesellschaftlichen Begegnungen rechnete.

Solaris führte die Delegation zunächst in einen ruhigeren Bereich des Praxeums, wo ihnen nach der formellen Ankunft Gelegenheit gegeben wurde, sich für einige Augenblicke zurückzuziehen und die unmittelbar bevorstehenden Abläufe zu besprechen. Auch dort hieß der Gouverneur sie noch einmal ausdrücklich auf Truuine willkommen und brachte seine Freude über ihre Anwesenheit zum Ausdruck. Theranos nahm die Worte mit einem dankbaren Nicken entgegen. Nach den gemeinsamen Erfahrungen der vergangenen Zeit empfand er ihre Einladung keineswegs als bloße politische Förmlichkeit, und allein die Tatsache, dass Solaris sie trotz der zahlreichen Verpflichtungen persönlich empfangen hatte, wusste er entsprechend zu würdigen.


Allzu lange konnte der Gouverneur jedoch nicht bei ihnen bleiben. Bereits während der kurzen Begrüßung war erkennbar geworden, dass seine Aufmerksamkeit an diesem Tag von weiteren Angelegenheiten beansprucht wurde, deren Natur Theranos weder kannte noch zu diesem Zeitpunkt zu hinterfragen beabsichtigte. Die letzten Vorbereitungen einer Veranstaltung dieser Größenordnung wären allein bereits ausreichend gewesen, um die Zeit eines planetaren Regierungschefs vollständig zu beanspruchen; darüber hinaus existierten auf jeder Welt Aufgaben, die unabhängig von offiziellen Besuchen und festlichen Programmen erledigt werden mussten.

Solaris entschuldigte sich daher nach angemessener Zeit und erklärte, dass wichtige planetare Angelegenheiten seine Anwesenheit erforderten. Zugleich versicherte er ihnen, dass sich während der kommenden Tage ausreichend Gelegenheit für weitere Begegnungen ergeben würde und er selbstverständlich auch im Rahmen der Gala anwesend sein werde. Anschließend übergab er die Betreuung seiner Gäste an eine Legatin seiner Regierung, die bereits unweit der Gruppe gewartet hatte und Theranos durch ihre ungewöhnliche Erscheinung sofort auffiel.


Die Karkarodonierin saß in einem technisch hochwertig wirkenden Rollstuhl, dessen Konstruktion deutlich erkennen ließ, dass er nicht nur für kurze Wege innerhalb des Praxeums vorgesehen war. Theranos kannte ihren Namen und ihre Stellung aus seinen Akten, auch wenn er bislang keine Gelegenheit zu einer persönlichen Begegnung mit ihr gehabt hatte.

Nachdem sich der Gouverneur von ihnen verabschiedet hatte, übernahm die Legatin die Führung durch den Regierungskomplex und geleitete die Delegation zu den für sie vorbereiteten Räumlichkeiten. Theranos folgte ihr gemeinsam mit den anderen durch mehrere Korridore und Verbindungsbereiche, wobei er trotz der Erklärungen zu den bevorstehenden Abläufen immer wieder einzelne architektonische Details betrachtete.
Das Praxeum unterschied sich deutlich vom Gouverneurspalast Prefsbelt IVs. Wo der Palast von Blue One durch monumentale Symmetrie, prefanische Klassik und bewusst inszenierte Ordnung geprägt war, wirkte dieser Regierungssitz stärker mit den Eigenheiten Truuines und seiner Umgebung verbunden. Materialien, Licht und Raumführung schienen die klimatischen Bedingungen des Planeten nicht verbergen zu wollen, sondern machten sie zu einem Teil der eigenen Identität.

Die ihnen zugewiesenen Zimmer lagen in einem abgeschirmten Gästebereich des Praxeums, der ausreichend Privatsphäre bot und zugleich einen schnellen Zugang zu den repräsentativen Räumen des Komplexes ermöglichte. Theranos ließ sich die wichtigsten Einrichtungen und Wege zeigen, hörte den Hinweisen der Legatin aufmerksam zu und bedankte sich anschließend höflich für die Betreuung. Sein Gepäck sollte kurze Zeit später aus der Mesh’lane gebracht werden, sodass ihm bis zum weiteren Abendprogramm genügend Zeit blieb, sich einzurichten und seine Unterlagen noch einmal zu ordnen.

