Die erste Folge der dritten Staffel von House of the Dragon hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Ich habe sie nicht schlecht gefunden. Es gibt einige starke Szenen, interessante Figurenmomente und die Produktion bewegt sich weiterhin auf einem Niveau, von dem die meisten Serien nur träumen können. Trotzdem wollte der Funke bei mir diesmal nicht so richtig überspringen. Ich habe sie auch nicht in einem Rutsch, sondern in drei Etappen gesehen.
Vielleicht liegt das auch daran, dass sich die Folge für mich weniger wie ein Staffelauftakt anfühlt als wie ein verspäteter Abschluss der zweiten Staffel. Man merkt an vielen Stellen, dass hier noch Dinge abgearbeitet werden, die eigentlich schon vor zwei Jahren hätten erzählt werden sollen. Dadurch fehlt ein wenig das Gefühl eines echten Neuanfangs.
Am meisten gestört hat mich die Struktur der Episode. Kaum beginnt eine Szene, springt die Handlung schon wieder woanders hin. Dann ist man bei Rhaenyra, kurz darauf in Königsmund, dann auf See, dann wieder bei einer anderen Figur. Natürlich gehört dieses große Ensemble mittlerweile zur Serie dazu, aber diesmal hatte ich oft das Gefühl, dass die Geschichte nie lange genug an einem Ort bleibt, um wirklich Spannung aufzubauen.
Dabei funktionieren gerade die ruhigeren Szenen erstaunlich gut. Emma D'Arcy liefert erneut eine starke Vorstellung ab. Rhaenyras Frust, ihre Wut und ihre zunehmende Verzweiflung sind jederzeit spürbar. Auch Aemond gefällt mir in dieser Folge. Er wirkt gefährlicher denn je, gleichzeitig aber auch verletzlicher, als er selbst wahrhaben möchte.
Überhaupt zieht sich das Thema Selbstüberschätzung durch die ganze Episode. Fast alle wichtigen Figuren glauben, die Situation im Griff zu haben. Fast alle liegen damit falsch. Das fand ich deutlich interessanter als manche der eigentlichen Kriegsszenen.
Der große Mittelpunkt der Folge ist natürlich die Schlacht in der Gurgel. Technisch gibt es daran kaum etwas auszusetzen. Die Effekte sehen hervorragend aus, die Musik trägt viel zur Atmosphäre bei und einige Einstellungen sind wirklich beeindruckend.
Trotzdem hat mich die Schlacht weniger gepackt als ich erwartet hatte.
Das Problem ist nicht die Umsetzung, sondern der Aufbau. Die Folge nimmt sich kaum Zeit, Spannung entstehen zu lassen. Statt sich konsequent auf diesen einen Schauplatz zu konzentrieren, wird ständig zwischen verschiedenen Handlungssträngen hin und her geschnitten. Dadurch fehlt die Zuspitzung, die frühere Höhepunkte von Game of Thrones so stark gemacht hat.
Hinzu kommt, dass einige der beteiligten Figuren für mich emotional nicht stark genug verankert sind. Man versteht, warum bestimmte Ereignisse wichtig sind. Man versteht auch ihre Auswirkungen auf den Krieg. Aber man fühlt sie nicht immer in dem Maß, wie die Serie es offenbar beabsichtigt.
Was mir dagegen sehr gefallen hat, war die Darstellung der Drachen. Die Folge zeigt erneut, dass diese Kreaturen keine präzisen Waffen sind. Sobald mehrere von ihnen gleichzeitig in den Kampf eingreifen, entsteht Chaos. Niemand kontrolliert die Situation noch wirklich. Freund und Feind geraten gleichermaßen in Gefahr. Gerade diese Unberechenbarkeit verleiht den Drachen eine Bedrohlichkeit, die weit über spektakuläre Feuerbälle hinausgeht.
Auch das Ende der Schlacht mochte ich. Die Serie widersteht der Versuchung, alles in einen großen heroischen Zweikampf münden zu lassen. Die entscheidenden Tode wirken abrupt, unspektakulär und dadurch umso härter. Niemand bekommt den großen Abgang. Niemand erhält einen würdevollen letzten Moment. Das erinnert an die frühen Jahre von Game of Thrones, als der Tod oft einfach kam und keine Rücksicht auf Erwartungen nahm.
Visuell bleibt vor allem das Bild der ineinander verkeilten Schiffe in Erinnerung. Solche Einstellungen zeigen, wie stark House of the Dragon weiterhin aussieht.
Am Ende bleibt für mich eine gute, aber keine herausragende Episode. Vieles ist handwerklich beeindruckend. Vieles funktioniert auf dem Papier. Trotzdem fehlt der Folge etwas. Vielleicht Ruhe. Vielleicht Konzentration. Vielleicht einfach die Zeit, ihre besten Ideen wirklich wirken zu lassen.
Ich bin weiterhin gespannt auf die Staffel. Die Grundlagen für interessante Entwicklungen sind vorhanden. Dieser Auftakt hat mich aber deutlich weniger mitgerissen, als ich es nach der langen Wartezeit gehofft hatte.