Und weiter geht's.
Das neue Intro der dritten Staffel gefällt mir inzwischen richtig gut. Letzte Woche war es für mich noch etwas ungewohnt, aber mit den Trommeln bin ich mittlerweile warm geworden. Sie verleihen dem Ganzen deutlich mehr Kraft und passen hervorragend zur Stimmung der Serie.
Den Handlungsstrang rund um Rhaenyras Einkerkerung hätte ich allerdings nach wie vor nicht gebraucht. Er schwächt ihre Position innerhalb ihres eigenen Lagers, den Schwarzen, unnötig. Ich verstehe nach wie vor nicht, warum man mit aller Gewalt versucht, zwischen nahezu jedem Charakter Konflikte und Misstrauen aufzubauen. Es ist fast schon ein Wunder, dass überhaupt noch jemand für irgendjemanden kämpft, wenn sich gefühlt jeder von seinem Gegenüber verraten fühlt, selbst Verrat begeht oder glaubt, über den Tisch gezogen zu werden. Auch der Keil, den man nun zwischen Baela und Rhaena treibt, wirkt auf mich völlig unnötig. Jeyne Arryn war im Buch schließlich eine treue Unterstützerin Rhaenyras, obwohl sie Daemon nicht besonders mochte.
Die Siegesfeier von Daemon gemeinsam mit den Kriegern der Flusslande und des Nordens fand ich dagegen sehr gelungen. Auch dass Daemon anschließend zurückgerufen wird, hat mir gefallen. Die Suche nach der Seeschlange hat zwar einige schöne Charaktermomente geliefert, insgesamt hätte ich sie aber nicht gebraucht. Wie erwartet hat Corlys überlebt. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn die Serie mit den Erwartungen der Buchleser spielt, aber inzwischen passiert das für meinen Geschmack etwas zu häufig. Erst die Seeschlange, dann Tyland Lannister – irgendwann nutzt sich dieser Überraschungseffekt einfach ab.
Mit Daemons wachsender Unzufriedenheit gegenüber Ulf dem Weißen und Hugh Hammer setzt sich dieses gegenseitige Misstrauen leider weiter fort. Gibt es in Westeros eigentlich niemanden mehr mit Rückgrat und einem Funken Loyalität? Umso besser fand ich dafür Daemons Auseinandersetzung mit Mysaria. Man sieht sehr gut, wie ihr Einfluss auf Rhaenyra immer weiter zunimmt. Umso bedauerlicher finde ich es, dass Nettles komplett aus der Serie gestrichen wurde.
Harrenhal sieht einfach fantastisch aus und die Eroberung wurde großartig umgesetzt. Aemond kämpft sich entschlossen durch die Burg, während Vhagar alles in Flammen aufgehen lässt. Auch das Ende von Haus Kraft war hervorragend inszeniert. Dass Aemond dabei verwundet wurde, fand ich eine richtig gute Idee und eine gelungene Erweiterung der Geschichte.
Die Eroberung von Königsmund ist zwar bei Weitem nicht so blutig wie im Roman, wurde aber dennoch unglaublich stark umgesetzt. Was für ein großartiger Moment – für mich definitiv auf Game of Thrones-Niveau. Dass der Großmeister sich sofort auf die Seite Rhaenyras schlägt und sich als treuer Diener ihrer Hoheit präsentiert, fand ich eine richtig gelungene Abweichung von der Vorlage. Vor allem da er Jasper Wylde ausliefert, diesen "die Schlimmsten Wörter die ihr kennt einsetzen". Genau so dürfen Änderungen gerne aussehen: Sie erweitern die Geschichte sinnvoll und wirken glaubwürdig.
Auch die Enthüllung, dass Larys Kraft Otto Hohenturm eingesperrt hat, hat mich überrascht. Eine weitere großartige Abweichung vom Buch, die Larys' Verschlagenheit noch stärker hervorhebt und seinen Charakter auf ein neues Niveau hebt. Otto Hohenturm hat letztendlich bekommen, was er verdient hat. Einzig hätte ich mir gewünscht, dass Rhaenyra bei seinem Schicksal nicht einen Moment zögert. Der Tod dieser Schlange war für meinen Geschmack fast noch zu gnädig. Dass Lord Jasper nicht einmal seinen Satz beenden durfte, passte dagegen perfekt. Dieser Verräter hat endlich bekommen, was er verdient hat.
Schade fand ich lediglich, dass Tyland Lannister nicht anwesend war. Dennoch sitzt nun endlich die wahre Königin auf dem Eisernen Thron.
Dass Ser Lorent nun offenbar doch sterben soll, nachdem die Königin ihn zu Beginn noch verschont hat, finde ich schade. Es sei denn, hier wird bereits etwas für die kommenden Folgen aufgebaut – ich bin gespannt. In Game of Thrones und House of the Dragon gab es schließlich schon einige Charaktere, die für tot gehalten wurden und später doch wieder auftauchten. Sogar manche Figuren, die man vermeintlich sterben sah, waren am Ende doch nicht endgültig tot.
Das Ende der Folge war noch einmal ganz großes Kino und hat meine Vorfreude auf die nächste Episode enorm gesteigert.
Für viele meiner grundsätzlichen Kritikpunkte kann diese Folge nichts. Sie hat meine Erwartungen erfüllt und gehört für mich bisher definitiv zu den stärksten Episoden der gesamten Serie.