Erst nachdem sich die Gruppe allmählich auf die verschiedenen Räumlichkeiten verteilt hatte und Theranos für einige Augenblicke allein vor dem Fenster seines Zimmers stand, erreichte ihn das Gefühl, tatsächlich angekommen zu sein.

Theranos legte sein Datapad auf einem nahen Tisch ab und ließ den Blick noch einige Zeit über die Hauptstadt wandern. Die vergangenen Tage auf der Mesh’lane hatten ihm Gelegenheit gegeben, sich auf sein neues Amt vorzubereiten, doch erst jetzt begann er zu begreifen, dass diese Reise nicht mehr lediglich eine Unterbrechung seines bisherigen Lebens darstellte.

Sie war der erste Schritt in jenes neue Leben gewesen.
Zum ersten Mal seit seiner Ernennung befand er sich auf einer anderen Welt, umgeben von politischen Verantwortlichen, Unternehmen, Künstlern, Wissenschaftlern und Vertretern zahlreicher Institutionen, deren Arbeit möglicherweise schon bald in seinen eigenen Zuständigkeitsbereich hineinreichen könnte.

Truuine lag vor ihm. Die Gala würde bald beginnen, Imperialis Sensus stand kurz vor seinem ersten großen öffentlichen Auftritt, und irgendwo zwischen den kommenden Empfängen, Ausstellungen und Gesprächen würde sich zeigen, was diese Welt für ihn bereithielt.


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[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - erster imperialer Brückenkopf an der Gletscherkante - Vorn alleine für sich, umgeben von zahlenreichen Imperialen]

Das Leben als Soldat - oder Sith oder was auch immer – in einem imperialen Krieg war merkwürdig. Es war so ganz anders, als Vorn es aus der Zeit davor kannte. Statt einer konstanten Anspannung, unregelmäßiger Kämpfe und im Grunde Ungewissheit als Konstante, war diese ganze bisherige Kampagne das genaue Gegenteil.

Zuerst die Besprechung und Planung. Vorn hatte nur zugehört. Dann das Fliegen zum Wasserschiff. Vorn hatte nur gesessen. Danach dann die Reise zum eigentlichen Schlachtfeld. Vorn hatte nur dagestanden. Schließlich, endlich, der Kampf. Eine für eine einzelne Person viel zu große Übermacht an Feinden, ausgerüstet mit Waffen, die er – wenn überhaupt – nur zur Hälfte kannte und abwehren konnte. Kleine Raumschiffe über ihm, alles zerfetzende Artillerie auf beiden Seiten, riesige Kugelgeschosse und Granaten und nicht zu vergessen selbstmordgefährdete weiße Riesenaffen. Kurz um: der absolute Clusterfu*k. Vorn hatte aktiv mitgemacht, aber im Grunde hatte er nicht wirklich aus eigener Kraft überlebt. Schlussendlich eine kurze Episode auf dem Gletscher selbst, in welchem er mit der Macht einen besonders nervigen Feind vom Himmel geholt hatte. Wieder nicht alleine, aber immerhin.

Und jetzt stand er wieder nur herum. Sein Körper und Geist verarbeiteten immer noch diese Phasen. Der langsame Aufbau, das viele Nichts tun, das Abwarten und im Grunde nicht wissen, was da vor ihm lag. Dann der explosive Kampf ohne echte Pause, in der er sich zu 80% eh nur verteidigt hatte und es auch hatte tun müssen. Kurz mal nicht aufgepasst und die Wi**ser hatten ihm auf geradezu mechanisch präzise Weise gleich ein paar Treffer rein gedrückt. Die er nur dank dieser lächerlich aufgemotzten Superrüstung überlebt hatte. Er sah die Leichen um sich herum. Sah Streifschüsse, die in diesem Klima trotzdem zum Tod geführt hatten und Löcher an Körperstellen, die Vorn für absolut überlebbar hielt. Ganz offensichtlich machte es einen Unterschied, ob man von einer Klinge oder einem Plasmabolzen durchbohrt wurde. Andere Körper waren zerfetzt worden, waren offensichtlich durch die Luft geschleudert worden und dann hart auf dem Eis aufgeschlagen. In dieser Phase hatte sich keiner um die offensichtlich Toten gekümmert. Sie lagen alle noch so da, wie sie gefallen waren. Nur da, wo das Imperium gerade arbeitete, Dinge aufbaute und Wege anlegte, wurden sie zur Seite geschoben. Wie Geröll, wie Müll.

Vorn hatte sehr viel imperiale Technologie, die Grundausbildung, die Ausbildung in der Macht und seine eigene blutige und entbehrungsreiche Vergangenheit gebraucht, um nicht auf den selben formlosen Leichenhaufen zu landen. Oh, und den Zufall nicht zu vergessen. Schon ein Machtnutzer weniger, egal welcher, und es hätte übler ausgesehen. Ohne all die Soldaten in ihren Rücken, die Jäger am Himmel, die den TIE abgelenkt hatten, ohne die Wasserschiffe mit ihren Schutzschilden, ohne genug Artillerie … der rothäutige Akolyth sah sich um, rekapitulierte alles und brauchte plötzlich die Macht, um sich nicht seinen aufwallenden Emotionen hinzugeben. Dieser verfi**te Krieg war WAHNSINN! Nicht nur kämpfte er gerade einen Kampf, der nicht sein eigener war, all die Vorbereitungen waren hier von einer Sekunde zur anderen einen SCHEIß wert!

Jahre lang hatte er sich nur um Knüppel, Messer und Hände kümmern müssen. Das Töten und nicht getötet werden war … so einfach gewesen. Absehbar. Berechenbar. Die restliche Galaxie hatte das Chaos in der Zwischenzeit zur Strategie erhoben. Wie konnten sich die einfachen Soldaten so etwas antun? Vorn stand fünf Stufen über ihnen und fühlte sich schon nicht ausreichend vorbereitet und ausgerüstet!

Einem plötzlich aufkommenden Impuls folgend, löste der Mensch die Versiegelung an seinem Helm und nahm ihn ab. Zischend löste er sich und während er ihn mit seiner kybernetischen Linken hielt, konnte er nicht anders und fuhr sich mit seiner gepanzerten Rechten übers Haar und dann den Bart. Der eisige Wind war schneidend, tatsächlich schlimmer als Vorn gedacht hatte, weshalb er sich im nächsten Augenblick auch umdrehte und den tödlichen Wind mit seinen Eiskristallen den Rücken zuwandte. Es war zu kalt für tiefe Atemzüge, doch er brauchte das gerade. Er war ganz offensichtlich keiner von diesen „Ich raste aus, wenn ich in engen Räumen bin“-Typ, doch ein Kampfanzugtyp war er auch nicht. Es fühlte sich alles so... unecht an. Und ein bisschen entfernt, als gäbe es immer einen kleinen Spalt zwischen ihm und der Realität. Was ja auch stimmte, nur das der Spalt ein Anzug aus … was auch immer war. Selbst das herumfuchteln mit dem Laserschwert fühlte sich dadurch komisch an.

Die kalte Luft und die unterstützende Wirkung der Macht ließen den Akolythen etwas herunterkommen. Während des Kampfes hatte er nur funktioniert, doch das Danach schien ihn hart getroffen zu haben. Doch fast genau so gut hatte er sich wieder beruhigen können und da er ähnliches aus der Vergangenheit kannte, schob er das auf die Macht. Es war regelrecht zu einfach gewesen.
Ach ja, Macht. Er sollte meditieren, solange man ihn noch ließ.

Dafür suchte er sich eines der von den Rebellen aufgebauten Unterständen, die den Angriff nicht überstanden hatten und im Augenblick auch keinen Nutzen mehr für irgendetwas boten. Aber er hielt den Wind ab. Dort setzte er sich zwischen zersprengte Reste der „Wände“ und „Decke“ und schloss die Augen. Irgendwann kam auch mal ein paar Imperiale vorbei, die irgendetwas von „nach Sprengfallen suchen“ erzählten, dann aber schnell wieder verschwanden, als Vorn nicht darauf reagierte. Danach ließ man ihn dann in Ruhe.

Bis man es nicht mehr tat. Ohne Wind konnte der Boden alleine keine Geräusche schlucken. Überall lag Schnee, Eissplitter, Schrott und anderer Scheiß herum, weshalb der nun auf Vorn zukommende Imperiale schwerlich zu überhören war. Obwohl der Machtnutzer nach wie vor seine Augen geschlossen hatte, konnte er schon anhand dieser paar Geräusche einschätzen, wer da kam. Er war klein, schmal und hatte es eilig. Wie es kleine Personen, die mit den echten Männern mithalten wollten, es immer waren. Sie mussten so viele Schritte machen, um den einen von zum Beispiel Vorn auszugleichen. Er hasste so was. Es nervte ihn auf irrationale Weise. Als wären sie wie Insekten. Also öffnete er die Augen gerade rechtzeitig, damit der Imperiale nicht räuspern oder sonst was tun musste, um seine Aufmerksamkeit zu erregen.

„Was?“ fragte er unwirsch. Ob aus der Meditation oder dem Tiefschlaf, niemand mochte es vorzeitig aus diesem gezerrt zu werden. Der Offizier, dessen exakten Rangnamen Vorn schon wieder vergessen hatte, gab neue Befehle weiter. Von Aster. War das gut? War das zu bevorzugen? Das sie Boten benutzten, um nicht direkt miteinander zu reden? Darüber würde er noch nachdenken. Doch zuerst folgte er der Anweisung. Man wies ihm den Weg und er ging diesen alleine.

Kurz vor seinem Ziel schien ihm das Universum hold zu sein, denn ein paar Männer bewegten gerade Feldrationen von A nach B. Allein dieser Anblick reichte dem Machtnutzer, um an seinen leeren Magen zu denken. Also bediente er sich einfach. Man sah ihn zwar an, doch dank ihrer Helme konnte man eh nichts erkennen und sie waren klug genug, um nichts zu sagen. Erst eine, dann, ach, zwei können nicht schaden und schließlich nahm er doch drei. Das Imperium dachte an vieles, doch er traute ihnen nicht zu, das sie seinen Kalorienbedarf einkalkuliert hatten. Dank zahlreicher Taschen und Anhängemöglichkeiten verstaute der Akolyth alles, noch bevor er den Transporter betrat.

Im Inneren von diesem wartete bereits der Rest. Ein Haufen – weil Helme tragende – Niemande. Vorn ließ seinen Blick kurz schweifen, fand den einzigen noch freien Platz und setzte sich. Man hatte ihm keine weiteren Details genannt. Er wusste also nicht, wie lange sie fliegen würden. Weshalb er sich bereits seine erste Ration griff, als all das Geruckel des Startes und Ausrichtens vorbei war und sie nun in einen relativ ruhigen gradlinigen Flug übergingen. Er kam aber nicht dazu sie zu öffnen, denn plötzlich stand
Major So-und-so vor ihm. Der quasselte ihn erst einmal zu, tat aber vor allem so, als würden sie einander gar nicht kennen. Und Vorn war schon der Meinung, er hätte ein lächerlich schlechtes Gedächtnis, wenn es um Namen und Titel ging. Wenigstens konnte er sich Stimmen merken. Die des Majors zum Beispiel. Selbiger stellte sich nun noch einmal vor. Er war alles in allem höflich. Eigentlich sogar zu höflich, bedachte man ihren Rangunterschied. Weshalb es hier nicht um militärische Ränge, sondern um etwas anderes ging. Vorn war ein Machtnutzer und der Major wusste um all die Unterschiede zwischen diesen und normalen Offizieren. Seine Stimme klang jedoch normal, kein Anzeichen von Angst oder auch nur Anspannung. Was man wohl von einem Bataillonskommandeur erwarten durfte.

„Wusste gar nicht, dass ich so vergessenswert bin.“ gab Vorn zurück und bemühte sich damit - seit einer gefühlten Ewigkeit - mal wieder seiner Dagora Rhetorik, die hier und da auch Sarkasmus, nun, nicht direkt erforderte … aber … es gab Momente, da passte er ideal.
„Wir haben uns im Cafè so-und-so getroffen. Aster hat das eingefädelt.“
Wozu noch mal? Vorn hatte es schon wieder vergessen. Das ganze Treffen war doch bestimmt Zeitverschwendung gewesen oder?
Nun packte er seine Ration aus und begann zu essen. Nein, nicht essen, um zu stopfen, denn wie gesagt, er wusste nicht wie viel Zeit er insgesamt hatte. Ein paar Sekunden hier und da waren aber drin, um selber so zu tun, als wäre ihm Höflichkeit wichtig.

„Sie und ihre Leute haben sich gut geschlagen. Wenn ich schon in dieser gefrorenen Hölle sitze, dann lieber bei euch.“

Stopf stopf stopf.

„Gleiches Prinzip wie letztes Mal. Ich halte euch am Leben und ihr ballert diesen scheiß Scharfschützen die Rübe weg! Klingt das gut, Sir?!“

Wie er diese feigen Fernkampfwi**ser hasste...

[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - in einem Kanonenboot auf dem Weg zum nächsten Einsatz - Akolyth Vorn, Cestus Varro und Soldaten des Skybridge Bataillons]
 
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